Paris in den 1930er Jahren. Als der kleine Charles für ein paar Münzen an einem Theaterstück mitwirkt, entdeckt er sein Talent für die Bühne und beschließt Sänger zu werden. Die Bedingungen dafür sind denkbar schlecht: Ohne Geld, als Sohn armenischer Einwanderer und mit einer
ungewöhnlichen Stimme glaubt niemand an seinen Erfolg. Von unbändigem Ehrgeiz getrieben, scheut Charles weder Mühe noch Risiko und als die Chanson-Ikone Edith Piaf auf ihn aufmerksam wird, scheint der Ruhm zum Greifen nahe. Doch ist er für seinen Traum bereit, die Menschen zurückzulassen, die er liebt?
Mit weit mehr als 1000 Liedern, die in unzähligen Sprachen interpretiert wurden, hat Charles Aznavour Generationen begeistert. Tahar Rahim (DER MAURETANIER) verkörpert den legendären Chansonnier in diesem beeindruckenden Biopic intensiv und authentisch mit all seinen Facetten.
Ein Film von EHDI IDIR & GRAND CORPS MALADE
Mit Tahar Rahim, Bastien Bouillon, Marie-Julie Baup, Camille Moutawakil u.a.
INTERVIEW MIT MEHDI IDIR & GRAND CORPS MALAD
IHR FILM IST SOWOHL EIN BIOPIC ALS AUCH EINE HOMMAGE, DIE VON BEWUNDERUNG GEPRÄGT IST, WIE AUCH DER TITEL „MONSIEUR AZNAVOUR“ ANDEUTET. WAS BEDEUTET CHARLES AZNAVOUR FÜR SIE? UND WELCHE ERINNERUNG HABEN SIE AN IHN?
Grand Corps Malade: Im „Monsieur“ unseres Titels, den wir nüchtern halten wollten, hört man die Größe dieser Persönlichkeit. Denn ja, Charles Aznavour war ein echter „Monsieur“. Als Autor, Komponist und Interpret mit einer internationalen und beständigen Karriere ist er vielleicht der größte Star des französischen Chansons. Ich bewundere ihn sehr als Künstler und als Mensch, den wir kennenlernen durften, mit dem ich die Ehre hatte, zu singen, und mit dem wir viel Zeit verbracht haben. Seine Energie hat uns getragen. Er war sehr lustig, liebte es kleine Scherze und Wortspiele zu machen. Er war ein guter Beobachter, neugierig auf alles und sehr aufmerksam gegenüber jungen Talenten, neuen Trends und Technologien; er interessierte sich für Rap, Slam ...
Mehdi Idir: ... sogar für Mode! Einfach alles! Er war auch ein respektvoller Mensch, der jeden siezte, außer die Leute, die er schon lange kannte. „Monsieur“ bezieht sich auch auf die französische Verankerung dieses Künstlers, der als Kind Geflüchteter in der ganzen Welt bekannt wurde; dieser Titel drängte sich für diesen Film auf, der hoffentlich international bekannt wird.
WIE REAGIERTE CHARLES AZNAVOUR, ALS ER VON IHREM PROJEKT HÖRTE?
Grand Corps Malade: Er befürwortete das Projekt und war unser bester Berater! Wir alle waren an demselben Ansatz interessiert: über seine ersten Erfolge, seine schwierigen Jahre und seine Zeit an der Seite von Edith Piaf zu berichten. Charles hätte sich sogar gewünscht, dass die Geschichte hier endet. Aber wir wollten auch von seinem Umschwung zum Erfolg erzählen, von seinem magischen Jahrzehnt in den 1960er Jahren, in dem er seine großen Hits schrieb, damit die Zuschauer auch das Vergnügen haben, sie zu hören.
Mehdi Idir: Charles hat unser Film LIEBER LEBEN sehr gut gefallen. Wie man im Film sieht, war er immer darauf bedacht, den Jüngeren eine Chance zu geben. Zufällig verstarb er an dem Tag, an dem wir uns alle verabredet hatten, um die Produktion von MONSIEUR AZNAVOUR zu starten. Wir legten das Projekt auf Eis, drehten LA VIE SCOLAIRE – SCHULALLTAG und kamen dann wieder darauf zurück.
WIE SIND SIE ANGESICHTS DES UMFANGREICHEN ARCHIVMATERIALS VORGEGANGEN, UM DAS DREHBUCH FAKTISCH ZU UNTERMAUERN?
Grand Corps Malade: Wir mussten alles lesen, angefangen bei seinen beiden Autobiografien und den journalistischen Werken, seine 1.200 Lieder anhören, alle Dokumentarfilme und Interviews ansehen und dann eine Auswahl treffen. Bei den Liedern wollten wir, dass man seine Klassiker,
aber auch weniger bekannte Titel zu hören bekommt. Wir hatten auch das Glück, Zugang zu seinen Archiven zu erhalten und mit seinen Verwandten und Mitarbeitern zu sprechen, die uns alle ihr Vertrauen geschenkt haben. Dann haben wir einen Zeitstrahl seines Lebens mit den wichtigsten Ereignissen erstellt.
Mehdi Idir: Die erste Version unseres Drehbuchs umfasste mehr als 200 Seiten, was einem vierstündigen Film entspricht! Wir mussten sowohl beim Schreiben als auch beim Schneiden kürzen, uns auf das Wesentliche seines Lebenslaufs konzentrieren und darauf achten, dass die Erzählung einen Rhythmus hat.
DIE BEZIEHUNG VON „MONSIEUR AZNAVOUR“ ZU ZEIT UND RAUM IST VIEL UMFASSENDER ALS DIE VON „LIEBER LEBEN“ UND „LA VIE SCOLAIRE – SCHULALLTAG“. WIE HABEN SIE DIE STRUKTUR AUFGEBAUT UND ENTSCHIEDEN, WAS AUSGELASSEN WIRD?
Mehdi Idir: Als wir die Zeitachse von Aznavours Leben erstellten, ergab sich sofort eine Strukturierung in fünf Kapitel. Wir wussten zudem, dass wir über ein Budget verfügten, das es uns erlaubte, insbesondere bei den Kulissen großzügig zu sein. Die Fülle, die im Bild zu sehen ist, spiegelt den Reichtum wider, der in Aznavours Leben herrscht. Unsere ersten beiden Filme waren eher einfach gestrickt, und dieser Film erlaubte es uns, auf allen Gestaltungsebenen ein wenig größer zu denken.
Grand Corps Malade: Die Kapiteleinteilung ermöglichte es uns, mit Auslassungen umzugehen, und den Zuschauer so nicht zu verlieren. Uns gefiel auch die Idee, jedes Kapitel nach dem Titel eines seiner Lieder zu benennen, um zu zeigen, wie sehr sie von seinem Leben geprägt sind. Das erste heißt „Les Deux Guitares“, das er natürlich als Erwachsener schrieb, das aber von seiner Kindheit erzählt. Dasselbe gilt für „La Bohème“, das er in den 1960er Jahren schrieb und das seine Jugend beschreibt.
Mehdi Idir: Wir haben auch festgestellt, dass alle seine ikonischen Lieder erst entstanden sind, als er erfolgreich war. Daher auch der Wunsch, die Erzählung nicht auf seine schwierigen Jahre zu beschränken, sondern die Episoden seines Lebens mit dem Schreiben seiner Lieder zu verflechten, die so persönlich sind, dass sie schließlich auf ein universelles Echo stoßen.
BEHARRLICHKEIT, MUT UND SELBSTVERTRAUEN SIND THEMEN, DIE SICH DURCH ALLE IHRE FILME ZIEHEN. HIER BETONEN SIE DIE HEROISCHE ART UND WEISE, MIT DER CHARLES AZNAVOUR HINDERNISSE UND DEMÜTIGUNGEN ÜBERWUNDEN HAT ...
Grand Corps Malade: Wenn man sich mit dem Werdegang von Charles Aznavour beschäftigt, kommt man nicht umhin, diese außergewöhnliche Willenskraft zu bemerken ? die man zugegebenermaßen auch bei einigen unserer Figuren in LIEBER LEBEN oder bei den Ersteinstellungsverträgen in LA VIE SCOLAIRE – SCHULALLTAG wiederfindet. Charles war der Sohn von Staatenlosen, lebte in Armut, war nicht besonders groß und hatte eine heisere Stimme, und trotz dieser Benachteiligungen ging er in die Geschichte des französischen Chansons ein. Er hat es verstanden, verschlossene Türen einzutreten, die harsche Kritik an ihm zu ignorieren, die rassistischen Äußerungen, denen er ausgesetzt war ? man kann sich nicht vorstellen, welche Bezeichnungen in der Presse an ihn gerichtet wurden, es war sehr heftig! Sogar seine Augenbrauen wurden verspottet!
Mehdi Idir: Als Mensch und Künstler ist Charles Aznavour ein Beispiel für Hartnäckigkeit. Wir haben den Eindruck, dass wir große Arbeitstiere sind, aber wenn man sich für ihn interessiert, möchte man sich noch mehr anstrengen, um es noch besser zu machen. Und gleichzeitig taucht
immer wieder die Frage nach der Aufmerksamkeit für seine Familie auf, die er oft zugunsten seiner Kunst vernachlässigt hat. Der Film stellt auch die Frage, was im Leben Priorität hat.
IHR LIED „LE SENS DE LA FAMILLE“, GRAND CORPS MALADE, SPIEGELT DIESEN ASPEKT DES CHARAKTERS WIDER.
Grand Corps Malade: Ich beantworte diese Frage in der Tat anders als Charles. Aber der Film, so hoffe ich, ermöglicht es, seine Opfer, seinen immensen Arbeitseinsatz ? man weiß, dass er siebzehn Stunden am Tag arbeitete ? zu verstehen und fördert die Empathie für ihn, insbesondere durch das Spiel von Tahar Rahim. Charles wusste, was er wollte. Seine Ziele als Künstler zu erreichen, kostete ihn viel und distanzierte ihn oft von seinen Angehörigen, was ihn jedoch nicht daran hinderte, zu allen sehr großzügig zu sein.
Mehdi Idir: Im Leben von Charles Aznavour gibt es zwangsläufig etwas, das in uns widerhallt. Wir haben auch Mut gebraucht, um Filme zu machen, obwohl uns niemand auf dem Gebiet des Kinofilms erwartet hat. Die Dialoge und Situationen des Films sind mit einem Augenzwinkern auf unsere persönlichen Existenzen gespickt. Um Charles' Beziehungen zu seiner Familie oder und zu Pierre Roche zu beschreiben, ließen wir uns von Erfahrungen mit unseren Verwandten inspirieren. Wir stellten fest, dass wir uns in vielen Punkten ähnelten, z. B. In der leidenschaftlichen oder obsessiven Seite.
Grand Corps Malade: Wir sind Charles' Leben natürlich sehr treu geblieben, aber durch bestimmte Situationen projizierten wir uns zwangsläufig selbst. Die Hälfte des Films handelt von zwei Kumpels, die einen Beruf entdecken und mit dem Fahrrad in Cafés singen gehen.
IN DEN ERSTEN SZENEN ZEIGEN SIE DIE FREUDE, DIE IN DER FAMILIE AZNAVOURIAN VORHERRSCHT, UND VERWEBEN EINE PARTYSEQUENZ MIT ARCHIVAUFNAHMEN, DIE VOM ARMENISCHEN EXIL ERZÄHLEN. DIESES GEFLECHT ERZEUGT EINEN EMOTIONALEN KONTRAST.
Grand Corps Malade: Die stets präsente Fröhlichkeit, ist eine Tatsache, die in den biografischen Schriften über Aznavour erwähnt wird. Für uns war es wichtig, die Tanzszene mit einem dramatischen Exodus-Archiv zu parallelisieren. Es erzählt von dem Lebensmut dieser Familie und der Persönlichkeit von Aznavours Eltern, die ihnen half, das Schlimmste zu überwinden. Sein Vater war ein äußerst fröhlicher Mann, der ständig sang. In ihrem Haus wurde oft gefeiert. Charles wuchs in diesem Umfeld auf, in dem die Freude dem Elend den Rang ablief.
Mehdi Idir: Schon im Drehbuch stand, dass wir Bilder vom Völkermord an den Armeniern verwenden wollten, aber wir waren uns sicher, dass wir keine finden würden. Dokumentarfilmer wurden mit der Suche beauftragt und kamen mit unveröffentlichtem Material aus der ganzen Welt
zurück. Beim Schnitt verwendeten wir auch Archivmaterial, das uns von Aznavours Familie zur Verfügung gestellt wurde. Charles hatte sein ganzes Leben lang aus Spaß gefilmt ? seine erste Kamera hatte er 1948 von Edith Piaf geschenkt bekommen ? und wir verfügten so über
stundenlanges Filmmaterial, das er gedreht hatte. Aus diesen Aufnahmen entstand der Dokumentarfilm „Le Regard de Charles“, der von seinem Wunsch, alles zu filmen, erzählt.
ES GIBT NOCH ANDERE KONTRASTE IM FILM, WIE ZUM BEISPIEL DEN ZWISCHEN DER OFT ÜBERLADENEN UMGEBUNG VON CHARLES AZNAVOUR UND SEINEM RÜCKZUG ZU SICH SELBST, DER SICH IMMER EINSAMER ANFÜHLT.
Mehdi Idir: Ab dem Moment, in dem Charles das Schreiben entdeckt, findet ein Umschwung statt. Er ist wie ein Superheld, der sich seiner Macht bewusst wird. Von da an taucht er so sehr in seine Welt ein, dass er seine Umgebung vergisst. Ich muss zugeben, dass ich mich in diesem Verhalten sehr wiedergefunden habe.
Grand Corps Malade: Diese Einsamkeit hängt auch mit seiner ständigen Suche zusammen, die wir nachvollziehen wollten. Auch Tahar Rahim hat versucht, diese dunklere Seite des Charakters zu ergründen und hat uns viel zu diesem Aspekt befragt. Auf dieser Suche konnte Charles niemand folgen, nicht Pierre Roche, nicht Edith Piaf, nicht einmal seine Familie.
Mehdi Idir: Es erzählt auch davon, dass nichts im Leben festgeschrieben ist. Man kann begleitet werden und dann allein sein oder umgekehrt. Sein Leben besteht aus Kontrasten. Der einzige Mensch, der dauerhaft an seiner Seite bleibt, ist seine Schwester. Die beiden standen sich extrem nahe und als Kinder wurden sie sogar für Zwillinge gehalten. Die Beziehung zu seiner Schwester ist der rote Faden des Films, der ihn eröffnet und abschließt.
IE GEBEN DER FIGUR DES PIERRE ROCHE, DIE HEUTE NUR NOCH WENIGEN BEKANNT IST, VIEL RAUM.
Mehdi Idir: Wir lieben diesen Charakter, der eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Charles gespielt hat. Bastien Bouillon ist über sich hinausgewachsen. In seiner Stimme, seinen Gesten und seiner Körperhaltung ist er der Pierre Roche unserer Träume.
Grand Corps Malade: Er ist auch eine Figur, die es ermöglicht, in das Drama einen Hauch von Komik einzubringen, was allen unseren Filmen eigen ist. Vor allem seine Vorliebe für Frauen bringt einen zum Schmunzeln.
IN EINER SEHR SCHÖNEN SZENE ZEIGEN SIE, WIE CHARLES AZNAVOUR EINEM TRAVESTIE-KÜNSTLER BEIM SINGEN ZUSIEHT. DAS IST DIE GEBURTSSTUNDE DES LIEDES „COMME ILS DISENT“.
Grand Corps Malade: Charles Aznavour beobachtete die Menschen und war in der Lage, Details zu erkennen, die er universell nutzbar machen konnte. Die Stärke von „Comme ils disent“ liegt darin, dass er über Homosexualität spricht, indem er die Geschichte eines Mannes erzählt. Charles war einer der ersten, der einen Chanson über dieses Thema schrieb, und dieses Lied sorgte später für Diskussionen. Viele seiner Texte handeln von der Liebe, und jedes Mal findet er einen Winkel, ein Detail, das er hervorhebt, die oft sehr berührend sind.
Mehdi Idir: Je mehr er an diesem Sinn für Details arbeitete, desto näher fühlten sich die Menschen ihm. Er war sehr gut darin, die Realität zu beschreiben. Er konnte „ich“ sagen, seinen Texten Substanz verleihen und die Herzen von Menschen auf der ganzen Welt berühren. Dies rührte von seiner scharfen Beobachtungsgabe her.
ABGESEHEN VON DEN DREHARBEITEN ZU FRANÇOIS TRUFFAUTS „SCHIESSEN SIE AUF DEN PIANISTEN“ ZEIGEN SIE SEINE ARBEIT FÜR DAS KINO NICHT.
Mehdi Idir: Charles Aznavour hat in etwa 50 Filmen mitgewirkt, aber bei der Dichte all dessen, was wir erzählen wollten, mussten wir uns festlegen und zusammenfassen. SCHIESSEN SIE AUF DEN PIANISTEN ist der bekannteste Film mit ihm. Diese Szene ist ein kleiner Fingerzeig, denn Truffaut verkörpert hier das Kino auf symbolische Weise.
WAR TAHAR RAHIM VON ANFANG AN IHR FAVORIT FÜR DIE ROLLE DES CHARLES
AZNAVOUR?
Mehdi Idir: Wir haben früh mit der Arbeit am Casting begonnen, da es viele Rollen zu besetzen gab und wir Schauspielerinnen und Schauspieler finden mussten, die echten Menschen körperlich ähnelten. David Bertrand, unser Casting-Director, flüsterte uns die Idee von Tahar Rahim ein, mit dem wir übrigens eng befreundet sind. Tahar schaute uns zunächst entgeistert an. Er sah sich dann aber tagelang Dokumentarfilme und Interviews an, und rief uns zurück, um uns mitzuteilen, dass er glaube, die richtige Stimme zu finden, und dass er dabei sei. Dann war da noch die Frage des Alters. Wir führten für die ersten Szenen Verjüngungstests durch, die sehr gut funktionierten. Tahar nahm sofort Gesangs-, Tanz- und Klavierunterricht, um der Figur so gerecht wie möglich zu werden. Wir ließen ihn jeden Schritt des Drehbuchs lesen und besprachen mit ihm jede Szene. Es war das erste Mal, dass er und wir auf diese Weise arbeiteten. Tahar schlug uns bestimmte Spielweisen vor, die die Farbe unserer Szenen beeinflussten. So gingen wir Hand in Hand voran.
Grand Corps Malade: Tahar hat sowohl Talent als auch eine chamäleonartige Seite, die ideal für diese Rolle ist und die wir zum Beispiel in der Serie „Die Schlange“ beobachten konnten. Wir wussten, dass er auf der Leinwand nicht wiederzuerkennen sein kann, dass er seine Sprache und seine Gestik verändern kann. Nur wenige Schauspieler sind in der Lage, sich selbst so sehr zu vergessen, um eine Figur zu verkörpern. Seine Leistung´war beeindruckend: Tahar sprach vor den Dreharbeiten monatelang wie Aznavour, nonstop, auch mit seiner Familie und seinen Freunden! Er hat der Figur Menschlichkeit verliehen und sie liebenswert gemacht, selbst wenn er seine Familie vernachlässigt, denn Tahar hat sie mit all ihren Fehlern und ihrer Zerbrechlichkeit verkörpert.
WIE HABEN SIE SICH DIE WEITERE BESETZUNG
VORGESTELLT?
Mehdi Idir: Neben Tahar Rahim und Bastien Bouillon, von dem wir bereits gesagt haben, wie ideal er für die Rolle des Pierre Roche ist, suchten wir nach weiteren professionellen Schauspielern, die noch etwas unbekannter waren. Wir haben ein langes Casting durchgeführt, um diese namhaften Rollen zu finden.
Grand Corps Malade: In der Rolle der Edith Piaf hat uns Marie-Julie Baup beeindruckt. Wir hatten sie in ihrem Theaterstück „Oublie-moi“ spielen sehen. Die Herausforderung war groß: Sie musste aus dem Schatten von Marion Cotillard treten, und sie schaffte es, die Piaf auf ihre Weise zu
interpretieren, ohne sie zu karikieren. Sie konnte ihr auch den Humor verleihen, der sie auszeichnete, denn Charles erzählte, dass sie immer einen Witz machte. Marie-Julie konnte die Kontraste von Piaf einfangen, die in der Lage war, mit ein und demselben Wort eine Ohrfeige zu geben und eine Liebkosung auszusprechen. Camille Moutawakil, die Aznavours Schwester Aïda spielte, war eine glückliche Entdeckung. Sie verlieh der Figur einer kühnen Frau, die vor nichts Angst hatte und ihren Bruder sehr liebte, eine besondere Note.
Mehdi Idir: Für die Familie war es uns wichtig, Schauspieler mit armenischer Herkunft zu finden. Diese Gemeinschaft musste im Film präsent sein, vor allem im Hinblick darauf, dass Charles mit Tahar Rahim von einem algerischstämmigen Schauspieler verkörpert wurde.










































