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13. Fürstenfeld: BartolomeyBittmann – In akademisch ausgefeilter Technik
14. Fürstenfeld: Gilla Cremer – So oder so
15. Olching: Duo Paseo – Improvisationen auf Zuruf
16. Puchheim: 11. Bluesfestival – Überlieferte Volkskunst
17. Germering: Yves Theiler Trio – Keine Brührungsängste
18. Olching: Anna Zimre und Christian Elin – Sensibles Ineinandergreifen der ...
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Fotos: TJ Krebs
Donnerstag 24.03.2022
Fürstenfeld: BartolomeyBittmann – In akademisch ausgefeilter Technik
Fürstenfeld. Nun, es gibt im Jazz ganz ausgezeichnete Streicher, Improvisatoren von Rang sozusagen. Auch Streichquartette, ja sogar ganze Streichorchester! Und es gibt im Jazz eindrucksvolle Cellisten, beim jüngeren Bruder Rock'n Roll gar reine Cello-Besetzungen. Ein Duo Violine/Violoncello ist in der zeitgenössischen Szene hingegen eher selten auszumachen. Hier klafft eine kleine Lücke - die von BartolomeyBittmann gekonnt geschlossen wird. Zwei Musiker, die, wie kann es bei dieser Instrumentierung anders sein, aus der Klassik kommen und irgendwann den Wunsch verspürten, ihr Interpretationsrepertoire zu erweitern.
Am gestrigen Mittwoch waren Matthias Bartolomey und Klemens Bittmann Gast der Reihe Jazz First in Fürstenfeld. Und was beide musikalisch präsentierten, war erst einmal ganz große Kunst. Man spürte vom ersten Augenblick an ihr Verwurzeltsein in der Klassik, doch zugleich auch ihre Lust und ihre Neugier, diese Enklave zu erweitern und sich sinnlich wie mutig neuen Ausdrucksformen zu stellen. Statt dem altehrwürdigen (und natürlich immer noch zeitlosen) Bach, statt Mozart und Dvo?ák gab es ausschließlich Eigenkompositionen, deren Expressivität beeindruckte, aber auch in ihren lyrischen Momenten absolut überzeugte.
Selten, das darf man nach diesem Abend wohl behaupten, wurde an diesem Ort Jazz akademischer und in ausgefeilterer Technik gespielt. Das bedeutet nun nicht, dass bei den Wiener Temperamentbündeln kein leidenschaftliches, vollmundiges und bodenständiges Statement aus den Saiten drang. Nein, ihre Handhabung der Instrumente ist ihrer Ausbildung geschuldet.
Doch ihre ungestüme, risikofreudige Herangehensweise an die Musik, ihre Einbeziehung von manchmal halsbrecherischen Improvisationen war dem Jazzgedanken doch sehr sehr nahe.
Von großem Vorteil erwies sich der Gebrauch einer Mandola von Klemens Bittmann, ein der Familie der Mandolinen zugehöriges Zupfinstrument, die dem Auftritt eine zusätzliche Klangfarbe und erweiterte harmonische Möglichkeiten gab. Bittmann war dann auch derjenige, der deutlich vokalistisch in Erscheinung trat und damit der Musik noch eine zusätzliche Note gab, die zeitweise den Bereich von Independentpop zu streifen schien.
Und so wurde von BartolomeyBittmann auf ihren Instrumenten gestrichen, gezupft, geklopft, geschabt und gerieben, es griffen Melodien und Rhythmen dramaturgisch geschickt ineinander, die Spieler ergänzten sich passioniert auf ihren Instrumenten und entwickelten letztendlich ein begeisterndes Konzert, das allen Vorurteilen und Klischees entgegen lief.
Jörg Konrad
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Donnerstag 17.03.2022
Fürstenfeld: Gilla Cremer – So oder so
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Fürstenfeld. Till Brönner, der deutsche Startrompeter, war es, der Hildegrad Knef 1999 wieder ins Rampenlicht brachte, mit einem Album, das nach vielen Jahren wieder zu einem großen Wurf der deutschen Schauspielerin, Sängerin und Autorin werden sollte: „17 Millimeter“. Wenig neue Songs – aber unglaublich packende und spannende Arrangements von Brönner selbst. Und die Knef traf, wie schon immer auch zuvor, mit ihren Interpretationen, mit ihrer Stimme, die laut Ella Fitzgerald gar keine war, genau das Zentrum, das Herz eines jeden Songs.
Es war ein später Erfolg, den sie wirklich genoss - nach all den Jahren der inszenierten Dramen, der Häme, ja der regelrechten Hetzjagden, die hauptsächlich deutsche Medien auf sie veranstalteten.
So beginnt auch das kleine Theaterstück „So oder so“, in dem die Herren des Boulevards sich auf sie stürzen und jedes noch so kleine Apostroph der Knef durchleuchten, ob denn nicht auch hier ein Skandal zu entdecken wäre. Gilla Cremer, selbst deutsche Schauspielerin und Produzentin, hat das Leben der vielleicht bedeutendsten Künstlerin von internationalem Format nach dem Krieg durchforstet und es als Ein-Personen-Stück auf die Bühne gebracht. Gestern gestierten sie und ihr wunderbarer Pianist Gerd Bellmann mit „So oder so“ unter der Regie von Hartmut Uhlemann in Fürstenfeld.
Erzählt jemand die Geschichte der Knef, dann ist dies auch immer die Geschichte der Medien, die Dank dem unruhigen, dem ungeschminkten, dem herausfordernden Leben der Diva Anstand und Moral abgelegt haben und regelrechte Hetzjagten auf sie veranstalteten. So wurde Hildegard Knef als exaltierte, als unbedarfte, anfangs von Idealismus geleitete Künstlerin, im verspießten Deutschland jener Jahre zum Opfer. Sie ist eine starke emanzipierte Frau, die an fehlendem Verständnis und fehlender ernster Zuwendung immer wieder zerbricht.
Aber sie hatte auch großartige Jahre, spielte die Hauptrolle im ersten Film, der nach 1945 in Deutschland gedreht wurde, sie ging in die USA, spielte mit Gregory Peck und Ava Gardner, Cole Porter holte sie an den Broadway und schrieb für sie ein Musical, sie kannte Tennessee Williams, William Faulkner, Henry Miller. Die Türen zur Welt standen ihr offen und doch kommt sie nur kurze Zeit später zu dem Fazit: „Das Glück ist eine Seifenblase.“
Gilla Cremer erzählt die Lebensgeschichte der Hildegard Knef mit Temperament und Einfühlsamkeit, mit all dem Größenwahn und innerer Verzweiflung, mit ihren Träumen und kleinen Momenten des Glücklichseins. Sie bringt den Menschen Hildegard Knef auf die Bühne, zeigt dem Publikum verständlich die Widersprüche in ihrer Person, ihr enormes Talent, ihre Traumatas, ihr Selbstbewusstsein. All diese Fähigkeiten und Defizite, diese infantile Freude, bei gleichzeitigen Verlustängsten, die Schnoddrigkeit und Sensibilität haben in nur einer Seele selten ausreichend Platz.
Gehören aber letztendlich zu ein und derselben Person, die von Gilla Kremer beeindruckend verkörpert wurde.
Jörg Konrad

Hier Bericht in der SZ/FFB
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Montag 14.03.2022
Olching: Duo Paseo – Improvisationen auf Zuruf
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Olching: Das aus Europäern bestehende Quartett Pago Libre veröffentlichte 2020 ein Album unter dem Titel „Cinémagique 2.0“. Der Untertitel lautet: fifteen soundtracks for an imaginary cinema. Das besondere jedoch ist, dass es sich bei den Aufnahmen nicht um Adaptionen von Soundtracks handelt, sondern um Musik zu bis dato ungesehenen und auch zukünftig nie zu sehenden Filmen. Mit anderen Worten: Filmmusik, die zu keinem Film gehört. Und es funktioniert! Denn beim Hören des Albums entstehen wie von selbst Bilder, Sequenzen, ja cineastische Erzählungen aus Sounds und Harmonien, Melodien und Rhythmen – auf der Grundlage suggestiven Anbietens und kreativen Rezipierens. Braucht man also keine hinreißenden Ohrwürmer aus Filmhits, um die optische Fantasie in Schwung zu bringen? Nun, man kann eben auch, ohne Synästhetiker zu sein, in Bildern komponieren und interpretieren.
Das Duo Paseo ist ein anderes Beispiel hierfür. Rainer Gruber (Akkordeon/ Kontragitarre) und Jan Eschke (Klavier) bestritten am Sonntagvormittag in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach in der 196.(!!!) Folge der Reihe Eleven-Eleven ein wunderbares Konzert, dessen Repertoire zwar keine Filmgeschichte schrieb, aber mit Sicherheit bei manch einem eine regelrechte Bilderflut auslöste.
Beide Musiker harmonierten in ansprechenden Kompositionen mit stark emotionaler Einfärbung. Zugleich aber beeindruckte ihre spieltechnische Versiertheit, ihr instrumentaler Umgang und vor allem der Austausch untereinander während des Vortrags. Tango, Walzer, mediterrane Leichtigkeit und melancholische Themen aus dem hohen Norden durchzogen das Programm. Am auffallendsten vielleicht der Versuch, spontane zumindest klangliche Landschaften zu entwerfen, in dem das Publikum aufgefordert wurde, verschiedene Begriffe aus dem Bereich wie Farben, Elemente oder auch Abläufe/Ereignisse zu benennen. Aus diesen „Zutaten“ entstanden dann improvisierte Stimmungsbilder, eine melodische Fabulierlust, denen das Publikum mit großer Freude und Begeisterung folgte.
Jörg Konrad
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Sonntag 13.03.2022
Puchheim: 11. Bluesfestival – Überlieferte Volkskunst
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Foto: Christian Kaufmann
Zwei Jahre ist es her, da war das 10. Jubiläum des Bluesfestivals in Puchheim eine der letzten Veranstaltungen, bevor die Pandemie den Kulturbetrieb nicht nur der Region zum Erliegen brachte. Das Virus war ebenfalls der Grund, weshalb das Festival im letzten Jahr ausfallen musste. Doch der Blues ist widerstandsfähig, er hat schon ganz andere Zeiten und Mühen gemeistert und ist jedes Mal wie Phönix aus der Asche frisch gestärkt neu auferstanden. 2022 also der 11. Jahrgang, in der gewohnt gut ausgewogenen Programmgestaltung von Peter Krause und Ferdinand Kraemer.
Beide, besser bekannt unter ihren Künstlernamen Peter Crow C. und Ferdinand „Jelly Roll“ Kraemer oder noch „griffiger“ Black Patti, haben den 2. Blues-Tag am gestrigen Samstagabend persönlich eröffnet. Im Mittelpunkt natürlich ihr im letzten Jahr erschienenes Album „Satan's Funeral“, das nicht nur musikalisch einiges her macht, sondern auch optisch sofort ins Auge fällt. Denn das Cover ziert eine Original-Zeichnung des legendären Underground-Comic-Zeichners Robert Crumb, der als begeisterter Bluesmusiker und Schellacksammler heute in Frankreich lebt.
Black Patti, das sind Post-War-Blues und Gospel, wunderbar ausbalancierter Satzgesang, stampfende Rhythmen, rohe Gitarrenharmonien und fein gedrechselter Mandolinensplitter. Dieses Duo lebt von seiner Authentizität, von seinem Ansatz - der weder perfekt klingen soll, noch sich an irgendwelchen Moden ausrichtet. Bei sich bleiben, lautet die Zauberformel. Auch dann, wenn Gäste mit auf die Bühne kommen, wie Bassist Ryan Donohue und/oder Michael Arlt.
Völlig bei sich ist auch Edwin Kimmler, der mit seiner quirligen Solo-Performance das Publikum so richtig in Stimmung brachte. Ein Multiinstrumentalist, der, wenn er erst einmal auf der Bühne steht, zu explodieren scheint - vor Musikalität und guter Laune. Er spielt Blues und Boogie Woogie, Gitarre und Klavier, Popballaden und Mundharmonika, er singt und verkörpert letztendlich den geborenen Geheimtipp – selbst nach 43 Jahren im Blues-Geschäft.
Zum Schluss dann B.B. & The Blues Shacks, die ihre Zelte doch sehr viel näher am Rock'n Roll, Swing und Soul aufgestellt haben, als an den rudimentären Formen des Blues. In den zurückliegenden über dreißig Jahren haben die Hildesheimer sechzehn Alben aufgenommen – eine Profiband also.
Sie spielen einen Handstrauß an Musik, der trotz der starken Bluesanteile irgendwie in keine Schublade passt und eher als Gegenpol zu jeder Form von Schwermut verstanden werden kann. Voller Energie glaubte man bei ihrem Auftritt immer wieder das Rauschen von luftigen Petticoats und das Knistern x-mal abgespielter Schellacks zu hören. Tanzbar – ist diese Musik allemal.
Der Blues traf also auch im 11. Puchheimer Jahrgang wieder einmal mitten ins Herz des Publikums. Vielleicht weil in seiner Unmittelbarkeit etwas Grundlegendes steckt, etwas, das zumindest heutige Generationen als überlieferte Volkskunst bezeichnen können. Und für diese sind wir, wie es scheint, sensibel und empfänglich. Also: Auf zum 12. Jahrgang.
Jörg Konrad
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Samstag 12.03.2022
Germering: Yves Theiler Trio – Keine Brührungsängste
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Für das Entwickeln von Kreativität braucht man Physisches, die echte Welt, Dreck, die Straße, die Natur. Nicht ein Kinderzimmer mit sechs Bildschirmen“, sagte Yves Theiler zu Beginn des Jahres in einem Interview an dieser Stelle. Ansonsten verstärkt sich - was sowieso schon allenthalben zu spüren ist: Die Heiligsprechung der Individualität, wobei sich eigenartigerweise die Entwicklung und ästhetische Sozialisierung der Menschen und ihr persönliches Tun immer ähnlicher werden. Natürlich gibt es Ausnahmen und man sollte nicht müde werden, diese zu benennen und herauszustellen.
Zum Beispiel eben Yves Theiler. Der Schweizer ist Pianist und gleichzeitig Pädagoge. Ein Vollblutmusiker, der die ausgetretenen Wege des Mainstream meidet und stattdessen das Herausfordernde, das Abenteuer innerhalb der Musik sucht. Solange es solche Lehrer gibt, besteht Hoffnung: auf gelebte Differenziertheit, auf Substanz! Am Freitagabend gab Theiler mit seinem Trio in der Germeringer Stadthalle seine musikalische Visitenkarte ab. Ein (Jazz-) Konzert der besonderen Art, ein Auftritt der deutlich machte, zu welchen Fähigkeiten und Wirkungen Individualität und Persönlichkeit in der Lage sind.
Das Repertoire, nachdem ein Jazzkenner oft zu aller erst fragt, bestand aus eigenen Kompositionen. Die Grundlage hierfür scheinen Intelligenz und Leidenschaft. Es sind überwiegend sehr komplexe Stücke, aus verschiedenen, ineinander übergehenden Segmenten, die sowohl in ihrem freiheitlichen Duktus, wie auch in ihrer Sinnlichkeit beeindrucken. Stücke, deren Dramaturgie geschickt aufgebaut wird, als eine Art ausfransender Kammermusik, deren dunkle Textur zugleich einen leicht tänzerischen Humor offenbart.
Theiler hat keine Berührungsängste, weder vor Blues noch vor Rock, vor moderner Klassik schon gar nicht und seine Improvisationen sind überhaupt erst die Grundlage seines Tuns. Er weiß mit wenigen Akkorden die Richtung vorzugeben – oder sie zu ändern, wenn nötig. Er klingt nicht unbedingt nach einem tosenden Oscar Peterson und seinen swingenden Slalomläufen. Dafür ruht Theiler zu sehr in sich selber, ist er eher ein Intellektueller am Klavier, ein Verfechter des Innovativen und der Freiheit.
An seiner Seite hat er mit Luca Sisera eine Art Groove-Monster, einem Bassisten voller Leidenschaft und Ideen. Er arbeitet unablässig am Fundament des Vortrags, zeigt Energie und Eleganz, ist dabei ein Rhythmiker mit Raffinesse und warmer Intimität. Lukas Mantel am Schlagzeug füllt hingegen die Räume, nutzt sein Set, um mit unterschiedliche Klangmöglichkeiten den Sound zu erweitern. Er agiert zurückhaltend, fragmentarisch, differenziert.
Yves Theiler hat hier eine wirklich homogene Band, mit der er seine Vorstellungen von Musik umsetzen kann. Und die ist, bei aller jazznahen Ausrichtung, vor allem individuell und von einer starken Persönlichkeit gekennzeichnet. Es ist Musik, die immer wieder neue Nuancen offenbart, mit der es sich zu beschäftigen und vor allem zuzuhören lohnt. Es ist eben - und hier schließt sich der Kreis wieder - gelebte Differenziertheit und Substanz. Eben die echte (physische) Welt.
Jörg Konrad
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Montag 31.01.2022
Olching: Anna Zimre und Christian Elin – Sensibles Ineinandergreifen der Instrumente
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Olching. Von wegen, in der Klassik ginge es allein um die Interpretation festzementierter Werke. Es gibt sie, die Entdeckungen, die Neugestaltungen, ja die abenteuerlichen Klangexpeditionen – eben auch unter dem Dach der Klassik. Ein solches Experiment präsentierten am vergangenen Sonntag Anna Zimre und Christian Elin in der 194. Matinee der Reihe Eleven-Eleven in Olching. Es war ein morgendliches Konzert voller Eleganz und Leidenschaft, modern und doch vertraut, spannend wie melancholisch.
Das eigentlich Besondere an diesem wunderbar stimmigen Auftritt der beiden Instrumentalisten war ihr Zusammenführen von Instrumenten, die aus völlig verschiedenen Epochen stammen und in dieser Konstellation wohl nur selten zu hören sind – wenn überhaupt.
Anna Zimre spielt seit Jahren die siebensaitige Viola da Gamba, dieses historische Streichinstrument, das speziell in der Renaissance und im Barock genutzt wurde. Christian Eli hingegen bewegt sich als Saxophonist (überwiegend Sopran) und Bassklarinettenspieler entsprechend seinem Klangwerkzeug im Spannungsfeld von Jazz und Klassik. In ihrem gemeinsamen Projekt Gambelin bringen sie diese nun sehr unterschiedlichen Instrumente zusammen und finden auch tatsächlich, was den Sound mit diesem sandig-raues Timbre betrifft, einen sich gegenseitig ergänzenden und befruchtenden Klang. Dieser bisher ungehörte ästhetische Ansatz wird durch ihr spieltechnisches Können noch erweitert und erschließt ihnen so ganz neue Möglichkeiten in der Präsentation von Musik.
Sie haben sich hierfür ein eigenes, aus alten und zeitgenössischen Kompositionen bestehendes Repertoire erarbeitet, das die unterschiedlichen Ideen und Ansätze im Rahmen einer klanglichen Ausgeglichenheit beider Instrumente zueinander führt. Ihre jeweilige spezielle und sehr persönliche Ausdrucksintensität gibt der Musik eine zusätzlich, hin und wieder auch herausfordernde Note.
Neben Johann Sebastian Bach, dessen Vorgaben sich schon immer für die unterschiedlichsten Adaptionen geeignet zeigten, haben sich Anna Zimre und Christian Elin intensiver für den spanischen Komponisten Diego Ortiz entschieden. Bei ihm ermöglichen das Ineinandergreifen harmonischer Modelle, rhythmische Besonderheiten und Improvisationen völlig neue Klangerlebnisse. Es ist ein Wechselspiel ruhender Ausgeglichenheit und temperamentvoller Verzierungen. Auch die von Christian Elin geschriebenen Stücke bringen das Besondere dieser Besetzung immer wieder zum Tragen. Das sensibel intensive Ineinandergreifen der Instrumente überbrückt manchmal auf wagemutige Art Zeiträume und Herangehensweisen und begeistert mit diesen kleinen Hörabenteuern das Publikum restlos.
Jörg Konrad
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