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25. Oded Tzur „Isabela“
26. Florian Hoefner Trio „Desert Bloom“
27. Günter Baby Sommer „Karawane“
28. Eckart Runge & Jacques Ammon „Baroque in Blue“
29. J. Peter Schwalm & Stephan Thelen „Transneptunian Planets“
30. Tim Allhoff „Morla“
Mittwoch 06.07.2022
Oded Tzur „Isabela“
Bilder
Seine Exkursionen durch ebenso karge wie reizvolle Klanglandschaften kommen betörenden Sirenengesängen schon sehr nahe. Oded Tzur fasziniert auch auf seinem neuen Album „Isabela“ durch seinen poesievollendeten Saxophonsound. Zudem sind es die reduzierten, nicht minder berührenden Geschichten, die er auf seinem Instrument zu erzählen versteht, die den Hörer regelrecht verzaubern. Das erinnert, bei allem Respekt, entfernt an die ersten Aufnahmen, die Charles Lloyd nach seinem selbstgewählten Exil Ende der 1980er Jahre für ECM einspielte. Es ist ein spür- und hörbarer Einklang zwischen Mensch und Musik. Das mag daran liegen, dass gewisse meditative Bezüge eine Rolle spielen, der Sinn für Zeit und Raum und die Leidenschaft zur seelenruhigen Improvisation. Oded Tzur beschäftigt sich zudem schon eine ganze Weile mit der musikalischen Welt indischer Ragas, die hier ebenfalls Einzug halten. Geschuldet ist dieser Bezug seinem einstigen Mentor Hariprasad Chaurasia, bei dem der heute in New York lebende israelische Saxophonist einst in Rotterdam studierte. Durch diesen Einfluss bekommt das Album einen abstrakt kommunikativen Charakter, der in Leidenschaft gefangen nimmt und ins innere des Instrumentalisten blicken lässt.
Zudem hat Tzur eine wunderbare Gruppe Gleichgesinnter um sich versammelt, wie den israelischen Pianisten Nitai Hershkovits, den griechischen Bassisten Petros Klampanis und den alles zusammen haltenden Schlagzeuger Johnathan Blake. Die Drei unterstützen und fordern Oded Tzur, folgen ihm - nicht hörig, dafür mit Poesie und Lebensfreude, die sich auch schon einmal explosiv äußern kann und dann in ihrer Freiheit gefangen nimmt.
Jörg Konrad

Oded Tzur
„Isabela“
ECM
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Freitag 24.06.2022
Florian Hoefner Trio „Desert Bloom“
Bilder
St. John liegt zwar nicht am Ende der Welt. Aber es scheint, sieht man sich die Karte genauer an, dass die Provinzhauptstadt der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador eben nicht unbedingt im Zentrum der Zivilisation liegt. Immerhin noch ausreichend, um während der Pandemiezeit in dieser idyllischen, 110.000 Einwohner zählenden Hafenstadt fast zwei Jahre festzustecken, wie Florian Hoefner. Viele Musiker haben aus der Not eine Tugend gemacht und in der Lockdown-Zeit neue Projekte entworfen, oder zumindest an den bestehenden weitergearbeitet.
So auch der im fränkischen Höchstadt an der Aisch geborene Pianist. Für seine ersten Trio-Einspielungen 2020 und 2021 erhielt der 39jährige bedeutende kanadische Jazzpreisen. Also lag es für ihn auf der Hand, genau an dieser Stelle und mit gleicher Besetzung weiterzuarbeiten. Nur saßen die beiden anderen Bandmitglieder Andrew Downing (bass) und Nick Fraser (Schlagzeug) im mehr als 2000 Kilometer entfernten Toronto ebenfalls fest …... .
Also hat sich Florian Hoefner neuen musikalischen Auseinandersetzungen gestellt und Inspirationsquellen erschlossen. Die konnte er nun endlich in neue Aufnahmen dieses Trios integrieren. „Desert Bloom“ - eine Sammlung von neun Stücken, wobei sieben allein aus Hoefners Feder stammen.
Das Trio schafft eine musikalisch ausgeglichene Atmosphäre, die zwischen Vertrautem und Aufbruch pendelt, die von neuen Ideen lebt und ungemein frisch klingt, deren Hingabe beeindruckt und deren magischen Momente mitreißen. Man spürt des Pianisten Bezug zu wunderbaren Melodien, seine Begeisterung für dramaturgische Spannungsbögen. Trotz aller Harmonien lebt die Musik auch von einzelnen Brüchen, die konzentriert eingebracht und von den beiden Begleitmusikern in sicherer und einfühlsamer Musizierhaltung mitgetragen werden.
Viktor Brauer

Florian Hoefner Trio
„Desert Bloom“
Alma
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Freitag 17.06.2022
Günter Baby Sommer „Karawane“
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Die alten Haudegen des Jazz waren immer dann besonders faszinierend, wenn sie sich mit jungen Generationen von Musikern vereint haben. Natürlich hatte der Dresdner Günter „Baby“ Sommer (seinen Beinamen „Baby“ trägt er schon seit jungen Jahren, weil ihn schon damals das Spiel der amerikanischen Schlagzeuglegende Baby Dodds so begeisterte) in den letzten Jahren auch solistisch, oder im Duo mit seinem Alter Ego dem Pianisten Ulrich Gumpert große und ausdrucksstarke Momente. Doch nun hat er sich mit Musikern zusammengetan, die fast vier Jahrzehnte jünger sind als er selbst: Die Brüder Lucaciu, mit Antonio (Saxophon), Simon (Klavier) und Robert (Bass). Und es zündet zwischen den Vieren von der ersten Sekunde an. Die Art sich gegenseitig zu reiben, Gemeinsamkeiten auszuloten, in der Tradition zu stöbern, neue Ideen auszuprobieren, Risiken einzugehen und miteinander Spaß zu haben ist einfach wunderbar. Diese Musik hat Konturen und Fantasie, wird gespielt von Könnern an ihren Instrumenten, die sich jede Neugierde bewahrt haben.
Einer Karawane nicht ganz unähnlich zieht das Quartett geschlossen durch die Wüsten und die Oasen des Jazz, trotzt sämtlichen Zeitströmungen, gestaltet klanglich spektakuläre Momente, komponiert außergewöhnlich, interpretiert lebendig und gegenwärtig Traditionals, Bela Bartok oder setzt im Titelstück des Albums den großen Sprachkünstler Hugo Ball in Szene. Trotzdem ist es ein eigenes Ausdrucksspektrum, was die Vier entwerfen. Man spürt den Blues, den Bop, den Swing und die Freiheit die in ihnen stecken. Doch letztendlich hat diese Musik einen völlig individuellen Charakter und überrascht immer wieder aufgrund von sprühendem Intellekt und ausgelassener Bodenständigkeit. Diese Aufnahme schafft wahre Glücksmomente!
Jörg Konrad

Günter Baby Sommer
„Karawane“
Intakt Records
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Montag 13.06.2022
Eckart Runge & Jacques Ammon „Baroque in Blue“
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Sie sind beide Vollblutmusiker, die keine stilistischen Grenzen zu kennen scheinen, bzw. diese ganz locker zu übersteigen verstehen. Und das schon seit Jahrzehnten: Eckart Runge, der Cellist und Hochschulprofessor aus Heidelberg und Jacques Ammon, der in Santiago de Chile als Kind deutsch-chilenischer Eltern geborene Pianist. Nachdem sie auf ihrem letzten gemeinsamen Duo-Album „Revolutionary Icons“ Komponisten wie Frank Zappa, Jimi Hendrix, Amy Winehouse und Ludwig van Beethoven mutig wie begeisternd gegenübergestellten, haben sie sich im vorliegenden Fall für Komponisten des Barock und des Jazz entschieden. So ist es im Grunde eine illustre Gemeinschaft, die sich die knapp 75 Minuten auf diesem Album teilen. Aber was heißt teilen. Im Grunde spürt man die Unterschiede dieser Musik, die immerhin bald 200 Jahre auseinander liegt, kaum. Es ist dank Runge & Ammon eher ein kammermusikalisches Miteinander, wenn sich Johann Sebastian Bach, George Friedrich Händel oder Antonio Vivaldi mit Biréli Lagrène, Chick Corea und Miles Davis abwechseln. Dazwischen tauchen dann noch Kompositionen von Heitor Villa-Lobos, Nikolai Kapustin, Lucio Amanti und Christoph Willibald Gluck auf.
Beide Instrumentalisten swingen und grooven, synkopieren und improvisieren. Zugleich spielen sie mit einer ausgewogenen Strenge, werfen sich die Ideenbälle zu, ergänzen und motivieren sich, entdecken immer wieder das Gemeinsame im Spiel neu. Sie wechseln die Stimmungen und bewegen sich federleicht auf den Schwingen der Musik. Schönheit und Intensität sind das herausragende Merkmal dieses Albums und man darf zu recht heute schon gespannt sein, welchen Herausforderungen sie sich das nächste Mal stellen.
Jörg Konrad

Eckart Runge & Jacques Ammon
„Baroque in Blue“
Berlin Classics
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Freitag 10.06.2022
J. Peter Schwalm & Stephan Thelen „Transneptunian Planets“
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J. Peter Schwalm und Stephan Thelen vollendeten das vorliegende Album „Transneptunian Planets“, indem sie musikalische Ideen und soundtechnische Vorlagen von ihren über 400 Kilometern entfernten Wohnorten elektronisch austauschten. Dann arbeiteten sie unabhängig voneinander an diesen Rohfassungen, vervollständigten und erweiterten diese, fügten individuelle Prozesse hinzu und überarbeiteten das ganze erneut. Der eine in Frankfurt/Main (Schwalm), der andere in Zürich (Thelen). Geplant war diese Form der Zusammenarbeit so nicht. Beide trafen sich erstmals persönlich Ende 2019/Anfang 2020 in einem Café der Goethestadt und fanden sofort einen Draht zueinander. Dann kam die Pandemie und sie waren gezwungen, die Kommunikation untereinander auf die oben beschriebene Weise weiterzuführen.
Auf den Gedanken, eine hörbare Brücke zwischen dem Elektroniker Schwalm und dem Gitarristen Thelen zu bauen, kam der Produzent und Firmengründer Giacomo Bruzzo, der in der Vergangenheit auf dem Londoner RareNoise-Label schon ähnliche Projekte mit Erfolg angestoßen hat. Er besitzt ein Gespür für das Entdecken und Verbinden außergewöhnlicher Kreativität. Und auch im Fall dieser beiden charismatischen Individualisten funkte es auf Anhieb, wobei das musikalische Ergebnis wie die Fortführung einer schon länger andauernden klanglichen Freundschaft klingt.
Es sind die dunklen, raumfüllenden Sounds, die psychedelischen Harmoniemuster, die träge treibenden Rhythmuspattern, die die gesamte Musik bestimmen. Einzelne instrumentale Stimmen entwickeln sich aus diesem resilienten Konglomerat. Ambient, Dub, Jazz und Funk – alles Spielweisen, die den beiden sehr wohl vertraut sind. Immer wieder entstehen kleine solistische Figuren, gespielt von Thelen selbst, oder auch von Eivind Aarset, der diese Aufnahme um eine zusätzliche Gitarrenstimme erweitert. Neben einer archaisch anmutenden Hartnäckigkeit und der kompensierten, verdichteten Energie überwältigt trotz allem eine psychedelische Poesie, eine gewisse Zartheit, oder besser Verletzlichkeit, die dem Album etwas differenziertes, etwas dramaturguisch hochsensibles vermittelt. „Transneptunian Planets“ ist somit keine alternierende Tonspur für Technokraten, sondern ein Stück für musikalische Sachverständige.
Jörg Konrad

J. Peter Schwalm & Stephan Thelen
„Transneptunian Planets“
Rare Noise
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Montag 06.06.2022
Tim Allhoff „Morla“
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Es ist schon eine illustre Schar an Komponisten und Einflüssen, die Tim Allhoff auf seinem neuen Album „Morla“ in den musikalischen Mittelpunkt stellt. Es gibt Stücke von Felix Mendelssohn-Bartholdy („Schäfers Klagelied“), Johann Sebastian Bach („Orgelsonate Nr. 4 BMV 528“), auch von Sufjan Stevens, dem Banjo spielenden Folkmusiker aus Detroit, oder von David Mann, dessen Song „In the Wee Small Hours of the Morning“ Mitte der 1950er Jahre ein One-Hit-Wonder wurde. Dann sind da noch die ganz persönlichen Favoriten, die für den Pianisten Allhoff eine wichtige (und hörbare) Sozialisations-Quelle einnehmen: Beatles, Radiohaed, Miles Davis und und und. Wie dies rein musikalisch alles zusammengeht? Nun, Allhoff ist es, der diese Jahrhunderte und Formate wie eine Spange zusammenhält und als Jazz-Nummern interpretiert. Nicht dreist swingend, wie einst Oscar Peterson, oder als Gesangs-Variationen á la Viktoria Tolstoy. Dieses Album ist eine Art Kammermusik-Variante all dieser Vorlagen, mit einem ordentlichen Schuss Melancholie. Das Melodiöse steht im Vordergrund, die Improvisationen sorgen für eine Brise Frische, die Arrangements des Leonkoro Streichquartett stärken die Qualität, das Duo mit dem Geiger Niklas Liepe könnte man als einen Dialog der friedlichen Kommunikation bezeichnen. So wird es einerseits schwierig, in welches Regal man diese Musik einsortiert: Klassik, Jazz, Instrumental?
Im Grunde ist dies völlig egal. Wichtig scheint, dass man in der Lage ist sich diesen Tönen hinzugeben, ihren positiven Charakter zu erkennen und damit dieses kleine Meisterwerk auch gebührend zu goutieren.
Alfred Esser

Tim Allhoff
„Morla“
Neue Meister
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Autor: Siehe Artikel
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