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1. Fürstenfeld: Helge Lien Trio – Wie aus einem Guss
2. Landsberg: Concerto Melante
3. Theaterfabrik München: Hania Rani live in der Theaterfabrik
4. München: Steve Coleman Five Elements – Volles Haus für ein Quartett
5. Fürstenfeld: The Jakob Manz Project – Von den Stühlen gerissen
6. Landsberg: Feininger Trio - Rauschhaft
Donnerstag 11.04.2024
Fürstenfeld: Helge Lien Trio – Wie aus einem Guss
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Fotos: Thomas J. Krebs
Fürstenfeld: Das letzte Mal gastierte er 2019 im Landkreis. In Puchheim spielte Helge Lien im Duo, mit dem Gitarristen und Weissenborn-Spezialisten Knut Hem. Ungewöhnlich für den norwegischen Klavierspieler, der doch im Grunde bekannt für seine Trio-Formationen ist. Beide verarbeiteten damals im PUC afrikanische Einflüsse, Folkrock und Blues zu einer ganz eigenwilligen, inspirierenden wie faszinierenden musikalischen Mischung. Nun, fünf Jahre und eine Corona-Pandemie später, ist Lien wieder in der Gegend und machte am Mittwochabend in Fürstenfeld halt - diesmal im Trio.
Dem Status des Geheimtipps ist der heute 48jährige längst entwachsen. Seine Diskographie umfasst ein gutes Dutzend eigener Titel, wobei der Großteil bei Ozella Music, dem Label des deutschen Musikers, Produzenten und Komponisten Dagobert Böhm, erschien. Zudem wurde seine Musik mehrfach mit nationalen wie internationalen Preisen ausgezeichnet. Auch „Revisited“, sein vorletztes Album, aus dem ein Teil der Kompositionen am Mittwochabend stammte, wurde vom Publikum und von der Kritik bei Erscheinen gleichermaßen gefeiert.
Lien hatte mit seinen beiden Gefolgsleuten Johannes Eick am Bass und Knut Aalefjær am Schlagzeug sicht- und vor allem hörbaren Spaß am gemeinsamen Musizieren. Wie aus einem Guss agierte das Trio, mit Leidenschaft, Kunstfertigkeit und Brillanz. Dabei faszinierte speziell der ständige Wechsel an musikalischen Stimmungen und das traumwandlerische Einverständnis, mit der die Musiker weitab jeder Routine miteinander kommunizierten. Mal agierten die Drei in einer impressionistischen, an Tonpoeme erinnernden Spielweise, in ihrer melancholischen Flüchtigkeit auch immer Bezüge zu Chopin und Debussy aufzeigend. Dann jagte Lien wieder wieselflink über die schwarz-weiße-Tastatur, entwarf packende melodische Figuren, die er mit Hingabe umspielte und in immer neue jazzmusikalische Ausdrucksformen eindrang. Knut Aalefjær unterlegte die harmonischen, melodischen und improvisatorischen Strukturen mit regelrecht bebenden Rhythmen. Ein Netz von pulsierenden Breaks und Riffs, mehr groovend als klassisch swingend und ständige Taktwechsel fragmentarisch einbauend. Und das Besondere: Aalefjær trommelt nicht laut, sondern mit Besen, Broomsticks, Schlegeln und Händen eher dezent
Johannes Eick war derjenige, der die fliehenden Kräfte zusammenhielt, seinen Mitmusikern Halt und Richtung gab, erst die Grundlagen für die abenteuerlichsten Meriten, für die expressiven Minimalismen und konzentrierten Bewegungsfreiheiten schuf. Wer dieses beeindruckende Erlebnis nachempfinden möchte: Das Helge Lien Trio spielt heute Abend im Pullacher Bürgerhaus. Beginn des Konzertes: 20.00 Uhr.
Jörg Konrad
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Montag 18.03.2024
Landsberg: Concerto Melante
Landsberg. Es gehört heute fast schon zum Alltag, dass in der (abendländischen) Interpretationskunst von Renaissance und Barock mit historischen Instrumenten musiziert wird. Man kann mit Nachdruck behaupten, dass die sogenannte „Alte Musik“ regelrecht Konjunktur hat. Einer ihrer gegenwärtig engagiertesten Vertreter ist Raimar Orlovsky, Geiger bei den Berliner Philharmonikern und schon seit Mitte der 1990er Jahre zusätzlicher Motor im Fahrwasser der historischen Aufführungspraxis. 2008 gründete der bekennende Telemannfan sein Concerto Melante, ein kleines Orchester in wechselnden Besetzungen - das als Quartett am frühen Sonntagabend im Landsberger Rathaussaal gastierte.
Auf dem Programm standen ausgewiesene Barock-Komponisten, wie Georg Friedrich Händel (1685-1759), Domenico Scarlatti (1685-1757), Georg Philipp Telemann (1681-1767) und Johann Sebastian Bach (1685-1750), das natürlich auf die „Landsberg-Besetzung“ des Quartetts abgestimmt war. Zu hören waren die Berliner Philharmoniker Raimar Orlovsky und Philipp Bohnen an der Violine, der aus Brasilien stammende, heute in München lebende Cellist Anderson Fiorelli und der mit seinem Instrument, der Theorbo, herausragende Andreas Arend.
Orlovsky steht, wie einst der „Begründer“ der Alten Musik Nikolaus Harnoncourt, für die Überzeugung, dass nicht allein das historische Instrumentarium für eine adäquate Aufführungspraxis garantiere, sondern die geistige Auseinandersetzung mit den Komponisten und vor allem mit der Zeit, in der diese Musik entstanden ist. Nur so kommen die Interpretationen den Originalen nahe und vermitteln einen möglichst authentischen Bezug.
In unterschiedlichen Besetzungen, vom Solo, über das Duo, das Trio, bis hin zum Quartett, widmete sich das Concerto Melante seinen einzelnen Programmpunkten und präsentierte in dieser Vielseitigkeit ein reiches Spektrum an Klangmöglichkeiten. Die Vielfalt der Kompositionen erweiterte diese Bandbreite an Farbigkeit noch um einige Facetten. So ist der in Magdeburg geborene Georg Philipp Telemann bekannt für seine Einbindung von französischer, italienischer und polnischer Musizierweise in seinen Kompositionsstil.
Insofern beeindruckte seine Sonate in a-moll TWV 42:a5 stark, die einige wunderbar erfrischende Melodien aus der polnischen Volks- und Tanzmusik enthält. Telemann sammelte diese Inspirationen während seiner Zeit als Hofkapellmeister in Sorau und Reisen von dort nach Schlesien zu Beginn des 18. Jahrhunderts.
Ein anderer Höhepunkt des Abends war das Duo Anderson Fiorelli am Cello und Andreas Arend an der Theorbe. Sie interpretierten eine Sonate von Guiseppe Domenico Scarlatti in beeindruckender Geschlossenheit und lustvoller Hingabe. Das anschließende Solostück auf der Theorbe, auch Schalenhalslaute genannt, von Johann Sebastian Bach war eine Art stilles und trotzdem virtuoses Meisterwerk.
Mit konzentrierter Eleganz widmete sich das Streichtrio des Ensembles auch den „Auffrichtigen Anleitungen“ Bachs (BWV 787, 793 und 789), einigen dieser kurzen, dreistimmigen Übungsstücke des einstigen Leipziger Thomaskantors. Es sind kleine verspielte Meisterwerke in kontrapunktischer Kompositionsweise geschrieben, die in diesem Rahmen sowohl eine ansteckende Frische vermittelten, wie in ihrer Interpretationsweise auch tief berührten.
Jörg Konrad
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Samstag 16.03.2024
Theaterfabrik München: Hania Rani live in der Theaterfabrik
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Fotos: Thomas J. Krebs
Die polnische Pianistin, Komponistin und Sängerin Hania Rani versteht es, mit ihrem intuitiv freien und virtuosen Spiel die Zeit scheinbar zum Stillstand zu bringen. Sie studierte an der Fryderyk-Chopin-Universität für Musik in Warschau Klavier und gilt allgemein als „shooting star“ der Neoklassik Szene. Ihre Solo-Karriere begann 2019 mit dem Album „Esja“, dem ein Jahr später „Home“ folgte. Ihr drittes Solo-Album „Ghosts“ liegt nun vor, ist ein wenig mehr elektronisch als die Vorgängeralben und gleichzeitig Dreh- und Angelpunkt ihrer aktuellen Tournee. Wenn man ein wenig hinter die Fassade der Künstlerin schaut, ergeben sich vielfältige und spannende Momente, die es näher und differenzierter zu betrachten gilt. So verbindet Rani in ihrem Spiel anmutig pure, schöne Momente zu fesselnden Klangsäulen, entwickelt immer wieder aufblitzende Rhythmen, die nach einem vermeintlichen kurzen Eingrooven verschwinden, um sich in tranceartige minimalistische Melodien zu transformieren. Elektronik und Effekte werden dabei genutzt, stehen aber nie im Vordergrund oder stören, im Gegenteil: Rani nutzt diese Möglichkeiten, um ihren eigenen Sound zu kreieren - das macht sie und ihr Spiel einzigartig! Sie schafft damit intime Momente, die vom Publikum goutiert werden. Ein extra Dank von ihr an das aufmerksame Münchner Publikum, das sich im recht eigenen Ambiente der „Theaterfabrik“ ungemein konzentriert auf diesen besonderen Abend mit ihr einließ. Begleitet wurde sie von dem Multiinstrumentalisten Ziemowit Klimek, der mit Fingerspitzengefühl die von Rani erzeugte Atmosphäre mit Bass und Synthesizer bereicherte.

Aufgeteilt war der Abend in vier musikalische Blöcke: Er begann mit einem ersten Querschnitt durch ihr neues Album „Ghosts“. Nach dem atmosphärisch minimalistischen Opener „Oltre Terra“ folgten elektro-geprägt „24.03“, „Dancing with Ghosts“ - ein Dreh- und Angelstück ihres neuen Albums, gefolgt von „The Boat“, „Moans“ und „Hello“. Nach einer kurzen Ansage, Rani fühlt sich offensichtlich wohl und inspiriert vom Publikum, folgte der zweite Block des Abends, der die Zuhörer in Ranis virtuose Pianowelt entführte: „Don’t Break My Heart“, begleitet von fragilem Gesang, ging über in „Pale Blue Eyes“, um dann mit einem inspiriertem Piano solo und Improvisationen diesen Part zu beschließen. Es ging weiter mit „Thin Line“ und „Komeda“, vielseitig elektronisch gespickt, um den Abend mit „Dancing In The Dark“ zu beschließen. Als Zugaben gab es natürlich noch, lang ersehnt „Hawaii Oslo“ und das leicht schmerzliche „Leaving“, aber irgendwann geht auch der schönste Abend mal zu Ende.

Dynamisch bewegt sie sich, mal tanzt Rani rhythmisch an Synthesizern und Keyboards, sitzt dann wieder konzentriert am Flügel vor dem Mikrophon oder versinkt in ihrem Spiel am Klavier. Anmutig und authentisch entführt sie ihre Zuhörer in eine poetische Welt, ihren Klangkosmos, der bezaubert und betörend ist, alles um einen herum vergessen und darin eintauchen lässt. In den zwei Stunden des Konzerts nutzt Hania Rani die gesamte Bandbreite ihres sensiblen, musikalischen Spektrums, und es gibt am Ende des Abends nur einen Wunsch: sie so bald wie möglich wieder live erleben zu dürfen.
Text & Fotos: Thomas J. Krebs
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Sonntag 03.03.2024
München: Steve Coleman Five Elements – Volles Haus für ein Quartett
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Fotos: TJ Krebs
München. Steve Colemans Musik besitzt noch heute als Basis diese rhythmische Akkuratesse, die aus sich unablässig wiederholenden ungeraden Metren besteht; aus diesen leichten Verschiebungen von Taktphrasen, die als rotierendes, komplexes System ein grandioses Fundament bilden. Vieles klingt im ersten Moment vertraut und entpuppt sich dann doch als ein vertracktes rhythmisches Gebräu, aus Altem und Neuen, aus Struktur und Anarchie, aus Spirituellem und Archaischem.
Am Freitag präsentierte der aus Chicago, Illinois stammende Altist mit den Five Elements in der Münchner Unterfahrt sein höllisches Konglomerat, das ebenso den Intellekt reizt, wie es gnadenlos in die Beine zielt. Volles Haus für ein Quartett, das nicht müde wurde, verflochtene Rhythmen und differenzierte Grundstrukturen aufzubrechen, sie zu sortieren, neu zu ordnen, um anschließend in das nächste rhythmische Eldorado einzutauchen. Schwerstarbeit für Rich Brown am Bass und Sean Rickman am Schlagzeug, die die Zählzeiten jederzeit fest im Griff hatten, die ein groovendes Substrat als Startbahn und Landepiste für Colemans und Jonathan Finlaysons (Trompeten-)Solis ausheckten. Ausgeklügelte Improvisationen, ideenreich, an- und abschwellend, sich ergänzend – manchmal im Call-and-Response-Muster des Gospel.
Geboren 1956 begann Steve Colemans Karriere ausgerechnet in Deutschland, genauer in München. Denn hier erhielt er bei Stefan Winters gerade gegründeten Label JMT seinen ersten Plattenvertrag. 1985 erschien „Motherland Pulse“. Mit dabei damals die unvergleichliche Geri Allen am Klavier und in einem Titel war erstmals Sängerin Cassandra Wilson zu erleben.
Seitdem hat Coleman Aufnahmen in unterschiedlichster Größe und Zusammensetzung veröffentlicht. Vom Duo, über Trios bis hin zu Big Band Formationen. In der Unterfahrt nun also seine Five Elements als Quartett. Der Name Five Elements bezieht sich auf eine aus dem Kung Fu stammenden Schlagfolge und steht für Coleman als Beispiel für seine Auseinandersetzung mit historischen und philosophischen Themen alter Kulturen, auf die er wiederum durch die Beschäftigung mit der Musik John Coltranes kam.
Im erweiterten Sinn ist dies auch heute noch die Grundlage seiner Musik. In ihr treffen sich alte und neue Muster, hier füllen magische Inspirationen die geschickt konstruierten Räume aus. Zyklische Bassfiguren plus perkussiver Schläge/Wirbel/Triolen als Basis. Darüber: Die befreiende Wirkungsebene gelebter Humanität.
Jörg Konrad
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Donnerstag 29.02.2024
Fürstenfeld: The Jakob Manz Project – Von den Stühlen gerissen
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Fotos: Thomas J. Krebs
Fürstenfeld. Jakob Manz ist Jahrgang 2001 und kann als Saxophonist schon auf eine beeindruckende Karriere verweisen. Das erst vor wenigen Wochen erschienene „The Answer“ ist sein immerhin viertes(!) Album. Es enthält zehn Kompositionen - weder Jazz- noch Popstandards! Sein Label (Act) hat also ebenso Vertrauen in den jungen, aus dem kleinen Bad Urach in Baden-Württemberg stammenden Altisten.
Am Mittwoch flutete Manz mit seinem Project musikalisch den Kleinen Saal des Veranstaltungsforums in Fürstenfeld mit seiner Mischung aus rhythmischen Fusionzitaten, jeder Menge Groove, hymnischen Themen und einer Dynamik, die das Publikum regelrecht von den Stühlen riss. Manz klingt in seinen jungen Jahren schon wie ein ausgebuffter Geschichtenerzähler – mit enormem Verstand und Sinn für Humor und Dramaturgie. Zudem hat er eine Band von gleichgesinnten Gleichaltrigen um sich vereint, die genau um den Schwerpunkt seiner Ideen kreisen. Pianist Hannes Stollsteimer scheint im Funk und Rhythm & Blues ebenso bewandert, wie er seine Improvisationen beredsam und flink auf die Klaviatur bringt. Frieder Klein am Bass lässt die Saiten seines Instruments virtuos schwingen und schafft mit Schlagzeuger Leo Asal brandheiße, fundamentale Rhythmen, die lichterloh brennen und dem Ganzen einen brodelnden Rahmen geben.
Natürlich hinken Vergleiche. Wissen wir alle. Trotzdem leuchtet bei diesem Crossover-Feuerwerk ein Name temperamentvoll auf: David Sanborn, der Unverwüstliche. Und Manz sagt es selbst: „Wir sind mit Groove-Jazz groß geworden, mit Marcus Miller, David Sanborn oder den Brecker Brothers, das ist unsere DNA“. Mit Sicherheit nicht die schlechteste Referenz.
Mindestens wie Sanborn rast auch Jakob Manz die Skalen seines Instrumentes rauf und runter, beherrscht die Tonarten und hohen Schwierigkeitsgrade des Altsaxophonspiels, vermeidet mit seinen sprudelnden Ideen jede Form der Routine. Und auch Balladen liegen ihm, deren Spannungsbögen, Zeitverzögerungen und Verdichtungen. Es war schon ein mitreißendes Erlebnis, die musikalische Besessenheit dieser vier Ausnahmekünstler zu erleben. So jedenfalls braucht einem um die Zukunft des Jazz nicht bange werden.
Jörg Konrad
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Montag 26.02.2024
Landsberg: Feininger Trio - Rauschhaft
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Foto: Irène Zandel
Landsberg. Vor knapp zwei Jahrzehnten beschlossen Adrian Oetiker, Christoph Streuli und David Riniker gemeinsam zu musizieren. Und wie so häufig, wenn Musiker auf Augenhöhe zusammenkommen und eine künstlerische Idee in die Tat umsetzen, stand die Frage im Raum: Wie sollte sich das Trio nennen? Eine Entscheidung, an der schon manch entstehende Band wieder zerbrochen ist.
Oetiker (Klavier), Streuli (Violine) und Riniker (Violoncello) haben sich bei der Namensfindung auf den Maler, Grafiker und Karikaturisten Lyonel Charles Adrian Feininger bezogen und ihre Karriere kurzerhand als Feininger Trio eingeläutet. Seitdem nehmen sie von Presse und Publikum gefeierte Alben auf und touren erfolgreich durch die Welt. Am Sonntag gastierte das renommierte Trio im Landsberger Rathaussaal und gab, das darf an dieser Stelle wohl schon erwähnt werden, ein musikalisch berauschendes Konzert.
Auf dem Programm standen Komponisten aus drei Jahrhunderten. Den Anfang machte Franz Schubert (1797-1828) und sein stimmungsvolles „Notturno Opus posth. 148“. Man spricht auch, was diese Komposition betrifft, von einer Art „Nebenprodukt“ der beiden großen Klaviertrios Schuberts, die 1828 entstanden ist, aber erst 1848 veröffentlicht wurde. Das Feininger Trio interpretierte zurückhaltend, setzte deutlich auf die Form des Stückes, wobei das Spannungsfeld zwischen den einzelnen Instrumenten im Laufe des Stückes an Perfektion gewann.
Alexander von Zemlinskys (1871-1942) „Klaviertrio op. 3 d-moll“ war vielleicht schon der Höhepunkt des Abends. Der österreichische Komponist und Dirigent, ein Vertreter der Wiener Schule, ist eine Art stilistisches Scharnier zwischen Spätromantik und Neuer Musik. Entstanden ist das Stück 1896 für einen Wettbewerb, bei dem Johannes Brahms sozusagen Pate stand, und ist im Original ein Klarinettentrio, das Zemlinsky später umschrieb. Es lebt von furiosen Wechseln, von dramatisch Temperamentvollem, wie romantisch Emotionalem. Hier zeigte sich die ganze Professionalität und Finesse des Feininger Trios. Die unisono gespielten Themen, der furiose Variantenreichtum der einzelnen Stimmen, die rhythmischen Wechsel, das unablässige Ineinandergreifen der Instrumente. Bei allem Spiel blieb die dynamische Balance unter den drei Instrumentalisten immer erhalten.
Nach der Pause gab es dann „Apollon – sieben Miniaturen für Klaviertrio, op. 101“ der 1962 geborenen (und an diesem Abend anwesenden) griechischen Komponistin Konstantia Gourzi. Ein Stück voller klanglich unterschiedlicher Stimmungen, Spannungen und Motiven, wobei in sieben kurzen Stücken, die der Anzahl der Buchstaben des Namens Apollon entsprechen, eine Huldigung an das Licht zum Ausdruck kommt. Konstantia Gourzi hat diese Komposition dem Feininger Trio gewidmet.
Mit „A Song For Peace“ interpretierten Christoph Streuli und David Riniker als Duo noch ein weiteres Stück der Komponistin, welches einen sich annähernden Dialog musikalisch zum Inhalt hat.
Zum Abschluss des Abends Johannes Brahms (1833-1897) „Klaviertrio c-Moll op. 101“. Entstanden 1886 in Hofstetten bei Thun wurde schon vor Jahrzehnten behauptet, dieses Stück sei ein besseres Abbild von Johannes Brahms als jede Fotografie. Vielleicht kam ja in dieser Komposition besonders der Bezug zum Namensgeber Feininger zum Ausdruck. Die teilweise verspielten Motive wirkten klar und transparent, die Farbigkeit des Klanges atemberaubend und die einzelnen Strukturen souverän zum Licht ziehend. Insgesamt ein Musikabend für höchste Ansprüche.
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
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