In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Hier eine kleine Auswahl der Vorgestellten: Henning Venske, Gisela Schneeberger, Inga Rumpf, Hauschka, Stoppok, Wellküren, Isabelle Faust, Fritz Egner, Willy Michl, Nik Bärtsch, Ewa Kupiec, Symin Samawatie, Axel Hacke u.v.a.m.
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1. 248. Alma Naidu - „Beim Einschlafen kommen mir meist die besten Songideen...
2. 247. Lisa Schmid – Mit einer gewissen Wurschtigkeit
3. 246. Botticelli Baby – Musik aus allen Himmelsrichtungen
4. 245. Matthias Lindermayr – Tendenziell eher am Vormittag
5. 244. Malte Vief – Ich höre alles und nichts
6. 244. Stefanie Boltz - Geburtstagsgäste
Dienstag 10.02.2026
248. Alma Naidu - „Beim Einschlafen kommen mir meist die besten Songideen“
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Foto: Boris Breuer
Alma Naidu studierte an der Hochschule für Musik und Theater in München, wobei sie sich ein Semester bei keiner geringeren als Norma Winston an der Royal Academy of Music in London praktisches Wissen im Fach Gesang aneignete. Doch musikalisch aktiv war die 1995 in München in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsene Alma schon vorher. Früh hatte sie klassischen Klavierunterricht, lernte Geige, später Gitarre. Mit 15 komponierte sie erste Songs.
Nach ihrem Studium war sie als Bühnenkünstlerin in verschiedenen Musical- und Opernproduktionen zu sehen und zu hören und gehörte als Mitglied zum Landesjugendjazzorchester Bayern sowie zum Bundesjazzorchester.
Beim Jazzfestival in Burghausen lernte sie Schlagzeuger Wolfgang Haffner kennen, der auch ihr erstes Album produzierte. Dabei als Mitmusiker im Studio: Christopher Dell, Lars Danielsson, Nils Landgren, Dominic Miller, Simon Oslender und natürlich Wolfgang Haffner.
2021 erhielt die Sängerin den BMW Welt Young Artist Jazz Award und den Bayerischen Kunstförderpreis in der Kategorie „Musik“.
Mittlerweile ist das zweite Album von Alma Naidui erschienen: "Redefine" (Leopard Records).
Am Mittwoch 25. Februar gastiert Alma Naida mit dem Gitarristen Philipp Schiepek in der Reihe JazzFirst in Fürstenfeld. Einen Tag zuvor ist das Duo im Bürgerhaus Pullach zu hören.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Alma Naidu: Gute und schlechte Vorbilder.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
AN: Wichtige Themen ansprechen, zum Nachdenken anregen, Strukturen hinterfragen und Menschen berühren.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
AN: Mit patriarchalen Strukturen und veralteten Systemen in der nach wie vor männerdominierten Jazzszene. Und mit bestimmten Männern, die mir nach Konzerten Tipps geben, während sie mich ungefragt an der Schulter berühren.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
AN: In privatem Rahmen mit der sehr inspirierenden, inzwischen 97-jährigen Bibi Jones zu singen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
AN: Wenn nach Fahrerei, Organisation, Soundcheck und allem Drumherum endlich das Konzert beginnt und ich mit meinen großartigen Mitmusiker*innen Musik machen kann, die jeden Abend neu entsteht.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
AN: Was ich momentan höre: Sting, Dvo?ák, Becca Stevens, James Taylor und die Musik aus „Wicked“.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
AN: Vinyl.

KK: Was lesen Sie momentan?
AN: "Windstärke 17" von Caroline Wahl.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
AN: Das Patriarchat.

KK: Was freut Sie ungemein?
AN: Kinder, Windsurfen, Musizieren und Singen mit lieben Menschen vor einem tollen Publikum.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
AN: Der Versuch, einen Schal zu häkeln, ist gescheitert.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
AN: Von Ariana Grande in „Wicked" und von Emma Stone in „Poor Things“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
AN: Ein Straßenschild, das veranschaulicht, wie das Einfädeln beim Reißverschlussverfahren funktioniert.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
AN: Dank meines wachsenden Teams immer mehr als Teamplayerin.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
AN: Beim Einschlafen kommen mir meist die besten Songideen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
AN: Instagram Doomscroll mit gelegentlich zu langem Abdrift in die Kommentarsektion.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
AN: Zuerst würde ich mich als Staatsministerin bezeichnen. Als solche würde ich mich dann dafür einsetzen, die Strukturen in den Jazzabteilungen zu erneuern. Für mehr Progression und Diversität und für mehr Vorbilder, vor allem für junge Jazzmusikerinnen. Außerdem sollten Entscheidungspositionen an Hochschulen, Festivals und in Gremien regelmäßiger rotieren und zeitgemäß fortgebildet werden - ebenso wie Kulturmedien und Redaktionen -, so dass strukturell wie sprachlich niemand ausgeschlossen wird und Fortschritt aktiv vorangetrieben werden kann.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
AN: Ja, das habe ich selbst geschrieben.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
AN: Weiblich.
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Fotos: Florian Lehner, Ingo Pertramer
Mittwoch 04.02.2026
247. Lisa Schmid – Mit einer gewissen Wurschtigkeit
Lisa Schmid fühlt sich mit Haut und Haar als Wienerin. Wienerisch, mit einer gewissen „Wurschtigkeit“, trifft sie in ihrer Arbeit und im Privaten die ganz großen Themen des Menschseins: Endlichkeit, Unsterblichkeit und die nie enden wollende Sehnsucht. Das wird in den Liedtexten ihres Albums "Bittersüss" deutlich, in ihren Kabarett-Programmen sowieso.
Am Mittwoch 11. Februar tritt Lisa Schmid in der Pasinger Fabrik auf. „Musikalisch zeigt sich Schmid vielseitiger als je zuvor“, schreibt der Veranstalter. „Sie wandelt sich und bewegt sich weg von der dunklen Stimmung, hin zu einer poppigen Leichtigkeit, getragen von poetischen Texten - ihre Wurzeln verliert sie dabei nicht.
Beginn des Konzerts: 20 Uhr.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Lisa Schmid: Dass ich von allen Schulen geflogen bin.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LS: Meine Lieder sind wie ein Tagebuch und das schönste Gefühl ist wenn sich Menschen in diesen Geschichten wiederfinden.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen.?
LS: Mit „Meinungen“.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LS: Der Mut der Menschen im Iran.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LS: Wenn ein Lied zu mir findet…und der Prozess des Schreibens.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LS: Mein Musikgeschmack ist geprägt von österreichischen Liedermachern. Die Lieder von Georg Danzer begleiten mich seit meiner Kindheit. Außerdem höre ich auch Ludwig Hirsch, Wolfgang Ambros, Nino aus Wien, Hansi Dujmic…aber auch: Oasis, Beatles, Bob Dylan, ...

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LS: Vinyl

KK: Was lesen Sie momentan?
LS: „Opernball“ von Stefanie Sargnagel

KK: Was ärgert Sie maßlos?
LS: Ungerechtigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
LS: Der Frühling am Friedhof. Generell liebe ich den Frühling, da fühlt sich alles so „neu“ an. Ich finde es sollte das ganze Jahr Frühling sein.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
LS: Ja während Corona habe ich mit meiner Oma alte Kleidung umgenäht. Ich liebe es handwerklich zu arbeiten. Zuletzt habe ich in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, alles renoviert und auch ein paar alte Möbelstücke abgeschliffen und neu lackiert.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LS: Das ist sehr schwierig zu beantworten. Ich liebe Filme. Und ich liebe viele Filme. Aber spontan würde ich sagen Leonardo Di Caprio in „Jim Carroll – In den Straßen von New York“ (1995).

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LS: Es wäre großartig wenn jemand ein Heilmittel gegen Krebs erfinden würde.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
LS: Beides.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LS: Im Auto und am Friedhof.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LS: Keine.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
LS: Ich würde ein bedingungsloses Grundeinkommen für Kulturschaffende einführen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LS: Ich denke ich würde keine schreiben wollen. Ich finde man erfährt so vieles über mich wenn man zwischen den Zeilen meiner Lieder liest. Der Rest gehört nur mir.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LS: Ich denke immer ans Ende. Ein paar Schritte voraus. Am Ende sind wir alle tot. Aber das ist schon sehr negativ. Deshalb versuche ich ein paar Schritte zurück in die Zukunft zu denken: meine persönliche Zukunft stelle ich mir erfüllt von künstlerischer Arbeit vor. Ich würde mir wünschen, dass es immer weitergehen kann, dass ich immer wieder Lieder finde und bis zum Ende diesem Beruf nachgehen darf und kann.
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Freitag 19.12.2025
246. Botticelli Baby – Musik aus allen Himmelsrichtungen
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Empfehlung des Albums „Junk“ von Botticelli Baby vom September 2018 auf KultKomplott:

Etwas musikalisch völlig neues präsentieren BOTICCELLI BABY sicher nicht. Die Frage scheint aber auch im Grunde und überhaupt eher unwichtig. Wichtig hingegen ist, ob das Septett in der Lage ist, mit dieser vogelwilden Mischung aus Swing und Punk, Blues und Balkan, Fusion und Rock`n Roll ein Publikum zu beeindrucken. Und wie es das kann – mustergültig und nachhaltig! Denn wer einmal „Junk“ hört, vergisst diese Band garantiert nicht. Und ihre Live-Auftritte sind zudem legendär!
BOTTICELLI BABY gelingt das seltene Kunststück trotz unglaublicher Präzision und musikalischer Intelligenz wie eine vor Leidenschaft berstende Hinterhofband zu klingen. Jeden ihrer 12 Songs gehen die studierten Musiker mit vollem Risiko an. Hier gibt es kaum einschmeichelnde Balladen, oder gar geschickt kalkulierte Kunstgriffe. Handgemacht von Null auf Hundert – so beginnt fast jede ihrer Nummern. Für nichts sind sich die Glorreichen Sieben dabei zu schade. Die Rhythmusgruppe rollt und groovt und swingt. Der Bläsersatz schmettert die scharfen Tuttis im Staccato in den Äther und Marlon Bösherz knört und schreit und raunzt die Texte, als gelte es, der sowieso schon energiegeladenen Musik noch eine Steigerung zu verpassen. Hier ist eine Band am Werk, keine Solisten - auch wenn sie einzeln das Zeug dazu hätten. Bei aller Virtuosität wirkt alles was BOTTICELLI BABY spielen, trotz traditioneller Verweise, erfrischend originell, transparent, ja fast anarchisch und zu einhundert Prozent tanzbodentauglich. Gefälliger Mainstream geht anders. Musik aus allen Himmelsrichtungen – für alle Himmelsrichtungen. Veranstalter hingehört!
Jörg Konrad
Botticelli Baby gastieren am Mittwoch, 21. Januar 2026 im Rahmen der Reihe Jazz First im veranstaltungsforum Fürstenfeld.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Marlon Bösherz von Botticelli Baby: Vermutlich die Summe aus allen Entscheidungen und deren Konsequenzen, sowie sämtliche Faktoren des auf mich einprasselnden Lebens.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MB: Alle Menschen, die Lust haben uns zu Hören, zu erleben. Die Kunst kann ein Gegenpol zur Gesellschaft erzeugen, sie um kulturellen Einfluss erweitern. Es soll immer vermitteln, dass es Mutig und gut, sogar vernünftig ist anders zu sein. Nachzudenken.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MB: Da gibt es sehr viele, die immer wieder anders sein können. Sie sind aber wie weggefegt, wenn ein Auftritt begonnen hat, die Bühne brennt und die Menschen sich fallen lassen können. Es beginnt schon damit, dass es immer mit einer Art Trennungsschmerz zu tun hat, wenn die Band Probezeiten beendet, alle wieder in ihre Leben gehen. Wenn Touren beendet sind, Konzerte vorbei sind. Adrenalinabfall im Hotelzimmer, aus der Tourrealität in den Alltag wechseln.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MB: Die Tour von Österreich in die Slowakei und das Konzertieren in Portugal. Menschen auf den Touren zu begegnen die für die Musik und die Kunst glühen und sich wirklich auf uns und unsere Kunst freuen. Viele haben es noch schwerer, als unsere Gesellschaft -noch, frei Kunst zu machen. Dann stehen da JUgendliche vor uns mit leuchtenden Auren und sagen, sie seien inspiriert, ermutigt und kratzen ihr Bargeld zusammen, um Musik von uns zu kaufen... da will ich immer einfach alles in eine Tasche stecken und alles verschenken.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MB: Wenn von der Bühne ein Funke zum Publikum überspringt und alles eine Zeremonie wird, da fühle ich mich verbunden, das tut gut.
Auch der Moment in dem ein Song geboren wird kann sehr erfüllend sein.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MB: Ich höre sehr viel Musik, sehr schräge Sachen, die Antiheld*innen. Punk, Jazz, Klassik, Britpop, Indie, auf deutsch, englisch, portugisisch, isländisch, polnisch...

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MB: Vinyl und Kassette

KK: Was lesen Sie momentan?
MB: Momentan lese ich Inge Deutschkron „Ich trug den gelben Stern“, Paul Celan „Sprachgitter“ und Evelyn Höllrigl Tschaikner „The daily Feminist“, zudem stöbere ich immer Mal in Bildbänden, Gedichten, Anthologien und Sachbüchern.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MB: Unfairness, Lügen und die öffentliche Verblendung so Vieler

KK: Was freut Sie ungemein?
MB: Positive Überraschungen und wenn ein Tag oder mehrere einen gewissen Fluss haben. Morgens aufstehen, einen Zimtkaffee trinken, eine Zigarette rauchen, ein bisschen knutschen, eine saubere Wohnung zurücklassen, ins Atelier gehen, an einem Projekt durcharbeiten bis ich hungrig werde, lesen, schreiben, den Nachmittag im Café mit Beobachtungen zubringen und abends Platten hören, rauchen und verloren gehen...

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
MB: Ja

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MB: Ralph Fiennes „Die Ausgrabung“, Nahuel Pérez Biscayart „Kill the Jockey“, Joaquin Phoenix „Joker“, „Die Royal Tenenbaums“ - alle

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MB: Ein Heilmittel gegen Endometriose, Lipödem, Pädophili und den Drang zu vergewaltigen

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MB: Das weiß ich noch nicht. Beides ist mir passiert und ging.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MB: Morgens gegen 9h in Cafés, abends unter der Dusche, im Aktivmodus im Atelier, auf Schiffen. Es kann immer, überall passieren. Deshalb ist immer ein Notizbuch und ein Stift mit dabei.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MB: Keine im Augenblick. Ich schaue Böhmermann und die Heuteshow

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MB: Ein Mindesteinkommen für Kunstschaffende einführen und mehr Geld in musische - musikalische Früherziehung, sowie freie Underground Projekte stecken, alle Privatunis für Kunst und Kultur verstaatlichen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MB: ; oder Ich wurde verliebt

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MB: Ich fürchte es wird hart.
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Mittwoch 26.11.2025
245. Matthias Lindermayr – Tendenziell eher am Vormittag
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Matthias Lindermayr fühlt sich als Kompionist und Trompeter stark von Miles Davis beeinflusst. Aber auch Nils Petter Molvaer, Arve Henriksen und Jon Hassell nennt der 1987 in München geborene Lindermayr als seine Inspirationsquellen. Gleichzeitig hat er in München, Berklee und Berlin studiert, wo er sich das ganze Rüstzeug für seine Karriere angeeignet hat. Er ist ein vielseitiger Musiker, der mit ebensolcher Freude in der strukturierten Big Band von Monika Roscher, als auch mit dem Ambient-, Avantgarde- und Minimal-Musiker Carlos Cipa gespielt hat.
Doch seine momentan vielleicht spannendsten musikalischen Begegnungen sind die mit der Pianistin Masako Ohta. Zwei erfolgreiche Alben hat er mit der Japanerin eingespielt. Mit „Nozomi“ wurden beide Instrumentalisten in die Bestenliste der Deutschen Schallplattenkritik 2/2025 aufgenommen, mit der Begründung: „Aus einem Minimum an Tönen (mal eine kleine Melodie, mal eine Handvoll Akkorde) erwächst immer wieder ein betörender Klangfluss – und damit ein Maximum an Magie.
Als „Traumduo“ wurde das Zusammenspiel der beiden auch bezeichnet. Auf KultKomplott war anlässlich ihres Auftritts in Fürstenfeld im November 2023 außerdem zu lesen: „Vielleicht kann man auch von einem Pas de Deux, einem tänzerischen Paarlauf auf den Schwingen der Musik sprechen.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Matthias Lindermayr: Mein musikalisches Elternhaus hat in mir den Wunsch entstehen lassen, Musiker zu werden. Verschiedene Persönlichkeiten, die mich in meiner Laufbahn begleitet haben – wie meine Musiklehrer an der Schule, sowie mein Trompeten- und Kompositionsprofessor an der Uni – haben mich weiter motiviert und bestärkt, meinen Weg zu gehen.
Dass ich der Mensch bin, der ich heute bin, hat außerdem mit allem zu tun, was ich bis hierhin erlebt habe, und mit allen Personen, die mir nahe standen und stehen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
ML: Alle, die sich dafür interessieren und die ich damit inspirieren kann. Meine künstlerische Arbeit ist eher „egoistisch“. Ich möchte auf der Bühne Musik machen, die ich zu 100 Prozent fühle. Im Zweifel stehe ich lieber weniger auf der Bühne, als Musik zu spielen, die mir nicht gefällt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
ML: All meine Hobbys und Interessen sowie mein Leben als Familienvater mit meiner Arbeit unter einen Hut zu bringen und dazu noch den Ablenkungen von Social Media zu widerstehen. :)
Außerdem die Menschen zu finden, die sich für meine Musik interessieren.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
ML: Die Geburt meiner Kinder.
Zwei Konzertreisen durch Japan.
Die gesellschaftlichen Zerwürfnisse während der Corona-Zeit.
Sportliche Erfolge bei verschiedenen Ultratrail-Rennen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
ML: Im Studio zum ersten Mal die Musik zu hören, an der man lange gearbeitet hat.
Zeit mit anderen inspirierenden Musikern auf Tour zu verbringen.
Und natürlich jede Minute auf der Bühne.

KK: Hören Sie Musik, und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
ML: Ich höre sehr viel Jazz. Lange Zeit habe ich mich hauptsächlich für zeitgenössischen Jazz interessiert. Im Moment höre ich lieber alte Aufnahmen, z. B. Bill Evans, John Coltrane, George Russell,
Außerdem höre ich aktuell viel klassische Klaviermusik, um Ideen für neue Kompositionen für mein Duo mit Masako Ohta zu bekommen.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
ML: Wenn, dann Vinyl – aber meistens streame ich.

KK: Was lesen Sie momentan?
ML: Zuletzt „Der Tanz mit dem Schafsmann“ von Haruki Murakami. Bei Murakami kann ich sehr gut in seinen Welten versinken, abtauchen und die Zeit vergessen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
ML: Die aktuelle gesellschaftliche Debattenkultur.
Ideologische Politik.
Leute, die laut reden während eines ruhigen Konzerts.

KK: Was freut Sie ungemein?
ML: Zeit mit meiner Familie zu verbringen.
Durch die Berge zu laufen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
ML: Ich bin nicht besonders handwerklich begabt. Ich habe einmal eine Bank für unseren Balkon zusammengeschraubt.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
ML: Philip Seymour Hoffman gefällt mir in jedem Film.
Außerdem finde ich Emma Stone in Lanthimos’ Filmen immer spannend.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
ML: Eine Teleportier-Maschine. Auf die langen Fahrten vor und nach Konzerten würde ich gerne verzichten.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
ML: Ich bin definitiv eher ein Einzelkämpfer, kann aber, wenn es darauf ankommt, auch ein guter Teamplayer sein.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
ML: Wenn es eine Deadline gibt – und tendenziell eher am Vormittag.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
ML: Verschiedenes zum Thema Laufen, Trailrunning und Politik.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
ML: Schwere Frage … Vielleicht eine gerechtere Verteilung von Fördermitteln.

KK: Wenn Sie eine Autobiografie schreiben würden, wie wäre der Titel?
ML: Atemwege.

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
ML: Ich lebe eher im Jetzt und mache mir (vielleicht zu wenige?) Gedanken über die Zukunft. Grundsätzlich blicke ich aber positiv nach vorn und freue mich darauf, was kommen wird.
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Foto: Arne Hornemann
Freitag 14.11.2025
244. Malte Vief – Ich höre alles und nichts
Malte Viefs musikalisches Spektrum reicht von der Renaissance, über barocke Präludien, Anleihen an Django Reinhardt, Deep Purple bis hin zu meditativen Kompositionen – für Sologitarre und natürlich sein Projekt „Kammer“. „Ein weites Feld, das der heute in Leipzig lebende Gitarrist mit Verve und Intelligenz bestellt“, war an dieser Stelle schon 2013 zu lesen, als Malte ein grandioses Konzert in der Maisacher Reihe „Beer & Guitar“ spielte. Die „Süddeutsche Zeitung“ schätzte seine Vielseitigkeit wie folgt ein: „Malte Vief bleibt, egal in welchem stilistischen Bereich er sich künstlerisch bewegt, bei sich.“
Deutlich wird dies besonders an seinem neuen Album „Winter“, das er gemeinsam mit den Geigern Thomas Fleck und Florian Mayer, dem Cellisten Matthias Hübner, Jochen Roß an der Mandoline und Kontrabassist Martin Siebach eingespielt hat. Eine Sammlung von eigenen Stücken und Rekompositionen aus der Feder von John Dowland und Francesco da Milano. Es ist eine Musik, die in ihrer ruhigen Stille, ihrem persönlichen, wenn nicht gar intimen Charakter auf das Weihnachtsfest einstimmt. Aber vielleicht passt ja doch besser der Terminus „Winter-Musik“. Respektvolle und geerdete Klänge in einer Jahreszeit, die der Besinnung und einer emotionalen Retrospektion einfach näher sind, als einem ungestümen Vorwärtsdrang. Trotzdem beinhaltet aber „Winter“ auch ein gewisses Maß an Spannungsfeldern, die einem Ein- und Ausatmen der Musik geschuldet sind. Dieses Album ist ein stilles Kunstwerk mit enormer Strahlkraft.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Malte Vief: Eltern, die mich frei sein ließen und mit Freude meine Entwicklung beobachtet hatten.
Lehrer, die mir liebevolle Führer waren und mich getragen haben.
Schicksalsschläge und Grenzerfahrungen, die mich mir selber näher kommen ließen.
Begegnung mit Tod und Geburt.
Ahnung von Transzendenz.
Meditation.
Vater und Ehemann sein.
Risikobereitschaft.
Intuitives Handeln.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MV: Ich möchte Aspekte meines Seins formen, entwickeln, definieren und in der Musik zum Ausdruck bringen. In meiner Rolle als Künstler transportiere ich das.
In einem zweiten Schritt möchte ich damit berühren und Begegnung schaffen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MV: Die größte Herausforderung ist das Zeitmanagement. In der Fülle meiner Aufgaben als Familienvater und Musiker habe ich immer etwas zu tun. Ein Aufhören gibt es nur dann, wenn ich es setze.
Ich arbeite gerade an einer Haltung, dass ich das, was ich gerade tue, genieße, ohne mich darüber zu ärgern, dass ich etwas anderes gerade nicht bewältige.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MV: Vor einer Woche habe ich ein Konzert auf einem von Sterbeforschern organisierten Nahtodkongress gespielt, an dem ich dann auch für 3 Tage Teilnehmer sein konnte. Es war für mich sehr eindrücklich und berührend, für so viele Leute zu spielen, die sehr stark mit Themen in Verbindung sind, die in meiner Musik eine große Inspiration darstellen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MV: Da fallen mir einige ein:
- Studioarbeit. Es ist toll, wenn wir im Aufnahmeprozess etwas entstehen lassen, das im Anschluss jederzeit abrufbar stehen bleibt. Es gibt mir die Möglichkeit, einen künstlerischen Aspekt auf den Punkt zu bringen. Das Ende können wir selber bestimmen, nämlich genau dann, wenn es für uns gut ist. Das hat schon einen Geilheitsfaktor.
- Üben. Die Zeit ist rar. Ich liebe die Momente am Instrument. Üben ist für mich Meditation.
- Komponieren. Hier ergeht es mir hier wie beim Üben. Es euphorisiert mich ungemein, an Ideen und Stücken zu arbeiten, Neues entstehen zu lassen.
- Konzerte. Ich liebe es, wenn ich mich vor meinem Publikum musikalisch öffne und ein gemeinsamer Raum entsteht.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MV: Ich höre alles und nichts. Mir gefällt ziemlich viel. Noch mehr gefällt mir nicht.
Stilistisch galt meine Neigung als Kind und Jugendlicher zunächst dem Rock; über mein Instrument und die damit verbundene Ausbildung habe ich dann die klassische Musik kennen und lieben gelernt. Ich erinnere mich, wie ich als 13-jähriger über Schallplatten meines Vaters zu Tränen gerührt Bach gehört habe, der damals neu für mich war. Erst in den Zwanzigern habe ich langsam Zugang zu Jazz und Weltmusik bekommen, die mir immer wieder in vielen Teilen sehr gefällt.
Ich höre sehr viel die Musik von befreundeten Musikern. Ich bewege mich hier in einem großartigen Pool, der mich sehr inspiriert und hilft.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MV: Ich höre eher CD - nicht weil ich es lieber mag, sondern aus alter Gewohnheit. Durch mein intensives Familienleben habe ich nicht immer Zeit, neue Dinge auszuprobieren. Und so wichtig ist mir die Schallplatte dann doch nicht …

KK: Was lesen Sie momentan?
MV: „Jenseits von Materie“ von Oliver S. Lazar

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MV: Die eventuelle Wiedereinführung einer Wehrpflicht und insbesondere die Politiker, die sich dafür einsetzen. Ich bin Vater von vier Kindern, denen ich diese gegebenenfalls anstehende und komplett fremdbestimmte Pflicht nicht zumuten und sie davor schützen möchte.

KK: Was freut Sie ungemein?
MV: Ich freue mich sehr über meine nächststehende Familie, meine Frau und meine Kinder. Über meinen musikalischen Weg und der Möglichkeit dazu bin ich unglaublich dankbar.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
MV: Auch wenn ich Kleidung regelmäßig flicke, habe ich noch nie ein Kleidungsstück genäht. Anders ist es bei den Möbeln. Ich habe z. B. unseren Küchentisch mit Höckern und die Betten meiner Kinder gebaut.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MV: Ulrich Mühe in „Das Leben der Anderen“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MV: Eine KI gesteuerte Schnittsoftware, die Editing Prozesse im Tonstudio anbietet. Das würde mir viel Zeit und Geld ersparen. Wird es eh bestimmt bald geben :)

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MV: Darauf muss ich ambivalent antworten. In meinem Wesen als Künstler, mit dem, was ich bin und über die Kunst nach außen trage, bin ich für mich. „Einzelkämpfer“ würde ich diesbezüglich nicht als Begriff benutzen; aber da bin ich alleine und finde und suche mich selbst.
In der Umsetzung bin ich gerne eine Teamplayer. Alle meine Mitmusiker, die ich als meine Freunde sehe, bereichern und erweitern mein und unser Tun durch Ihre Persönlichkeit und Stimme. Ich bin davon nicht abhängig, merke aber, dass ich mit dem Du und Wir mehr mitteilen kann als im Einzelkampf. Es kann dann etwas Neues und Größeres entstehen.
Es gibt Stücke, die ich ohne die Inspiration meiner Mitmusiker nicht hätte schreiben können.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MV: Ich brauche grundlegend intensive Erlebnisse – ausdrücklich auch schmerzhafte. Sobald ich diese Erfahrungen für mich integriert habe, kommen in kontemplativen Momenten kreative Geschenke aus dem Nährboden des Erlebten zu mir.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MV: Thanatos TV, Welt im Wandel und viele andere …

KK; Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MV: Bezüglich einer staatlichen Förderung würde ich die freie- und Kleinkunst gegenüber der etablierten Großkultur (Orchester etc) aufwerten und hier das Verhältnis verändern. Wobei es sicher alle aktuell nicht leicht haben … Ich sehe hier aber ein Ungleichgewicht.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MV: „Selbst?“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MV: Ich weiß es nicht … Wir erleben große Herausforderungen. Gerade sehe ich in meinem Freundeskreis, wie eine verloren geglaubte und aufgegebene Familie sich neu findet. Ich möchte niemals nie sagen. Möge das Gute sich durchsetzen.
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Samstag 08.11.2025
244. Stefanie Boltz - Geburtstagsgäste
Bilder
Foto: Michael Steiner
Stefanie Boltz gehört eine der wandelbarsten und nachhaltigsten Stimmen des deutschen Jazz. Geboren 1973 in Schwabing steht sie nunmehr seit über drei Jahrzehnten auf der Bühne und interpretiert neben Jazznummern verschiedenster Stilistik, auch Blues und Folk, Pophits und Klassik. Zudem führt sie eine Konzertagentur und kuratiert Festvals, wie zuletzt den „Alpenrausch“ am Gasteig HP8 in München.
Mittlerweile sind von Stefanie Boltz ein Dutzend Alben erschienen. Das letzte „Female“ ist eineHommage an jene Frauen, die mit ihrer Stimme und ihrer Persönlichkeit Klassik, Jazz, Blues und Pop geprägt haben. Die Schwabingerin interpretiert Songs von Ma Raney und Bessie Smith, von Abbey Lincoln und Nina Simone, von Kate Bush, Alma Mahler und auch von Hildegard von Bingen. Ein illustres Repertoire. Anspruchsvoll wie engagiert.
Am Freitag, 14. November präsentiert Stefanie Boltz ihr Programm „Female“ in der Reihe Musik im Rathaus in Gilching. Beginn des Konzertes: 19.30 Uhr.

Was hat dich zum neuen Album „Female“ inspiriert?
Das Thema klopft bei mir seit geraumer Zeit an. Für mich ist Frausein in der schöpferischen Arbeit prägend. Und daher naheliegend, mich als weibliche Künstlerin mit tollen Kolleginnen und prägenden Vorreiterinnen auseinanderzusetzen, denen wir heute Vieles verdanken. Deren Lebensentwürfe und künstlerischen Prozesse, ihre Kompositionen wie ihre Bühnengeschichte sind Blaupausen, die man sich immer noch und immer wieder anschauen sollte. So entstand über Jahre eine Stoffsammlung im Kopf, in physischen Schubladen oder auf Playlisten. Mit manchem Wandel im vergangenen Jahr sowie einem runden Geburtstag, tat sich plötzlich der Raum auf, all die tollen Frauen ‚einzuladen‘, mit mir auf eine forschende, gemeinsame Reise zu gehen.

War der runde Geburtstag, den du erwähnst, der entscheidender Anstoß?
Es war nicht der Anstoß, aber mir wurde immer mehr gewahr wie hier zwei „Feiern“ parallel verlaufen, sich überschneiden, und die Schnittmenge war u.a. „Frausein“. Daher auch der Titel.

Was macht für dich Frausein aus, was ist female? Kreieren Frauen anders?
Zur Frau machen mich Attribute wie: Sinnlichkeit, Anmut, Einfühlungsvermögen, Innerlichkeit, Intuition, Stärke in vermeintlicher Schwäche. (Ich muss hoffentlich nicht dazu sagen, dass Männer über diese Qualitäten ebenso verfügen (können). Attribute wie diese, die ein Frauenleben und den (weiblichen) Schaffensprozess prägen, spielen auf dem Album eine große Rolle. Es klingen Themen an wie: Liebe und Freiheit – verbunden mit Emanzipation und Ungebundenheit; Bitterkeit - mit oder ohne Resignation; Trotz und Wut als Kräfte; Sinnlichkeit und Sinnhaftigkeit; Minderwertigkeitsgefühle, Ausgrenzung und Einsamkeit Armut und Luxus; Weibliche Sexualität und Eskapismus Frauen kreieren so unterschiedlich, wie die Menschen es generell tun. Für mich ist Frausein als Künstlerin jedoch sehr prägend. Jenseits von Kategorien: Es macht einen Unterschied. Muss es ja. Das Weibliche hat die Anbindung an etwas, das so groß ist, dass daraus Leben entsteht.

Wie kam die die Auswahl dieser Frauen zustande?
Meine Auswahl ist nur ein Ausschnitt von 1000 Möglichkeiten. „Female“ ist eine ganz intuitive Zusammenstellung, zunächst völlig ohne Konzept - mit der Hoffnung und dem Vertrauen, dass es am Ende einen schlüssigen roten Faden geben wird. Ich habe mich von dem Thema der Frauenfiguren in der Musik leiten lassen. Zunächst waren es viel zu viele, um sie je zusammenführen zu können. Alles, was ich kannte, was ich neu kennenlernte und was mich ansprach, kam auf eine longlist. Dramaturgische Gesichtspunkte wie die Unterschiedlichkeit der Musik, der Epochen, der Sprachen, spielten dann mit der Umsetzbarkeit eine Rolle für die engere Auswahl. Durch das Reiben am musikalischen Material fielen wieder manche weg - manchmal lieben einen die Stücke eben nicht zurück, dann muss man es auch lassen. Ein paar Kompositionen haben mich und Christian Wegscheider, der für die komplexeren kammermusikalischen Arrangements zuständig war, richtig in die Zange genommen.
Am Ende hatte ich eine Sammlung von 12 Frauen und mir. Von Bingen bis Bush, eingeladen von der Boltz.

Was ist dein Lieblingsstück auf dem Album und warum?
Der besondere Reiz von „Female“ liegt für mich in der Herausforderung, Kompositionen aus so unterschiedlichen Epochen und Frauen mit so verschiedenen Hintergründen sorgsam zusammenzuführen und künstlerisch musikalisch einen roten Faden zu spinnen. Da stehen ein klassisches Kunstlied neben einem Jazz tune oder ein paar Zeilen aus einem Bingen-Choral neben einer Blues-Hymne. Deutsch neben Englisch, A Cappella neben Instrumental. Alles gehört zusammen, zu jedem Stück habe ich einen innere musikalische, eigene Beziehung.
Dennoch berühren manche einen nochmal mehr, manches empfindet man als besonders gelungen. Hier würde ich spontan das Lied „Dämm’rung senkte sich von oben“ von Fanny Hensel mit dem tollen Goethe-Text nennen, dem wir uns recht werkstreu und doch improvisatorisch genähert haben, Christian ist am D-Flügel so ausdrucksstark und tiefgründig. Oder die Stücke aus der Recording Session mit meinem lieben Freund und Kollegen, dem Gitarrist und Sänger Jörg Seidel, wie „Throw it away“ oder „Nobody knows you when you’re down and out“.
Und natürlich meine eigenen Kompositionen (gemeinsam mit Christian Wegscheider) wie „Blues for Ma“ und auch „The First of a Million Tears”, die das Album abrundet.

Fanny Hensel, die Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy, ist ja ein gutes Beispiel dafür, wie Frauen früher eine Karriere verbaut wurde. Was sich über die mitunter tragischen Lebenswege einiger deiner Auserwählten noch bis in die heutige Jazzszene hineinzieht. Ist „Female“ ein Beitrag zur Bewusstseinsbildung und zum Empowerment?
Immer wenn wir der Welt öffentlich Geschichten erzählen, wird es etwas bewirken. Ich verstehe „Female“ zwar nicht als feministisches Projekt. Ich freue mich aber über jede Hintertür, die jenseits von Zeigefingern und Dogma aufgeht. Ich möchte mit einer freundlichen, maximal inklusiven Haltung Lebensgeschichten von schöpferischen Frauen erzählen, bewegen, ermutigen.

Wie war denn eure „Geburtstagsparty“ in dieser ungleichen Runde? Habt ihr euch gut verstanden?
Lustigerweise habe ich meinen runden Geburtstag ähnlich gefeiert. Auf einer Hütte in einem Kreis von etwa gleichvielen Frauen, die sich teilweise kannten, teilweise nicht. Gastgeberin zu sein, ist zum Glück eines meiner Talente. Ich habe große Freude daran. Daher habe ich auch die musikalische „Female“-Party sorgsam vorbereitet und bin allen einladend und mit einfühlsamen Respekt begegnet. Einige Frauen haben mich auf meinem Werdegang schon länger begleitet, und es war klar, dass sie im Reigen dieses ‚Get togethers‘ nicht fehlen dürfen wie Nina Simone, Irene Kitchings, Joni Mitchell z.B.. Teils haben wir uns erst im Laufe der Arbeit an diesem Programm gefunden, so Nadia Boulanger, Ma Rainey oder Abbey Lincoln. Wie auf einer guten Party eben: Man trifft lose Bekannte sowie Vertraue, lernt dadurch wiederum neue kennen, und es gehen neue Türen auf.
Interessanterweise habe ich gespürt, dass ich mich bei aller Bewunderung dann mit manchen nicht so gut verstehe und bin eher auf Distanz geblieben. Zu manchen wiederum gab es schnell eine gewisse Nähe. Manchen Figuren wollte ich wiederum lieber nicht so nahe kommen, weil deren Tragik schwer auszuhalten ist und an eigene schwere Momente und Phase erinnert.
Mit diesem Programm wurden manche Bezüge und Beziehungen erst hergestellt. Ich durchlaufe ja stellvertretend für mein Publikum Prozesse, an denen ich es dann auf dem Album und vor allem live teilhaben lassen will. Ich denke, dass sich dieses beziehungsvolle Miteinander mit jedem einzelnen Konzert noch verändern und entwickeln wird. Ich freue mich drauf.
(Das Interview wurde freundlicherweise von Stefanie Boltz zur Verfügung gestellt)
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