Fürstenfeld. Es sind magischer Assoziationen, die die Mitglieder des Xiexin Dance Theatre vermitteln, Bilder von schwärmerischer Schönheit, von harmonischer Eleganz und rhythmischer Anmut. Verschlungene Tänze, die eine Hoffnung des dauernden Miteinanders evozieren und letztendlich doch immer wieder auseinanderdriften. Entrückte Figuren, berückende Motive voller Grazie und kontrollierter Disziplin.
So begann der gestrige Abend des Xiexin Dance Theatre aus Shanghai im Fürstenfelder Stadtsaal. Star-Choreographin Xie Xins war mit ihrer Kompanie vor Ort und hat sich in ihrem Stück „From IN“ auf das Wesentliche und auch das scheinbar Unwesentliche des menschlichen Miteinanders konzentriert und tänzerisch ausgedrückt. Ein leises wie auch sinnliches Spektakel, das aus den Meriten östlicher und westlicher Kultur schöpft und dabei ganz eigene Wege und Stilistiken entwirft.
„From IN“ hat einen engen Bezug zum chinesischen Schriftzeichen für „Mensch“, das aus zwei Strichen besteht. Zwei Linien, zwei Pole, die sich ebenso diametral gegenüber stehen, wie sie auch miteinander in Kontakt treten. Xie Xin versucht auf diese Weise zwischen Tradition und Moderne zu vermitteln, die Wichtigkeit des Individuums als Einzelwesen tänzerisch zu formulieren, wie auch den Menschen als ein soziales Gruppenwesen darzustellen. Zudem wird das Verhältnis von Raum und Zeit und von Licht und Schatten in Beziehung gesetzt und auf sinnliche Art ausgelotet.
Xie Xins gründete das Xiexin Dance Theatre 2014, im gleichen Jahr, wie sie auch ihre Arbeit als unabhängige Choreografin annahm. Schnell machte sie sich mit ihrer Arbeit einen Namen und wurde zu etlichen Festivals europa- und asienweit eingeladen. Unter anderen zum Colours Dance Festival in Stuttgart, dem Festival Paris Lete in Frankreich, dem STEPS Dance Festival in der Schweiz, dem kroatische Sprite and Hibernik Dance Festival, zur Chinese Dance Biennale und zum Hong Kong Arts Festival.
Der finnische Tänzer, Choreograph und Schauspieler Jorma Uotinen, einstiger künstlerischer Leiter des Kuopio Dance Festivals, schätzt Xie Xins künstlerische Leistung wie folgt ein: „In Xie Xins Arbeit habe ich die Zukunft gefunden, die ich in der Entwicklung des europäischen modernen Tanzes nicht gefunden habe. Ihre Werke sind von einer äußerst sensiblen Einzigartigkeit und Besonderheit“.
Besonders die Sensibilität, mit der ihre Tänzer sich federleicht über die Bühne bewegen, die scheinbare Schwerelosigkeit ihrer Körper, das Vertrauen gegenüber ihren Partnern vermittelt eine Einheit zwischen hohem Anspruch und dessen Umsetzung. Es sind beruhigende Bewegungen, die von schlafwandlerischer Sicherheit zeugen und zu den Wogen elektronischer Sounds und Rhythmen eine breite Schnittstelle zwischen Bewusstem und Unbewusstem füllen.
Zum Tragen kommt dieser harmonische Flow auch aufgrund der Einfachheit des Bühnenbildes. Eine rechteckige, in abgestuften trüben Weiß gehaltene Unterlage, die von dunklen Stores gerahmt wird. Die Tänzerinnen und Tänzer tragen weit geschnittene, steingraue, Leinengewänder. Eine beinahe archaische Kulisse, die wie geschaffen scheint, für die zurückhaltenden aber wirkungsvollen Einsätze von warmen Lichtkegeln in matten Farben. Es ist wie ein zeitloser Blick unter die Oberfläche einer beeindruckenden zeitgenössischen Ästhetik.
Jörg Konrad















































