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1. Fürstenfeld: Botticelli Baby – Anarchische Spitzenkapelle
2. Landsberg: Clair-Obscur – Geerdete Saxophone
3. Ralph Towner (geb. 01. März 1940 Chehalis, Washington, gest. 18. Januar 20...
4. Germering: Simon Oslender Trio – Mehr Mut
5. Emmering: Jakob Aumiller - Reise durch die Klavierliteratur mit rotem Faden
6. Germering: Stummfilm-Pathos im fortissimo
Freitag 23.01.2026
Fürstenfeld: Botticelli Baby – Anarchische Spitzenkapelle
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Fürstenfeld. Für eins können Botticelli Baby zu einhundert Prozent garantieren: Für unorthodoxe und nicht unbedingt kommerzielle Musik. Aber auf die Frage, wo man denn diese Band stilistisch eigentlich genau einordnet, will einem partout kein Schubfach einfallen, in dem man diesen heißen Sound verstaut. Was die Babys spielen ist weder Swing, noch Blues, kein Boogie Woogie, und kein Punk, ist weder Folklore noch Soul, erst recht kein Schlager. Und doch zirkulierte bei den sechs Rebellen am Mittwochabend im Fürstenfelder Stadtsaal von jeder Strömung zumindest etwas in deren Blut. Marlon Bösherz, ein Dompteur, der selbst zum Löwen wird, brachte hier samt seiner anarchischen Spitzenkapelle die Luft zum vibrieren, mischte jeden Gedanken an kreuzbraves Musikantentum kompromisslos auf. Der Abend wurde zu einem Fest für all jene, denen schweißtreibender Groove und ungefilterte Energie über alles geht und die zudem ein untrügliches Gespür für intelligente Musik haben.
Gegründet 2012 in Essen wollten sich Botticelli Baby von Beginn an stilistisch nicht festlegen (lassen). Sie spielten schon immer Musik - eben wegen der Musik. Dafür war den seelenverwandten Wilderern jeder Ausdruck recht – nur intensiv sollte es sein, druckvoll, ungestüm und vor allem entschlossen gespielt.
Aber passt denn eine solche Musik in traditionsreiche Jazzreihen, wie JazzFirst eine ist? Natürlich, möchte man ausrufen, wohin denn sonst. Entgrenzte Musik lebt von praktizierter Freiheit, manchmal auch von Frechheit, von Maniriertheit, von dem unbedingten Willen, Unerwartetes zu tun. Und dieser Gedanke klanglicher Freiheit ist nun einmal auch ein wichtiges Merkmal des Jazz. Sicher nicht sein einziges – aber ohne Freiheit letztendlich kein Jazz.
Und so drehten am Mittwoch Marlon Bösherz (Gesang, Bass, schräge Moderation), Lion Wegmann (Keyboards), Jörg Buttler (Gitarre), Maximilian Wehner (Posaune), Thomas Rieder (Trompete) und Tom Hellenthal (Schlagzeug) auf der Bühne ihre Runden, erinnerten an die Ballsäle der 1920er Jahre, die Bläsersätze im JazzRock der 1970er Jahre, die Energie südosteuropäischer Folklore-Vulkane, an ungepflasterte Straße und kollabierende Großstadtmetropolen. Welche Band beginnt einen Live-Auftritt schon mit einer Ballade? Oder trifft trotz unbändiger Intensität und Hochgeschwindigkeit diszipliniert jeden Ton? Hier hängt keiner sein Fähnchen in den Wind. Die Kontroverse ist gewollt. Sicher, diese Klang-Philosophie ist nicht ganz ungefährlich. Aber der Erfolg gibt Botticelli Baby letztlich recht – mit einer Musik, die ebenso roh vertrackt, wie auch lyrisch faszinierend klingt. Wie das Leben selbst!
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 21.01.2026
Landsberg: Clair-Obscur – Geerdete Saxophone
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Foto: Michael Jungblut
Landsberg. Saxophon-Quartette im Jazz? Natürlich, gab und gibt es einige. Aber auch in der Klassik? Clair-Obscur ist nur eines von vielen. Am Samstagabend gastierten die Berliner im schon seit Wochen ausverkauften Rathaussaal in Landsberg. Ein Highlight der Reihe, was zeigt, wie vielfältig die Szene und wie aufgeschlossen das hiesige Publikum ist.
Dabei wird die erste Komposition für das von dem Belgier Adolphe Sax erfundene Saxophon Hector Berlioz zugeschrieben, dem französischen Romantiker. Später kamen George Bizet, Cesar Franck und auch Claude Debussy hinzu, bevor Marschkapellen und dann erst der Jazz das Instrument für sich entdeckten.
Bei Clair-Obscur standen Orchestrierungen von Kompositionen aus zwei Jahrhunderten auf dem Programm. Auf Tenor-, Alt-, Bariton- und Sopransaxophon präsentierte das Quartett, bis auf den weniger bekannten Komponisten Bohuslav Martinu, unterschiedliche „Eveergreens“ der Musikgeschichte. Dem Tschechen rückte das Quartett mit seiner obskuren Ballettmusik „La Revue de Cuisine“, zu deutsch „Küchenrevue“, zu Leibe. Es ist die Liebesgeschichte zwischen einem Topfdeckel, einem Topf, einem Quirl und manch anderen Küchenutensilien, geschrieben 1928 in Paris, zur Hochzeit des Surrealismus und des Absurden.
Eröffnet aber wurde der Abend mit den beschwingten wie populären Melodien aus Giachino Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“. Das wunderbar dynamische Ineinandergreifen der unterschiedlichen Saxophonstimmen und deren rhythmischen Verschiebungen vermittelten etwas erfrischend Vitales und Anregendes.
Zwei der insgesamt sechzehn Slawischen Tänze Antonin Dvoraks brachten die atmosphärische Vielschichtigkeit dieser Kompositionen zum Ausdruck. Es handelt sich hierbei um eine Sammlung von Instrumentalstücken, ursprünglich geschrieben für Klavier zu vier Händen, für die Dvorak übrigens sein erstes Komponistenhonorar erhielt.
Nach der Pause zog mit Philip Glass' „Mishima“ kurzzeitig ein Hauch hypnotisch-meditativer Stimmung ein. Minimal Music mit ihren ruhigen Wiederholungsmustern und Phasenverschiebungen als Gegenmodell zu überkomplexer Virtuosität.
Danach dann großes Kino. Ennio Morricones Soundtrack „C’era una volta il West“, in den deutschsprachigen Ländern bekannt unter dem Titel „Spiel mir das Lied vom Tod“, gehört wohl zu den eindrücklichsten und erfolgreichsten Beispielen der Wirkung von Filmmusik. Christoph Enzel (Tenor), der sämtliche Arrangements dieses Abends schrieb, gelang eine feinnervige wie wirksame Übersetzung des 1968 eingespielten und über 10 Millionen Mal verkauften Orchester-Originals auf die Einzelstimmen seiner Instrumentalkollegen Maike Krullmann (Alt), Kathi Wagner (Bariton) und Carlos Giménez (Sopran). Eine Interpretation, die Bilder evozierte, Filmlandschaften heraufbeschwor, in ihrer ruhigen, schlanken Umsetzung berührte.
Zum Abschluss gab es noch Ausschnitte aus Leonard Bernsteins „West Side Story“, diesem 1957 uraufgeführten Hybrid aus Klassik und Pop. Auch hier beeindruckte einmal mehr das breite Klangspektrum dieser Besetzung, die Klarheit im Zusammenspiel der unterschiedlichen Stimmen. Trotz aller Disziplin, mit der Clair-Obscure ihr Repertopire umsetzte, war es auch diese gewisse Lässigkeit, die die Musik erdete und mit der das Quartett das Publikum begeisterte.
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
Dienstag 20.01.2026
Ralph Towner (geb. 01. März 1940 Chehalis, Washington, gest. 18. Januar 2026 Rom)
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Ralph Towner
„At First Light“
ECM

Sein erstes Album für ECM München spielte Ralph Towner im November 1972 in New York ein. Die Besetzung für „Trios / Solos“ bestand aus ihm vertrauten Musikern, mit denen der aus Chehalis, Washington stammende Gitarrist schon zuvor in der stilistisch zwischen Kammer- und Weltmusik pendelnden Band Oregon zusammen arbeitete. Doch schon seine zweite Veröffentlichung, nur fünf Monate später im legendären Tonstudio Bauer in Ludwigsburg umgesetzt, war ein Solowerk, das deutlich die Richtung vorgab, in die sich der Amerikaner in Zukunft entwickeln sollte: Unprätentiöse, substanzielle, raffiniert anrührende Gitarrenlyrik.
Towner gehört zu jenen Instrumentalisten, der sich im Laufe ihrer lang anhaltenden Karriere, er wurde am 1. März dieses Jahres 83 Jahre alt, nie um Moden oder Zeitgeistströmungen sorgte, sondern sich und seinem künstlerischen Ansatz immer treu geblieben ist.
„At First Light“ ist ein in seiner akustisch subtilen Art wieder einmal überwältigendes Werk, das Towners ganzes Klangspektrum in transparenter Hingabe zum klingen bringt. Allein auf der klassischen Gitarre entwirft und vollendet er einen Kosmos von inbrünstiger Poesie, dessen tiefes humanes Anliegen die gesamte Aufnahme bestimmt. Er nimmt sich Zeit, Figuren zu entwickeln, diese feinsinnig miteinander zu verzahnen und so ein Netz von Sinneseindrücken entstehen zu lassen, deren Grundgestus tief berührt. Als Grundstock nutzt er sein bemerkenswertes kompositorisches Geschick und improvisiert an den Themen entlang – in einer Art, die an den großen Bill Evans erinnert. „Meine Soloaufnahmen“, erzählt Towner im Zusammenhang mit der vorliegenden Aufnahme, „beinhalteten immer meine eigenen Kompositionen, in denen Spurenelemente der Komponisten und Musiker enthalten sind, die mich im Laufe der Jahre angezogen haben. Musiker wie George Gershwin, John Coltrane, John Dowland, Bill Evans, um nur einige zu nennen. Die Mischung aus Keyboard- und Gitarrentechniken ist ein wichtiger Aspekt meines Spiels und meiner Komposition, und ich denke, dass dieses Album ein gutes Beispiel dafür ist, wie ich diese Bandbreite an Einflüssen in meine persönliche Musik einfließen lasse.“
Ein Towner-Album erkennt man meist schon nach nur wenigen Sekunden. Sofort ist man eingewoben in diese eleganten wie alltäglichen Tagträumereien, deren Intensität bei aller Flüchtigkeit der Klänge die Gefahr einer Abhängigkeit birgt. Ein Zustand des Glücks.
Jörg Konrad
(KultKomplott, März 2023)



Vor 50 Jahren
Ralph Towner
„Solstice“
ECM Records

Man erkennt Ralph Towners Spiel sofort – eines der wichtigsten Merkmale im Jazz. Der 1940 in Chehalis, Washington geborene Gitarrist und Pianist hat zudem ungezählte Kompositionen geschrieben. Ein Großteil dieser Arbeiten befinden sich auf Alben unter seinem Namen und denen der Band Oregon. Bemerkenswert ist zudem die stilistische Offenheit seiner musikalischen Inspirationen. Er ist ein individueller Improvisator, besitzt ein ausgeprägtes Gespür für moderne Klassik und begeistert auf der klassischen und 12-saitigen Gitarre immer als ein illustrierender und farbenreicher Geschichtenerzähler.
Sehr intim und gleichzeitig innovativ verzaubert schon sein erstes Album „Trios/Solos“ von 1973. Ein Jahr später spielte er dann mit dem Vibraphonisten Gary Burton „Matchbook“ ein – impressionistisch flirrende Bekenntnisse zur Kunst des Duospiels. Von der US-Zeitschrift High Fidelity damals zum Album des Jahres gewählt und vom Down Beat mit fünf von fünf möglichen Sternen ausgezeichnet.
Mit dem anschließenden „Solstice“ setzte Towner einen gewaltigen Markstein. Dieses Album gehört zu jenen Aufnahmen, die den Mythos ECM (European Contemporary Music) bis heute nachhaltig prägen. Zwar veröffentlichte die Münchner Firma bis 1975 schon einige überaus erfolgreiche Jazzplatten. Doch „Solstice“ schaffte wie kaum eine Produktion zuvor den Spagat zwischen klassischer symphonischer Musik, zeitgenössischem Jazz und einer spannungsgeladenen Intensität. Aufgenommen um die Wintersonnenwende (engl. „Solstice“) 1974 und veröffentlicht im darauffolgenden Frühjahr, haben Ralph Towner, Jan Garbarek, Eberhard Weber und Jon Christensen eine stark von der europäischen Spielauffassung geleitete Variante des Jazz umgesetzt.
Towner konnte, damals 35jährig, schon auf Erfahrungen im stilistischen Zwischenreich von Jazz und Klassik verweisen. Er gehörte ab 1970 zum Paul Winter Consort, einer Formation, die in diesem Verständnis einen völlig neuen musikalischen Kosmos erschuf. Anschließend gründete er mit einigen Mitgliedern des Consort das Quartett Oregon, um das vorherige Konzept noch zu erweitern und gleichzeitig zu verfeinern. Vieles von dem was Oregon mit asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Instrumenten auf über dreißig Alben seitdem musikalisch umsetzt, klingt nach schöpferischer, verinnerlichter Weltmusik.
Auf „Solstice“ nimmt er, überwiegend auf der 12-saitigen Gitarre spielend, die Rolle des stillen aber stringenten Impulsgebers ein. Allein sieben der acht Kompositionen stammen von ihm. Die einzelnen Stücke fallen sehr verschieden aus, decken ein ganzes Spektrum unterschiedlichster Stimmungen ab. Vom treibenden, sich in einem ständig an- und abschwellenden Fluss befindlichen „Oceanus“, über die freien Passagen der Improvisation „Visitation“, über das furiose und melodisch einzigartige „Drifting Petals“ bis zum robusten Gitarre-Schlagzeug-Duo „Piscean Dance“.
Jan Garbarek festigte auf diesem Album seinen Ruf einer der wichtigsten europäischen Saxophonisten zu werden. Der Norweger hatte seinen klagenden Tonfall damals noch nicht derart kultiviert, wie das später der Fall sein sollte. Inspiriert von George Russell und John Coltrane spielte er weitaus expressiver, temperamentvoller, packender.
Auch Eberhard Weber stand noch am Anfang einer großen Karriere. Mit seinem selbst gefertigten Bass emanzipierte er sich und dieses Instrument von der Rolle des ewigen Rhythmusknechts. Weber spielte sein Instrument melodisch, gab ihm eine gleichberechtigte Stimme, deren sonore Schönheit sich tief einprägt.
Der norwegische Schlagzeuger Jon Christensen war in den 1970er Jahren so etwas wie der Hausschlagzeuger bei ECM. Man schätzte seine gezügelte, unterschwellig stets brodelnde Dringlichkeit, welche die Musik rhythmisch immer in einen Grenzbereich brachte und die beteiligten Musiker inspirierte. Gemeinsam spielte dieses Quartett wie aus einem Guss. Ebenso schön wie provozierend, ebenso frei wie zwingend und bis heute ein exemplarisches Beispiel für Zeitlosigkeit im Jazz.
Zwei Jahre später war die gleiche Quartett-Besetzung noch einmal im Studio, um das Album „Sound And Shadows“ einzuspielen. Vielleicht nicht ganz so intensiv und abwechslungsreich wie der Vorgänger zeugen aber auch diese Aufnahmen von einer visionären Lebendigkeit, von einer leidenschaftlichen Diesseitigkeit von Musik.
Jörg Konrad
(KultKomplott, Januar 2025)
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Montag 19.01.2026
Germering: Simon Oslender Trio – Mehr Mut
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Fotos: TJ Krebs (Toningenieur: Dominik Arnold)
Germering. Vor gut einem Jahr tourte Simon Oslender mit internationaler Besetzung quer durch Deutschland. Unter anderem in seiner Band: Der legendäre Schlagzeuger Steve Gadd, Bassist Will Lee, als Gäste keine geringeren als Jakob Manz und Nils Landgren. Das anschließende aus Live-Mitschnitten zusammengestellte Album „On A Roll“ war so etwas wie Oslenders offizieller Ritterschlag in der Welt der Fusion-Music.
Am Freitagabend gastierte der 1988 in Aachen geborene Pianist und Keyboardspieler mit seinem Trio im Germeringer Amadeussaal und hatte (natürlich) etliche Stücke seines vorangegangenen Albums im Repertoire. Nun, was diese Band, mit Claus Fischer am Bass und Jérome Cardynaals am Schlagzeug, an diesem Abend spielte, war weder Jazz noch Rock. JazzRock im klassischen Sinn, die adäquate Zusammenführung beider Spielarten, war es aber auch nicht. Am ehesten präsentierte das Trio ein evidentes Fusion-Mosaik in Mainstream-Manier, das sich aus unterschiedlichsten populärmusikalischen Ingredienzien speiste. Jazz und Rock sind hier nur zwei Zutaten unter vielen. Hinzu kommen Funk und Rhythm & Blues, Latin und Bop, Swing und Soul, offenkundige Melodien und eingängige Harmonien.
Was man sich jedoch gewünscht hätte, bei allem instrumentalen Geschick jedes Einzelnen, wäre mehr Mut und musikalisch freizügiger Ideen. So zeichnete sich das Konzert allein durch eine gepflegten Vielfalt aus, die das Publikum zwar bravourös unterhielt, aber letztendlich in seiner Umsetzung enttäuschte.
Jörg Konrad
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Montag 19.01.2026
Emmering: Jakob Aumiller - Reise durch die Klavierliteratur mit rotem Faden
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Emmering. Nach und nach starten sie wieder, die klassischen Konzertreihen im Landkreis. In den meisten Fällen wird die seit Herbst laufende Konzertsaison im neuen Jahr fortgesetzt. In Emmering startete das neue Konzertjahr der fünf „Bürgerhauskonzerte Emmering“ im Januar mit einem Klavierabend. Es war quasi ein Abend mit Ortsbezug, denn es spielte der 2001 geborene Emmeringer Pianist Jakob Aumiller, der derzeit noch in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio studiert. Eines lässt sich unmittelbar feststellen: Hier war es nicht so, dass der sprichwörtliche Prophet im eigenen Land nichts gilt, vielmehr war der Publikumsandrang im großen Saal des Bürgerhauses so groß, dass weitere Stühle aufgestellt werden mussten. Eine zweite Beobachtung lässt sich anfügen: Der Beifall war so groß, dass die Begeisterung der Zuhörer weit über den unausweichlichen Grad der Höflichkeit hinausging.
Das hatte seinen guten Grund: Jakob Aumiller hatte sein Recital unter das Motto „Eine Reise durch die Klavierliteratur“ gestellt und das Programm mit drei Sonaten von Domenico Scarlatti begonnen. Dieser wurde zwar im gleichen Jahr wie Johann Sebastian Bach geboren, entwickelte aber einen gegenüber den Zeitgenossen ganz eigenen Personalstil. In der Transparenz des Klangs und der Leichtigkeit der luciden Spielfiguren in den einzelnen Piècen fand Aumüller eine Interpretationslinie, die er am ganzen Abend beibehielt. Ob schnelle Tonrepetitionen, locker übergreifende Hände oder dynamische Feindifferenzierung, der Pianist wusste, welche Nuancen er dem Flügel entlocken konnte. Dabei aber kamen die lyrischen Momente nicht zu kurz und verdichteten sich zu klanglich fast romantischem Pathos hin zu einem epochenübergreifenden Detail.
Die Sonate in C-Dur von Johannes Brahms folgte, als sein Opus 1 im Jahr 1853 entstanden. Sie kann den Einfluss Ludwig van Beethovens nicht verleugnen, zum Beispiel am akkordischen Beginn des Kopfsatzes (Allegro). Jakob Aumiller wählte einen kraftvollen Anschlag, vermittelte aber zugleich auch die träumerisch versunkene Klangaura etwas später als zusammengehörigen Ausdruck. Sangliche Kantilenen wurden in sorgsame Begleitung gehüllt, romantisch expressive Abschnitte als Aufbruch in eine neue Zeit artikuliert. Im zweiten Satz, einem Andante, entschied sich Aumiller, die Schlichtheit der Interpretation, die er bei Scarlatti vorgestellt hatte, auch hier anzuwenden. Manch verspielte Passage mutete wie ein Anklang an, während an anderer Stelle fast impressionistische Schleier zu hören waren. Im Finale (Allegro con brio) bestimmte ausgezeichnet beherrschte Virtuosität das Klangbild.
Mit Frédéric Chopins Scherzo Nr. 4 in E-Dur op. 54 ging es nach der Pause weiter. Jakob Aumiller pflegte hier einen offenen Klang mit perlender Tonqualität, der sich wie ein roter Faden durch das launige Werk zog. Der Pianist erwies sich dadurch als sensibler Klanggestalter und vermied jeden Anschein eines Tastenlöwen. Das Gespür für den Klang übertrug Aumiller auch auf drei Préludes von Claude Debussy, indem er den richtigen Weg zwischen Verbindlichkeit und Flüchtigkeit fand. Sergej Prokofievs Sonate Nr. 3 in a-Moll op. 28, ein klangvolles Stück der klassischen Moderne, beschloss den Abend. Jakob Aumiller traf den Charakter zwischen verspielten Figuren einerseits und perkussiven Elementen andererseits ausgezeichnet und verlieh dem Werk dadurch eine beeindruckende Noblesse.
Nur mit zwei Zugaben als Antwort auf ihren großen Beifall entließen die Zuhörer am Ende Jakob Aumiller.
Klaus Mohr
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Montag 05.01.2026
Germering: Stummfilm-Pathos im fortissimo
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Der Pianist Stephan Bothmer begleitet „Faust“ im Orlandosaal der Germeringer Stadthalle

Es qualmt, es blubbert, es raucht, es flackert, es spritzt, es zischt – der Kosmos ist in Bewegung. Ein Drache fliegt über eine mittelalterliche Stadt, das Volk bäumt sich auf unter der Pest. Alles in Schwarz-Weiß und ohne Ton. Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, seine Ausstatter und sein Kameramann haben ein Werk geschaffen, das in die Filmgeschichte eingegangen ist: den Stummfilm „Faust“. Vor genau 100 Jahren in Berlin uraufgeführt lief er jetzt im ausverkauften Amadeussaal der Germeringer Stadthalle. Die musikalische Begleitung lieferte Stephan Bothmer am Flügel, von piano bis fortissimo.
Der Flügel im Amadeussal dürfte nach diesem Film-Konzert wieder neu gestimmt werden müssen – so hart und mächtig hämmerte Bothmer knapp zwei Stunden in die Tasten. Dabei hatte der Abend ganz leise begonnen: Bothmer zeigte unter anderem einen gut 110 Jahre alten, entzückenden Werbefilm; der die Vorzüge des Kupferberg-Sekts pries. Bothmer fand dafür am Flügel eine ganz eigene feine Sprache. Ganz andere Töne wurden laut, als Bothmer mit der Begleitung von „Faust“ begann. Der Pianist und Komponist hatte auf dem Flügel einen kleinen Bildschirm aufgebaut, von dessen Murnau-Bildern er sich punktgenau inspirieren ließ.
Bei der Uraufführung von „Faust“ im Berliner UFA-Palast im Oktober 1926 hatte noch ein ganzes Orchester gespielt. Bothmer konnte auf seinem Flügel und mit seiner Komposition mithalten. Im spätexpressionistischen Bühnenbild wurde die Faust-Volkssage aufgerollt, mit viel Pathos, rollenden Augen, großen Gesten – untermalt von gewaltigen Klangmassen am Flügel. Bei den Annäherungsversuchen von Faust und Gretchen hatte Bothmer leisere, zarte Töne gefunden. Gegen Ende das Films, als die Handlung immer dramatischer, pathetischer, aber auch einfältiger wird, ist die Klangorgie am Flügel fast unerträglich laut.
So klangvoll die musikalische Begleitung des Films auch war – sie konnte nicht davon ablenken, welch Meisterwerk „Faust“ ist. Zu bestaunen gab es all die technischen Finessen, mit denen das Murnau-Team Film-Geschichte geschrieben hat. Der Flug auf Mephistos Mantel, Stadtlandschaften mit Volksmassen, lange Kamera-Fahrten oder die immer wieder auftauchenden Doppelbelichtungen faszinierten das Publikum und schufen lautlose Klangbilder: Es rauchte und qualmte aus allen Rohren.
Ina Kuegler
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