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1. Ab 04. Mai 2022: DIE LUST AM ANDEREN THEATER – FREIE DARSTELLENDE KÜNSTE...
2. Buchheim Museum Bernried: Prominente Gäste in Bernried eingetroffen!
3. Zürich: "The Future is Blinking"
4. München: Ragnar Axelsson. Where the world is melting.
5. Provenienzforschung am Buchheim Museum
6. EsWa: Köpfe 29
Dienstag 26.04.2022
Ab 04. Mai 2022: DIE LUST AM ANDEREN THEATER – FREIE DARSTELLENDE KÜNSTE IN MÜNCHEN
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DIE LUST AM ANDEREN THEATER – FREIE DARSTELLENDE KÜNSTE IN MÜNCHEN

Eine Ausstellung im Deutschen Theatermuseum München vom 4.5.2022 – 31.7.2022

Frei wollen und wollten sie sein – frei in der Wahl ihrer Themen, ihrer künstlerischen Mittel, ihrer Spielorte und ihrer Lebensweise: freie Kleintheater, Theatergruppen und Solokünstler. In ihren künstlerischen Zielrichtungen teils völlig unterschiedlich, folgen Künstlerinnen und Künstler seit den 1960er Jahren der Lust am anderen Theater, jenseits der hierarchischen Strukturen und Inhalte der etablierten Stadt- und Staatstheater, in Keller- und Kleintheatern oder Wirtshaussälen, ab den 70er Jahren auch in ausgedienten Fabrikhallen und auf Außenschauplätzen.

Neue performative Künste mit Tanz und Musik bilden sich heraus. Wichtige Impulse liefen im Rahmen der Olympiade 1972 eingeladene internationale Künstler und Gruppen, die die sogenannte „Spielstraße“ im Olympiapark gestalten. Mit dem ersten Internationalen Theaterfestival 1977, das vor allem unbekannte internationale Theaterkünstler auch mittelfristig nach München lockt, entwickelt sich die Stadt zunehmend zum Schauplatz künstlerischer Offenheit und Experimentierfreude. Doch bleibt freies Künstlertum aufgrund fehlender finanzieller Absicherung immer auch eine Frage des Überlebens. Umso mehr beeindruckt die schier grenzenlose Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen, die sich im Spannungsfeld von künstlerischer Selbstbehauptung und Existenzkampf bis heute entwickelt haben.

„Die Lust am anderen Theater“ – eine Ausstellung über Vielstimmigkeit und Vielfalt der Freien Darstellenden Künste in München, zu sehen im Deutschen Theatermuseum vom 4. Mai bis 31. Juli 2022.

Deutsches Theatermuseum
Galeriestr. 4a (Hofgartenarkaden)
D - 80539 München

Abbildungen:

- Alabamahalle, Bal Macabre, 1982 – Produktion: Serapions Theater Wien.
Foto DTM/© Jean-Marie Bottequin

- Meta Theater, Musicophilia (Sacks), 2012 – Regie: Axel Tangerding. Peter Pruchniewitz, Cornelia Melián.
Foto © Regine Heiland

- TamS, Wartungsarbeiten (Seib/Express Brass Band), 2014. Michele Lorenzini, Wolfi Schlick, Neil Vaggers, Teresa Gruber. Foto © Hilda Lobinger
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Dienstag 22.03.2022
Buchheim Museum Bernried: Prominente Gäste in Bernried eingetroffen!
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Prominente Gäste in Bernried eingetroffen!

Bernried am Starnberger See, 21.3.12022
Zwei große Bronzeplastiken haben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen dem Buchheim Museum als Leihgaben zur Verfügung gestellt: »Miracolo«, eine Reiterplastik aus den Jahren 1961-62 von Marino Marini; und »Aglaia«, eine Mädchenfigur von Toni Stadler von 1961. Durch ihre Aufstellung vor der Neuen Pinakothek in München haben die Werke große Bekanntheit erlangt. Nun müssen sie den dortigen Sanierungsarbeiten weichen. Für die nächsten Jahre haben sie am Buchheim Museum der Phantasie in Bernried am Starnberger eine Bleibe gefunden.
Bereits am 16. März 2022 sind die beiden Schwergewichte in Bernried angekommen. Dank der »tatkräftigen Hilfe der örtlichen Nachbarschaft« sei die Installation »ein Kinderspiel« gewesen, meint der Restaurator Florian Schwemer vom Doerner Institut, der den Transport als Kurier begleitete. Das Hofgut Bernried hatte mit einem großen Traktor die Aktion unterstützt. »Sie haben sich in ihrer neuen Umgebung bereits gut eingelebt«, freut sich Museumsdirektor Daniel J. Schreiber. In trefflicher Nähe zu Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Alexej von Jawlensky und den anderen deutschen Expressionisten im Buchheim Museum warten die beiden prominenten Gäste aus München auf neue Freunde und alte Bekannte aus der Landeshauptstadt.
Die Plastik »Miracolo« (Wunder) von Marino Marini (1901-1980) hat direkt vor dem Museumseingang ihren Platz gefunden. Sie bringt in Lebensgröße ein niedergehendes Pferd mit einem sich halten wollenden Reiter zur Darstellung. In kraftvoller Abstraktion wird das dramatische Zusammenspiel stürzender und aufbäumender Kräfte inszeniert. Der ausladende Vorplatz des von Günter Behnisch geplanten Buchheim Museums bietet dem dynamischen Werk des italienischen Künstlers eine fantastische Bühne. Im Übrigen ist Marino Marini im Buchheim Museum kein Fremder, befindet sich doch in der Sammlung ein Konvolut von Papierarbeiten zum selben Bildthema.
Die leicht beschürzte Liegende des Münchner Bildhauers Toni Stadler (1888-1982) können die Museumsgänger fast in gewohnter Weise bewundern. Streckte sich die Plastik mit ihren anschwellenden Volumina zuvor in dem Bassin des Brunnens vor der Museumsgastronomie der Neuen Pinakothek aus, so lagert sie nun vor dem »Café Buffi« in einer Blumenwiese am Ufer des Starnberger Sees. Bei Museumsgründer Lothar-Günther Buchheim (1918-2007) und Toni Stadler finden sich zahlreiche biografische Parallelen: Beide studierten an der Akademie der Bildenden Künste München, beide waren in der Zeit des Nationalsozialismus hoch geachtete Künstler, und beide knüpften in den Nachkriegsjahren wieder an den figurativen Expressionismus der klassischen Moderne an, dieser als Sammler und Maler, jener als Bildhauer.

Buchheim Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried am Starnberger See



Abbildungen:

- Marino Marini, Miracolo, 1961-1962, Bronze 169 x 128 x 280 cm
Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München
Foto Buchheim Museum

- Toni Stadler, Aglaia, 1961, Bronze, 97 x 208 x 96
Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München
Foto Florian Schwemer
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Freitag 11.03.2022
Zürich: "The Future is Blinking"
"The Future is Blinking"
Frühe Studiofotografie aus West- und Zentralafrika

Ausstellung vom 18. März bis 03. Juli 2022
Museum Rietberg

Nirgendwo im Globalen Süden wurde die Fotografie so enthusiastisch aufgenommen wie an der Küste West- und Zentralafrikas. Nur zwanzig Jahre nachdem das neue Medium 1839 in Paris vorgestellt wurde, verbreitete es sich schlagartig weltweit. So entwickelte sich auch zwischen Dakar und Luanda eine blühende Fotokultur.
Die Ausstellung «The Future is Blinking» zeigt erstmals in der Schweiz Fotografien von Berufsfotografen aus West- und Zentralafrika, die ab dem späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert entstanden. Die Fotografien stammen überwiegend aus der Sammlung des Museums Rietberg und werden punktuell durch Leihgaben internationaler und nationaler Sammlungen sowie um eine Skulptur des zeitgenössischen Künstlers Yinka Shonibare ergänzt.Anhand von hundert Originalabzügen denkt die Ausstellung die Fotografiegeschichte West- und Zentralafrikas nicht vom Globalen Norden her, sondern rückt ihre Eigenheiten, künstlerische Praxis und Darstellungskonventionen ins Zentrum. Die gezeigten Portraits erscheinen uns dennoch seltsam vertraut. Wie bei Fotografien, die heute auf Social Media verbreitet werden, stellten die Fotografien individuelle Wunschbilder dar und erzeugten neue Wirklichkeiten. Die Ausstellung im Museum Rietberg zieht zudem überraschende Bezüge zur traditionellen Schnitzkunst aus der Region, zur Wanderfotografie in der Schweiz und zur neuesten Modefotografie aus den USA.
Die frühesten Fotografien von der Küste West- und Zentralafrikas sind das Ergebnis einer selbstbestimmten Fotokultur und unterscheiden sich damit stark von der kolonialen Fotografie mit ihren von Vorurteilen geprägten Darstellungen von afrikanischen Personen. In einer Zeit, in der das Leben von kolonialer Unterdrückung dominiert war, wurde das Freiluftstudio zum Ort der Selbstbestimmung, Selbstdarstellung und Identitätsbildung. Dabei nutzte man das Potential der Fotografie, neue Wirklichkeiten zu erschaffen. Insbesondere Frauen standen dem neuen Medium aufgeschlossen gegenüber. Ihre Schönheit setzten sie zusammen mit prächtigen Textilien als Ressource vor der Kamera ein, um ihre Position in der Gesellschaft zu artikulieren. Die starke Präsenz der Frauen in der Studiofotografie West- und Zentralafrikas steht im Gegensatz zu ihrer Abwesenheit in Archiven und zur Stummheit der afrikanischen Frauen in der westlichen Geschichtsschreibung.
Die meisten frühen Bilder westafrikanischer Fotografen befinden sich heute auf Postkarten gedruckt oder in Alben geklebt in Archiven im Globalen Norden. Lange Zeit vermutete man, dass es sich bei den auf die Rückseite solcher Fotografien gedruckten Namen um europäische Fotografen handelte. Erst in den letzten zwanzig Jahren haben Recherchen ergeben, dass die meisten Studiofotografien eine lokale Urheberschaft haben. Bei den Pionieren handelte es sich um junge Männer der städtischen Elite mit ähnlichen Biografien. Viele von ihnen stammten aus Sierra Leone oder Gambia und wurden in Missionsschulen ausgebildet. Sie führten ein rastloses Leben und reisten mit ihren mobilen Freiluftstudios auf dem Dampfschiff entlang der Küste von Dakar bis Luanda; sie verstanden sich als Künstler und beherrschten die neuesten Techniken ihrer Zeit.

Zusammen mit ihrer Kundschaft schufen Fotografen aus der Region in Freiluftstudios einzigartige Porträtfotografien. Die Ausstellung entschlüsselt die in den Fotografien sichtbaren Codes und bringt die Bilder zum Sprechen. «The Future is Blinking» fokussiert auf die Selbstinszenierung vor der Kamera lange bevor das Thema durch digitale soziale Plattformen hochaktuell wurde. Obwohl die Identitäten der meisten Abgebildeten im Laufe der Zeit auf diese Weise verloren gegangen sind, begegnen wir ihrem Blick und stellen fest, dass sie bei der Gestaltung der Fotografien das letzte Wort hatten.
Die Fotografen stellten für diese Verwandlungen ihrer Kundschaft eine Bühne mitsamt Ausstattung zur Verfügung. Dazu gehörten neben Hintergründen auch Dekors und Accessoires. Die Porträtierten wählten, je nachdem welche Absicht sie mit den Bildern verfolgten, die passenden Elemente aus und vermischten sie mit Dingen aus ihrem persönlichen Besitz. Fotokulissen als Projektionsflächen, die die Welt verschönern und verbessern sollten, waren ein wichtiges Element der Fotografien. Um ihrer Modernität Ausdruck zu verleihen, griffen Abgebildete auch auf importierte Accessoires wie Tropenhelme, Schirme oder Plastikblumen zurück. Je nach Anlass für den Studiobesuch wurden auch traditionelle, mit lokaler Bedeutung aufgeladene Accessoires wie Schmuck, Stoffe oder Insignien politischer Macht verwendet.
Textilien kam in der Portraitfotografie eine besondere Bedeutung zu. Sie sorgten für Bewegung, indem sie mit ihren asymmetrischen Mustern die ausgewogenen Bildkompositionen durchbrachen. Mit ihrer Wahl der Stoffe signalisierten die Porträtierten ihren sozialen Status, ihre Zughörigkeit zu einer bestimmten regionalen Gruppe oder ihre Beziehung untereinander. Stoffe konnten auch an Pubertätsriten oder Beerdigungen erinnern, verkörperten also die Erinnerung im Erinnerungsfoto.
Die Fotografie hat in West- und Zentralafrika keine Leerstelle besetzt. Vielmehr hat sie an anderen lokalen Künsten angeknüpft, ist in einem wechselseitigen Verhältnis gestanden oder auch Symbiosen eingegangen. Diese Beziehungen zu anderen Künsten haben die besondere
Ästhetik der west- und zentralafrikanischen Fotokultur hervorgerufen. Anders als im Globalen Norden war dafür nicht die Malerei prägend, sondern die Bildhauerei und die performativen Künste. Das Verhältnis zwischen Fotografie und Bildhauerkunst wird erstmals in einer Ausstellung thematisiert. Statt des Meissels benutzten Fotografen Grafitstifte, um ihre Kunstwerke so zu bearbeiten, dass sie dem idealen Menschen möglichst nah kamen. Mit diesen Eingriffen wurden die Spuren des Lebens getilgt, sodass die Gesichter wie eine Maske erschienen – ein Ideal, das aus der Schnitzkunst übernommen wurde.

"The future is blinking" ist ein Zitat des ghanaischen Fotografen Philip Kwame Apagya (*1958) aus dem Film Future Remembrance (1997). Apagya nimmt damit Bezug auf die in seinen Augen wichtigste Aufgabe der Fotografie in Ghana, nämlich mit idealisierten Porträts
Erinnerungen zu schaffen für zukünftige Generationen. Auch die Studiofotografie des ausgehenden 19. Jahrhunderts hatte die Zukunft im Blick, indem Wunschbilder für die Nachwelt inszeniert wurden.
Viele Fotografien in dieser Ausstellung wurden bereits kurz nach ihrer Produktion als Postkarten an Reisende verkauft. Mit dem Übergang privater Fotografien in die öffentliche Sphäre wurden die Bilder von den Narrativen und Praktiken getrennt, die die Fotografien mit Bedeutung aufluden und anhand derer die Porträtierten erkennbar blieben.

Museum Rietberg
Gablerstrasse 15,
8002 Zürich, Schweiz
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Samstag 19.02.2022
München: Ragnar Axelsson. Where the world is melting.
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Ragnar Axelsson. Where the world is melting.

Ausstellung vom 15.Dezember 2021 bis 18. April 2022
Kunstfoyer, Versicherungskammer Kulturstiftung
Maximilianstr. 53, 80538 München


BIOGRAFIE
Ragnar Axelsson

Seit über 40 Jahren fotografiert Ragnar Axelsson (* 1958), auch bekannt als Rax, Menschen, Tiere und Landschaften in den entlegensten Regionen der Arktis, etwa in Island, Sibirien und Grönland. In kargen Schwarz-Weiß-Aufnahmen fängt er die elementaren Naturerfahrungen des Menschen am Rand der bewohnbaren Welt ein und macht die außergewöhnlichen Beziehungen zwischen den Menschen der Arktis und ihrer extremen Umgebung sichtbar – Beziehungen, die sich aufgrund nie da gewesener Klimaentwicklungen heute tiefgreifend und vielschichtig verändern. Von 1976 bis 2020 arbeitete Axelsson als Fotojournalist für die isländische Tageszeitung Morgunblaðið, zudem hat er in Lettland, Litauen, Mosambik, Südafrika, China und der Ukraine freiberuflich Aufträge übernommen. Seine Fotografien wurden in Zeitschriften wie LIFE, Newsweek, Stern, GEO, National Geographic, TIME und Polka abgedruckt und weltweit ausgestellt. Axelsson hat sieben Bücher in verschiedenen internationalen Ausgaben publiziert. 2020 wurde sein Buch Hetjur norðurslóða/Arctic Heroes veröffentlicht, das den Schlittenhunden Grönlands als Helden der Arktis gewidmet ist. Für den 2018 erschienenen Bildband Jökull/ Gletscher verfasste Ólafur Elíasson das Vorwort. Andlit norðursins/Das Gesicht des Nordens mit einem Vorwort von Mary Ellen Mark, kam 2016 heraus und gewann im selben Jahr den Isländischen Literaturpreis für das beste Sachbuch. Zu den weiteren Auszeichnungen, die Axelsson für seine Arbeit erhielt, zählen eine Reihe isländischer
Preise für Fotojournalismus, eine ehrenvolle Erwähnung beim Leica Oskar Barnack Award, der Grand Prize des Festivals Photo de Mer im französischen Vannes sowie die höchste Ehrung Islands, das Ritterkreuz des Falkenordens. Zurzeit arbeitet er an einem Dreijahresprojekt, mit dem das Leben der Menschen in allen acht arktischen Staaten dokumentiert werden soll. In dieser entscheidenden Zeit, in der die natürlichen und tradierten Gegeben- heiten ihrer Welt durch den Klimawandel unwiderruflich zerstört werden, legt Axelsson Zeugnis von der unmittelbaren und direkten Gefahr ab, die die Erderwärmung für ihr Überleben darstellt.


Die letzten Tage der Arktis
Fotografiert in Grönland zwischen 1987 und 2013

Draußen auf dem Eis erscheint die Freiheit grenzenlos. Der Klang der Stille fühlt sich für die Ohren seltsam an. Das knackende Eis und der heulende Wind scheinen eine Geschichte zu erzählen, die man zwar hören, aber nicht verstehen kann. Seit Jahrtausenden unter den erdrückend kalten Klauen des Eises zu leben, wie die Inuit es tun, und tagtäglich ums Überleben zu kämpfen, ist eine gewaltige Leistung.
Ein Gefühl der Bedrohung liegt in der Luft. Pfeifend wirbelt der Wind den Schnee auf, sodass man kaum zwischen den Häusern hindurchsehen kann. Ein Gletschersturm, ein sogenannter Piteraq, zieht herauf. Er entsteht, wenn starke Winde von 3000 Meter hohen Berggipfeln herabwehen. Die kalte, schwere Luft rast den Gletscher hinab und beschleunigt wie ein riesiger unsichtbarer Fluss, der zum Meer hinunterschießt und auf seinem Weg nichts und niemanden verschont. In ihrer schlimmsten Form sind diese Stürme stark genug, um Häuser in ihre Einzelteile zu zerlegen. Für die Bewohner der grönländischen Ostküste haben sie oft verheerende Folgen.
Das Eis wird dünner, die Jagdsaison geht zu Ende. Eis, das früher einen Meter dick war, misst jetzt nur noch zehn Zentimeter. Das Meereisfeld, das sich hinzog, so weit das Auge reichte, ist jetzt offene See. Wie wird sich das Dasein in diesen Teilen der Welt entwickeln, sollte das Eis vollständig verschwinden? Es hat einen so großen Anteil am Leben der Menschen hier. Jahr für Jahr geht die Zahl der Jäger zurück, von der Jagd zu leben, wird immer schwieriger. Die Bewohner bangen um ihre Zukunft. Sie haben das Ende einer Gesellschaft vor Augen, deren Jagdtradition – die Grundlage ihrer Existenz – viele Tausend Jahre zurückreicht.
Ragnar Axelsson

Gletscher
Fotografiert in Island zwischen 2008 und 2018

Die zerklüftete Beschaffenheit der Gletscherbrüche ist verstörend anzusehen, gleichzeitig aber auch beinahe schön. Tiefe Spalten und Wände aus reinem Eis erlauben es lediglich den Vögeln im Flug dorthin vorzudringen, wo der Gletscher gefrorene Klippen absprengt. Diese zerbrochene Welt ist ebenso unberührt wie die Oberfläche des Mondes. Aus der Luft betrachtet wirken einige Risse unschuldig, kommt man jedoch näher, blickt man in einen Abgrund. Die Vorstellung, man stünde auf dem Eis, ist unerträglich. Was vom Himmel aus klein erscheint, ist auf der Oberfläche monströs. Die weiße Wüste überlistet das Auge.
In der Nähe des Vulkans Öræfajökull erwacht ein Riese aus langem Schlaf. Er liegt auf dem Rücken und starrt nach oben. Vor Hunderten von Jahren ist er während eines Schneesturms eingeschlafen und bis heute nicht wieder aufgewacht. Sein Ausdruck ist bedrohlich, feindselig – vergleichbar mit den Köpfe auf den Osterinseln. Wie viele andere Riesen werden wohl noch unter Vatnajökull, einem der weltweit aktivsten Vulkangebiete unter Eis, aufwachen?
Rätselhafte schwarze Linien und Zeichen erscheinen auf dem Eis. Es scheint, als hätte jemand spaßeshalber magische Symbole über den gesamten Gletscher gezeichnet und niemandem ist es aufgefallen. Mit dem Vorwärtsdringen des Eises verformen sich die Runen zu grotesken Gesichtern. Ihr Ausdruck verändert sich je nach Lichteinfall und Richtung, aus der sie betrachtet werden. Diese irritierenden Bilder entstehen aus der Asche jahrhundertealter Ausbrüche. Eis aus dem Schnee des 13. Jahrhunderts, gefallen während der blutigen Schlachten des Sturlungaöld, bricht nun ins Meer ab. Bald schon wird der Gletscher diese Omen aus Asche der See überantworten.
Ragnar Axelsson

Kunstfoyer, Versicherungskammer Kulturstiftung | Maximilianstr. 53, 80538 München
Täglich 9:30 – 18:45 Uhr | Eintritt frei | Zutritt nur mit online-Reservierung
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Dienstag 15.02.2022
Provenienzforschung am Buchheim Museum
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Provenienzforschung am Buchheim Museum
Das Projekt zur Erforschung der Herkunftsgeschichte der Gemälde der Expressionistensammlung des Buchheim Museums ist abgeschlossen.

Zum 31.01.2022 wurde im Buchheim Museum der Phantasie das erste Projekt zur Provenienzforschung erfolgreich beendet. Forschungsgegenstand waren die vor 1946 entstandenen Gemälde der Sammlung des Hauses in Bernried am Starnberger See. Ziel des Projektes war die lückenlose Erforschung und nachhaltige Dokumentation der Vorbesitzer-Chroniken für den Zeitraum von 1933 bis 1945, um NS-verfolgungsbedingt entzogene Gemälde innerhalb des Bestandes zur Klassischen Moderne identifizieren zu können. Die Forschung fand auf Grundlage einer freiwilligen Selbstverpflichtung der gemeinnützigen Buchheim Stiftung, Trägerin des Museums, zur Umsetzung der Washingtoner Erklärung von 1998 statt.

Das Förderprojekt des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste und im ersten Förderjahr auch der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern wurde im Oktober 2017 für einen Forschungsbestand von 163 Gemälde begonnen. Mit Konkretisierung des Projekts reduzierte sich das Konvolut innerhalb der Projektlaufzeit auf 108 Werke. Zu den Ergebnissen der Recherchen gehören 83 Biografien zu Sammler*innen, Kunsthändler*innen, Künstler*innen und Dargestellten, die im Zusammenhang mit den bearbeiteten Gemälden und ihrer Herkunft stehen und die Komplexität der wechselnden Eigentumsverhältnisse und die breit gefächerte Herkunftsgeschichte sichtbar machen.

Eine Besonderheit des von einer privaten Sammlung getragenen Buchheim Museums im Gegensatz zu staatlichen oder kommunalen Institutionen ist, dass keine Inventar- oder Zugangsbücher vorlagen, die Auskunft über die Herkunft bzw. Vorbesitzer*innen geben könnten. So musste für die Mehrzahl der Werke auch der Startpunkt der Recherchen für die Herkunftsgeschichte, nämlich der Erwerb der Kunstobjekte durch die Sammlung Buchheim recherchiert werden, was nicht bei allen gelungen ist. Trotzdem konnte die Provenienz für 27 Gemälde für den Zeitraum von 1933 bis 1945 rekonstruiert und ein NS-verfolgungsbedingter Entzug ausgeschlossen werden. Für 71 Gemälde verblieb die Provenienz für den genannten Zeitraum trotz intensiver Recherchen lückenhaft, jedoch ohne, dass die Recherchen Hinweise auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug zu Tage gebracht hätten. Weiterhin ergaben die Recherchen für zwei Gemälde, dass diese zwar NS-verfolgungsbedingt entzogen, jedoch bereits 1951 rückerstattet wurden und danach von Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) 1970 bzw. spätestens 1973 im Kunsthandel erworben wurden. Für weitere acht Werke konnte die Provenienz zwischen 1933 und 1945 ebenfalls nicht vollständig recherchiert werden; zusätzlich ergaben sich bei diesen Hinweise,
jedoch keine konkreten Verdachtsmomente, dass es sich möglicherweise um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut handeln könnte. Insbesondere für diese Werke werden die Recherchen auf freiwilliger Basis fortgesetzt. Schließlich wurde für zwei Werke, bei denen ebenfalls die Eigentumsverhältnisse zwischen 1933 und 1945 trotz intensiver Forschung nicht abschließend geklärt werden konnten, ermittelt, dass sie sich vor 1933 in jüdischen Sammlungen befunden haben. Die beiden letztgenannten Werke wurden aufgrund dieser Verdachtsmomente vom Direktor des Museums vorsorglich an die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste gemeldet.

Die Buchheim Stiftung hat sich entschlossen, ab 01.02.2022 eine unbefristete Teilzeitstelle für Provenienzforschung am Buchheim Museum einzurichten, um aktiv und kontinuierlich die Herkunftsrecherche des Bestandes fortführen zu können. In Ergänzung dazu soll ein neues Förderprojekt beantragt werden, das die Forschung auch auf Sammlungsbestände auf Papier ausdehnen soll.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes für die Gemälde am Buchheim Museum wurden sukzessive seit 01.11.2019 über die durch das Projekt initiierte Sammlung Online unter https://sammlung.buchheimmuseum.de/ veröffentlicht. Am 01.02.2022 stehen alle 108 Forschungsgegenstände online. Damit werden die Erkenntnisse weltweit transparent in Wort und Bild publiziert und eine breite Öffentlichkeit durch die Einladung zur Ergänzung der Ergebnisse mit Hinweisen einbezogen.


Abbildung:
"Das Osterlamm"
Postkarte aus Dresden an Alice Berend, Venedig

Lovis Corinth (27.03.1904)
Tinte auf Postkarte
Bildmaß 9,1 x 14,2 cm
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
Inventarnummer: 1.06363
Ort: Europa, Deutschland, Sachsen, Dresden
Sammlungsbereich: Arbeiten auf Papier
Künstler/in: Corinth

Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1,
D-82347 Bernried
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Sonntag 09.01.2022
EsWa: Köpfe 29
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EsWa
Köpfe 29, 2021
Ton, gebrannt,
ca.8cm
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