Emmering. Nach und nach starten sie wieder, die klassischen Konzertreihen im Landkreis. In den meisten Fällen wird die seit Herbst laufende Konzertsaison im neuen Jahr fortgesetzt. In Emmering startete das neue Konzertjahr der fünf „Bürgerhauskonzerte Emmering“ im Januar mit einem Klavierabend. Es war quasi ein Abend mit Ortsbezug, denn es spielte der 2001 geborene Emmeringer Pianist Jakob Aumiller, der derzeit noch in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio studiert. Eines lässt sich unmittelbar feststellen: Hier war es nicht so, dass der sprichwörtliche Prophet im eigenen Land nichts gilt, vielmehr war der Publikumsandrang im großen Saal des Bürgerhauses so groß, dass weitere Stühle aufgestellt werden mussten. Eine zweite Beobachtung lässt sich anfügen: Der Beifall war so groß, dass die Begeisterung der Zuhörer weit über den unausweichlichen Grad der Höflichkeit hinausging.
Das hatte seinen guten Grund: Jakob Aumiller hatte sein Recital unter das Motto „Eine Reise durch die Klavierliteratur“ gestellt und das Programm mit drei Sonaten von Domenico Scarlatti begonnen. Dieser wurde zwar im gleichen Jahr wie Johann Sebastian Bach geboren, entwickelte aber einen gegenüber den Zeitgenossen ganz eigenen Personalstil. In der Transparenz des Klangs und der Leichtigkeit der luciden Spielfiguren in den einzelnen Piècen fand Aumüller eine Interpretationslinie, die er am ganzen Abend beibehielt. Ob schnelle Tonrepetitionen, locker übergreifende Hände oder dynamische Feindifferenzierung, der Pianist wusste, welche Nuancen er dem Flügel entlocken konnte. Dabei aber kamen die lyrischen Momente nicht zu kurz und verdichteten sich zu klanglich fast romantischem Pathos hin zu einem epochenübergreifenden Detail.
Die Sonate in C-Dur von Johannes Brahms folgte, als sein Opus 1 im Jahr 1853 entstanden. Sie kann den Einfluss Ludwig van Beethovens nicht verleugnen, zum Beispiel am akkordischen Beginn des Kopfsatzes (Allegro). Jakob Aumiller wählte einen kraftvollen Anschlag, vermittelte aber zugleich auch die träumerisch versunkene Klangaura etwas später als zusammengehörigen Ausdruck. Sangliche Kantilenen wurden in sorgsame Begleitung gehüllt, romantisch expressive Abschnitte als Aufbruch in eine neue Zeit artikuliert. Im zweiten Satz, einem Andante, entschied sich Aumiller, die Schlichtheit der Interpretation, die er bei Scarlatti vorgestellt hatte, auch hier anzuwenden. Manch verspielte Passage mutete wie ein Anklang an, während an anderer Stelle fast impressionistische Schleier zu hören waren. Im Finale (Allegro con brio) bestimmte ausgezeichnet beherrschte Virtuosität das Klangbild.
Mit Frédéric Chopins Scherzo Nr. 4 in E-Dur op. 54 ging es nach der Pause weiter. Jakob Aumiller pflegte hier einen offenen Klang mit perlender Tonqualität, der sich wie ein roter Faden durch das launige Werk zog. Der Pianist erwies sich dadurch als sensibler Klanggestalter und vermied jeden Anschein eines Tastenlöwen. Das Gespür für den Klang übertrug Aumiller auch auf drei Préludes von Claude Debussy, indem er den richtigen Weg zwischen Verbindlichkeit und Flüchtigkeit fand. Sergej Prokofievs Sonate Nr. 3 in a-Moll op. 28, ein klangvolles Stück der klassischen Moderne, beschloss den Abend. Jakob Aumiller traf den Charakter zwischen verspielten Figuren einerseits und perkussiven Elementen andererseits ausgezeichnet und verlieh dem Werk dadurch eine beeindruckende Noblesse.
Nur mit zwei Zugaben als Antwort auf ihren großen Beifall entließen die Zuhörer am Ende Jakob Aumiller.
Klaus Mohr





























