Matthias Lindermayr fühlt sich als Kompionist und Trompeter stark von Miles Davis beeinflusst. Aber auch Nils Petter Molvaer, Arve Henriksen und Jon Hassell nennt der 1987 in München geborene Lindermayr als seine Inspirationsquellen. Gleichzeitig hat er in München, Berklee und Berlin studiert, wo er sich das ganze Rüstzeug für seine Karriere angeeignet hat. Er ist ein vielseitiger Musiker, der mit ebensolcher Freude in der strukturierten Big Band von Monika Roscher, als auch mit dem Ambient-, Avantgarde- und Minimal-Musiker Carlos Cipa gespielt hat.
Doch seine momentan vielleicht spannendsten musikalischen Begegnungen sind die mit der Pianistin Masako Ohta. Zwei erfolgreiche Alben hat er mit der Japanerin eingespielt. Mit „Nozomi“ wurden beide Instrumentalisten in die Bestenliste der Deutschen Schallplattenkritik 2/2025 aufgenommen, mit der Begründung: „Aus einem Minimum an Tönen (mal eine kleine Melodie, mal eine Handvoll Akkorde) erwächst immer wieder ein betörender Klangfluss – und damit ein Maximum an Magie.“
Als „Traumduo“ wurde das Zusammenspiel der beiden auch bezeichnet. Auf KultKomplott war anlässlich ihres Auftritts in Fürstenfeld im November 2023 außerdem zu lesen: „Vielleicht kann man auch von einem Pas de Deux, einem tänzerischen Paarlauf auf den Schwingen der Musik sprechen.“
KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Matthias Lindermayr: Mein musikalisches Elternhaus hat in mir den Wunsch entstehen lassen, Musiker zu werden. Verschiedene Persönlichkeiten, die mich in meiner Laufbahn begleitet haben – wie meine Musiklehrer an der Schule, sowie mein Trompeten- und Kompositionsprofessor an der Uni – haben mich weiter motiviert und bestärkt, meinen Weg zu gehen.
Dass ich der Mensch bin, der ich heute bin, hat außerdem mit allem zu tun, was ich bis hierhin erlebt habe, und mit allen Personen, die mir nahe standen und stehen.
KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
ML: Alle, die sich dafür interessieren und die ich damit inspirieren kann. Meine künstlerische Arbeit ist eher „egoistisch“. Ich möchte auf der Bühne Musik machen, die ich zu 100 Prozent fühle. Im Zweifel stehe ich lieber weniger auf der Bühne, als Musik zu spielen, die mir nicht gefällt.
KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
ML: All meine Hobbys und Interessen sowie mein Leben als Familienvater mit meiner Arbeit unter einen Hut zu bringen und dazu noch den Ablenkungen von Social Media zu widerstehen. :)
Außerdem die Menschen zu finden, die sich für meine Musik interessieren.
KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
ML: Die Geburt meiner Kinder.
Zwei Konzertreisen durch Japan.
Die gesellschaftlichen Zerwürfnisse während der Corona-Zeit.
Sportliche Erfolge bei verschiedenen Ultratrail-Rennen.
KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
ML: Im Studio zum ersten Mal die Musik zu hören, an der man lange gearbeitet hat.
Zeit mit anderen inspirierenden Musikern auf Tour zu verbringen.
Und natürlich jede Minute auf der Bühne.
KK: Hören Sie Musik, und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
ML: Ich höre sehr viel Jazz. Lange Zeit habe ich mich hauptsächlich für zeitgenössischen Jazz interessiert. Im Moment höre ich lieber alte Aufnahmen, z. B. Bill Evans, John Coltrane, George Russell, …
Außerdem höre ich aktuell viel klassische Klaviermusik, um Ideen für neue Kompositionen für mein Duo mit Masako Ohta zu bekommen.
KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
ML: Wenn, dann Vinyl – aber meistens streame ich.
KK: Was lesen Sie momentan?
ML: Zuletzt „Der Tanz mit dem Schafsmann“ von Haruki Murakami. Bei Murakami kann ich sehr gut in seinen Welten versinken, abtauchen und die Zeit vergessen.
KK: Was ärgert Sie maßlos?
ML: Die aktuelle gesellschaftliche Debattenkultur.
Ideologische Politik.
Leute, die laut reden während eines ruhigen Konzerts.
KK: Was freut Sie ungemein?
ML: Zeit mit meiner Familie zu verbringen.
Durch die Berge zu laufen.
KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
ML: Ich bin nicht besonders handwerklich begabt. Ich habe einmal eine Bank für unseren Balkon zusammengeschraubt.
KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
ML: Philip Seymour Hoffman gefällt mir in jedem Film.
Außerdem finde ich Emma Stone in Lanthimos’ Filmen immer spannend.
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
ML: Eine Teleportier-Maschine. Auf die langen Fahrten vor und nach Konzerten würde ich gerne verzichten.
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
ML: Ich bin definitiv eher ein Einzelkämpfer, kann aber, wenn es darauf ankommt, auch ein guter Teamplayer sein.
KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
ML: Wenn es eine Deadline gibt – und tendenziell eher am Vormittag.
KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
ML: Verschiedenes zum Thema Laufen, Trailrunning und Politik.
KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
ML: Schwere Frage … Vielleicht eine gerechtere Verteilung von Fördermitteln.
KK: Wenn Sie eine Autobiografie schreiben würden, wie wäre der Titel?
ML: Atemwege.
KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
ML: Ich lebe eher im Jetzt und mache mir (vielleicht zu wenige?) Gedanken über die Zukunft. Grundsätzlich blicke ich aber positiv nach vorn und freue mich darauf, was kommen wird.

























