Haben Sie einen Artikel verpasst? Dann klicken Sie hier. Im Archiv finden Sie auch ältere Veröffentlichungen.
1. Sebastian Manz & Herbert Schuch „Brahms / Schumann / Gade“
2. Footprint Project „Garden Of Opinions“
3. John Scofield „John Scofield“
4. David Orlowsky & David Bergmüller „Alter Ego“
5. Ntjam Rosie „Home Cooking“
6. Malika Tirolien „Higher“
Montag 23.05.2022
Sebastian Manz & Herbert Schuch „Brahms / Schumann / Gade“
Bilder
im September/Oktober des vergangenen Jahres war der begnadete Klarinettist Sebastian Manz im österreichischen Schwarzenberg, um mit dem Pianisten Herbert Schuch im dortigen Angelika-Kaufmann-Saal, der akustisch ein Kleinod ist, ein Duo-Album einzuspielen. Auf dem Programm standen Sonaten von Johannes Brahms und Fantasiestücke von Niels Wilhlem Gade und Robert Schumann.
Besonders die Kompositionen von Brahms (Sonate in f-Moll, op.120 Nr 1 & Sonate in Es-Dur, op.120 Nr. 2) und Schumann (Fantasiestücke, op.73) gehören beinahe zur Standardliteratur für die Besetzung Klarinette und Klavier. Trotzdem sind die beiden Instrumentalisten in der ausgezeichneten Lage, diesen häufig gespielten Aufnahmen eine besonderes Frische und zupackende Note zu geben.
Beide Instrumentalisten lassen eine starke persönliche Nähe und beinahe schon Seelenverwandtschaft bei ihrer Interpretation spüren, die dem künstlerischen Austausch natürlich sehr förderlich sind. Man könnte den Dialog als ein sich gegenseitig ergänzenden musikalischen Vorgang nennen, bei dem, trotz aller Harmonie, auch die klanglichen Reibungsflächen zu spüren sind. Dadurch bekommen die Aufnahmen eine stärkere Dynamik, sind die Herausforderungen in einem spürbaren Wechsel zwischen poetischer Tonbildung, klarem Ausloten der Themen und dem dramatischen Potenzial der Vorgaben zu spüren. Spannend auch die klangliche Gegenüberstellung und Verbindung zwischen dem überwiegend begleitenden und Stimmungen heraufbeschwörendem Klavierpart und der häufig Melodien jubilierenden Klarinette Sebastian Manz.
Jörg Konrad


Sebastian Manz & Herbert Schuch
„Brahms / Schumann / Gade“
Berlin Classics
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 20.05.2022
Footprint Project „Garden Of Opinions“
Bilder
Es gibt immer wieder ganz außergewöhnlich faszinierende Beispiele, für fesselnde, spannende und anspruchsvolle Popmusik. Nur greift der Terminus „Pop“ im vorliegenden Fall etwas kurz. Denn das Berliner Brass-Kollektivs Footprint Project verbindet verschiedene Stile, wie Afrobeat, Neosoul, Jazz, Reggea und Latin zu einem einzigartigen musikalischen Konglomerat. Das neue, dritte Album der zehnköpfigen Band „Garden Of Opinions“ könnte von europäischen Radiostationen ebenso ausgestrahlt werden, wie sie von nord- bzw. südamerikanischen oder von australischen Sendern in den Äther geschickt werden. Die Reaktionen bei den Hörern wäre wohl überall ähnlich: Pure Begeisterung. Denn das Berliner Multi-Kulti-Gewächs ist geographisch schwer einzuordnen, vermittelt hingegen etwas, das überall grenzenlose Freude auslöst. Es ist der erfrischende und zeitlose Groove, der eben nicht das Gefühl vermittelt, hier sei Popmusik am Reißbrett für den monitären Erfolg entwickelt worden. Dafür gerät das Gebräu zu organisch, klingen die Bläsersätze zu authentisch, ist die Musik zu bodenständig.
Aufgenommen wurde das Album in den Jazzanova Recording Stusios, die in der Vergangenheit schon häufig ausgezeichnete Produktionen ablieferten. Es ist diese Mischung aus dem hart groovenden Grundgerüst, präzisen Bläsersätzen, leicht melancholischen Melodien und den wie beiläufigen strahlenden Gesang. Das alles in forcierter Leidenschaft vorgetragen macht den besonderen Reiz von „Garden Of Opinions“ aus. Die richtige Musik für dem bevorstehenden Sommer.
Alfred Esser

Footprint Project
„Garden Of Opinions“
Flowfish Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 17.05.2022
John Scofield „John Scofield“
Bilder
Knapp vier Dutzend Alben hat er in seiner langen Karriere unter eigener Regie veröffentlicht. Doch das vorliegende ist das erste, das nur seinen Namen trägt: John Scofield. Und es ist zudem das erste Soloalbum des Gitarristen. „Ich glaube, ich habe eine gewisse Feinfühligkeit dadurch entwickelt, dass ich in letzter Zeit viel allein zu Hause gespielt habe“, erzählte der im letzten Jahr siebzig gewordene Sco dem Boston Herald. Grund für diesen mehr erzwungenen Rückzug war natürlich die Pandemie und ihre Folgen. Sie brachte ihn auch dazu, einen Blick in die Vergangenheit zu wagen, Musik zu spielen, die ihn einst prägte und die nicht zuletzt „Schuld“ dafür war, dass er Gitarrist geworden ist. „Als ich ein Kind war, war die Gitarre das Instrument des Rock'n'Roll und der Pop Musik. Das war es, was mich interessierte“, offenbarte er in gleichem Interview. Und so kam es, dass er sich im vorliegenden Fall für Interpretationen von Buddy Holly („Not Fade Away“) und Hank Williams („You Win Again“) entschied. Aber natürlich klingen beide Titel deutlich nach einem John Scofield. Er ist einer jener (weißen) Musiker, die nie den Blues verleugneten. Selbst in jenen Zeiten, als er trocknen und pointierten Jazz-Rock spielte, ist er der Seele des Blues treu geblieben, hat einen Personalstil entwickelt, der trotz bebender Spannung und moderner Ausrichtung nie vergessen hat, wo die Wurzeln der Musik lagen. Mit Sicherheit war dies auch ein Grund, warum ihn 1983 kein geringerer als Miles Davis in seine Band holte und damit Scofields künstlerische Vita noch einen zusätzlichen Schub erhielt.
Natürlich hat er sich bei dem Repertoire auch für Standards entschieden, die er schon vor Jahren in ganz anderer Besetzung spielte, wie eben jenes coole „There Will Never Be Another You“, aufgenommen am 24. November 1974 mit der Band um Chet Baker und Gerry Mulligan in der New Yorker Carnegie Hall. Und diese Nummer zeigt, dass der Gitarrist eben nicht nur den Blues beherrscht, sondern er auch gehörig swingen kann. Und zu welchen gefühlvollen Balladen er fähig ist, macht dann der Klassiker „My Old Flame“ hörbar. Und in all die Musik baut er immer wieder faszinierende melodische Ideen ein, entwirft elegante Spannungsbögen, groovt ordentlich (auch dank seiner Loop-Künste) und glänzt mit feinsinnig vertrackte Skizzen, die der Musik jeden Anflug von Pathos nehmen. Stattdessen zündende Inspirationen, die ordentliche Funken schlagen.
Jörg Konrad

John Scofield
„John Scofield“
ECM
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 11.05.2022
David Orlowsky & David Bergmüller „Alter Ego“
Bilder
Es gibt sie, diese besonderen wie seltenen Momente. Man liest ein Buch, man hört eine Musik, man begegnet einem Menschen und weiß sofort – hier stimmt die Chemie. Es gibt Anknüpfungspunkte, die über das rein rational Erklärbare hinausgehen. Man spürt eine Seelenverwandtschaft – und löst diese ein. Genau so erging es David Orlowsky. Der 1981 in Tübingen geborene Klarinettist war über zwei Jahrzehnte mit seinem Trio unterwegs, spielte zu achtzig Prozent Klezmer, aber auch Mozart, Filmmusik und Jazz. Er wollte seine Situation ändern, wusste aber noch nicht genau, wohin ihn diese künstlerische Reise denn führen würde. Mehr durch Zufall traf er auf die Musik von David Bergmüller, einem aus Österreich stammenden Lautenspieler und Komponisten. Es funkte sofort und aus diesem Feuer entstand letztendlich das Duo-Album „Alter Ego“. Beide spielen sie hier eine Musik, die in ihrer Zusammenstellung und Umsetzung ebenso spannend wie ästhetisch herausfordernd gerät. „Alter Ego“ beinhaltet einige Eigenkompositionen und Lieder von Henry Purcell, John Dowland, Thomas Preston und Giovanni Girolamo Kapsperger, einen der herausragenden Lautisten zu Beginn des 17. Jahrhunderts.
Orlowsky und Bergmüller geben diesen Kompositionen einen ganz besonderen, schlanken und feierlichen Ton. Voller Poesie umkreisen sie mit ihren Instrumenten die Vorlagen, erschließen die Nummern musikalisch nicht immer zur Gänze, sondern nehmen sich auch das Recht heraus, Themen und Wendungen nur anzudeuten, der Poesie besonderen Raum zu geben und fantasie- wie liebevoll einen gewissen Charme zu verströmen. Nicht immer führt Orlowsky mit der Klarinette das Duo durch den Melodienreigen. Auch Bergmüller erzählt in der ersten instrumentalen Person Geschichten, weiß mit feinsten Nuancen den fließenden Charakter der Musik in Schwung zu halten.
Beide Instrumente begegnen sich auf Augenhöhe, schaffen Interpretationen von irritierender Schönheit und tief beseeltem Glanz. Leuchtende Musik in dämmrigen Zeiten.
Jörg Konrad

David Orlowsky & David Bergmüller
„Alter Ego“
Warner
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Montag 09.05.2022
Ntjam Rosie „Home Cooking“
Bilder
Ihre letzten Alben waren stark von westlichen Inspirationen geprägt. Ntjam Rosie, in Kamerun geboren und mit neun Lebensjahren in die Niederlande emigriert, wuchs in Rotterdam mit Jazz und Soul und R&B auf. Speziell die Musik von George Duke, Stevie Wonder, Patrice Rushen aber auch Miriam Makeba faszinierten sie in der „neuen“ Welt. Dann, nach zwei Alben und der beginnenden Corona Pandemie, zog sich die heute 39jährige aus der Musikszene zurück. Auch ihr Leben entschleunigte sich plötzlich, wie das vieler anderer auch. Es gab mehr Zeit – auch um die eigene Befindlichkeit deutlicher wahrzunehmen. Ntjam hatte Zeit, beschäftigte sich intensiver mit der eigenen Familie und vielleicht war dies genau der Moment, sich mit der eigenen Sehnsucht, dem Verlust und der Suche nach Vertrautheit zu stellen, die plötzlich eine stärkere Rolle spielten.
Und als Ergebnis dieser Auseinandersetzung entstanden ein knappes Dutzend neue Kompositionen, die sie mit akustischen Instrumenten im Alleingang sozusagen im Wohnzimmer aufnahm.
Home Cooking“ ist ein stilles afrikanisches Album geworden, dass aufgrund seines sehr persönlichen, auch intimen Charakters fasziniert. Es sind warme Harmonien, eingehende Melodien, sehnsuchtsvolle Texte. Die elf Songs leben von einer inneren Beseeltheit, von nuancierten Stimmen, zu denen auch die ihrer Großmutter Ma Mbengon gehört. Es ist eine kurzweilige, aber berührende musikalische Reise in die Vergangenheit, die natürlich die Gegenwart als Ausgangspunkt beinhaltet – und doch von Vergangenem lebt. Sinnliche, intelligente und damit berührende Musik aus dem interkulturellen Wohnzimmer.
Alfred Esser

Ntjam Rosie
„Home Cooking“
O-Tone / Edel
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 03.05.2022
Malika Tirolien „Higher“
Bilder
Geboren wurde Malika Tirolien in Guadeloupe, in der südlichen Karibik. Heute lebt sie in Kanada. Musikalisch bewegt sich die Sängerin, Komponistin und Produzentin mittlerweile in grenzenlosen Räumen. Auch ihr neues Album „Higher“, der zweite Teil einer Tetralogie über die vier Elemente, lebt von seiner Offenheit und visionären Kraft. Die Musik ist eine Mixtur aus Rock und Jazz, R&B und Soul, Hip Hop und Afropop. All dies klingt bei Malika völlig selbstverständlich. Man spürt ihre kosmopolitische Grundanschauung, auf jeden Fall was die Musik betrifft. Alles wirkt bei ihr gut durchdacht, dramaturgisch ins richtige Verhältnis gesetzt und dank ihrer kräftigen, natürlichen Stimme vor allem erfrischend und doch völlig beseelt. Ihre Songs glühen und funkeln – jeder auf seine ganz eigene Art.
Gelernt hat Malika diese Art der kontrollierten Hingabe bei dem Musikerkollektiv Snarky Puppy und deren charismatischen Initiator Michael League, der auch „Higher“ exzellent produziert hat. Dann war sie einige Jahre Mitglied der Band Bokanté, dieser aus acht Musikern bestehenden World-Fusion-Band, die bei Peter Gabriels Real World Label unter Vertrag war. Doch Malika Tirolien zeigt, dass sie auch allein sehr wohl in der Lage ist, wirkliche musikalische Ausrufezeichen zu setzen. Die verdichteten Arrangements vermitteln Tiefe und Leichtigkeit, die Band marschiert unablässig nach vorn und zaudert trotz aller spieltechnischen Herausforderungen nicht eine Sekunde. Ein wirkliches Naturereignis dieses Album „Higher“. Fundamental, visionär, radikal. Nur laut sollte man diese elf Songs hören!
Alfred Esser

Malika Tirolien
„Higher“
Malika / o-tone
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2022 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.