Eine der Besonderheiten der Band war, dass man sich spontan zusammenfand und in relativ kurzer Zeit zu einem gemeinsamen musikalischen Ergebnis fand. Ihre Instrumentalstücke bestanden aus den unterschiedlichsten Weltanschauungen der Mitglieder, aus der individuellen Freude am kompromisslosen Experimentieren, aus Zitaten des Rock'n Roll und Jazz-Anleihen, aus Techno, Minimal, Dub, Kraut und Computersounds.
Das letzte Album „The Catastrophist“ liegt neun Jahre zurück und natürlich hat sich in der Zwischenzeit bei dieser Formation von kreativen Unruhegeistern etliches geändert. Ein Teil von ihnen lebt heute in Los Angeles, Gründungsmitglied John McEntire zog es nach Portland, Oregon. Die Zentrale aber ist und bleibt Chicago.
Geändert hat sich auf „Touch“ auch die Herangehensweise an ein Album insgesamt. Traf man sich früher gemeinsam in einem Raum und kam letztendlich in kurzer Zeit und von Angesicht zu Angesicht auf einen gemeinsamen Nenner, hat die Arbeit an „Touch“ ganze vier Jahre gedauert. Man bewegte sich in unterschiedlichen Studios, war digital miteinander verbunden, machte individuelle Vorschläge und ging anschließend manchmal für Monate wieder auseinander, um die Ideen reifen zu lassen. Eine völlig neue Arbeitsweise, über die John McEntire sagte: „Es hat sehr, sehr lange gedauert, bis die Musik zusammengewachsen ist. Unterwegs gab es einige Fragen wie 'was machen wir hier eigentlich?'“. John Herdon, Schlagzeuger bei Tortoise, geht rückblickend noch einen Schritt weiter und beschreibt die Situation bei der Entwicklung des Eröffnungstitels „Vexations“: „Wir waren ratlos, was das Arrangement anging, und kamen einfach nicht weiter.“
Letztendlich haben Tortoise wie immer von diesen Herausforderungen jedoch profitiert. Zwar klingt „Touch“ weniger experimentell als ein Großteil seiner Vorgänger. Aber man spürt in den Grooves, den bizarren Gitarren-Figuren und stimmigen Keyboardflächen noch immer deutlich die Genialität der einzelnen Instrumentalisten, die ein akustisch kreatives Konglomerat abliefern, das sich weitab von Zeitgeist und Mainstream strahlend entfaltet.
Jörg Konrad
Tortoise
„Touch“
International Anthem
„Touch“
International Anthem























