Alma Naidu studierte an der Hochschule für Musik und Theater in München, wobei sie sich ein Semester bei keiner geringeren als Norma Winston an der Royal Academy of Music in London praktisches Wissen im Fach Gesang aneignete. Doch musikalisch aktiv war die 1995 in München in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsene Alma schon vorher. Früh hatte sie klassischen Klavierunterricht, lernte Geige, später Gitarre. Mit 15 komponierte sie erste Songs.
Nach ihrem Studium war sie als Bühnenkünstlerin in verschiedenen Musical- und Opernproduktionen zu sehen und zu hören und gehörte als Mitglied zum Landesjugendjazzorchester Bayern sowie zum Bundesjazzorchester.
Beim Jazzfestival in Burghausen lernte sie Schlagzeuger Wolfgang Haffner kennen, der auch ihr erstes Album produzierte. Dabei als Mitmusiker im Studio: Christopher Dell, Lars Danielsson, Nils Landgren, Dominic Miller, Simon Oslender und natürlich Wolfgang Haffner.
2021 erhielt die Sängerin den BMW Welt Young Artist Jazz Award und den Bayerischen Kunstförderpreis in der Kategorie „Musik“.
Mittlerweile ist das zweite Album von Alma Naidui erschienen: "Redefine" (Leopard Records).
Am Mittwoch 25. Februar gastiert Alma Naida mit dem Gitarristen Philipp Schiepek in der Reihe JazzFirst in Fürstenfeld. Einen Tag zuvor ist das Duo im Bürgerhaus Pullach zu hören.
KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Alma Naidu: Gute und schlechte Vorbilder.
KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
AN: Wichtige Themen ansprechen, zum Nachdenken anregen, Strukturen hinterfragen und Menschen berühren.
KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
AN: Mit patriarchalen Strukturen und veralteten Systemen in der nach wie vor männerdominierten Jazzszene. Und mit bestimmten Männern, die mir nach Konzerten Tipps geben, während sie mich ungefragt an der Schulter berühren.
KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
AN: In privatem Rahmen mit der sehr inspirierenden, inzwischen 97-jährigen Bibi Jones zu singen.
KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
AN: Wenn nach Fahrerei, Organisation, Soundcheck und allem Drumherum endlich das Konzert beginnt und ich mit meinen großartigen Mitmusiker*innen Musik machen kann, die jeden Abend neu entsteht.
KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
AN: Was ich momentan höre: Sting, Dvo?ák, Becca Stevens, James Taylor und die Musik aus „Wicked“.
KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
AN: Vinyl.
KK: Was lesen Sie momentan?
AN: "Windstärke 17" von Caroline Wahl.
KK: Was ärgert Sie maßlos?
AN: Das Patriarchat.
KK: Was freut Sie ungemein?
AN: Kinder, Windsurfen, Musizieren und Singen mit lieben Menschen vor einem tollen Publikum.
KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
AN: Der Versuch, einen Schal zu häkeln, ist gescheitert.
KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
AN: Von Ariana Grande in „Wicked" und von Emma Stone in „Poor Things“.
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
AN: Ein Straßenschild, das veranschaulicht, wie das Einfädeln beim Reißverschlussverfahren funktioniert.
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
AN: Dank meines wachsenden Teams immer mehr als Teamplayerin.
KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
AN: Beim Einschlafen kommen mir meist die besten Songideen.
KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
AN: Instagram Doomscroll mit gelegentlich zu langem Abdrift in die Kommentarsektion.
KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
AN: Zuerst würde ich mich als Staatsministerin bezeichnen. Als solche würde ich mich dann dafür einsetzen, die Strukturen in den Jazzabteilungen zu erneuern. Für mehr Progression und Diversität und für mehr Vorbilder, vor allem für junge Jazzmusikerinnen. Außerdem sollten Entscheidungspositionen an Hochschulen, Festivals und in Gremien regelmäßiger rotieren und zeitgemäß fortgebildet werden - ebenso wie Kulturmedien und Redaktionen -, so dass strukturell wie sprachlich niemand ausgeschlossen wird und Fortschritt aktiv vorangetrieben werden kann.
KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
AN: Ja, das habe ich selbst geschrieben.
KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
AN: Weiblich.

























