Es gibt kaum jemanden, den ein perfekter Sternenhimmel nicht fasziniert. Wenn die Bedingungen stimmen und keine künstlichen Lichtquellen den Blick zum Himmelszelt trüben, ist die Faszination am größten. Hat man dann sogar noch die Möglichkeit, durch das Okular eines Linsenfernrohrs oder eines Spiegelteleskops zu schauen, ist das Erstaunen ungleich größer. Plötzlich werden Dinge sichtbar, die das bloße Auge nicht erfassen kann und eine völlig neue Welt öffnet sich dem Beobachter. Da ist natürlich der Wunsch, genau dieses Bild auch fotografisch festzuhalten, gut nachvollziehbar. Dies ist heute mit modernen, größtenteils auch computergesteuerten Teleskopen gut möglich. Dabei wird die Rotation der Erde um ihre Achse durch einen speziellen Rechner auf die Motoren der Teleskop-Montierung weitergeleitet. Diese ermöglichen dann durch ihre, für das menschliche Auge kaum wahrnehmbaren Nachführungen einen so präzisen Ausgleich der Erdbewegung, dass von ambitionierten Amateuren erstaunliche Bilder angefertigt werden können.
Ein gutes Beispiel dafür ist der in der Nähe von Halberstadt lebende Amateurastronom Christoph Ehritt. Wenn es die Zeit zulässt, justiert er sein Spiegelteleskop im heimischen Garten und lässt automatisch das ankommende Licht eines bestimmten Objektes auf einer CCD Kamera speichern. Die einzelnen Belichtungen von je 3 bis 10 Minuten können sich dabei über viele Stunden in der Nacht hinziehen. Doch damit ist die Arbeit noch lange nicht getan, denn es folgt ein aufwändiger Prozess der Nachbearbeitung. Am wichtigsten ist dabei das sogenannte Stacking. Dabei werden viele Einzelbilder unter Verwendung einer speziellen Software im Sandwich-Verfahren genau übereinandergelegt, um so immer mehr Details sichtbar machen zu können.
Am Ende sind nach langer Arbeit mit einer speziellen Software die Bilder so weit bearbeitet worden, dass feinste Details deutlich werden.
Im Folgenden sollen nun einige der schönsten Aufnahmen aus seinem Fundus vorgestellt werden, die im Vorharzgebiet in Wegeleben bei Halberstadt entstanden sind. Der Ort verfügt über gute Verhältnisse für die Sternfeldfotografie, da es hier recht wenig Streulicht gibt.
Zunächst geht es um eine Aufnahme, die im vergangen Jahr entstand. Es ist Teil des 1786 von Wilhelm Herschel (1738-1822) entdeckten Nordamerikanebels, der aufgrund seiner Ähnlichkeit mit diesem Teilkontinent so benannt wird.
Der von Christoph Ehritt beobachtete Teilausschnitt, der in Fachkreisen als „The Wall“ bezeichnet wird, ist ein diffuser Gasnebel mit der externen Bezeichnung NGC 7000 und befindet sich im Sternbild Schwan.
Er besteht größtenteils aus Wasserstoff und ist rund 2500 Lichtjahre von der Erde entfernt. Der Grund für das auffällige Leuchten ist die Ionisation durch den Stern 2MASS J02551.25+435224.6. Nach insgesamt 34 Stunden Gesamtbelichtungszeit begann die aufwändige Nachbearbeitung, die in diesem Fall die Strukturen der Gasschleier besonders fein herausheben konnte (Bild 1).
Im darauffolgenden Bild ist NGC 2264 zu sehen (Bild 2). Der sogenannte Konusnebel zeichnet sich vor allem durch die schnabelartige Struktur am rechten Bildrand aus, die an einen Konus erinnert. 1784 ebenfalls von Herschel entdeckt, ist das Objekt aus dem Sternbild Einhorn ein typisches Beispiel dafür, wie nah eine Dunkelwolke, ein offener Sternhaufen und ein Gebiet aus ionisiertem Wasserstoff beieinander liegen können.
Das letzte Bild (4) zeigt erneut, wie durch enormen Fleiß und Ausdauer auch von Amateuren großartige Himmelsfotografien angefertigt werden können. Zu sehen ist die Nummer 51 aus dem Katalog der Galaxien von Charles Messier (1730-1817). Der französische Astronom hatte das Objekt erstmals am 13.Oktober 1773 beobachtet. Die sogenannte Whirlpool-Galaxie aus dem Sternbild Jagdhunde ist ein sehr schönes Beispiel für die Interaktion von zwei Welteninseln. Neben der Hauptgalaxie mit ihren deutlich ausgeprägten Spiralarmen ist eine kleine, irreguläre Begleitgalaxie zu erkennen. Zoomt man sich in das Bild weiter hinein, wird deutlich, dass einer der Spiralarme bis in den Begleiter herüberreicht. 24 Millionen Jahre war das Licht dieser fernen Milchstraßen unterwegs, bevor es auf die CCD-Kamera des Amateurastronomen Christoph Ehritt traf. Er hat sie mit einem 25 cm Spiegelteleskop (Brennweite von 1250mm) gekoppelt. Übrigens entstanden auch alle anderen Bilder mit dieser Gerätekombination.
Wer sich an weiteren Bildern dieser Art erfreuen möchte, dem kann gesagt werden, dass in den folgenden Wochen noch einige dieser spektakulären Aufnahmen an dieser Stelle veröffentlicht werden.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
Abbildungen:
Bild 1: Nordamerikanebel
Bild 2: Konusnebel
Bild 3: Entennebel
Bild 4: Whirlpool Galaxie
























