Bei Christoph Stiefel, dem 1961 geborenen Pianisten, war es hingegen umgekehrt. Er wurde mit gerade einmal 23 Jahren Mitglied der Band um Andreas Vollenweider, dem gelockten Harfenisten, und zog mit ihm von Kontinent zu Kontinent, um die Menschen zu begeistern. Auf einer Woge des Erfolgs, wurden dabei die Konzerthäuser im Sturm genommen.
Fünf Jahre das Ganze, dann begann Christoph Stiefel ausschließlich seine Musik zu spielen: Im Duo, im Trio, im Quartett, im Quintett, im Septett und auch solistisch. Er entwickelte eine völlig eigene Spielweise, den Isorhythm, bewegte sich voller Leidenschaft zwischen „Präzision und Entfesselung“, komponierte, improvisierte, interpretierte.
Zwei Dutzend eigene Alben hat er bis heute eingespielt, „To The Source“ ist sein bisher letztes. Und die Musik? Sie klingt befreit. Zur einen Hälfte im Festsaal des Kirchgemeindehauses in der Liebestrasse in Winterthur aufgenommen, zur anderen Hälfte in der Kirche Oberstrass in Zürich eingespielt klingt „To The Source“ wie eine üppige Reise ins innere Ich. Der Pianist schwadroniert durch die kleinen poetischen Gassen impressionistischer Ideen und über die großen, angestammten Plätze des Jazz, wie sie zum Beispiel Horace Silver mit „Peace“ hinterlassen hat.
Es sind individuelle Entwürfe und versteckte Überzeugungen, die Christoph Stiefel pianistisch zusammensetzt, an denen er bei seiner ganz persönlichen Vermessung des Jazz den Zuhörer teilhaben lässt. Technisch brillant gespielt, geschickt ausgedacht und trotzdem voller poetischer Unvorhersehbarkeiten. „Die Musik fließt einfach durch mich hindurch, quasi ohne mein zutun.Mein Beitrag besteht lediglich darin, diesem Schöpfungsakt nicht im Wege zu stehen, damit dieses ganze Neue, auch mir Unbekannte überhaupt entstehen kann.“
Jörg Konrad
Christoph Stiefel
„To The Source“
NWOG Records
„To The Source“
NWOG Records























