Zurück zu den neuesten Artikeln...
7. WAS DEIN HERZ DIR SAGT
8. NACHBARN
9. IGOR LEVIT – NO FEAR
10. DIE HÜGEL VON ISTANBUL
11. MITTAGSSTUNDE
12. ALLE REDEN ÜBERS WETTER
Donnerstag 20.10.2022
WAS DEIN HERZ DIR SAGT
Ab 20. Oktober 2022 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Als ihr ein Arzt schonungslos erklärt, wie wenig Lebenszeit ihr noch bleibt, ist die 43-jährige Suze Trappet (Virginie Efira) schnell aus dem Behandlungszimmer verschwunden. Sie beschließt, sich endlich auf die Suche nach ihrem Sohn zu machen, den sie als Jugendliche auf Druck ihrer Eltern weggeben musste.
Auch der etwa 50-jährige Computernerd und Sicherheitsexperte JB (Albert Dupontel) bleibt nicht lange bei dem Chef sitzen, als er sich anhören muss, dass seine Behörde in Zukunft eher auf Jüngere setzt. Bei JB führt diese Aussage zu einer Kurzschlussreaktion. Er besorgt sich ein Gewehr und filmt mit seinem Computer, wie er seinem Leben ein Ende setzen will.
Doch der Schuss geht buchstäblich nach hinten los, durchdringt die Bürowand und es bricht heilloses Chaos aus. Dieses Durcheinander nutzt Suze, die gerade im Nachbarbüro bei seinem Kollegen sitzt. Sie „kidnappt“ JB und macht ihm ein Angebot: wenn er sie bei ihrer Suche in der Behörde unterstützt, wird sie für ihn vor der Polizei entlasten.

Im riesigen Archiv der Behörde treffen Suze und JB auf den blinden Archivar Monsieur Blin, der sich ihnen mit viel Enthusiasmus und Tatkraft anschließt.

So begibt sich dieses völlig ungleiche Trio auf eine ebenso unwahrscheinliche wie aufregende Suche nach Suzes Sohn, während es selbst von der Polizei gejagt wird…

Ein Film von Albert DUPONTEL
Mit Virginie EFIRA, Albert DUPONTEL, Nicolas MARIÉ, Jackie BERROYER u.a.

Pressenotiz
Albert Dupontels (TAGEBUCH EINES LANDARZTES) durchgeknallte, schwarze Komödie startete zehn Tage vor dem zweiten Lockdown im Oktober 2020 mit 720.000 Zuschauern. Nach über sieben Monaten Kinoschließung startete WAS DEIN HERZ DIR SAGT – ADIEU IHR IDIOTEN! im Mai 2021 erneut erfolgreich: Über zwei Millionen Besucher feierten das etwas andere Looser-Trio auf der großen Leinwand.
Die belgisch-französische Schauspielerin Virginie Efira (BIRNENKUCHEN UND LAVENDEL) beweist erneut ihre darstellerische Klasse. Albert Dupontel, der in Frankreich so populäre Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller, schrieb sich die Rolle des gefühlsgehemmten JB selbst auf den Leib. Die Filmbranche reagierte begeistert, insgesamt sechs Césars waren der Lohn: u.a. Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch und Beste Kamera.


INTERVIEW MIT ALBERT DUPONTEL

Was inspirierte Sie an diesem Projekt?
Da war zunächst die Lust auf eine burleske Tragödie, die einen Kommentar zur Welt abgibt, die mich umgibt. Daher kam ich auf die Idee, zwei extreme Lebenssituationen aufeinander prallen zu lassen, dargestellt von zwei Menschen, die alles trennt: die eine Person möchte leben, kann aber nicht und die andere Person könnte leben, will aber nicht.

Wie verlief die Arbeit am Drehbuch?
Schreiben ist mir immer schwergefallen. Ich benötige 18 Monate, um die gleiche Geschichte neu zu schreiben und so ist es schon seit 20 Jahren. Ich bin ein „narrativer Sisyphos“, dem außerdem auch noch der Felsen auf den Kopf fällt. Eigentlich bin ich davon überzeugt, dass wir alle viele Geschichten in uns tragen. Die Schwierigkeit für mich besteht darin, sie aus meiner mentalen Konfusion herauszulösen.

Suchten Sie nach konkreten Bezügen zur Aktualität?
Das Drehbuch wurde schon 2018 geschrieben, also lange vor den vielen ungewöhnlichen Ereignissen und starken Veränderungen, die sich kürzlich zugetragen haben. Es gibt Themen, die kommen der Aktualität schon deshalb nah, weil sie immer wieder neu auftauchen. Die wirkliche Tragödie besteht einfach nur darin, dass sich die Geschichte wiederholt. Ich bin überhaupt kein Visionär, ich verfüge nur über ein gutes Gedächtnis…

Warum greifen Sie in Ihren Filmen Themen wie Zugehörigkeit oder Mutterschaft immer wieder auf?
Ich weiß nicht warum. Diese Themen ziehen mich an, als würde man meine Festplatte immer wieder neu starten. Dabei hatte ich eine superschöne Kindheit, wurde geliebt und genoss eine gute Bildung. Aber vielleicht liefen die Dinge in einem früheren Leben nicht so rund (lacht). Der nächste Film wird anders sein, aber dennoch wieder verankert in diesen Themen.

Wollten Sie erneut Burleske mit Emotionen verbinden, so wie in Ihrem vorherigen Film „Au revoir là-haut“?
Die Idee der Vermischung der Genres war in der Tat zunächst meine Absicht. Viele Filme, die mich geformt haben, spielen mit diesen beiden Gefühlen. Von Chaplin bis zu Terry Gilliam, ohne jedoch Ken Loach zu vergessen. Ich versuche, ein Echo dieser Filmemacher in mir zu finden. Aber egal wie sehr ich versuche, „ernsthaft“ zu bleiben, möchte ich doch in erster Linie unterhalten. Die Absicht ist ernst, aber meine Ambition bleibt, dass sich der Zuschauer auf eine Reise begibt.


Können Sie uns mehr über die von Virginie Efira gespielte Suze erzählen?
Virginie hat sich mit viel Bescheidenheit schon während der Proben eingebracht. Ich fand sie wunderbar und das hat sich dann auch beim Drehen hinter der Kamera bestätigt. Es ist diese erfolgreiche Mischung, gleichzeitig sexy und berührend zu sein. Die Darstellung der Suze ist allein Virginies Verdienst. Als Regisseur muss ich ihr nur folgen und ihre Emotionen einfangen. Sie strahlt auf der Leinwand eine Zärtlichkeit und Menschlichkeit aus, die mich schon beim ersten Sichten des Materials verzauberte. Mich interessierte, die Not dieser Frau, die auf ihrem Weg viele kaputte Typen trifft und einer gleichgültigen Behörde gegenübersteht, die sich hinter der digitalen Welt versteckt. Suze gelingt es, die beiden Männer an ihrer Seite aufzulockern: JB seine Verklemmtheit zu nehmen und Monsieur Blins verrückte Liebe zum Leben herauszukitzeln.

Warum haben Sie selbst eine der beiden Hauptrollen übernommen?
Ich schrieb mir diese Rolle auf den Leib, weil ich die Gefühle eines depressiven, gehemmten Mannes gut verstehe. Um ihn darzustellen, musste ich nur Virginie beobachten und Nicolas Marié zuhören.

Was bedeutet Ihnen Terry Gilliam?
Brazil ist einer meiner Schlüsselfilme, wenn es um meine Berufung zum Kino geht. Als ich den Film sah, fand ich dort all meine Alpträume und Träume wieder. Terry wirft in Brazil einen prophetisch düsteren, aber freudigen Blick auf die Welt. Das war für mich damals geprägt von einer unglaublichen Genauigkeit und stimmte stark mit meinen Empfindungen überein. Ich erweise ihm in meinem Film eine bescheidene Hommage und erzähle von den kafkaesken Normabweichungen der Welt und habe mit einem Augenzwinkern einige Charaktere Kurtzman, Tuttle oder Lint getauft (die „Brazilianer“ werden das verstehen). Terry Gilliam selbst war für einen kurzen Gastauftritt als Waffenhändler bereit und sagte zu mir: „Dein Film ist ebenso unwahrscheinlich wie die Realität, also sage ich zu.“

Was war Ihnen als Regisseur wichtig?
Bei diesem Film fiel es mir viel leichter Regie zu führen als noch bei Au revoir là-haut. Ich wollte mich vor allem auf eine „emotionale Erzählweise“ konzentrieren, also zusammen mit den Schauspielern das Augenmerk auf die Darstellung der Emotionen legen. Um das bei einem Film zu erreichen, der zur Hälfte nachts spielt, blieb ich im Studio vor einem Green Screen und stellte mir die Hintergründe vor, die ich nicht hatte. Damit umging ich die Schwierigkeiten eines Nachtdrehs an echten Locations. Vor allem konnte ich die Stadtlandschaften hervorheben und mit einer gewissen Poesie anreichern, um das Märchenhafte des Films zu verstärken. Mein Verhältnis zum Special Effects Team war einfach. Sie erfüllten mir meine Wünsche. Es gab nichts, was sie nicht konnten.

Warum haben Sie eher warme Farben für die Büros der Finanzbehörde verwendet?
Ich drehte das erste Mal mit Alexis Kavyrchine. Ich mochte, wie aufmerksam er zuhörte und welche Vorschläge er mir dann machte. Er verwandelte meine rustikalen Ideen für den Lichteinsatz in viele kleine technische Glanzleistungen. Wir suchten nach Kontrasten und wollten das Licht am Set so gering wie möglich halten. Wir filmten unsere Szenen nicht nur im Dämmerlicht, sondern drehten oft „Day-for-Night“. Dieser Expressionismus passt zur Tragödie, von der wir erzählen. Der Sättigungsgrad der Farben gehört zu einer gewissen Farbdramaturgie des Kinos, um sich von der Wirklichkeit zu lösen.

Wie verlief die Postproduktion und welche Rolle spielt die Musik im Film?
Wie immer verbrachte ich viel Zeit im Schneideraum und mit der Filmmusik. Der wunderbare Christophe Pinel besitzt die Gabe, viele Musikstücke anzubieten. Christophe Julien, ein überdurchschnittlich begabter Melodiker, ehrt mich durch seine Mitarbeit und greift dabei oft auf Vorschläge zurück, die sich beim Schnitt ergeben. Seine Melodien halfen mir sehr bei der emotionalen Erzählweise, die mir vorschwebte.

Wie verliefen die Dreharbeiten?
Es waren Dreharbeiten ohne Komplikationen. Mir ging es wie gesagt darum, unterdrückte Gefühle zu zeigen, egal, ob meine oder die der Darsteller.

Warum haben Sie den Film Terry Jones gewidmet?
Terry Jones (er verstarb im Januar 2020) war das erste Mitglied der Monty Pythons, das ich kennenlernte, nachdem mein Debütfilm Bernie (1996) erschien. Terry hatte mich um eine VHS Kassette gebeten, weil er den Film sehen wollte und er schrieb mir daraufhin zwei Briefe, in denen stand, er habe den Film sehr gemocht, aber noch nicht vollständig gesehen (lacht). Seine Wertschätzung tat mir richtig gut. Dass der Regisseur der Monty Pythons dann in meinem zweiten Spielfilm Le créateur (1999) auch noch Gott spielte, war für mich ein Riesenerfolg. So schloss sich ein Kreis. Ich vermisse seine Redegewandtheit, seine Kultiviertheit, seine Freundlichkeit und seinen Humor sehr.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 13.10.2022
NACHBARN
Ab 13. Oktober 2022 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Ein kleines Dorf vor 40 Jahren an der syrisch-türkischen Grenze: der kleine Sero erlebt sein erstes Schuljahr, spielt freche Streiche mit seinen Kameraden, träumt von einem Fernseher, damit er endlich Cartoons schauen kann. Am Sabbat darf er die Lichter seiner jüdischen Nachbarn anzünden, mit denen seine Familie eine enge Freundschaft verbindet. Als ein neuer Lehrer ins Dorf kommt, um aus den kurdischen Kindern stramme panarabische Genossen zu machen, ist Sero verwirrt und er muss erleben, wie die Erwachsenen immer mehr von nationalistischer Willkür und Gewalt erdrückt werden. Mit feinem Sinn für Humor und Satire zeichnet Regisseur Mano Khalil („Der Imker“, „Die Schwalbe“) in seinem neuen Film das Bild einer Kindheit, die unter der Assad-Diktatur auch leichte Momente findet.
Der Film ist inspiriert von seinen persönlichen Kindheitserlebnissen und spannt die berührende Erzählung bis in die syrische Tragödie der Gegenwart.
NACHBARN wurde auf über 170 internationalen Filmfestivals präsentiert, davon über 100 Jüdischen Filmfestivals und hat dort über 30 Preise gewonnen!

Ein Film von Mano Khalil
Mit Serhed Khalil, Jalal Altawil, Jay Abdo, Zîrek, Heval Naif, Tuna Dwek, Mazen Al Natour u.a.


Director ?s Note

Ich wurde in einem kleinen kurdischen Dorf in der Nähe der Stadt Kamishli in Syrien geboren.
Dort hatte ich mit sechs Jahren meinen ersten Schultag. Meine Gefühle waren an jenem Tag eine Mischung aus Freude und Angst. Ich habe mich darauf gefreut, die Schule zu besuchen und wie die Großen Hefte und Bücher zu bekommen. Gleichzeitig machte mir das Unbekannte auch Angst. Gleich am ersten Tag verbot uns der Lehrer, Kurdisch zu sprechen. Ich blieb still. Am zweiten Tag zeigte mir der Lehrer ein Bild und fragte mich, was ich darauf sehe. Es war das Bild eines Apfels. Als ich spontan auf Kurdisch «Sêv» antwortete, war es für eine Minute still im Raum und der Lehrer begann so auf mich einzuschlagen, dass ich am Ende des Schultages mit geschwollenen Händen nach Hause ging.
Die Schulen in Syrien damals waren kein Ort zum Lernen, sondern ein Ort, um Kinder nach den Idealen der Baath-Partei zu «erziehen». Erziehung auf Basis von Gehorsamkeit, Angst und Loyalität im Dienste des Diktators. Jeden Morgen standen wir im Schulhof wie «Lämmchen» in einer Reihe, mit gestreckter, rechter Hand und mussten einem schreienden Schüler antworten, der vor uns stand und Parolen rief. Erst viel später habe ich verstanden, um was es bei diesem «Morgengeschrei» ging. Ich war nicht glücklich, dass ich jeden Morgen schwor, meine Seele und mein Blut für einen Diktator zu opfern.
Die brutale und respektlose Behandlung durch die Lehrer löste in uns Schülern mit der Zeit große Aggressionen aus. Wir töteten Insekten, machten Pflanzen kaputt und behandelten einander auch nicht gerade sanft. Unbewusst suchten wir ein Ventil, um die in uns angestaute Wut rauszulassen. In den Schulen wurde hauptsachlich arabisch-sozialistischer Nationalismus gelehrt. Wir wurden militärisch erzogen, damit wir später in den Kampf gegen Israel ziehen und Palästina befreien. Eigentlich wussten wir nicht, was Palästina ist, aber wir wagten uns nicht zu fragen. Bei den regelmäßigen Versammlungen im Schulhof wurden uns Messer in die Hände gedrückt, um eine Strohpuppe, welche die Juden symbolisierte, mit dem Messer zu attackieren und zu enthaupten. Dazu schrien wir: «Es lebe Hafis Assad, es lebe die Baath-Partei, Tod dem Staat Israel.» Unsere Väter haben bitter gelacht, als sie diese Übungen sahen.
Ich konnte nie verstehen, warum in der Schule die Juden nicht respektiert wurden, denn ich mochte unsere jüdische Nachbarsfamilie sehr. Jakob, seine Frau Rosa und ihre Tochter Sarah haben mir immer wieder Geschenke gegeben, wenn ich ihnen an Schabbat die Lichter angezündet habe.
Die Familie Jakob war eine der letzten jüdischen Familien, die noch in Syrien lebten. Jakob hatte ein kleines Geschäft, in dem er Bonbons, Kopfschmerztabletten, Seifen, Haushaltsgeräte, Honig, Gift, Eier und auch Potenzmittel verkaufte. Jakob war der beste Verkäufer. Wenn eine Frau keine Kinder bekommen konnte, besuchte sie Jakob und bat ihn um seine Hilfe. Wenn jemand Krebs hatte, besuchte er Jakob und fragte ihn nach einer Lösung. Jakob hatte Lösungen für jeden und alles. Nur für sich selbst konnte er kein einfaches Rezept finden, um Syrien zu verlassen.
Im Gegensatz zu den Arabern und den meisten Kurden in Syrien durften die syrischen Juden keine Reisedokumente oder Ausweise besitzen. Sie durften ihre Wohnorte unter keinen Umständen für mehr als drei Tage verlassen. Ihr Vermögen wäre sonst konfisziert worden.
Heute, vierzig Jahre später, gibt es keine Juden mehr in Syrien. Die politische Situation in weiteren Gebieten des Nahen Ostens ist verheerend. Wenn an unseren Schulen mehr Respekt gelehrt worden wäre - vor sich selbst, vor dem Mitmenschen und seinen Werten, seinem Glauben und seinen Prinzipien - dann würde heute mehr Freiheit, Freundschaft, Liebe und vor allem Frieden herrschen.
Mit meinem Film will ich aufzeigen, dass es trotz all den Repressionen und der Unterdrückung durch das Regime heitere Momente im Leben der Menschen gibt und sich für einzelne möglicherweise ungeahnte Wege eröffnen.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 06.10.2022
IGOR LEVIT – NO FEAR
Ab 06. Oktober 2022 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Als Kind habe ich das Klavierspielen geliebt, aber das Üben und den Unterricht gehasst. So wurde das eine sehr kurze Episode in meinem Leben. Aber ich erinnere mich gut daran, was mit den Melodien passierte, die ich spielte. Sie verwandelten sich in Geschichten. Es gab Gefahren, Abenteuer, und es gab Rettung in letzter Minute. Ich glaube, ich verstehe Igor Levit, wenn er sagt, mit der Musik erzähle er Geschichten, Geschichten über Menschen.
Auch ich bin eine Geschichtenerzählerin. Was mich immer wieder interessiert in meinen Filmen, ist die Frage: Woher kommt die Kunst? Aus der Biografie? Ist sie eine „göttliche Gabe“? Wie verhält sich das bei Igor Levit? Im Alter von 8 Jahren mit seiner jüdischen Familie aus Russland nach Deutschland gekommen, hat er die ersten Jahre seiner Kindheit faktisch vergessen.
Aber seine Hände erinnern sich daran, dass er bereits mit drei Jahren Klavierunterricht erhalten hat.
Was ist der Schlüssel zu der unglaublichen emotionalen und künstlerischen Intensität seiner musikalischen Interpretation? Wie verwandelt Levit Musik in einen Seelenzustand? Wie lebt es sich mit einer so großen Begabung, die so viele Menschen glücklich macht, für die Begabten selbst aber vielleicht zur Verpflichtung, zur Last werden kann? Verspürt Igor Levit manchmal den Drang, aus seinem über Jahre im voraus verplanten Leben auszubrechen, die Freiheit zu suchen? Wieviel Freiheit steckt in der Musik?
Wir drehten von Mai 2019 bis Dezember 2020 und durften Igor Levit begleiten, zu Konzerten, Proben und Aufnahmen. Sprachen anfangs vor der Kamera über seinen Werdegang und seine Zukunftspläne. Und wir rasselten mit ihm gemeinsam in die Krise, in den Corona-Lockdown. Sie bescherte ihm viele dunkle Stunden, sie öffnete ihm aber auch neue Möglichkeiten. Die Musik hat ihn gerettet, so sagt er. Und so wurde auch unser Film ein anderer. Es wurde ein Film über die Musik und die Arbeit an der Musik, auch über den Körper und das Hören, über die Verbindung,
die sich zwischen Musizierenden und Zuhörenden herstellt. Manche der Fragen, die ich mir anfangs stellte, sind hier, jenseits der Sprache, vielleicht am besten beantwortet.
Regina Schilling

Ein Film von Regina Schilling

Igor Levit, Mitte dreißig, ist ein Ausnahmekünstler im mitunter etwas gediegenen Universum der klassischen Musik. Er will mehr als konzertieren – und gleichzeitig sind es seine einzigartigen, intensiven Konzerte, in denen er ganz bei sich zu scheint. Mit acht Jahren kam er mit seiner Familie als jüdischer Einwanderer russischer Abstammung nach Deutschland. Seit er auf den großen Bühnen steht, meldet er sich immer wieder öffentlich und politisch zu Wort - eine Überlebensstrategie, die er in seinem Leben und in seiner Musik verfolgt. Er füllt die großen Konzertsäle rund um die Welt und spielt bei Eiseskälte im Dannenröder Forst aus Protest gegen dessen Rodung. Er legt die gefeierte Aufnahme aller Beethoven-Sonaten vor und widmet sich dann Schostakowitsch und Ronald Stevensons atemberaubender „Passacaglia on DSCH“. Er schlägt die Brücke vom Alten zum Neuen, von der Musik zur Welt, dorthin, wo die Menschen sind.
IGOR LEVIT - NO FEAR begleitet den Pianisten bei der Erkundung seines „Lebens nach Beethoven“, bei der Suche nach den nächsten Herausforderungen, nach seiner Identität als Künstler und Mensch. Wir beobachten Levit bei der Aufnahme neuer Werke, seiner Zusammenarbeit mit seinem kongenialen Tonmeister Andreas Neubronner, mit Dirigenten, Orchestern und Künstlern, seinem intensiven Eintauchen in die Musik, seiner Hinwendung zum Publikum, diesem unwiderstehlichen Wunsch zu teilen. Dann bremst Covid dieses Leben unter ständiger Hochspannung von einem Tag auf den anderen aus.
Über 180 gebuchte Konzerte in der ganzen Welt werden abgesagt. In dieser Situation des unfreiwilligen Stillstands ist Levit einer der ersten, der erfinderisch wird und mit seinen allabendlich gestreamten Hauskonzerten eine musikalische Lebensader zwischen sich und seinem Publikum auf Instagram und Twitter aufbaut. Während dieses Prozesses entdeckt er eine neue Freiheit, abseits der Zwänge des Tourneebetriebs, der Veröffentlichungen und der Vermarktung.
IGOR LEVIT - NO FEAR ist das inspirierende Porträt eines Künstlers auf seinem Parcours zwischen traditioneller Karriere und neuen Wegen in der Welt der Klassik, dem Impuls des politischen Engagements und der ständigen künstlerischen Herausforderung, zwischen Kontemplation und Bewegung. Immer wieder nimmt sich Filmemacherin Regina Schilling dabei die Zeit, Igor Levits Musik zuzusehen und zuzuhören und der Faszination, dem Geheimnis jenseits
der Worte Raum zu geben.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 29.09.2022
DIE HÜGEL VON ISTANBUL
Ab 22. September 2022 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Der Film zeigt drei Jahre aus dem Leben von Bayram und Ahmet, deren unterschiedliche kulturelle
Sozialisation als Roma und als Kurde ein Lebensgefühl hervorruft, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte.
Offen sprechen sie über ihre Träume und Pläne, äußern sich auch zu politischen Ereignissen, wie Putsch und Referendum. Der Broterwerb in einem wirtschaftlich zunehmend instabilen Land und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für ihre Kinder zwingen sie, sich ständig wechselnden Begebenheiten anzupassen.
Ihr Weg folgt den Notwendigkeiten des Überlebens in innnertürkischer Migration. Mit dem Recycling von Pappe, Blech und Plastik gelingt ihnen ein bescheidenes Leben. Ihre Heimat wird jedoch sowohl durch Zerstörung, Terror und Krieg, als auch durch unkontrollierte Investitionen, Zwangsumsiedlung und Gentrifizierung bedroht. Die sicher geglaubten Rückzugsorte sind gefährdet.
Die Türkei – ein tief gespaltenes Land.

Ein Film von Ellen Rudnitzki & Zeynel K?z?lyaprak

„(...) „Die Hügel von Istanbul“ zeigt viele Facetten des Lebens in der Türkei aus der Sicht der Roma
und Kurden, was viel zu selten zu sehen ist.“
Emily Thomey, WDR Cosmo

„ (...) So vermittelt der Film einen unverstellten Blick auf das alltägliche Leben in der Metropole Istanbul, das sozial Schwächeren einiges abverlangt.“
DFF Deutsches Filminstitut Filmmuseum

„“Die Hügel von Istanbul“ ist eine teils sehr erhellende Dokumentation über die Stadt Istanbul aus der Sicht zweier Müllsammler. Ellen Rudnitzki zeigt das Leben und den Alltag ihrer beiden Hauptfiguren, ihre Sorgen, doch auch ihr Glück sowie ihre interessanten Sicht- weisen auf politische wie auch soziale Prozesse.“
Film-Rezensionen popcomkino&independent


ZUR REGISSEURIN

Zum Film: Die Hügel von Istanbul
Seit 16 Jahren verbringe ich einen Teil meines Lebens in der Metropole Istanbul und sie ist mir längst zur zweiten Heimat geworden. Seit dieser Zeit arbeite ich auch zusammen mit dem kurdischen Journalisten Zeynel Kizilyaprak, der 2003 aus politischen Gründen aus der Türkei fliehen musste, 2004 wieder zurückkehren konnte und nun zwischen Köln und Istanbul pendelt. Von Anfang an habe ich mich gefragt, wie erleben die Menschen, die hier leben, dieses Land. Seit 16 Jahren berichten wir aus der Türkei. 2017 haben wir unsere Produktionsfirma Agîr Media gegründet. Wir haben die großen politischen Ereignisse, wie die Gezi-Proteste, den Putschversuch und das Verfassungsreferendum immer unter dem Aspekt gesehen, wie spiegelt sich die große Politik im alltäglichen Leben. Viele Themen sind einfach entstanden, weil sie praktisch „vor der Haustür“ stattfinden. Vielleicht braucht es diesen Blick des immer noch Fremden, um Menschen und Situationen nicht einfach hinzunehmen, sondern sich zu fragen, wer oder was steckt dahinter. Wir haben als Hauptdarsteller einen Roma und einen Kurden mit ihren Familien gefunden, die, obwohl sie im selben Land leben, von Kulturen geprägt sind, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Und somit ihren ganz speziellen Blick auf das Leben und ihren Beruf haben. Sie haben uns erlaubt, sie über einen langen Zeitraum in ihrem Alltag zu begleiten, haben uns ihre Sorgen, Hoffnungen und Wünsche erzählt. Kennengelernt haben wir Menschen die uns großen Respekt abverlangt haben und die trotz aller Widrigkeiten in einem unruhigen, tief gespaltenen Land ihr Ziel, ihren Kindern eine besseres Leben zu ermöglichen, nicht aus den Augen verlieren. So ist ein spannender Film entstanden, über die Menschen, die von dem leben, was andere wegwerfen.

Ellen Rudnitzki & Zeynel K?z?lyaprak
Wir haben den Film über die Müllsammler in Istanbul gedreht, weil sich in den beiden Protagonisten, dem Roma Bayram und dem Kurden Ahmet, als Vertreter meist diskriminierter ethnischer Minderheiten, die türkische Politik im Alltäglichen spiegelt. Indem wir dem Lebensrhythmus der Müllsammler folgen, die hinter ihren riesigen Lastkarren nahezu verschwinden, machen wir die Menschen dahinter sichtbar, deren unterschiedliche kulturelle Sozialisation als Roma und als Kurde ein Lebensgefühl hervorruft, welches verschiedener nicht sein könnte. Es bestimmt den täglichen Existenzkampf in einer tief gespaltenen, wirtschaftlich und politisch extrem instabilen Türkei.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 22.09.2022
MITTAGSSTUNDE
Ab 22. September 2022 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Ingwer, 47 Jahre alt und Dozent an der Kieler Uni, fragt sich schon länger, wo eigentlich sein Platz im Leben sein könnte. Als seine „Olen“ nicht mehr allein klarkommen, beschließt er, dem Leben in der Stadt den Rücken zuzukehren, um in seinem Heimatdorf Brinkebüll im nordfriesischen Nirgendwo ein Sabba(cal zu verbringen. Doch den Ort seiner Kindheit erkennt er kaum wieder: auf den Straßen kaum Menschen, denn das Zusammenleben findet woanders sta@, keine Dorfschule, kein Tante- Emma-Laden, keine alte Kastanie auf dem Dorfplatz, keine Störche, auf den Feldern wächst nur noch Mais, aus gewundenen Landstraßen wurden begradigte Schnellstraßen. Als wäre eine ganze Welt versunken. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Knicks und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und seine Eltern mit dem Gasthof sitzen ließ? Wann verschwand die Mittagsruhe mit all ihren Herrlichkeiten und Heimlichkeiten? – Sönke Feddersen, de Ole, hält immer noch stur hinter seinem Tresen im alten Dorrrug die Stellung, während Ella, seine Frau, mehr und mehr ihren Verstand verliert. Beide lassen Ingwer spüren, dass er sich schon viel zu lange nicht um sie gekümmert hat. Und nur in kleinen Schritten erkennt er, dass er noch längst nicht alle Geheimnisse entblättert hat.

Ein Film von Lars Jessen
Mit Charly Hübner, Lennard Conrad, Peter Franke, Rainer Bock u.a.

Pressenotiz
MITTAGSSTUNDE ist die Verfilmung des Bestsellers von Dörte Hansen, eine große Erzählung über die Menschen im Norden Deutschlands, die nicht viel reden, es aber verstehen, sich zu kümmern, wenn es Not tut. Unter der Regie von Lars Jessen (AM TAG ALS BOBBY EWING
STARB, DORFPUNKS, FRAKTUS), nach einem Drehbuch von Catharina Junk (DIE DUNKLE SEITE DES MONDES), wird voll leiser Melancholie die Geschichte des Verfalls der Dorfkultur erzählt, bei der immer die Frage mitschwingt, wer wir als Individuen und als Gesellschaft in Zukunft sein wollen und wo wir hingehören.
In die Rolle des Ingwer Feddersen schlüpt Charly Hübner (3 TAGE IN QUIBERON, LINDENBERG! MACH DEIN DING). Die Alten, Sönke und Ella Feddersen, werden von Peter Franke (DAS WUNDER VON BERN) und Hildegard Schmahl (IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS) verkörpert. Auf der Reise durch die Zeit stehen in weiteren Rollen Rainer Bock (DAS WEISSE BAND, DER FALL COLLINI), Gabriela Maria Schmeide (SYSTEMSPRENGER) und Gro Swantje Kohlhof (WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK) vor der Kamera.
Die heimliche Hauptfigur ist das fiktive Dorf Brinkebüll, von Mitte der Sechzigerjahre, als die Landvermesser kamen, um die große Flurbereinigung vorzubereiten, bis in die Jetzt-Zeit, in der sich das Land in eine bequem mit dem Auto zu erreichende Schlafstätte für Zugezogene verwandelt hat. Für die Kamera zeichnet Kristian Leschner (4 KÖNIGE, „How to Sell Drugs Online (Fast)“) verantwortlich, das Szenenbild hat Dorle Bahlburg, (DORFPUNKS), das Kostümbild Anette Schröder (DER SCHIMMELREITER), das Maskenbild Uta Spikermann (LIEBER THOMAS, GUNDERMANN) und die Montage Sebastian Thümler („4 Blocks“) übernommen.
MITTAGSSTUNDE ist eine Florida Film-Produktion (Produzenten: Lars Jessen und Klaas Heufer-Umlauf) in Koproduktion mit dem ZDF, gefördert mit Mitteln von MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, Medienboard Berlin-Brandenburg, Nordmedia, MV Filmförderung, MFG Baden-Württemberg und dem Deutschen Filmförderfonds.



Regisseur Lars Jessen über MITTAGSSTUNDE

Mittagsstunde hat mich kalt erwischt. Als mir der Roman vorgeschlagen wurde, weil darin ein Thema behandelt wird, mit dem ich mich schon seit Jahren beschäftige – das Aussterben der Landgasthöfe in Schleswig-Holstein – ahnte ich nicht, wie viel mehr darin steckt und wie sehr ich mich persönlich in dem Buch wiederfinden würde. Für mich ist Mittagsstunde in der Genauigkeit der Milieuschilderung und der Zugewandtheit zu den Figuren ein großes Stück deutscher Literatur. Dörte Hansen hat es geschafft, eine Kultur zu definieren, die von den Menschen, die diese Kultur gelebt haben, wahrscheinlich nicht einmal selbst als solche empfunden wird oder besser wurde. Das so präzise wie Dörte Hansen auf den Punkt zu bringen, ist mir in meiner Arbeit bisher nicht gelungen.
Die Latte lag also hoch und die Verfilmung war eine gigantische Aufgabe. Nicht nur weil der Roman keine klassische Dramaturgie anbietet, sondern auch durch die Fülle an Figuren, die verschiedenen Zeitebenen und die großen Themen, die diesen Stoff ausmachen. Kurz vor Drehbeginn habe ich nochmal das Hörbuch, gelesen von Hannelore Hoger, angehört. Satte 20 Stunden dauert es und gibt die emotionale Wucht der Vorlage sehr eindrucksvoll wieder. Ein paar Monate später sind wir jetzt auf meiner Ziellänge, dem fertigen Film in unter 2 Stunden Spielzeit, angekommen.
Was waren die großen Meilensteine dieser Reise? Am Anfang stand natürlich die Begegnung mit Dörte Hansen, bei der wir schon viele Gemeinsamkeiten feststellten. Den ersten Landgasthof betrat ich mit 9 Jahren, kurz nachdem ich mit meiner Mutter nach Eggstedt/ Dithmarschen in eine Aussteigerkommune gezogen war. Verfilmt habe ich diese Phase meines Lebens vor ein paar Jahren in „Am Tag als Bobby Ewing starb“ mit hoffentlich spürbarer großer Liebe zu den Menschen in diesem Ort. Hinter dem nüchternen Pragmatismus, mit dem mir mit meinen langen blonden Haaren im örtlichen Landgasthof begegnet wurde, verbarg sich eine hinter Panzerglas versteckte Herzlichkeit. Erst nach der Lektüre von Mittagsstunde ist mir emotional klar geworden, wie sehr das Dorf und seine Bewohner, mich als einziges Kind inmitten verwirrter hedonistischer Erwachsener in unserer Kommune gerettet hat.
Auch in der Dorfschule meiner Kindheit kämpfte unsere Lehrerin gegen das Plattdeutsche und ich
durfte wie Mittagsstundes' Ingwer Feddersen mit einer Leseratte aus dem Nachbardorf als einziger
aufs Gymnasium und wurde Fahrschüler. Die Bindung zum Dorf, in dem heute wohl nur noch knapp 200 Menschen leben, blieb auch nach dem Umzug in eine Kleinstadt an der Nordsee erhalten. Die Flurbereinigung, die Asphaltierung der Dorfstraße, die immer größer werdenden Felder und Landmaschinen, die Neubaugebiete, der Niedergang der Höfe und des Gasthofs habe ich als Kind und Jugendlicher hingenommen ohne damals schon zu spüren, wie ergreifend der Wandel sich vollzog.
Das wird erst in der Rückschau und im Blick desjenigen fassbar, der sich entfernt hat und nach der Schule einen nach Süden fahrenden Zug bestiegen hat.
Nach den vertrauensbildenden Maßnahmen haben wir dann unter Federführung der Drehbuchautorin Catharina Junk, des Dramaturgen Bernhard Gleim und in regelmäßigem Austausch mit Dörte Hansen einen filmischen Weg gefunden, der die Identität des Romans vollständig bewahren sollte. Die langsame Entwicklung des Protagonisten Ingwer Feddersen wollten wir in all ihrer Zartheit nicht künstlich zuspitzen. Auch den Sprung zwischen den Zeitebenen und den einzelnen Erzählsträngen wollten wir unbedingt beibehalten. Ein Fest wie auch eine große Herausforderung zugleich für alle am Set, vor allem für das Szenen-, Kostüm- und Maskenbild. Anders als der Roman erzählt unser Film aber deutlich stärker aus einer klaren Erzählperspektive heraus, in der 1. Person Singular sozusagen.
Mit einer zentralen Hauptfigur, deren Blick uns durch die Zeitebenen und Perspektiven der Geschichte führt.
Sehr klar war für mich, dass diese Aufgabe nur Charly Hübner bewältigen könnte. Einen über eine weite Strecke passiven beobachtenden Helden zu verkörpern, der uns mit seinen Blicken und Körperhaltungen all die Spannung liefern muss, die unter der Oberfläche der komplexen familiären Verstrickung gärt, ist gigantisch schwer. Dieses feine magnetische Spiel beherrscht Hübner wie kein Zweiter. Er und Ingwer sind in MITTAGSSTUNDE buchstäblich verschmolzen. Seine großartige Arbeit ist das emotionale Zentrum des Films und spiegelt sich auf kongeniale Weise mit dem Spiel von Gro Swantje Kohlhof, die Ingwers Mutter Marrett verkörpert. Beide waren nie gemeinsam am Set und ziehen sich trotzdem gegenseitig durch den Film wie zwei Tänzer an unsichtbaren Seilen.
Auf ihrer jeweiligen Zeitebene hatten die beiden großartige Mitspieler in denselben Rollen, nur mit 40 Jahren Altersunterschied. Hildegard Schmahl und Peter Franke haben uns bei den Dreharbeiten sehr berührt. Ihr Mut zwei sprachlose Menschen am Ende ihres Lebens mit all der Verzweiflung und gleichzeitig mit Stolz und Würde zu spielen, habe ich als großes Geschenk empfunden.
Den Boden dafür haben Gabriela Maria Schmeide und Rainer Bock bereitet, die ihren Figuren bei all der Schroffeit eine besondere Verletzlichkeit und Tiefe gegeben haben, die sich in ihren 40 Jahre älteren Alter Egos dann auf sehr berührende Art wiederfindet. Nicht zuletzt Lennard Conrad als junger Ingwer und Julika Jenkins und Nicki von Tempelhoff als Ingwers LebenspartnerInnen aus der Kieler WG geben dem Ensemble eine bis in jede Szene hineinwirkende Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit.
Die Dreharbeiten waren ein echter Ritt. Nicht nur wegen der komplexen Anforderung, aus sechs verschiedenen teilweise über 50 km voneinander entfernten Drehorten ein Dorf zusammen zu bauen, das in den Jahren 1965, 1976 und 2020 funktioniert. Natürlich hatten wir den Anspruch die besondere Werktreue auch im Dialog zum Ausdruck zu bringen und haben jeden einzelnen Take nicht nur auf Hochdeutsch sondern auch in nordfriesischem Platt gedreht. Es gibt also zwei sprachliche Fassungen des Films. Eine große Leistung der SchauspielerInnen, die sich vor jedem Take die von Dörte Hansen aufgenommenen Dialogzeilen einprägen und entsprechend ein sehr sensibles Sprachvermögen mitbringen mussten. Natürlich bedeutete das auch höchste Anspannung bei jedem Teammitglied, weil jeder kleinste Fehler dieses Unterfangen ad absurdum geführt hätte. Wir sind durchgekommen. Eine unglaubliche Leistung aller Beteiligten!
Besonders hängen geblieben sind bei mir aber auch die Begegnungen mit den AnwohnerInnen der Dörfer, in denen wir stark befahrene Straßen sperren und wieder in den Zustand von 1965 versetzen konnten. Die Menschen fühlten sich wie wir zurück versetzt in eine Zeit, in der Kinder gefahrlos auf der Straße spielen konnten, sich das dörfliche Leben vor der Haustür abspielte und das Dorf buchstäblich wieder auflebte. Und das ist es ja, was Dörte Hansens Roman so spürbar macht: Den Verlust dieser Kultur, dieser Art zu leben, die vom zwischenmenschlichen direkten Austausch geprägt war.
Vom Schnack beim Bäcker, auf dem Feld, in der Kneipe. Ich vermute in diesen Momenten spürten die Menschen, die uns bei der Arbeit zugeschaut haben, ebenso wie wir, was da verloren gegangen ist und was sie dafür bekommen haben: Neubaugebiete, große Fernseher, gesichtslose Discountermärkte und LKWs, die den täglichen Spaziergang zur lebensgefährlichen Angelegenheit machen.
All diese Erfahrungen blieben im Schnitt von Sebastian Thümler sehr präsent. In einem monatelangen Prozess haben wir die emotionalen Bögen herausgearbeitet und versucht, einen Sog in Gang zu setzen, der vom sehr eigenständigen Score von Jakob Ilja angetrieben wird. Natürlich erklingen, wie im Roman, zahlreiche Schlager der 60er Jahre, in denen das 17. Lebensjahr ein wiederkehrendes Thema ist. Sie sind Ausdruck der Verlorenheit der Figuren in MITTAGSSTUNDE, die sich nur zaghaft trauen ihre Träume und Sehnsüchte zu formulieren. Kaum sind sie sich halbwegs bewusst, was sie vom Leben wollen, neigt es sich schon wieder dem Ende zu.
Wenn wir mit dem Film etwas richtig gemacht haben sollten, dann spüren die ZuschauerInnen diesen Verlust und Schmerz. Sie gewinnen aber zugleich die Zuversicht, dass Vieles, was unwiederbringlich verloren zu sein scheint, auch wieder neu erfunden werden kann. Im günstigen Fall liefert MITTAGSSTUNDE einen kleinen Beitrag zur Beantwortung der großen gesellschatlichen Frage, die uns die zahllosen Krisen unserer Zeit abverlangt.
Wie wollen wir leben!
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 15.09.2022
ALLE REDEN ÜBERS WETTER
Ab 15. September 2022 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Clara hat es geschafft. Weg aus der ostdeutschen Provinz führt sie als Dozentin ein unabhängiges Leben in Berlin und macht ihren Doktor in Philosophie. Zwischen ihren beruflichen Ambitionen, einer Affäre mit einem ihrer Studenten und der fordernden Freundschaft zu ihrer Doktormutter
Margot bleibt wenig Zeit für die Familie. Als Clara mit ihrer fünfzehn-jährigen Tochter zum 60. Geburtstag ihrer Mutter Inge zurück in die Heimat fährt, wird sie mit ihrem Ideal von einem freien, selbstbestimmten Leben konfrontiert. Wie hoch ist der Preis, den sie dafür zahlen muss?

Ein Film von Annika Pinske
Mit Anne Schäfer, Anne-Kathrin Gummich, Judith Hofmann, Marcel Kohler u.a.

REGIEKOMMENTAR
Seit ich selbst Kinder habe, sehe ich meine eigene Mutter mit anderen Augen. Ich frage mich, wie sie und Generationen von Müttern vor ihr es geschafft haben, ihren Töchtern Selbstvertrauen zu geben, ohne die Privilegien der Männer. Welche Kämpfe hat sie gekämpft, welche Opfer gebracht, dass ich heute sagen kann: Ich möchte Filme machen?
Es gibt wenige positive Darstellungen von starken Mutter-Tochter-Beziehungen in kulturellen Erzählungen. Das Thema ist historisch so untererzählt, dass es für mich fast einer Verantwortung gleichkam, einen Film über Mütter und Töchter zu machen. Alle die Geschichten der Frauen vor mir, die für immer im Verborgenen bleiben, weil sie keinen Zugang zu Kunst und Kultur hatten – ein Verlust, der niemals nachzuholen ist. Was hätte alles zu meiner Identitätsfindung beitragen können, als Tochter, als Mutter und auch als Filmemacherin? Es ist mühselig, wenn Selbstverständlichkeiten, Vorbilder und Überlieferungen der Vordenkerinnen fehlen. Vielleicht ist es bezeichnend, dass ich erst mit Ende dreißig meinen ersten Langfilm gemacht habe. Es ist selbstverständlich nicht nur eine Frage des Geschlechts, sondern auch eine des sozialen Status. Damit sind wir thematisch auch schon mitten im Film und bei meiner Protagonistin Clara.
Clara hat sich von den gesellschaftlichen Erwartungen als Frau und Mutter und zeitgleich von ihrem provinziellen Herkunftsmilieu emanzipiert. Sie hat den sogenannten Bildungsaufstieg geschafft, macht ihren Doktor in Philosophie und sucht nun nach ihrem Platz im Bildungsbürgertum. Immer begleitet von Scham und Minderwertigkeitskomplexen, weil Herkunft nichts ist, was man einfach abstreifen kann.
Gleichzeitig bedeutet ihr „Aufstieg“ aber auch Trennung von ihrem Herkunftsmilieu, in das sie nicht einfach zurückkehren kann. Ihre Identität hat mit Abgrenzung zu tun, und ihr Alltag ist geprägt von Widersprüchen, hin- und hergerissen zwischen Familie, Herkunft und beruflichen Ambitionen. Am Ende bleiben die Fragen: Was ist der Preis, den Frauen für ein selbstbestimmteres Leben zahlen und wer profitiert davon?
Filmemachen beginnt bei mir immer mit den Charakteren. Beim Schreiben und auch in der Inszenierung interessieren mich die unbewussten Verhaltensweisen und Prägungen meiner Figuren, ihre subtilen Gewohnheiten und ihr banaler Alltag, außerdem ihr Status im Familien- und Beziehungsgefüge. Ich glaube, es braucht nur diese vermeintlich schnöden Gewohnheiten und das ständige Reproduzieren der bekannten Rituale (übers Wetter reden), um gesellschaftliche (Macht-) Strukturen aufzuzeigen. Im Banalen kann eine ganze Welt liegen, wenn es mir gelingt, eine gute Szene daraus zu machen: Wenn Inges (Claras Mutter) emotionale Überforderung und ihre Sprachlosigkeit in oberflächliche Floskeln und banale Geschäftigkeit münden, zeigt sich für mich am eindringlichsten Claras Sehnsucht nach echter Kommunikation und Begegnung mit ihrer Mutter. Wie kann ich etwas sichtbar machen, das so einfach und unaufgeregt daherkommt? Wie zeigen, was alles darunter liegt, wenn man den Blick genug schärft? Wie kann ich realistisch erzählen und trotzdem eine filmische Form finden, die das Publikum interessiert und mitfühlen lässt? Wie kann ich zeigen, dass selbst die kleinste Handlung im intimsten, familiären Kontext politische Dimensionen hat? Das sind Fragen, die mich als Regisseurin begleiten.


INTERVIEW MIT ANNIKA PINSKE

Worum geht es in dem Film Deiner Meinung nach?
Der Film handelt von Heimat und Herkunft und fragt, was man für ein selbstbestimmtes Leben zurücklassen muss, besonders als Frau. Es geht auch um Mütter und Töchter und ihre Beziehungen, um Frauen in männerdominierten Berufen und den Kampf um Anerkennung. Der Film beobachtet die Geschlechterhierarchien in den ganz einfachen alltäglichen Interaktionen der Figuren und zeigt, wie stark wir in der Gesellschaft auf bestimmte Rollen festgelegt sind und wie schwierig es ist, diesen zugewiesenen Platz zu verlassen, auszubrechen und etwas Neues zu finden. Diese Sehnsucht hat mit Trennung und Grenzen zu tun, und es gibt ebenso viel Schmerz wie Verheißung. Ich liebe diese Widersprüche im Leben. Sie sind eine Art kreativer Motor für mich.

Was kannst Du uns über die Hauptfiguren des Films erzählen?
Alles dreht sich um Clara, meine Hauptprotagonistin. Sie führt uns durch den Film, und wie in einem Kaleidoskop verstehen wir nach und nach, wie viele Beziehungen, Rollen und Anforderungen sie zu bewältigen hat. Ich wollte eine zeitgemäße und komplexe Frauenfigur, die auch widersprüchlich ist und unvollkommen sein darf, die nicht immer lächeln muss, um sympathisch zu sein. Es gibt so viele Anforderungen, Wünsche und Interessen, mit denen sie sich auseinandersetzen muss. Ihr Bildungsabschluss bedeutet auch eine Trennung von ihrem familiären Hintergrund. Sie kann nicht einfach nach Hause zurückkehren und Teil davon sein. Gleichzeitig kämpft Clara auch darum, ihren Platz im Bildungsbürgertum zu finden, denn Herkunft kann man nicht einfach ablegen. Sie ist eine Suchende, und das wird sie wohl auch bleiben ...

Du hast Claras Herkunft aus der ostdeutschen Provinz erwähnt. In welcher Weise beeinflusst die Nachwendezeit Deine Protagonist*innen?
Es gibt ein Gefühl der Unsicherheit bei Clara, das mit ihrem sozialen Status, ihrem Geschlecht und ihrer Herkunft zusammenhängt. Vielleicht muss ich an dieser Stelle von mir selbst sprechen, denn diese Erfahrung teile ich mit meiner Protagonistin. Ich würde sagen, dass ich erst durch den Kontakt mit Westdeutschen Ostdeutsche geworden bin.
Vorher war es mir völlig egal, aber sobald ich Frankfurt/Oder, meine Heimatstadt an der deutsch-polnischen Grenze, verließ, musste ich ständig erklären, woher ich komme. Plötzlich wurde ich mit allen möglichen Stereotypen über Ostdeutsche konfrontiert– immer als Kompliment verpackt, denn ich wurde überhaupt nicht als Ostdeutsche gesehen. Als Reaktion darauf habe ich mich gefragt, wie sich Westdeutsche jemanden aus dem Osten vorstellen, was einen verunsichern und vereinnahmen kann.
Außerdem gibt es auch Vorurteile über die Arbeiterklasse, und ich kann gar nicht genau sagen, welche Vorurteile in welche Kategorie gehören, aber sie machen etwas mit deinem Selbstbewusstsein. Ich glaube auch, dass Claras beruflicher Ehrgeiz eine Art Wiedergutmachung für ihre Mutter ist. Als die Mauer fiel, verlor Inge ihre Arbeit und musste die demütigenden Prozeduren des Arbeitsamtes über sich ergehen lassen. Ihr bisheriges Leben wurde plötzlich in vielerlei, oft erniedrigender Weise als wertlos angesehen.
Ich glaube, dass viele Kinder nach der Wiedervereinigung diese Erfahrung kennen und teilen.
Ich möchte über die Stereotypen hinausgehen und stattdessen die Erfahrungen von Ostdeutschen
ansprechen, die diesen Bruch in ihrer Biografie erlebt haben. Ich glaube, dass das für die Menschen in Westdeutschland etwas völlig Fremdes ist. Und hier gibt es wirklich etwas von den Ostdeutschen zu lernen. Ich glaube, das übliche Narrativ ist immer umgekehrt gewesen.

Die Geschlechterverhältnisse spielen in Deinem Film eine große Rolle, werden aber fast ausschließlich durch Ihre weiblichen Figuren thematisiert. Wie würdest Du die Rolle der Männer und das Konzept der Männlichkeit in Claras Leben charakterisieren?
Ich glaube, dass es nicht nur eine Rolle für die Männer in meinem Film gibt, denn ich zeige viele - und ganz unterschiedliche - Typen von Männern. Zumindest hoffe ich, dass es mir gelungen ist, den üblichen Stereotypen so gut wie möglich zu entkommen. Sicherlich könnte man sagen, dass die meisten (nicht alle) Männer in ihrem Umfeld Clara mit einem gewissen Selbstbewusstsein behandeln, das Clara fehlt oder das sie immer wieder in Frage stellt. Das brauchte ich, weil ich einfach glaube, dass sich patriarchale Muster immer noch wiederholen und Frauen sich dieses Selbstvertrauen einfach erarbeiten müssen. Aber ich habe versucht, die männlichen Figuren nicht nur als Antagonisten zu benutzen. Sie sind vielschichtig und nachvollziehbar in ihrem Verhalten, aber sie sind Nebenrollen, denn dieser Film gehört den Frauen.

Was war das Besondere an der Produktion?
Ich habe mich entschieden, den Film mit den Mitteln der Filmhochschule, mit wenig Geld, ohne
externe Produktionsfirma zusammen mit meiner Kommilitonin und Produzentin Luise Hauschild zu
drehen. Und das gab uns allen die Freiheit, herauszufinden, wie wir arbeiten wollten. Es gab nur den Druck, den wir uns selbst auferlegt haben, den bestmöglichen Film zu machen, aber wenig äußere Zwänge. Ich denke, diese Erfahrung, die Parameter selbst zu bestimmen, ist einzigartig in dieser Branche und sehr wichtig für alles, was noch kommen wird.

ALLE REDEN ÜBERS WETTER lebt sehr stark von den Darsteller*innen. Wie hast Du sie gecastet?
Wir haben uns bei dem Teil des Castingprozesses, den wir selbst durchgeführt haben, hauptsächlich auf Clara und Inge konzentriert, da unsere Ressourcen begrenzt waren. Wir hatten großartige Schauspielerinnen beim Casting, und es macht großen Spaß, darüber nachzudenken, in
welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte, wenn man sich für oder gegen eine bestimmte Schauspielerin entscheidet. Ich habe ein Ensemble-Casting gemacht, und Anne Schäfer hat mich überzeugt, weil sie eine der wenigen Schauspielerinnen war, die in der Beziehung zu ihrer Mutter nicht in das Verhalten der kleinen Tochter zurückfiel, sondern sich als erwachsene Frau gegen ihre Mutter stellte. Das war für den Film extrem wichtig. Eine der Sehnsüchte von Clara ist es, sich selbst neu und anders zu begegnen und nicht mehr in alten Mustern zu verharren. Anne hat auch irgendwie diese sehr widerspenstige Eigenschaft. Ich hatte das Gefühl, dass die Wahrnehmung von Unterschieden für sie genauso wichtig ist wie für Clara, und damit zu arbeiten hat mich gereizt.
Die Rolle, für die ich am längsten gebraucht habe, war die der Inge, und ich bin unglaublich glücklich mit Anne-Kathrin Gummich. Es war wirklich nicht einfach, jemanden zu finden, der diese „einfache“ Frau so klug und mit einem enormen Selbstbewusstsein spielt. Ich liebe es, ihr in diesem
Film zuzusehen. Emma Frieda Brüggler hat in all meinen Kurzfilmen mitgespielt. Ich habe sie entdeckt, als sie zehn Jahre alt war, und ich bin immer noch erstaunt über ihr lebendiges Spiel vor der Kamera und ihr Timing. Emma hat nie einen Schauspielkurs besucht. Sie ist ein Naturtalent und es ist großartig, mit ihr zu arbeiten.
Ich höre hier mal lieber auf, denn ich könnte noch viel mehr über meine Schauspieler*innen erzählen. Ich liebe sie einfach alle und bin so dankbar, dass ich meinen ersten Film mit einem so tollen Ensemble umsetzen konnte.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2022 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.