„Fire It Up“
Mascot/Provogue
„Ich habe Rasen gemäht und beim Bowling Kegel aufgestellt und nahm jeden Gelegenheitsjob an, den ich kriegen konnte, um genug Geld für eine Silvertone-Gitarre für 18 Dollar aus dem Versandhaus Sears Roebuck zusammenzubekommen.“ Das muss Mitte der 1950er Jahre gewesen sein und erzählt hat es Steve Cropper dieser Tage, der damals, nicht einmal 15jährig, davon träumte, Musiker, genauer Gitarrist zu werden. Im damaligen Memphis wimmelte es schließlich nur so von Bands und Plattenstudios, in denen Soul und Gospel, Rhythm & Blues und Rock'n Roll gespielt wurde. Das einzigartige Gebräu aus all diesen Stilen ging als „Memphis-Sound“ in die Musik-Geschichte ein.
Eben jener Steve Cropper gründete ein paar Jahre später tatsächlich die damals vielleicht bekannteste und erfolgreichste Memphis-Band überhaupt: Booker T. and the MG's. Das Quartett hatte etliche Hits, spielte mit Otis Redding, Wilson Picket, den Blues Brothers und hatte nicht nur im tiefen Süden der USA vordere Charts-Plätze regelrecht abonniert. Cropper, der im Oktober dieses Jahres seinen 80. Geburtstag begeht, ist noch immer aktiv und hat erst vor drei Wochen mit „Fire It Up“ ein neues, packendes Album veröffentlicht. Das erste unter eigenem Namen - seit über 50 Jahren. Er ist viel lieber Sideman, Teamplayer, ein Handwerker par excellence, dem die Musiker weitaus wichtiger sind als das eigene Ego.
Bei Cropper steht auch 2021 die absolute Geradlinigkeit des Spiels im Vordergrund. „Ich bin ein Rhythmusspieler, ich gebe den Groove vor“, bekannte er in diesem Frühjahr. „Ich bin kein guter Solist, bin es nie gewesen.“ Was ihn so einzigartig macht, ist die Schärfe seines Groove, die kurzen, knappen Einwürfe, die der Musik ein Gerüst und eine gewisse Atmosphäre geben. Cropper weiß genau worauf es ankommt: Keine virtuosen Zwischenläufe, keine geschraubten Themen. Jeder Ton ist glasklar gesetzt, hat seine charismatische Wirkung und gibt der Musik durch die variierten Wiederholungen einen unverkennbaren Charakter. Klare wie transparente Arrangements vermitteln zusätzlichen Biss. Eine ordentliche Bläsersection, eine Orgel (möglichst Marke Wurlitzer) und natürlich eine herausfordernde, bissige Stimme. Und schon hat man eines der besten Memphis-Alben der letzte Jahrzehnte. Vielleicht ja der (Retro-) Party-Kracher dieses Sommers.
Jörg Konra
(KultKomplott; Mai 2021)



































