Seit 1984 finden jährlich die
Ingolstädter Jazztage statt. Mittlerweile ein fester Bestandteil der hiesigen Jazzszene, der immer wieder für entspanntes Miteinander und musikalische Sensationen steht. Seit letztem Jahr unter neuer künstlerischen Leitung von Schlagzeuger Wolfgang Haffner gab es auch dieses Jahr wieder viel zu hören und zu entdecken. Ein richtig großes Jazzrad, das die Veranstalter da erneut in Schwung gebracht haben.
ELVIS COSTELLO & DIE WDR BIG BAND
Absolutes Festivalhighlight im Rahmen des „Grand Concert“ war der mit Spannung erwartete Auftritt von Pop-/Punk & Rocklegende
Elvis Costello mit der
WDR Big Band. Unter der Leitung von
Michael Leonhardt wurde ein abwechslungsreiches, vielschichtiges Programm präsentiert, angefangen von Klassikern wie „Watching The Detectives“, „Accidents Will Happen“ über „Shut Him Down“ bis hin zu „Shipbuilding“, jenem legendären Song bei dem Costello den Trompeter
Chet Baker mit an Bord hatte. Stimmlich war Costello an dem Abend merklich angeschlagen, aber letztlich ging seine gesangliche Performance, bis auf kleine Momente, voll in Ordnung. Was die Arrangements seiner Songs betrifft, so hat Michael Leonhardt Unglaubliches vollbracht. Die WDR Big Band spielte sharp as a knive and light as a feather mit Verve und sichtlich Spaß. Als integriertes Quartett fungierten zusammen mit der Big Band Pianist und Keyboarder
Simon Oslender, Bruno Müller zusätzlich an der Gitarre, der Bassist
Thomas Stieger und
Wolfgang Haffner am Schlagzeug - hat wunderbar funktioniert und man darf gespannt sein auf die geplante CD Produktion. Die beiden letzten Songs „Pump It Up“ sowie „That Day Is Done“ hatten es nochmal richtig in sich und stellten eindrucksvoll unter Beweis, was man mit den Songs von Elvis Costello mit einer Big Band Spannendes anstellen kann.
DIE JAZZPARTY
Die Jazzparty war auch dieses Jahr erneut eine weitere Veranstaltung im Rahmen der Ingolstädter Jazztage, die ihresgleichen sucht. Eigentlich hätte man mit den neun Acts des Abends ein eigenes Festival bestreiten können. Als Opener trat Simon Oslender mit seinem Quartett zusammen mit
Will Lee sowie Schlagzeuglegende
Steve Gadd auf und brachte den Saal zum Kochen. Zeitlich etwas versetzt heizte die Band
Sepalot um den Münchner DJ und Musikproduzent
Sebastian Weiss im Saal 2 kräftig ein (als Ersatz für den erkrankten
Bobby Sparks). Im dritten Saal dagegen ging es im Wesentlichen kammermusikalisch zu. Das Duo
Norby/Danielsson gab sich mit mit dem
Dieter Ilg Trio die Klinke in die Hand und als Abschluss brillierte die kubanische Pianistin
Marialy Pacheco mit einem grandiosen Latinfeuerwerk. Einziges Manko an dieser Location das ständige Kommen und Gehen des Publikums, was bei leisen Tönen Publikum wie Musiker nervte.
San2 & his Soul Patrol und
Theo Croker spielten ebenfalls vor enthusiastischem Publikum und das praktisch letzte Konzert des Abends mit der Band
Incognito war musikalisch zwar nicht wirklich neu, zündete aber wie immer beim Publikum und versprühte soulig gute Laune. Nach Klassikern wie „Talking Loud“ oder „Don’t You Worry ‘Bout A Thing“ zum Schluss noch ein trauriges Statement von Bandleader
Jean-Paul Bluey Maunick an sein Publikum, dass er an Parkinson und Osteoporose leidet. Man kann nur hoffen, dass man Bluey, wenn es irgendwie möglich ist, wieder einmal in unseren Gefilden live erleben kann.
DAS GRAND CLOSING
Noch eine Big Band…das muss man erst einmal hinbekommen bei einem Festival!
Rebekka Bakken präsentierte mit ihrer vielschichtig-kraftvollen Stimme und der
HR Big Band ihr
Tom Waits Programm „A Little Drop Of Poison“ das wunderbar funktionierte. Songs wie „Bad As Me“ oder „Christmas Card From A Hooker On Minneapolis“ gingen unter die Haut. Der Song aus dem Film Night On Earth „Los Angeles Theme“ glänzte durch ein vielschichtiges Arrangement von Big Band Leiter
Jörg Achim Keller und auch „I Wish I was In New Orleans“, „Downtown“ oder „I Have To Go“ als abschließender Song des Sets waren Steilvorlagen für Rebekka Bakken, die sie mit Verve und Wucht ins Publikums schleuderte. Nach gut 90 Minuten eine Verschnaufpause, bevor
Lizz Wright mit ihrer Band die Bühne betrat. Wrights unvergleichlich dunkle Altstimme setzte von Beginn an ein Ausrufezeichen und mit Songs wie
Neil Youngs „Old Man“, „Freedom“ oder „No More Will I Run“ gleichzeitig ein Statement für das Leben in all seinen Phasen, den unterschiedlichen Facetten der Liebe oder den Mut Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Ihre Mitstreiter an dem Abend waren
Adam Levy & Marvin Sewell an den Gitarren,
David Cook am Piano/Keyboards,
Ben Zwerin am Bass sowie
Marlon Patton Schlagzeug. Musikalisch war der Abend geprägt von tiefem Chicago Blues, Gospel-, Jazz- und Popklängen. Bei Klassikern wie
Jon Cowherds „Salt“ und Frank und Seán O'Mearas „Grace“ spielte Wright selbst Piano, ihre Performance alles in allem beeindruckend tiefenentspannt, ganz großes Kino.
Die Ingolstädter Jazztage waren auch dieses Jahr wieder unvergleichlich spannend und gleichzeitig erfolgreich. Veranstaltungen wie z.B. Jazz in den Kneipen war wieder außerordentlich gut besucht. Jazz an den Schulen, die Veranstaltungen für Kids oder die Jazz Session wurde ebenso gut angenommen. In zwölf Tagen besuchten über 7000 Jazzfans und Musikliebhaber die 28 Konzerte/Veranstaltungen des Festivals. Die Ingolstädter Jazztage sind längst zu einem Publikumsmagneten geworden und begeistern auch auswärtige Besucher, die so gleichzeitig die Stadt Ingolstadt kennen und schätzen lernen. Mit
Wolfgang Haffner als künstlerischem Leiter hat das Team nicht nur einen der bekanntesten Jazzmusiker gewinnen können, sondern gleichzeitig einen versierten Festivalveranstalter, der zwischen den Tönen dafür sorgt, dass alles reibungslos läuft. Immer dabei, ob Ansagen oder für das Wohlbefinden der Musiker sorgend, turnt Haffner zwischen des Gängen oder auf der Bühne und sorgt, mal im Hintergrund, mal vor dem Publikum dafür, dass alles passt. Was will man mehr? Dass es weitergeht!
Text & Fotos: Thomas J. Krebs
Fotos:
1. Elvis Costello (Guitar, Vocal)
2. Rebekka Bakken & HR Big Band
3. Caecilie Norby & Lars Danielsson (Vocal & Bass)
4. Rebekka Bakken (Vocal)
5. Lizz Wright (Vocal)
6. Caecilie Norby (Vocal)
7. Steve Gadd (Drums)
8. Miguel Russell (Drums)
9. Theo Crocker (Trumpet)
10. Dieter Ilg (Bass)
11. Elvis Costello & WDR Big Band