Haben Sie einen Artikel verpasst? Dann klicken Sie hier. Im Archiv finden Sie auch ältere Veröffentlichungen.
1. Penzberg: BERND UND HILLA BECHER im Dialog mit Penzberg
2. München Kunstfoyer: Ragnar Axelsson. Greenland.
3. Haus der Kunst: Tomás Saraceno - Verwobene Welten
4. Murnau: Fantasie & Form. Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne
5. Potsdam Barberini: Symphonie der Farben - Paul Signac und der Neoimpression...
6. Kochel: Maria Franck-Marc
Bilder
Bilder
Bilder
Montag 17.08.2026
Penzberg: BERND UND HILLA BECHER im Dialog mit Penzberg
BERND UND HILLA BECHER im Dialog mit Penzberg

Ausstellung vom 19. Juli bis 18. Oktober 2026
Museum Campendonk Penzberg

Ein Moment, der alles veränderte:
Die Schließung des Bergwerks am 30. September 1966 löste in Penzberg einen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und städtebaulichen Wandel aus. Oberflächlich gibt es heute nur wenige Hinweise auf die Bergbau-Vergangenheit.
Bernd und Hilla Becher (1931–2007, 1934–2015) machten diese Industrielandschaften, verschwindende Orte, zu ihrem Lebensthema. Mit präzisem Blick und unverwechselbarer Bildsprache schufen sie ein fotografisches Gedächtnis der Industriezeit. Im Museum Penzberg – Sammlung Campendonk begegnen ihre Arbeiten nun einer Stadt, deren Geschichte selbst untrennbar mit dem Bergbau verbunden ist.
Die Ausstellung „Das Ende als Anfang. Bernd & Hilla Becher im Dialog mit Penzberg“ setzt die international bekannten Fotografien der Bechers in Bezug zur Geschichte Penzbergs, die über 170 Jahre vom Kohlebergbau geprägt wurde. Bereits Ende der 1950er Jahre begann das Künstlerpaar Industrieanlagen systematisch zu fotografieren. Auch wenn sie Penzberg nie bereist haben, so teilt die Stadt mit vielen der von den Bechers dokumentierten Orte eine ähnliche Erfahrung des Strukturwandels: Über Generationen hinweg zeichneten Fördertürme, Aufbereitungsanlagen und Maschinenhallen das Erscheinungsbild und das Selbstverständnis der Stadt aus.

Nach dem Ende des Bergbaus 1966 verschwanden zahlreiche dieser Bauwerke. Die Fotografien der Bechers fungieren daher auch als visuelle Stellvertreter einer verlorenen industriellen Identität. Dank zahlreicher Leihgaben des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen, der Konrad Fischer Galerie, der Stiftung Ann und Jürgen Wilde und der Pinakothek der Moderne der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ist erstmals seit 2004 wieder eine große Präsentation des Künstlerpaares in Süddeutschland zu sehen.
Ergänzt wird die Ausstellung durch zeitgenössische Arbeiten der Künstlerin Lena Schabus, die sich in ihrer künstlerischen Praxis mit Landschaft und Transformationsprozessen auseinandersetzt. Gemeinsam eröffnen die Werke einen Resonanzraum für Fragen zu Verlust, Wandel und dem Fortwirken industrieller Geschichte in der Gegenwart. Zugleich verweist die Schau auf die Vergänglichkeit von Industriearchitektur und ordnet die lokale Geschichte in einen größeren historischen Zusammenhang ein.
Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich einem Oral-History-Projekt. Dabei sind die Bürger:innen Penzbergs eingeladen, ihre persönlichen Erinnerungen an die Schließung des Bergwerks und die Umbruchsjahre zu teilen. Durch Erzählungen, individuelle Perspektiven und erhaltene Objekte entsteht ein kollektives Gedächtnis der Stadt, das die künstlerischen Positionen der Ausstellung um eine unmittelbare menschliche Ebene ergänzt. Die persönlichen Stimmen machen erfahrbar, welche Chancen der Wandel mit sich brachte und wie er bis heute nachwirkt.
Die Ausstellung ist kuratiert von Diana Oesterle in Zusammenarbeit mit Anne Götzelmann.

Museum Penzberg – Sammlung Campendonk,
Am Museum 1,
82377 Penzberg

Abbildungen:

- Bernd und Hilla Becher, Förderturm, Zolder
Mijn, Zolder, B 1991, Silbergelatineabzug, Ifa – Institut für Auslandsbeziehungen
© Estate Bernd & Hilla Becher, represented by
Max Becher

- Meine Knappenprüfung - nach der praktischen Prüfung, um 1956
Foto Stadtarchiv Penzberg

- Eine Schicht im Schnupperkurs – Volker
Halbmeyer und Kumpel, 1964, Foto: privat.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 21.07.2026
München Kunstfoyer: Ragnar Axelsson. Greenland.
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Ragnar Axelsson. Greenland.

Ausstellung vom 24. Juli bis 01. November 2027
Kunstfoyer - Versicherungskammer Kulturstiftung


RAGNAR AXELSSON
Schon mehr als vier Jahrzehnte lang fotografiert Ragnar Axelsson (*1958 in Reykjavik), auch bekannt als RAX, die Menschen, Tiere und Landschaften der Arktis. Seit seiner ersten Reise nach Grönland in den frühen 1980er-Jahren kehrt er Jahr für Jahr dorthin zurück und hat damit eine der weltweit umfangreichsten fotografischen Chroniken des Lebens im hohen Norden geschaffen. Allein in den vergangenen sieben Jahren ist er im Durchschnitt dreimal jährlich nach Grönland gereist und setzt damit ein Werk fort, das mehrere Generationen überspannt.
Ragnars Fotografien, die fast ausschließlich Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind, beleuchten die fragile Beziehung zwischen Menschen, Tieren und der Natur. Sein Werk ist von Geduld und langjährigem Engagement vor Ort geprägt und nicht etwa von einer Beobachtung aus der Distanz. Seit mehr als 30 Jahren dokumentiert er das Leben des grönländischen Jägers Hjelmer Hammeken. Er begleitet ihn auf seinen Streifzügen über das Eismeer während wechselnder Jahreszeiten, durch verschwindende Jagdgebiete und eine sich rasant wandelnde Arktis. Ihre Freundschaft ist zu einem der prägenden Themen in Ragnars Werk geworden und bildet die Grundlage für eines der umfangreichsten Langzeit-Dokumentationsprojekte, die jemals in Grönland durchgeführt wurden.
Nur wenige Fotografen sind über einen so langen Zeitraum hinweg immer wieder in dieselben arktischen Gemeinden zurückgekehrt. Ragnars Fotografien sind sowohl zu einer historischen Dokumentation als auch zu einem intimen Porträt des Lebens am Rande der bewohnten Welt geworden. Anstatt lediglich den Klimawandel zu veranschaulichen, offenbaren seine Aufnahmen, wie Umweltveränderungen von den Menschen erlebt werden, deren Lebensgrundlage von Land, Meer und Eis abhängt.
Von 1976 bis 2020 arbeitete Ragnar als Fotojournalist für die isländische Tageszeitung Morgunblaðið und übernahm zugleich Aufträge in ganz Europa, Afrika und Asien. Seine Fotografien erschienen in Publikationen wie The New Yorker, National Geographic, TIME, Newsweek, LIFE, GEO, Stern und Polka und international im Rahmen von Ausstellungen gezeigt.
Seine Retrospektive Where the World is Melting (Wo die Welt schmilzt), begleitet von der gleichnamigen Publikation des Kehrer Verlags, präsentiert Fotografien aus über 40 Jahren aus Grönland, Island und Sibirien. Die viel beachtete Ausstellung wurde 2021 von Isabel Siben für das Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung kuratiert und anschließend in den Deichtorhallen Hamburg und im Ernst-Leitz-Museum in Wetzlar gezeigt. Sie spiegelt die wachsende internationale Anerkennung seines Werks als bedeutendes visuelles Zeugnis des Wandels in der Arktis wider.
Ragnar hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter Faces of the North (Gesichter des Nordens), Jökull, Arctic Heroes (Helden der Arktis), Behind Mountains (Hinter den Bergen) und Where the World is Melting (Wo die Welt schmilzt). Sein fotografisches Werk wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter der isländische Literaturpreis für Sachliteratur, der Leica Oskar-Barnack-Preis (ehrenvolle Erwähnung), der Grand Prix Photo de Mer in Vannes sowie das Ritterkreuz des Falkenordens, Islands höchste nationale Auszeichnung.
Auch heute noch kehrt Ragnar mehrmals im Jahr nach Grönland zurück. Seine Fotografien sind ein seltenes, langfristig dokumentiertes Zeugnis einer Welt, die einen tiefgreifenden ökologischen und kulturellen Wandel durchläuft. Dabei halten sie nicht nur verschwindende Landschaften im Bild fest, sondern auch die Erinnerungen, das Wissen und die Widerstandskraft der Menschen, für die die Arktis nach wie vor ihre Heimat ist.

Kunstfoyer
Versicherungskammer Kulturstiftung
Maximilianstrasse 53
80530 München

Abbildungen:
- Ragnar Axelsson ©
Apapa, ein Jäger auf dem Meereis, Kangertittivaq, Grönland, 2013

- Ragnar Axelsson ©
Eisbär auf dem Meereis, Grönland, 2010

- Ragnar Axelsson ©
Hjelmer Hammeken auf dem Eis mit seinen Schlittenhunden, Grönland, 1995

- Ragnar Axelsson ©
Ein grönländischer Schlittenhund hält Ausschau nach Eisbären, Grönland, 2026
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 16.07.2026
Haus der Kunst: Tomás Saraceno - Verwobene Welten
Bilder
Bilder
Bilder
Tomás Saraceno
Verwobene Welten

Ausstellung vom 17. Juli 2026 bis 07. Februar 2027
München Haus der Kunst

In der Ausstellung „Verwobene Welten“, die vom 17. Juli 2026 bis zum 7. Februar 2027 im Haus der Kunst gezeigt wird, verbindet der international renommierte, multidisziplinäre Künstler Tomás Saraceno Kunst, Architektur und Wissenschaft.
„Verwobene Welten“ zeichnet eine einzigartige Reise durch Tomás Saracenos Schaffen nach und markiert einen bedeutenden Schritt vorwärts, sowohl in seiner künstlerischen Entwicklung als auch in unserem Verständnis seines Werks. Sie vereint zwei zentrale Stränge seiner langjährigen Forschung – Aerocene und Arachnophilia – und präsentiert eine neue, zentrale sowie gemeinsam produzierte Auftragsarbeit: El Santuario del Agua (The Sanctuary of Water), ein permanentes Land-Art-Werk im Norden Argentiniens. Dieses entsteht in enger Zusammenarbeit mit den Indigenen Gemeinschaften von Red Atacama aus Las Salinas Grandes als Teil einer Kampagne zum Schutz der angestammten Territorien der Region.
Die Ausstellung erstreckt sich über das gesamte Gebäude und umfasst luftbetriebene Skulpturen, gemeinsame Lebensräume verschiedener Arten sowie raumgreifende Environments. Diese verändern die Wahrnehmung der Räume des Haus der Kunst und laden Besucher*innen dazu
ein, ökologische und soziale Kräfte, die die Energiewende prägen, neu zu überdenken.
Aerocene ist eine interdisziplinäre Gemeinschaft, die 2015 von Tomás Saraceno ins Leben gerufen wurde und sich mit der Erforschung emissionsfreier Fortbewegungsarten befasst, um neue Formen ökologischen Handelns zu entwickeln. Aerocene-Skulpturen nutzen Luft, Sonnenstrahlung und Infrarotenergie, um Lebensformen zu imaginieren, die nicht von fossilen Brennstoffen abhängig sind.
Im Jahr 2020 stellte der Ballonflug von Aerocene Pacha in Argentinien 32 Weltrekorde auf und wurde damit zum nachhaltigsten Flug der Menschheitsgeschichte. Arachnophilia untersucht materielle, verhaltensbezogene und akustische Systeme über Artengrenzen hinweg und baut dabei auf langjährigen Forschungen zu Spinnen/Netzarchitekturen auf.
Die Ausstellung im Haus der Kunst umfasst neue Kunstwerke wie die immersive Multimedia-Installation Towards the Sanctuary of Water, die Innovationen aus Saracenos jahrzehntelanger Forschung präsentiert. In Zusammenarbeit mit der Aerocene Foundation entwickelt die Abteilung für Bildung & Teilhabe des Haus der Kunst zudem ein umfangreiches Rahmenprogramm zum Mitmachen.

Andrea Lissoni, künstlerischer Geschäftsführer: „Das Haus der Kunst arbeitet mit lebenden Künstler*innen zusammen, um neue Stränge in der Kunstgeschichte zu ziehen und zu überdenken, wie Ausstellungen heute erlebt werden. Mit Tomás Saraceno wird das Gebäude zu einem Raum für die Auseinandersetzung mit ökologischen und sozialen Fragen, die über die Ausstellung selbst hinausgehen. Im Haus der Kunst ist alles Programm: ein lebendiges Netz aus Ausstellungen, Performances, Konzerten und Begegnungen, die sich gegenseitig verstärken und eine gemeinsame Erfahrung von Kunst und Ökologie gestalten.“
Kuratiert von Sarah Johanna Theurer und Andrea Lissoni.

Tomás Saraceno (*1973) ist ein in Argentinien geborener und in Berlin lebender Künstler, dessen Projekte Plattformen für ökosoziale und partizipative Begegnungen schaffen und regenerative Formen des Wissens fördern und verbreiten. Indem er verschiedene Maßstäbe und Spektren miteinander verbindet, zielt er mit seiner Arbeit – ebenso wie mit den transdisziplinären Gemeinschaften, die er gegründet hat und weiterhin unterstützt, darunter das Museo Aero Solar, die Aerocene Foundation und Arachnophilia – darauf ab, die Gegenseitigkeit und Verbundenheit mit anderen Lebewesen im Netz bzw. in den Netzen des Lebens zu vertiefen. Er hat international in bedeutenden Institutionen ausgestellt, darunter im Metropolitan Museum of Art in New York, im Palais de Tokyo in Paris und in den Serpentine Galleries in London. Zudem absolvierte er Residenzen am MIT in Cambridge, Massachusetts, beim CNES in Paris und bei der International Space University. Er hielt Vorträge beim World Economic Forum, bei TED und an der Harvard University und inszenierte Interventionen im Rahmen der COP20, COP21 und COP26.

Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
80538 München

Abbildungen:

- Tomás Saraceno
Fly with Aerocene Pacha, 2020
Salinas Grandes und Laguna de Guayatayoc, Nordargentinien
Courtesy: Aerocene Foundation
© Foto: Studio Tomás Saraceno

- Tomás Saraceno
endless big, 2006
Courtesy: der Künstler, neugerriemschneider, Berlin, Tanya Bonakdar Gallery, New York; Andersen's Contemporary, Kopenhagen; Ruth Benzacar, Buenos Aires, und Pinksummer Contemporary Art, Genua.
© Foto: Studio Tomás Saraceno

- Tomás Saraceno
The Sanctuary of Water, 2026
Konzipiert vom Künstler Tomás Saraceno in Zusammenarbeit mit den elf Indigenen Gemeinschaften des Red-Atacama-Netzwerks, Salinas Grandes, Nordargentinien. Mit großzügiger Unterstützung des Haus der Kunst München, der Aerocene Foundation, Studio Tomás Saraceno und vielen weiteren.
Courtesy: der Künstler, Red Atacama und die Aerocene Foundation, sowie die Galerien neugerriemschneider, Berlin, Tanya Bonakdar, Los Angeles, Pinksummer, Genua, Andersen’s, Kopenhagen und Ruth Benzacar, Buenos Aires.
© Foto: Studio Tomás Saraceno
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 08.07.2026
Murnau: Fantasie & Form. Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne
Ausstellung vom 26. April bis 26. Juni 2026 Franz Marc Museum, Kochel am See
Bilder
Bilder
Bilder
Ein Schlüsselakteur der Moderne: Adolf Erbslöh neu entdecken
Das Franz Marc Museum zeigt eine umfassende Ausstellung zu einem prägenden Protagonisten der Münchner Avantgarde.
Adolf Erbslöh (1881–1947) zählt zu den einflussreichen, oft übersehenen Malern der Moderne. Die Ausstellung lädt dazu ein, seine eigenständige Bildwelt neu zu entdecken. Als Mitbegründer und späterer Vorsitzender der Neuen Künstlervereinigung München stand er im Zentrum der Avantgarde um Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky und Franz Marc. Mit seiner Kunst und seiner engen Vernetzung innerhalb der Münchner Kunstszene prägte Erbslöh das künstlerische Klima um 1910 entscheidend mit – jenes Umfeld, aus dem der Blaue Reiter hervorging.
Mit seinem Essay „Phantasie und Form“ formulierte er 1929 zentrale Gedanken seines Kunstverständnisses. Fantasie erscheint darin nicht als Gegensatz zur Ordnung, sondern als deren Ursprung: „Das Kunstwerk ist Gestaltung, formgewordene Phantasie.“ Die Ausstellung greift diesen Gedanken auf und zeigt, wie Erbslöh aus inneren Vorstellungen eine eigenständige Bildsprache entwickelte. Er bewegte sich zwischen expressiver Farbigkeit und einem zunehmend konstruktiven Bildaufbau. Seine Werke verbinden leuchtende Farben, klare Linien und ein waches, reflektiertes Sehen.
Von den impressionistischen Anfängen über die Begegnung mit der Kunst Paul Cézannes und der Kubisten bis zu den tektonischen Landschaften der 1920er-Jahre verfolgt die Ausstellung eine zentrale Frage seines Schaffens: Wie lässt sich die flüchtige Vielheit der Erscheinungen in eine bleibende Bildordnung überführen.?
Das Franz Marc Museum, dessen Forschungsschwerpunkt und Sammlung eng mit der Münchner Avantgarde verbunden sind, präsentiert in dieser Ausstellung rund 40 Gemälde. Leihgaben kommen u.a. aus der Hamburger Kunsthalle, dem Kunstpalast
Düsseldorf, dem Leopold-Hoesch-Museum Düren und dem Schloßmuseum Murnau. Viele Werke stammen aus Privatbesitz und sind teilweise erstmals öffentlich zu sehen.
Kuratiert wird die Ausstellung von Jessica Keilholz-Busch, Direktorin des Franz Marc Museums.

Biografie
Adolf Erbslöh wurde 1881 in New York geboren und wuchs in Barmen bei Wuppertal auf. 1904 zog er zum Studium nach München, damals eines der lebendigsten Zentren der europäischen Avantgarde. Prägender als die akademische Ausbildung war für ihn das künstlerische Umfeld: Auf Reisen nach Frankreich, Italien und in die Niederlande lernte er die aktuellen Strömungen der Moderne kennen; auch die Münchner Szene um die Neue Secession und die Scholle inspirierte ihn.
Um 1908 setzte Erbslöh sich intensiv mit den Farbtheorien des Neoimpressionismus auseinander und begann, Farbe als strukturierendes Element des Bildes zu begreifen.
Zur gleichen Zeit lernte er über Alexej von Jawlensky den Kreis um Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin kennen. 1909 gehörte er zu den Begründern der Neuen Künstlervereinigung München (NKVM). Deren Ziel, innere Erfahrung in eine bildnerische Ordnung zu überführen, entsprach seinem eigenen künstlerischen Denken.
Erbslöh nutzte die Landschaft als zentrales Experimentierfeld. Vor allem in den Bergen bei Brannenburg am Inn sowie in städtischen Parks fand er Motive, in denen sich Formen staffeln und zu einer konstruierten Ordnung fügen ließen. Seine Arbeiten fanden auch unter seinen Zeitgenoss:innen große Beachtung.
1910 schrieb Franz Marc bewundernd: „Erbslöh’s neue Sachen sind glänzend.“ Einen wichtigen Impuls erhielt seine Arbeit durch die Auseinandersetzung mit Paul Cézanne, dessen Werke Erbslöh 1910 in München kennenlernte. Cézannes Vorstellung eines architektonisch
gebauten Bilds als autonome Ordnung aus Farbe, Fläche und Volumen beeinflusste ihn nachhaltig.
Der Erste Weltkrieg markierte eine tiefe biografische Zäsur. 1915 wurde Erbslöh eingezogen, ab 1916 arbeitete er als Kriegsmaler in Frankreich und Flandern. Er hielt an seinem formalen Prinzip fest und gestaltete zerstörte Landschaften als rhythmisch gegliederte, tektonische Strukturen. Nach dem Krieg verdichtete Erbslöh seine Bildauffassung weiter. In den 1920er-Jahren entwickelte er zunehmend streng konstruierte Kompositionen mit pyramidal verschachtelten Bildelementen und klar gegliederten Licht- und Schattenzonen.
Ab 1934 zog sich Erbslöh nach Irschenhausen im Isartal zurück. Die Nationalsozialisten diffamierten seine Werke als „entartet“ und drängten ihn aus dem öffentlichen Kunstleben. 1947 starb er in Irschenhausen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sein Werk zunächst weniger Aufmerksamkeit, blieb jedoch weiterhin in bedeutenden Sammlungen vertreten und war in Ausstellungen präsent. Die Ausstellung im Franz Marc Museum trägt dazu bei, Adolf Erbslöh neu zu entdecken und seine Bedeutung für die Moderne herauszustellen: als Künstler, der die Freiheit
der Fantasie mit der Klarheit der Form versöhnt.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel am See

Abbildungen:

- Adolf Erbslöh, Gebirge, 1911,
Privatbesitz,
Foto: Karen Bartsch

- Adolf Erbslöh, Positano, 1923,
Privatsammlung

- Adolf Erbslöh, Sonnenaufgang (Brannenburg), 1920,
Franz Marc Museum,
Leihgabe aus Privatbesitz
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 03.07.2026
Potsdam Barberini: Symphonie der Farben - Paul Signac und der Neoimpressionismus
Austellung vom 04. Juli bis 11. Oktober 2026 Museum Barberini Potsdam
Bilder
Bilder
Bilder
Den höchsten Grad an Leuchtkraft und Harmonie zu erreichen – diesem Ziel verschrieb sich Paul Signac, als er Mitte der 1880er-Jahre mit Georges Seurat eine neue Malweise in die Kunst einführte. Die Ausstellung Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus beleuchtet als erste umfassende Signac-Schau in Deutschland seit 30 Jahren die zentrale Rolle des Künstlers innerhalb der Bewegung des Neoimpressionismus und geht seinem Einfluss als Theoretiker, Netzwerker und Ausstellungsorganisator nach.

Auf der letzten gemeinsamen Ausstellung der Impressionisten im Jahr 1886 stellten in Paris Künstler aus, die sich später als Neoimpressionisten bezeichneten. Mit dem Nebeneinander unvermischter Farben strebten sie eine Wirkung ihrer Bilder an, die an pures Licht erinnern sollte. Die Landschaftsmotive ähnelten jenen ihrer impressionistischen Vorbilder, doch ersetzten sie deren duftige Atmosphäre und spontane Malerei durch seriell aufgetragene Pinseltupfen in den Farben des Prismas. Diese Zerlegung der Farben, die sich nicht mehr auf der Palette, sondern im Auge der Betrachtenden mischen sollte, suchte Inspiration in neuen Erkenntnissen der Optik und der Wahrnehmungsphysiologie.

Die neoimpressionistischen Gemälde laden zur Kontemplation über die Harmonie im Bild ein, suchen den Ausgleich zwischen häufig komplementären Farben, zwischen Vertikalen und Horizontalen oder zwischen Fläche und Raum. Andere Werke weisen arabeske Muster auf, die sich über die Bildfläche erstrecken und reale Gegenstände abstrahieren. Die Ausstellung Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus zeigt den Künstler als eine der zentralen Figuren dieser Bewegung. Sie beleuchtet sein künstlerisches Werk von den frühen Uferlandschaften des passionierten Seglers über seine Interieur- und Porträtmalerei bis zu den sozialutopisch aufgeladenen Bildern der Côte d’Azur, die er als Motivschatz für die Moderne erschloss.

Die Ausstellung umfasst über 90 Werke, von denen mehr als ein Drittel von Paul Signac stammen. Sie stehen im Dialog mit Gemälden von Lucie Cousturier, Henri-Edmond Cross, Maximilien Luce, Camille Pissarro, Théo van Rysselberghe, Jeanne Selmersheim-Desgrange, Georges Seurat, Jan Toorop und anderen. Zu den Leihgebern gehören das Van Gogh Museum, Amsterdam, das Art Institute of Chicago, die National Gallery of Ireland, Dublin, das Musée d‘Orsay, Paris, das Musée du Petit Palais, Genf, die Archives Signac, Paris und weitere nationale und internationale Sammlungen.

Im Museum Barberini, das mit zehn neoimpressionistischen Werken von Signac, Henri-Edmond Cross, Albert Dubois-Pillet, Maximilien Luce und Camille Pissarro in der Sammlung Hasso Plattner einen der größten Bestände dieser Strömung in Deutschland hält, ist Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus bereits das dritte Ausstellungprojekt zum Thema – nach Farbe und Licht. Der Neoimpressionist Henri-Edmond Cross (2018) und Mit offenem Blick. Der Impressionist Pissarro (2025).

Eine Ausstellung des Museums Barberini, Potsdam, und der Kunsthal Rotterdam.

Austellung vom 04. Juli bis 11. Oktober 2026
Museum Barberini Potsdam


Museum Barberini
Humboldtstraße 5–6
14467 Potsdam


Abbildungen:

- Paul Signac
Saint-Tropez. Sonnenuntergang im Kiefernwald, 1896
Öl auf Leinwand, 65 x 81 cm
L’Annonciade, musée d’art moderne de Saint-Tropez
© Luisa Ricciarini / Bridgeman Images

- Paul Signac
Der Hafen bei Sonnenuntergang, Opus 236 (Saint-Tropez), 1892
Sammlung Hasso Plattner, Museum Barberini, Potsdam

- Maximilien Luce
Die Seine bei der Pont Saint-Michel, 1900
Öl auf Leinwand, 89,2 x 116,2 cm
Sammlung Hasso Plattner, Museum Barberini, Potsdam
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 30.06.2026
Kochel: Maria Franck-Marc
Ausstellung vom 21. Juni bis 27. September 2026 Franz Marc Museum, Kochel am See
Bilder
Bilder
Bilder
Anlässlich des 150. Geburtstags von Maria Franck-Marc (1876–1955) widmet das Franz Marc Museum der Künstlerin erstmals eine umfassende Einzelausstellung.
Im Jubiläumsjahr des Museums, das sein 40-jähriges Bestehen feiert, richtet das Haus den Blick auf eine Persönlichkeit, die eng mit dem Blauen Reiter verbunden war, deren eigenes künstlerisches Werk jedoch lange im Schatten ihrer Rolle als Ehefrau und Nachlassverwalterin Franz Marcs stand.
„Maria Franck-Marc gehört zu den Künstlerinnen der Moderne, deren Werk lange übersehen wurde. Mit dieser Ausstellung stellen wir erstmals ihre eigene künstlerische Leistung in den Mittelpunkt“, sagt Jessica Keilholz-Busch, Direktorin des Franz Marc Museums und Kuratorin der Ausstellung.
Die Ausstellung versammelt rund 30 Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen und eröffnet einen neuen Blick auf Maria Franck-Marc als eigenständige Künstlerin der Moderne. Zu den Leihgebern zählen unter anderem das Museum Wiesbaden und das Schloßmuseum Murnau. Der Großteil der ausgestellten Arbeiten stammt aus Privatbesitz, einige Werke werden erstmals öffentlich gezeigt. In dieser Form wird das Werk Maria Franck-Marcs seit Jahrzehnten erstmals wieder in größerem Umfang zusammengeführt.
Gezeigt werden Gemälde, Zeichnungen und textile Arbeiten, die die Vielfalt ihres Schaffens sichtbar machen. Im Zentrum stehen Blumenstücke, Landschaften, Naturstudien, Stillleben sowie Darstellungen von Kindern. Gerade jene Motive, die in der Kunstgeschichte lange als privat, dekorativ oder nebensächlich eingeordnet wurden, erweisen sich bei Franck-Marc als eigenständige künstlerische Versuchsfelder. Mit großer Sensibilität für Farbe, Form und Rhythmus entwickelte sie eine Bildsprache, die alltägliche Themen in konzentrierte Studien von Wahrnehmung und Gestaltung verwandelt.
Maria Franck-Marc gehörte einer Generation von Künstlerinnen an, denen der Zugang zu staatlichen Kunstakademien und den etablierten Strukturen des Kunstbetriebs weitgehend verwehrt blieb. Obwohl sie 1912 mit drei Werken in der zweiten Ausstellung des Blauen Reiters vertreten war, gelang es ihr kaum, eine eigenständige öffentliche Position zu etablieren. Nach dem Tod Franz Marcs im Jahr 1916 widmete sie sich über Jahrzehnte der Bewahrung und Vermittlung seines Werks und prägte dessen Nachleben maßgeblich. Diese wichtige Tätigkeit überlagerte jedoch die Wahrnehmung ihres eigenen Œuvres.
Noch bis in die 1990er-Jahre wurden ihre Arbeiten nur selten öffentlich präsentiert und kaum wissenschaftlich erforscht. Die Ausstellung richtet den Blick daher nicht nur auf die erhaltenen Werke, sondern auch auf die Bedingungen ihrer Entstehung, Überlieferung und Rezeption. „Die Frage ist nicht nur, warum Maria Franck-Marc so lange unbekannt blieb. Die Frage ist auch, wie Kunstgeschichte entscheidet, wer sichtbar wird“, sagt Keilholz-Busch. Damit eröffnet die Ausstellung zugleich eine weiterführende Perspektive auf die Sichtbarkeit von Künstlerinnen im Umfeld des
Blauen Reiters und in der Kunstgeschichte der Moderne.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel am See

Abbildungen:

- Maria Franck-Marc, Stillleben mit drei Krügen, um 1907/09,
Privatbesitz,
Foto: Walter Bayer

- Maria Franck-Marc, Anbetung der Hirten, um 1908,
Privatbesitz

- Maria Franck-Marc, Zwei Kinder zwischen Blumen, um 1912,
Privatbesitz,
Foto: Walter Bayer
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2026 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.