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1. Fürstenfeld: Mozarts „Requiem“ & Rossinis „Stabat Mater“
2. Fürstenfeld: Philharmonischer Chor Fürstenfeld - Johannes-Passion
3. Fürstenfeld: Julian Trevelyan - Ein Philosoph am Klavier
4. Alexander Kluge (geb. 14. Februar 1932 in Halberstadt, gest. 25. März 2026...
5. Fürstenfeld. Junge Stars - Erfolgreiche Etappe in den Beruf
6. Bergson: Dominique Fils-Aimé zu Gast im Bergson Elektra Tonquartier
Donnerstag 09.04.2026
Fürstenfeld: Mozarts „Requiem“ & Rossinis „Stabat Mater“
Tod, Trauer und zuversichtliche Hoffnung am Karfreitag im Stadtsaal
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Fotos: TJ Krebs
Fürstenfeld. Was verbindet ein Requiem und ein Stabat Mater? Das Requiem ist eine Totenmesse für einen Verstorbenen, im Stabat Mater trauert eine Mutter (Maria) um ihren Sohn (Jesus). Im erweiterten Sinn könnte man also davon sprechen, dass es in beiden Fällen um einen Toten geht. Beide Textvorlagen wurden über die Jahrhunderte vielfach von Komponisten vertont, sicher auch deshalb, weil emotionale Gehalte durch Musik auf ideale Weise transportiert werden können. Am Karfreitag brachten Bach-Chor und Bach-Orchester Fürstenfeldbruck unter der Leitung von Gerd Guglhör das unvollendete „Requiem“ von Wolfgang Amadeus Mozart und das „Stabat Mater“ von Gioacchino Rossini im sehr gut besuchten Stadtsaal zur Aufführung. Als Solisten waren Susanne Bernhard (Sopran), Laura Hilden (Mezzosopran), Moon Yung Oh (Tenor) und Ansgar Theis (Bass) zu hören.
Mozarts Requiem konnte vom Komponisten aufgrund seines eigenen Todes nicht vollendet werden, was die Eindringlichkeit der musikalischen Sprache geschärft haben dürfte. In den letzten Jahren ist auf die unterschiedliche Ergänzung der Skizzen Mozarts vielfach zugunsten der Beschränkung auf die Komposition Mozarts verzichtet worden. So war es auch hier. Dramatik ist aus den Opern Mozarts hinlänglich bekannt. Gerd Guglhör arbeitete in seiner Interpretation des Mozart-Requiems die Ausdruckspole des Werks konsequent und mit wirkmächtiger Intensität heraus. So leuchtete die dunkle Klangfärbung im „Introitus“ bei gut fließendem Tempo besonders warm. Ausgehend vom Text waren die Spannungs- und Dynamikverläufe konsequent entwickelt. Gestochen scharf gerieten die Koloraturen des Chores im „Kyrie“, so dass ein ganz transparent-aktiver Gesamtklang entstand. Das apokalyptische „Tuba mirum“ strahlte im Dialog der Vokalsolisten mit der Posaune fast beruhigende Wirkung aus. Dagegen wirkte das „Rex tremendae“ bei federndem Orchesterklang ganz dicht von der Linie her entwickelt und hatte eine unausweichliche Unerbittlichkeit. Zutiefst versöhnlich wirkte da das liebliche „Lacrimosa“.
Das Ende der Mozart-Komposition mitten im Lacrimosa bildet harmonisch eine ideale Brücke in den Beginn des Rossini-Werks, so dass Gerd Guglhör sich dazu entschlossen hatte, beide Werke sozusagen unter einen Spannungsbogen zu fassen und unmittelbar aufeinander folgen zu lassen. Was rein musikalisch nachvollziehbar erscheint, warf Probleme inhaltlicher, stilistischer und damit ästhetischer Art auf. Eine tragfähige inhaltliche Brücke zwischen beiden Werken existiert nicht, auch stilistisch liegen beide Kompositionen weit auseinander und brauchen von daher einen ihnen gebührenden Raum, um ästhetische Erfahrung zu ermöglichen. Damit blieb die im Programmheft für das Mozart-Requiem genannte Chance, nämlich dass „das Hörerlebnis zu einer Begegnung mit dem Ungelösten“ wird, ungenutzt. Erfahrungen mit Transzendenz, auf die hier hingewiesen wird, brauchen Zeit für das Nachklingen. Genau die fehlte hier.
Der Anteil der Solisten ist in Rossinis „Stabat Mater“ deutlich größer als bei Mozart. Das Orchester übernahm dadurch einen bedeutenden Part am Gesamtklang und erwies sich in der Begleitung der Sänger als ausgesprochen flexibel und zuverlässig agierender Partner. Mit Susanne Bernhard und Laura Hilden waren zwei Frauenstimmen zu hören, die zunächst unterschiedlich angelegt schienen. Als beide aber im Duett „Quis est homo“ gemeinsam in enger Verzahnung zu hören waren, wurde deutlich, dass ihr Stimmklang durchaus auf einer Linie liegt. Der Unterschied liegt in der jeweiligen Reife des Ausdrucks, der auch mit dem Altersunterschied von mehr als zwanzig Jahren zusammenhängt. Während Susanne Bernhards Sopran eine begeisternde Fülle des Klangs mit warm leuchtendem Vibrato besitzt, überzeugt Laura Hilden mit jugendlicher Offenheit und einem dazu passenden, schlichteren Vibrato. Beide gemeinsam verliehen der Aufführung immer wieder besondere Glanzpunkte.
Eine besondere Herausforderung kam auf den Chor an mehreren Stellen zu: Er war zum Beispiel in „Eja Mater, fons amoris“ a cappella gesetzt und damit ohne Fundament durch das Orchester. Genau diese Passagen aber waren es, die mit großer klanglicher Eindringlichkeit gelangen und die Qualitäten des Ensembles noch einmal auf eine andere Art erleben ließen. An der Kraft und Konzentration aller Beteiligten im Finale war ablesbar, dass der Spannungsbogen bis zum letzten Akkord andauerte.
Am Schluss gab es lang anhaltenden und großen Beifall mit Getrampel – ganz so, wie man es von der italienischen Oper gewöhnt ist.
Klaus Mohr
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Donnerstag 02.04.2026
Fürstenfeld: Philharmonischer Chor Fürstenfeld - Johannes-Passion
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Passion als Geschichte aus dem Leben

Fürstenfeld. Die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu Christi beschäftigt viele Menschen bis heute an zentraler Stelle. Das hat vielerlei Gründe, weshalb es auch ganz unterschiedliche Formen der Auseinandersetzung mit der Passion Christi gibt. Die Adaption als musikalisches Werk ist die wahrscheinlich häufigste Möglichkeit, Text und Inhalt mit Emotionen aufzuladen. Diesen Zusammenhang stellte schon der Heilige Augustinus heraus: „Wer singt, betet doppelt.“ Unter den vielen Passionsvertonungen nehmen die beiden erhaltenen Werke von Johann Sebastian Bach einen besonderen Platz ein. Die Johannes-Passion BWV 245 hatte der Philharmonische Chor Fürstenfeld mit seinen etwa achtzig Choristen unter seinem Leiter Andreas Obermayer auf das Programm des Konzerts im Stadtsaal gesetzt. Das Barockorchester La Banda war als instrumentaler Part auf historischen Instrumenten dabei. Zu hören waren zudem die Vokalsolisten Marie Sophie Pollak (Sopran), Laura Hemingway (Alt), Manuel Ried (Evangelist, Tenor), Michael Kranebitter (Bass) sowie Florian Dengler (Jesus, Bass).
Andreas Obermayer wählte im Eingangs-Chorsatz ein zügiges Tempo, so dass einerseits das Wehen des Heiligen Geistes vital erlebbar wurde. Andererseits wurde mit großer Ruhe und Umsicht musiziert, wodurch die stabilen Pfeiler von Gott Vater in den Zuhörern ruhen konnten. Der Chor entfaltete sich homogen von der Linie aus und brachte sich dadurch als essentieller Teil in den Gesamtklang ein. Die Chöre sind die Eckpfeiler jeder Interpretation der Johannes-Passion. So bildeten die zahlreichen Choräle ein wichtiges strukturbildendes Element, weil sie in ihrer Gestaltung auf Ebenmaß und Ruhepol ausgerichtet waren. Den meditativen Charakter unterstrich das gut fließemde Legato und die zumeist zurückhaltende dynamische Gestaltung. Der Aspekt der inhaltlichen Ausdeutung trat hier zugunsten der dramaturgischen Position der Choräle zurück. Ganz anders verhielt es sich bei den Chören, die Teil des Geschehens und mitten in der Handlung platziert sind: Der Chorsatz „Kreuzige, kreuzige“ strahlte nicht nur unbedingte Entschlossenheit, sondern geradezu beängstigende Macht aus. Daran hatte die schneidende Artikulation des Wortes „Kreuzige“ als Kern seinen Anteil, aber auch die Präsenz der Stimmen im vielschichtigen Stimmengeflecht. Vergleichbares galt für den fast swingenden Chor „Lasset uns den nicht zerteilen“, dessen gestufter Stimmeneinsatz die Überdeutlichkeit der Wortdeklamation als programmatisches Element einsetzte: „Zerteilt“ wurde dadurch zwar das Wort, aber nicht das Kleidungsstück, um das es geht. Von ganz anderem Charakter war der Chorsatz „Ruhet wohl“, in dem der Chor zu einem gut ausbalancierten Wohlklang fand, der der Textaussage adäquat war. Für den Chor bildete das Orchester eine höchst klangvolle Basis, so dass der Ansporn zu hoher Leistung noch gesteigert wurde.
Intime Momente und zugleich eindrucksvolle Klangerlebnisse bildeten die zahlreichen Arien der Sänger, die zumeist im Dialog mit Instrumentalsolisten standen. Beispielhaft kann die Sopranarie „Ich folge dir gleichfalls“ genannt werden, deren weiche Klanggestalt durch die gut artikulierten Flötentöne verstärkt wurde. Der straff punktierte Grundrhythmus in der Tenorarie „Ach, mein Sinn“ symbolisierte gut das quasi stolpernde Herz. Die vielleicht innigste Arie für die Altistin „Es ist vollbracht“ überzeugte mit sehr edel intonierten Tönen und wunderbaren Koloraturen im Vivace-Teil.
Ein Höchstmaß an Konzentration und Spannung im ganzen Saal erreichte der Part des Evangelisten bei den knappen Worten zu Jesu Tod „Und neiget das Haupt und verschied“. Großen Beifall gab es am Ende zu Recht für alle Beteiligten.
Klaus Mohr
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Montag 30.03.2026
Fürstenfeld: Julian Trevelyan - Ein Philosoph am Klavier
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Fürstenfeld. Auch Klavierabende können ganz besonders sein. Ein dramaturgisch gut abgestimmtes Programm kann nicht nur Grundlage für ein beeindruckendes Konzerterlebnis sein, sondern zugleich künstlerischer Ausdruck des jeweiligen Pianisten. Julian Trevelyan gastierte mit einem Recital im Rahmen der „Fürstenfelder Konzertreihe“ im Stadtsaal. Der eigentlich vorgesehene Pianist und künstlerische Leiter der Konzertreihe, Dinis Schemann, hatte aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Trevelyans Konzertprogramm war nicht nur Ergebnis einer passenden Zusammenstellung, sondern folgte quasi philosophischen Überlegungen. Eigentlich hätte das Publikum zu Beginn zehn Minuten Zeit gebraucht, um die Texte im Programmheft zu lesen und sich mit den Gedanken vertraut zu machen: Der Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass der Pianist im diesem Jahr 28 Jahre alt wird. Diese Zahl ist eine vollkommene Zahl in der Mathematik, die darin verborgene 7 ein Zeichen göttlicher Vollkommenheit. Aber selbst wenn man diese Kontexte nicht gelesen hat, vermittelte Julian Trevelyans Spiel eine künstlerische Aura des Unbedingten, in dem jeder einzelne Ton durchdrungen war. Dadurch wirkt sein Musizieren höchst inspiriert und stilistisch reflektiert.
Zu Beginn erklang Johann Sebastian Bachs Toccata in D-Dur BWV 912. Ein solches Cembalowerk entfaltet seine Wirkung nur dann, wenn die musikalischen Intentionen behutsam auf das Klavier übertragen werden, ohne die Musik in ein anderes Jahrhundert zu transferieren. Julian Trevelyan setzte im einleitenden Presto auf die strukturellen Elemente und erfüllte diese konzis mit Leben. So war der rauschende Beginn den Charakteristika des Cembalo abgelauscht, ohne die größeren dynamischen Möglichkeiten eines Flügels übermäßig in Anwendung zu bringen. Feine Differenzierungen in der Lautstärke jedoch gehörten zu den wesentlichen Merkmalen, auch weil sie die Struktur in Klang übersetzten. Eine spätere Passage hatte rezitativische Züge und trat mit ihrem großen Ausdruck so in eine Art offenen Dialog mit den Zuhörern. Das Thema der abschließenden Fuge war von großer tonlicher Sensibilität geprägt und in eine konzertante und dadurch vitale Verarbeitung eingebunden, quasi „nach italienischem Gusto“.
Die beiden nächsten Kompositionen, die Polonaise in g-Moll „Abschied vom Vaterland“ von Michal Kleofas Oginski und die Polonaise in b-Moll KK IVa Nr. 5 „Adieu“ von Frédéric Chopin hatten nicht nur eine inhaltliche, sondern auch eine stilistische Nähe. Vom klar artikulierten Rhythmus in der Unterstimme getragen, konnte sich die Oberstimme wunderbar singend entfalten – was in der Kombination zu Salonmusik vom Feinsten führte.
Ludwig van Beethovens Sonate in c-Moll op. 10 Nr. 1 folgte noch vor der Pause. Julian Trevelyan setze auf einen schlichten Klang, in dem die Musik mit dem Hörer ins Gespräch eintrat. In großer Ausdruckstiefe war kein Ton zufällig oder nebensächlich. Diese Klangpräsenz forderte das Publikum heraus und ließ ihm keine andere Wahl als die unbedingte Konzentration auf die Musik. Vergleichbares galt am Ende des Programms auch für die Sonate in c-Moll KV 457 von Wolfgang Amadeus Mozart.
Nach der Pause kontrastierte das Stück „Ut, re, mi, fa, sol, la“ von William Byrd mit der Bearbeitung des Liedes „Im Abendrot“ von Richard Strauss aus dessen „Vier letzten Liedern“ für Klavier durch Julian Trevelyan. Auch wenn es stilistisch keine Brücke gab, so verband beide Werke der unbedingte Ausdruckswille des Pianisten, woraus eine tief beeindruckende Plastizität der jeweiligen Klangsprache entstand. Der musikalische Sinn erschloss sich ganz unmittelbar daraus.
Zwei Zugaben rundeten das Programm am Ende ab, nachdem die Zuhörer mit viel Beifall ihrer Begeisterung Ausdruck verliehen hatten.
Klaus Mohr
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Donnerstag 26.03.2026
Alexander Kluge (geb. 14. Februar 1932 in Halberstadt, gest. 25. März 2026 in München
Alexander Kluge
„Das Buch der Kommentare“ & „Zirkus / Kommentar“
Suhrkamp

Er schreibt über Coronaviren als handele es sich um Außerirdische auf der Suche nach Biomasse. „Ein fremdes Lebewesen klopft an unsere Tür“ nennt Alexander Kluge eines seiner Kapitel in „Das Buch der Kommentare“. Und es fällt dem 90jährigen nicht schwer, von diesem aktuellen, bis vor wenigen Monaten noch alles beherrschenden Thema auf Adolf Hitler zu kommen, der in den ersten Monaten des Jahres 1943 an einer „Kopfgrippe“ erkrankte. Infiziert von einem Unteroffizier, der dem Oberhaupt des Deutschen Reiches die Haare schneiden sollte. Da halfen auch keine Sicherheitsringe rund um die Wolfsschanze, keine schwerbewaffneten SS-Wachen, keine noch so strengen Zugangskontrollen. Das Virus suchte und fand andere Wege und legte im Anschluss seinen Wirt für einige Wochen lahm.
Kluge beschreibt seit Jahrzehnten die Welt in der wir leben. Er springt vom Gegenwärtigen zum Vergangenen, macht deutlich, dass alles miteinander im Fluss ist, nichts allein für sich existiert. Und wie nebenher kommentiert er diese Welt, mit intelligenten Vergleichen und Metaphern.
Beschreiben und kommentieren - diese beiden Ausgangspunkte, Sichtweisen und Einschätzungen sind nicht immer identisch und können hin und wieder sich gegenseitig ausschließen oder provozieren. Nicht jede Betrachtungsweise kommt am Ende zum gleichen Resultat. Denn es steckt schon in der Natur des Kommentars, dass es sich hierbei um eine ganz subjektive Einschätzung von Realität handelt, die von der, die wir als objektiv bezeichnen, sehr wohl um einiges abweichen kann.
Doch bei Kluge bestehen eben auch Kommentare aus eigenständigen Geschichten und Anekdoten. Das macht sie im doppelten Sinn so lesenswert und kurzweilig. In dem er eine Situation betrachtet und erlebt, entstehen sofort neue Ideen, wie Gedankenketten in Form von Erzählungen. Und das macht seine Texte zusätzlich auch noch spannend. So bekommt das Historische, neben den richtungsweisenden Geschichtszahlen und Daten, auch immer eine stark emotionale Seite. Vielleicht ist dies die eigentliche Kunst des Filmemachers, Fernsehproduzenten, Schriftstellerers, Drehbuchautors, bildender Künstlers. Ein Chronist unserer Zeit, der in der Lage ist, dem historisch Relevanten in Form von subjektiven und gefühlsbetonten Berichten Leben einzuhauchen.
Die beiden jetzt erschienen Bände „Das Buch der Kommentare“ & „Zirkus / Kommentar“ sind Bücher zum zwischendurch genießen. Man sollte sie nicht am Stück lesen. Dann geht viel verloren. Es sind die kleinen Portionen an Literatur und Intellekt, die wirken und die sich oft erst im Laufe der Zeit wirkungsvoll entfalten. Kluge kommentiert Trump und Freud, schreibt über Gewitter, Alpenarchitektur und die letzten Agenten der untergegangenen DDR. Und in „Zirkus / Kommentar“ beschäftigt er sich intensiv mit einem Thema, das ihn schon viele Jahre begleitet: der Zirkus. „Die Artisten in der Zirkuskuppel: Ratlos“ ist ein Film, den Kluge 1968 drehte und der in diesem Band in einer Art Reflektion noch einmal auftaucht. „Ratlos ist kein negatives Attribut“, schreibt der Autor bezüglich auf den Filmtitel. „Ratlosigkeit ist ein Zustand, der Suchbegriffe in Gang setzt. Besser ratlos als tatenlos. Das Wort ratlos zeigt, dass es eine erste Frage gibt, die ungelöst ist.“
Jörg Konrad
(Aus: Kultkomplott Juni 2022)
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Mittwoch 25.03.2026
Fürstenfeld. Junge Stars - Erfolgreiche Etappe in den Beruf
Fürstenfeldbruck. Auch in diesem Jahr fand das vom Kulturverein Fürstenfeld veranstaltete Konzert „Junge Stars“ im Stadtsaal statt. Es handelt sich einerseits um einen hochkarätigen Abend für die Mitglieder des Vereins, andererseits verfolgt es das Förderziel, Auftrittsmöglichkeiten für sehr begabte junge Musikerinnen und Musiker anzubieten. Die „Junge Philharmonie München“ ist als Orchester dabei beständiger Partner. Die etwa 80 Mitglieder sind vom Lebensalter her jung und kommen aus vielen Nationen. Allein ihre Zahl sprengt fast die akustischen Möglichkeiten des Stadtsaals. Das Spielniveau ist erfreulich hoch, was belegt, dass die Probenarbeit in den Arbeitsphasen zielführend ist. Da ist es sicher von Vorteil, dass das Orchester mit Johannes Zahn von einem professionellen Dirigenten geleitet wird, der entsprechend in der Lage ist, ein so erfreuliches Klangerlebnis erreichen zu können.
Trotzdem gilt die größte Aufmerksamkeit des Publikums an diesem Abend nicht den Musikern im Orchester, sondern den Solisten. Zweifelsohne ist es für jeden jungen Musiker eine große Ehre, ein Solokonzert mit einem Orchester spielen zu dürfen. Es ist zugleich eine ungewohnte Herausforderung: In keinem anderen Kontext sind die Bezugspunkte zwischen eigenem Spiel sowie Abstimmung mit Orchester und Dirigent in vergleichbarer Weise komplex. Dahinter verbirgt sich eine große Lernchance, die mit dem künstlerischen Förderziel des Kulturvereins ideal in Einklang zu bringen ist. Der Cellist Raphael Wersin und die Harfenistin Maria Pogolski sind beide 18 Jahre alt. Ihr Hobby, viel Zeit in das Erlernen eines Instruments zu stecken, befindet sich bei beiden im Übergang zur Berufsentscheidung, Musiker zu werden.
Raphael Wersin war mit dem Konzert für Violoncello und Orchester in C-Dur Hob. VIIb:1 von Joseph Haydn zu hören, ein Werk, das in vielerlei Hinsicht hohe Anforderungen an den Solisten stellt. Die duftige Vorlage, die das Orchester im Kopfsatz (Moderato) dem Solisten bereitete, definierte das Zusammenspiel im ganzen Werk. Die ausgeprägte Versiertheit mit der Bogentechnik beim Solisten ließ die oft filigrane Verzierungskunst Haydns beeindruckend zu Klang werden. Kleine Unstimmigkeiten im Zusammenspiel zu Beginn verflüchtigten sich im Verlauf. Einen ausdrucksvoll singenden Ton entfaltete Raphael Wersin im Adagio. Pulsierend legte das Orchester im Final-Allegro molto den Grund für das flexibel agierende Spiel des Solisten, der hier souverän die Führung übernahm.
Die Harfenistin Maria Pogolski stellte sich dem Publikum mit einem der berühmtesten Solokonzerte vor, nämlich dem in C-Dur von Francois-Adrien Boieldieu. Der Beginn des Eingangssatzes (Allegro brillante) erinnerte im Orchester an eine Opernouvertüre. Die Harfenistin antwortete mit sehr klarem, zugleich aber auch rundem Ton. Musikalisch wunderbar phrasiert, wurde sie nur sparsam vom Orchester begleitet und konnte dynamisch differenziert eine Art instrumentale Arie vortragen. Das Andante lento wirkte sehr gefällig, hatte aber zugleich klangliche Tiefe. Dabei geriet die Balance zwischen Orchester und Solistin sehr gut ausgeglichen, so dass beide Parte zu einer überzeugenden Einheit zusammenfanden.
Eines ist sicher: Raphael Wersin und Maria Pogolski verfolgen, das war hier zu erleben, sehr ernsthaft ihren Weg, professionelle Musiker zu werden. Attitüden von Stars haben beide nicht, und man darf hoffen, dass das auch so bleibt. Der große Beifall für beide Musiker war daher ebenso angebracht wie ehrlich ihrer Kunst geschuldet.
Zwei Orchesterwerke rahmten die beiden Solokonzerte: Eröffnet wurde das Konzert mit der „Moldau“ von Bedrich Smetana, beschlossen mit „La Mer“ von Claude Debussy. Der geschmeidige Orchesterklang mit den vielen Farben zeichnete das Fließen des Wassers der Moldau gut nach. Gelungene Übergänge zeigten verschiedene Wechsel der Blickrichtungen an, große dynamische Steigerungen erinnerten akustisch an den zunehmenden Wasserstrom. Vergleichbares war in „La Mer“ zu hören, wobei die stilistischen Merkmale des Impressionismus eine Vielzahl weiterer klanglicher Türen beeindruckend öffnete. Zu Recht gab es begeisterten Beifall am Ende auch für die Orchestermitglieder und den Dirigenten.
Klaus Mohr
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Dienstag 24.03.2026
Bergson: Dominique Fils-Aimé zu Gast im Bergson Elektra Tonquartier
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Die Kanadierin Dominique Fils-Aimé verinnerlicht als Sängerin und Songwriterin ein musikalisch wie schöpferisch breites Spektrum. Angefangen von Blues-Einflüssen über Soul mit Jazzelementen, steht sie mit ihrem Engagement gleichzeitig für eine politisch aufgeklärte und offene Gesellschaft. Beginnend mit dem 2023 erschienen Longplayer „Our Roots Run Deep“ erweiterte sie ihren schöpferischer Fokus um die Wurzeln der afroamerikanischen Musikkultur. Damit legte sie gleichzeitig einen Grundstein für die Auseinandersetzung mit sozialen Realitäten, die die von ihr favorisierten Genres beeinflusst haben. Ihr aktuelles Album „My World is The Sun“ ist gerade erschienen.

Das erste Konzert Ihrer „Sunshine Show“ zelebrierte sie letzten Freitag im Elektra Tonquartier, dem Konzertsaal des Bergson, einem Kulturtempel im ehemaligen Heizkraftwerk München-Aubing. Seit Wochen sind ihre Konzerte ausverkauft. Nicht weiter verwunderlich, denn die Auftritte von Dominique Fils-Aimé sind in der Regel etwas ganz Besonderes. Sie bestechen durch eine sehr persönliche authentische Ansprache. Ihre durch die Bank selbstgeschriebenen Songs erzählen von Erlebnissen und Begegnungen, Zweifeln, innerlicher Einkehr und gleichzeitig der Freude am Leben, der Gemeinschaft mit- und füreinander. Der Konzertabend war trotz allem denkwürdig. Das Licht, stylisch effektvoll und düster, passte nicht so recht zu ihrer Darbietung. Ihre vertrauten Begleiter Étienne Miousse an der Gitarre, Keyboarder David Osei-Afrifa, Bassist Danny Trudeau und Schlagzeuger Harvey Bien-Aimée, erweitert um den Trompeter Hichem Khalfa, waren in bester Spiellaune, der Soundpegel allerdings sehr laut und im Verlauf des Abends dadurch zu aufdringlich. Dadurch waren Details des Zusammenspiel nicht so deutlich und transparent, wie man sich es akustisch optimaler Weise gewünscht hätte. Dominiqué Fils-Aimés einzigartige Stimme dagegen war zum Glück glasklar präsent. Sie weiß um ihre Bühnenpräsenz, ist eine großartige Entertainerin, musikalisch dieses Mal mit viel Soul&Pop, kombiniert mit Afrobeats, Space für kurze Improvisationen und Soli ihrer Mitstreiter, nie auslandend, sondern punktiert und strukturiert. An dem Abend präsentierte sie als Intro „Ma Mélodie“ gefolgt von dem beeindruckenden „Sea Of Clouds“ mit Loops und Choranklängen. Ihr Programm war unterteilt in vier „Interventions“, in denen Sie von frühen Songs wie „Birds“, „Somebody“, „My Mind At Ease“ über „We Are Light“ oder „Give Me A Reason“ den Bogen schlug zu ihren aktuellen Songs vom „My World Is The Sun“ Album. Dazwischen persönliche Ansagen über Liebe und Zuversicht, Miteinander und Vertrauen, Sorgen loslassen … Stories aus dem Leben. Eine Zugabe passte da nicht wirklich ins Konzept. Beim letzten Stück „Rhtyhm Of Nature“ verabschiedeten sich die Musiker nach und nach, dann noch „Je T'aimais, Je T'aime, Je T'aimerai“ im Duo mit Keyboarder Osei-Afrifa, bis sich Dominique a cappella mit „Ma Mélodie“ wieder verabschiedete.

Das Publikum dankte begeistert mit stehenden Ovationen Fils-Aimé und ihrer Band. Im Vergleich zu früheren Auftritten fehlte ein wenig der geheimnisvolle Spirit, den sie bisher versprühte. Die Sunshine Show wirkte dafür zu sehr durchkonzipiert und organisiert. Spontanität oder musikalische Überraschungen blieben an dem Abend auf der Strecke. Das ist schade, denn das war bisher immer spannend an ihren Auftritten.
Text & Foto: Thomas J. Krebs
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Autor: Siehe Artikel
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