In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
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7. 181. Johannes Fend - „Hinter jedem Hindernis versteckt sich auch etwas Gu...
8. 180. Christof Spörk - Der Natur beim Wachsen zuschauen
9. 179. Yves Theiler - „... wenn das Gegenüber strahlt weil etwas tönt!“
10. 178. Jazzpodium - „Auch ein guter Text kann mich beleben“
11. 177. Maxi Pongratz - „Navi find ich super“
12. 176. Bertrand Gröger & Joo Kraus – Beides Teamplayer
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Foto: Thomas Huisman
Freitag 11.02.2022
181. Johannes Fend - „Hinter jedem Hindernis versteckt sich auch etwas Gutes"
Gut zwei Jahre ist es her, da gehörte Johannes Fend als Bassist zum Franz von Chossy Trio, das im Januar in der Reihe „Jazz First“ in Fürstenfeld gasstierte. Es war ein großer Musikabend über den damals in der SZ zu lesen war: „Mit schönen Melodien, mächtigen Harmonien und treibenden Rhythmen spielte dieses Trio eine Musik, die voller Unwägbarkeiten steckte. Und auch wenn Franz von Chossy an seinem Instrument zu außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Lage ist - das Besondere an diesem Musikabend war das perfekte Ineinandergreifen von Stimmungen, Gedanken und Inspirationen aller drei Musiker.“
Dann schlug die Pandemie zu, das gesellschaftliche Leben wurde immer wieder bis auf das allernötigste heruntergefaheren. Künstler verloren ihre Engagements, Studiotermine fielen aus, mediale Veröffentlichungen wurden auf Eis gelegt. Was tun? Wovon leben?
Johannes Fend, Bassist aus Leidenschaft, wohnt in den Niederlanden, hat hier Jazz und Klassik studiert und in verschiedenen Formationen sich sein musikalisches Rüstzeug und die entsprechende Sicherheit erspielt.
In der Pandemie-Zeit reifte bei ihm der Gedanke, ein Soloalbum zu produzieren. Die Zeit hierfür schien reif (Bassisten wie Larry Grenadier, Marc Johnson, Mats Eilerstsen, Dieter Ilg u.a. sind dieses Wagnis zuletzt erfolgreich eingegangen). Die Ideen für dieses Projekt entstanden auf langen Spaziergängen und das Ergebnis, das mit „Journey“ vorliegt, ist faszinierend geraten. Es sind Aufnahmen voller Erhabenheit, akustische Landschaftsbegleitungen, Stimmungsbilder, verwunschene Illusionen, in denen Mensch und Instrument deutlich hörbar im Mittelpunkt stehen. Es ist ein melancholischer Grundgestus der den Kompositionen zugrunde liegt und die eine faszinierende Atmosphäre entstehen lassen.
(das Album ist zu beziehen unter: https://www.johannesfend.com/journeyalbum)


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Johannes Fend: Ich denke, dass immer viele Menschen, Einflüsse wie Bücher und auch Zufälle dafür mitverantwortlich sind, wo man sich gerade befindet. Davon abgesehen, ist wenn man lange genug konsequent arbeitet, alles möglich. Früh gute Lehrer zu haben war für mich sicher wichtig. Ich weiß nicht ob ich mich ohne ihre Ermutigung getraut hätte, ein Musikstudium ins Auge zu fassen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JF: Mit “Journey” möchte ich den Hörer/die Hörerin zu einer besonderen Erfahrung einladen. Es ist mehr eine Reise in Etappen als ein Album.
Das erste Stück ‘Enter’ transportiert uns in eine andere Welt, und jedes darauffolgende Stück repräsentiert ein Ereignis auf der Reise, bis uns ‘Return’ wieder zurück bringt.
Ich habe versucht so zu komponieren und aufzunehmen, dass ‘Journey’ in einem gang angehört werden kann. Ohne Pause, vom ersten bis zum letzten Stück. Es soll sein, wie wenn man im Kino einen Film ansieht. Nur, dass man hier die Augen schließt und jede(r) hinter geschlossenen Augen seine/ihre eigene Reise erfährt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JF: Ich möchte mich nicht beschweren. Hinter jedem Hindernis versteckt sich auch etwas Gutes. So war zum Beispiel die COVID Pandemie für mich ein Geschenk von Zeit, um mein Solo Album zu verwirklichen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JF: Ich war in den Weihnachtsferien Zuhause in Österreich und habe eines Morgens lange im Wohnzimmer meditiert. Da wurde mir klar, dass ich mein Unbehagen selber schüre, indem ich mein Wohlergehen an der Zukunft festmache. Aber es gibt keine Erlösung in der Zukunft, und keine Errungenschaft bringt bleibendes Glück. Alles Glück und Wohlbefinden kann nur jetzt, in diesem Moment (vor dem ich oft weglaufe), erfahren werden. Und so kommt man, wenn man nicht mehr versucht irgendwo hin zu gelangen, plötzlich an.
Und da finde ich es schön, dass Musik etwas ist, das im Moment passiert. Etwas, das gelebt wird und uns in die Gegenwart bringt.
Wie Alan Watts sagen würde (in etwa): Es geht nicht darum schnell zum Ende einer Symphonie zu gelangen. Denn man geht nicht in ein Konzert für den Schlussakkord, sondern für die Symphonie. Genau wie man nicht tanzt, um ans andere Ende der Tanzfläche zu gelangen. Man tanzt, um zu tanzen. Es geht darum, diesen Moment bewusst zu erleben.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JF: Ein Konzert, bei dem die Chemie stimmt. Wenn ich hinter der Bühne oder unterwegs zum Konzert eine gute Zeit mit den anderen Musikern habe. Wenn ich übe und mich in ‘Flow’ verliere. Und wenn ich nach einem Unterricht inspirierte Schüler sehe.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JF: Wenn ich viel zu tun habe mit Proben und Konzerten, komme ich weniger dazu Musik zu hören. Aber ich mag alle möglichen Stilrichtungen, wenn ich das Gefühl kriege, dass Magie drin steckt. Zum Beispiel beim Album “Last Dance” von Keith Jarrett und Charlier Haden, das Stück “Musica Dolorosa” von Peteris Vasks. Oder “We get Requests” vom Oscar Peterson Trio.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JF: Ich habe einen Plattenspieler. Vor kurzem habe ich mir aber sehr gute Kopfhörer gekauft und genieße damit hochauflösende Musik auf Qobuz oder Tidal.

KK: Was lesen Sie momentan?
JF: Ich höre sehr viel Hörbücher und Podcasts. Vor kurzem habe ich “Can’t hurt me” von David Goggins, “Lives of the Stoics” von Ryan Holiday und “The Wim Hof Method” gehört. Ich lese auch gerade “The 4 Hour Chef” von Tim Ferriss. “A book on learning disguised as a cookbook”. Weniger für das Kochen, als für seine Strategie “META” um alles Mögliche (z.B. Sprachen, Sportarten) in Rekordzeit zu lernen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JF: Das sind wahrscheinlich lächerliche Sachen, die mir gerade nicht einfallen.
Es bringt leider nichts sich zu ärgern. Sonst würden sich viele Probleme schnell lösen. Entweder man unternimmt etwas, oder man akzeptiert die Situation.

KK: Was freut Sie ungemein?
JF: Gutes Essen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JF: Ja, ich mache gerne selber Sachen. Zum Beispiel habe ich meinen Schreibtisch und zwei Boxen die ich für Konzerte verwende selber gebaut.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JF: Ich schaue nicht so oft Filme. Aber Hugh Jackman finde ich beeindruckend als Menschen, nachdem ich einen langen Podcast mit ihm gehört habe.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JF: Ein Portal, durch das ich Freunde und Familie auf der Ganzen Welt besuchen kann ohne zu reisen.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JF: Beides. Ich bin eher introvertiert und arbeite gerne alleine und ohne Ablenkung wie im Buch “Deep Work” von Cal Newport illustriert. Aber am Ende ist fast alles was ich mache (Konzerte, Aufnahmen..) ein “Team Effort”.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JF: Oft am Morgen, bevor ich mir Mails und andere Nachrichten anschaue. Oder beim Spazieren.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JF: Bei mir sind es im Moment eher Podcasts wie “The Tim Ferriss Show”, “Making Sense” von Sam Harris und “Contrabass Conversations” von Jason Heath.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JF: Das ist eine große Aufgabe. Wahrscheinlich müsste ich mich erst ein Jahr lang auf diesen Tag vorbereiten.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JF: Darüber mache ich mir noch keine Gedanken.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JF: Die Welt verändert sich ständig. Die Klima Krise, das weltweite politische Klima und neue Technologien fordern uns heraus. Wir müssen schon aufpassen wo wir da hin steuern. Auf einer persönlichen Ebene denke ich, dass man mit einer Offenheit zu lernen und sich weiter zu entwickeln, am besten für die Zukunft gewappnet ist.

Zitat von einem belgischen Album Review:
“Nach dem Ausklingen des letzten Stückes Now konnten wir nur noch drei Buchstaben stammeln: Wow!” (Hans Vermeulen, Luminous Dash)
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Foto: Wolfgang Hummer
Mittwoch 19.01.2022
180. Christof Spörk - Der Natur beim Wachsen zuschauen
Christof Spörk ist vielseitig. Bekannt als Musiker und Kabarettist wissen hingegen die wenigsten, dass er auch Politikwissenschaften studiert hat. Seine Doktorarbeit lautete: „Musik und Politik in Kuba 1959 bis 1999“. In seinen Auftritten, wenn diese wegen der momentanen Pandemiesituation nicht gerade verschoben werden, kommen all diese Fähigkeiten wunderbar zur Geltung: Seine Liebe zur Musik (hier besonders zum Latin-Jazz), seine politische Beobachtungsgabe und Analysefähigkeit, seine nationale Zugehörigkeit (als Österreicher gehen einem, besonders momentan, die politischen Themen nicht aus). Sein neustes Programm heißt DAHAAM – mit dem er im März wieder auf Deutschland-Tour sein wird.
Alle Termine im Januar sind zumindest auf deutschen Bühnen abgesagt. KK hat er hingegen ein Interview gegeben – vielleicht als Appetit und Werbung auf spätere Gastspiele!


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Christof Spörk: Ich würde sagen, eine gute Melange aus angeborenem Spieltrieb, grenzenloser Neugier, überschaubarem Ehrgeiz und großem Glück.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
ChSp: Wen? Das habe ich mir nie so recht überlegt. Publikum will jeder erreichen, der auf die Bühne geht. Logisch. Und was? Weltverbesserung wäre maßlos übertrieben. Obwohl ich natürlich als Zeitgenosse schon was Sinnvolles abliefern möchte.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
ChSp: Meiner eigenen Prokrastination. Es gibt ja immer soviel zu tun …

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
ChSp: Na ja, die Pandemie ist ja nicht unbedingt ein „Erlebnis“. Aber beeindruckend ist schon, was sie aus uns macht. Im Guten wie im Schlechten.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
ChSp: Zunächst einmal eindeutig der Kreativprozess an sich. Wenn etwas gelingt, ist es wunderschön. Und natürlich ein gelungener Abend auf der Bühne. Wenn alle oder fast alle strahlen. Das ist für mich Menschsein im besten Sinne des Wortes.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
ChSp: Leider viel zu wenig. Aber derzeit führt mich gerade mein neuer Bühnenpartner und musikalischer Begleiter Alberto Lovison auf längeren Autofahrten in seine Musikwelt ein. Das ist faszinierend. Wir haben einen sehr ähnlichen Geschmack. Stark Latin-beeinflusst. Nur höre ich seit zwanzig Jahren dieselbe Musik. Und er ist wirklich am Laufenden.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
ChSp: Bisher klar CD. Hab mir jedoch zu Weihnachten einen Plattenspieler geschenkt. Und wir haben vor, unser neues Programm „DAHAAM“ auf CD und erstmals auch auf Vinyl zu pressen.

KK: Was lesen Sie momentan?
ChSp: Die Literatur der 1920er Jahre hat es mir gerade angetan. Lion Feuchtwanger, Erich Maria Remarque und Franz Werfel waren meine letzten Highlights. Mich erstaunt deren Sprachgewalt. Da ist wohl einiges verloren gegangen in den letzten Jahrzehnten.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
ChSp: Unverlässlichkeit. Und ja – auch wenn das kleingeistig klingt – notorische Unpünktlichkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
ChSp: Der Natur beim Wachsen zuzuschauen. Und ja, langjährige stabile Beziehungen, ob privat oder beruflich.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
ChSp: Nein. Nicht einmal dran gedacht.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
ChSp: Zu Weihnachten habe ich mir drei Adam McKay-Filme reingezogen. Er ist ein toller Regisseur. Und er hat was zu sagen. Obendrein besticht seine Arbeit durch Ideen und Schmäh, wie wir Österreicher sagen würden. Und er inspiriert ganz offensichtlich seine Schauspieler zu Höchstleistungen.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
ChSp: Ich glaube eher, es sollten eine Menge Dinge „entfunden“ werden. Es gibt viel zu viele sinnlose Erfindungen, die oft aus reiner Geldgier auf den Markt kommen und unsere natürlichen Ressourcen aussaugen und die Erde vermüllen. Also wenn man so will: eine Entfindungsmaschine würde ich sehr gerne erfinden.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
ChSp: Ich bin wohl eher der Typ Einzelkämpfer, der gerne Teamplayer wäre, es aber nicht wirklich kann.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
ChSp: Derzeit ganz klar beim Spazieren gehen. Aber man braucht schon ein paar flotte Kilometer, um überhaupt in einen Flow zu kommen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
ChSp: Blogs ehrlich gesagt kaum. Am liebsten lese ich Websites sogenannter seriöser Medien. Die „Süddeutsche Zeitung“ habe ich online abonniert. Offline lese ich „Die Zeit“. Die finde ich mit Abstand am besten. Ich finde, es geht in Sachen Information nach wie vor nichts über wirklich gut gemachten Journalismus. Ich lese aber auch alles andere, was mir unter die Augen kommt.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
ChSp: Da würde ich zunächst einmal eine Woche auf einen Berg gehen und lange nachdenken. Und dann würde ich mich mit jenen treffen, die es betrifft. Und wieder lange nachdenken. Und dann könnte ich vielleicht einen ersten sinnvollen Satz dazu abgeben.
Gut, eines weiß ich jetzt schon: In meinem Heimatland Österreich scheinen mir die Subventionen im Kulturbereich sehr einseitig auf staatliche Theater, Opernhäuser und ein paar Museen konzentriert zu sein. Da würde ich wohl ungeschauter mehr Innovation an der Basis fördern. Und die Schaffenden selbst unterstützen. Aber da geht es bei uns nicht nur um Kulturpolitik, sondern in hohem Maße auch um touristisch und somit wirtschaftlich relevante Investitionen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
ChSp: Um Gottes willen. Keine Autobiographien mehr.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
ChSp: Als notorischer Optimist, der ich bin, und als Vater vierer Kinder, würde ich sagen: Leider durchwachsen. Aber machbar. Wenn alle mitziehen.
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Mittwoch 05.01.2022
179. Yves Theiler - „... wenn das Gegenüber strahlt weil etwas tönt!“
Yves Theiler, der Schweizer Pianist, Komponist, Arrangeur und Musikpädagoge, ist künstlerisch ganz gewiss nicht auf der steten Suche nach harmonischen Allgemeinplätzen. Besonders die Arbeit seines Trios beeindruckt durch ein herausforderndes Wechselspiel zwischen Komposition und Improvisation, zwischen rhythmischer Komplexität und melodischen Minimalismen. Seine Musik ist aber auch gekennzeichnet von Einflüssen osteuropäischer und Schweizer Volksmusik und nordafrikanischen Motiven. Er hat, nach einem Musikstudium an der Zürcher Hochschule der Künste und dem Besuch von Masterclass-Workshops bei Jim Black, Glenn Ferris, Johannes Enders, Michel Portal, Aaron Goldberg und Jacques Demierre, mit so unterschiedlichen Musikern wie Alexander von Schlippenbach, Sylvie Courvoisier oder Omri Ziegele gespielt.
Am Freitag, 14. Januar ist das Yves Theiler Trio Gast der Reihe „Jazz It“ in Germering. Beginn des Konzerts: 19.30 Uhr.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Yves Theiler: Mein MusikerInnen-Umfeld in der Stadt Zürich der ganz späten 1990er- und der Nuller-Jahre. Es herrschte eine gute Mischung aus Internationalität und aktiven, sehr gut besuchten lokalen Szene-Orten wie allem voran dem alten(!) Mehrspur-Club (ex "The Club") an der Zürcher Waldmannstrasse mitten in der Innenstadt. Dort herrschte teilweise eine Stimmung, musikalisch wie optisch, wie in den tiefen 1960ern mitten in New York. Ein rappelvoller Jazzclub wo die alten Weisen auf die jungen Wilden trafen. Jeden Mittwoch eine großartige Hausband und danach eine open-end Jamsession. Rückblickend muss ich sagen: Das war eigentlich der größte Motor punkto Motivation und Inspiration damals, dort sah ich Existenzen, die mir aufzeigten; ein Leben als Musiker ist möglich! Die offizielle Ausbildung später an der Hochschule etwa, war eigentlich gar nicht der treibende Motor.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
YT: Als Musiker wie als Pädagoge möchte ich Menschen teilhaben lassen am Mysterium Musik, vor allem natürlich im Bereich vom kreativen musikalischen Schaffen wie Improvisation, Komposition aber natürlich auch Interpretation. Es ist etwas ganz besonderes wenn das Gegenüber strahlt weil etwas tönt!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
YT: Nun, es ist immer die Frage mit welchem Grad von menschlicher Größe sich das Gegenüber eben gerade präsentiert mit dem man zusammenarbeitet..
Ich bin heute der Meinung, dass dieser Faktor absolut unabhängig davon ist, von welchem Metier wir sprechen. Was man vielleicht sagen kann, ganz spezifisch auf die Jazzszene in der Schweiz bezogen; wo viel Subventionen involviert sind, kann auch der Respekt gegenüber den eigenen Leuten aus den eigenen Reihen innerhalb einer Szene absinken. Die Schweizer Jazz-Szene schaut selber zu wenig auf ihre eigenen Leute. Mehr noch melken kulturnahe KMU-Betriebe wie z.B. Plattenlabels die Künstler um an ihre Projektsubventionen zu kommen während ach so "berühmte" Ausländer aus dem großen Westen gratis veröffentlichen. Das ist bemitleidenswert. Aber eben, solche Zustände gibt es in fast allen Metiers. Und hierbei möchte ich unbedingt erwähnen dass ich das nicht aus Frust, sondern wenn dann höchstens aus Enttäuschung schreibe. Das sind nämlich zwei sehr verschiedene Empfindungen, das eine entsteht auf Grund eigener falscher Entscheidungen, das andere kommt von außen und ist nicht beeinflussbar sondern beruht auf einer Analyse und Beobachtungen äußerer Gegebenheiten.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
YT: Positiv: In meinem Heimatland, der Schweiz, werden politisch immer noch zu mehr als 50% gute Entscheidungen getroffen.
Negativ: Die seit Kurzem nun echt stark grassierende Gefahr der kreativen Verblödung durch die Digitalisierung, welche die Jugend einvernimmt und einseitig polt. Für das Entwickeln von Kreativität braucht man Physisches, die echte Welt, Dreck, die Straße, die Natur. Nicht ein Kinderzimmer mit sechs Bildschirmen. (Man muss alles dagegen tun wie es nur geht. Da haben wir Kulturschaffenden einen Auftrag!)

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
YT: Der Flow-Zustand beim Musizieren oder glückliche Gesichter beim Unterrichten.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
YT: Ich höre verschiedene Musik, die sich seit jeher in drei Teile gliedern lässt: Jazz (Älteres und Neueres wie auch Free-Jazz), Folklore (aus Zentral- und Osteuropa und aus der Schweiz, sowie Afrikanisches) und was mich auch interessiert sind neue Kompositionen aus dem Klassikbereich von Bartok über Glass bis ganz neues.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
YT: Das Medium ist mir eigentlich egal solange die Klangqualität stimmt und Kauf und Abrechnung fair sind. Am liebsten wäre mir daher gesehen die Vinyl-Platte.

KK: Was lesen Sie momentan?
YT: Wie das Gehirn die Seele Macht“ von Roth & Strüber.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
YT: Ignoranz gegenüber gesellschaftlichen Tatsachen und noch mehr das bewusste Verdrängen ebendieser zugunsten egoistischer Unterfangen. In anderen Worten: zur Zeit die meisten Politiker, ihr Mundwerk und ihr "Tun".

KK: Was freut Sie ungemein?
YT: Momente der inneren Zufriedenheit bei meinen nächsten, bei mir selber oder bei einem wohlgesinnten Gegenüber.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
YT: Ja, in bescheidener Art schon, Möbel. Aber keine ganze Küchen! :-D

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
YT: Ach, ich bin David Lynch-Fan. Dort ist es aber kein bestimmter Schauspieler der mir dann bleibt, es ist das Ganze in diesen großartig durchgeknallten Filmen Lynchs. Eine gute Schauspielerin ist aber zum Beispiel auch die Angela Merkel, die hats schon drauf.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
YT: Das beste E-Piano der Welt und ein kostenloser Hirnleistungsverbesserer..

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
YT: Wow, das ist eine tolle Frage. Ich sage es bewusst unbescheiden; ganz tief im Herzen wäre ich eigentlich einer der es sehr mag in Teams zu arbeiten. Mein Umfeld in der Realität der Deutsch-Schweiz von heute, hat mich aber schon auch eines Besseren belehrt und einen vorsichtiger gemacht über die Jahre. Ich ziehe gesunde Team-Arbeit dem Alleingang vor! Ich war aber nicht immer erfolgreich in meinen Teams.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
YT: Wenn es rund herum tobt und ich mich in den Zustand einer unsichtbaren Glocke versetze. Wenn es zu ruhig ist rundherum, kann ich mich schlechter konzentrieren und brauche länger bis ich zum Wesentlichen kommen kann.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
YT: Gar keine. Ich sitze arbeitsbedingt genug oft vor dem Laptop...wie jetzt zum Beispiel ;-)

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
YT: Jesses Gott diese Frage! ... :-D Als erstes würde ich alle Jurys und Kommissionen im Musik und Kunstbereich von Gender, Sprach, Religions und anderen außer-künstlerischen Parametern befreien und ein wahrlich modernes und neutrales Beurteilungsgesetz einführen, welchem alle öffentlich-rechtlichen Stiftungen und alle direkt staatlichen Geldgeber entsprechen und dafür akkreditiert werden müssen.
Einige Geldgeber und Akteure im Kulturmarkt haben zur Zeit einen an der Schüssel, es gibt in der Schweiz tatsächlich auch solche Auswüchse wie Band- und Musikbusiness-Coachings nur für Frauen(!), xenophobe und rassistische Stiftungen welche nur den ihrer Religiongemeinschaft angehöhrenden Kultur-Exponenten Geld ausschütten für Projekte und und und. Zuviel Freiheit und zu wenig Regulation und Kontrolle in diesem Bereich. Es herrscht keine Postmoderne, es herrscht in vielen Bereichen ein Trittbrettfahren des falsch verstandenen sogenannten "Bewusstseins"-Trends. Anstatt Inklusion selbstverständlich zu machen, fahren viele den Kurs der Definition durch Abgrenzung und Ablehnung. Eine Art "teuflischer" Irrweg einer völlig falsch verstandenen Diversifikation, dieses Thema verlangt eine grundehrliche Haltung, höchstes Niveau von Auseinandersetzung und muss komplett frei sein von marktwirtschaftlichen Hintergedanken!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
YT: Ecken, Kanten und Tasten! - Eine große Fresse bringts zum Klingen.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
YT: Hoffentlich steuern wir auf eine Zukunft hin, wo der Mensch sich zu einem etwas geläuterteren und gelasseneren Tier verwandeln kann … inklusive meiner selbst! :-D Und im Kleinen; wieder mehr Fokus auf nicht-digitale Unternehmungen und Phänomene. Das rein Digitale bleibt nämlich für immer und ewig im wahrsten Sinne des Wortes flach und zweidimensional. Da kann der grösste Server der Zukunft, der alle Windkraftwerke zum brennen und schmelzen bringt, auch nichts dran ändern.
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Montag 13.12.2021
178. Jazzpodium - „Auch ein guter Text kann mich beleben“
Im September 1951 erschien das erste Heft. Da existierte der Jazz zwar schon einige Jahrzehnte, hatte aber um Deutschland, zumindest während der Zeit zwischen 1933 bis 1945, einen großen Bogen machen müssen. Die Nazis bezeichneten ihn als „entartet“ und er wurde verboten. So war einige Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches der Hunger nach Kultur, auch nach Jazzmusik, riesig. Und es ging vielen damals nicht allein um das Hören ihrer swingenden und boppenden Favoriten. Sie wollten mehr über die Geschichte des Jazz wissen, über diese Musik der Freiheit und natürlich wollten sie wissen, welche Schallplatten es gibt, auf denen sie sich Count Basie, Stan Kenton und auch Billie Holiday nach Hause holen konnten.
Bis Dezember 1952 nannte sich das Heft noch „Das internationale Podium“, das neben dem Jazz auch über die Theater- und Filmwelt berichtete. Dann war es allein dem Jazz vorbehalten, zog von Wien nach Stuttgart, wo Dieter Zimmerle der Herausgeber wurde.
Heute ist der Sitz des acht Mal im Jahr erscheinenden "Jazzpodiums" in Bernried am Starnberger See und wird seit 2018 von Anja Freckmann und Adam Olschewski herausgegeben. Beiden ist es gelungen, das Heft vom leicht angesetzten Staub zu befreien und aus der „Mutter der deutschsprachigen Jazzzeitschriften“ ein modernes, lesenswertes und spannendes Periodika zu zaubern. Es informiert umfassend und originell über die zeitgenössische Jazzszene und beleuchtet mit ausgewählten Artikeln aus der siebzigjährigen Geschichte des Heftes packend die Vergangenheit. Zudem arbeiten die Herausgeber an einem digitalen Archiv, das einen Zugriff auf sämtliche erschienenen Hefte bieten soll. Wer also noch ein Weihnachtsgeschenk sucht – ein Abo des JAZZPODIUM wäre eine umwerfende Idee.
(https://jazzpodium.de/ )
Für das Jazzpodium antwortete Adam Olschewski.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Jazzpodium: Glück. Zufall. Gottes kleiner Finger. DAS LOS?

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JP: Leserschaft in erster Linie. Musikinteressierte in zweiter. Das Stichwort „Jazz“ steht im Magazintitel, es geht aber auch um Musik allgemein.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JP: Es heißt permanent zu entscheiden, was oft schlaucht. Auch ist man ständig gefragt: Promoter. Labels. Anzeigenkunden. Musizierende. Die Post. Wir sind eine kleine Mannschaft nur, produzieren pro Ausgabe lediglich 84 Seiten, die wir inhaltlich substantiell und optisch ansprechend anlegen möchten, da gibt es beileibe nicht für alles Platz. Wie überhaupt entscheiden, was ins Blatt kommt uWelche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen? Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit m häufigsten auseinandersetzennd was nicht? Welche Platte wird wie lang rezensiert? Und welche kommt gar nicht vor? Welche halbwegs passablen Kriterien setzt man da an? Lautet die Antwort tatsächlich: die eigenen Kriterien? – Wahrscheinlich ja.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JP: Die Pandemie. Aber die hat alle beeindruckt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JP: Wenn niemand etwas von mir möchte. Wenn ich Musik ungestört hören darf, was in der Redaktion kaum vorkommt, zu Hause aber schon mal. Auch ein guter Text kann mich beleben.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JP: Ich mag Musik fast allgemein. Da versuche ich mich wirklich nicht zu sehr zu binden. Aber Musik, die sich offenhält, mich herausfordert oder wenigstens überrascht, die mag ich besonders.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JP: Eher beides. Vinyl aber besonders gern, wenn Musik und Cover stimmen.

KK: Was lesen Sie momentan?
JP: Marcel Proust. Kein Scherz. Ich lese es, mit Gewinn auch für meine Arbeit.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JP: Dummheit.

KK: Was freut Sie ungemein?
JP: Mal dies und mal das, je nach Lage. Gute Musik aber immer.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JP: Nein. Wenn ein Baumhaus kein Möbel ist …

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JP: Jean Gabin in jedem seiner Renoir-Filme. Charlotte Rampling in „Unter dem Sand“, aber auch sonst. Harvey Keitel in „Bad Lieutenant“, aber auch in zig anderen Filmen. Lee Marvin in „Point Blank“. Eva Maria Saint in „North by Northwest“. Debra Winger und John Malkovich in „The Sheltering Sky“. Zbigniew Cybulski in „Asche und Diamant“. Sandra Hüller und Peter Simonischek in „Toni Erdmann“. Mehr noch?

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JP: Ein anständiges Perpetuum mobile.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JP: Einzeln geht nun wirklich nicht immer, aber ich ziehe es, immer wenn es geht, vor.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JP: Ein Einfall ist in jeder Situation drin.


KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JP: Die Website der Süddeutschen. Da den Sportteil vor allem. New York Times auch mal. Blogs nicht.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JP: Nicht notierte Musik finanziell besser stützen. Es ist hochgradig unerhört und dämlich, Klassik monströs zu subventionieren, die vielen großartigen Improvisatoren aber nahezu gar nicht.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JP: Du.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JP: Rosa nicht. Und hoffentlich nicht kleinkariert.
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Freitag 12.11.2021
177. Maxi Pongratz - „Navi find ich super“
Maxi Pongratz ist weit mehr als „nur“ ein Akkordeonspieler. Er komponiert, singt, verkörpert nicht alltägliche Lebensgefühle (hat auch keine Probleme diese zu erörtern) und ist Gründungsmitglied der „Kofelgschroa“, einer der wegweisenden Kapellen der neuen Volksmusik. Aufgewachsen ist er in Oberammergau („Ich bin ein Ammergauer“), lebt seit 2014 in München und pendelt seitdem zwischen Stadt und Land.
Am Samstag, 20. November treten Maxi Pongratz, Micha Acher & Verstärkung um 20 Uhr im Landsberger Stadttheater mit ihrem Programm „Musik für Flugräder“ auf. Hierbei handelt es sich um eine „ … musikalische Verneigung vor dem wunderbaren Werk Gustav Mesmers, dem „Ikarus vom Lautertal“ ...“.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Maxi Pongratz: Mein Aufwachsen in Oberammergau. Das nicht ganz wissen wo hin mit sich und vieles mehr.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MP: Da hab ich keine genaue Zielgruppe. Vielleicht begeisterungsfähige Menschen?

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MP: Von A nach B kommen. Mit organisatorischen Dingen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MP: Fällt mir grad nix ein.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MP: Wenn man zwischen einem selber auf Bühne und dem Publikum ein knistern spürt.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MP: Ich lass mir gern von Freunden, deren Geschmack ich vertrau, Hinweise geben. Da bin ich von der Richtung grundsätzlich recht frei.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MP: Beides.

KK: Was lesen Sie momentan?
MP: CoronaSchlagzeilen

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MP: Viel und wenig zugleich.

KK: Was freut Sie ungemein?
MP: Die nächsten Konzerte.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MP: Ich überlege, glaub ein Bett aus EuroPaletten.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MP: Von dem Hautdarsteller in dem Film „Gundermann“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MP: Navi find ich super und erleichtert mein oft orientierungsloses Leben enorm. Ich finde es könnte die Grundrichtung besser anzeigen. Aber wahrscheinlich kann ich es nur nicht richtig anwenden:)

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MP: Irgendwie beides.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MP: Beim Gehen repetierenden Tätigkeiten

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MP: Grad gar nicht.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MP: Die kleine Kultur fördern. Die Veranstalter unterstützen. Ein Bewusstsein für Kultur schaffen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MP: Fällt mir grad nix ein. Auf und Ab.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MP: Hoffentlich gut
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Dienstag 02.11.2021
176. Bertrand Gröger & Joo Kraus – Beides Teamplayer
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Fotos: René van der Voorden (J.Kraus) & Lisa Gramlich (Jazzchor Freiburg)
Der eine, Joo Kraus, ist Solist, formiert eigene Jazz-Bands oder tourt als Special Guest (mit Maria Pacheco, dem Bossarenova Trio, Omar Sosa, Nana Mouskouri u.a.). Der andere, Bertrand Gröger, ist seit etlichen Jahren Leiter einer Großformation, dem Jazzchor Freiburg. Am Freitag den 05. November treten sie gemeinsam im Veranstaltungsforum Fürstenfeldbruck in der Reihe Jazz First auf.
In der Vorankündigung des Veranstalters zu diesem Ereignis ist zu lesen: „Mit seinem neuen Programm „Infusion“ wagt der Chor Revolutionäres: Instrumentaltitel von Pat Metheny, Herbie Hancock, Steps Ahead und Esbjörn Svensson werden betextet und neu arrangiert. Gekonnt von Klavier, Bass und Schlagzeug begleitet, fusioniert der Jazzchor Freiburg diese Klangwelten auf nie dagewesene Weise. Dabei hat der Chor noch ein echtes Ass im Ärmel: Joo Kraus.“
Beginn des Konzertes: 20 Uhr.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Bertrand Gröger: Mein Vater, meine coolen frühen Musiklehrer, mein Entschluss mit 13 eine eigene Band zu gründen.
Joo Kraus: Bei uns zu Hause war immer Musik und es waren auch immer Musikinstrumente da. Ich habe im Jugendorchester Trompete gespielt, ein bisschen Klavier und auch immer Schlagzeug. Mit circa 15 Jahren habe ich in meiner ersten Funk Band gespielt und dann war’s um mich geschehen. Ich nahm mir vor Musiker zu werden. Im Laufe der Jahre gab es dann unendliche Faktoren und Entscheidungen, die dafür ausschlaggebend sind, wer man wird

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
BG: Die Herzen der Menschen, die neugierig auf Neues sind.
JK: Habe ich mir in der Tat immer wieder Gedanken drüber gemacht: Ich versuche die Leute mit meiner Musik anzuzünden, dann fühlen die sich danach immer ein bisschen besser und vitaler. Und inspiriert.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
BG: Den weitreichenden Folgen der digitalisierten Musikwelt.
JK: Das tägliche Üben meines Instruments kommt mir teilweise als widrig vor. Die Deutsche Bahn würde ich tatsächlich auch noch als Widrigkeit nennen. Aber das war’s auch schon.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
BG: Das gemeinsame Konzert mit den New York Voices.
JK: Mir hat ein Künstler aus Bad Neuenahr erzählt, wie er die Flutwelle erlebte und was er verloren hat dabei. Das hat bei mir im Kopf einiges wieder zurechtgerückt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
BG: Live-Konzerte. Manchmal gelingt es, gemeinsam mit dem Publikum abzuheben.
JK: Da gibt es so viele schöne Momente. Oft sind beim Proben die schönsten Momente, wenn etwas Neues entsteht. Oder wenn man einfach mit ein paar Kumpels auf dem Geburtstag eines Freundes spielt: dann weiß man genau wozu man Musik macht, nämlich für einen bestimmten Anlass.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
BG: Bach, Schumann, Ravel, Jazz in jedweder Form. Ansonsten: Keine stilistische Begrenzung. Ehrlich, aufrichtig, klischeefrei und dadurch berührend muss Musik für mich sein.
JK: Ich mag besonders Musik die gut ist. Und ich kann mich nie entscheiden was mir denn jetzt am besten gefällt. Funk oder brasilianische Musik oder romantische Filmmusik… Ich höre auch viele neue Sachen auf die ich durch meine Kinder komme.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
BG: Lieber live.
JK: Eigentlich beides selten.

KK: Was lesen Sie momentan?
BG: Treffer: Lesen ist meine zweite Leidenschaft. Im Moment lese ich "Meine Schulzeit im Dritten Reich, Erinnerungen deutscher Schriftsteller". Gerade habe ich das Kapitel von Ernst Jandl beendet, mit dem ich kurz vor seinem Tod telefonierte, um die Genehmigung für die Kompositionsrechte meines Orchesterwerkes mit Jazzchor und einem vertonten Text von ihm zu bitten. "Machen Sie das, machen Sie!" sagte er.
JK: Ein englisches Buch über das menschliche Gehirn.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
BG: Lüge und Unaufrichtigkeit.
JK: Respektlosigkeit und Arroganz.

KK: Was freut Sie ungemein?
BG: Konzerte, jetzt Fürstenfeldbruck.
JK: Die tollen Menschen in meiner Familie.
Wenn das Ulmer Team im Basketball gewinnt.


KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
BG: Möbel nein. Einziges Kleidungsstück: Mit sieben Jahren habe ich meinem Teddybären einen sehr dünnen Schal aus Luftmaschen gehäkelt.
JK: Als Jugendlicher habe ich tatsächlich gestrickt: Pullover, Fausthandschuhe und Schal.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
BG: Von unserer Sängerin Tjadke Biallowons im Tatort.
JK: Michael Douglas als Sandy Komminsky… oder Michael J Fox in "Zurück in die Zukunft".
Oder Bob Odenkirk in "Better Call Saul".


KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
BG: Den bescheidenen Menschen.
JK: Einen Extinguisher für dumme, alte, machtbesessene weiße Männer.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
BG: Teamplayer. Wahre Kraft gibt es nur miteinander. Manches muss einzeln vorgearbeitet werden.
JK: Teamplayer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
BG: Wenn der Kopf beim Wandern frei wird.
JK: Meistens dann, wenn es nicht darauf ankommt oder wenn ich keine Zeit habe die Idee aufzuschreiben oder festzuhalten. Wenn ich mich hinsetze und versuche, Ideen zu generieren und alles vorbereitet ist: meistens Fehlanzeige.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
BG: Websites, Blogs, was ist das, was meinen Sie damit?
JK: Correctiv, Rick Beato everything music auf YouTube. Und ich höre Was Jetzt, der Nachrichten Podcast der Zeit.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
BG: Balance herstellen: Staatliche Organisationen kürzen, private Initiativen stärken.
JK: Ich würde das Budget für die freie Kunstszene erheblich erhöhen und den Unterschied zwischen U & E Musik abschaffen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
BG: Selbstdenken.
JK: Up and down and up again.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
BG: Am liebsten naturnah.
JK: Bunt!
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