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1. Steve Cropper (geb. 21. Oktober 1941 Dora, Missouri, gest. 3. Dezember 2025...
2. München: Avishai Cohen: Der mit dem Bass tanzt - live im Prinzregententhea...
3. Fürstenfeld: Burgtheater Wien - Ellen Babic
4. Germerimg: Libor Šmoldas NYC Trio - Auf gruppendynamischer Augenhöhe
5. Fürstenfeld: Pablo Held Trio feat. Nelson Veras – Musik im Hier und Jetz...
6. Landsberg: Amparo Sánchez – Musikalische Freigeister
Freitag 05.12.2025
Steve Cropper (geb. 21. Oktober 1941 Dora, Missouri, gest. 3. Dezember 2025 Nashville, Tennessee
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Steve Cropper
„Fire It Up“
Mascot/Provogue

Ich habe Rasen gemäht und beim Bowling Kegel aufgestellt und nahm jeden Gelegenheitsjob an, den ich kriegen konnte, um genug Geld für eine Silvertone-Gitarre für 18 Dollar aus dem Versandhaus Sears Roebuck zusammenzubekommen.“ Das muss Mitte der 1950er Jahre gewesen sein und erzählt hat es Steve Cropper dieser Tage, der damals, nicht einmal 15jährig, davon träumte, Musiker, genauer Gitarrist zu werden. Im damaligen Memphis wimmelte es schließlich nur so von Bands und Plattenstudios, in denen Soul und Gospel, Rhythm & Blues und Rock'n Roll gespielt wurde. Das einzigartige Gebräu aus all diesen Stilen ging als „Memphis-Sound“ in die Musik-Geschichte ein.
Eben jener Steve Cropper gründete ein paar Jahre später tatsächlich die damals vielleicht bekannteste und erfolgreichste Memphis-Band überhaupt: Booker T. and the MG's. Das Quartett hatte etliche Hits, spielte mit Otis Redding, Wilson Picket, den Blues Brothers und hatte nicht nur im tiefen Süden der USA vordere Charts-Plätze regelrecht abonniert. Cropper, der im Oktober dieses Jahres seinen 80. Geburtstag begeht, ist noch immer aktiv und hat erst vor drei Wochen mit „Fire It Up“ ein neues, packendes Album veröffentlicht. Das erste unter eigenem Namen - seit über 50 Jahren. Er ist viel lieber Sideman, Teamplayer, ein Handwerker par excellence, dem die Musiker weitaus wichtiger sind als das eigene Ego.
Bei Cropper steht auch 2021 die absolute Geradlinigkeit des Spiels im Vordergrund. „Ich bin ein Rhythmusspieler, ich gebe den Groove vor“, bekannte er in diesem Frühjahr. „Ich bin kein guter Solist, bin es nie gewesen.“ Was ihn so einzigartig macht, ist die Schärfe seines Groove, die kurzen, knappen Einwürfe, die der Musik ein Gerüst und eine gewisse Atmosphäre geben. Cropper weiß genau worauf es ankommt: Keine virtuosen Zwischenläufe, keine geschraubten Themen. Jeder Ton ist glasklar gesetzt, hat seine charismatische Wirkung und gibt der Musik durch die variierten Wiederholungen einen unverkennbaren Charakter. Klare wie transparente Arrangements vermitteln zusätzlichen Biss. Eine ordentliche Bläsersection, eine Orgel (möglichst Marke Wurlitzer) und natürlich eine herausfordernde, bissige Stimme. Und schon hat man eines der besten Memphis-Alben der letzte Jahrzehnte. Vielleicht ja der (Retro-) Party-Kracher dieses Sommers.
Jörg Konra
(KultKomplott; Mai 2021)
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Donnerstag 04.12.2025
München: Avishai Cohen: Der mit dem Bass tanzt - live im Prinzregententheater!
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München. Es gibt sie noch: Musiker, die außerhalb von Clubs große Säle füllen und lupenreinen Jazz präsentieren ohne in reines Entertainment abzudriften. Das ist mittlerweile leider selten geworden! Der israelische Bassist Avishai Cohen kann mittlerweile auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Er spielte von 1996 bis 2003 mit Chick Corea im Trio, u.a. mit Ravi Coltrane oder Leon Parker bis er sein eigenes Trio mit dem Schlagzeuger Mark Guiliana und dem Pianisten Shai Maestro gründete. Der Rest ist Geschichte.

Das Abschlusskonzert seiner diesjährigen Tournee fand am Mittwoch im Münchner Prinzregententheater statt. Um es gleich vorweg zu nehmen: ein fulminanter Gig! Wer Avishai Cohen kennt weiß, dass er auf der Bühne mit vollem Körpereinsatz, immer in Bewegung und Verve seinen Bass traktiert. Da wird gezupft, geklopft, mal kommt der Bogen zum Einsatz - Cohen verschmilzt mit seinem Instrument. Gemeinsam im Trio mit seinen kongenialen Mitstreitern Itay Simhovich am Piano und dem Schlagzeuger Eviatar Slivnik spielte er gleich zu Beginn des Konzertes neue Stücke, die im Januar für sein neues Album aufgenommen werden. Natürlich durften im Laufe des Abends auch seine mittlerweile eigenen Standards wie z.B: „Lookie“ oder „Hitragut“ nicht fehlen, eines der wenigen ruhigen Stücke des Abends übrigens – ansonsten waren Tempo und Polyrhythmik, kombiniert mit ideenreichen, beseelten Improvisationen angesagt. Gekonnt verbindet Cohen in seiner Musik Einflüsse des Nahen Ostens, sowie der traditionellen israelischen Musik mit akustischem Jazz. Nach dem letzten offiziellen Stück „Simchover“ gab es schließlich stehende Ovationen. Es folgte die erste Zugabe, ein „Love Song“, von Cohen gesungen gemeinsam im Trio, nach tosendem Applaus dann seine Trio Bass/Vocal-Version von „Summertime“, rhythmisch mitreißend und zu guter Letzt noch ein lyrisches Duo mit Itay Simhovich am Piano.

Mehr Energie und Jazz-Vibes gingen an diesem Abend wirklich nicht. Man darf gespannt sein auf das neue Album und hoffen, dass Avishai Cohen bald wieder in München live zu sehen und zu hören sein wird.
Text & Fotos: Thomas J. Krebs
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Mittwoch 03.12.2025
Fürstenfeld: Burgtheater Wien - Ellen Babic
Rollenwechsel
Das Burgtheater Wien fasziniert mit „Ellen Babic“ im Stadtsaal des Veranstaltungsforums Fürstenfeld

Fürstenfeld. Steril, aseptisch - so präsentiert sich die Bühne. Eine Versuchsanordnung mit vier überdimensionierten Schreibtischlampen, etlichen Bücherregalen in vier Meter Höhe, in denen keine Bücher stehen. Ein schmuckloser Küchentisch, vier Stühle, ein Kühlschrank - Schauplatz für ein Kammerspiel mit drei Personen, die ihre Rollen immer wieder tauschen. Täter-Opfer-Täter, die Rollen sind fließend. Im Veranstaltungsforum Fürstenfeld begeisterte am Dienstag das Burgtheater Wien mit „Ellen Babic“ von Marius von Mayenburg. Das Stück hat seit der Uraufführung vor zwei Jahren fast alle großen deutschen Bühnen erobert.
Ellen Babic tritt gar nicht auf, um sie dreht sich aber alles. Die Bühne gehört der Lehrerin Astrid, ihrem Vorgesetzen Wolfram und Klara, einem jungen Mädchen. Sie, eine frühere Schülerin von Astrid, und die Lehrerin haben eine lesbische Beziehung und leben zusammen. Wolfram kommt in deren Wohnung und konfrontiert Astrid mit Gerüchten, sie habe bei einer Klassenfahrt Ellen Babic unsittlich berührt. Astrid wiederum verteidigt sich mit einer anderen Version der Geschichte: Sie habe dem betrunkenen Mädchen nur helfen wollen. Astrid wiederum wirft ihrem Chef vor, er habe sie über Jahre hinweg sexuell belästigt.
Erpressungen, zumindest aber eine besonders miese und üble Form von Übergriffigkeit, sind treibende Kraft bei Mayenburg. Sie verschiebt permanent die Machtverhältnisse in diesem Kammerspiel, das Regisseur Thomas Jonigk in die Nähe von Stücken der Erfolgsautorin Yasmina Reza rückt. Eindeutige Schuldzuweisungen, klare Rollenzuschreibungen gibt es hier nicht. Jede/r ist in „Ellen Babic“ einmal Opfer, einmal Täter. Der reichlich konsumierte Alkohol verwischt die Grenzen zwischen Lüge und Wahrheit zusätzlich. Die Me-too-Debatte erscheint in einem anderen Licht. Wolfram, der anfängliche Erpresser, ist am Ende des Stücks der erbärmliche Verlierer, Klara spielt ihre Macht der vermeintlich Unbeteiligten aus, und Astrid bleibt allein zurück.
Astrid – eine packende Bühnenfigur: Dörte Lyssewski spielt sie beherrscht, souverän und tough, sie ist der tragende Mittelpunkt des Kammerspiels, sie beherrscht die Bühne. Daneben verblassen Maresi Riegner als Klara und Jörg Ratjen als Wolfram ein wenig. Ein faszinierendes und spannendes Gastspiel aus Wien, auf das das Veranstaltungsforum und dessen Theater-Leiter Heiner Brummel zu Recht stolz sein können.
Ina Kuegler
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Samstag 29.11.2025
Germerimg: Libor Šmoldas NYC Trio - Auf gruppendynamischer Augenhöhe
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Foto: Tino Kratochvil
Germering. Ein wichtiger Bestandteil des Jazz ist der Rhythmus. Er hält die Musik im Fluss und auch zusammen; er treibt eine Band an und hält sie möglichst in dynamischer Bewegung. Eine Aufgabe, die fast immer der Schlagzeuger ausfüllt, sowohl in der traditionellen Ausrichtung des Jazz, als auch in seinen zeitgenössischen Spiel- und Interpretationsarten.
Dabei ist das Spektrum an rhythmischen Gestaltungsmöglichkeiten außerordentlich vielseitig und individuell. So gibt es die sogenannten Timekeeper, jene Schlagwerker, die perfekt die Zeit halten und in dieser eine eher begleitende Funktion ausüben. Es gibt jene, die den Rhythmus ständig variieren und damit die Musik auf direkte (oft spontane) Art beeinflussen. Und es gibt jene, die beide Fertigkeiten beherrschen und zusätzlich noch in der Lage sind „alles“ zu spielen, vom traditionellen Pulsieren, über die unterschiedlichsten stilistischen Formen, bis hin zu strukturellen Polyrhythmen
Zu den letzteren gehört eindeutig Adam Nussbaum, seit vielen Jahren einer der ganz Großen im Jazz und Mitglied des Libor Šmoldas NYC Trio, das am Freitagabend zu Gast in der Germeringer Stadthalle war. Nussbaum - ein Gigant, der Disziplin, Stärke und Integrität in sich vereint, ein Energiebündel, der den Beat unablässig am Leben hält und ihn durchgehend variiert.
Gitarrist Libor Šmoldas, 1982 in Olomouc / Olmütz geboren und heute in Prag lebend, hat dieses Trio, zu dem noch der Ausnahme-Bassist Jay Anderson gehört, schon vor über zehn Jahren gegründet. Er ist nicht unbedingt ein Erneuerer am Instrument, aber einer, der ganz offensichtlich dem Jazz in den unterschiedlichsten Spielformen leidenschaftlich zugewandt ist. Er spielt Bebop mit ebensolcher Leidenschaft, wie er sich zum Bossa und Samba hingezogen fühlt, er integriert hörbar und hingebungsvoll den Blues, wie er mit Nachdruck sich den Standards des Great American Songbooks zuwendet. Ein feiner, ein geschmeidiger Techniker, der keinen Ton zu viel spielt – aber auch keine Note zu wenig. Ein ökonomischer Improvisator und empathischer Leader.
Sein ausgewähltes Repertoire, gespickt mit bekannten und vertrauten Melodien wie „Moon River“ von Henry Mancini und John Mercer oder „Folks Who Live On The Hill“ von Jerome Kern und Oscar Hammerstein, setzen der Gitarrist und seine Begleiter mit einer sehr harmonischen, aber aufmerksamen Spielwiese um. Alle scheinen sich in den Herausforderungen und stilistischen Diskursen absolut wohl zu fühlen.
Jay Anderson bringt stets seine immensen Erfahrung ein. Sein Ton ist warm, fast einschmiegsam, seine Bassfiguren integrierend und grundierend und dabei stets im Kontakt mit Adam Nussbaum an seiner Seite. Der trommelt immer nach vorn, nie zögerlich oder unentschlossen, sondern trotz einer überwältigenden Variationsbreite stets konsequent und entschlossen.
Alles bewegt sich in diesem Trio auf gruppendynamischer Augenhöhe. Hier gibt es keine Ausreißer – trotz der Spielintelligenz und den Fähigkeiten von Anderson und Nussbaum. Ein jazzmusikalisch feinmaschiges Spinnennetz, was das Libor Šmoldas NYC Trio bei diesem letzten Jazzkonzert in diesem Jahr in Germering knüpft und damit dem Publikum ein großes Vergnügen bereitet.
Jörg Konrad
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Fotos: TJ Krebs
Mittwoch 26.11.2025
Fürstenfeld: Pablo Held Trio feat. Nelson Veras – Musik im Hier und Jetzt
Fürstenfeld. Pablo Helds Engagement für den Jazz scheint unerschütterlich und geht weit über das persönliche Musizieren hinaus. Zwar steht an aller erster Stelle seine Klavierkunst, mit der er die Ebenen und Tiefen des Jazz mit Nachdruck durchpflügt, Neues pflanzt und Ungehörtes gedeihen lässt. Dabei hat er aber auch immer die Geschichte dieser Musik im (Hinter-)Kopf und widmete dieser zuletzt sogar das Album „Standards“.
Zudem rief der in Herdecke, im Ennepe-Ruhr-Kreis geborene Pianist, 2018 einen Podcast unter dem Titel Pablo Held Investigates ins Leben, in dem er bis heute an die einhundert nationale und internationale Musiker sehr intensiv interviewt. Zu ihnen gehören unter anderem: Bill Frisell, Terri Lyne Carrington, Billy Hart, John Scofield, Dave Holland, Joe Lovano …... . Für das Kölner LOFT kuratiert er außerdem seit vielen Jahren eine Konzertreihe und zu guter Letzt hat er 2021 auch noch sein eigenes Label gegründet: Hopalit Records.
Bei derart viel Aktivitäten liegt es fast auf der Hand, dass sich seine Musik im Laufe der Zeit immer wieder ändert, Entwicklungen vollzieht und zu neuen Ergebnissen führt. Am Dienstag war Pablo Held mit seinem schon lang bestehenden Trio und dem brasilianischen Gitarristen Nelson Veras wiederholt in Fürstenfeld zu Gast.
Ein Konzert voller musikalischer Einfälle und Wendungen, anspruchsvoll und doch auch mitreißend. Das Trio mit Robert Landfermann (Bass) und Jonas Burgwinkel (Schlagzeug) agiert trotz allem Perfektionismus nach beinahe 20jährigem Bestehen, noch immer unvorhersehbar und dynamisch. Und Nelson Veras, auch schon seit Jahren immer wieder als Gastmusiker mit dabei, fügt sich mit instrumentaler Meisterschaft in das Kollektiv ein. Lebendige Kompositionen, bis auf wenige Ausnahmen aus der Feder Pablo Helds, spannungsgeladene Arrangements und wunderbar gestaltete Improvisationen bringen die Substanz des Quartetts zum Ausdruck. Wechselnde Grundstimmungen zwischen Post Bop und Prog Rock, musikalische Verbeugungen vor der Jazz-Tradition (Alice Coltrane, Charlie Parker), bis hin zu spirituellen Balladen-Interpretationen – all dies beherrscht die Band souverän. Man spürt allenthalben die Freiheit der Musiker und zugleich die selbstauferlegten Grenzen, die die Richtung jedes Titels vorgeben und sie so noch stärker zur Wirkung bringen.
Diese Musik ist, trotz aller Reminiszenzen, im Hier und Jetzt angelegt, weist aber zugleich auch in die Zukunft. Und man spürt bei ihnen: Jazz ist nicht gleich Jazz. Pablo Held und seine Mannen gehören eindeutig in die Rubrik Intensität, Unrast und Expression.
Jörg Konrad
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Montag 24.11.2025
Landsberg: Amparo Sánchez – Musikalische Freigeister
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Rakel Lopez
Landsberg. Sie gilt als die schwärzeste Stimme des spanischen Pop und als Mitgründerin der Mestizo-Musik. Amparo Sánchez, deren Gesang gezeichnet ist durch eine emotionale Dringlichkeit und dunkle Strahlkraft, war am Samstagabend zu Gast im Landsberger Stadttheater. Allein ihre Persönlichkeit vermittelte auf der Bühne schon eine enorme Magie, die sofort in ihren Bann schlug. Ihre Stimme beinhaltete ein Gefühl von Bestimmtheit und Stolz, von Durchsetzungskraft und auch Weltschmerz. Ihre Musik - ein Konglomerat aus Son, Bolero, Chacarera, Cumbia, Tex-Mex, Punk, Ska und Reggae - Mestizo eben.
Geboren 1969 in Grenada, wurde sie natürlich vom Flamenco in all seinen Spielarten sozialisiert. Doch irgendwann genügte der glühenden Verehrerin der Jazz-Ikone Billie Holiday dieser Folklore-Sound nicht mehr. Sie ging nach Madrid, weil hier die Szene weitläufiger und vielfältiger war. Etwa zur gleichen Zeit kam auch Manu Chao, der französischer Sänger und Gitarrist mit baskischen Vorfahren, in die spanische Hauptstadt. Er und Amparo freundeten sich an und musizierten miteinander.
In dieser Zeit wanderten viele Latinos aus wirtschaftlichen Gründen nach Spanien aus. Sie brachten aus Argentinien, Mexiko, Kuba und Venezuela ihre Musik mit - ein Eldorado für alle Stil-Maniker, wie es Mano und Amparo waren. Amparo gründete ihre bis heute legendäre Band Amparanoia, die all diese Musik in sich vereinte und spielte in Clubs und auf (Jazz-) Festivals weltweit. Dabei lernte sie Joey Burns und Joe Convertino von Calexico aus Tucson, Arizona, kennen, die sofort begeistert auf sie reagierten und es zur Zusammenarbeit kam. So fanden in Amparos Musik noch stärker Blues-Einflüsse und eine ordentliche Prise Desert-Rock stilistisch Raum und erdeten ihre Musik zusätzlich.
In Landsberg hatte Amparo mit dem Argentinier Raly Barrionuevo und dem Katalanen Willy Fuego zwei Gitarristen an ihrer Seite, die die gesamte Palette an virtuosen Saitenspielen beherrschten. Als Trio bewegten sie sich, ähnlich musikalischen Freigeistern, mit deutlichen Anknüpfungspunkten innerhalb der unterschiedlichsten Folklorestile. Abgesehen von Amparos Stimme beeindruckte die zurückhaltende Spielkultur der beiden Begleiter. Zwischenzeitlich ließen sie jedoch immer wieder ihre spieltechnischen Fähigkeiten aufblitzen, Barrionuevo ausschließlich an der akustischen Gitarre und Fuego mehr mit psychedelischen Verzierungen und winzigen Figuren am elektrischen Instrument.
Doch alles gipfelte an diesem Abend in der sehnsuchtsvollen Stimme Amperos. Inhalte ihrer Songs sind urpersönliche Betrachtungsweisen, ihres Seelenzustandes, der politischen Entwicklungen, den damit einhergehenden Ungerechtigkeiten und einem kämpferischen Aufbegehren. Mit ihren klaren und leidenschaftlichen Statements war sie in Mexiko, Argentinien und Kuba schon ein Star, bevor sie überhaupt dort auftrat. Aber als Protestsängerin versteht sie sich deshalb nicht unbedingt. „Die Welt ist wirklich kompliziert, und das aufs Papier zu bringen ist noch schwieriger“, sagte sie schon vor längerer Zeit in einem Interview. „Mein Weg, um mich auszudrücken, ist die Musik. In ihr spiegelt sich mein Werdegang und das, was ich auf meinen Reisen erlebe. Meine politische Meinung steht auf einem anderen Blatt.
Eine besondere Überraschung hatte Amparo noch am Ende des Konzerts zu bieten. Da überließ sie Raly Barrionuevo die Bühne für drei seiner Songs. In seiner Heimat ist er ein Meister der Chacarera, einem folkloristischen Musikstil. Mit seiner ebenso weichen, kraftvollen und befreienden Stimme begeisterte er das Publikum an diesem Abend druckvoll und differenziert.
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
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