Landsberg. Sie war aus einem Stoff, aus dem Legenden sind. Hedy Lamarrs Leben war durchzogen von Glamour und Brüchen, von sagenhaften Aufstiegen und verzweifelten Abstürzen. Eine Persönlichkeit wie geschaffen für eine tragisch-komische Bühnenfigur, für ein Theater-Performance, deren Überzeichnung sich regelrecht aufdrängt. Das Schubert Theater Wien hat sich dieser zugegeben etwas bizarren Lebensgeschichte leidenschaftlich angenommen. Entstanden ist „Die Gesichter der Hedy Lamarr“, ein Theaterstück für Puppen, Monologe und Requisiten, das am Dienstag im Landsberger Stadttheater aufgeführt wurde.
Die 1914 in Wien als Tochter eines Bankdirektors und einer Konzertpianistin geborene Hedwig Eva Maria Kiesler, spätere Hedy Lamarr, war eine der schillerndsten Gestalten zwischen den 1930er bis 1960er Jahren. Als Schauspielerin sorgte sie noch in ihrer österreichischen Heimat für einen perfekt inszenierten Skandal, als sie in dem Film „Ekstase“ von 1933 nackt auftrat.
Aus ihrer ersten Ehe mit einem österreichischen Rüstungsfabrikanten, der trotz seiner jüdischen Abstammung davon besessen war, mit Hitler-Deutschland Waffengeschäfte zu tätigen, floh sie regelrecht über Paris und London nach Amerika, wo sie sofort wieder Arbeit in der Filmbranche fand. Sie drehte an der Seite von James Stewart, Judy Garland und Clark Gable, wurde zur Stil-Ikone ihrer Zeit und als schönste Frau vermarktet. Walt Disney soll sein „Schneewittchen“ nach ihr geformt haben und auch die Comicfigur „Catwoman“ trägt ihre Züge. Sie liebte den Luxus, präsentierte sich als Diva, heiratete noch fünf Mal. Immer auf der Suche nach Geborgenheit und dem großen Glück.
Als ihr keine großen Filmrollen mehr angeboten wurden, veröffentlichte sie mit Hilfe von Ghostwritern 1966 eine Autobiographie, die sofort für Aufsehen sorgte. Sie war von Aufputsch- und Beruhigungsmitteln abhängig und wurde mehrmals wegen Ladendiebstahl öffentlich angeklagt.
Im Grunde eine Frau, die in ihre Zeit noch passte, vielleicht ihrer Zeit ja voraus war. Zu selbstbewusst und zu klug für eine derartige Schönheit.
Das zeigt sich auch daran, dass sie als entschiedene Gegnerin des Nationalsozialismus gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil schon früh an einer Idee zur Funkfernsteuerung für Torpedos forschte, die beide 1941 zum Patent anmeldeten. Zwar wurde diese Erfindung nie direkt umgesetzt, jedoch erhielt Lamarr für diese 1997 den Electronic Frontier Foundation Pioneer Award. Das gewisse technische Details letztendlich heute sogar für unsere digitale Technik genutzt werden, sei nur am Rande erwähnt.
Kai Anne Schuhmacher, Regisseurin und Puppenbauerin am Schubert Theater, inszenierte dieses schillernde wie auch selbstzerstörerische Leben in einer wunderbar unprätentiösen Art mit Soffi Povo und Markus-Peter Gössler. Speziell in Soffi Povo fand sie eine beeindruckende schauspielernde Puppenakrobatin, die vor allem stimmlich diese im Alter gebrochene Stil-Ikone mit großem psychologischen Einfühlungsvermögen verkörperte. Sei es Hedy Lamarrs überdreht laszive Art, ihre immer wieder durchscheinenden provokant-arroganten Ausflüge oder die von Selbstzweifeln und Ablehnungen gequälte Person - Soffi Povo fand stets den richtigen, den passenden Ton für den eigentlichen Menschen hinter einer schillernden Oberfläche, der sich eigentlich immer nur auf der Suche nach Verständnis und Zuwendung befand und als verletzte Person zurückblieb.
Jörg Konrad



































