Haben Sie einen Artikel verpasst? Dann klicken Sie hier. Im Archiv finden Sie auch ältere Veröffentlichungen.
1. Marie-Janine Calic „Balkan-Odyssee 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler d...
2. Svenja Leiber „Nelka“
3. Henri Matisse „Jazz“
4. Catalin Dorian Florescu „Matei entdeckt die Freiheit“
5. Jeff Wall „The Thinker – Der Denker“
6. Chet Noir von Holger Klein
Bilder
Dienstag 12.05.2026
Marie-Janine Calic „Balkan-Odyssee 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“
Zaton Mali ist ein kleines kroatisches Dorf am Adriatischen Meer nördlich von Dubrovnik gelegen. Ein landschaftliches Paradies und gleichzeitig ein wichtiger historischer Ort – über dessen Geschichte bisher nur wenig bekannt war. Die Gemeinde diente vielen Exilanten aus Deutschland während der Zeit des Dritten Reiches als Zufluchtsort. Hierhin flohen etliche Kulturschaffende vor den Nazis. Stellvertretend seien an dieser Stelle nur die Schauspielerin Tilla Durieux, der Schriftsteller Manès Sperber, der Autor Ernst Toller, der Dramatiker Franz Theodor Csokor oder der Maler Richard Ziegler genannt. Jugoslawien als Fluchtpunkt von Juden und Nichtjuden, Konservativen und Kommunisten, Zionisten und Internationalisten, Widerstandskämpfer und Unpolitischen.
Die in München lebende Professorin für Ost- und Südosteuropäische Geschichte an der LMU Marie-Janine Calic hat sich in ihrem Buch „Balkan-Odyssee 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ intensiv mit diesem bislang unerforschten Kapitel der Exilgeschichte auseinandergesetzt. Jugoslawien als Zielort für Verfolgte und bedrohte Menschen aus Nazideutschland, darüber war bisher wenig bekannt.
Marie-Janine Calic erzählt anhand von Einzelschicksalen, die sie zum Teil akribisch und mit „detektivischem Spürsinn“ recherchiert hat, über die Flucht aus Deutschland und das oft von großen finanziellen Nöten und Armut gekennzeichnete Leben der Exilanten auf dem Balkan. Viele von ihnen, man spricht von ca. 55.000 Flüchtlingen, haben in Jugoslawien Zwischenstation gemacht, wollten von hier weiter nach Palästina, oder auch in die USA. Etliche Fluchtgeschichten endeten tragisch, andere hingegen glücklich.
Detailliert und kenntnisreich beschreibt Marie-Janine Calic das Miteinander der Exilgemeinde, sie ordnet die Einzelschicksale in die historischen Abläufe, erzählt die südosteuropäische Kriegsgeschichte jener Jahre, die ungemein komplex und voller Fallstricke für viele ethnische Gruppen waren. Andererseits beschreibt die Autorin die Großzügigkeit und Toleranz der jugoslawischen Bevölkerung besonders gegenüber jüdischen Flüchtlingen, als etliche Länder weltweit die Kontingente für die Verfolgten kontinuierlich senkten, ihre Grenzen vor den Flüchtenden verschlossen.
Für die Einordnung der politisch-historischen Zusammenhänge und die Zugriffe auf viele sehr persönliche Schicksale konnte Marie-Janine Calic als Quelle auf Dokumente und Aufzeichnungen von Auswärtigen Ämtern und auch Geheimdiensten zugreifen. Trotz dieser wissenschaftlich bedeutenden Arbeit werden aber in diesem Buch zugleich die individuelle Tragik und Verzweiflung, die Hoffnungen aber auch Enttäuschungen deutlich, denen Menschen in diesen prekären Situationen ausgesetzt sind.
„Balkan-Odyssee. 1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ erhielt den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch.
Jörg Konrad

Marie-Janine Calic
„Balkan-Odyssee 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“
C.H. Beck
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Dienstag 21.04.2026
Svenja Leiber „Nelka“
In ihrem neuesten Roman „Nelka“ befasst sich Svenja Leiber mit einem besonders dunklen Kapitel der deutschen Vergangenheit. Noch viele Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es verdrängt und bagatellisiert, und auch bis heute ist immer noch zu wenig bekannt, dass von den Nationalsozialisten mehr als 20 Millionen vor allem osteuropäische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Deutschland und den besetzten Gebieten eingesetzt wurden. Unter verheerenden Lebensbedingungen mussten sie in der Landwirtschaft und der Rüstungsindustrie schuften und die deutsche Wirtschaft am Laufen halten.
Nelka, die Protagonistin des Romans, ist eine fiktive Figur. Sie steht für die unzähligen Frauen, die in Deutschland versklavt wurden und ganz besonders unter ökonomischer und häufig auch sexueller Ausbeutung und Gewalt zu leiden hatten. Ihnen will Svenja Leiber mit ihrem tief bewegenden Buch ein Denkmal setzen.
Nelka lebt mit ihren Eltern in Lemberg, dem heutigen Lwiw in der Ukraine. Ihr Vater ist Wissenschaftler, ein bekannter Pomologe, also ein Spezialist für Äpfel, ihre Pflege, ihren Anbau. Im Sommer 1941, nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht, wird die sechzehnjährige Nelka auf dem Weg zum Bäcker von deutschen Soldaten gepackt, auf einen LKW verfrachtet und zusammen mit anderen jungen Frauen nach Deutschland verschleppt. Sie landet auf einem Gutshof in Schleswig-Holstein, auf dem sie bis zum Ende des Krieges bleiben wird.
Svenja Leiber ist selbst in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Ein alter Apfelbaum im Garten ihrer Eltern und Gerüchte über seine Geschichte waren für sie Anlass, nachzuforschen. Sie erfuhr schließlich, dass der Baum von Kriegsgefangenen gepflanzt worden war, dass in dieser Gegend tausende von ihnen in der Landwirtschaft gearbeitet hatten, dass sich die gewaltsame Geschichte Deutschlands auch in die Landschaft eingeschrieben hat.
Trotz der Schwere des Themas schreibt Svenja Leiber in einer poetischen, feinfühligen Sprache, mit ausdrucksstarken Bildern. Die Zwangsarbeiter „haben für die Deutschen zu arbeiten, als schuldeten sie ihnen etwas. Nachts liegen sie da, steif wie Gerätschaften und werden hart und krumm und morsch für ihr ganzes Leben.“
Man ist beim Lesen ganz nah an den Figuren. Mit präzise beobachteten Details beschreibt die Autorin den Alltag der Frauen, der durch mangelnde Ernährung und harte körperliche Arbeit bestimmt ist, durch Heimweh, Einsamkeit und Angst. Bei Unbotmäßigkeit drohen brutale, oft sadistische Strafen. Und doch gibt es durch den Zusammenhalt zwischen Nelka und ihren beiden Freundinnen immer wieder Momente des Widerstands, der Hoffnung und Wärme. „Nelka“ ist auch ein Buch über lebensvolle junge Frauen, die sich unter unmenschlichsten Bedingungen ihre Menschlichkeit nicht nehmen lassen.
Marten, der Gutsverwalter, hat ein Auge auf Nelka geworfen. Obwohl der deutschen Bevölkerung Beziehungen zu Kriegsgefangenen bei Strafe verboten sind, holt er Nelka als Haushaltshilfe von der Baracke ins Verwalterhaus und lässt sie in einer ungeheizten Dachkammer wohnen. Er profitiert wirtschaftlich von ihrem großen Wissen über Äpfel, das sie bei ihrem Vater erworben hat. Vor allem aber sucht er ihre körperliche Nähe, gegen ihren Willen. Die Missbrauchsgeschichte selbst wird im Roman - mit großem Taktgefühl für das Opfer - nur angedeutet. Svenja Leiber wollte Nelka durch die Sprache nicht noch einmal Gewalt antun, wie sie in einem Interview sagt, sondern ihre Würde wahren.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. In den frühen 1990er Jahren kehrt Nelka, die mit Mann, Tochter und Enkelin wieder bei Lwiw wohnt, noch einmal an den Ort ihrer Pein zurück. „Wer sich vor Spinnen fürchtet, muss irgendwann zu den Spinnen gehen“, hat ihr Mann zu ihr gesagt.
Marten lebt noch immer auf dem Hof. Durch die Apfelplantagen, die er nach dem Krieg mit Hilfe von Nelkas Sachverstand aufgebaut hat, ist er reich geworden. Die Autorin schildert die späte Begegnung zwischen ihm und Nelka aus beider Perspektive, in einem einfühlsamen, zurückhaltenden Ton. „Zögerlich fallen ihr Bilder ein, Bewegungen, Berührungen, in ihren Körper eingeschrieben, wie Einträge in ein Archiv, das sie nie mehr geöffnet hat.“ Marten reagiert auf ihre Anwesenheit mit Angst und Verwirrung, lange Verdrängtes bricht auf, Rechtfertigungsversuche und Schuldgefühle treiben ihn um. Doch Nelka, die ihn und sich selbst durch ihren Besuch mit der Vergangenheit konfrontiert hat, fühlt sich endlich von ihr befreit.
Mit ihrem beeindruckenden Buch, das lange nachwirkt, möchte die Autorin die Erinnerung wachhalten an das, was geschehen ist. Die Erinnerung an die unzähligen Frauen und Männer, die während des Krieges in Deutschland Zwangsarbeit leisten mussten und an das Leid, das sie erlebt haben.
Lilly Munzinger, Gauting

Svenja Leiber
„Nelka“
Suhrkamp
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Montag 06.04.2026
Henri Matisse „Jazz“
Der Grund, warum sich Henri Matisse (1869-1964) 72jährig mit Papier, Farbe und Schere noch einmal ausrüstete und eine völlig neue Bildsprache erfand, ist allein seinem damaligen Gesundheitszustand geschuldet. Eine lebenseinschränkende Darmerkrankung und sich den daraus ergebenden langwierigen Operationen, sowie zwei Lungenembolien und einige schwere Infekte fesselten Matisse über mehrere Monate ans Krankenhausbett. Anschließend war der Maler derart geschwächt, dass er sich nicht mehr in der Lage sah, stehend und über längeren Zeitraum an der Staffelei zu malen. So verlegte er sein Atelier kurzerhand ins Bett, zeichnete und illustrierte und begann Scherenschnitte anzufertigen, die in der Folgezeit zu seinem Hauptausdrucksmittel werden sollten.
Das Faszinierende war: Als 1947 einige dieser Arbeiten in einem Künstlerbuch unter dem Titel „Jazz“ veröffentlicht wurden und in der Pariser Galerie von Pierre Berés eine Ausstellung dieses Themas stattfand, war die Reaktion des Publikums und auch der Kritiker begeisternd. Diese Fülle an Farben, diese freien Formen und dynamischen Figuren, dieser bewegende Lebensrythmus passten in eine Zeit, die kurz zuvor noch von Faschismus, Okkupation, Krieg und damit vom Tod gezeichnet war.
Matisse selbst war anfangs von dem Ergebnis, von der Qualität der Drucke nicht sonderlich begeistert. Doch dann ließ er sich von der allgemeinen, so positiven Aufnahme der Arbeiten anstecken: „Auch wenn das Ergebnis nicht den Charme des Schneidevorgangs hat,“ äußerte er sich, „bleiben doch die gleichen Farben mit den gleichen energievollen harmonischen Wechselwirkungen.“
Vielleicht sollte man an dieser Stelle noch einfügen, dass der Jazz in Frankreich nach dem 2. Weltkrieg eine regelrechte Blütezeit erlebte. Zum einen gab es speziell in Paris schon zuvor eine lebendige Musikszene. Hier traten in den 1930er Jahren Louis Armstrong, Duke Ellington und Coleman Hawkins erfolgreich auf. Cole Porter schrieb sein Musical „Can-Can“ („I Love Paris), George Gershwin feierte die Stadt schon 1928 in „Ein Amerikaner in Paris“ und Django Reinhardt und Stephane Grapelli gründeten mit dem Quintette du Hot Club de France das erste europäische Ensemble, das auch transatlantische Erfolge feierte. Als dann die Amerikaner 1944 Frankreich und damit auch Paris befreiten, war der Jazz die Musik der Stunde. Der Klang der versinnbildlichten Freiheit und Hoffnung.
Auch passten diese Matisse-Arbeiten in dieses große grenzenlose Gefühl. „Die Scherenschnitttechnik erlaubt es mir,“ äußerte sich Matisse, „in die Farbe zu zeichnen. Es handelt sich für mich um eine Vereinfachung.“ Und an anderer Stelle sagt er: „Wenn ich schneide, existiere ich nicht mehr. Das ist ein Traum. Die Bedeutung der Formen, die ich mit der Schere schaffe, geht mir erst später auf.
Der vorliegende Band aus dem Haus Schirmer/Mosel enthält 20 Scherenschnitte, wie gewohnt in bester Druckqualität und eine Einführung von Cathrin Klingsöhr-Leroy sowie den Originaltexten von Henri Matisse in deutscher/französischer und englischer Sprache.
Jörg Konrad

Henri Matisse
„Jazz“
Schirmer/Mosel


Abbildungern:

- Tafel I, Der Clown

- Tafel VIII, Ikarus

- Handschriftliche Titelei von Henri Matisse
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Dienstag 31.03.2026
Catalin Dorian Florescu „Matei entdeckt die Freiheit“
Catalin Dorian Florescu hat sich in seinem neuen Roman „Matei entdeckt die Freiheit“ einem Thema angenommen, das vor dreieinhalb Jahrzehnten auch im wiedervereinigten Deutschland für enormen Diskussionsstoff sorgte. Denn im Dezember 1991 wurde das Stasi-Unterlagen-Gesetz (StUG) verabschiedet, das die rechtliche Grundlage für die weitreichende (private) Einsicht in die Akten der Staatssicherheit ermöglichte. Die Befürchtungen vor Rache an bzw. der Stigmatisierung von Mitarbeitern und Stasizuträgern, sogenannten inoffiziellen Mitarbeitern (IM) und deren Führungsoffizieren der Staatssicherheit, war groß.
Catalin Dorian Florescu arbeitet in seinem gerade veröffentlichten Roman die kommunistische Nachkriegszeit Rumäniens bis nach der Wende Mitte der 1990er Jahre in poetischer, wie bildhaft dramatischer Sprache packend auf.
Matei, die Hauptperson, wird aufgrund des Verfassens von politischen Gedichten 1956 zu sieben Jahren Lagerhaft und Zwangsarbeit im Donaudelta verurteilt. Hier erlebt er als politischer Delinquent eine physische und psychische Tortour, die nur mit den Verhältnissen in den russischen Gulags vergleichbar ist. Wer überlebt – hat Glück gehabt.
In den 1990er Jahren entdeckt Matei, der mittlerweile in Bukarest lebt und als Sargtischler arbeitet, in einem Linienbus durch Zufall seinen einstigen Peiniger, jenen Verhöroffizier, der ihn stundenlang vernommen und gefoltert hat. Wie begegnet Matei diesem Menschen, welche Konsequenzen zieht er aus diesem Wiedersehen?
Catalin Dorian Florescu erzählt die Geschichte dieses Matei auf unterschiedlichen Zeitebenen. Da wäre zum einen sein friedliches Leben vor der Verurteilung. Eine zweite Ebene ist die Zeit der Verbannung, die Catalin Dorian Florescu, trotz all der geschilderten Unmenschlichkeiten die im Namen des Sozialismus vollzogen werden, in einer sehr poetischen, an die Schönheit der Natur dieser Gegend angelegten Sprache erzählt. Dann wäre die Heimkehr und Enttäuschung die Matei nach seiner Entlassung erfährt, Schilderungen, die zu den vielleicht eindringlichsten und berührendsten Szenen dieses Romans gehören. Florescu beschreibt den freudlosen, grauen Alltag unter dem Regime des Diktators Nicolae Ceau?escu, dessen politisch abstrusen auch städtebaulichen Wahnwitzigkeiten, die Rumäniens Städtebild bis in die Gegenwart gezeichnet haben. Und eben jene Ebene, in der es um den einstigen Peiniger und „Henker“ Mateis geht, sowie die Reaktion des einstigen Peinigers auf Mateis Vergeltungsaktionen.
Catalin Dorian Florescu wechselt zwischen diesen Zeitachsen, hält dadurch die Geschichte pulsierend am Leben und schreibt in einem flüssigen, literarisch anspruchsvollen Stil, der diesem dunkelsten Kapitel osteuropäischer Geschichte der Neuzeit angemessen ist.
Catalin Dorian Florescu wurde 1967 im rumänischen Temeswar geboren. 1982 flohen Florescu und seine Eltern in die Schweiz und lebten fortan in Zürich. Hier studierte Catalin Dorian Psychologie und Psychopathologie und arbeitete als Psychotherapeut in einem Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige. Seit 2001 ist er Schriftsteller, nicht zuletzt aufgrund des Wunsches seiner Mutter. „Meine Mutter wollte, dass ich Schriftsteller werde“, erzählte er in einem Interview. „Ich habe zwei literarische Vornamen: Catalin aus Mihai Eminescus und Dorian kommt aus dem berühmten englischen Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“.
„Matei entdeckt die Freiheit“ ist Florescus, der unter anderem mit dem Schweizer Buchpreis 2011, Anna Seghers-, Josef von Eichendorff- und Andreas Gryphius-Literaturpreis ausgezeichnet wurde, mittlerweile achter Roman und gehört ganz sicherlich zu seinen persönlichsten, aufwühlendsten und auch politischsten Büchern.
Jörg Konrad

Catalin Dorian Florescu
„Matei entdeckt die Freiheit“
Rowohlt
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Mittwoch 11.03.2026
Jeff Wall „The Thinker – Der Denker“
Schirmer/Mosel hat anlässlich seines 50. Geburtstages vor zwei Jahren eine Buch-Reihe unter dem Titel „Ein Bild und seine Geschichte“ ins Leben gerufen. Hier werden Augenblicke der Weltgeschichte bzw. einzelne Kulturgüter ins Zentrum eines jeweiligen Bandes gestellt und mit Unterstützung eines Essays vorgestellt. Die neue Veröffentlichung beschäftigt sich mit einer Arbeit des kanadischen Fotokünstlers Jeff Wall.
Wall hat sich bei seiner Arbeit für eine völlig neue Herangehensweise als andere Fotografen entschieden. Er sucht weniger nach den besonderen Gelegenheiten, den idealen Momenten, um ein Bild zu konservieren. Wall inszeniert und organisiert seine Objekte und erinnert mit dieser Herangehensweise an die Tätigkeit eines Malers. Er staffiert das Kunstwerk aus, formt den Raum ähnlich einem Bühnenbild, oder bearbeitet die Fotoarbeit im Nachhinein. Häufig bezieht er sich in seiner Darstellungsart auf die Kunst- bzw. Kuturgeschichte, wodurch seine Werke nicht selten in verschiedenen Zeitebenen verankert wirken.
Oft hat Wall diese Arbeiten in großformatigen Leuchtkastenbildern platziert - so auch sein Werk The Thinker von 1986. Auf einer Anhöhe, mit Blick über Vancouver, sitzt ein Mann in nachdenklicher Pose. Im Rücken dieses Mannes steckt ein langschaftiges Messer. So fällt sofort das Paradoxe dieser Figur ins Auge: Das tiefgründig Versunkene der männlichen Figur und der zu diesem Ausdruck so wenig passende Dolch in dessen Rücken. Es scheint als wolle das einfache, als Arbeiter gekleidete männliche Kunstobjekt nachdenken, ob es denn sterben wolle, oder ob es sich lohnt zu leben.
Wall bezieht sich bei dieser Arbeiten auf zwei Vorgaben von Albrecht Dürer, der Gedenksäule auf den Bauernkrieg von 1525 und auf Dürers Kupferstich Melancolia I von 1514. Zudem bringt Wall bei diesem Werk auch die Bronzeskulptur Der Denker von August Renoir ins Spiel, gefertigt zwischen 1880 und 1882.
So überbrückt Jeff Wall mit seiner künstlerischen Arbeit mindestens drei Jahrhunderte, setzt sie in ein Verhältnis und schafft damit eine gewisse Zeitlosigkeit.
Klaus-Peter Schuster, deutscher Kunsthistoriker, Ausstellungskurator und Museumsleiter, verweist in seinem Essay auf die Unterschiede und Ähnlichkeiten der verschiedenen Kunstwerke von Wall, Renoir und Dürer hin. Er betrachtet ausführlich die Objekte, sowohl in der Zeit ihrer Entstehung, als auch in ihrer heutigen Wirkung.
Jörg Konrad

Jeff Wall
„The Thinker – Der Denker“
Ein Bild und seine Geschichte
Schirmer/Mosel
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Dienstag 24.02.2026
Chet Noir von Holger Klein
In seiner Graphic Novel „CHET NOIR“ lässt Illustrator und Autor Holger Klein die letzte Woche im Leben des Jazztrompeters Chet Baker Revue passieren. Der 13.05.1988 ist für Jazzfans ein Tag, den man nicht so leicht vergisst. Der einzigartige Trompeter wird nach seinem Fenstersturz vor einem Hotel in Amsterdam tot aufgefunden. Geschickt verwebt Holger Klein in seinem Buch Rückblenden, die Chet einer geheimnisvollen Anhalterin auf dem Weg nach Rotterdam zu seinem letzten Konzert erzählt. Es begann ursprünglich alles 1952 im Tiffany Club mit Charlie Parker, dann das Gerry Mulligan Quartett, die Fotosession mit Halima, die William Claxton ikonisch einfing, über Paris, London, Italien, immer wieder seine Drogenexzesse bis hin zu den letzten Begleitern seines Lebensweges. Die Geschichte, mit dynamisch angelegten, teils überlappenden, Panels, ist immer wieder unterbrochen durch atmosphärische One-Pager, die das Auge zur Ruhe kommen lassen. Man muss ab und zu verschnaufen bei dem rasanten Erzähltempo oder besser, der Lebens- und Leidensgeschichte von Chet Baker. Einmal angefangen, mag man das Buch nicht mehr weglegen. Es zieht den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann. Der Kunstgriff mit der fiktiven Anhalterin, die mehr weiß als Chet ahnt, ist genial und begleitet den Trompeter so bis zu seinem letzten Atemzug. Das Hardcover Buch umfasst 152 Seiten Jazz pur, fesselnd, biografisch mit fiktionalen Elementen im Stile eines Film Noir, sauber recherchiert und wunderbar aufbereitet. „Mr. Chet“ hätte diese Graphic Novel sicherlich gefallen!
Von Holger Klein gibt es, by the way, ebenfalls erschienen im Kult Verlag, das jazz inspirierte Abenteuer „Tödliches Spiel“, auch über einen Trompeter, der aus dem Fenster stürzt, aber das ist eine andere Geschichte.
TEXT: Thomas J. Krebs

Holger Klein: Chet Noir
ist als Hard Cover erschienen bei Kult Comics
ISBN 978-3-96430-498-8
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2026 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.