Frank Auerbach in der Galerie Michael Werner, Berlin
Als die Bilder des Malers Frank Auerbach im Mai und Juni dieses Jahres in der Galerie Michael Werner in der Berliner Hardenbergstraße ausgestellt wurden, sprach man von einer kleinen Sensation. Denn zuletzt waren Arbeiten des in Berlin geborenen, aber seit 1947 britischen Staatsbürgers, in seiner Heimatstadt 1983 zu sehen. Auerbach, Sohn assimilierter jüdischer Eltern (Vater war Anwalt, Mutter hatte Kunst studiert, einer seiner Cousins war Marcel Reich-Ranicki), lebte seit 1939 in England. Seine Eltern hatten ihn aufgrund der Verfolgung alles Jüdischen in Deutschland durch die Nazis mit einem Kindertransport nach Großbritannien geschickt, wo er in einem Internat aufwuchs. Sie selbst blieben in Deutschland, wurden 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
In London studierte Frank Auerbach zwischen 1948 bis 1955 an der St. Martin’s School of Art und am Royal College of Art Kunst und entwickelte sich mit seinen expressiven, und von dicken Farbschichten gekennzeichneten Werken zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten Maler weltweit. Nur in Deutschland wurde er bis auf wenige Ausnahmen kaum zur Kenntnis genommen.
Seine peitschenden, kühnen Linien, die schroffen aber ausdrucksstarken Porträts, seine abstrakten, fragmentarischen Landschaftsbilder haben etwas skulpturartiges. 1986 vertrat er auf der Biennale von Venedig Großbritannien und erhielt für sein Werk den Goldenen Löwen.
Auerbach, zeitlebens ein enger Freund Lucien Freuds, konnte die Ausstellung selbst nicht mehr besuchen. Er starb ein halbes Jahr vor deren Eröffnung, am 11. November 2024, 93-jährig in London.
Jörg Konrad



























