Obwohl im Monat Januar die Helligkeit von Tag zu Tag zunimmt, gibt es noch immer lange Beobachtungsnächte. Das riesige Wintersechseck kann jetzt schon ab 21 Uhr im Süden beobachtet werden. Da Jupiter rund 12 Jahre für einen Umlauf um die Sonne braucht, wandert der Planetenriese nur sehr langsam durch das Sternbild Zwillinge und ist als hellstes Objekt am nächtlichen Himmel leicht neben den beiden Zwillingssternen Kastor und Pollux auffindbar. Von den anderen Planeten ist nur noch Saturn sichtbar. Allerdings geht er bereits um 22 Uhr im Westen unter.
Die Beobachtung der Sonne gestaltet sich für den menschlichen Betrachter sehr schwierig, denn durch ihre hohe Strahlkraft ist es fast unmöglich, die Sonne ohne Schutzmaßnahmen auch nur für einen Bruchteil einer Sekunde direkt zu betrachten. Im Moment des Sonnenaufgangs bzw. des Sonnenuntergangs ist dies zumindest für kurze, meist sehr emotionale Augenblicke möglich. Doch auch dann wirkt es sich auf unsere Netzhaut deutlich durch einen oder mehrere rötliche Punkte aus, die minutenlang vor dem Auge zu schweben scheinen.
Sehr interessant ist die Beobachtung von Nebensonnen. Diese auch Sonnenhunde genannten Phänomene treten dann auf, wenn sich das Licht der Sonne in den Eiskristallen der Hochatmosphäre prismenartig bricht. Durch eine Sonnenbrille oder wie in den oben zu betrachtenden Fotos kann man dies eindrucksvoll erkennen.?
Die beiden Fotos entstanden oberhalb einer ausgedehnten Wolkendecke in 1000m Höhe auf dem Wurmberg bei Braunlage im Harz.
Für die Astronomie ist natürlich der Stern direkt vor der Haustür von ganz spezieller Bedeutung, denn die Sonne ist als Referenzobjekt für den Vergleich mit allen anderen Sternen, die für uns erfassbar sind, außerordentlich wichtig.
Dabei werden die wissenschaftlichen Langzeitstudien der Sonne von speziellen Raumsonden durchgeführt. Ein Paradebeispiel hierfür ist die am 2. Dezember 1995 gestartet Raumsonde SOHO (Solar and Heliospheric Orbiter). Die Mission ist ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Weltraumorganisation NASA und der europäischen Raumfahrtagentur ESA und war ursprünglich für nur zwei Jahre Betriebszeit geplant.
Mittlerweile sind über 30 Jahre daraus geworden, in denen das Weltraumobservatorium fast ohne große Übertragungsprobleme die Aktivität der Sonne aufzeichnet.
Stationiert ist es im sogenannten Lagrange-Punkt L1, wo die Anziehungskräfte der Sonne und der Erde nahezu im gleichen Maß auf die Sonde wirken und sich quasi ausgleichen. L 1 ist 148 Millionen km von der Sonne und knapp 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Seit Beginn der Mission hat SOHO die Aktivität unseres Heimatsterns fast lückenlos dokumentiert und die Forscher hoffen darauf, dass dies auch noch dreieinhalb Jahre so weiter geht, sodass drei komplette Sonnenzyklen von je 11,2 Jahren zur Auswertung genutzt werden können.
Dass SOHO so gut funktioniert, „ist ein Verdienst der Ingenieure, Operatoren und Wissenschaftler – und ein starkes Zeichen internationaler Zusammenarbeit“, betont Carole Mundell, ESA-Direktorin der Abteilung für Wissenschaften. Auch von der Seite der NASA heißt es: „Die Mission ist ein großartiges Beispiel für eine erfolgreiche Partnerschaft. Beide Teams verdienen Anerkennung für 30 Jahre außergewöhnlich beeindruckender Leistung.“
Die drei Jahrzehnte verliefen nicht ohne anfängliche Probleme: Zweieinhalb Jahre nach dem Start geriet die Raumsonde in eine unkontrollierte Rotation. Erst nach monatelanger Tüftelei der Flugingenieure gelang die Lösung des Problems. Wenig später allerdings fiel das letzte der drei Gyroskope aus. Da sie für die akkurate Ausrichtung verantwortlich sind, stand die gesamte Mission auf der Kippe. Ingenieure entwickelten in der Folge eine neue Software, welche die komplette Lageregelung ohne Gyroskope ermöglichte – ein Meilenstein in der Raumfahrttechnik, der den Weiterbetrieb von SOHO bis heute gewährleistet.
Seit nunmehr drei Jahrzehnten hat SOHO die Sonne fest in seinem Blick. Von Anfang an beobachtete die europäisch-amerikanische Raumsonde unser Zentralgestirn in allen Frequenzbereichen der elektromagnetischen Strahlung.
Interessant ist die Tatsache, dass SOHO die sogenannten CME´s (Coronal Mass Ejektion - deutsch: koronale Massenauswürfe) genauestens erfassen kann, wobei diese Bilder äußerst eindrucksvoll sind.
Anfänglich nicht geplant, entdeckte man mithilfe von SOHO zudem etliche sogenannte „Sungrazer-Kometen“. Diese kommen auf ihren Umlaufbahnen der Sonne so nahe, dass sie von deren intensivem Licht teilweise überstrahlt und häufig auch durch die enorme Anziehungskraft zerstört werden.
Ohne den abschirmenden Effekt des Koronografen der Raumsonde ließen sich diese Objekte gar nicht beobachten. SOHO wurde zudem ungewollt zu dem erfolgreichsten Kometenjäger aller Zeiten. So gelang im März 2024 die 5000. Entdeckung.
SOHOs Erfolg ebnete den Weg für nachfolgende Missionen der ESA und NASA wie den Solar Orbiter, die Parker Solar Probe oder die erst im Jahr 2024 gestartete Mission Proba-3 der ESA. „Es ist ein rundum strahlender Erfolg – dank des Engagements der Teams, die diese unglaubliche Maschine am Laufen halten“, sagt Daniel Müller, Projektwissenschaftler bei der ESA für SOHO und Solar Orbiter. „Ich bin sicher, dass ihr Vermächtnis die Sonnenforschung noch jahrzehntelang prägen wird.“
SOHO reiht sich damit direkt in die Liste der erfolgreichen Langzeitmissionen ein. Unangefochtene Spitzenreiter sind dabei die beiden Voyager-Sonden, die seit 48 Jahren und 4 Monaten unterwegs sind. Schon bald wird Voyager 1 mit dem Lichttag eine neue Maßeinheit kreieren, denn bisher kennen wir in unserem Sonnensystem nur die Lichtminute und die Lichtstunde. Wenn dann der Laufweg eines Übertragungssignals mehr als 24 Stunden beträgt, wird ein weiterer Meilenstein der unbemannten Raumfahrt erreicht sein. Letztendlich kann man sich an dieser Tatsache ausrechnen, wie weit wir zum Beispiel von unserem nächsten Nachbarstern Proxima Centauri (siehe Kosmos 143) entfernt sind. Voyager 1 würde das 4,2 Lichtjahre entfernte System mit dem erdähnlichen Exoplaneten Proxima Centauri B in ca.180.000 Jahren erreichen. Dabei müsste sie zwei weitere Maßeinheiten überwinden: Die Lichtwoche und den Lichtmonat. Dies liegt daran, dass die Raumsonde eine für intergalaktische Verhältnisse extrem langsame Geschwindigkeit hat. Mit ihren 61.200 Stundenkilometern oder umgerechnet 17 Kilometern pro Sekunde bewegt sie sich eher mit einer kosmische Schneckengeschwindigkeit, denn dieser Wert stellt gerade einmal 0,0000570 Prozent der Lichtgeschwindigkeit dar. Trotzdem ist sie die erste von Menschenhand erbaute Maschine, die unser Sonnensystem verlassen hat.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt





























