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7. Landsberg: Angela Aux – Pfeifen statt klatschen
8. München Aubing: Startschuss: Bergson’s Rise - mit einem immersiven Party...
9. Landsberg: Der Herr Karl - Nicht nur ein österreichisches Phänomen
10. Fürstenfeld: Hessisches Staatsballett - Boléro / I'm afraid to forget you...
11. Fürstenfeld: Helge Lien Trio – Wie aus einem Guss
12. Landsberg: Concerto Melante
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Samstag 27.04.2024
Landsberg: Angela Aux – Pfeifen statt klatschen
Landsberg. Wer oder was ist Angela Aux? Musiker, Musikerin, Autor, Kunstfigur? Am Freitag stand Angela Aux, mit bürgerlichem Namen Florian Kreier, auf der Bühne des Landsberger Stadttheaters. Samt Band! Diesmal nicht maskiert und ohne Kleid und Maske. Trotzdem spielte hier jemand im schwachen Rampenlicht mit Identitäten und ganz persönlichen Befindlichkeiten, füllte Songs und Lücken mit Tagesthemen und Geisteswissenschaften - provozierte eher verhalten, wie nebenbei und half auf diese Weise dem Publikum auf die Sprünge.
Oder versteckte hier jemand sein persönliches Zentrum? Überspielte alles Private ostentativ? Lassen wir vielleicht die Frage offen und konzentrieren uns auf das Wesentliche: Im Mittelpunkt stand die Kunst. Alles andere war Nebensache. „Angela Aux ist ein Medium,“, erzählte Florian Kreier einmal in einem Interview, „das sich zwischen Musik und Literatur immer neue relevante Themen sucht, um in Performances und Songs und Texten anderen Menschen einige interessante Dinge dazu mitzugeben.
Auf jeden Fall machte Angela Aux Musik. Zumindest in Landsberg. Spielte, sang, performte (neudeutsch), Songs, die angelegt waren zwischen Pop und Underground, die ebenso melancholisch verkitscht daherkamen, wie sie in ihrer scheinbaren Einfachheit herausforderten und berührten. Songs die von Quantenmechanik handelten und von (Werner) Heisenberg, die sich mit (Friedrich) Nitzsche, Aliens und dem Alter Ego beschäftigten (immerhin ist AA studierter Politologe).
Irgendwo war einmal zu lesen, Angela Aux Musik klingt wie eine Art popmusikalisches Surfen zwischen Nick Drake und Velvet Underground. Vielleicht ja auch zwischen einem Donovan und David Sylvian? Ein Streetworker jedenfalls, wie es zum Beispiel Kevin Coyne musikalisch sein Leben lang war, ist Angela Aux mit Sicherheit nicht. Das was er spielte war nicht Rock'n Roll als Volksmusik. Er gab sich eher als der Lyriker, ein Walter von der Vogelweide des Pop. Verträumt und romantisch – dabei nicht unkritisch.
Die Provokation fand en detail statt, im kleinen, wenn das Publikum zum Beispiel aufgefordert wurde, nach den Songs eben nicht zu klatschen – sondern zu pfeifen. Konventionen in Frage stellen, sie im besten Fall ignorieren. Ist das authentisch? Auf jeden Fall hat es eine individuelle Note, diese Popmetamorphose, die am Ende das ästhetische Niveau auf ein neues, auf ein anderes Level hob.
Wie weit Florian Kreier in der Charakterisierung und im Umgang mit seinem eigenen Tun geht zeigt sich, dass er als Autor schon einmal eigene Alben gnadenlos verreißt. Ein Mensch mit Humor also? Auf jeden Fall mit Ironie, der sein eigenes Werk nicht allzu ernst zu nehmen scheint. Und trotzdem beschäftigt er sich mit existenziellen Fragen. Zum Beispiel: Wie mag es weitergehen mit der Menschheit? Nach eigenem Bekunden ist es leicht, Dystopien zu entwerfen. Gute Utopien gibt’s nur wenige – sie sind eine Herausforderung und weitaus lohnenswerter, als in Angst und Schock zu erstarren. Wie schön.
Jörg Konrad
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Montag 22.04.2024
München Aubing: Startschuss: Bergson’s Rise - mit einem immersiven Party-Konzert
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Lang erwartet, endlich da! Das Bergson Kunstkaftwerk im Münchner Westen öffnet offiziell seine Pforten. Eigentlich war dort in Aubing bereits zu Silvester eine große Sause mit der Jazzrausch Bigband geplant. Baulich bedingt wurde die Party dann aber kurzerhand in den Bergson Pop-Up Store am Münchner Marienplatz verlegt und dort gefeiert was das Zeug hielt. Unvergessen an dem Abend die Musiker in den Schaufenstern des ehemaligen Sport Münziger. Nun ist es soweit! Nach ein paar Housewarming Parties sowie einer Sneak-Preview gab es am Abend des 20. April endlich: Bergson’s Rise - das immersive Party-Konzert mit der Jazzrausch Bigband!

Das Warten hat sich gelohnt! Der Abend begann locker mit Drinks und Kleinigkeiten zum Essen, die sich im Übrigen auch preislich im zivilen Rahmen bewegten. DJ Lazy Kid besorgte das Warmup des Abends, bis Maximilian Maier, Programmdirektor des Bergson, eine kurze informative Einführung zu dieser einzigartigen Location gab. Das, was das Publikum an diesem Abend sehen und erleben wird ist erst der Anfang. Außer einer wunderbaren Bar und einem exklusiven Restaurant, wird im Bergson ab Mai in Kooperation die KÖNIG GALERIE drei unterschiedliche Ausstellungsflächen bespielen. Es folgt ein Live-Club, die „Barbastelle“ im Kellergeschoss und im Herbst, den Ankündigungen zufolge, ein für Deutschland einzigartiger, akustisch konzipierter Konzertsaal für 500 Besucher. Die künstlerische Leitung des Bergson liegt in den Händen von Posaunist Roman Sladek. Für weitere Sensationen ist also gesorgt..

Die Jazzrausch Bigband legte im Anschluss an die Begrüßung los mit einer sensationellen Performance im Herzstück des Bergson, dem 25m hohen Atrium. Dort in der Kesselhalle, wo in der Vergangenheit Kohle verbrannt wurde um Wärme zu erzeugen, heizten nun die Musiker mit einer vom Chefkomponisten Leonhard Kuhn für den Abend komponierten „Bergson-Suite“ ein. Das Licht wurde abgedunkelt, während taktische Taschenlampen mit Spots Fenster und Decken abtasteten. Die Rhythmusgruppe der Jazzrausch Big Band mit Leonhard Kuhn, Heinrich Wulff, Sam Hylton, Patricia Römer, Marco Dufner und Georg Stirnweiß, agierten auf einer Querbühne im Erdgeschoss, die Bläser der Band verteilten sich zu Beginn im Raum und bespielten das Bergson über die gesamte Halle verteilt. Eindrucksvoll inszeniert und soundtechnisch eine echte Herausforderung, die Josy Friebel, seit Beginn verantwortlich für den Sound der Big Band, locker im Griff hatte. Ein der Tat schwebendes Sounderlebnis, unglaublich direkt und sauber ausgepegelt. Die Jazzrausch Bläsersektion versammelte sich dann auf der 6m hohen umlaufenden Empore des Atriums mit Blickkontakt zum Rest der Band auf der Bühne. Die Solisten wurden von den Kollegen jeweils mit Spots beleuchtet, das Ganze ein großartiges Miteinander. Sichtlich beeindruckt von der Szenerie forderte das ausgelassen tanzende Publikum noch drei (!) Zugaben ein. Klassiker der Jazzrausch Big Band, ohne die kein Konzertabend zu Ende gehen darf: „Make Craft Perform“, „I Want To Be A Banana“ und „Moebius Strip“. Alles in allem ein gelungener Startschuss des Bergson. Im weiteren Verlauf des Abends legte DJ Lazy Kid weiter auf und sorgte in der Aftershow Party für gute Stimmung und einen immersiven, entspannten Abend. Auf viele weitere spannende Abende und Events im Bergson!
Text & Fotos Thomas J. Krebs
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Freitag 19.04.2024
Landsberg: Der Herr Karl - Nicht nur ein österreichisches Phänomen
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Foto: Barbara Pálffy
Landsberg. Über das Ein-Personen-Stück „Der Herr Karl“, das im Grunde ein Monolog ist, zu schreiben oder zu reden und Helmut Qualtinger nicht zu erwähnen, wäre so, als würde man über ein Festmahl referieren und dabei dessen Zutaten unterschlagen. Nicht nur, weil Qualtiger neben Carl Merz einer der Autoren dieser bitterbösen Real-Satire ist, sondern, weil die österreichische TV-Aufzeichnung „Der Herr Karl“ aus dem Jahr 1961 vielleicht bis heute das Maß aller Dinge ist. Letzteres hat sich wohl auch das Schubert Theater Wien und Nikolaus Habjan bei der Inszenierung (Simon Meusburger) des Stückes um 2010 gedacht aber manches, wie am Donnerstagabend im Landsberger Stadttheater zu erleben war, ein wenig modifiziert. Das Ergebnis hat jedoch nichts von seiner entlarvenden Aktualität und individuellen und verderbten Boshaftigkeit eingebüßt.
Die Handlung wurde kurzerhand aus dem Feinkostkeller der „Frau Chefin“ in ein Restaurant verlegt und der Monolog auf drei Personen verteilt: Eine gealterte Bardame, ein im Laufe des Abends sturzbetrunken werdender Gast und natürlich der Ober. Nikolaus Habjan schlüpft abwechselnd mit der Hand in diese lebensgroßen Puppentorsi und bringt sie zum Sprechen. Zwischendurch leiert das Grammophon bekannte Wiener Lieder, es wird getrunken und geraucht, gemault und genörgelt, gegrantelt und gemotzt – alles in typisch österreichischer Manier. Wehleidigkeit geht bei der Betrachtung des eigenen Lebens, gemeint ist die Zeit zwischen den 1920er Jahren und dem Ende des 2. Weltkriegs, Hand in Hand mit Opportunismus und Selbstmitleid. Man war immer mitten drin und ist doch stets Opfer gewesen. Der Trinker übernimmt den Part des sensationsheischenden Voyeurs und politischen Tausendsassas, die Diva spricht über ihre Habgier und Gleichgültigkeit und der Kellner schwelgt von „alten Zeiten“, als er noch fesch und begehrenswert war.
Der genial agierende und formulierende Habjan bringt die Puppen in Beziehung, liefert zwischen ihnen einen demaskierenden Schlagabtausch, baut das Publikum spontan und zur großen Freude desselben, mit seinem Hüsteln, klingelnden Handys und Lachen in das Stück mit ein und schafft so eine Atmosphäre von eifriger Bissigkeit und manchmal auch Schadenfreude.
Diese moralische Flexibilität in der Darstellung der bürgerlichen Seele, ist mit Sicherheit nicht nur ein österreichisches Phänomen. Trotzdem ist „Der Herr Karl“ ein mutiges Stück österreichischen Kulturguts, hat doch diese Form der Aufarbeitung der dunkelsten Geschichtskapitel durch Nestroy, Kraus oder von Horvath hier besonders Tradition. Ein Stück wie ein Spiegel. Aber mit welcher Erkenntnis?
Jörg Konrad
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Mittwoch 17.04.2024
Fürstenfeld: Hessisches Staatsballett - Boléro / I'm afraid to forget your smile
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Foto: Andreas Etter
Fürstenfeld. RavelsBolero“ ist eines der meist gespielten Stücke des Konzertrepertoires weltweit, war aber im Vorfeld als Ballettmusik gedacht und wurde entsprechend im November 1928 in Paris uraufgeführt. Ein Jahr später gab es dann in den USA die erste Konzertaufführung. Über sein populärstes Werk soll Maurice Ravel einmal zu Arthur Honegger gesagt haben: „Ich habe nur ein Meisterwerk geschrieben, das ist der „Boléro“, leider enthält er keine Musik.“ Die Komposition ist ein einsätziges Stück, gleichbleibend in Melodie, Harmonik und Rhythmik. Was sich ändert ist das Crescendo, das wirkungsvoll an Lautstärke gewinnt, bis es den ganzen Raum ausfüllt und tief berührt. Das Hessische Staatsballett hat diesen orchestralen Ohrwurm wieder zu dem gemacht, was er einst war: Zu einer Ballettmusik. Am Mittwoch gastierte das Ensemble mit diesem Stück, das eigentlich ein doppelter Boléro ist und bei dem die Choreographie von Eyal Dadon stammt, wiederholt in Fürstenfeld.
Der erste Teil des „Boléro“ gehört Solist Tatsuki Takada, der sich zu einer wie aus den Fugen geratenen Musik tänzerisch bewegt. Es ist klanglich eine Art Bolero-Torso, bruchstückhaft erweitert, minimiert, neu instrumentiert, was bei einem derart bekannten Stück sofort aufmerksam und unruhig macht. Es ist, als würde der Solist sich an diesem neuen „Boléro“ versuchen, ihn mit aufwühlenden, manchmal hyperaktiv wirkenden Bewegungen wieder in die „richtige“ Bahn zu lenken. Anschließend übernahm dann das große Ensemble und Ravels Bestseller beginnt von neuem, diesmal original gespielt (Tonaufnahme vom Staatsorchester Darmstadt). Das Solo wird zum Gruppentanz, der Egotripp zum Gruppenerlebnis.
Doch der zweifache Boléro kam nach der Pause. Begonnen hatte der Abend mit „I'm afraid to forget your smile“ („Ich habe Angst, dass ich Dein Lächeln vergesse“), einem tänzerischen Ausloten von Nähe und Distanz, von Liebe und Trauer, von Zuwendung und Abkehr. Unterlegt wurde dieses Tanzstück von choralartiger, sakral anmutender Musik, die von Ola Gjeilo, Jóhann Jóhannsson, David Lang, Arvo Pärt, Howard Skempton, Eric Whitacre und Charles Anthony Silvestri stammt und unter der Leitung von Ines Kaun zusammengebracht wurde. Sechs Tänzer des Ensembles bewegen sich im Solo, im Duo und als Gruppe, oft nur in minimalen Posen, zeitweise auch im Laufschritt den Raum durchmessend. Es entstehen berührende Szenen, atemberaubende Bilder, emotionale Kommunikationsversuche. Die hellen, durchscheinende Kostüme geben den Tänzern eine majestätische Aura, als wären sie aus Carrara-Marmor geschlagen, Puppen, die an Fäden Befindlichkeiten ausdrücken. Ein Blick ins Jenseits – oder in die Zukunft? Faszinierende Nachlässigkeiten im Umgang mit dem Körper, neben maniriertem Verhalten, Lustgewinn neben steifen Fresken. Hier wird die Spezies Mensch bildlich seziert und dekonstruiert. Und am Ende schaut man sinnbildlich auf die Kreise und die Pirouetten, auf den Irrgarten und die Abwegigkeit des Lebens. Begeisternd.
Jörg Konrad
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Donnerstag 11.04.2024
Fürstenfeld: Helge Lien Trio – Wie aus einem Guss
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Fotos: Thomas J. Krebs
Fürstenfeld: Das letzte Mal gastierte er 2019 im Landkreis. In Puchheim spielte Helge Lien im Duo, mit dem Gitarristen und Weissenborn-Spezialisten Knut Hem. Ungewöhnlich für den norwegischen Klavierspieler, der doch im Grunde bekannt für seine Trio-Formationen ist. Beide verarbeiteten damals im PUC afrikanische Einflüsse, Folkrock und Blues zu einer ganz eigenwilligen, inspirierenden wie faszinierenden musikalischen Mischung. Nun, fünf Jahre und eine Corona-Pandemie später, ist Lien wieder in der Gegend und machte am Mittwochabend in Fürstenfeld halt - diesmal im Trio.
Dem Status des Geheimtipps ist der heute 48jährige längst entwachsen. Seine Diskographie umfasst ein gutes Dutzend eigener Titel, wobei der Großteil bei Ozella Music, dem Label des deutschen Musikers, Produzenten und Komponisten Dagobert Böhm, erschien. Zudem wurde seine Musik mehrfach mit nationalen wie internationalen Preisen ausgezeichnet. Auch „Revisited“, sein vorletztes Album, aus dem ein Teil der Kompositionen am Mittwochabend stammte, wurde vom Publikum und von der Kritik bei Erscheinen gleichermaßen gefeiert.
Lien hatte mit seinen beiden Gefolgsleuten Johannes Eick am Bass und Knut Aalefjær am Schlagzeug sicht- und vor allem hörbaren Spaß am gemeinsamen Musizieren. Wie aus einem Guss agierte das Trio, mit Leidenschaft, Kunstfertigkeit und Brillanz. Dabei faszinierte speziell der ständige Wechsel an musikalischen Stimmungen und das traumwandlerische Einverständnis, mit der die Musiker weitab jeder Routine miteinander kommunizierten. Mal agierten die Drei in einer impressionistischen, an Tonpoeme erinnernden Spielweise, in ihrer melancholischen Flüchtigkeit auch immer Bezüge zu Chopin und Debussy aufzeigend. Dann jagte Lien wieder wieselflink über die schwarz-weiße-Tastatur, entwarf packende melodische Figuren, die er mit Hingabe umspielte und in immer neue jazzmusikalische Ausdrucksformen eindrang. Knut Aalefjær unterlegte die harmonischen, melodischen und improvisatorischen Strukturen mit regelrecht bebenden Rhythmen. Ein Netz von pulsierenden Breaks und Riffs, mehr groovend als klassisch swingend und ständige Taktwechsel fragmentarisch einbauend. Und das Besondere: Aalefjær trommelt nicht laut, sondern mit Besen, Broomsticks, Schlegeln und Händen eher dezent
Johannes Eick war derjenige, der die fliehenden Kräfte zusammenhielt, seinen Mitmusikern Halt und Richtung gab, erst die Grundlagen für die abenteuerlichsten Meriten, für die expressiven Minimalismen und konzentrierten Bewegungsfreiheiten schuf. Wer dieses beeindruckende Erlebnis nachempfinden möchte: Das Helge Lien Trio spielt heute Abend im Pullacher Bürgerhaus. Beginn des Konzertes: 20.00 Uhr.
Jörg Konrad
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Montag 18.03.2024
Landsberg: Concerto Melante
Landsberg. Es gehört heute fast schon zum Alltag, dass in der (abendländischen) Interpretationskunst von Renaissance und Barock mit historischen Instrumenten musiziert wird. Man kann mit Nachdruck behaupten, dass die sogenannte „Alte Musik“ regelrecht Konjunktur hat. Einer ihrer gegenwärtig engagiertesten Vertreter ist Raimar Orlovsky, Geiger bei den Berliner Philharmonikern und schon seit Mitte der 1990er Jahre zusätzlicher Motor im Fahrwasser der historischen Aufführungspraxis. 2008 gründete der bekennende Telemannfan sein Concerto Melante, ein kleines Orchester in wechselnden Besetzungen - das als Quartett am frühen Sonntagabend im Landsberger Rathaussaal gastierte.
Auf dem Programm standen ausgewiesene Barock-Komponisten, wie Georg Friedrich Händel (1685-1759), Domenico Scarlatti (1685-1757), Georg Philipp Telemann (1681-1767) und Johann Sebastian Bach (1685-1750), das natürlich auf die „Landsberg-Besetzung“ des Quartetts abgestimmt war. Zu hören waren die Berliner Philharmoniker Raimar Orlovsky und Philipp Bohnen an der Violine, der aus Brasilien stammende, heute in München lebende Cellist Anderson Fiorelli und der mit seinem Instrument, der Theorbo, herausragende Andreas Arend.
Orlovsky steht, wie einst der „Begründer“ der Alten Musik Nikolaus Harnoncourt, für die Überzeugung, dass nicht allein das historische Instrumentarium für eine adäquate Aufführungspraxis garantiere, sondern die geistige Auseinandersetzung mit den Komponisten und vor allem mit der Zeit, in der diese Musik entstanden ist. Nur so kommen die Interpretationen den Originalen nahe und vermitteln einen möglichst authentischen Bezug.
In unterschiedlichen Besetzungen, vom Solo, über das Duo, das Trio, bis hin zum Quartett, widmete sich das Concerto Melante seinen einzelnen Programmpunkten und präsentierte in dieser Vielseitigkeit ein reiches Spektrum an Klangmöglichkeiten. Die Vielfalt der Kompositionen erweiterte diese Bandbreite an Farbigkeit noch um einige Facetten. So ist der in Magdeburg geborene Georg Philipp Telemann bekannt für seine Einbindung von französischer, italienischer und polnischer Musizierweise in seinen Kompositionsstil.
Insofern beeindruckte seine Sonate in a-moll TWV 42:a5 stark, die einige wunderbar erfrischende Melodien aus der polnischen Volks- und Tanzmusik enthält. Telemann sammelte diese Inspirationen während seiner Zeit als Hofkapellmeister in Sorau und Reisen von dort nach Schlesien zu Beginn des 18. Jahrhunderts.
Ein anderer Höhepunkt des Abends war das Duo Anderson Fiorelli am Cello und Andreas Arend an der Theorbe. Sie interpretierten eine Sonate von Guiseppe Domenico Scarlatti in beeindruckender Geschlossenheit und lustvoller Hingabe. Das anschließende Solostück auf der Theorbe, auch Schalenhalslaute genannt, von Johann Sebastian Bach war eine Art stilles und trotzdem virtuoses Meisterwerk.
Mit konzentrierter Eleganz widmete sich das Streichtrio des Ensembles auch den „Auffrichtigen Anleitungen“ Bachs (BWV 787, 793 und 789), einigen dieser kurzen, dreistimmigen Übungsstücke des einstigen Leipziger Thomaskantors. Es sind kleine verspielte Meisterwerke in kontrapunktischer Kompositionsweise geschrieben, die in diesem Rahmen sowohl eine ansteckende Frische vermittelten, wie in ihrer Interpretationsweise auch tief berührten.
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
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