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8. München Lenbachhaus: TURNER - Three Horizons
9. Berlinische Galerie: Edvard Munch - Zauber des Nordens
10. München Haus der Kunst: WangShui. Window of Tolerance
11. Penzberg: Alberto Giacometti aus der Sammlung Klewan - Mensch und Raum
12. München Lenbachhaus: CHARLOTTE SALOMON Leben? oder Theater?
Dienstag 14.11.2023
Museum Fürstenfeldbruck: Goldene 20er? Die Weimarer Republik in der Provinz
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Goldene 20er? Die Weimarer Republik in der Provinz

Ausstellung im Museum Fürstenfeldbruck vom 27. Oktober 2023 bis 09. Juni 2024

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) und sein als demütigend empfundenes Ende hinterließen eine traumatisierte Gesellschaft. Mangel, Spanische Grippe und Revolutionen prägten die schwierige Anfangszeit der Weimarer Republik. 1923 gilt als Schreckens- und Wendejahr: Die Inflation erreichte schwindelnde Höhen. Panik und Existenzängste waren die Folgen. Die politische Unzufriedenheit gipfelte im November 1923 in Hitlers gescheitertem Putschversuch.
Auf die überstandene Krise folgten ein wirtschaftlicher Aufschwung und eine unvergleichliche kulturelle Blüte. Die „Goldenen Zwanziger“ stehen für eine nie zuvor dagewesene Leichtigkeit und Lebenslust. Der Krieg hatte viele Prozesse beschleunigt, die vor 1914 bereits begonnen hatten, wie etwa die Emanzipation der
Frauen, die Entstehung einer konsumorientierten Dienstleistungsgesellschaft oder technische Neuerungen. Auch in der Kunst wurden ganz neue Wege beschritten. Leider war die Phase der Stabilisierung nicht von langer Dauer.

Der Börsencrash von 1929, der eine weltweite Wirtschaftskrise auslöste, beendete das euphorische Lebensgefühl. Die Arbeitslosenzahlen schnellten in die Höhe.
Die völkisch-nationale Bewegung, die der Republik von jeher feindlich gegenüberstand, nutzte die Situation propagandistisch für ihre Zwecke. Am Ende stand das Versagen vieler Politiker und die „Machtüberlassung“ an die Nationalsozialisten 1933.
Unser Geschichtsbild ist geprägt durch den Blick auf die Metropolen. Aber wie gestaltete sich die kurze Phase der Weimarer Republik in der Provinz? Wie reagierte eine kleinstädtische Bevölkerung im Schatten der „Hauptstadt der Bewegung“ auf die große Politik? „Babylon Bruck“ oder rückständige Provinz? Die Ausstellung spannt mit spannenden Objekten und interaktiven Stationen einen Bogen vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Aufstieg der Nationalsozialisten.

Museum Fürstenfeldbruck
Fürstenfeld 6
82256 Fürstenfeldbruck

Abbildungen:

- Demonstration zu Ehren des ermordeten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner in Fürstenfeldbruck, 27.2.1919
Museum Fürstenfeldbruck
Am Tag nach der Beerdigung Kurt Eisners fand in Fürstenfeldbruck vor dem Rathaus eine gesonderte Trauerfeier statt, zu der der örtliche Soldaten- und Arbeiterrat eingeladen hatte.

- Lily Koebner-Linke (1891-1980), Kriegsgewinnler, 1917
Sparkasse Fürstenfeldbruck
Kriege bringen und brachten seit jeher unendliches Leid über die Menschheit. Es gibt jedoch auch Profiteure, die durch Rüstungsproduktion, Spekulation oder andere Machenschaften als Kriegsgewinnler hervorgehen.

- Babylon Bruck?
Feiern im Marthabräu, 1920er Jahre
Museum Fürstenfeldbruck
Feste feiern in der Provinz: Heinrich Fichtl, der Pächter des Marthabräu, in geselliger Runde. Unter den Gästen war auch Metzgergeselle Hans Hoy, der sonntags als Schankkellner und gefürchteter Rausschmeißer im Marthabräu-Keller tätig war.

- Schienenarbeiten bei Fürstenfeldbruck, 1920er Jahre
Museum Fürstenfeldbruck
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Dienstag 26.09.2023
München Lenbachhaus: TURNER - Three Horizons
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TURNER
Three Horizons

Ausstellung vom 28. Oktober 2023 bis 10. März 2024
Lenbachhaus München
Die Ausstellung wird vom Lenbachhaus in Kooperation mit Tate, London, organisiert
Lenbachhaus, Kunstbau


Joseph Mallord William Turner (1775–1851) gilt bis heute als Erneuerer der Landschaftsmalerei und Vorreiter der Moderne. In seinen Bildern entfaltete sich die Farbe in einer bis dahin ungesehenen Freiheit. Schon früh fiel Turner mit Landschafts- und Architekturzeichnungen auf und erhielt mit 14 Jahren ein Stipendium an der Royal Academy of Arts in London. Da es dort keinen Lehrstuhl für Landschaftsmalerei gab – sie galt erst im 19. Jahrhundert als akademische Gattung – erarbeitete sich Turner seine Kenntnisse und Techniken selbst: durch ein intensives Studium der Natur sowie berühmter künstlerischer Vorbilder. Stets mit einem Skizzenbuch ausgestattet, ging er nicht nur in die britische Landschaft, sondern bereiste ganz Europa und fertigte zahlreiche Skizzen an, die er im Atelier in Öl oder Aquarell umsetzte. Diese Unmittelbarkeit der Naturerfahrung drückt sich in den Werken aus.
Mehr noch: Seine Bilder dokumentieren ihre Entstehungszeit und spiegeln eine Welt im rasanten Wandel. Während in dem Seestück Entrance of the Meuse (Mündung der Maas, 1819) noch ein Segelschiff zum Spielball der Wellen wird, ist es in Snow Storm (Schneesturm, 1842) ein Dampfschiff, das in einen Schneesturm gerät – beide Bilder sind in der Ausstellung zu sehen. Unabhängig davon, ob sich Turner mythologischer, historischer oder zeitgenössischer Themen annimmt, ist die Natur immer das dominierende Motiv. Besonders die Wiedergabe von Wetter und Atmosphäre steht im Fokus und zeugt von seinem Interesse an den Naturwissenschaften. In dem Versuch, das Überwältigende der Natur zu
fassen, nimmt Turner zudem Bezug auf Edmund Burkes philosophisches Konzept des „Erhabenen“.
In seinem künstlerischen Bemühen, einer alle Sinne umfassenden Naturerfahrung Ausdruck zu geben, verschob er zunehmend die Grenzen des Darstellbaren. Bald lösten sich seine Werke so deutlich von der anschaulichen Natur, dass sie in ihrer Reduktion auf Farbe und Licht die abbildende Funktion des Bildes in Frage stellten. Damit verblüffte und provozierte Turner seine Zeitgenoss*innen: Der Kunstkritiker William Hazlitt fand, dass die späteren Bilder zu stark vom Naturgegenstand abstrahierten. Für seinen jüngeren Kollegen John Ruskin stand hingegen fest: „Turner is like nature, and paints more of nature than any man who ever lived.“ Gerade diese widersprüchliche Rezeption prägte Turners Ruf als Vorläufer der Abstraktion. An diesem langlebigen Mythos war Turner nicht unbeteiligt. Im Gegenteil: Die Ausstellung Three Horizons geht der Frage nach, wie sich der Künstler (aus-)bildete und inszenierte. Sie widmet sich seinen inoffiziellen Experimenten abseits der Öffentlichkeit sowie seiner Selbstrepräsentation, wie etwa bei Ausstellungen in der Londoner Royal Academy. Die bereits zu Lebzeiten von ihm kuratierte Sammlung
von 100 eigenen Werken (Teil des späteren Turner Bequest), die er als Geschenk der Öffentlichkeit vermachte, gehörte zu ebendieser Strategie. Doch der Weg zum Erfolg war für den aus einfachen Verhältnissen stammenden Turner nicht leicht und von zahlreichen Fehlschlägen begleitet. So wurde seine weniger erfolgreiche Lehrtätigkeit an der Academy wegen seines „mangelhaften“ Redetalents vielfach kritisiert, obwohl die dafür entstandenen und in der Ausstellung präsentierten Lecture Diagrams Ansätze der Perspektivtheorie treffend visualisieren.

Die Ausstellung Three Horizons – ein Verweis auf Three Seascapes (Drei Seeansichten, ca. 1827), in dem, je nach Blickwinkel, drei oder gar vier Ansichten des Meeres ineinander übergehen – möchte das Phänomen Turner aus drei Perspektiven ergründen: Der „offizielle“ Turner, der sich mit seinen Ausstellungsbildern in der Londoner Kunstszene positionierte; der private Turner, dessen künstlerische Experimente ihm halfen, Konventionen zu überwinden und abstrakt wirkende Bilder zu fertigen; und an dritter Stelle die Rezeptionsgeschichte seines Gesamtwerks, die von der Euphorie Ruskins über Hazlitts Kritik bis hin zum Narrativ des 20. Jahrhunderts von Turner als erstem modernen Maler reicht.
Dass alle drei genannten Aspekte nicht strikt voneinander getrennt werden können, sondern ähnlich wie die Landschaften in Three Seascapes ineinandergreifen, wird im Zuge der Ausstellung deutlich. Es ist ein lang gehegter Wunsch des Lenbachhauses, in seiner stetigen Erforschung der Geschichte der Abstraktion auch das Werk Turners in seiner ganzen Breite zeigen zu können. Dank der Kooperation mit Tate Britain, London, die seinen reichen Nachlass bewahrt, werden Turners Werdegang und seine bildnerischen Innovationen anschaulich nachvollziehbar. Der Turner Bequest, der in seiner Gesamtheit fünf Jahre nach dem Tod des Künstlers 1851 in öffentlichen Besitz gelangte und seit 1910 von der Tate als Teil der nationalen Kunstsammlung verwaltet wird, umfasst 300 Ölgemälde sowie mehrere tausend Skizzen und Aquarellarbeiten: Während die Gemäldesammlung das ganze Spektrum von Turners Ölarbeiten abdeckt und frühe Experimente, großformatige Ausstellungsstücke sowie sein oftmals als „impressionistisch“ bezeichnetes Spätwerk beinhaltet, geben die gesammelten Zeichnungen, Aquarelle und Skizzenbücher einen tiefen Einblick in seine Arbeitsmethoden. Aus dieser weltweit größten Turner Sammlung zeigen wir rund 40 Gemälde sowie 40 Aquarelle und Skizzen aus allen Werkphasen.

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33,
80333 München

Abbildungen:

- Snow Storm - Steam-Boat off a Harbour’s Mouth / Schneesturm - Ein Dampfschiff im flachen Wasser vor einer Hafeneinfahrt,?
exhibited 1842 / ausgestellt 1842,?
Joseph Mallord William Turner (1775-1851).?
Tate: Accepted by the nation as part of the Turner Bequest 1856 © Photo / Foto Tate

- The Harbour of Brest: The Quayside and Château / Der Hafen von Brest: Die Kaianlage und das Château, ca. 1826-28,?
Joseph Mallord William Turner (1775-1851).?
Tate: Accepted by the nation as part of the Turner Bequest 1856 © Photo / Foto Tate

- The Fall of Anarchy (?) / Der Sturz der Anarchie (?), ca. 1833-34,?
Joseph Mallord William Turner (1775-1851).?
Tate: Accepted by the nation as part of the Turner Bequest 1856 © Photo / Foto Tate

- Sunset From the Top of the Rigi / Sonnenuntergang vom Gipfel des Rigi aus, ca. 1844,?
Joseph Mallord William Turner (1775-1851).?
Tate: Accepted by the nation as part of the Turner Bequest 1856 © Photo / Foto Tate
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Donnerstag 14.09.2023
Berlinische Galerie: Edvard Munch - Zauber des Nordens
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Edvard Munch
Zauber des Nordens

Ausstellung vom 15. September 2023 bis 22. Januar 2024
Berlinische Galerie, Berlin

Edvard Munchs (1863–1944) radikale Modernität der Malerei forderte seine Zeit heraus. Das galt insbesondere für die Berliner Kunstszene um die Jahrhundertwende, auf die der norwegische Symbolist großen Einfluss nahm. Die Ausstellung „Edvard Munch. Zauber des Nordens“ ist eine Kooperation mit dem MUNCH in Oslo und erzählt anhand von 90 Werken aus Malerei, Grafik und Fotografie von der Beziehung zwischen dem
norwegischen Maler und Berlin.

Thomas Köhler, Direktor Berlinische Galerie: „Edvard Munch war ein zentraler Wegbereiter der Moderne. Was viel zu wenig bekannt ist: Der norwegische Künstler hatte großen Einfluss auf die Berliner Kunstszene Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Kunstskandal verhalf ihm 1892zu erstem Ruhm und schließlich richtete ihm die Nationalgalerie Berlin 1927 die bis dahin größte Retrospektive aus. Es ist eine einmalige Gelegenheit, Munchs hochkarätige Werke in dieser Fülle zeigen zu können.“

Tone Hansen, Direktorin MUNCH:
„Deutschland war für Edvard Munch das Land seines künstlerischen Durchbruchs und wurde zu einem wichtigen Ort für den Verkauf seiner Werke. Heute ist die Kulturstadt Berlin ein wichtiger Partner für Norwegen. Wir sind unheimlich stolz auf Munchs großartige Rückkehr in Form dieser erstklassig kuratierten Ausstellung. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit unserer beiden Institutionen und hoffen, dass die
Ausstellung ein noch stärkeres Interesse an norwegischer Kunst hervorbringen wird.“

Die „Affaire Munch“
Die Begeisterung für alles Nordische hatte Ende des 19. Jahrhunderts die Reichshauptstadt Berlin erfasst. „Die Besten Deutschlands, die ganze schöpferische Literatur um die Jahrhundertwende verfiel damals dem magischen Zauber des Nordens“, erinnerte sich der Schriftsteller Stefan Zweig 1925. Die Faszination erstreckte sich auch auf die bildende Kunst und war ein Anlass, den damals weitgehend unbekannten Munch für den November 1892 zu einer Einzelausstellung in den Verein Berliner Künstler einzuladen. Vorgeschlagen hatte ihn sein in Berlin und Norwegen ansässiger Landsmann Adelsteen Normann, der selbst auf populäre Fjordlandschaften spezialisiert war, die sich sehr gut verkauften – unter anderem an Kaiser Wilhelm II.
Die Berliner Kunstszene zu Beginn der 1890er-Jahre war noch wenig progressiv. Sie wurde von einem auf Repräsentation und Tradition ausgerichteten Kunstgeschmack beherrscht, befördert von Kaiser Wilhelm II. und dem einflussreichen Maler Anton von Werner, der dem Verein Berliner Künstler vorstand. Die 55 Werke Munchs, die im Architektenhaus in der Wilhelmstraße präsentiert wurden, waren für Berlin so avantgardistisch und fremd, dass sie wie ein Meteorit in die Kunstwelt einschlugen und diese spalteten. Etablierte Mitglieder des Vereins empörten sich und stellten den Antrag auf sofortige Schließung. Nur wenige Tage nach ihrer Eröffnung musste die Schau wieder abgebaut werden. Mit der „Affaire Munch“, wie die zeitgenössische Presse den Skandal ironisierte, begann in der Stadt die Moderne.
Munch, zu dem Zeitpunkt noch keine dreißig Jahre alt, genoss die unerwartete Publicity. Er schrieb nach Hause: „Das ist übrigens das Beste, was passieren kann, bessere Reklame kann ich gar nicht haben.“
Umgehend zog er an die Spree, wo er von 1892 bis 1908 immer wieder für längere Zeit lebte und arbeitete, bevor er sich ab 1909 in Norwegen niederließ. Munchs frühe Berliner JahreWährend Berlin Ende des 19. Jahrhunderts sehnsuchtsvoll nach Norden blickte, übte die moderne
Reichshauptstadt auch umgekehrt großen Reiz auf nordische Länder aus. Henrik Ibsen, August Strindberg oder Ola Hansson, deren Werke in ihrer skandinavischen Heimat scharf kritisiert oder zensiert wurden, fanden in Berlin Nischen und Möglichkeiten zu publizieren oder ihren Stücken, vor allem über den Verein Freie Bühne, ein Publikum zu verschaffen. Bildenden Künstler*innen bot Berlin zahlreiche Ausstellungsmöglichkeiten. Die schillernde Boheme traf sich damals in der Weinstube „Zum schwarzen Ferkel“.


Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin

Abbildungen:

- Edvard Munch, Baumgruppe am Strand (Der Linde-Fries), 1904,
Foto: © MUNCH, Oslo / Ove Kvavik

- Edvard Munch, Jugend am Strand (Der Linde-Fries), 1904,
Foto: © MUNCH, Oslo / Juri Kobayashi

- Edvard Munch, Mondschein auf dem Meer (Der Reinhardt-Fries), 1906–1907,
Foto: © bpk / Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders
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Freitag 25.08.2023
München Haus der Kunst: WangShui. Window of Tolerance
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WangShui.
Window of Tolerance

München: Haus der Kunst
Ausstellung vom 08. September 2023 bis 10. März 2024

Das Haus der Kunst München präsentiert vom 8. September 23 bis 10. März 24 die erste institutionelle Einzelausstellung von WangShui in Europa. „WangShui. Toleranzfenster“ verwebt Science Fiction mit chinesischer Philosophie, Reality TV und Maschinellem Lernen.

Mit Video, Skulptur und Malerei erforscht WangShui (geb. 1986 verschiedene Dimensionen der Verflechtung von Menschen und Technologien. Die Ausstellung ist als eine Art Drehbuch konzipiert, bei dem ein Computerprogramm als Autor*in unzählige Variationen ihres Schulungsmaterials entwickelt. Sowohl die Live-Simulation Certainty of the Flesh (2023), eine Auftragsarbeit initiiert vom Haus der Kunst, also auch die für die Ausstellung entstandenen ätherischen, in Aluminium gekratzten Gemälde spiegeln stellen Versuche der Symbiose zwischen Menschen und Technologien dar.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Videosimulation Certainty of the Flesh. Der Titel bezieht sich auf das übermenschliche Körperwissen, das in Octavia E. Butlers in den 2020er-Jahren spielender Science Fiction Buchserie Xenogesis (1987–1989) im nichtmenschlichen Fleisch zu finden ist. In WangShui‘s Werk, das als Triptychon übereinander angeordneter LED-Bildschirme präsentiert wird, begegnet das Publikum vielgestaltigen Wesen, deren Interaktionen von einem Computerprogramm gesteuert werden – einem neuronalen Netzwerk, das mittels Deep Reinforcement Learning (Deep RL) geschult wurde. Die Körper der Avatare sind in ständiger Transformation und repräsentieren die fünf Phasen (Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall) der Wu Xing Philosophie. Ihre Bewegungen basieren auf Gesten von WangShui und befreundeten Künstlern*innen, deren Körpersprache mit Hilfe des Motion-Capture-Verfahrens aufgezeichnet wurde und die Archetypen aus Reality TV und alten Mythologien verkörpern. Geskriptete und nichtgeskriptete Realität verschwimmen, während sich das „künstliche Drama“ in Echtzeit entwickelt.

Die Ölgemälde führen eine neue Form der Bilderzeugung ein. Sie wurden gemeinsam von WangShui und deren maschinellem Lernsystem in einer rekursiven Rückkopplungsschleife erzeugt, die sowohl programmierte wie auch improvisierte Methoden verwendet. Die Gemälde können als Übersetzung von menschlicher in maschinelle Sichtweise verstanden werden, wobei die Kerben im Aluminium den „latenten Raum“ darstellen, in dem verborgene Zusammenhänge in den Daten je nach Position und Perspektive der Betrachter*innen aufgedeckt werden.

Andrea Lissoni, Künstlerischer Direktor, Haus der Kunst: „WangShui arbeitet an zukünftigen technologischen Erweiterungen des Körpers und des Selbst, und untersucht wie sich zwischenmenschliche Kommunikation verändert. WangShuis Experimente mit Maschinellem Lernen und ihre Wesen aus einer anderen Welt stellen die Repräsentationsfunktion von Malerei oder Video in Frage. WangShui gibt entstehenden Gemeinschaften eine Stimme und katapultiert zugleich das historische Format der immersiven Environments in neue, radikal digitale Räume.“

WangShui. Toleranzfenster wurde gemeinsam und im Dialog mit der gleichzeitig stattfindenden Ausstellung In anderen Räumen. Environments von Künstlerinnen 1956–1976 konzipiert, um eine zeitgenössische Perspektive auf Environments zu bieten. Die wegweisende Ausstellung im Haus der Kunst präsentiert eine neue Sichtweise auf den künstlerischen Kanon, indem sie die entscheidende Rolle von Frauen bei der Entwicklung der immersiven Kunst zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren aufzeigt, die damals als Environments bezeichnet wurde, und die einen nachhaltigen Einfluss auf die gesamte bildende Kunst ausgeübt hat.
Certainty of the Flesh ist eine Auftragsarbeit von Haus der Kunst München und des Asian Art Circle am Guggenheim, New York City. Mit zusätzlicher Unterstützung von LEAP Society & Constantin Schwaab; Sammlung Kerstin Hiller und Helmut Schmelzer; The New York State Council of the Arts. Kuratiert von Sarah Johanna Theurer und Teresa Retzer.

Haus der Kunst,
Prinzregentenstraße 1,
80538 München

Abbildungen:

- WangShui, Certainty of the Flesh, 2023
Multichannel live simulation, LED Panels
Courtesy the artist; kurimanzutto

- WangShui, Certainty of the Flesh, 2023
Multichannel live simulation, LED Panels
Courtesy the artist; kurimanzutto

- WangShui, Certainty of the Flesh, 2023
Multichannel live simulation, LED Panels
Courtesy the artist; kurimanzutto
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Freitag 07.07.2023
Penzberg: Alberto Giacometti aus der Sammlung Klewan - Mensch und Raum
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Alberto Giacometti aus der Sammlung Klewan
Mensch und Raum

Museum Penzberg — Sammlung Campendonk
Ausstellung vom 08. Juli 2023 bis 08. Oktober 2023

Alberto Giacometti (1901-1966) gilt als einer der bedeutendsten Künstler der klassischen Moderne. Aus dem Schweizer Bergell stammend, unterhielt er ab den 1920er Jahren in Paris sein legendäres Atelier am Montparnasse.
Das Museum Penzberg zeigt zum ersten Mal im Münchner Umland rund 100 Exponate aus Giacomettis Oeuvre. Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken aus drei Jahrzehnten veranschaulichen sein Schaffen, das weltweite Beachtung erfährt und in international renommierten Museen zuhause ist.
Giacomettis überlängte Figuren und Portraits, die stets die Zeichen seines Arbeitsprozesses offenlegen, zeigen eindrucksvoll das Ringen des Künstlers um die Darstellung des menschlichen Seins. Die vielen übereinandergesetzten Striche sowie ersichtliche Spuren seiner Hände in der Tonmasse zeugen von einer besonderen Arbeitsweise: Eine Wahrheitssuche, die von Entbehrung und Zweifel begleitet war und in den bewegten Jahren des 20. Jahrhunderts zum Spiegelbild und Kommentar einer Gesellschaft wurde.
Der Mythos um Giacometti und sein Atelier am Montparnasse als magischer Ort der Schöpfung ist vielfach belegt. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass sich die intellektuelle Bohème der Pariser Gesellschaft wie Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Samuel Beckett, Jean Genet, berühmte Verleger und Händler wie Tériade und Kahnweiler um ihn scharten und an diesem spartanischen Ort ein- und ausgingen. Viele von ihnen standen ihm in langen Sitzungen als Modell zur Verfügung - auch der Künstlerkollege Matisse. Die Darstellungen sind in der Ausstellung zu sehen - ebenso wie die Arbeiten berühmter Fotografen, die ihrerseits Giacometti porträtierten, wie Robert Doisneau und Henri Cartier-Bresson.

Giacomettis Figuren changieren stets zwischen Abstraktion und Figuration und erleben eine Verdichtung und Verkleinerung, die er seismographisch für die Epoche in den Jahrzehnten um den Zweiten Weltkrieg fast ins Unsichtbare führt. Die sieben Gemälde Giacomettis in der Penzberger Ausstellung zeigen die Bandbreite vom klassischen Porträt („Portrait de Patricia Matisse“, 1947) zur scheinbar gänzlich aufgelösten Figur, die mit dem Bildraum verschmilzt.
Anhand der Exponate wird ersichtlich, wie Giacometti sein Kernthema ausbreitet und gleichsam mit dem Verschwinden des Menschen kämpft. Auch in den Bronzeskulpturen reduziert er die Figur auf ein Minimum an Erkennbarkeit, wie der kleine Kopf auf großem Sockel „Tête de Simone de Beauvoir“ (um 1946) zeigt, um sich dann zunehmend in einer Bronze wie „La Cage“ (1950) zu vergrößern. Ihre Gliedmaßen verlängert Giacometti dabei ins Übernatürliche, womit seine Figuren ihre Berühmtheit erlangt hatten. Gleichzeitig arbeitet der Künstler in den Werken auf Papier an den Kontrasten von Groß und Klein sowie stehender und gehender Bewegung. Seine Figuren platziert er im scheinbar leeren Raum oder auf übergroßen Sockeln, manchmal bildet er sie im Umfeld seines kargen Ateliers ab. Dieser wird auch zum Lebensmittelpunkt seiner ihn unterstützenden Familie. Annette, die Frau an seiner Seite, als auch sein Bruder Diego Giacometti agieren darin wiederkehrend als „Stehender Akt“ mit angelegten Armen oder „in sich Ruhender“ in zahlreichen Blättern und Skulpturen des Oeuvres.
Giacomettis Verbundenheit mit der Materie ist unmittelbar mit der Herkunft aus dem schweizerischen Bergell zu begründen, auch diesen ursprünglichen Ort am Malojapass hält er vielfach fest. Im Gegensatz dazu sind Giacometti und das ausschweifende Künstlerdasein in Paris untrennbar verbunden. So widmet er der berühmten Brasserie Lipp, den Cafés und Gassen von Montparnasse Zeichnungen und Lithografien, die in der Ausstellung präsentiert werden.
Die Ausstellung gliedert sich auf drei Stockwerke in Kapitel, die Giacomettis Auseinandersetzung zum Thema „Mensch und Raum“ aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Biografische Details werden mittels Porträts seiner Mutter, seines Bruders Diego oder seiner Frau
Annette vorgestellt. Der private Raum, die familiäre Situation und seine Naturverbundenheit sind ebenso präsent wie die Darstellungen seines Pariser Ateliers. Die ausgewählten Porträts stellen das Pariser Umfeld vor. Der Stehende Akt, die Darstellung der Schreitenden, aber auch der in vielfältigen Posen stillgestellte Mensch wird anhand einer Auswahl aus dem Album „Paris sans fin“ gezeigt, worin sich schließlich die Darstellung von Figuren ohne Raum, ohne scheinbare Sicherheit und Halt vermittelnde Lineaturen oder Umräume finden.

Museum Penzberg — Sammlung Campendonk
Am Museum 1,
82377 Penzberg

Abbildungen:
- Alberto Giacometti (1901-1966),
Nu debout (Annette de memoire), ca. 1963,
Sammlung Klewan©Succession
Alberto Giacometti, VG Bild-Kunst, Bonn 2023

- Alberto Giacometti (1901-1966),
Tête de Simone de Beauvoir / Kopf von Simone de Beauvoir, um 1946,
Sammlung Klewan©Succession
Alberto Giacometti, VG Bild-Kunst, Bonn 2023

- Alberto Giacometti (1901-1966),
Autoportrait / Selbstporträt, 1960,
Sammlung Klewan©Succession
Alberto Giacometti, VG Bild-Kunst, Bonn 2023

- Alberto Giacometti (1901-1966),
Femme debout - Stehende, um 1947,
Sammlung Klewan©Succession
Alberto Giacometti, VG Bild-Kunst, Bonn 2023

- Alberto Giacometti (1901-1966),
Buste d’homme, 1957,
Sammlung Klewan©Succession
Alberto Giacometti, VG Bild-Kunst, Bonn 2023
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Freitag 23.06.2023
München Lenbachhaus: CHARLOTTE SALOMON Leben? oder Theater?
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CHARLOTTE SALOMON
Leben? oder Theater?

Ausstellung vom 31. März bis 10. September 2023
München Lenbachhaus

Eine Ausstellung des Lenbachhaus München in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum, Amsterdam.
Kuratiert von Irene Faber, Sammlungskuratorin Jüdisches Museum Amsterdam
Am Lenbachhaus betreut von Dierk Höhne und Stephanie Weber

„Leben? oder Theater?“ ist das Lebenswerk der Künstlerin Charlotte Salomon (1917 Berlin – 1943 Auschwitz), das innerhalb von zwei Jahren nach ihrer Flucht 1939 aus Berlin nach Südfrankreich entstanden ist. Dieses von ihr so genannte „Singespiel“ besteht aus 769 Blättern, die in drei Akte eingeteilt sind und Zeichnungen, Textzeilen sowie szenische Anmerkungen in Gouache umfassen. Das reichhaltige Konvolut, welches seit 1971 vom Jüdischen Museum in Amsterdam aufgearbeitet und verwaltet wird, ist nicht nur ein herausragendes künstlerisches Werk des 20. Jahrhunderts, sondern gibt gleichzeitig auf einzigartige Weise Aufschluss über Salomons wendungsreiches und selbstbestimmtes Leben. Es besticht durch die Vielfalt von Salomons Bildern sowie durch die reichen Bezüge zu Kunst, Film, Musik und Philosophie ihrer Zeit.
Die Erzählform von „Leben? oder Theater?“ ist bis heute aktuell geblieben. Die Illustrationen und Texte fügen sich wie Szenenbilder einer Theaterinszenierung oder eines Drehbuchs zusammen und nehmen gleichzeitig den hybriden Charakter aus Text- und Bildebene von Graphic Novels vorweg. Die Figuren des Werks beruhen auf Salomons persönlichem Umfeld, sind von ihr jedoch subjektiv herausgearbeitet und somit zu fiktiven Charakteren abstrahiert.
Auch die Erzählung selbst ist nicht als autobiographischer Tatsachenbericht zu verstehen, sondern bringt unterschiedliche Situationen und Lebensumstände in einen freien Sinnzusammenhang. So gibt Salomon in ihrem „Singespiel“ vor allem den zwischenmenschlichen Begebenheiten ihres Lebens Bedeutung; die Bedrohungen der NS-Zeit bilden den Hintergrund, vor dem sich ihre Erzählung entfaltet.
„Leben? oder Theater?“ zeugt durch innovative und kraftvolle Bildfindungen sowie feine ironische Nuancen von einer selbstbewussten künstlerischen Praxis. Auch außerhalb ihrer Kunst tritt Salomon – trotz familiärer Schicksalsschläge und antisemitischer Verfolgung – als souveräne Protagonistin ihres Handelns in Erscheinung. Ihr Lebenswerk bietet so einen einmaligen Einblick in das komplexe und gewaltsam verkürzte Leben einer jungen Künstlerin.

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33
80333 München

Abbildungen:

- Charlotte Salomon
Selbstbildnis / Selfportrait
1940-1942
Sammlung Jüdisches Museum Amsterdam / Collection of the Jewish Museum Amsterdam
© Charlotte Salomon Foundation

- Charlotte Salomon
Gouache aus "Leben? oder Theater?" / Gouache from "Life? Or Theatre?"
(M004925)
1940-1942
Sammlung Jüdisches Museum Amsterdam / Collection of the Jewish Museum Amsterdam
© Charlotte Salomon Foundation

- Charlotte Salomon
Gouache aus "Leben? oder Theater?" / Gouache from "Life? Or Theatre?"
(M004701)
1940-1942
Sammlung Jüdisches Museum Amsterdam / Collection of the Jewish Museum Amsterdam
© Charlotte Salomon Foundation

- Charlotte Salomon
Gouache aus "Leben? oder Theater?" / Gouache from "Life? Or Theatre?"
(M004351)
1940-1942
Sammlung Jüdisches Museum Amsterdam / Collection of the Jewish Museum Amsterdam
© Charlotte Salomon Foundation

- Charlotte Salomon
Gouache aus "Leben? oder Theater?" / Gouache from "Life? Or Theatre?"
(M004253)
1940-1942
Sammlung Jüdisches Museum Amsterdam / Collection of the Jewish Museum Amsterdam
© Charlotte Salomon Foundation

- Charlotte Salomon
Gouache aus "Leben? oder Theater?" / Gouache from "Life? Or Theatre?"
(M004304)
1940-1942
Sammlung Jüdisches Museum Amsterdam / Collection of the Jewish Museum Amsterdam
© Charlotte Salomon Foundation
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