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19. Dine Doneff „Roden Voden“
20. Yamirah's Solar Explorers „Andromeda Galaxy“
21. Lilit Grigoryan & David Petersen „Perfect Happiness? - Romantic Works Fro...
22. Isabelle Bodenseh „Dignity“
23. Björn Meyer „Convergence“
24. Nils Wülker „Zuversicht“
Montag 16.02.2026
Dine Doneff „Roden Voden“
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Gebürtig aus jenem edlen Mutterland,
wo meine Vorfahren noch immer zwischen den Gräbern weilen.
Geister, die niemals schlafen, vertrieben und doch von allen Seiten zurückgekehrt,
die die Kultur verteidigen, die Knoten der menschlichen Existenz lösen,
die das Tor zur Zukunft öffnen.

Diese Zeilen schrieb Dine Doneff im Juni 2025, Gedanken, die in Worten zusammenfassen, worum es dem aus Mazedonien stammenden Bassisten, Gitarristen und Perkussionisten auf seinem Album „Roden Voden“ inhaltlich geht. „Roden Voden“ ist der letzte Teil Doneffs Trilogie, die 1995 mit „Nostos“ begann und 2004 in „Rousilvo“ ihre Fortsetzung fand und sich gegen den Untergang einer ganzen Kultur richtet. Hierfür nutzt der 60jährige weit mehr als musikalische Mittel, um zu erinnern und letztendlich zu bewahren.
In Anlehnung an die klanglichen Traditionen seiner Heimat und gleichzeitig gegen das Vergessen sammelt Dine Doneff Noten und Stimmen der mazedonischen Regionen, soweit sie noch zugänglich sind, transportiert die Vergangenheit so zumindest akustisch in die Kultur der Gegenwart. Allein schon dieser lebendig scheinende Blick zurück birgt, wie eine Art Auferstehung, Wehmut, Schmerz und Hoffnung zugleich. Die Stimmen und Gesänge sind im Zeitraum zwischen 1991 und 2009 in den Gemeinden Rousilvo, Ostrovo, Ts’rnessovo und Voden im Norden Griechenlands aufgenommen. Die Kompositionen stammen teilweise von Dine Doneff, sind häufig eingebettet in fast vergessene mazedonische Volksmusik. So entsteht letztendlich eine Stimmung, die einerseits den Verlust ins Zentrum stellt, doch andererseits auch wieder leichten Optimismus ins Spiel bringt, die Hoffnung des kulturellen Überlebens. Ein wichtige, eine ergreifende Einspielung.
Jörg Konrad


Rezension des Albums „Rousilvo“ dem zweiten Teil der Trilogie, veröffentlicht im Februar 2018 auf KK:
Rousilvo“ enthält die Musik einer untergegangenen, in ihrer einstigen kulturellen Identität nicht mehr bestehenden Welt. Es sind schmerzhafte Erinnerungen voller Poesie, die Dine Doneff auf „Rousilvo“ in überragende Töne übertragen hat. Voller Wehmut und Temperament, in Anlehnung an die musikalischen Traditionen, wie sie einst für die Region im Nordwesten Griechenlands typisch waren. Und zugleich findet der Komponist und Multiinstrumentalist Doneff für diese Aufarbeitung von zum Teil originalen Volksliedern auch moderne orchestrale Ansätze und jazzähnliche Versatzstücke, die dieser Balkanoper etwas prägend Zeitloses geben.
Inhaltlich handelt es sich um die traumatische Lebensgeschichte jener Menschen, die bis vor wenigen Jahrzehnten im griechischen Teil Mazedoniens, genauer im Bergdorf Xanthogeia (der slawische Name lautete Rousilvo) beheimatet waren. Ende der 1940er Jahre, nach dem griechischen Bürgerkrieg, lebten fast nur Frauen in dem Ort. Die Männer, zum Großteil Widerstandskämpfer, waren entweder im Exil oder tot. Im Dorf regierte die Trauer. „Die Frauen sangen Klagelieder in ihren Hinterhöfen, die durch die schluchtartige Lage des Dorfes überall in den Bergen widerhallten“, erzählte Dine Doneff, der mit griechischem Namen Kostas Theodorou heißt, in einem Interview. Später dann wurde die eigene Sprache, wie auch die kulturellen Riten der Vorfahren auf Geheiß der griechischen Regierung verboten. Diese Traditionen galten als anti-hellenistisch. Das Dorf vereinsamte mit den Jahren völlig und wurde 1986 zerstört. So veränderte sich das einstige Paradies, in dem Dine Doneff seine Kindheit verlebte, endgültig. Ein Bruch, den besonders die Alten des Dorfes nur schwer ertrugen.
Das „Requiem über das Verschwinden“ wurde schon 2004 aufgenommen – aber erst jetzt offiziell veröffentlicht. Grund dafür waren Repressalien, denen Doneff bis 2012 von Seiten nationalistischer Organisationen in Griechenland, als auch von staatlichen Sicherheitskräften ausgesetzt war. Mittlerweile lebt der Komponist und Multiinstrumentalist in Süddeutschland und konnte im letzten Jahr das eindrückliche polyphone Werk „Rousilvo“ mit Hilfe von ECM München herausbringen.
Das Album besteht sowohl aus alten Volksliedern der Region, als auch aus oben erwähnten Orchesterteilen, die sehr stark von mazedonischer Blasmusik beeinflusst sind. Überhaupt ist die wichtigste Inspirationsquelle für die vorliegende Arbeit jene Musik, wie sie zu Doneffs Kindheit und davor in dieser Enklave gespielt wurde. Der Komponist konnte sich an viele der Melodien erinnern, wie sie auf Hochzeiten und zu anderen Festen gespielt wurden. Die Texte aber fehlten, da die Menschen schon damals nicht wagten, diese zu singen. Nun wird die Balkanoper von sieben Sängern und sieben Instrumentalisten aufgeführt. Sowohl die klagenden Frauenstimmen, als auch die ausgelassene Festtagsstimmung finden in „Rousilvo“ Eingang. Zarte und lyrische Momente wechseln mit intensiven, kraftvollen Themen, selbstbewussten Improvisationen und treibenden Rhythmen. Es ist Musik aus dem Zentrum der Leidenschaft, ebenso kreativ wie hingebungsvoll umgesetzt. Bei aller Trauer.
Jörg Konrad

Dine Doneff
„Rousilvo“
neRED / ECM / 2018

Dine Doneff
„Roden Voden“
neRED / 2026
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Freitag 13.02.2026
Yamirah's Solar Explorers „Andromeda Galaxy“
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Andromeda, in der griechischen Mythologie die Gattin des Perseus und die Tochter des äthiopischen Königs Kepheus und der Kassiopeia, spielt in der Jazz Community immer wieder eine Rolle. So gibt es zum Beispiel das in Berlin beheimatete Andromeda Mega Express Orchestra, oder das aus England stammende Andromeda Orchestra, der amerikanische Komponist Jay Chattaway schrieb das Stück „Andromeda“ (das 1977 in Montreux von den CBS Jazz All Stars eingespielt wurde) und die japanische Band Jazztronik spielte Ende 2002 den Titel „Andromeda“ ein. Nun hat das Trio Yamirah’s Solar Explorers sein Debütalbum vorgelegt, das sich „Andromeda Galaxy“ nennt. Überhaupt dürfte in all diesen Fällen eher das Herbststernbild Andromeda gemeint sein, noch wahrscheinlicher die Andromeda Galaxie M31, das am weitesten entfernte Objekt am Nachthimmel, das bei guter Sicht mit bloßem Auge wahrgenommen werden kann.
Die Yamirah's Solar Explorers unternehmen somit eine kosmische Klangreise, die aus neun Etappen besteht. Geistiger Kopf dieses musikalischen Space-Unternehmens ist die Berliner Gitarristin Yamirah Gercke. Geboren in Boston, aufgewachsen in der deutschen Hauptstadt studierte sie an der University of Northern Colorado in Greeley, CO und am Berklee College of Music in Boston, MA. Zu den Yamirah's Solar Explorers gehören außerdem als astronautische Reisebegleiter Pianist Sacha Hladiy und Schlagzeugerin Ria Rother. Das Trio spielt „Cinematic jazz pop“, wie Yamira ihren Musizierstil selbst nennt. Es ist ein Mix aus Jazz und Pop, Indie und Soul. Entsprechend kling das Album verspielt und leicht, melodisch eindringlich und elegant unterhaltend. Der Sound erinnert an die 1970er Jahre, sozusagen Zukunftsmusik rückwärtsgerichtet. Das soll es heute immer öfter geben. Schauen wir, wohin die nächste Reise geht.
Alfred Esser

Yamirah's Solar Explorers
„Andromeda Galaxy“
Fat Banshee
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Donnerstag 12.02.2026
Lilit Grigoryan & David Petersen „Perfect Happiness? - Romantic Works From Leipzig“
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Übermäßig Musikliteratur für das Fagott gibt es im Vergleich zu etlichen anderen Instrumenten innerhalb der Klassik nicht. Das Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt, dessen nasaler aber doch wärmender Klang einen Tonumfang von 3,5 Oktaven besitzt, taucht erstmals im frühen 16. Jahrhundert auf. Es besitzt die seltene Gabe vom Klang her mit anderen Instrumenten auf eine sehr geschmeidige Art zu verschmelzen, ohne dabei seinen eigenen Charakter aufzugeben.
Diesen Vorteil hat sich der Solofagottist des Gewandhaus Leipzig David Petersen zu Nutze gemacht und gemeinsam mit der armenisch-deutschen Pianistin Lilit Grigoryan ein Duo-Album eingespielt. Und da Petersen schon seit über 30 Jahren sich sehr eng mit der sächsischen Metropole verbunden fühlt, haben sich er und seine musikalische Partnerin für ein Repertoire entschieden, dessen Schöpfer ebenfalls allesamt sehr enge Beziehungen zu Leipzig aufzeigen. Felix Mendelssohn Bartholdy, Ignaz Moscheles und Robert Schumann gehören zudem zu den bedeutendsten Vertretern der Romantik und waren durch mehr oder weniger enge Kontakte auch persönlich und beruflich miteinander verbunden.
Eröffnet wird das Album „Perfect Happiness? - Romantic Works From Leipzig“ mit der Sonate für Klavier und Violoncello Nr. 1 B-Dur, op. 45 die Mendelssohn Bartholdy für seinen Cello spielenden Bruder schrieb und über die Robert Schumann sagte: „Man findet in ihr Zartes und Kühnes, Einfaches und Kunstreiches, die Kontraste auch mit geübter Hand zu schöner Form verschmolzen.
Ignaz Moscheles Grand Duo Concertant für Klavier und Fagottt B-Dur, op. 34 entstand 1814 in Wien. Moscheles unterrichtete übrigens den jungen Mendelssohn Bartholdy als 15jährigen im Klavierspiel. Das hier interpretierte Duo Concertant ist ein schönes Beispiel für romantische Kammermusik. Moscheles selbst hat dieses Stück häufig gespielt, wobei der sich selbst den virtuosen Klavierpart bewusst geschrieben hat, der durch seine enorme Präsenz in Erinnerung bleibt.
Musikalisches Zentrum dieser Einspielung sind jedoch Robert Schumanns Kindersezenen, op. 15. Dieser Zyklus von dreizehn kurzen Klavierstücken sind der akustische Ausdruck eines 28jährigen mit Blick auf seine Kindheit, der, wie in der Romantik üblich, ein sehr verklärender war. Die hier eingespielte Fassung wurde von den beiden Interpreten für Fagott und Klavier bearbeitet und offenbart einen wunderbaren Austausch zwischen beiden Instrumenten, wobei das Fagott den deutlich stimmführenden Part innehat.
Jörg Konrad

Lilit Grigoryan & David Petersen
„Perfect Happiness? - Romantic Works From Leipzig“
Berlin Classics
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Mittwoch 11.02.2026
Isabelle Bodenseh „Dignity“
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Sie hat, wie viele andere Kinder, mit der Blockflöte begonnen zu musizieren, ist aber, im Gegensatz zu den meisten, diesem Instrument treu geblieben. Isabelle Bodenseh spielt heute die „normale“ Querflöte, plus Alt- und Bassquerflöte. Hierfür studierte sie in Frankfurt am Main, bei James Newton in Los Angeles und in Havanna. Anschließend war sie als Dozentin und als Theater- und Studiomusikerin tätig. Immer auch als Botschafterin für ihr Instrument.
Ihr Lebensmotto lautet nach eigenen Angaben: Improvisation. Mit Sicherheit bezieht sich dieser Wahlspruch nicht allein auf die Musik. Denn um das eigene Leben so zu gestalten, wie Isabelle es gelingt, bedarf es neben weitsichtiger Planung und scharfsinnigem Kalkül schon einer ordentlichen Portion Spontanität und Pragmatismus.
Das neue Album der Halbfranzösin lautet „Dignity“ und dieser Begriff der „Würde“ ist ganz gewiss eine weitere, unmissverständliche Maxime in ihrem Leben. Denn „Dignity“ hat Isabelle unter anderem ihrer Tochter Juliette gewidmet, die seit der Geburt an Zerebralparese leidet und auf umfangreiche externe Hilfe angewiesen ist. Insofern bezieht sich die „Würde“ in diesem Fall auch auf all jene, die Isabelle, Juliette und ihrer Familie aufopferungsvoll und entsprechend den gesetzlichen Rahmenbedingungen hilfreich zur Seite stehen und stehen konnten.
Die fünfteilige „Suite for Dignity“ kann als das Herzstück dieses Albums im doppelten Sinn bezeichnet werden. Isabelle swingt und groovt mit ihrer Band in außergewöhnlich stimmiger Qualität. Neben der Flötistin gehören der Hammondorganist Thomas Bauser, Gitarrist Johannes Maikranz und Schlagzeuger Lars Binder zur Formation. Ein Quartett, dessen Dynamik sich aufgrund des perfekt ausbalancierten Miteinanders erschließt und durch ein quirliges, meist temperamentvolles Musizieren besticht. Es ist ein Vergnügen, diese Musikalität zu spüren und zugleich den Improvisationen zu folgen – die hörbar als Lebensmotto ihren Raum auf „Dignity“ ausfüllen und entfalten.
Jörg Konrad

Isabelle Bodenseh
„Dignity“
GLM
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Dienstag 10.02.2026
Björn Meyer „Convergence“
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Es ist Björn Meyers mittlerweile schon zweites Solo-Album für ECM München. Eine Rarität auch in der Welt des Jazz, wobei das Label in der Vergangenheit schon häufiger Bassisten im Alleingang aufgenommen hat. Genannt seien an dieser Stelle Barre Phillips, Dave Holland, Eberhard Weber, Marc Johnson oder auch Larry Grenadier. Vielleicht liegt diese eher seltene Häufung daran, dass Label-Chef Manfred Eicher von Haus aus selbst Bassist ist. Auf jeden Fall zeichnen sich die diesbezüglichen Veröffentlichungen durch eine individuelle Instrumentalsprache der einzelnen Musiker aus. Originalität, Virtuosität, kompositorische und improvisatorische Imagination, Timekeeping beherrschen sie alle. Und auch Björn Meyer steht am 6-String Electric Bass deutlich hörbar in dieser Tradition.
Lange Jahre war der in Schweden gebürtige und heute in der Schweiz lebende Meyer Mitglied in Nik Bärtschs Band Ronin, eine Formation, deren pulsierender Rhythmus, auch Ritual Groove Music genannt, das herausstechende Merkmal war, bis heute ist. Zuletzt gehörte Björn Meyer, neben etlichen anderen Projekten, dem Quartett der deutschen Sängerin Simin Tander an. Tander bringt mit ihrer weltoffenen Kunst die Dämmerzonen des Lebens zum Strahlen, sie lässt das Fröhliche melancholisch klingen und nimmt mit dem Traurigen die Furcht.
Meyer verpackt all diese Einflüsse geschickt neu, nutzt sie als Fundament, als Basis für sein Album „Convergence“. Als Bassist, der auch Melodien kreiert, dessen Monologe spieltechnische Ideen und mentale Befindlichkeiten gegenüberstellen; als ein Magier des Sounds und Meister rhythmischer Unwägbarkeiten. Ein Bassist, der ebenso kontrastreich, wie auch differenziert spielt. Dabei löst er eine manifeste Körperlichkeit des Instruments auf, lässt dessen Töne federleicht aufsteigen, selbst dann, wenn er waghalsig improvisiert. Oder wenn er mit Magneten und Metallstäben einen „präparierten“ Bass spielt. Björn Meyer ist am Instrument ein Forscher und ein Tüftler, immer auf der Suche nach Klangverstrebungen und kontrastreichen Sounds. Letztendlich ein ebenso freier wie disziplinierter Finder.
Jörg Konrad

Björn Meyer
„Convergence“
ECM
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Freitag 06.02.2026
Nils Wülker „Zuversicht“
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Zuversicht ist etwas, das wir alle brauchen, besonders in Zeiten wie diesen. Das hat sich auch Nils Wülker gedacht, als es darum ging, seinem neuen Album einen Titel zu geben. „Zuversicht“ ist zugleich ein mutiger Slogan. Denn der 1977 in Bonn geborene Trompeter und Komponist hat auf seinem mittlerweile 15. Album eine wirklich hochkarätige, internationale Band ins Studio bekommen. Aaron Parks (Klavier), Linda May Han (Bass) und Gregory Hutchinson (Schlagzeug) gehören momentan wohl mit zum Besten, was man als Mitspieler derzeit bekommen kann. „Mit Aaron, Linda und Greg habe ich mir eine wunderbare Band zusammengestellt“, erzählt Wülker in einem Interview „aber auch alles auf eine Karte gesetzt. Schließlich haben wir uns im Studio zum ersten Mal richtig getroffen, noch nie vorher zusammengespielt und hatten dann dreieinhalb Tage, um ein ganzes Album aufzunehmen.
Dieses Herausforderung hat sich gelohnt. Denn in den legendären Berliner Hansa Studios ist ein Album voller Innovation, musikalischer Dynamik und klanglicher Schönheit entstanden. Das Zusammenspiel zwischen den Instrumentalisten hat auf Anhieb geklappt, die Chemie war von Beginn an stimmig. Das spürt man förmlich von Beginn an.
Alle 11 Wülker-Kompositionen sind kleine, strahlende Juwelen, luftige Kleinode. Hier verkommt nichts zum Selbstzweck, weder das bewusste Ineinandergreifen der einzelnen Instrumentalstimmen, noch die von Virtuosität und Eleganz getragenen Improvisationen. Hier finden Tradition und Gegenwart zu einem allgemeingültigen Intensitätsstrom. Nuancen, Anspielungen und kleinteilige Partikel entwickeln sich zu großen Aussagen, werden zu einer Art lebendiger Seelenmusik. Klare Strukturen, die inhaltlich ineinander übergehen und sich manchmal sehr anrührend in das Innenohr schleichen. Zugleich aber lässt sich immer auch eine Gegenstimme finden, die dieser scheinbaren Anbiederung entgegenwirkt. Nicht expressiv, aber ausreichend differenziert, mit dem unbedingten Willen des Widerspruchs.
Jörg Konrad

Nils Wülker
„Zuversicht“
Warner
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Autor: Siehe Artikel
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