Woche des Buches & Urlaubslektüre (1)
„Niemand wird Amerika je gänzlich kennen, denke ich, da niemand je Gatsby kannte“. Das sagte einst Jack Kerouac, der Pionier der Beat-Generation und die literarische Symbolfigur der amerikanischen Gegenkultur über den titelgebenden Protagonisten in Francis Scott Fitzgeralds bekanntesten Roman. Interessant ist diesbezüglich auch, dass Kerouac 1922 geboren wurde - „Der große Gatsby“ erschien drei Jahre später.
Bis heute hat sich an dieser etwas mystischen wie faszinierenden Einschätzung nur wenig geändert. Das Geheimnisvolle, das Ungefähre, gepaart mit einer gewissen Dekadenz und einem Hang zum aufschneidenden Snobismus beschäftigt Leser und Literaturwissenschaft bis heute gleichermaßen - zumal die Bezüge zu aktuellen Geschehnissen in (der amerikanischen) Politik und Gesellschaft nicht offensichtlicher ausfallen könnten.
Auch deshalb ist es nur zu begrüßen, dass der Manesse Verlag den Roman in einer (ausgezeichneten) Neuübersetzung (von Bernhard Robben) zum 100. Jubiläum seines Erscheinens veröffentlicht.
„Der große Gatsby“ ist eine Geschichte, die auf gerade einmal 175 Seiten von einem Nick Carraway erzählt wird. Dieser wohnt auf Long Island, gegenüber einem riesigen Anwesen, in dem eben jener Jay Gatsby lebt. Ein Mensch, der sich im Überfluss eingerichtet hat, von dem jedoch niemand weiß, woher sein scheinbar riesiges Vermögen stammt. Weder Daisy Buchanan, die Gatsby einst liebte und die er zurückerobern will, noch deren brutaler wie gewissenlos agierender Ehemann Tom Buchanan. Auch nicht Jordan Baker, Daisys beste Freundin, die sich im Dunstkreis Gatsbys aufhält und sich mit Nick in einer Beziehung befindet.
Fitzgerald entwirft eine ganz besondere, magische wie undurchsichtige Atmosphäre in der Beschreibung der Dynamik zwischen diesen handelnden Personen. Im Mittelpunkt der Erzählung steht immer jener Gatsby, auch dann, wenn er körperlich nicht anwesend ist. Jede Woche gibt es in seinem Anwesen riesige Partys, auf denen sich die New Yorker Gesellschaft trifft und bei denen er nicht immer anwesend ist. Und stets wird gerätselt, womit Gatsby seinen Reichtum angehäuft hat. Schmuggelt er vielleicht Alkohol - es ist die Zeit der Prohibition in den USA; oder hat er ein Gewaltverbrechen begangen, um sich ein Vermögen anzueignen? Ist er vielleicht ein Selfmade-Millionär, oder doch nur ein durchtriebener Hochstapler?
Fitzgerald erzählt diese an sich spannende Geschichte mit eleganter Distanz, baut seinen Text um das uramerikanische Klischee auf - vom Tellerwäscher zum Millionär, was ja letztendlich auch für seine Biographie zutrifft. Und er war überzeugt von seinem Text, und meinte kurz vor Abschluss des Manuskriptes gegenüber einem Freund: „Ich glaube, mein Roman wird der beste amerikanische Roman sein, der je geschrieben wurde“. Doch „Der große Gatsby“ wurde von der Kritik und der Leserschaft bei Erscheinen nicht angenommen. Als Fitzgerald 1940 starb war er fast vergessen und kaum jemand kaufte noch seine Bücher. Einige Jahre später wurde der Roman wiederentdeckt und in den Kanon der US-amerikanischen Romanliteratur aufgenommen.
Jörg Konrad
Bis heute hat sich an dieser etwas mystischen wie faszinierenden Einschätzung nur wenig geändert. Das Geheimnisvolle, das Ungefähre, gepaart mit einer gewissen Dekadenz und einem Hang zum aufschneidenden Snobismus beschäftigt Leser und Literaturwissenschaft bis heute gleichermaßen - zumal die Bezüge zu aktuellen Geschehnissen in (der amerikanischen) Politik und Gesellschaft nicht offensichtlicher ausfallen könnten.
Auch deshalb ist es nur zu begrüßen, dass der Manesse Verlag den Roman in einer (ausgezeichneten) Neuübersetzung (von Bernhard Robben) zum 100. Jubiläum seines Erscheinens veröffentlicht.
„Der große Gatsby“ ist eine Geschichte, die auf gerade einmal 175 Seiten von einem Nick Carraway erzählt wird. Dieser wohnt auf Long Island, gegenüber einem riesigen Anwesen, in dem eben jener Jay Gatsby lebt. Ein Mensch, der sich im Überfluss eingerichtet hat, von dem jedoch niemand weiß, woher sein scheinbar riesiges Vermögen stammt. Weder Daisy Buchanan, die Gatsby einst liebte und die er zurückerobern will, noch deren brutaler wie gewissenlos agierender Ehemann Tom Buchanan. Auch nicht Jordan Baker, Daisys beste Freundin, die sich im Dunstkreis Gatsbys aufhält und sich mit Nick in einer Beziehung befindet.
Fitzgerald entwirft eine ganz besondere, magische wie undurchsichtige Atmosphäre in der Beschreibung der Dynamik zwischen diesen handelnden Personen. Im Mittelpunkt der Erzählung steht immer jener Gatsby, auch dann, wenn er körperlich nicht anwesend ist. Jede Woche gibt es in seinem Anwesen riesige Partys, auf denen sich die New Yorker Gesellschaft trifft und bei denen er nicht immer anwesend ist. Und stets wird gerätselt, womit Gatsby seinen Reichtum angehäuft hat. Schmuggelt er vielleicht Alkohol - es ist die Zeit der Prohibition in den USA; oder hat er ein Gewaltverbrechen begangen, um sich ein Vermögen anzueignen? Ist er vielleicht ein Selfmade-Millionär, oder doch nur ein durchtriebener Hochstapler?
Fitzgerald erzählt diese an sich spannende Geschichte mit eleganter Distanz, baut seinen Text um das uramerikanische Klischee auf - vom Tellerwäscher zum Millionär, was ja letztendlich auch für seine Biographie zutrifft. Und er war überzeugt von seinem Text, und meinte kurz vor Abschluss des Manuskriptes gegenüber einem Freund: „Ich glaube, mein Roman wird der beste amerikanische Roman sein, der je geschrieben wurde“. Doch „Der große Gatsby“ wurde von der Kritik und der Leserschaft bei Erscheinen nicht angenommen. Als Fitzgerald 1940 starb war er fast vergessen und kaum jemand kaufte noch seine Bücher. Einige Jahre später wurde der Roman wiederentdeckt und in den Kanon der US-amerikanischen Romanliteratur aufgenommen.
Jörg Konrad
F. Scott Fitzgerald
„Der große Gatsby“
Manesse
„Der große Gatsby“
Manesse























