Zurück zu den neuesten Artikeln...
7. John Scofield & Dave Holland „Memories Of Home“
8. Simon Popp „Trio“
9. Mikis Theodorakis „Lost Songs – Piano: Henning Schmiedt“
10. Meklit „A Piece Of Infinity“
11. Kenny Barron „Songbook“
12. James Newton Quartet „Live In Willisau 1983“
Freitag 21.11.2025
John Scofield & Dave Holland „Memories Of Home“
Bilder
Was bei diesen Aufnahmen sofort auffällt, ist die Gelassenheit der beiden Hauptakteure. Wirkt die Musik auch noch so diffizil, greifen die instrumentalen Stimmen auch noch so komplex ineinander, ist das Tempo der Stücke auch noch so beschleunigt - John Scofield und Dave Holland klingen immer besonnen und würdevoll. In der musikalischen Umsetzung scheint es für sie kaum Wagnisse zu geben. Zumindest keine, die sie vor unlösbare Aufgaben stellen. Dafür sind sie vielleicht auch zu lange im Geschäft, haben in den Jahrzehnten ihres Musizierens zu viel erlebt, exzessiv gespielt. Zudem kennen sie sich seit Jahrzehnten und wissen um den anderen, um seine Verlässlichkeit und sein Reaktionsvermögen. Seelenverwandte? Vielleicht.
Im Sommer 2024 jedenfalls, nach gemeinsamer Tour, sind sie in einem New Yorker Studio noch einmal zusammen gekommen. Gitarrist Scofield hatte fünf Titel, Bassist Holland vier Kompositionen im Gepäck. Etliches haben sie zuvor Live probiert. Aber nie so, dass es im Studio technisch perfekt, intuitiv steril klingt. Zwischen ihnen gibt es auf "Memories Of Home" noch immer musikalisch Ungesagtes zu spielen, entwickeln sich weiterhin dramaturgische Spannungsbögen. Sie sind nach wie vor in der Lage, spontane Gedanken und Ideen umzusetzen, Musik als ein Experimentierfeld, als ein Abenteuer zu begreifen. Eine immense Neugier ist ihnen auch jenseits der siebzig geblieben. Mehr noch: Sie bestimmt jeden musikalischen Dialog. Hier paaren sich Intelligenz, Können, Respekt und Ästhetik.
Jörg Konrad

John Scofield & Dave Holland
„Memories Of Home“
ECM
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 18.11.2025
Simon Popp „Trio“
Bilder
Rhythmus ist sein Leben. Oder auch: Sein Lebensrhythmus gehört den Trommeln. Simon Popp begann mit neun Jahren Schlagzeug zu spielen und dieses Instrument ließ ihn bis heute nicht mehr los. Ein Jazz-Schlagzeugstudium erweiterte nach dem Abitur sein rhythmisches Vokabular. Er spielte in verschiedenen Bands – bis er begann, sich stärker auf solistische Pfade zu begeben. Er komponierte; er nahm Alben im Alleingang auf; er ging mit befreundeten Trommlern auf Tournee. So vervollkommnete er sein Arsenal an perkussiven Ideen und Instrumenten, spürte immer stärker den eigenen Puls und stellte zu dem fest, dass Rhythmen letztendlich Kontinente und Kulturen verbinden. Diese zu erkunden, zu vermitteln, sie neu zu kreieren ist seine Lebensaufgabe geworden.
Simon Popps neustes Projekt Trio macht deutlich, wie verständlich die Sprachen der Trommeln sind. Mit Flurin Mück und Sebastian Wolfgruber hat er zwei zusätzliche Schlagzeuger um sich versammelt, mit denen er ein perkussives Konzert spielt. Sich leicht verschiebende rhythmische Schablonen werden von allen dreien übereinander gelegt. Das Klangspektrum reicht von kammermusikalisch sensibleren Themen, bis hin zu perkussiven Gewittern, die jedoch nie die formalen Strukturen verlieren. Es sind eher rhythmische Architekturen, die, voll unterkellert, jedem Beben von außen, oder auch innen, standhalten.
Der Reichtum an perkussivem Instrumentarium wird durch die unterschiedlichsten und ineinander greifenden Klangfarben akustisch hörbar. Hier werden technisch brillante Melodien gespielt, unterschiedliche Tonhöhen erzeugt, Kreuzrhythmen genutzt, letztendlich mit einem orchestralen Gespür und polymetrischen Spannungen Schlagzeugsongs gespielt.
Jörg Konrad

Simon Popp
„Trio“
Squama Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Sonntag 16.11.2025
Mikis Theodorakis „Lost Songs – Piano: Henning Schmiedt“
Bilder
Der musikalische Werkkatalog des großen griechischen Komponisten, Schriftstellers, Widerstandskämpfers und Politikers Mikis Theodorakis beinhaltet etliche Liederzyklen, Opern, Symphonische Werke, Oratorien, Kammer- und Ballettmusik, Theater- und Filmmusik. Asteris Kutulas, enger Vertrauter und Wegbegleiter des in seiner Heimat als Volksheld verehrten Theodorakis, arbeitete zwischen 1985 und 1996 im Theodorakis-Archiv im griechischen Küstenort Vrachati. Hier fand er über 150 handschriftliche Kompositionen des Meisters, die zum großen Teil in den 1940er Jahren entstanden.
2007 legte Kutulas diesen Schatz dem Pianisten Henning Schmiedt vor, der sich dann ein verlängertes Wochenende mit diesen Noten beschäftigte. „Ich setzte mich ans Klavier“, erzählt Schmiedt, „drückte die Aufnahme-Taste meines Tonbands und näherte mich langsam diesen vergessenen Melodien.
Zwei Jahre später trafen sich Henning Schmiedt und Mikis Theodorakis, hörten gemeinsam die Musik, diskutierten und fachsimpelten, tauschten Gedanken und Möglichkeiten der Arrangements aus.
Im Sommer dieses Jahres wurden zu Ehren des 100. Geburtstages Mikis Theodorakis vierzehn Lieder aus diesem Konglomerat der Öffentlichkeit auf dem Album „Lost Songs“ erstmals vorgestellt. Außer den Solo-Recitals Schmiedts sind begleitend Sting-Gitarrist Dominic Miller, der Saxophonist Volker Schlott und Bassist Martin Lillich an den Aufnahmen beteiligt. Jetzt ist dieses Album zudem auf 180 Gramm-Vinyl erschienen.
Schmiedt findet am Klavier genau die richtige Form und Spiritualität bei der Interpretation dieser zum Teil nur kleinen Miniaturen. Sie beinhalten Romantisches und Sehnsuchtvolles, sind klar strukturiert und in ihrem Ausdruck zeitlos. Eine wunderbar subtile ausgestaltete Reminiszenz an diesen Freigeist und Kosmopoliten. Schwebende Melodien, die etwas versöhnliches ausdrücken, etwas humanistisch vertrauensvolles. Spätestens dann, wenn ganz zum Schluss der Aufnahme Theodorakis selbst das Franz Schubert-Lied „Der Lindenbaum“ vorträgt.
Jörg Konrad

Mikis Theodorakis
„Lost Songs – Piano: Henning Schmiedt“
Intuition
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 12.11.2025
Meklit „A Piece Of Infinity“
Bilder
Ihre ethnischen Wurzeln liegen sowohl in Äthiopien als auch in den USA, denn geboren wurde Meklit Hadero in Addis Abeba, aufgewachsen ist sie jedoch in San Francisco. Ihre Musik widerspiegelt deutlich diese beiden Einflüsse, die traditionelle äthiopische Folklore, als auch das Singer-Songwriting des westlichen Pop und Rock. Während einer westafrikanischen Tournee vor über zehn Jahren wurde ihr jedoch bewusst, wie wenig sie im Grunde von ihrem Geburtsland wusste und wie reichhaltig diese Kultur letztendlich ist. Sie setzte sich verstärkt, auch kritisch, mit ihren Wurzeln auseinander und es flossen stärker als zuvor diese Erfahrungen in ihre künstlerischen Aktivitäten ein. So singt sie heute Songs in Kembatigna, Amharisch und Oromigna, den Hauptsprachen Äthiopines, neben über 80 weiteren Idiomen und 300 Dialekten mit denen man im Ursprungsland des Kaffees untereinander kommuniziert.
Meklits rauchig-bluesige Stimme, ihre eigenwillige Phrasierung der Texte und ihre polyphone Musik hat ihr nicht nur in San Francisco eine treue Fangemeinschaft beschert. Aufgrund mittlerweile mehrerer Gastspiele in Äthiopien ist sie auch hier ein Star der populär-zeitgenössischen Szene. „Als ich mit der Musik anfing, hätte ich nie im Leben gedacht, dass die Leute in Äthiopien das, was ich mache, mögen würden. Ich spreche Amharisch mit Akzent!“, erzählt sie in einem Interview. „Aber ich habe auch festgestellt, dass die traditionellen Musiker dort sehr aufgeschlossen sind. Sie haben keine starren Grenzen.
A Piece Of Infinity“ ist eine hörenswerte Mischung aus traditioneller äthiopischer Musik, westlichen Folkanleihen, Jazzharmonien und jeder Menge Unbekümmertheit, die selbst den ernsteren Themen ihre Songs eine gewisse Art von Leichtigkeit vermitteln. Sie nimmt sich die Freiheit, sich in einem weiten stilistischen Kontext auszudrücken, der ihre Individualität unterstreicht und ihr eine faszinierende vokale Aura verleiht.
Jörg Konrad

Meklit
„A Piece Of Infinity“
Folk Ways
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 12.11.2025
Kenny Barron „Songbook“
Bilder
Er gehört zu den gefeierten Altmeistern am Klavier: Kenny Barron. Ein Allroundtalent im Jazz, ein gefragter Sideman und exzellenter Solist, ein erfolgreicher Bandleader und promovierter Hochschullehrer.
Aufgrund seiner allenthalben gerühmten Sensibilität und Empathie gilt der 1943 in Philadelphia geborene Barron als ein idealer Begleiter, der ganz besonders von Sängerinnen außerordentlich geschätzt wird. Für sein neues Album „Songbook“ hat der Pianist dreizehn Songs komponiert, für die wiederum Lyrikerin Janice Jarrett fast alle Texte schrieb.
Barron konnte für dieses, sein erstes reines Vokalalbum überhaupt, etliche Sängerinnen und Sänger engagieren, die durchgängig zu seinen Favoriten gehören. Dazu zählen so arrivierte stimmliche Ausnahmeerscheinungen wie Cécile McLorin Salvant, Kurt Elling, Catherine Russell oder Tyreek McDole. Hinzu kommen einige Newcomer, wie die vielversprechende New Yorkerin Kavita Shah oder das kamerunisch-amerikanische Stimmwunder Ekep Nkwelle.
„Songbook“ ist ein Album geworden, das beeindruckend sämtliche Facetten des Jazzgesangs auf höchstem Niveau zum Ausdruck bringt. Hier finden Leidenschaft und große Gesten, Vokal-Tradition und unprätentiöse Kunstlieder, die Stimme als Instrument und experimentelle Ansätze zu einer Einheit.
Barron kann sich in der swingenden, bluesigen und balladesken Begleitung auf seine eingeschworenen Mitstreiter Kiyoshi Kitagawa am Bass und Joanthan Blake am Schlagzeug vollends verlassen. Ein Trio der Extraklasse – und für jede Sängerin und jeden Sänger eine musikalisch sichere Bank.
Jörg Konrad

Kenny Barron
„Songbook“
Artwork Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 11.11.2025
James Newton Quartet „Live In Willisau 1983“
Bilder
Rückblickend waren es zwei deutsche Jazz-Label, die der Pianistin Geri Allen erstmals die Möglichkeiten boten, eigene Alben zu veröffentlichen. Stephan Meyner von Minor Music mit Sitz im Baden-Württembergischen Blaustein und Stefan F. Winter von JMT München.
Doch entdeckt hat die Jazz-Pianistin, Komponistin, Musikethnologin und Hochschullehrerin der Amerikaner James Newton. Geri Allen veröffentlichte 1984 an der University Of Pittsburgh ihre Abschlussarbeit mit dem Thema: „Eric Dolphy: Eine musikalische Analyse von drei Stücken mit einer kurzen Biografie“. Newton las die Schrift und war hochbeeindruckt.
Er ließ sich von der 1957 in Detroit geborenen Geri Allen Kassetten mit Musik schicken und war gänzlich begeistert. Ihre Transkriptionen von Dolphy-Kompositionen, ihre eigenen außergewöhnlich ausformulierten Songs und ihre eigenwillig groovenden Improvisationen faszinierten Newton dermaßen, dass er umgehend ein Quartett mit der Pianistin gründete.
Mit dieser Band, zu der außerdem der Bassist Anthony Cox und der Schlagzeuger Andrew Cyrille gehörten, ging der Flötist Newton auf Europatournee und spielte am 26. März 1983 im schweizerischen Willisau, wo Niklaus Troxler diesen Auftritt mitschnitt.
Nun, über vier Jahrzehnte später, ist das Konzert erstmals auf Tonträger erschienen. Es ist somit rückwirkend auch die erste Aufnahme Geri Allens, die nur ganz wenige Jahre später durch ihre schwelgerische und individuelle Verbindung von Tradition und Moderne für große Aufmerksamkeit sorgte. Ihre komplexe tonale und melodische Verarbeitung des musikalischen Ausgangsmaterials, als auch ihre strahlend frischen Improvisationen waren außergewöhnlich und wirken in ihren Unerbittlichkeit und Eindrücklichkeit bis heute nach. Mit dieser Art Klavier zu spielen war sie Vorreiterin von Pianisten wie Kris Davis und Angelica Sanchez, wie Vijay Iyer, Craig Taborn oder Marilyn Crispell.
Der frühe tragische Tod Geri Allens schockte 2017 die Jazzwelt regelrecht. Ethan Iverson, Pianist des Erfolgstrios The Bad Plus, schrieb damals in einem Nachruf: „Es gibt im Jazz eine Zeit vor Geri Allen und eine Zeit nach Geri Allen.“
Auch deshalb darf „Live In Willisau 1983“ als eine editorische Meisterleistung eingestuft werden.
Jörg Konrad

James Newton Quartet
„Live In Willisau 1983“
Rhythm Flow Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2025 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.