Lili Boulanger war die erste Frau, die 1913 den begehrten Rom-Preis des Pariser Musik Konservatoriums erhielt. Als die damals erst 19jährige fünf Jahre später nach langer quälender Krankheit starb, hinterließ sie nur gut fünfzig Kompositionen, die jedoch ausreichten, um sie unsterblich werden zu lassen. Die Tochter eines französischen Komponisten und einer russischen Sängerin gehört bis heute zu den bedeutendsten französischen Komponistinnen des frühen 20. Jahrhunderts.
Der französische Tenorsaxophonist, Bassklarinettist und Komponist Tom Bourgeois hat Lili Boulanger schon 2024 ins Zentrum seiner musikalischen Arbeit gestellt. Damals entstanden Aufnahmen, die er auf dem Album „Lili“ veröffentlichte und als eine Hommage an Lili Boulanger gedacht waren. Bourgeois schuf mit diesem Werk jedoch auch ein ganz persönliches intensiv und funkelndes Stück Musik, das sich zwischen Jazz und Kammermusik bewegt.
Mit „Lili – Les Inédits“ schiebt der heute in Belgien lebende Instrumentalist und erfahrene Filmkomponist aus eben jener damaligen Aufnahmesession einige zusätzliche Variationen der eingespielten Titel nach.
Wie schon für sein Album „Murmures“, auf dem sich Bourgeois 2018 intensiv mit dem Werk Maurice Ravels auseinandersetzte, spannt er auch auf „Lili – Les Inédits“ einen Bogen zur impressionistischen Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts. Eine Stilistik, die Bourgeois und seinem Quartett unüberhörbar am Herzen liegt. Eine verspielte Leichtigkeit und ernste Tiefe gehen hier Hand in Hand. Diese Musik lebt zudem von Freiheit und Intelligenz, von Behutsamkeit und Selbstvergessenheit und vermeidet trotzdem jede Form von klanglicher Konfrontation.
Jörg Konrad
Tom Bourgeois Quartet
„Lili – Les Inédits“
BMC























