Später wurde er zum Star der Szene, wobei die Auftritte Taylors Kultcharakter hatten. Seine furiosen, regelrecht beschwörenden Live-Konzerte überforderten nicht selten auch hart gesottene Jazz-Jünger. „Für mich ist das Klavier nichts als eine Trommel mit 88 Tasten“, sagte er einmal, dessen erstes Instrument passend ein Schlagzeug war. „Wir haben in unserer Musik den Rhythmus melodisiert und die Melodieinstrumente rhythmisiert.“
Er übte den ganzen Tag, tanzte bei seinen Auftritten um das Instrument herum, er bearbeitete den Börsendorfer, als wäre er ein Sparrings-Partner in japanischer Kampfkunst und seine (Solo-)Konzerte dauerten auch schon einmal drei Stunden am Stück.
Doch er war auch Teamplayer, spielte mit Archie Shepp und dem legendären Albert Ayler. Von 1968 an gehörten eine Zeitlang die Saxophonisten Sam Rivers und Jimmy Lyons, sowie der Schlagzeuger Andrew Cyrille zu seinem in dieser Besetzung nur kurze Zeit bestehenden Quartett Unit. Bei Elemental Records ist jetzt mit „Fragments: The Complete 1969 Salle Pleyel Concerts“ erstmals der Auftritt der Unit beim 8. Pariser Jazz-Festival von 1969 komplett veröffentlicht. Sowohl den Auftritt am Nachmittag als auch das Abendset.
Grundlage dieser freien Improvisation ist die Taylor-Komposition „Fragments Of A Dedication To Duke Ellington“, die, als eine Art provozierender Kontrast, vom der Quartett anatomisch zerlegt wird. Es bedurfte keiner langen Aufwärmphase, bis die Unit auf Touren kam. Die musikalische Präsenz jedes einzelnen ist fulminant. Alle experimentieren innerhalb und außerhalb der Zeit, ohne in ihrer Dynamik dabei den Gruppenkontext zu sprengen. Eine aufwühlende, den Äther beherrschende Subversivität breitet sich aus, nimmt Zeit und Raum völlig in Beschlag. Die Realität findet allein auf der Bühne statt – alles andere verblasst. Es ist eine ständige Herausforderung an die Gegenwart des Augenblicks, nichts anderes zählt. Und doch scheint in dieser Musik und in ihrer Strukturarmut die ganze Welt enthalten zu sein. In ihrer Komplexität und Abtrünnigkeit, in ihrer Würde und in ihrem Widerspruch.
Jörg Konrad
Cecil Taylor Unit
„Fragments Of A Dedication To Duke Ellington“
Elemental
„Fragments Of A Dedication To Duke Ellington“
Elemental
























