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7. Tom Bourgeois Quartet „Lili – Les Inédits“
8. Marcus Deml „Pure“
9. Thomas Stronen „Off Stillness“
10. Mateusz Smoczynski „Fallen Angel“
11. Deadeye „In Orbit“
12. Mark Pringle „New Customers“
Montag 12.01.2026
Tom Bourgeois Quartet „Lili – Les Inédits“
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Lili Boulanger war die erste Frau, die 1913 den begehrten Rom-Preis des Pariser Musik Konservatoriums erhielt. Als die damals erst 19jährige fünf Jahre später nach langer quälender Krankheit starb, hinterließ sie nur gut fünfzig Kompositionen, die jedoch ausreichten, um sie unsterblich werden zu lassen. Die Tochter eines französischen Komponisten und einer russischen Sängerin gehört bis heute zu den bedeutendsten französischen Komponistinnen des frühen 20. Jahrhunderts.
Der französische Tenorsaxophonist, Bassklarinettist und Komponist Tom Bourgeois hat Lili Boulanger schon 2024 ins Zentrum seiner musikalischen Arbeit gestellt. Damals entstanden Aufnahmen, die er auf dem Album „Lili“ veröffentlichte und als eine Hommage an Lili Boulanger gedacht waren. Bourgeois schuf mit diesem Werk jedoch auch ein ganz persönliches intensiv und funkelndes Stück Musik, das sich zwischen Jazz und Kammermusik bewegt.
Mit „Lili – Les Inédits“ schiebt der heute in Belgien lebende Instrumentalist und erfahrene Filmkomponist aus eben jener damaligen Aufnahmesession einige zusätzliche Variationen der eingespielten Titel nach.
Wie schon für sein Album „Murmures“, auf dem sich Bourgeois 2018 intensiv mit dem Werk Maurice Ravels auseinandersetzte, spannt er auch auf „Lili – Les Inédits“ einen Bogen zur impressionistischen Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts. Eine Stilistik, die Bourgeois und seinem Quartett unüberhörbar am Herzen liegt. Eine verspielte Leichtigkeit und ernste Tiefe gehen hier Hand in Hand. Diese Musik lebt zudem von Freiheit und Intelligenz, von Behutsamkeit und Selbstvergessenheit und vermeidet trotzdem jede Form von klanglicher Konfrontation.
Jörg Konrad

Tom Bourgeois Quartet
„Lili – Les Inédits“
BMC
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Freitag 09.01.2026
Marcus Deml „Pure“
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Marcus Deml hat etliche Bands aus der Taufe gehoben, war als Studiomusiker an hunderten von Produktionen beteiligt (John Wetton, Achim Reichel, Rick Astley, Snap), wurde in Clevland in die „Rock'n Roll Hall of Fame“ aufgenommen und spielt seit drei Jahren unter eigenem Namen.
Pure“ ist unter diesen Vorzeichen sein zweites Album. Ein packendes, intelligentes, energiereiches Statement, das er hier in der Tradition großer Gitarristen abliefert. Was im Grunde nur wenig verwundert, da der Saitenkünstler schon in der Jugend von Gitarren-Giganten wie Jimi Hendrix, Jeff Beck oder Alan Holdsworth beeinflusst wurde. Den „Rest“ erledigten Larry Carlton und Scott Henderson, bei denen der in Prag geborene und heute in Deutschland lebende Deml im Guitar Institute of Technology zu Los Angeles studierte.
So verwundert es wenig, ds sich Marcus Deml am wohlsten in einem Zwischenreich von Blues, Jazz und Rock bewegt. Sein melodiöses Spiel besticht trotz einer enormen Virtuosität durch Herz und Transparenz. Er entwickelt auf seinem Instrument unterschiedlichste Stimmungen, beherrscht das Balladenspiel ebenso, wie er mit diszipliniertem Getöse und ordentlicher Lautstärke energiereich in die Hallen des Heavy Metall einbricht. Und immer wieder steht der Blues Pate, ist er für Marcus Deml der Ausgangspunkt aller musikalischen Bewegungen der Neuzeit. Dass er auf seinen Reise durch die stilistischen Landschaften unterschiedlichste Instrumente benutzt, versteht sich für einen Saiten-Freak von selbst. Zudem stammen sämtliche Kompositionen aus seiner Feder, was nochmals seine Ausnahmestellung unterstreicht.
Seine Band, mit Achim Rafain (Bass), Felix Dehmel (Drums) und Tom Aeschbacher (Keyboards) folgt dem Meister auf all seinen musikalischen Wegen, unterstützt, inspiriert, ergänzt und befeuert. So ist „Pure“ zu einem echten Highlight geworden – eine Entdeckung!!
Jörg Konrad

Marcus Deml
„Pure“
Triple Coil Music
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Mittwoch 07.01.2026
Thomas Stronen „Off Stillness“
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Thomas Stronen gehört nicht zu jenen Schlagzeugern, die strikt die Zeit halten, die ihre Aufgabe allein darin sehen, eine Band rhythmisch zusammenzuhalten und vorwärtszutreiben. Der norwegischer Schlagwerker ist ein Soundmaler am Instrument, ein subtiler, fantasiereicher Architekt, der auf Fellen, Becken, Gongs und Chimes atmosphärische Landschaften in speziellem Licht entwirft. Ein stimmungsvoller Gestalter, der Motive, Figuren und vor allem Färbungen schichtet und so einem perkussiven Lyriker nahe kommt, der unerwartete koloristische Akzente setzt und auf ständiger Suche nach dem passenden Klangideal ist.
Stark beeinflusst fühlt sich Thomas Stronen von den beiden Schlagzeugästhetikern Paul Motian und Audun Kleive. Ersterem widmet er auf seinem neuen Album „Off Stilness“ das Eingangsstück „Memories of Paul“, wobei er sich zugleich auch vor dem Pianisten Paul Bley verbeugt, der für Stronen vor allem kompositorisch von großer Bedeutung ist.
Wie auch auf allen anderen Stronen-Kompositionen befindet sich der Schlagzeuger in einem ständig wogenden Austausch mit seinen Instrumentalpartnern. Zu ihnen gehören Ayumi Tanaka (Piano), Hakon Aase (Violin), Leo Svensson Sander (Violoncello) und Ole Morten Vagan (Bass).
Die Kommunikation zwischen den einzelnen Stimmen fußt zwar auf den Vorgaben des Leaders, ist jedoch zugleich der Ausdruck einer immerwährenden fließenden Improvisation. Es sind subtile Flügelschläge, die trotzdem ordentlich Luft unter die Schwingen bringen und das Quintett elegant fliegen lässt. Feinsinnige instrumentale Bewegungen, die mit großer Innigkeit ineinander greifen und so einen Hybrid zwischen Kammermusik und Avantgarde entwerfen.
Jörg Konrad

Thomas Stronen
„Off Stillness“
ECM
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Mittwoch 24.12.2025
Mateusz Smoczynski „Fallen Angel“
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Polen – ein Land der Violinisten? Zumindest was den Jazz betrifft. Denn von hier stammen Michail Urbaniak, Zbigniew Seifert, Krzesimir Debski, Adam Baldych – und auch Mateusz Smoczynski. Allesamt exzellente Solisten und Komponisten. Letzterer wurde 1984 in Warschau geboren und ist neben dem Jazz in der Klassik und der Weltmusik bewandert. Auf „Fallen Angel“, seinem neusten Album, bringt Mateusz Smoczynski all diese Fähigkeiten unter einen Hut und kann zudem noch mit dem Polish Radio Orchestra Warsaw und dem Pianisten Dominik Wania auf edle Begleitung bauen.
Geschrieben hat Smoczynski diese achtteilige Suite für Jazzimprovisation und symphonische Dichtung für den Klavierspieler Janusz Olejniczak, einen der herausragendsten polnischen Pianisten, Lehrer und Schauspieler. Eingespielt hat „Fallen Angel“ aufgrund des angegriffenen Gesundheitszustandes Olejniczaks, der am 20. Oktober 2020 in Warschau starb, Dominik Wania.
Mit seiner enormen Erfahrung verbindet er Symphonik, Jazz und Rock und baut mit langem Atem und hinreißender Dynamik Säulensäle hybrider Musik. Eine Herausforderung, die sowohl eine energetische Experimentierfreudigkeit, als auch eine in sich geschlossene klassische Stimmungslage miteinander in Beziehung setzt.
Kraftvolle Improvisationen wechseln mit symphonischer Sanftheit, atmosphärische Motive gehen in dramatische Bekundungen über. Beide Solisten, sowohl Smoczynski als auch Wania, finden auf diesen abwechslungsreichen Streifzügen einen gemeinsamen Ausdruck, drücken mit ihren Horizonte erweiternden Interpretationen der Musik ihren Stempel auf. Ein im pulsieren befindliches Klangmeer, voller Stolz und melancholischer Einfühlsamkeit.
Jörg Konrad

Mateusz Smoczynski
„Fallen Angel“
Warner Poland
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Dienstag 16.12.2025
Deadeye „In Orbit“
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Von einer kleinen Horde junger Instrumentalisten, und jung gilt man in diesem Metier mit 40 Jahren ganz sicher noch, erwartet man letztendlich eine temperamentvolle, erfrischende, vielleicht sogar explosive Musik.
Wer das Trio Deadeye ähnlich im Vorfeld einschätzte, der liegt, zumindest bei „In Orbit“ goldrichtig. Gitarrist und Komponist Reinier Bass (geb. 85), Keyboardspieler Kit Downes (geb. 86) und Schlagzeuger Jonas Burgwinkel (geb. 81) spielen auf „In Orbit“ eine deutlich stimmungsvolle, um nicht zu sagen exzentrische Musik. Keine freien Improvisationen und keine elektronischen Minimal-Tracks. Stattdessen von Blues und Rock beeinflusste Strukturen, bei denen es mit Sicherheit nicht schadet, sie laut zu hören. Ihre deutlichsten Markenzeichen: Ungerade Metren und scharfgeschliffene Solostimmen.
Auf Klangfarben oder hypnotisch angehauchte Melodien legt das Trio zumindest auf „In Orbit“ keinen all zu großen Wert. Diese drei Musiker wollen unbändig spielen, suchen auf ihren Avant-Rock-Reisen das Abenteuer, oder zumindest akustische Herausforderung. Sie bringen ihre jeweiligen Erfahrungen aus etlichen anderen Projekten mit, in denen sie integriert sind, und lassen hier doch wieder etwas völlig Neues entstehen. Auf jeden Fall finden ihre musikalischen Einfälle und klanglichen Provokationen, sowie ihr hoher spieltechnischer Qualitätsstandard, eine vollkommene Einheit. Dabei beeindrucken die Intensität und das Energielevel des im einem Kölner Studio eingespielten Albums. Vielleicht als Ergebnis eines ständigen, kreativen Reibungsprozesses der Persönlichkeiten und ihren tatsächlichen Visionen untereinander. Am Ende steht jedoch: Absolut empfehlenswert.
Jörg Konrad

Deadeye
„In Orbit“
Budapest Music Center Records (BMC)
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Dienstag 16.12.2025
Mark Pringle „New Customers“
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Mark Pringle, in Berlin lebender Brite, übersteigt mit seinen künstlerischen Meriten die Grenzen reiner Musikalität deutlich. Der Pianist und Komponist bezieht auch auf seinem neuen Album „New Customers“ bewusst politisch Stellung. Eine Art Gesellschaftskritik, ausgedrückt und umgesetzt mit einer Formation von befreundeten Instrumentalisten, die in ihrer Dringlichkeit und Intensität an Überzeugung nichts zu wünschen übrig lassen. Pringle geht es um das Mißverhältnis zwischen wirtschaftlichen Strukturen und kulturellen Erwartungen, sowie dem Erliegen des Einzelnen vor den Zerreißkräften von Stress und Überforderung
Das klingt in seinen improvisierten Kompositionen und seinen komponierten Improvisationen nicht unbedingt eingängig. Es fordert den Hörer heraus, dieser den Äther beherrschenden Klangsubversivität auch zu folgen. Pringle begibt sich mit seinen musikalischen Partnern nicht selten mitten hinein, ins Auge eines wild tosenden Jazz-Taifuns.
Aber ist diese (bewusste) Dekonstruktion nicht letztendlich die authentischste und damit einzige Möglichkeit, sich dem Zweifel an einer so anfechtbaren Gesellschaft bis auf Haaresbreite die Kunst zu nähern?
Der ständige inhaltliche Wechsel von Formen und Stilen birgt eine Chance unsere Realität widerzuspiegeln. So kann „New Customers“ letztendlich nur ein unglaublich komplexes, von vielen gegensätzlichen Strukturen gezeichnetes Stück Musik sein, in dem Sensibilität, Individualität, Willensstärke als auch Wissen zum Ausdruck gebracht werden. Ein Drahtseilakt zwischen melodischer Topografie und Avantgarde. Ohne Netz und doppelten Boden.
Jörg Konrad

Mark Pringle
„New Customers“
Boomslang Records
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Autor: Siehe Artikel
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