Woche des Buches oder Urlaubslektüre (4)
Unter dem Motto „Wider den undeutschen Geist“ fand am 10. Mai 1933 in Deutschland die Bücherverbrennung unter der Regide der NSDAP statt. Bei diesem kulturverbrecherischen Akt wurden Werke von über 250 Autoren vernichtet und sie damit einer Art Lynchjustiz preis gegeben. Daraus folgend fand die erste große Auswanderungswelle von Schriftstellern in Deutschland statt.
Zugleich ist dieses Datum der Beginn der sogenannten Exilliteratur. Autoren schrieben ihre literarische Texte im Ausland, verlegten diese in eigens gegründeten Exil-Zeitschriften und Exil-Verlagen. Anfangs in Ländern wie Österreich, Frankreich oder den Niederlanden, bis diese nicht mehr sicher waren. Viele Autoren emigrierten weiter in die Sowjetunion, die USA oder nach Mexiko.
Auch Konrad Merz, geboren am 02. April 1908 in Berlin, flüchtete nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in die Niederlande, da er während seines Jurastudiums 1934 aus rassistischen Gründen exmatrikuliert und von den Nazis verfolgt wurde.
Er schrieb und veröffentlichte erste Texte für die in Paris erscheinende Exil-Zeitung „Das Neue Tage-Buch“ und verfasste zwei Jahre später seinen ersten Roman „Ein Mensch fällt aus Deutschland“, der im Amsterdamer Exil-Verlag Querido erschien.
Konrad Merz, der mit bürgerlichem Namen Kurt Lehmann hieß (er hatte sich dieses Pseudonym zugelegt, um seine noch in Berlin lebende Mutter zu schützen), verarbeitete in diesem Buch seine Biographie. Es ist ein Mosaik aus Erinnerungen, Erlebnissen, Emotionen, sozusagen ein Erfahrungsbericht seines bisherigen Lebens. Merz, der nach dem Krieg wieder nach Deutschland kam und als Physiotherapeut arbeitete, hat diesen Text während des Fluchtprozesses geschrieben, ihn aus dem Geschehen heraus verfasst, wobei nicht abzusehen war, wie sich diese für ihn schwierige Situation entwickeln würde. Dabei politisiert er nur indirekt, legt im Grunde Zeugnis seiner Auseinandersetzung mit der Fremde ab. Dies geschieht in Form von Tagebucheintragungen und Briefen, die den authentischen Charakter des Buches deutlich hervorheben.
Erschütternd deutlich sind die Beschreibungen der gefühlten Entwurzelung, die Verluste von Heimat und Identität. Es scheint, als sei das Schreiben für ihn ein (vielleicht unbewusster) therapeutischer Akt, um den Schmerz des Verlusts zu verarbeiten und die Gegenwart zu überstehen.
Alfred Esser
Zugleich ist dieses Datum der Beginn der sogenannten Exilliteratur. Autoren schrieben ihre literarische Texte im Ausland, verlegten diese in eigens gegründeten Exil-Zeitschriften und Exil-Verlagen. Anfangs in Ländern wie Österreich, Frankreich oder den Niederlanden, bis diese nicht mehr sicher waren. Viele Autoren emigrierten weiter in die Sowjetunion, die USA oder nach Mexiko.
Auch Konrad Merz, geboren am 02. April 1908 in Berlin, flüchtete nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in die Niederlande, da er während seines Jurastudiums 1934 aus rassistischen Gründen exmatrikuliert und von den Nazis verfolgt wurde.
Er schrieb und veröffentlichte erste Texte für die in Paris erscheinende Exil-Zeitung „Das Neue Tage-Buch“ und verfasste zwei Jahre später seinen ersten Roman „Ein Mensch fällt aus Deutschland“, der im Amsterdamer Exil-Verlag Querido erschien.
Konrad Merz, der mit bürgerlichem Namen Kurt Lehmann hieß (er hatte sich dieses Pseudonym zugelegt, um seine noch in Berlin lebende Mutter zu schützen), verarbeitete in diesem Buch seine Biographie. Es ist ein Mosaik aus Erinnerungen, Erlebnissen, Emotionen, sozusagen ein Erfahrungsbericht seines bisherigen Lebens. Merz, der nach dem Krieg wieder nach Deutschland kam und als Physiotherapeut arbeitete, hat diesen Text während des Fluchtprozesses geschrieben, ihn aus dem Geschehen heraus verfasst, wobei nicht abzusehen war, wie sich diese für ihn schwierige Situation entwickeln würde. Dabei politisiert er nur indirekt, legt im Grunde Zeugnis seiner Auseinandersetzung mit der Fremde ab. Dies geschieht in Form von Tagebucheintragungen und Briefen, die den authentischen Charakter des Buches deutlich hervorheben.
Erschütternd deutlich sind die Beschreibungen der gefühlten Entwurzelung, die Verluste von Heimat und Identität. Es scheint, als sei das Schreiben für ihn ein (vielleicht unbewusster) therapeutischer Akt, um den Schmerz des Verlusts zu verarbeiten und die Gegenwart zu überstehen.
Alfred Esser
Konrad Merz
„Ein Mensch fällt aus Deutschland“
Fischer / Querido-Amsterdam
Mit einem Nachwort von Klaus Mann
„Ein Mensch fällt aus Deutschland“
Fischer / Querido-Amsterdam
Mit einem Nachwort von Klaus Mann
























