Zurück zu den neuesten Artikeln...
13. Germering: Simon Oslender Trio – Mehr Mut
14. Emmering: Jakob Aumiller - Reise durch die Klavierliteratur mit rotem Faden
15. Germering: Stummfilm-Pathos im fortissimo
16. Rückblicke (7)
17. Rückblicke (6)
18. Rückblicke (5)
Montag 19.01.2026
Germering: Simon Oslender Trio – Mehr Mut
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Fotos: TJ Krebs (Toningenieur: Dominik Arnold)
Germering. Vor gut einem Jahr tourte Simon Oslender mit internationaler Besetzung quer durch Deutschland. Unter anderem in seiner Band: Der legendäre Schlagzeuger Steve Gadd, Bassist Will Lee, als Gäste keine geringeren als Jakob Manz und Nils Landgren. Das anschließende aus Live-Mitschnitten zusammengestellte Album „On A Roll“ war so etwas wie Oslenders offizieller Ritterschlag in der Welt der Fusion-Music.
Am Freitagabend gastierte der 1988 in Aachen geborene Pianist und Keyboardspieler mit seinem Trio im Germeringer Amadeussaal und hatte (natürlich) etliche Stücke seines vorangegangenen Albums im Repertoire. Nun, was diese Band, mit Claus Fischer am Bass und Jérome Cardynaals am Schlagzeug, an diesem Abend spielte, war weder Jazz noch Rock. JazzRock im klassischen Sinn, die adäquate Zusammenführung beider Spielarten, war es aber auch nicht. Am ehesten präsentierte das Trio ein evidentes Fusion-Mosaik in Mainstream-Manier, das sich aus unterschiedlichsten populärmusikalischen Ingredienzien speiste. Jazz und Rock sind hier nur zwei Zutaten unter vielen. Hinzu kommen Funk und Rhythm & Blues, Latin und Bop, Swing und Soul, offenkundige Melodien und eingängige Harmonien.
Was man sich jedoch gewünscht hätte, bei allem instrumentalen Geschick jedes Einzelnen, wäre mehr Mut und musikalisch freizügiger Ideen. So zeichnete sich das Konzert allein durch eine gepflegten Vielfalt aus, die das Publikum zwar bravourös unterhielt, aber letztendlich in seiner Umsetzung enttäuschte.
Jörg Konrad
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Montag 19.01.2026
Emmering: Jakob Aumiller - Reise durch die Klavierliteratur mit rotem Faden
Bilder
Emmering. Nach und nach starten sie wieder, die klassischen Konzertreihen im Landkreis. In den meisten Fällen wird die seit Herbst laufende Konzertsaison im neuen Jahr fortgesetzt. In Emmering startete das neue Konzertjahr der fünf „Bürgerhauskonzerte Emmering“ im Januar mit einem Klavierabend. Es war quasi ein Abend mit Ortsbezug, denn es spielte der 2001 geborene Emmeringer Pianist Jakob Aumiller, der derzeit noch in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio studiert. Eines lässt sich unmittelbar feststellen: Hier war es nicht so, dass der sprichwörtliche Prophet im eigenen Land nichts gilt, vielmehr war der Publikumsandrang im großen Saal des Bürgerhauses so groß, dass weitere Stühle aufgestellt werden mussten. Eine zweite Beobachtung lässt sich anfügen: Der Beifall war so groß, dass die Begeisterung der Zuhörer weit über den unausweichlichen Grad der Höflichkeit hinausging.
Das hatte seinen guten Grund: Jakob Aumiller hatte sein Recital unter das Motto „Eine Reise durch die Klavierliteratur“ gestellt und das Programm mit drei Sonaten von Domenico Scarlatti begonnen. Dieser wurde zwar im gleichen Jahr wie Johann Sebastian Bach geboren, entwickelte aber einen gegenüber den Zeitgenossen ganz eigenen Personalstil. In der Transparenz des Klangs und der Leichtigkeit der luciden Spielfiguren in den einzelnen Piècen fand Aumüller eine Interpretationslinie, die er am ganzen Abend beibehielt. Ob schnelle Tonrepetitionen, locker übergreifende Hände oder dynamische Feindifferenzierung, der Pianist wusste, welche Nuancen er dem Flügel entlocken konnte. Dabei aber kamen die lyrischen Momente nicht zu kurz und verdichteten sich zu klanglich fast romantischem Pathos hin zu einem epochenübergreifenden Detail.
Die Sonate in C-Dur von Johannes Brahms folgte, als sein Opus 1 im Jahr 1853 entstanden. Sie kann den Einfluss Ludwig van Beethovens nicht verleugnen, zum Beispiel am akkordischen Beginn des Kopfsatzes (Allegro). Jakob Aumiller wählte einen kraftvollen Anschlag, vermittelte aber zugleich auch die träumerisch versunkene Klangaura etwas später als zusammengehörigen Ausdruck. Sangliche Kantilenen wurden in sorgsame Begleitung gehüllt, romantisch expressive Abschnitte als Aufbruch in eine neue Zeit artikuliert. Im zweiten Satz, einem Andante, entschied sich Aumiller, die Schlichtheit der Interpretation, die er bei Scarlatti vorgestellt hatte, auch hier anzuwenden. Manch verspielte Passage mutete wie ein Anklang an, während an anderer Stelle fast impressionistische Schleier zu hören waren. Im Finale (Allegro con brio) bestimmte ausgezeichnet beherrschte Virtuosität das Klangbild.
Mit Frédéric Chopins Scherzo Nr. 4 in E-Dur op. 54 ging es nach der Pause weiter. Jakob Aumiller pflegte hier einen offenen Klang mit perlender Tonqualität, der sich wie ein roter Faden durch das launige Werk zog. Der Pianist erwies sich dadurch als sensibler Klanggestalter und vermied jeden Anschein eines Tastenlöwen. Das Gespür für den Klang übertrug Aumiller auch auf drei Préludes von Claude Debussy, indem er den richtigen Weg zwischen Verbindlichkeit und Flüchtigkeit fand. Sergej Prokofievs Sonate Nr. 3 in a-Moll op. 28, ein klangvolles Stück der klassischen Moderne, beschloss den Abend. Jakob Aumiller traf den Charakter zwischen verspielten Figuren einerseits und perkussiven Elementen andererseits ausgezeichnet und verlieh dem Werk dadurch eine beeindruckende Noblesse.
Nur mit zwei Zugaben als Antwort auf ihren großen Beifall entließen die Zuhörer am Ende Jakob Aumiller.
Klaus Mohr
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Montag 05.01.2026
Germering: Stummfilm-Pathos im fortissimo
Bilder
Bilder
Bilder
Der Pianist Stephan Bothmer begleitet „Faust“ im Orlandosaal der Germeringer Stadthalle

Es qualmt, es blubbert, es raucht, es flackert, es spritzt, es zischt – der Kosmos ist in Bewegung. Ein Drache fliegt über eine mittelalterliche Stadt, das Volk bäumt sich auf unter der Pest. Alles in Schwarz-Weiß und ohne Ton. Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, seine Ausstatter und sein Kameramann haben ein Werk geschaffen, das in die Filmgeschichte eingegangen ist: den Stummfilm „Faust“. Vor genau 100 Jahren in Berlin uraufgeführt lief er jetzt im ausverkauften Amadeussaal der Germeringer Stadthalle. Die musikalische Begleitung lieferte Stephan Bothmer am Flügel, von piano bis fortissimo.
Der Flügel im Amadeussal dürfte nach diesem Film-Konzert wieder neu gestimmt werden müssen – so hart und mächtig hämmerte Bothmer knapp zwei Stunden in die Tasten. Dabei hatte der Abend ganz leise begonnen: Bothmer zeigte unter anderem einen gut 110 Jahre alten, entzückenden Werbefilm; der die Vorzüge des Kupferberg-Sekts pries. Bothmer fand dafür am Flügel eine ganz eigene feine Sprache. Ganz andere Töne wurden laut, als Bothmer mit der Begleitung von „Faust“ begann. Der Pianist und Komponist hatte auf dem Flügel einen kleinen Bildschirm aufgebaut, von dessen Murnau-Bildern er sich punktgenau inspirieren ließ.
Bei der Uraufführung von „Faust“ im Berliner UFA-Palast im Oktober 1926 hatte noch ein ganzes Orchester gespielt. Bothmer konnte auf seinem Flügel und mit seiner Komposition mithalten. Im spätexpressionistischen Bühnenbild wurde die Faust-Volkssage aufgerollt, mit viel Pathos, rollenden Augen, großen Gesten – untermalt von gewaltigen Klangmassen am Flügel. Bei den Annäherungsversuchen von Faust und Gretchen hatte Bothmer leisere, zarte Töne gefunden. Gegen Ende das Films, als die Handlung immer dramatischer, pathetischer, aber auch einfältiger wird, ist die Klangorgie am Flügel fast unerträglich laut.
So klangvoll die musikalische Begleitung des Films auch war – sie konnte nicht davon ablenken, welch Meisterwerk „Faust“ ist. Zu bestaunen gab es all die technischen Finessen, mit denen das Murnau-Team Film-Geschichte geschrieben hat. Der Flug auf Mephistos Mantel, Stadtlandschaften mit Volksmassen, lange Kamera-Fahrten oder die immer wieder auftauchenden Doppelbelichtungen faszinierten das Publikum und schufen lautlose Klangbilder: Es rauchte und qualmte aus allen Rohren.
Ina Kuegler
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Samstag 03.01.2026
Rückblicke (7)
Ausstellungen
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
© Sebastian Eggler, Berlin. The Estate of Frank Auerbach, Courtesy Galerie Michael Werner Berlin, London, New York
Frank Auerbach in der Galerie Michael Werner, Berlin

Als die Bilder des Malers Frank Auerbach im Mai und Juni dieses Jahres in der Galerie Michael Werner in der Berliner Hardenbergstraße ausgestellt wurden, sprach man von einer kleinen Sensation. Denn zuletzt waren Arbeiten des in Berlin geborenen, aber seit 1947 britischen Staatsbürgers, in seiner Heimatstadt 1983 zu sehen. Auerbach, Sohn assimilierter jüdischer Eltern (Vater war Anwalt, Mutter hatte Kunst studiert, einer seiner Cousins war Marcel Reich-Ranicki), lebte seit 1939 in England. Seine Eltern hatten ihn aufgrund der Verfolgung alles Jüdischen in Deutschland durch die Nazis mit einem Kindertransport nach Großbritannien geschickt, wo er in einem Internat aufwuchs. Sie selbst blieben in Deutschland, wurden 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
In London studierte Frank Auerbach zwischen 1948 bis 1955 an der St. Martin’s School of Art und am Royal College of Art Kunst und entwickelte sich mit seinen expressiven, und von dicken Farbschichten gekennzeichneten Werken zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten Maler weltweit. Nur in Deutschland wurde er bis auf wenige Ausnahmen kaum zur Kenntnis genommen.
Seine peitschenden, kühnen Linien, die schroffen aber ausdrucksstarken Porträts, seine abstrakten, fragmentarischen Landschaftsbilder haben etwas skulpturartiges. 1986 vertrat er auf der Biennale von Venedig Großbritannien und erhielt für sein Werk den Goldenen Löwen.
Auerbach, zeitlebens ein enger Freund Lucien Freuds, konnte die Ausstellung selbst nicht mehr besuchen. Er starb ein halbes Jahr vor deren Eröffnung, am 11. November 2024, 93-jährig in London.
Jörg Konrad
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 02.01.2026
Rückblicke (6)
Film
Bilder
© 2025 bombero international GmbH & Co. KG / Rialto Film GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH / Gordon Timpen
Amrum: Ein kleines (oder stilles) Meisterwerk

Die letzten Tage des Nazi-Regimes auf der Nordsee-Insel Amrum, erzählt aus der Perspektive eines zwölfjährigen Jungen – das ist die Geschichte des Films „Amrum“, einem kleinen, stillen Meisterwerk. Es sind die Kindheitserinnerungen von Regisseur Hark Bohm, der diesen Film krankheitsbedingt nicht mehr selbst verwirklichen konnte und kürzlich gestorben ist. Der Stoff ist in guten Händen gelandet, bei Regisseur Fatih Akin, dem unter anderem der Klassiker „Tschick“ zu verdanken ist. Akin zaubert aus „Amrum“ eine packende und zugleich zarte Coming-of-Age-Story. Packend deshalb, weil Akin eindringlich die Geschicke des kleinen Nanning erzählt, der sich als Teil einer aus Hamburg ausgebombten Familie unter lauter fremden Insulanern behaupten muss; zart und behutsam deshalb, weil Nanning alles Erdenkliche tut und erleidet, um seiner depressiven Mutter ein kleines Weißbrot mit Butter und Honig zu beschaffen. Für seine Mutter stürzt sich Nanning sogar in einen Priel zwischen Föhr und Amrum und wird dabei von der Flut überrascht. Der Junge Nanning (meisterhaft gespielt von Jasper Billerbeck) lernt die zwiespältige Welt der Erwachsenen kennen; es sind unter anderen die Hitler verehrende Mutter, ein sich selbst richtender Nazi-Onkel und ein Opa, der heimlich Feindsender hört. Erzählt wird aber auch von der Ambivalenz der Nordsee - sie ist gefährlich und traumhaft schön zugleich. Nannings Streifzüge durch die Dünen und über den Strand zeigen den Zauber des Meers und der Insel Amrum.
Ina Kuegler
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Mittwoch 31.12.2025
Rückblicke (5)
Impressionen
Bruno Konrad
Rückschau, 1991
Radierung
12 x 15,5cm
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2026 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.