Die israelische Musikerin Noga Erez ist auf dem Weg zum internationalen Durchbruch. Zwischen ausverkauften Konzertsälen, politischer Zuspitzung und persönlichen Spannungen, kämpft sie darum, weiterhin gehört, aber vor allem verstanden zu werden - in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät.
Die Musikerin Noga Erez ist mit ihrem kreativen Partner und Lebensgefährten Ori Rousso DIE Musik-Sensation auf den internationalen Bühnen. Provokante Hits wie END OF THE ROAD und VIEWS füllen die Hallen und machen sie zum heißesten Musikexport Israels. Als sie, von privaten Zerwürfnissen gebeutelt, an ihrem bislang größten Album arbeitet, wird ihr Leben von den politischen Ereignissen in ihrer Heimat erschüttert. Zwischen ausverkauften Konzerten, kompromissloser Kunst und einer Welt im Ausnahmezustand sucht sie nach Antworten – und nach ihrer eigenen Stimme. Mit außergewöhnlicher Nähe erzählen Jono und Benji Bergmann die Geschichte einer Künstlerin, die sich weder vereinnahmen noch zum Schweigen bringen lässt. NOGA ist ein intimes, vielschichtiges und hochaktuelles Porträt über Stardom – und über den Mut, den eigenen Weg zu gehen, selbst wenn die Welt um einen herum ins Wanken gerät.
Ein Film von Jono & Benji Bergmann
Mit Noga Erez und Ori Rousso
KÜNSTLERISCHER ANSATZ
Noga Erez und Ori Rousso
Wer eine Show von Noga Erez erlebt, begegnet einer elektrisierenden Bühnenpräsenz: eigenwillige,
überdimensionale Anzüge, eindrucksvolle visuelle Welten und kompromisslose Energie. Immer an ihrer Seite steht ein Mann mit Gitarre und Bucket-Hat – Ori Rousso. Seit mehr als zehn Jahren machen die beiden gemeinsam Musik.
Im Film prallen die hyperstilisierten musikalischen Persönlichkeiten von Noga und Ori auf die ungefilterte Realität ihres Lebens. In außergewöhnlich intimen Momenten erzählt er von den Herausforderungen, Kunst und Liebe miteinander zu verbinden. Anfang dreißig stehen sie beiden an einem Wendepunkt – mit allem, was sie gewinnen, aber auch verlieren können.
Über einen Zeitraum von fünf Jahren begleitet der Film ihre Beziehung vor dem Hintergrund anhaltender politischer und persönlicher Erschütterungen. Er zeigt, wie Partnerschaft und kreativer Schaffensprozess unter dem Druck einer Welt bestehen, die immer wieder aus den Fugen gerät.
Wir erleben, wie Noga in ihrer Heimat angefeindet wird, weil sie sich kritisch zur israelischen Regierung äußert, während sie international aufgrund ihrer Herkunft zur Projektionsfläche politischer Konflikte wird. Zugleich kämpft sie im Privaten mit Depressionen. Halt findet sie in ihrer Beziehung zu Ori und in der gemeinsamen Musik, deren Entstehung der Film unmittelbar miterlebbar macht. Wie Noga selbst sagt: „Es ist das Schönste auf der Welt… Inmitten dieses Chaos gibt es einen Menschen, der dein ganzes Licht ist.“
Ein Dokumentarisches Album
Der Film entfaltet sich wie ein dokumentarisches Album in neun Kapiteln. Jedes ist nach einem Song benannt, dessen Text einen entscheidenden Wendepunkt im Leben von Noga und Ori beleuchtet. Gemeinsam zeichnen die Kapitel ein vielschichtiges Porträt ihrer künstlerischen und persönlichen Entwicklung: Das Leben fließt in die Musik ein und die Musik prägt das Leben, aus dem sie hervorgegangen ist.
Mit anderen Worten: Der Film untersucht, wie man zum Künstler wird, wie ein Künstler sich selbst in Sprache und Klang verwandelt und diese wiederum die Identität formen. Jedes Kapitel markiert eine neue Lebensphase, einen Bruch, eine Wunde oder einen Neuanfang.
Die Musik dient dabei nie bloß als Kommentar zur Biografie, sie ist ihr emotionaler Kern. Besonders eindrucksvoll: In einem Fall kehrt ein in einem bestimmten Moment geschriebener Liedtext Jahre später als eine Art Prophezeiung zurück.
Politik und Musik
Ist Noga Erez eine politische Künstlerin? Diese Frage begleitet sie seit Beginn ihrer Karriere. Eine eindeutige Antwort fällt ihr schwer. Zwar sind viele ihrer Songs politisch aufgeladen, manchmal sogar ausdrücklich, doch ihr Anliegen ist es nicht, als Sprecherin einer Bewegung oder als politisches Symbol wahrgenommen zu werden. Vielmehr will sie ihrer eigenen Stimme durch die Musik Ausdruck verleihen.
Was sie beschäftigt, ist die Frage, was „politisch“ heute überhaupt bedeutet. Wie lässt sich Musik schaffen in einer Zeit, in der nahezu alles politisch gelesen wird, Identität unmittelbar in Loyalität übersetzt wird und komplexe Zusammenhänge ständig auf Schlagworte reduziert werden?
Schon ihre frühen Arbeiten, allen voran Off the Radar, wurden als ausgesprochen politisch, mitunter sogar als „superlinks“, wahrgenommen. Das Album kreist um Überwachung, Gewalt, Macht, Paranoia und Komplizenschaft. Songs wie Dance While You Shoot verorteten sie als Künstlerin, die der Gewalt ihrer Gegenwart mit Ironie, Wut und treibenden Beats begegnet – Tanzmusik, über der stets der Schatten des Todes liegt.
Doch dem Wunsch der Welt, sie als politische Künstlerin in eine Schublade zu stecken, widersetzt sie sich. Gemeinsam mit Ori schreibt sie zunehmend Songs, die sich mit Sehnsucht, Eifersucht und ihrer Angst vor dem Tod auseinandersetzen. Themen, die universeller kaum sein könnten. Dennoch wird sie durch ihre Herkunft und die Erwartungen des Publikums immer wieder auf konkrete politische Positionen festgelegt.
Der Film versucht nicht, diesen Widerspruch aufzulösen. Stattdessen ist er ein Dokument, das das Dilemma beobachtet und darin verweilt. Er fragt, was geschieht, wenn eine Künstlerin aus ihrer persönlichen Erfahrung heraus sprechen möchte, die Öffentlichkeit sie jedoch unablässig als Symbol liest. Wie lässt sich Kunst schaffen, wenn andere glauben, ihre Perspektive bereits zu kennen? Und welchen Preis zahlt eine Künstlerin, die sich weigert, den Erwartungen ihrer Umgebung zu entsprechen? Was passiert, wenn sie ihre Erfahrungen durch Abstraktion und Poesie verarbeitet – in einer Zeit, die immer lautere und einfachere Antworten verlangt?






































