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49. Fürstenfeld: Pablo Held Trio feat. Nelson Veras – Musik im Hier und Jetz...
50. Landsberg: Amparo Sánchez – Musikalische Freigeister
51. Landsberg: Die Gesichter der Hedy Lamarr – Eine im Alter gebrochene Stil-...
52. Die Ingolstädter Jazztage 2025 – eine gelungene Jazzsause
53. Fürstenfeld: Apollon Musagète Quartett - Überraschende Klänge und tiefe...
54. Landsberg: Azzolini & Friends – Botschafter des Barock
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Fotos: TJ Krebs
Mittwoch 26.11.2025
Fürstenfeld: Pablo Held Trio feat. Nelson Veras – Musik im Hier und Jetzt
Fürstenfeld. Pablo Helds Engagement für den Jazz scheint unerschütterlich und geht weit über das persönliche Musizieren hinaus. Zwar steht an aller erster Stelle seine Klavierkunst, mit der er die Ebenen und Tiefen des Jazz mit Nachdruck durchpflügt, Neues pflanzt und Ungehörtes gedeihen lässt. Dabei hat er aber auch immer die Geschichte dieser Musik im (Hinter-)Kopf und widmete dieser zuletzt sogar das Album „Standards“.
Zudem rief der in Herdecke, im Ennepe-Ruhr-Kreis geborene Pianist, 2018 einen Podcast unter dem Titel Pablo Held Investigates ins Leben, in dem er bis heute an die einhundert nationale und internationale Musiker sehr intensiv interviewt. Zu ihnen gehören unter anderem: Bill Frisell, Terri Lyne Carrington, Billy Hart, John Scofield, Dave Holland, Joe Lovano …... . Für das Kölner LOFT kuratiert er außerdem seit vielen Jahren eine Konzertreihe und zu guter Letzt hat er 2021 auch noch sein eigenes Label gegründet: Hopalit Records.
Bei derart viel Aktivitäten liegt es fast auf der Hand, dass sich seine Musik im Laufe der Zeit immer wieder ändert, Entwicklungen vollzieht und zu neuen Ergebnissen führt. Am Dienstag war Pablo Held mit seinem schon lang bestehenden Trio und dem brasilianischen Gitarristen Nelson Veras wiederholt in Fürstenfeld zu Gast.
Ein Konzert voller musikalischer Einfälle und Wendungen, anspruchsvoll und doch auch mitreißend. Das Trio mit Robert Landfermann (Bass) und Jonas Burgwinkel (Schlagzeug) agiert trotz allem Perfektionismus nach beinahe 20jährigem Bestehen, noch immer unvorhersehbar und dynamisch. Und Nelson Veras, auch schon seit Jahren immer wieder als Gastmusiker mit dabei, fügt sich mit instrumentaler Meisterschaft in das Kollektiv ein. Lebendige Kompositionen, bis auf wenige Ausnahmen aus der Feder Pablo Helds, spannungsgeladene Arrangements und wunderbar gestaltete Improvisationen bringen die Substanz des Quartetts zum Ausdruck. Wechselnde Grundstimmungen zwischen Post Bop und Prog Rock, musikalische Verbeugungen vor der Jazz-Tradition (Alice Coltrane, Charlie Parker), bis hin zu spirituellen Balladen-Interpretationen – all dies beherrscht die Band souverän. Man spürt allenthalben die Freiheit der Musiker und zugleich die selbstauferlegten Grenzen, die die Richtung jedes Titels vorgeben und sie so noch stärker zur Wirkung bringen.
Diese Musik ist, trotz aller Reminiszenzen, im Hier und Jetzt angelegt, weist aber zugleich auch in die Zukunft. Und man spürt bei ihnen: Jazz ist nicht gleich Jazz. Pablo Held und seine Mannen gehören eindeutig in die Rubrik Intensität, Unrast und Expression.
Jörg Konrad
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Montag 24.11.2025
Landsberg: Amparo Sánchez – Musikalische Freigeister
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Rakel Lopez
Landsberg. Sie gilt als die schwärzeste Stimme des spanischen Pop und als Mitgründerin der Mestizo-Musik. Amparo Sánchez, deren Gesang gezeichnet ist durch eine emotionale Dringlichkeit und dunkle Strahlkraft, war am Samstagabend zu Gast im Landsberger Stadttheater. Allein ihre Persönlichkeit vermittelte auf der Bühne schon eine enorme Magie, die sofort in ihren Bann schlug. Ihre Stimme beinhaltete ein Gefühl von Bestimmtheit und Stolz, von Durchsetzungskraft und auch Weltschmerz. Ihre Musik - ein Konglomerat aus Son, Bolero, Chacarera, Cumbia, Tex-Mex, Punk, Ska und Reggae - Mestizo eben.
Geboren 1969 in Grenada, wurde sie natürlich vom Flamenco in all seinen Spielarten sozialisiert. Doch irgendwann genügte der glühenden Verehrerin der Jazz-Ikone Billie Holiday dieser Folklore-Sound nicht mehr. Sie ging nach Madrid, weil hier die Szene weitläufiger und vielfältiger war. Etwa zur gleichen Zeit kam auch Manu Chao, der französischer Sänger und Gitarrist mit baskischen Vorfahren, in die spanische Hauptstadt. Er und Amparo freundeten sich an und musizierten miteinander.
In dieser Zeit wanderten viele Latinos aus wirtschaftlichen Gründen nach Spanien aus. Sie brachten aus Argentinien, Mexiko, Kuba und Venezuela ihre Musik mit - ein Eldorado für alle Stil-Maniker, wie es Mano und Amparo waren. Amparo gründete ihre bis heute legendäre Band Amparanoia, die all diese Musik in sich vereinte und spielte in Clubs und auf (Jazz-) Festivals weltweit. Dabei lernte sie Joey Burns und Joe Convertino von Calexico aus Tucson, Arizona, kennen, die sofort begeistert auf sie reagierten und es zur Zusammenarbeit kam. So fanden in Amparos Musik noch stärker Blues-Einflüsse und eine ordentliche Prise Desert-Rock stilistisch Raum und erdeten ihre Musik zusätzlich.
In Landsberg hatte Amparo mit dem Argentinier Raly Barrionuevo und dem Katalanen Willy Fuego zwei Gitarristen an ihrer Seite, die die gesamte Palette an virtuosen Saitenspielen beherrschten. Als Trio bewegten sie sich, ähnlich musikalischen Freigeistern, mit deutlichen Anknüpfungspunkten innerhalb der unterschiedlichsten Folklorestile. Abgesehen von Amparos Stimme beeindruckte die zurückhaltende Spielkultur der beiden Begleiter. Zwischenzeitlich ließen sie jedoch immer wieder ihre spieltechnischen Fähigkeiten aufblitzen, Barrionuevo ausschließlich an der akustischen Gitarre und Fuego mehr mit psychedelischen Verzierungen und winzigen Figuren am elektrischen Instrument.
Doch alles gipfelte an diesem Abend in der sehnsuchtsvollen Stimme Amperos. Inhalte ihrer Songs sind urpersönliche Betrachtungsweisen, ihres Seelenzustandes, der politischen Entwicklungen, den damit einhergehenden Ungerechtigkeiten und einem kämpferischen Aufbegehren. Mit ihren klaren und leidenschaftlichen Statements war sie in Mexiko, Argentinien und Kuba schon ein Star, bevor sie überhaupt dort auftrat. Aber als Protestsängerin versteht sie sich deshalb nicht unbedingt. „Die Welt ist wirklich kompliziert, und das aufs Papier zu bringen ist noch schwieriger“, sagte sie schon vor längerer Zeit in einem Interview. „Mein Weg, um mich auszudrücken, ist die Musik. In ihr spiegelt sich mein Werdegang und das, was ich auf meinen Reisen erlebe. Meine politische Meinung steht auf einem anderen Blatt.
Eine besondere Überraschung hatte Amparo noch am Ende des Konzerts zu bieten. Da überließ sie Raly Barrionuevo die Bühne für drei seiner Songs. In seiner Heimat ist er ein Meister der Chacarera, einem folkloristischen Musikstil. Mit seiner ebenso weichen, kraftvollen und befreienden Stimme begeisterte er das Publikum an diesem Abend druckvoll und differenziert.
Jörg Konrad
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Foto: Barbara Pallfy
Donnerstag 20.11.2025
Landsberg: Die Gesichter der Hedy Lamarr – Eine im Alter gebrochene Stil-Ikone
Landsberg. Sie war aus einem Stoff, aus dem Legenden sind. Hedy Lamarrs Leben war durchzogen von Glamour und Brüchen, von sagenhaften Aufstiegen und verzweifelten Abstürzen. Eine Persönlichkeit wie geschaffen für eine tragisch-komische Bühnenfigur, für ein Theater-Performance, deren Überzeichnung sich regelrecht aufdrängt. Das Schubert Theater Wien hat sich dieser zugegeben etwas bizarren Lebensgeschichte leidenschaftlich angenommen. Entstanden ist „Die Gesichter der Hedy Lamarr“, ein Theaterstück für Puppen, Monologe und Requisiten, das am Dienstag im Landsberger Stadttheater aufgeführt wurde.
Die 1914 in Wien als Tochter eines Bankdirektors und einer Konzertpianistin geborene Hedwig Eva Maria Kiesler, spätere Hedy Lamarr, war eine der schillerndsten Gestalten zwischen den 1930er bis 1960er Jahren. Als Schauspielerin sorgte sie noch in ihrer österreichischen Heimat für einen perfekt inszenierten Skandal, als sie in dem Film „Ekstase“ von 1933 nackt auftrat.
Aus ihrer ersten Ehe mit einem österreichischen Rüstungsfabrikanten, der trotz seiner jüdischen Abstammung davon besessen war, mit Hitler-Deutschland Waffengeschäfte zu tätigen, floh sie regelrecht über Paris und London nach Amerika, wo sie sofort wieder Arbeit in der Filmbranche fand. Sie drehte an der Seite von James Stewart, Judy Garland und Clark Gable, wurde zur Stil-Ikone ihrer Zeit und als schönste Frau vermarktet. Walt Disney soll sein „Schneewittchen“ nach ihr geformt haben und auch die Comicfigur „Catwoman“ trägt ihre Züge. Sie liebte den Luxus, präsentierte sich als Diva, heiratete noch fünf Mal. Immer auf der Suche nach Geborgenheit und dem großen Glück.
Als ihr keine großen Filmrollen mehr angeboten wurden, veröffentlichte sie mit Hilfe von Ghostwritern 1966 eine Autobiographie, die sofort für Aufsehen sorgte. Sie war von Aufputsch- und Beruhigungsmitteln abhängig und wurde mehrmals wegen Ladendiebstahl öffentlich angeklagt.
Im Grunde eine Frau, die in ihre Zeit noch passte, vielleicht ihrer Zeit ja voraus war. Zu selbstbewusst und zu klug für eine derartige Schönheit.
Das zeigt sich auch daran, dass sie als entschiedene Gegnerin des Nationalsozialismus gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil schon früh an einer Idee zur Funkfernsteuerung für Torpedos forschte, die beide 1941 zum Patent anmeldeten. Zwar wurde diese Erfindung nie direkt umgesetzt, jedoch erhielt Lamarr für diese 1997 den Electronic Frontier Foundation Pioneer Award. Das gewisse technische Details letztendlich heute sogar für unsere digitale Technik genutzt werden, sei nur am Rande erwähnt.
Kai Anne Schuhmacher, Regisseurin und Puppenbauerin am Schubert Theater, inszenierte dieses schillernde wie auch selbstzerstörerische Leben in einer wunderbar unprätentiösen Art mit Soffi Povo und Markus-Peter Gössler. Speziell in Soffi Povo fand sie eine beeindruckende schauspielernde Puppenakrobatin, die vor allem stimmlich diese im Alter gebrochene Stil-Ikone mit großem psychologischen Einfühlungsvermögen verkörperte. Sei es Hedy Lamarrs überdreht laszive Art, ihre immer wieder durchscheinenden provokant-arroganten Ausflüge oder die von Selbstzweifeln und Ablehnungen gequälte Person - Soffi Povo fand stets den richtigen, den passenden Ton für den eigentlichen Menschen hinter einer schillernden Oberfläche, der sich eigentlich immer nur auf der Suche nach Verständnis und Zuwendung befand und als verletzte Person zurückblieb.
Jörg Konrad
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Mittwoch 19.11.2025
Die Ingolstädter Jazztage 2025 – eine gelungene Jazzsause
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Seit 1984 finden jährlich die Ingolstädter Jazztage statt. Mittlerweile ein fester Bestandteil der hiesigen Jazzszene, der immer wieder für entspanntes Miteinander und musikalische Sensationen steht. Seit letztem Jahr unter neuer künstlerischen Leitung von Schlagzeuger Wolfgang Haffner gab es auch dieses Jahr wieder viel zu hören und zu entdecken. Ein richtig großes Jazzrad, das die Veranstalter da erneut in Schwung gebracht haben.

ELVIS COSTELLO & DIE WDR BIG BAND
Absolutes Festivalhighlight im Rahmen des „Grand Concert“ war der mit Spannung erwartete Auftritt von Pop-/Punk & Rocklegende Elvis Costello mit der WDR Big Band. Unter der Leitung von Michael Leonhardt wurde ein abwechslungsreiches, vielschichtiges Programm präsentiert, angefangen von Klassikern wie „Watching The Detectives“, „Accidents Will Happen“ über „Shut Him Down“ bis hin zu „Shipbuilding“, jenem legendären Song bei dem Costello den Trompeter Chet Baker mit an Bord hatte. Stimmlich war Costello an dem Abend merklich angeschlagen, aber letztlich ging seine gesangliche Performance, bis auf kleine Momente, voll in Ordnung. Was die Arrangements seiner Songs betrifft, so hat Michael Leonhardt Unglaubliches vollbracht. Die WDR Big Band spielte sharp as a knive and light as a feather mit Verve und sichtlich Spaß. Als integriertes Quartett fungierten zusammen mit der Big Band Pianist und Keyboarder Simon Oslender, Bruno Müller zusätzlich an der Gitarre, der Bassist Thomas Stieger und Wolfgang Haffner am Schlagzeug - hat wunderbar funktioniert und man darf gespannt sein auf die geplante CD Produktion. Die beiden letzten Songs „Pump It Up“ sowie „That Day Is Done“ hatten es nochmal richtig in sich und stellten eindrucksvoll unter Beweis, was man mit den Songs von Elvis Costello mit einer Big Band Spannendes anstellen kann.

DIE JAZZPARTY
Die Jazzparty war auch dieses Jahr erneut eine weitere Veranstaltung im Rahmen der Ingolstädter Jazztage, die ihresgleichen sucht. Eigentlich hätte man mit den neun Acts des Abends ein eigenes Festival bestreiten können. Als Opener trat Simon Oslender mit seinem Quartett zusammen mit Will Lee sowie Schlagzeuglegende Steve Gadd auf und brachte den Saal zum Kochen. Zeitlich etwas versetzt heizte die Band Sepalot um den Münchner DJ und Musikproduzent Sebastian Weiss im Saal 2 kräftig ein (als Ersatz für den erkrankten Bobby Sparks). Im dritten Saal dagegen ging es im Wesentlichen kammermusikalisch zu. Das Duo Norby/Danielsson gab sich mit mit dem Dieter Ilg Trio die Klinke in die Hand und als Abschluss brillierte die kubanische Pianistin Marialy Pacheco mit einem grandiosen Latinfeuerwerk. Einziges Manko an dieser Location das ständige Kommen und Gehen des Publikums, was bei leisen Tönen Publikum wie Musiker nervte. San2 & his Soul Patrol und Theo Croker spielten ebenfalls vor enthusiastischem Publikum und das praktisch letzte Konzert des Abends mit der Band Incognito war musikalisch zwar nicht wirklich neu, zündete aber wie immer beim Publikum und versprühte soulig gute Laune. Nach Klassikern wie „Talking Loud“ oder „Don’t You Worry ‘Bout A Thing“ zum Schluss noch ein trauriges Statement von Bandleader Jean-Paul Bluey Maunick an sein Publikum, dass er an Parkinson und Osteoporose leidet. Man kann nur hoffen, dass man Bluey, wenn es irgendwie möglich ist, wieder einmal in unseren Gefilden live erleben kann.

DAS GRAND CLOSING
Noch eine Big Band…das muss man erst einmal hinbekommen bei einem Festival! Rebekka Bakken präsentierte mit ihrer vielschichtig-kraftvollen Stimme und der HR Big Band ihr Tom Waits Programm „A Little Drop Of Poison“ das wunderbar funktionierte. Songs wie „Bad As Me“ oder „Christmas Card From A Hooker On Minneapolis“ gingen unter die Haut. Der Song aus dem Film Night On Earth „Los Angeles Theme“ glänzte durch ein vielschichtiges Arrangement von Big Band Leiter Jörg Achim Keller und auch „I Wish I was In New Orleans“, „Downtown“ oder „I Have To Go“ als abschließender Song des Sets waren Steilvorlagen für Rebekka Bakken, die sie mit Verve und Wucht ins Publikums schleuderte. Nach gut 90 Minuten eine Verschnaufpause, bevor Lizz Wright mit ihrer Band die Bühne betrat. Wrights unvergleichlich dunkle Altstimme setzte von Beginn an ein Ausrufezeichen und mit Songs wie Neil Youngs „Old Man“, „Freedom“ oder „No More Will I Run“ gleichzeitig ein Statement für das Leben in all seinen Phasen, den unterschiedlichen Facetten der Liebe oder den Mut Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Ihre Mitstreiter an dem Abend waren Adam Levy & Marvin Sewell an den Gitarren, David Cook am Piano/Keyboards, Ben Zwerin am Bass sowie Marlon Patton Schlagzeug. Musikalisch war der Abend geprägt von tiefem Chicago Blues, Gospel-, Jazz- und Popklängen. Bei Klassikern wie Jon Cowherds „Salt“ und Frank und Seán O'Mearas „Grace“ spielte Wright selbst Piano, ihre Performance alles in allem beeindruckend tiefenentspannt, ganz großes Kino.

Die Ingolstädter Jazztage waren auch dieses Jahr wieder unvergleichlich spannend und gleichzeitig erfolgreich. Veranstaltungen wie z.B. Jazz in den Kneipen war wieder außerordentlich gut besucht. Jazz an den Schulen, die Veranstaltungen für Kids oder die Jazz Session wurde ebenso gut angenommen. In zwölf Tagen besuchten über 7000 Jazzfans und Musikliebhaber die 28 Konzerte/Veranstaltungen des Festivals. Die Ingolstädter Jazztage sind längst zu einem Publikumsmagneten geworden und begeistern auch auswärtige Besucher, die so gleichzeitig die Stadt Ingolstadt kennen und schätzen lernen. Mit Wolfgang Haffner als künstlerischem Leiter hat das Team nicht nur einen der bekanntesten Jazzmusiker gewinnen können, sondern gleichzeitig einen versierten Festivalveranstalter, der zwischen den Tönen dafür sorgt, dass alles reibungslos läuft. Immer dabei, ob Ansagen oder für das Wohlbefinden der Musiker sorgend, turnt Haffner zwischen des Gängen oder auf der Bühne und sorgt, mal im Hintergrund, mal vor dem Publikum dafür, dass alles passt. Was will man mehr? Dass es weitergeht!
Text & Fotos: Thomas J. Krebs

Fotos:

1. Elvis Costello (Guitar, Vocal)
2. Rebekka Bakken & HR Big Band
3. Caecilie Norby & Lars Danielsson (Vocal & Bass)
4. Rebekka Bakken (Vocal)
5. Lizz Wright (Vocal)
6. Caecilie Norby (Vocal)
7. Steve Gadd (Drums)
8. Miguel Russell (Drums)
9. Theo Crocker (Trumpet)
10. Dieter Ilg (Bass)
11. Elvis Costello & WDR Big Band
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Mittwoch 19.11.2025
Fürstenfeld: Apollon Musagète Quartett - Überraschende Klänge und tiefer Ausdruck
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Foto: Nikolai Lund
Fulminanter Abend der „Fürstenfelder Konzertreihe“ mit dem „Apollon Musagète Streichquartett“

Fürstenfeld. Ein Stück von Wolfgang Amadeus Mozart, das nicht wirklich nach Mozart klingt, eine Komposition von Anton Webern, die erfreulich harmonisch daherkommt – da stellen sich Fragen. Vor dem Hintergrund der Hörerfahrungen vieler Konzertbesucher wird deutlich, dass Hören etwas mit Hörerwartungen zu tun hat. Solche Zuordnungen können ganz differenziert wahrgenommen und mit Bekanntem abgeglichen werden. Allerdings zeichnet große Komponisten insbesondere auch aus, dass sie Grenzen sprengen und neue definieren. Wenn Gewohntes nicht nur bestätigt, sondern erweitert wird, dann ruft das Neugierde beim Publikum hervor und weitet zudem den Horizont.
Der Abend der „Fürstenfelder Konzertreihe“ im Stadtsaal am Samstag war ein Forum für genau solche Erlebnisse. Es gastierte das polnische Apollon Musagète Streichquartett mit Pawe? Zalejski und Bartosz Zach?od (Violine), Piotr Szumie? (Viola) und Piotr Skweres (Violoncello). Und obwohl der Saal eine beachtliche Größe hat, musizierten die Künstler so, dass sich der Eindruck eines überschaubaren Kammermusikraums einstellte, was beglückend wirkte.
Es begann mit Mozart, nämlich dem sogenannten „Dissonanzenquartett“ in C-Dur KV 465. Der Beiname stammt nicht von Mozart selbst, sondern entstand im 19. Jahrhundert und bezieht sich auf die langsame Einleitung. Und hier ist es tatsächlich so, dass sich spannungsreiche Akkorde in größerer Zahl aneinander reihen und Auflösungen oft verzögert geschehen. Dass der Klangeindruck vielleicht überraschend war, lag wohl auch daran, dass die Musiker auf jede Gestik außerhalb der Klänge verzichteten und dadurch den unbedingten Fokus auf die Spannungen innerhalb der Akkorde lenkten.
Diese Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Musik war an diesem Abend bei allen Werken prägend. Hier zeigte sich, wie wenig an Mitteln notwendig ist, um Musik im eigentlichen Sinn zu vermitteln: Die Lautstärke war fast immer deutlich zurückgenommen, doch war der Klang dabei so transparent, dass er bis zum letzten Platz tragfähig war. Der lichte, unbeschwerte C-Dur-Klang des Kopfsatzes (Allegro) bestimmte den weiteren Verlauf. Im Andante cantabile wurde jeder Forte-Klang im exakt richtigen Tempo zum Ereignis, das ganztaktig empfundene Menuetto lebte von der dynamischen Öffnung. Unbeschwert und pulsierend knüpfte das Final-Allegro schließlich an den Eingangssatz an.
Der langsame Satz für Streichquartett von Anton Webern aus dem Jahr 1905 ist ein Zeugnis der Auseinandersetzung des Komponisten mit der Tradition. Das späte 19. Jahrhundert war in Wien geprägt von den erdigen Klängen von Johannes Brahms. Diese expressive Klanglichkeit in dunkler Klangfarbe bildete auch den Ausgangspunkt für Weberns Satz, öffnete immer wieder aber auch Fenster in Stilistiken des 20. Jahrhunderts.
Nach der Pause folgte das Streichquartett Nr. 9 in d-Moll op. 34 von Antonín Dvo?ák, das dieser in einer schwierigen persönlichen Lebenssituation schrieb. Davon ist in der Musik jedoch nichts zu spüren. Der harmonische, äußerst vorsichtig intonierte Klang des Anfangs (Allegro) korrespondierte schon nach wenigen Takten mit Passagen, die aus dem Himmel zu kommen schienen. Dass der Satz „Alla Polka“ mit großer Leichtigkeit daherkam, entsprach der Erwartung. Und dennoch vermittelten die feine Art des Musizierens und die rhythmische Präzision ein außergewöhnliches Einfühlungsvermögen seitens der Musiker.
So verwunderlich es sein mag: Die Tango-Zugabe, mit der das Quartett den großen Beifall beantwortete, fügte sich, obwohl stilistisch mit ganz anderem Fokus, absolut nahtlos an das Programm. Das dürfte seinen Grund in der ehrlichen Tiefe des musikalischen Ausdrucks bei allen Werken an diesem Abend gehabt haben.
Klaus Mohr
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Foto: Judith Schlosser
Montag 17.11.2025
Landsberg: Azzolini & Friends – Botschafter des Barock
Landsberg. Klaus Thunemann ist so etwas wie das non plus ultra am Fagott. An dem 1937 in Magdeburg geborenen und erst in diesem Sommer in Hannover verstorbenen Solisten und Hochschullehrer kommt niemand vorbei, der sich mit diesem außergewöhnlichen Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt beschäftigt. Auch Sergio Azzolini nicht, der mit seinen „Friends“ am Sonntag das Rathauskonzert in Landsberg bestritt. Der Italiener studierte unter anderem bei Thunemann in Hannover, konzentrierte sich nach dem Studium jedoch stärker auf den Bereich der Alten Musik. Er ist seitdem ein absoluter Meister auf dem Barockfagott, das einen eher rauen und weniger nasalen Ton zum heutigen Instrument aufweist.
Was gibt es besseres, als bei der Auswahl von Gleichgesinnten für eine gemeinsame, anspruchsvolle Aufgabe auf Freunde zurückgreifen zu können. Für den künstlerisch umtriebigen Sergio Azzolini scheinbar eine Kleinigkeit. Denn für seinen Auftritt in Landsberg hatte er gleich drei außergewöhnliche Musiker an der Seite, mit denen ihn eine lange Freundschaft verbindet. Da wäre die in Japan geborene und heute am Gärtnerplatztheater München als stellvertretende Konzertmeisterin beschäftigte Geigerin Kumiko Yamauchi. Hinzu kommt der Barockcellist Francesco Galligioni, der in Padua und Rom studiert hat und heute in den kleinen und großen Konzertsälen dieser Welt zu Hause ist. Und last but not least der in Mailand geborene italienische Lautenspieler Diego Cantalupi.
Da liegt es auf der Hand, dass Azzolini & Friends für ihre Auftritte ausschließlich auf Barockkomponisten zurückgreifen. In Landsberg gehörten hierzu Georg Philipp Telemann (1681 - 1767), der allein 39 Werke für das Fagott schrieb, Giovanni Zamboni (nach 1650 - nach 1713), Johann David Heinichen (1683 - 1729) und Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 - 1704). Eine illustre Schar von Persönlichkeiten, die nicht allein aufgrund ihrer meisterhaften Kompositionsarbeit bekannt wurden. Johann David Heinichen studierte neben seiner Musikausbildung in der Leipziger Thomasschule zudem Jura und war auch als Musiktheoretiker tätig. Giovanni Zamboni war Komponist und Instrumentalist und, wenn die Überlieferungen stimmen, arbeitete er auch im Beruf des Edelsteinschleifers.
Die Arrangements der einzelnen Kompositionen wurden in Landsberg an die Möglichkeiten dieser Besetzung angepasst. Diese auch sehr erfrischenden Veränderungen der einzelnen Klangfarben reichten vom solistischen Recital bis hin zur Quartett-Formation.
Mit unglaublicher Souveränität beherrschten die einzelnen Instrumentalisten das Repertoire. Sie sind, entgegen festgefügten und über Jahre bestehenden Gruppierungen, stärker auf ihre individuelle Stärken und ihre Fähigkeiten zur dynamischen Gemeinschaftsarbeit ausgerichtet. Und diese künstlerische Kooperation gelang ihnen überzeugend. Hinzu kommt die Vielfalt und Farbigkeit im Zusammenspiel der verschiedenen Instrumentalstimmen, so dass man dieses Quartett getrost als leidenschaftliche Barockbotschafter bezeichnen kann.
Eine Offenbarung war die „Passacaglia“ für Violine solo aus der Rosenkranz-Sonate von Heinrich Ignaz Franz Biber. Kumiko Yamauchi interpretierte diesen Ausschnitt aus dem bedeutendsten Werk für Violinmusik des 17. Jahrhunderts mit großer Hingabe, Sicherheit, Virtuosität und immenser Ausdruckskraft. Es war ein Wechselspiel, von der Magie des Innehaltens hin zu einem tänzerischen Schwung, den dieses Stück und natürlich Yamauchi Interpretation so unglaublich spannend machte. Ganz sicher einer der Höhepunkte dieses barocken Musikabends.
Jörg Konrad
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