Haben Sie einen Artikel verpasst? Dann klicken Sie hier. Im Archiv finden Sie auch ältere Veröffentlichungen.
1. NICHT GANZ KOSCHER – EINE GÖTTLICHE KOMÖDIE
2. DER PERFEKTE CHEF
3. MONSIEUR CLAUDE UND SEIN GROSSES FEST
4. MEINE STUNDEN MIT LEO
5. CORSAGE
6. DEAR MEMORIES – EINE REISE MIT DEM MAGNUM FOTOGRAFEN THOMAS HOEPKER
Donnerstag 04.08.2022
NICHT GANZ KOSCHER – EINE GÖTTLICHE KOMÖDIE
Ab 04. August 2022 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Drei Religionen. Zwei Männer. Ein Kamel.
In die Wüste geschickt hat sich Ben (Luzer Twersky) glatt selbst. Um den Verkuppelungsversuchen seiner Familie zu entgehen, bietet sich der ultraorthodoxe Jude aus Brooklyn kurzerhand an, nach Alexandria zu fliegen, um die eins größte jüdische Gemeinde der Welt zu retten. Die braucht nämlich dringend den zehnten Mann, um das anstehende Pessachfest zu feiern. Zu dumm nur, dass Ben seinen Flug verpasst und sich allzu leichtsinnig für den Landweg entscheidet. Als er mitten in der Wüste Sinai aus dem Bus fliegt, ist Adel (Haitham Omari), ein mürrischer Beduine auf der Suche nach seinem entlaufenen Kamel, seine letzte Hoffnung. Vorwärts geht es für beide Männer nur gemeinsam, aber wie vereint man 613 jüdische Glaubensregeln mit den archaischen Gesetzen der Wüste? Als auch noch das Auto den Geist aufgibt, geht es bald nicht mehr nur ums gemeinsame Essen, sondern ums nackte Überleben...


Ein Film von Stefan Sarazin und Peter Keller
Mit Luzer Twersky, Haitham Omari, Makram Khoury u.a.

Ein Roadtrip durch den Sinai, wie er absurder nicht sein kann: „NICHT GANZ KOSCHER – Eine göttliche Komödie“ ist ein ebenso turbulenter wie nachdenklicher Film um unterschiedliche Kulturen und der Frage nach Identität. Regie und Drehbuch dieser anrührenden Culture-Clash-Komödie verantworten Stefan Sarazin („Nitschewo“) und Peter Keller, die für das Drehbuch mit dem Titel „No Name Restaurant“ 2011 die LOLA für den Deutschen Drehbuchpreis erhielten.
Produzent Fritjof Hohagen von enigma film wurde am 20. Mai für seine Leistung bei der herausfordernden Produktion mit dem Produzentenpreis des Bayerischen Filmpreises ausgezeichnet, zusammen mit seinen Mitproduzenten Stefan Sarazin und Peter Keller.
Die überwiegend in der Wüste Sinai spielende Komödie wurde an atemberaubenden Schauplätzen wie dem Wadi Rum in Jordanien gedreht, wo auch „Lawrence von Arabien“ und „Dune“ entstanden.
„NICHT GANZ KOSCHER – Eine göttliche Komödie“ ist eine Produktion von Fritjof Hohagen von enigma film („Unterm Radar“ – Auszeichnung für Christiane Paul mit dem internationalen EMMY Award, „Die schwarzen Brüder“ – ausgezeichnet mit dem ‚Goldenen Spatz‘ und dem *Prix Walo‘, „Hannas schlafende Hunde“ - ausgezeichnet mit dem ‚Golden Goblet Award‘, Shanghai Filmfestival) mit Stefan Sarazin und Peter Keller in Zusammenarbeit mit dem BR und arte, für die Cornelia Ackers und Carlos Gerstenhauer die Redaktion übernommen haben. Koproduzenten sind Marlen von Isny, Christoph Fisser für Studio Babelsberg und Waheed Zahmani für D-Facto Motion, Michael Hilscher und Nicole Swidler für enigma film.
Die Produktion wurde von ARRI Rental unterstützt. Gefördert wurde das Projekt vom FFF Bayern, der FFA,
dem Medienboard Berlin-Brandenburg und dem DFFF.
Die Hauptrolle des orthodoxen Juden Ben spielt Luzer Twersky, bekannt durch das mehrfach ausgezeichnete Drama „Felix und Meira“ (2014) und die Netflix-Dokumentation „One of Us“ (2017). Darin ist er einer der drei portraitierten ex-chassidischen jüdischen Protagonisten, der aus der streng-religiösen Gemeinschaft in New York ausgestiegen ist, nicht zuletzt, um seinen Traum, Schauspieler zu werden, verwirklichen zu können.
Haitham Omari als Adel ist bekannt für die Hauptrolle im Sundance-Gewinner „Sand Storm“ von Elite Zexer, sowie im preisgekrönten Drama „Bethlehem“ von Yuval Adler.
Weitere Rollen sind besetzt mit Schauspiel-Legende und Israel-Preis-Träger Makram Khoury („München“, „Die syrische Braut“, Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“, „Homeland“) und dem Grand-Seigneur des palästinensisch-jüdischen Theaters und Films Yussuf Abu-Warda ("Ana Arabia", "Désengagement", "Promised Land", "Kedma", "Hochzeit in Galiläa", "Cup Final", Tyrant“, „Willkommen in Amerika“).


PRODUKTIONSNOTIZEN

Abenteuerliche Entstehungsgeschichte
Schon die Entwicklung des Drehbuchs ist abenteuerlich: Von der ersten Idee über die LOLA für den Deutschen Drehbuchpreis, mit dem „NICHT GANZ KOSCHER – Eine göttliche Komödie“ (No Name Restaurant) bereits 2011 ausgezeichnet wurde, bis zum fertigen Film war es ein weiter Weg. Die Anfänge schildert Drehbuchautor und Regisseur Stefan Sarazin: Anfang der 2000er Jahre zog er sich für ein paar Wochen in den Sinai zurück. Er wohnte in Dahab in einem schäbigen Zimmer mit zwei Fenstern: Eines ging nach Osten aufs Rote Meer in Richtung Wadi Rum, wo viele Jahre später die Wüstenszenen gedreht werden sollten, ein anderes nach hinten direkt in die Wüste Sinai. „In Zimmer 27 konnte man morgens die Sonne über dem Meer auf- und abends in der Wüste hinter einem Hügel wieder untergehen sehen,“ erinnert er sich. Dort unterhielt er sich ab und zu mit dem Beduinen Adel, mit dem er sich angefreundet hatte und der im Tauchshop des Camps für die Touristen Sauerstoffflaschen reparierte.


Hintergründe
Irgendwann entdeckte Sarazin am Rande der Wüste Sinai ein ausrangiertes Fischerboot, dem jemand "No Name Restaurant“ auf die Bordwand gepinselt hatte, und fragte sich, wie es zu seinem Namen und dorthin gekommen sei. Auch Adel wusste es nicht. Bei einem gemeinsamen Ausflug zum Boot hörten die Freunde in den Nachrichten vom Ausbruch der zweiten Intifada. „Wir sprachen über das Verhältnis zwischen Arabern und Juden und mich wunderte, wie milde Adel über den vermeintlichen Erzfeind redete, immerhin hatte dieser nach dem Sechstagekrieg lange Zeit den Sinai okkupiert,“ erzählt Sarazin. Als Adel ihm von den an der Sinaiküste entstehenden Hotels berichtete, meist von ausländischen Investoren, die mit allerlei Tricks versuchten, den Beduinen ihr Land abzujagen, begann sich für Sarazin eine Geschichte abzuzeichnen: Ein Beduine, der um sein Land und seine Identität kämpft, westliche Kapitalisten und ein weltfremder amerikanischer Jude, der im Sinai ein wertvolles Stück Land geerbt hatte. Zurück in Deutschland erzählte er die Story einer guten Freundin, Freyja Weinert, mit der er schon öfter über Ideen für Filmgeschichten gesprochen hatte. Sie fand die Story zwar nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich überzeugend.
2005 pitchte er die Geschichte dann Peter Keller, den er im Sommer beim Tiburon Film Festival nahe San Francisco kennen und schätzen gelernt hatte, wo beide für ihre dort gezeigten Filme den ersten Preis gewannen - Peter Keller für seinen Kurzfilm „Schicht“, Sarazin für „Nitschewo" - und fragte ihn, ob er mit am Drehbuch arbeiten wollte. Keller fand die Story zunächst auch nicht so prickelnd und lehnte höflich ab.


Von der Grundidee zum finalen Script
Nach der Lektüre zahlreicher Bücher über den Islam, die Beduinen und das Judentum sowie einer weiteren Reise auf den Sinai kam Sarazin auf den Gedanken, aus dem amerikanischen Juden einen Chassiden, einen ultraorthodoxen Juden zu machen und aus der bisherigen Geschichte eine über alle drei Buchreligionen. Dazu fehlten nun nur noch die Christen – sie fanden später in Form der Mönche aus dem Katharinenkloster am Berg Mose in die Geschichte. Ein Abstecher nach Alexandria in die Synagoge bereitete 2006 den Weg für das spätere Drehbuch. Sarazin erfuhr, dass die dortige jüdische Gemeinde, die einst die größte der Welt war, auf eine Handvoll Männer zusammengeschrumpft war und drohte, alles zu verlieren, wenn sie keine religiösen Feste mehr feiern konnte. Und für einen jüdischen Gottesdienst braucht es zehn Männer. „Als ich Freyja davon berichtete, ging ein göttlicher Funke auf sie hernieder oder sie hatte einen Geistesblitz, denn sie sagte: ‚Warum geht dein Jude nicht als zehnter Mann durch die Wüste nach Alexandria? Wie beim Exodus bloß in die andere Richtung?‘“
Es war die entscheidende Wende, aus der sich die Idee zu einem Buddy-Road-Movie mit religiösem Hintergrund entwickelte: Zwei sich stetig streitende, aber immer wieder versöhnende Männer, drei Religionen, ein Gott. „Das Grundgerüst von "No Name Restaurant", so der ursprüngliche Titel, stand endlich“, so Stefan Sarazin.
Das überzeugte schließlich auch Peter Keller. Im Herbst 2007 begannen sie ihre gemeinsame Arbeit.


Sorgfältige Recherche
Für ihr Drehbuch recherchierten die beiden Autoren akribisch. Ab 2007 fuhren sie wiederholte Male in den Nahen Osten, nach Jerusalem und schließlich nach New York, um sich in Brooklyn in der jüdischen Gemeinde umzutun. „Das waren teils konspirative Treffen,“ erinnert sich Keller, „damit die überhaupt mit uns reden konnten.“ Das entstandene Treatment überzeugte den FFF Bayern zu einer Drehbuchförderung, mit deren Hilfe sich Sarazin und Keller 2009 schließlich in die Sinai-Wüste zurückziehen konnten, wo sie unterm Sternenhimmel in intensiven 40 biblischen Tagen gemeinsam das Drehbuch schrieben. „Wir wissen noch genau, welchen Felsen wir wann debattierend umgewandert haben,“ meint Keller.
„Es war ein Herzensprojekt von beiden,“ meint Produzent Fritjof Hohagen, „an dem sie mit Vollgas über einen langen Zeitraum gearbeitet haben. Dadurch ist das Buch auch sehr genau geworden.“ Er selbst ist seit sechs Jahren im Boot.


Die Quintessenz der Story
Es sollte eine Geschichte werden, die vom Privaten ins Politische geht, unterhaltsam erzählt und mit
ungewöhnlichen Schauwerten. Laut Sarazin „eine positive Geschichte, eine Komödie, die das Leben feiert und die ganze Welt etwas angeht.“
Peter Keller ergänzt: „Die Hauptidee ist die einer Freundschaft, die eigentlich gar nicht zu erwarten ist. Es sind zwei Pole, zwei Extreme im Klischee der Weltmeinung, die sich näherkommen und lebensverändernde Freunde werden.“ Auch eine Romanze erwartet man nicht unbedingt in dem Umfeld, doch die Liebesgeschichte ist eine weitere tragende Säule. Wichtig für das Thema ist die Komödienform, der Zugang mit Humor und Herz.
Die Geschichte hat etwas Märchenhaft-Utopisches. Man wollte nicht mit israelischen Filmen konkurrieren, die eine Realität abbilden. Peter Keller: „Unser Film ist eine Art Märchen, ein humanistischer Ansatz, eine Vision. Sie geht über den Moslem und den Juden hinaus. Es ist eine universelle Geschichte von archetypischen Feinden, die von anderen zu Feinden erklärt werden, und wenn sie eine Chance bekommen, sich als Menschen zu begegnen, beste Freunde werden können.“ Das entspreche durchaus der Realität, meinen die Filmemacher. Man habe oft und vielerorts erlebt, dass die Menschen in der Region gut miteinander auskommen, nur die Politik mache es so oft schwer.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 28.07.2022
DER PERFEKTE CHEF
Ab 28. Juli 2022 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Julio Blanco (JAVIER BARDEM) scheint der perfekte Chef zu sein: kompetent, charismatisch und sehr fürsorglich. Als Inhaber eines Familienunternehmens für Industriewaagen ist er beseelt vom Glauben an Gleichgewicht und Gerechtigkeit. Er ist davon überzeugt, dass sein Wort Gesetz ist und trifft seine Entscheidungen einzig zum Wohl der Firma. Das hat ihm Reichtum beschert, Respekt eingebracht und viele Preise. Nur einer fehlt noch, der Preis für exzellente Unternehmensführung der Regierung. Dieses Jahr soll es endlich klappen! Doch die glanzvolle Fassade beginnt zu bröckeln, als sich der Firmenchef mit einem entlassenen Mitarbeiter, einem deprimierten Produktionsleiter und einer verliebten Praktikantin herumschlagen muss. In einem grotesken Wettlauf gegen die Zeit versucht er verzweifelt, die Probleme seiner Angestellten zu lösen – und überschreitet dabei allerhand moralische Grenzen.

Mit einer köstlich schwarzen Komödie kehrt Superstar JAVIER BARDEM ("No Country for Old Men") in sein Heimatland Spanien zurück, mit einem furiosen Auftritt als Patriarch einer erfolgreichen Fabrik, dem die Kontrolle über sein souverän geführtes Reich zu entgleiten droht. In seiner dritten Zusammenarbeit mit Regisseur FERNANDO LEÓN DE ARANOA ("Loving Pablo") zieht der Oscargewinner alle Register seines Könnens und macht Firmenchef Blanco zu einer unvergesslichen Figur des modernen Kinos.

Die Komödie war Spaniens Oscarvorschlag und wurde bei den Goyas unter anderem als bester Film, für die beste Regie, das beste Drehbuch und den besten Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Ein Film von Fernando Léon De Aranoa
Mit Javier Bardem, Manolo Solo, Almudena Amor, Óscar De La Fuente u.a.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 21.07.2022
MONSIEUR CLAUDE UND SEIN GROSSES FEST
Ab 21. Juli 2022 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Monsieur Claudes Spaziergänge durch sein Heimatstädtchen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Er und seine Frau Marie sind seit den multikulturellen Hochzeiten ihrer vier Töchter zwar gestählte Profis im Anzapfen tiefster Toleranzreserven, doch die sind allmählich aufgebraucht. Denn die ungeliebten Schwiegersöhne sind jetzt auch noch ihre Nachbarn!
Deren Gezänk über Äpfel, die auf Petersilie fallen, das jüdische Zuckerfest, die arabische Grillparty und die Vernissagen der Eingeweide-Malerei seiner Tochter Ségolène entlocken Monsieur Claude ungeahnte Fähigkeiten in den Disziplinen Durchatmen, Augenbrauen-Hochziehen und plötzliches Verschwinden. Indes fragt sich Marie, wie es eigentlich um ihre Ehe bestellt ist. Denn ihr 40. Hochzeitstag steht bevor und auch die reife Liebe will beschworen sein. Claude verspricht ein
romantisches Abendessen à la francaise und ahnt nicht, dass die Töchter still und heimlich sein persönliches Armageddon planen: eine XXL-Familienfeier mit allen Schwiegereltern aus der ganzen Welt, bei der Claude und Marie ihr Eheversprechen erneuern sollen. Während die Töchter inklusionssensible Hochzeitspläne schmieden, zeichnet sich am Horizont ein Massaker der interkulturellen Gehässigkeiten ab, das selbst Monsieur Claudes Erregungsskurve in den Schatten stellt. Was folgt ist ein rasantes Säbelrasseln familiärer Krisenfälle zwischen verbotenen Drinks, liebestollen Kunsthändlern und der Diskriminierung einer Jurte.
Monsieur Claude, der Meister der formvollendeten Zerknirschung, ist zurück! Keiner beherrscht die Kunst der gerümpften Nase so unterhaltsam wie er: Christian Clavier brilliert in seinem langerwarteten neuen Leinwandabenteuer in der Königsklasse interkultureller Diplomatie: dem Großfamilienfest. MONSIEUR CLAUDE UND SEIN GROSSES FEST ist genau das: ein Fest
der Situationskomik, voller Esprit und Dialogwitz, eine Kinokomödie, wie sie sein muss – mitreißend, sympathisch und vor allem extrem witzig.

Ein Film von Philippe de Chauveron
Mit Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan u.a.

Als Claude Verneuil an diesem Morgen einen literarischen Rundgang durch sein Heimatstädtchen Chinon macht, ahnt er noch nicht, dass ihm seine facettenreiche Familie wieder jede Menge turbulente Zeiten bescheren wird. So ganz hat sich Claude noch nicht an die Bräutigam-Wahl seiner vier Töchter gewöhnen können und betet im Stillen für plötzlich auftretende Ehekrisen...
Seine morgendlichen Spaziergänge werden immer mehr zum Alptraum. Das Städtchen ist nicht groß genug für ihn und seine Schwiegersöhne. Sie sind überall. Im Zeitungsladen überrascht ihn Charles mit der freudigen Nachricht, dass er bald im örtlichen Theaterstück den Part des Jesus
Christus übernimmt, was Claude als frommen Katholiken ein wenig verwundert. Er ist sich wirklich ganz sicher, dass Jesus ein Weißer war...
Kurz darauf lauern ihm auch noch Rachid, Chao und David auf, die ihn alle drei mit Einladungen zu beinahe schon inflationär stattfindenden Familientreffen überhäufen.
Auch zu Hause wird Claude von seiner angeheirateten Familie töchterlicherseits eingeholt. Ein Anruf von der Elfenbeinküste vermiest ihm endgültig die Stimmung. Madeleine und André Koffi sind schon längst zu Claudes Sargnägeln geworden – ganz besonders der launische und ewig besserwisserische Schwiegervater André Koffi. Sie kündigen eine Stippvisite von unbestimmter Dauer an. Bleibt ihm denn nichts erspart? Für Claude ist die Sache ja ganz klar, die wollen immigrieren. Verdenken kann man es ihnen ja eigentlich nicht. Frankreich ist ein wunderschönes Land. Hier möchte jeder gern leben...
Warum musste Marie auch unbedingt den Hörer abnehmen!

Dann ist es um Claude geschehen. Auf der Vernissage seiner Tochter Ségolène stellt sich der adrette Kunstsammler Helmut Schäfer vor, dem Ségolènes abscheuliche Stillleben von Tier- und Menscheninnereien ernstlich zu gefallen scheinen. Vielversprechend hinterlässt der deutsche Kunstexperte seine Visitenkarte. Chao reagiert sehr misstrauisch und auch ein wenig zu überrascht über den fraglichen Erfolg seiner Frau – das bringt den Haussegen der beiden ganz schön ins Wanken. Vielleicht die erste Scheidung? Claude ist guter Dinge. Als er dann kurze Zeit später Helmut Schäfer persönlich kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Er wäre DER perfekte Schwiegersohn für seine Ségolène.
Von familiärer Neustrukturierung träumend, schenkt Claude einem anderen wichtigen Ereignis nicht die nötige Aufmerksamkeit: Er und Marie stehen kurz vor ihrem 40. Hochzeitstag. Resigniert nimmt Marie zur Kenntnis, dass ihr lieber Claude vermutlich nicht das große Jubiläums-Kaninchen aus dem Hut zaubern wird und beginnt ernsthaft über ihre Ehe nachzudenken.
Während Claude selbstzufrieden das altbewährte Hochzeitstag-Dinner zu zweit plant, schmieden seine Töchter heimlich ganz andere Pläne: Eine riesige Überraschungsparty soll die gesamte Familie zusammenbringen. Da dürfen auch die in aller Welt verstreuten Schwiegereltern nicht fehlen. Das wird sicher eine gelungene Freude für Marie und Claude, da sind sich Isabelle, Ségolène, Laure und Odile ganz sicher. Ihre Ehemänner verfallen bei dem Gedanken an die Anreise ihrer Eltern eher in Schockstarre – stecken doch alle vier in teilweise unüberwindbaren Familiendilemmata. Chao traut sich nach der skandalösen Verwechslungsgeschichte in Peking mit seinen Eltern gar nicht mehr, über Marie und Claude Verneuil zu sprechen. Außerdem schaut Mama Ling gelegentlich ganz gern einmal ins Gläschen, wenn ihr strenger Gatte nicht hinsieht. Auch Charles geht lieber in die ganz andere Richtung, wenn sein Vater und Claude aufeinandertreffen. Allerdings gibt es hier kein Entrinnen mehr. Die Koffis sind bereits im Anflug. Zwischen Davids Eltern in Israel ist ein schmutziger Brot- und Rosenkrieg ausgebrochen, den der Sohn bisher erfolglos zu schlichten versuchte. Rachids Vater erfindet sich indes gerade als algerischer Kurt Cobain ganz neu und zieht mit Gitarre und Bandana um die Häuser. Das hält Isabelle aber leider nicht davon ab, ihren Schwiegervater unbedingt zur Rubinhochzeit ihrer Eltern singen hören zu wollen.
Während die Schwiegereltern wie die apokalyptischen Reiter erwartet werden, wachsen sich die leichten geopolitischen Differenzen der benachbarten Schwiegersöhne Rachid und David in eine Gartenzaun-Fehde aus, bei der die ungleichen Machtverhältnisse zwischen böswilligem Fallobst und glatter Petersilie im Mittelpunkt stehen. Ein sehr verwirrter Chao fühlt sich von seinem Schwieger-Papa Claude mehr und mehr ins Abseits gedrängt, Claude versucht sich an einem neuen Romanprojekt über die verwickelten Beziehungen zwischen Churchill und Sauerkraut und Charles vertieft sich ganz und gar in seine neue Rolle als Jesus Christus.
Leider gibt es nun kein Zurück mehr: Der Tag des jüngsten Familiengerichts ist gekommen. Alle sind angereist und quartieren sich mal mehr mal weniger fröhlich bei den Verneuils ein – während sich Claude noch von dem Überraschungsschock, den ihm seine Töchter bereitet haben, zu erholen versucht.
Es folgen wahrlich unvergessliche Hochzeitsfeierlichkeiten, bei denen ausgerechnet Claude in den Disziplinen diplomatische Konfliktbewältigung und interkulturelle Beschwichtigung über sich hinauswächst. Ein Fest, an dem gezankt, gelacht, übel gescherzt, geweint und vor allem viel getrunken wird... FAMILIE EBEN!
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 14.07.2022
MEINE STUNDEN MIT LEO
Ab 14. Juli 2022 im Kino
Bilder
Frisch verwitwet engagiert in MEINE STUNDEN MIT LEO die pensionierte Lehrerin Nancy Stokes, hinreißend gespielt von Oscarpreisträgerin Emma Thompson, einen jungen, hübschen Callboy, verführerisch und einfühlsam dargestellt von Daryl McCormack, um endlich all das auszuprobieren, was ihr in ihrem sexuell eher unbefriedigenden Eheleben verwehrt blieb.
Nancy Stokes (Emma Thompson), eine verwitwete, ehemalige Lehrerin, sehnt sich nach Abenteuern, zwischenmenschlicher Nähe und gutem Sex, der ihr in ihrer stabilen, aber langweiligen Ehe vorenthalten wurde.
Nancy ist fest entschlossen, möglichst viel davon nachzuholen, und engagiert einen Callboy für eine Nacht glückbringender neuer Erfahrungen. Sie trifft den jungen Leo Grande (Daryl McCormack) in einem anonymen Hotelzimmer außerhalb der Stadt. Der ist wie erwartet äußerst attraktiv, aber womit Nancy ganz und gar nicht gerechnet hat: Leo ist nicht nur ein Experte in Sachen körperlicher Liebe, sondern auch ein interessanter und witziger Gesprächspartner. Und auch wenn er bei aller Offenheit nicht alles über sich verrät, stellt Nancy fest, dass sie ihn mag. Und er mag sie. Im Laufe weiterer Rendezvous verschiebt sich die Machtdynamik zwischen ihnen und beide müssen ihre Komfortzonen endgültig verlassen.

Charmant bewegendes Feel-Good-Kino mit einem neuen Leinwand-Traumpaar! MEINE STUNDEN MIT LEO war der Liebling von Publikum und Presse bei der diesjährigen Berlinale und präsentiert die zweifache Oscar- Gewinnerin Emma Thompson in einer ihren besten Rollen. An ihrer Seite glänzt der irische Nachwuchsstar Daryl McCormack mit enormer Leinwandpräsenz.
Regie bei dieser charmanten, intimen Komo? die u?ber echte zwischenmenschliche Beziehungen und weibliche Lust fu? hrt Sophie Hyde. Neuentdeckung Daryl McCormack („Das Rad der Zeit“) glänzt als der witzige und einfu?hlsame Sexarbeiter Leo Grande, dessen Chemie mit Oscar- und BAFTA-Gewinnerin Emma Thompsons wunderbar komplexer Nancy von Bryan Masons aufmerksamer Kamerafu? hrung eingefangen wird. Das Drehbuch zu MEINE STUNDEN MIT LEO stammt von der englischen Komikerin Katy Brand ("Katy Brand's Big Ass Show") und schafft die perfekte Balance zwischen unverblu? mtem Humor und einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Fa?higkeit zur (Selbst-)Akzeptanz.
MEINE STUNDEN MIT LEO feierte seine Weltpremiere auf dem Sundance Film Festival und wurde in Berlin als Gala-Vorfu?hrung in der Sektion „Berlinale Special“ gezeigt.

Ein Film von Sophie Hyde
Mit Emma Thompson, Daryl McCormack, Isabella Laughland u.a.


Pressestimmen
- „Ein famos vergnügliches, umwerfend komisches und zugleich nachdenkliches Lehrstück in Sachen Frauenpower.“ programmkino.de
- „Emma Thompson erobert die Filmfestspiele im Sturm.“ ZDF Aspekte
- „Der junge Ire Daryl McCormack und die erfahrene Emma Thompson liefern sich geschliffene Dialog-Duelle sowie hübsch ausgespielte Situationskomik.“ WAZ
- „Vorzüglich und äußerst charmant vorgetragen. Ein klasse Feel-Good-Movie und ein echter Geheimtipp!“ OutNow
- „Eine große Bühne für die immer großartige Emma Thompson, die einmal mehr beweisen darf, dass sie eine begnadete Komödiantin ist.“ Berliner Morgenpost
- „Der lustigste Sex-Film auf der Berlinale.“ Berliner Zeitung
- „Ein amüsantes, mitfühlendes und menschliches Drama, das mit großem Elan gespielt und inszeniert wird.“ The Guardian
- „Ein Film mit der unvergleichlichen Emma Thompson in der Hauptrolle als umtriebige Witwe auf der Suche nach gutem Sex? Allein unter dieser Prämisse muss man sich diese Dramedy ansehen.“ Harper’s Bazaar



Emma Thompson über Nancy Stokes
Nancy ist eine pensionierte Religionslehrerin, die seit zwei Jahren verwitwet ist. Sie trifft diese fabelhaft mutige und ungewöhnliche Entscheidung, einen jüngeren Sexarbeiter zu engagieren. Sie ist mutig, aber sie hat ihre Fehler. Viele ihrer Überzeugungen sind das Gegenteil von ‚woke‘, was ich liebe, weil das bei 90% der Bevölkerung ebenso ist. Ihre Einstellungen, ihre Vorurteile, ihre Voreingenommenheit sind nicht ungewöhnlich. Nancy ist einfach eine wunderbar normale Person, die diese sehr intime, nicht romantische Beziehung initiiert. Nancy hat die Regeln ihr ganzes Leben lang befolgt. Sie ist das, was man als eine Säule der Gesellschaft bezeichnen würde. Sie hat sich unglaublich gut gehalten. Sie hatte eine lange, stabile Ehe, die 31 Jahre hielt.
Sie hat zwei erfolgreiche, gesunde Kinder. Sie blickt auf eine lange Karriere als Religionslehrerin zurück. Doch langsam erkennt man, dass diese vermeintlich so perfekte Konstruktion in Wirklichkeit ganz anders aussieht. Es gibt eine Leere, welche Nancy daran gehindert hat, wirklich ein menschliches Wesen zu sein. Wir sind so konditioniert. Viele unserer gesellschaftlichen Konstruktionen machen es uns unmöglich, lebendig zu sein. Von diesem Thema handelt der Film. Wenn du dich nicht an die Regeln halten würdest, was würdest du wollen? Wie würdest du es ausdrücken und wie würdest du es finden?
Wir sind es gewohnt, ältere Männer mit jüngeren Frauen zu sehen, das ist uns vertraut. Wir sind es allerdings nicht gewohnt, ältere Frauen mit jungen Männern zu sehen. Das ist nicht das, was wir in der Gesellschaft sehen und es ist nicht das, was wir jemals auf dem Bildschirm sehen. Und falls doch einmal, gibt es etwas übertrieben Sexuelles an der älteren Dame . Nancy ist eine Frau, von der du nie erwarten würdest, dass sie Sex genießt.
Zu Beginn ist sie so angespannt, dass sie es nicht einmal verkraften kann, so berührt zu werden. Am Ende hat sie diese sehr schöne Bindung mit diesem Mann, eine tiefe und unromantische Intimität. So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen.


Daryl McCormack über Leo Grande
Leo Grande ist ein moderner junger Mann, der seinen Lebensunterhalt als Sexarbeiter verdient und Nancy trifft, nachdem sie ihn für eine Sitzung gebucht hat. Ich war wirklich begeistert von ihm, weil er jemand ist, der mit seiner eigenen Identität und seinem Vergnügen so offen umgeht: Das ist seine Superkraft. Er hat seine eigenen Erfahrungen mit sexueller Scham gemacht, und als Reaktion darauf hat er sich selbst stärker gemacht. Er nutzt seine Ausdruckskraft und seine eigenen sexuellen Wünsche, um anderen zu helfen, ihre zu entdecken. Nancy ist eine Frau mit einem großen Mangel an gesunden und schönen sexuellen Erfahrungen. Leo hat einen Weg gefunden, wie er seine Kundeninnen dazu bringen kann, ihre eigene Kraft durch Sexualität zu entdecken.
Verschiedene Generationen haben nicht unbedingt das gleiche Verständnis von Sex und Vergnügen, was wir auch erforschen. Es ist ein Thema, das Leo persönlich sehr beeinflusst hat. Er kann diese Erfahrungen als Impuls für sich selbst nutzen, um seine eigene Identität zu finden. Es hilft ihm auch mit Nancy, die Dinge entdeckt, die ihr bislang unbekannt waren.
Leo hat ein erfülltes Leben und eine Vergangenheit, die er nicht mit seinen Kundeninnen teilt. Er schafft klare Linien für sich selbst in seiner Arbeit, wie man es in jedem professionellen Umfeld tun sollte. Sein Job ist Intimität, und es ist wirklich interessant, die verschiedenen Arten von Intimitäten zu erforschen, die sich zwischen zwei Menschen entwickeln können. Es ist eine aufregende und kraftvolle Sache, dass wir Erwartungen verschieben können. Dass wir Intimität und Verbindung entwickeln können zwischen allen Arten von Menschen. Das ist die Arbeit von Leo.


Regisseurin Sophie Hyde über „Meine Stunden mit Leo“
„Meine Stunden mit Leo“ ist eine Erinnerung daran, dass jemand, von dem wir es niemals gedacht hätten, dabei helfen kann, unsere selbst gesetzten Grenzen zu überwinden. Und dass die Suche nach Intimität und Verbindung kraftvoll, mutig und notwendig sein kann.
Dieser Film ist ganz einfach: Zwei Schauspieler in einem Raum erforschen Intimität, Verbundenheit, Sex, Frustration und wechselnde Machtdynamik. In unserer derzeit gespaltenen Welt fühlen sich diese intimen Geschichten über zwischenmenschliche Beziehungen sogar noch wichtiger an. Unsere Körper, unsere Scham, unsere Fehlkommunikation, unsere sexuellen Verbindungen und Frustrationen sind lustig, berührend und oft tragisch. Ich glaube, wir sehnen uns nach Geschichten, die uns widerspiegeln und herausfordern. Und die es uns ermöglichen, darüber nachzudenken, wie wir miteinander umgehen.
Es gibt viel zu sagen zwischen zwei Figuren, die sich treffen, um guten Sex zu haben. Dabei gibt es vieles, was nicht in Worten ausgedrückt werden kann. Ich liebe es, mit dem Verlangen zu arbeiten, mit unseren Wünschen und Bedürfnissen. Mich fasziniert die Art und Weise, wie unsere Wünsche miteinander konkurrieren und wie wir versuchen, sie abzulehnen oder zu verwirklichen.
Nancy ist eine wunderbare Figur, gehemmt, aber motiviert, eine große Veränderung herbeizuführen. Sie ist unerschrocken ehrlich über ihr eigenes Unbehagen in Bezug auf Sex. Und sie ist entschlossen, die Ursachen dafür zu erforschen. Nancy kann schroff sein und gleichgültig wirken, aber im Laufe des Films wächst ihre Erkenntnis, dass sie vielleicht Werte verinnerlicht hat, an die sie gar nicht glaubt. Möglicherweise hat sie einen Status Quo akzeptiert, der für die Menschen um sie herum und auch für sie selbst nicht hilfreich ist. Dies ist ihr Erwachen, auch physisch. Emma ist eine Schauspielerin, die sofort von witzig zu herzzerreißend wechseln kann.
Es war eine totale Freude, mit ihr in dieser Rolle zu arbeiten. Leo ist ein erfrischender Charakter. Einen solch leidenschaftlichen und emotional ausgeglichenen Sexarbeiter erleben wir nicht häufig auf der Leinwand. Leos Arbeit ist therapeutisch, warm und emotional befreiend. Sie ist geerdet, offen und „sexpositiv“. Leos tiefe Wunden im Verhältnis zu seiner Mutter sind zugleich das, was ihm große Kraft verleiht, gut in dem zu sein, was er tut. Seine Grenzen sind klar, aber auch er hat eine menschliche Beziehung, die manchmal nicht den Regeln folgt. Er ist in der Lage zu entscheiden, wie er auf eine überschrittene Grenze reagieren will. Daryl ist ein Schauspieler mit Wärme und Charme, es war so eine Freude, mit ihm zu arbeiten.
Die beiden Charaktere zusammen ermöglichen es uns, Teil eines Gesprächs zwischen zwei Menschen zu sein, die wir normalerweise nicht wahrnehmen. Als junger Mann bildet Leo einen großartigen Gegenpol zu dem langweiligen Leben, in dem sich Nancy gefangen gefühlt hat. Er fordert sie heraus und ermöglicht ihr eine neue Sicht auf Lust und Übereinkunft. Aber sein selbstbewusstes Auftreten ist nur eine Fassade, die Nancy bisweilen ins Wanken bringt. Letztlich ist es die Entscheidung von beiden, offener miteinander umzugehen, eigene Grenzen zu berücksichtigen und in Frage zu stellen.
Nancy ist in der Lage anzunehmen, was Leo anbietet, nämlich die Erkundung von Intimität. Aber es ist eine Intimität mit Einschränkungen, eine professionelle Intimität, weil er seinen Job macht. Es gibt Bereiche, die er von sich preisgibt. Und Bereiche, die er schützt. Seine professionelle Intimität ist keine Lüge, sondern eine Grenze. Wenn diese Grenze überschritten wird, muss er reagieren.
Sex und der Körper sind grundlegend für den Film. Ich bin dankbar für zwei Schauspieler, die das gespürt haben und bereit waren, offen zu sein. Nancy erlebt eine massive Veränderung in der eigenen Beziehung zu ihrem Körper. Wir leben in einer Kultur, die uns lehrt, uns zu schämen und unseren Körper kontrollieren und verändern zu wollen. Welche eine Wohltat zu erleben, wie Nancy Freude an ihrem Körper findet und ihn schätzt.
Was an diesem Film sexy ist, ist Intimität; der Nervenkitzel, die Berührung, die Empfindungen, die Art und Weise, wie jemand einem den Atem rauben kann. Es geht um die Realität zweier menschlicher Körper, losgelöst von dem, was wir für sexy halten sollen. Wie sind zwei Körper und zwei Menschen zusammen wirklich sexy? Was passiert, wenn zwei Menschen erforschen, wie sich etwas anfühlt, ohne die Einschränkung der üblichen Vorstellungen. Wir erforschen die Besonderheit dieser beiden Menschen und erforschen die erotischen Reaktionen, die lustig, bewegend und erregend sein können.
Visuell wollten wir Lebensfreude betonen. Das Licht spielt über Wände und Körper. Es gibt Reflexionen der Außenwelt auf Fenstern, Körpern und Händen. Unser Hotelzimmer ist nicht abgestanden oder gewöhnlich, sondern es ist neutral. Es ist ein Raum, in dem sich die beiden Figuren erforschen. Ich danke meinen Mitarbeitern, Kameramann und Cutter Bryan Mason, Produktionsdesignerin Miren Maranon und Kostümschneiderin Sian Jenkins für die Nuancen und das Talent, mit denen sie diese Welt mit mir erschaffen haben.
Ich finde, dieser Film ist lustig und warmherzig und er bietet starke Schauspielleistungen. Zudem ist er erfrischend und mit Charakteren, die sich vertraut und neu zugleich anfühlen. Meine Hoffnung ist, dass das Publikum vor dem Film denkt, dass es lustig und ein bisschen sexy wird. Und sich danach provoziert, gestärkt und erhaben fühlt. Natürlich auch viel gelacht hat. Und dass die Zuschauer sich vielleicht ein kleines bisschen mehr für andere und für sich selbst öffnen.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 07.07.2022
CORSAGE
Ab 07. Juli 20222 im Kino
Bilder
Bilder
Die Hofburg in Wien im Jahre 1877, Heiligabend. Elisabeth, die Kaiserin von Österreich-Ungarn (VICKY KRIEPS), feiert im Kreise des Hofstaats bei einem festlichen Dinner ihren 40. Geburtstag. Elisabeth, die beim Volk für ihre natürliche Schönheit, androgyne Figur und ihre ikonischen Flechtfrisuren verehrt wird, scheint bei ihrer Feier nur Bitterkeit zu empfinden. Mit 40 Jahren ist sie im späten 19. Jahrhundert eine alte Frau. Als Kaiserin von Österreich hat sie ausschließlich repräsentative Pflichten zu erfüllen.
Ihr Mann Kaiser Franz Joseph (FLORIAN TEICHTMEISTER) schätzt ihre Meinung in politischen Angelegenheiten nicht. Ihre Tage sind belanglos und werden von ihrem sich selbst auferlegten Diktat zusammengehalten: Morgens lässt sie sich von den Hofdamen ihre Taille messen, das Korsett noch enger schnüren. Mehrere Tage die Woche hält sie anorektisch Orangendiät, jede Gewichtszunahme kränkt sie. Die Angst vor dem Älterwerden, dem Bedeutungsverlust und das Schwinden ihrer Jugendlichkeit lässt sie zunächst erstarren, dann nach einer Möglichkeit für einen Ausbruch suchen.
Mit ihren Hofdamen Marie Festetics (KATHARINA LORENZ), Ida Ferenczy (JEANNE WERNER) und Fanny Feifalik (ALMA HASUN) unternimmt Elisabeth Reisen. Sie nähert sich dem berühmten Jagdreiter Bay Middleton (COLIN MORGAN) an, flirtet mit ihrem Cousin Ludwig II (MANUEL RUBEY) und interessiert sich für moderne Erfindungen wie die Filmkunst. Ausgerechnet von ihren Kindern Rudolf (AARON FRIESZ) und Valerie sowie von ihrer Schwester Marie (LILLY MARIE TSCHÖRTNER) erntet sie Tadel und Ablehnung für jede ihrer Leidenschaften. Doch der Blick in die Ferne öffnet der Kaiserin Perspektiven, weckt in ihr den Wunsch der Selbstermächtigung, weg von den Konventionen und ihrem zerbrochenen
Selbstbild. Doch lässt das enge Korsett aus höfischen Ritualen und traditionellen Rollenbildern die
individuelle Freiheit einer Frau überhaupt zu? Und wenn ja: Zu welchem Preis?

Ein Film von MARIE KREUTZER
Mit Vicky Krieps, Florian Teichtmeister, Katharina Lorenz, Manuel Rubey u.a.

Mit CORSAGE gelingt der Wiener Regisseurin und Drehbuchautorin Marie Kreutzer (DER BODEN UNTER DEN FÜSSEN, WAS HAT UNS BLOSS SO RUINIERT, GRUBER GEHT) die Neuerfindung der „Sissi“. Angelehnt an der historisch gut dokumentierten Biografie der berühmten Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn entblättert die Filmemacherin Schicht um Schicht den fragilen Seelenzustand der Monarchin und schenkt ihr das Narrativ einer furchtlosen, radikalen Frau. Kreutzer gelingt mit tiefer Empathie für die ikonische Kaiserin, die im höfischen Zeremoniell sinnbildlich wie in einem immer enger werdenden Korsett keine Luft zum Atmen mehr findet, die Darstellung ihres Wandlungsprozesses zu einem freien Menschen, der sich von jedem Status, jeder Körperlichkeit und jedem Erwartungsdruck löst. Unerschrocken und gleichzeitig mit großer Leichtigkeit traumwandelt die Schauspielerin Vicky Krieps (DER SEIDENE FADEN, OLD) als Elisabeth durch eine misogyne, feindselige Welt, in der sie sich unter den Augen der Öffentlichkeit und ihrer Familie ihren neuen Platz im Leben sucht. „Sissi“ ist durch CORSAGE nicht mehr länger ein kitschiges Abziehbild der Ernst-Marischka-Filme, in denen Romy Schneider die Hauptrolle spielte, sondern vielmehr eine Inspiration für die heutige Frauengeneration. Denn die historische Elisabeth, so belegen es zahlreiche Quellen, quälte sich scheinbar mit sehr aktuellen Problemen wie Essstörungen, depressiven Episoden, Sinnkrisen, Affären und dem unerfüllbaren Bild der perfekten Mutter. Zum ersten Mal in der deutschen Filmgeschichte wird „Sissi“ somit ein authentischer Mensch und eine Frau, die auf einmal so unglaublich nahbar und nachvollziehbar wird.
CORSAGE ist eine Produktion der Film AG Produktions GmbH (AT) in Ko-Produktion mit Samsa Film (LUX), Komplizen Film (DE), Kazak Productions (FR) und ORF Film/Fernseh-Abkommen, ZDF/ARTE, ARTE France Cinéma. In Zusammenarbeit mit ARTE France. Hergestellt mit Unterstützung von O?sterreichische s Filminstitut, Film Fund Luxembourg, FISA – Filmstandort Austria, Filmfonds Wien, Eurimages, Land Niedero?sterreich, FilmFernsehFonds Bayern.


„DIESE FRAU IST VOR ALLER AUGEN VERSCHWUNDEN”: MARIE KREUTZER U? BER
CORSAGE

Marie Kreutzer, Sie sind wie (fast) alle Menschen Ihrer Generation mit der Sissi-Darstellung von Romy Schneider aufgewachsen. Die Trilogie läuft bis heute jedes Jahr an Weihnachten im Fernsehen. Kaiserin Elisabeth ist darin als junge gehorsame Monarchin in kitschiger, volkstümlicher Kulisse zu sehen. Ihre Elisabeth ist dagegen für damalige Zeiten mit 40 Jahren eine alte Frau, die sich an ihrem Leben abarbeitet und einen Ausweg aus der Enge sucht. Was hat Sie an dieser Elisabeth interessiert – und wie stehen Sie zu den Sissi-Filmen?
Ich habe mir die Sissi-Trilogie tatsächlich erst angesehen, als ich angefangen habe, für Corsage zu recherchieren. Aber natürlich war das Sissi-Bild trotzdem gegenwärtig. Ich lebe seit 1996 in Wien und hier sieht man ihr Gesicht hundertfach in der Auslage jedes Souvenir-Ladens. Sissi ist bestimmt der zentrale Tourist*innen-Magnet unserer Stadt. Zu Beginn des Projekts stand Vicky Krieps, die mich vor Jahren gefragt hat, ob ich nicht mal mit ihr einen Sissi-Film machen will. Eben weil ich nur die Souvenirs im Kopf hatte, habe ich geantwortet: Wozu das denn? Aber irgendwo in mir hat der Gedanke gearbeitet und so habe ich einige Zeit später begonnen, mich einzulesen. Ich habe ganz offengelassen, ob daraus etwas wird, ich wollte einfach sehen, ob es in dem Material etwas gibt, das mich berührt, das mich anspricht. Und das war sehr schnell diese Phase in Elisabeths Leben, in der sie begonnen hat, einerseits gegen das Zeremoniell zu rebellieren und sich andererseits zurückzuziehen, zu isolieren. In der es für sie offensichtlich nicht mehr möglich war, in die vorgesehene Schablone zu passen. Dieses Leben mit einem übergroßen Bild von sich, dem man immer gerecht werden muss, weil es das einzige ist, über das man Anerkennung und Liebe bekommt – das fand ich extrem interessant und auch eine zeitlose Thematik.

Ihre Kaiserin Elisabeth lebt in einer Korsage aus Selbstbeschränkung und gesellschaftlichem Tadel. Sie muss und will anfangs noch dem Idealbild von sich entsprechen, das sie und die Öffentlichkeit von ihr haben. Sie selbst hat durch ihren Schönheitskult und ihre ikonische Flechtfrisur jahrzehntelang dazu beigetragen, dieses Image zu zementieren. Jetzt ist Elisabeth älter und müde, das perfekte Bild zu bedienen. Ist das Elisabeths exklusives Problem oder das zeitlose Sittengemälde eines Frauenlebens?
Wäre es ihr exklusives Problem, hätte es mich nicht interessiert. An Frauen werden auch heute noch viele der Erwartungen gestellt, mit denen Elisabeth zu kämpfen hatte. Es gilt nach wie vor als die wichtigste und wertvollste Eigenschaft einer Frau, schön zu sein. Daran hat die Geschichte, ja auch die Frauenbewegung und Emanzipation, nichts ändern können. Immer noch gelten Frauen als weniger wertvoll, wenn sie übergewichtig sind oder älter werden. Immer noch ist eine attraktive Partnerin eine Aufwertung fu?r einen Mann. Im Unterschied zu heute wurde es damals nur ausgesprochen: „Deine Aufgabe ist es lediglich, zu repräsentieren – dafu?r habe ich dich ausgewählt, dafu?r bist du da“, sagt Franz Joseph zu Elisabeth. Im Jahr 2022 müssen Frauen zwar noch viel mehr können und erfüllen, aber dabei bitte schön schlank und jung bleiben. Ab einem gewissen Alter kann frau es auch nicht mehr richtig machen –– lässt sie „etwas machen“, wirft man ihr Eitelkeit vor, tut sie es nicht, werden ihre Falten kommentiert. Das trifft insbesondere Frauen, die wie Elisabeth in der Öffentlichkeit stehen, aber weil sie eben die Repräsentantinnen sind, trifft es uns alle.

In ihrer Verzweiflung zieht sich Kaiserin Elisabeth immer mehr aus ihrem eigenen Leben zurück. So soll es auch die wahre Elisabeth getan haben: Sie trat in ihren späten Jahren in der Öffentlichkeit nur noch mit Gesichtsschleier auf, reiste sehr viel und hatte für offizielle Anlässe ein Double, um nicht selbst auftreten zu müssen. Wie wichtig war Ihnen die historische Genauigkeit bei CORSAGE?
Für mich war es wie immer wichtig, die Regeln zu kennen, um sie zu brechen. Ich habe insbesondere diese Phase in Elisabeths Leben wirklich intensiv recherchiert, mir aber in der Erzählung dieser Filmgeschichte viele inhaltliche und formale Freiheiten genommen. Nichts, was hier „falsch“ erzählt oder gezeigt wird, ist uns einfach passiert, das waren alles künstlerische Entscheidungen. Ich hatte nie Interesse, ein ordentliches, braves Biopic zu machen. Aber natürlich haben die Fakten – dass Elisabeth eben ab einem gewissen Alter ihr Gesicht nicht mehr gezeigt hat – erst diese Geschichte, diesen Plot in mir entstehen lassen. Es ist doch wahnsinnig spannend, dass diese Frau quasi vor aller Augen verschwunden ist!



GESPRÄCH MIT HAUPTDARSTELLERIN VICKY KRIEPS

„Ich schenke ihr posthum, was sie nie durfte”: Vicky Krieps u?ber Kaiserin Elisabeth.

Vicky Krieps, wie ist die Rolle der Kaiserin Elisabeth zu Ihnen gekommen?
Nun, ich kannte Marie Kreutzer, weil ich in ihrem Film WAS HAT UNS BLOSS SO RUINIERT die Hauptrolle einer jungen Mutter, die mit der Elternschaft hadert, gespielt habe. Nach dem Dreh war uns beiden völlig klar, dass wir wieder ein Projekt zusammen machen wollten. Ich fragte Marie also wenig später, was sie von „Sissi” hält. Die Idee dazu kam mir daher, weil ich mit 15 Jahren die „Sissi”-Filme mit Romy Schneider bei unserer Nachbarin geschaut und fast parallel dazu die Biografie von Kaiserin Elisabeth gelesen hatte. Damals stellten sich mir als Jugendliche nach der Lektüre viele Fragen. Wieso baute sich Kaiserin Elisabeth damals Fitnessgeräte? Wieso wollte sie im Alter von 40 Jahren nicht mehr gemalt werden? Ich erzählte Marie von alledem und sie sagte zunächst nichts. Aber dann passierte etwas Erstaunliches, was meiner Meinung nach auch eine große Stärke von Frauen ist: Nicht viel reden, aber dann Taten folgen lassen. Und so kam es, dass ich ein Jahr nach unserem Gespräch meinen Briefkasten öffnete und ein Umschlag mit dem fertigen Drehbuch darin lag. Beigelegt hatte Marie nur ein Schreiben, auf dem so etwas stand wie: „Ich bin nochmal ins Archiv. Du hattest Recht.“ Das hatte so viel Klasse.

Und was haben Sie daraufhin gemacht?
Also fu?r mich war sofort klar: Auf geht’s! Kaiserin Elisabeth reitet, beherrscht viele Sportarten und Sprachen und vor allem ist sie anorektisch dünn. Wieviel Kraft und Zeit hat es Sie gekostet, diese Monarchin zu werden? Ich glaube, ich habe noch nie so viel für eine Rolle arbeiten müssen. Und dabei hatte ich Glück: Immerhin reite ich sehr gut, das heißt, ich musste nicht bei null anfangen, sondern nur das Sitzen im Damensattel lernen. Sonst hätte ich es in zwei Monaten wohl nicht geschafft. Ich habe Eisschwimmen bei Minusgraden in der Donau gelernt und das ist komplex. Du steigst ins kalte Wasser und dein Körperreflex aktiviert seinen Überlebenssinn – er will fliehen. Aber dann kommt der Geist, der dieses Gefühl dominieren muss und der dir sagt, dass alles gut ist. Dazu kam noch, dass ich Fechten lernen musste und Ungarisch. Das war sehr schwierig, weil das eine Sprache ist, bei der man sich an keiner anderen Phonetik orientieren kann. Marie wollte auf keinen Fall, dass ich für die Rolle abnehme, aber natürlich hat das ganze Training dazu geführt, dass ich ein paar Kilos verloren habe. Das war für das Tragen des Korsetts auch im Nachhinein betrachtet nützlich. Ohnehin war das Tragen eines Korsetts eine besondere Erfahrung. Nicht nur, dass ich mit Korsett nur Flüssignahrung wie Suppen oder Smoothies zu mir nehmen konnte, auch hat diese Enge sehr viel mit meinen Emotionen gemacht. Wenn ich es angezogen habe, ich zugeschnürt wurde, war ich sofort traurig. Wenn ich es abgenommen habe, war ich wieder froh und konnte lachen. Das mag auch daran liegen, dass dort, wo das Korsett am meisten drückt, das Zwerchfell sitzt. Ich habe gelesen, dass da alle unsere Emotionen sitzen. Es war eine interessante körperliche Erfahrung, was das Tragen von Korsetts auch damals mit den Frauen gesamtgesellschaftlich getan haben muss.

Wie war es denn eine Frau im 19. Jahrhundert in Europa zu sein?
Ich habe für die Rolle recherchiert und einiges an Büchern und Zeitschriften aus der Zeit gefunden. Darin steht wie man sich als Frau zu benehmen hat, wie sich zu kleiden, wie sich auszudrücken. Die Gewohnheiten des Heiratsmarktes übten dabei einen besonderen Druck auf die Frauen aus. Wenn ein Mann damals außerhalb seines Standes, also zum Beispiel als Adeliger eine Bürgerliche heiratete, was er in der Regel nicht tat, dann bekam die Braut ganz schnell einen Adelstitel. Bei Frauen war es genau umgekehrt. Heiratete eine Adelige einen Bürgerlichen, dann musste sie noch mehr Geld aufbringen, um nicht sozial abzurutschen. Wie heute wurde damals auch von einer Frau erwartet, dass sie die Schönste, die Klügste und die Beste ist. Und in dieser Konkurrenzsituation verlieren natürlich alle. Vor allem nimmt ihr Einfluss mit dem Älterwerden stetig ab. Frauen wurden damals ab dem Alter von 40 Jahren unsichtbar. Und so war es für Elisabeth ein, wenn auch ein verzweifelter, Versuch der Selbstermächtigung, sich selbst verschwinden zu lassen.

In CORSAGE wird Elisabeth von der Fatalität überrollt. Jeder Versuch der Zerstreuung scheint zu
scheitern, bis die Kaiserin für sich ein tragisches Ende findet. Hätte sie sich nicht retten können?

Ich denke, dass Elisabeth ihr ganzes Leben lang, wie viele Menschen damals, einer gewissen Melancholie verfallen war. Auch gab es eine Veranlagung zu Depressionen in ihrer Familie, wie man weiß. Elisabeth war fasziniert von Poesie, von den Gedichten Heinrich Heines. Dazu kam, dass der Konsum von Rauschgift damals als medizinische Behandlung galt. Kokain und Heroin dringen natürlich tief ins Gehirn ein und verändern die Wahrnehmung. Diesen Einfluss muss man bei Elisabeth immer mitbedenken. Und dann ist da natürlich das enge Korsett, das Gefühl fast immer zu ersticken und keine Luft zu bekommen. Obendrein quälte sie sich ständig auf kleiner Flamme mit Diäten, mit ausdauerndem Sport. Natürlich tat sie das, um sich selbst zu fühlen. Alle diese Dinge führen dazu, dass der Weg ihrer Möglichkeiten immer enger wurde und ein Ausweg immer unwahrscheinlicher. Weil ich das als Schauspielerin wusste und weil diese Enge meiner Figur mich selbst natürlich völlig mitnahm, habe ich in meinem Spiel häufig versucht, Elisabeth ein Stück Freiheit zurückzugeben. Beim Drehen habe ich oft gedacht: Ich schenke ihr posthum, was sie nie durfte. Rauchen, den Mittelfinger zeigen, die Haare abschneiden. Als Schauspielerin bin ich ein Fan von Konfrontation und Überraschungen. So habe ich oft viel herumgealbert, als die Kamera nicht auf mir war. Das war für mich ein Experiment. Für mich stand über allem die große Frage: Was passiert, wenn wir nicht mehr alle so tun, als ob.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 30.06.2022
DEAR MEMORIES – EINE REISE MIT DEM MAGNUM FOTOGRAFEN THOMAS HOEPKER
Ab 30.Juni 2022 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Thomas Hoepker schuf mit seinen Fotografien, wie etwa der berühmten Muhammad Ali-Serie, ein Stück Zeitgeschichte. Er zählt zu den bekanntesten Fotografen der weltweit angesehenen Agentur MAGNUM PHOTOS und agierte mehrere Jahre als ihr Vorsitzender und ehrenamtlicher Präsident. Bis heute ist er auf der Suche nach neuen Motiven, um seine Welt in Bildern zu erfassen. Hopeker lebt seit 1976 in seiner Wahlheimat New York, hat lange für den STERN gearbeitet und machte sich mit Fotoreportagen und Porträts auf allen Kontinenten international einen Namen.

Im Jahr 2017 erhielt Thomas Hoepker die Diagnose Alzheimer. Während seine Fotokunst zu einem
kollektiven Gedächtnis wurde, entschwindet ihm allmählich sein eigenes. Doch er verfolgt noch einmal einen großen Traum: Einen Roadtrip durch die USA gemeinsam mit seiner Frau Christine Kruchen zu erleben.
DEAR MEMORIES begleitet diese „berührende Reise mit dem Jahrhundertfotografen Thomas
Hoepker“ (Ulf Pape, GQ) auf besondere Art und Weise. Mitten in der Corona-Pandemie machen er und seine Frau sich mit dem Camper auf den Weg: Von der Ostküste bis zur Westküste und zurück, begleitet von einem Kamerateam. Sie sind rund zehn Wochen unterwegs, in denen Thomas Hoepker noch einmal seine Wahlheimat fotografisch festhält. Regisseur Nahuel Lopez porträtiert in DEAR MEMORIES mit persönlichen Dialogen und Momenten nicht nur den sympathischen Menschen und Fotografen Hoepker, er zeigt auch die unerschöpfliche Motivation für seine Art des Fotografierens, ebenso wie den humorvollen und zutiefst beeindruckenden Umgang mit der Krankheit Alzheimer.
„Es macht mich glücklich und auch ein wenig stolz, den großen Magnum Fotografen Thomas Hoepker auf der für ihn wohl persönlichsten Reise seiner Karriere mit der Kamera begleitet zu haben. Seine Fotos kannte ich aus Kindertagen, den Menschen hinter diesen ikonischen Bildern wollte ich unbedingt entdecken. Doch auch uns hat die Pandemie eiskalt erwischt, zwei Wochen vor Drehbeginn mussten wir coronabedingt eine Vollbremsung hinlegen mit ungewissem Ausgang. Dass dieses Herzensprojekt dann schließlich doch stattfinden konnte, grenzt an ein Wunder, das mich mit Demut erfüllt. Ich hoffe, dass sich die Magie dieser sehr besonderen Reise auch auf das Kinopublikum mit überträgt.“ – Nahuel Lopez
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2022 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.