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7. Simon Moullier „Ceiba“
8. Historisches aus Jazz & Blues (2): Joe Henderson „Consonance – Live At ...
9. Antonio Faraò & Stéphane Belmondo Quartet „Do It!“
10. Historisches aus Jazz & Blues (1): Yusef Lateef „Alight Upon The Lake –...
11. Clément Janinit / Arve Henriksen / Ambre Vuillermoz / Robert Lucaciu „Ga...
12. Duo Gazzana „Prokofiev / Pärt / Schnittke“
Mittwoch 06.05.2026
Simon Moullier „Ceiba“
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Als Newcomer kann man ihn wohl nicht mehr bezeichnen. Denn „Ceiba“ ist Simon Moulliers mittlerweile sechstes Album. Trotzdem ist es erwähnenswert, dass der Franzose einerseits von vielen großen Musikern in den höchsten Tönen gelobt wurde und wird (Quincy Jones, Herbie Hancock, Wayne Shorter, Terri Lyne Carrington, Mark Turner u.v.a.m.), er aber von der großen Jazzgemeinde, bis auf wenige Ausnahmen, noch immer nicht so richtig wahrgenommen wird. Zu unrecht!
Denn auch „Ceiba“ ist, wie schon der Vorgänger „Elements Of Light“, ein wunderbares, vor Konzentration UND Gelassenheit nur so strotzendes Album. Moullier outet sich zum wiederholten Mal als einer der ganz großen Melodiker am Vibraphon, dessen außergewöhnliche Virtuosität auch aus diesem Album einen glänzenden Smaragd werden lässt. Nicht zuletzt auch aufgrund seiner großartigen Band, mit der er schon eine Weile seine musikalischen Kreise zieht. Da wäre der magische Akkordarbeiter Lex Korten am Klavier, der die perfekte Balance zwischen temperamentvoller Hingabe als Solist und feinsinniger Exzentrik als Begleiter beherrscht. Bassist Rick Rosato grundiert geradezu göttlich, egal in rasenden Vierteln, oder aber im groovenden Latinrhythmus. Der feinsinnige wie auch temperamentvolle Schlagzeuger Jongkuk Kim beherrscht die Dynamik des Gruppenspiels und jongliert gekonnt mit unterschiedlichsten Rhythmen. Als Gast hat Moullier den japanischer Percussionisten Keita Ogawa mit ins Studio in New York eingeladen. Zusammengenommen ist dies tatsächlich ein Quintett der Superlative und man fragt sich ernsthaft, weshalb keines der großen Label diese sensationelle Musik in ihren Katalog mit aufnimmt?
Jörg Konrad

Simon Moullier
„Ceiba“
Eigenveröffentlichung
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Dienstag 05.05.2026
Historisches aus Jazz & Blues (2): Joe Henderson „Consonance – Live At The Jazz Showcase“
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Einige Label erweitern ihren Katalog immer wieder um rückblickend bisher unveröffentlichte Aufnahmen bedeutender Solisten und Bandleader des Jazz. Dank der Technik in oft hochwertiger Qualität. Wir werden an dieser Stelle in loser Folge einzelne, dieser oft bemerkenswerten Aufnahmen vorstellen und somit die Zeitlosigkeit von speziell guter Musik unterstreichen.

Das Jazz Showcase, ein Club der 1947 in Chicago von Joe Segal gegründet wurde, gehört bis heute nicht nur zu den ältesten, sondern auch zu den legendärsten Jazz-Auftrittsorten weltweit. Zev Feldman, Jazz-Historiker, Musikproduzent und Betreiber des Plattenlabels Resonance Records, sagt über Joe Segals Club: „Joes Archiv umfasst eine der größten Sammlungen bisher unveröffentlichter Jazzaufnahmen überhaupt, und wir haben großes Glück, dass diese Dokumente entstanden und erhalten wurden“.
So gastierte im Februar des Jahres 1978 für eine Woche der Saxophonist Joe Henderson mit seinem Quartett im Jazz Showcase. Der aus Lima, Ohio stammende Henderson brachte an jedem dieser Abende den Club regelrecht zum Glühen. Wie auf „Consonance – Live At The Jazz Showcase“ nachzuhören, vermittelt Hendersons Tenorspiel eine unglaubliche Kraft und Poesie zugleich, sein Sound klingt nach einem Titan am Instrument. Nichts scheint ihn auf seinen solistischen Wegen vom Ziel abhalten zu können. Mit seiner Intelligenz, Eleganz und Nüchternheit kontrolliert er das Spiel, auch in den Momenten, in denen die Leidenschaft mit ihm scheinbar durchzugehen scheint. Seine Chorusse sind dramaturgisch geschickt aufgebaut, so dass Eddie Daniels ihn einmal als „Inbegriff des Jazz-Tenors“ nannte. Er rast spontan von Höhepunkt zu Höhepunkt – was allein schon eine unvorstellbare Physis erfordert. Henderson lotet den gesamten Jazz-Kosmos aus, findet Bezüge zum Free Jazz und deckt Verwandtschaft zu den großen Modernisten der Klassik, wie Bela Bartok und Igor Strawinsky auf.
Hinter ihm am Klavier saß Joanne Brackeen, die mit ihren kraftvollen, geschichteten Akkorden, wie einst Hendersons Partner McCoy Tyner, ihm den Rücken frei hält und ihm harmonische Möglichkeiten lässt. Steve Rodby als Bassist ist unentwegt am einfallsreichen Grundieren, setzt rhythmische Akzente oder begleitet in Hochgeschwindigkeit mit atemberaubenden Vierteln. Drei Jahre später wurde er festes Mitglied der Pat Metheny Band. Schlagzeuger auf dieser Aufnahme ist der ungeduldiger, hyperaktive Danny Spencer. Ein Einheizer, der die Musik trommelnd zum Brodeln, zum Kochen bringt und sie letztendlich zusammenhält.
Alle Drei, Brackeen, Rodby und Spencer agieren in ihrer Verschiedenartigkeit jedoch wie eine Einheit, die vom Risiko, von der Herausforderung lebt und die Musik mit einem farbigen, turbulenten Charakter ausstattet.
1937 geboren wuchs Joe Henderson mit vierzehn Geschwistern in sehr einfachen Verhältnissen auf. Durch seinen Bruder James, der eine ausgesuchte Plattensammlung besaß, beschäftigte er sich intensiv mit Lester Young, Coleman Hawkins und Charlie Parker, die, neben Stan Getz, Sonny Rollins und Dexter Gordon zeitlebens seine Favoriten blieben.
Henderson studierte am Kentucky State College und der Wayne University in Detroit und lernte nach seinem Militärdienst 25jährig Kenny Dorham kennen. Dieser nahm ihn mit ins Blue Note Studio, wo Henderson schon nach kurzer Zeit von Alfred Lion einen Vertrag erhielt. Lion, ein Berliner Jude der 1936 nach New York emigrierte und hier gemeinsam mit dem deutschen Fotografen Francis Wolff das legendäre Jazz-Label Blue Note gründete, erkannte die individuelle Klasse des Saxophonisten, und Henderson konnte zwischen 1963 bis 1967 fünf eigene und zwei Dutzend Alben als Sideman einspielen, die fast durchgehend zu Jazz-Klassikern wurden.
Jörg Konrad

Joe Henderson
„Consonance – Live At The Jazz Showcase“
Resonance
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Dienstag 05.05.2026
Antonio Faraò & Stéphane Belmondo Quartet „Do It!“
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Zwar hat der Hardbop seine Wurzeln in den 1950er Jahren. Doch dieser Nachfolger des Bebop hat sich bis in die Gegenwart eine Zeitlosigkeit bewahrt. Trompeter Stéphane Belmondo und Pianist Antonio Farao sind kreative Traditionalisten, was bedeutet, dass sie aus der Geschichte des Jazz gelernt haben und zugleich als zeitgenössische Musiker eingeschätzt werden dürfen, ja eingeschätzt werden müssen. Dabei schwingt vielleicht der Begriff des Konservativen etwas mehrdeutig im Raum. Aber nicht alles Vergangene (oder sagen wir Bewährte) muss schlecht, oder realitätsfern angestaubt sein. Erst recht nicht im Bereich der Künste.
Musikalisch deutlich wird dies an dem neuen Album des Italieners Faraò und des Franzosen Belmondo. „Do It!“ ist eine Sammlung von neun Kompositionen, die überwiegend von den beiden Solisten im Hardbop-Stil geschrieben wurden. Eine Nummer („One Finger Snap“) stammt aus der Feder von Herbie Hancock, eine zweite („Otti“) vom Bassisten Thomas Bramerie.
Kühne und stolze Melodien wechseln mit melancholischer Balladenstimmung, druckvolle Gruppenpassagen mit kurzlinigen und dadurch abwechslungsreichen Improvisationen.
Diese Musik hebt nicht die Welt aus den Angeln. Aber darum geht es auch nicht. Die spürbare Empathie der Mitglieder untereinander und die ästhetische Spielweise aller vermitteln einfach Freude. Immer klingt das Quartett erfrischend modern, überraschend in der Gestaltung und herausfordernd in den solistischen Beiträgen. Die Rhythmusgruppe, mit Thomas Bramerie am Bass und Benjamin Henocq am Schlagzeug, swingt was das Zeug hält, wechselt blind die Taktarten und hält letztendlich wie eine Heftklammer die gesamte Musik zusammen.
Jörg Konrad

Antonio Faraò & Stéphane Belmondo Quartet
„Do It!“
Notesaround
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Montag 04.05.2026
Historisches aus Jazz & Blues (1): Yusef Lateef „Alight Upon The Lake – Live At The Jazz Showcase“
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Einige Label erweitern ihren Katalog immer wieder um bisher unveröffentlichte Aufnahmen bedeutender Solisten und Bandleader des Jazz. Dank der heutigen Technik oft in hochwertiger Qualität. Wir werden an dieser Stelle in loser Folge einzelne, dieser oft bemerkenswerten Aufnahmen vorstellen und somit die Zeitlosigkeit von guter Musik unterstreichen.

William Emanuel Huddleston war einer der Musiker, die Weltmusik spielten, als es diese de facto noch gar nicht gab. Geboren 1920 in Chattanooga, Tennessee, aufgewachsen in Detroit, Michigan, beschäftigte sich der Multiinstrumentalist, Komponist und Mentor ein Leben lang mit akademischen Studien zur Musik und Musikerziehung, präsentierte zwar erst mit 35 Jahren sein musikalisches Debüt unter eigenem Namen, dem jedoch hunderte weitere Aufnahmen folgen sollten. Unter anderem an der Seite von Charles Mingus, Miles Davis, Dizzy Gillespie, Cannonball Adderley, Donald Byrd und vielen anderen. Zwischendurch erlangte er mit einer Dissertation über westliche und islamische Erziehung den Doctor of Philosophy, lehrte am Manhattan Community College und einige Jahre in Nigeria, sowie als Professor an der University of Massachusetts und am Amherst College. Er konvertierte als einer der ersten schwarzen Jazzmusiker zum Islam, auch um auf Distanz zur US-amerikanischen Politik zu gehen. Als Yusef Abdul Lateef wurde er Teil der muslimischen Ahmadiyya-Bewegung, die sich für ein friedliches Miteinander aller Menschen untereinander einsetzt und die als Wurzel der Bürgerrechtsbewegung gilt.
Praktisch erforschte Yusef Lateef afrikanische, arabische und fernöstliche Musikkulturen und galt schon früh in Jazzkreisen als „der Prophet“. Seine Beiträge an Tenorsaxophon, Fagott, Oboe, Querflöte, der nordischen Shenai, der türkischen Taragot und der arabischen Arghul fanden zudem Eingang in die klassische europäische Konzertmusik und dem aus Neuer Musik und Elementen des Modern Jazz bestehenden Third Stream. Immer war Lateef auf der Suche nach dem exotischen, ein forschender Unruhegeist, der ständig Querverbindungen schuf – jedoch auch handfesten Hardbop beherrschte.
Mit „Alight Upon The Lake“ hat Resonance Records jetzt einen bisher unveröffentlichten Schatz gehoben, eine Live-Aufnahme von Yusef Lateef & Band aus dem legendärem Jazz Showcase-Club in Chicago aus dem Jahr 1975. An Lateefs Seite der Pianist Kenny Barron, der Bassist Bob Cunningham und der Schlagzeuger Albert „Toothie“ Heath.
Obwohl über ein halbes Jahrhundert alt klingt diese Aufnahme absolut zeitgemäß und modern. Lateef war ein hochvirtuoser Solist, der am Tenor mit vollem Risiko die kompliziertesten Chorusse blies. Er hatte zudem einen kräftigen, direkten Sound, ein überzeugendes Bluesfeeling und vor allem Swing im Blut. Seine dreiköpfige Rhythmusgruppe forderte ihn in Chicago zusätzlich heraus. Er abstrahiert kantig, fast ekstatisch am Tenorsaxophon ("The Untitled“), gibt ein ausführliches Beispiel seines Flötenspiels, das zu den beeindruckendsten im Jazz gehört – zumindest was Wärme und Dynamik betreffen („Eboness“). Meisterpianist Kenny Barron jagt in „Inside Atlantis“ beinahe halsbrecherisch über die Partitur. Und dass Lateef auch mit lyrischen Balladen zu überzeugen versteht, macht er mit dem Stück „I Remember Webster“ akustisch deutlich. Eine Reminiszenz an den zwei Jahre zuvor verstorbenen Ben Webster, einem der großen Tenor-Favoriten Lateefs.
Zwar fehlen auf diesem 3-CD-Set (bzw. 3-LP-Box), die großen exotischen Klangexpeditionen Lateefs. Die stammen dann eher aus dem 1960er Jahren, wobei „Alight Upon The Lake“ seine ganze Spieltechnik und Leidenschaft zum Ausdruck bringt.
Mit seiner Kunst zu musizieren und ebenso mit seiner humanistischen Art und zwischenmenschlichen Einstellung, hat er etliche Musiker nach ihm tief beeindruck und mit Sicherheit auch geformt. So sagte Bennie Maupin einmal über Yusef Lateef: „Das Wichtigste, was ich von ihm gelernt habe, war, ehrlich zu sein, seine Meinung kreativ auszudrücken und ein tugendhaftes Leben zu führen. Er war ein wundervoller Mensch. Brillant. Ständig lernend, ständig suchend, stets gütig… Die Musik, die er uns hinterlassen hat, spricht für sich und für ihn. Ich gebe mein Bestes, vieles von dem, was er mir geschenkt hat, widerzuspiegeln.“ Gestorben ist Yusef Lateef 93jährig 2013 in Shutesbury, Massachusetts.
Jörg Konrad

Yusef Lateef?
„Alight Upon The Lake – Live At The Jazz Showcase“?
Resonance?
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Montag 04.05.2026
Clément Janinit / Arve Henriksen / Ambre Vuillermoz / Robert Lucaciu „Garden Of Silences“
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Clément Janinit bringt auf seinem Album, unter dem schönen Titel „Gardens Of Silence“ scheinbar Gegensätzliches zusammen, schafft aus Dingen, die selten in einem gemeinsamen Kontext stehen, eine sich gegenseitiog bedingende (verständliche) musikalische Sprache.
Da wären vier Instrumentalisten, die aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. Clément Janinet und Ambre Vuillermou kommen aus Frankreich, Arve Henriksen ist Norweger und Robert Lucaciu hat rumänische Vorfahren, ist selbst aber in Deutschland geboren.
Ein Quartett in dieser instrumentalen Zusammenstellung ist zudem eine Seltenheit: Violine und Nyckelharpa, Trompete, Akkordeon, Bass. Zudem setzt sich die Musik aus Barock- und Volksmusik zusammen, hat Minimal-Anteile und ist zum Teil frei improvisiert. Ein regelrechter Berg an Kontrasten und Unwägbarkeiten, den die vier jedoch tapfer erklimmen und letztendlich erfolgreich und effizient auf dessen Gipfel ankommen.
Auf dieser herausfordernden Wanderung ist das kleine Ensemble in ständiger (auch leiser) Bewegung. Es reflektiert die Musik unter anderem von Dietrich Buxtehude und John Dowland, komprimiert die Musikgeschichte als Ganzes, verinnerlicht dabei folkloristische Ansätze. Jeder Einzelne dieses Quartetts ist so individuell Suchender und in der Gemeinschaft Findender.
Dieses Klangerlebnis ist nichts für jene, die den „schnellen Kick“ suchen, oder auf den schnelllebigen Wellen des Zeitgeists versuchen zu surfen. Wer jedoch Farbenreichtum, Fabulierfreudigkeit, Poesie und Inspiration sucht, der wird in den Gärten der Stille mit Sicherheit fündig.
Jörg Konrad

Clément Janinit / Arve Henriksen / Ambre Vuillermoz / Robert Lucaciu
„Garden Of Silences“
BMC
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Donnerstag 30.04.2026
Duo Gazzana „Prokofiev / Pärt / Schnittke“
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Natascia und Raffaella Gazzana machen schon seit ihrer Kindheit gemeinsam Musik. So haben die beiden Italienerinnen die im Grunde besten Voraussetzungen als musikalisches Duo zu bestehen. Denn das tiefe Verständnis für den jeweils anderen dürfte ihnen somit von früh an vertraut, ja fast in die Wiege gelegt worden sein. Als Duo Gazzana, Natascia spielt Violine und Raffaella spielt Klavier, sind sie in der Welt der Klassik seit vielen Jahren ein fester Begriff und wurden bei ihren Auftritten weltweit gefeiert und mit etlichen wichtigen Preisen ausgezeichnet.
Früh erhielten sie internationale musikalische Ausbildungen von erfahrenen und anerkannten Solisten. Zugleich können sie jedoch auch außerhalb der Musik eigene Studienabschlüsse vorweisen: Natascia in Bildender Kunst und Raffaella in Italienischer Literatur.
Ihr hier vorliegendes Album „Prokofiev / Pärt / Schnittke“ ist ihre nunmehr schon fünfte Einspielung für ECM. Alle drei Komponisten waren zu ihren Leb- und Schaffenszeiten sehr intensiv mit dem politischen Unterdrückungssystem der Sowjetunion, dem „dogmatischsten aller Ideologien“ (Stefano Cartucci) persönlich konfrontiert. Trotzdem gelang es ihnen, bei aller charakterlichen Unterschiedlichkeit, ein überdauerndes, allgemein gültiges wie zeitloses musikalisches Werk zu schaffen.
Bei Sergei Prokofievs Sonate für Violine und Klavier Nr. 1, die dieses Album eröffnet, zeigt allein die Entstehungsgeschichte, in welch schwierigem (politischem) Umfeld der Komponist bestehen musste. Begonnen 1938 noch vor dem Großen Vaterländischen Krieg und mitten im stalinistischen Terror, beendete Prokofiev die Arbeit erst 1946, als vom Obersten Sowjet eine neue Zensuranordnung und die dementsprechende Auslegung das Leben in allen (auch kulturellen) Bereichen terrorisierte.
Natascia und Raffaella Gazzana interpretieren dieses Werk in einem düsteren Duktus, zum Teil scharfkantig und dissonant - bis auf den dritten Satz, der eine lyrische, ja fast weiche und zarte Grundstimmung und damit Hoffnung vermittelt. Insgesamt ein klares, aber der Zeit seiner Entstehung entsprechend herausforderndes Stück engagierter Musik.
„Fünf Melodien“ für Violine und Klavier op. 35A, 1925 in Paris entstanden, wo Prokofiev in dieser Zeit überwiegend lebte, zeigt die mehr lyrische Seite des Komponisten. Es sind fünf harmonische Miniaturen von berückender Schönheit und Eleganz. Natascia und Raffaella Gazzana zeigen hier ihre Wandelbarkeit, indem sie in einer ausgewogenen Eleganz die ganze Schönheit dieser Stücke zum Ausdruck bringen.
Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ ist eines der am häufigsten interpretierten Kompositionen des Esten und sicher eine seiner bekanntesten. Ein in seiner Schlichtheit und Reduktion einmaliges Stück, das von dem Duo in seiner kontemplativen Ganzheitlichkeit tranceartig und damit tief berührend umgesetzt wird.
Alfred Schnittkes „Gratulationsrondo“ beginnt hingegen beschwingter, hat dem Titel entsprechend anfangs noch einen festlichen Grundgestus. Doch im Laufe des Stückes schleichen sich immer stärker dissonante Verstrebungen und eine widerborstige Renitenz ein, die die anfänglich getragene Stimmung zugunsten einer sarkastischen Nachdenklichkeit ablöst. Auch hier zeigt sich das italienische Geschwisterpaar erfrischend sicher und in bester souveräner Eloquenz aufeinander abgestimmt.
Jörg Konrad

Duo Gazzana
„Prokofiev / Pärt / Schnittke“
ECM
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Autor: Siehe Artikel
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