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1. Nighthawks „Today“
2. Mahan Mirarab „Unspoken“
3. Historisches in Jazz, Rock & Blues (12): Oregon „Always, Never And Foreve...
4. James Brandon Lewis „Omni“
5. OM „Südpol“
6. Empirical „Like Lambs: To The Slaughter“
Mittwoch 15.07.2026
Nighthawks „Today“
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Als 2010 das Album „Today“ erschien, existierten die Nighthawks schon ein gutes Jahrzehnt. Unter der Führung des Trompeters Reiner Winterschladen und des Multiinstrumentalisten Dal Martino präsentierte die Band von Beginn an einen entspannten, melodischen wie federnden Groove. Musik, die von verschiedenen Kulturen und Stilistiken geprägt war, die nach Filmmusik klang und die jede Baratmosphäre aufwertete.
Nun ist „Today“, das damals fünfte Album der Band, erstmals auf Vinyl erschienen. Acht Songs, die einer Entdeckungsreise gleichkommen, die durch die Zentren von Soul, Jazz, Pop und Reggae führen, Musik, die von lateinamerikanischen und arabischen Einflüsse zehrt, die Melodien aus dem slawischen Raum und vom Balkan beinhaltet. Als Gäste mit dabei: Sängerin Anna Maria Jopek aus Warschau und der Sting- als auch Sologitarrist Dominic Miller. Beide interpretieren mit der Formation um Martino und Winterschladen einen polnischen Schlager aus den 1980er Jahren.
Überhaupt greifen die Nighthawks gern auf Orte zurück, in denen sie während ihrer langen musikalischen Karriere besondere Eindrücke gesammelt haben. So heißt einer ihrer Songs „Trancoso“, benannt nach einem kleinen brasilianischen Dorf im Bundesstaat Bahia, ein anderes Stück nennt sich „Rialto Hotel“ und soll an ein traditionsreiches Hotel im Warschauer Innenstadtdistrikt erinnern. „Ich war in den letzten Jahren viel unterwegs“, erinnert sich Dal Martino, „in Rumänien, Ungarn, auch in Moldawien. Das hatte natürlich Einfluss auf unsere Musik, zumal ich grandiose Sängerinnen wie die Polin Anna Maria kennenlernte, deren Qualität dem Album einen ganz eigenen Charakter gegeben hat.“
Jörg Konrad

Nighthawks
„Today“
Herzog
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Dienstag 14.07.2026
Mahan Mirarab „Unspoken“
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Mahan Mirarab ist ein Beispiel für die Kraft und die Entschlossenheit, die der Musik innewohnt. Geboren 1983 in Teheran hat Mahan früh begonnen Gitarre und Klavier zu spielen. Er bewegte sich mit seinen Instrumenten in der Undergroundszene der iranischen Hauptstadt und lernte hier die Musik des Westens kennen und lieben. Pink Floyd, Bud Powell, George Benson - Mahan begeisterte sich für all diese ihm bis dahin unbekannten Klänge, hörte sie auf Kassetten, deren Besitz strafbar war und mit Gefängnis geahndet werden konnte.
Natürlich zog es ihn gedanklich an jene Orte, wo diese Musik offen gespielt werden und wo er sich selbst diesen Klängen befreit widmen konnte. Mit einer Weather-Report-Coverband trat er in der österreichischen Botschaft in Teheran auf. Der Botschafter war ein Joe-Zawinul-Fan, der von Mahans Wunsch hörte und ihm dabei half, den Iran zu verlassen.
Seit 2009 lebt Mahan Mirarab in Wien, hat in der Zwischenzeit hier musikalisch Fuß gefasst und lokale als auch internationale Kontakte für eigene Projekte geknüpft. Zudem komponiert er Bühnen- und Filmmusik.
Unspoken“ ist Mahans Debüt bei Act Music. „„Unspoken“ ist mein bislang persönlichstes Album“ erzählt Mahan, „Es ist ein Raum, in dem ich zugelassen habe, mich meinen tiefsten Gefühlen hinzugeben – ohne Effekthascherei und ohne mich hinter Klanglabyrinthen oder technischer
Komplexität zu verstecken. In diesen Liedern bin ich direkter und verletzlicher als je zuvor; ich stelle mich der Herausforderung, diese Ehrlichkeit offen zu teilen.

Es ist ein Album, das Geschichten aus Mahans Vergangenheit und Gegenwart zum Inhalt hat. Auf der doppelhalsigen Gitarre mit einem bundlosen und einem bündigen Griffbrett, bewegt er sich klanglich selbstbewusst und voller Poesie, Schmerz und Zuversicht entlang seiner Biographie. So begegnen sich in seiner Musik jene Kulturen, die ihn sozialisiert haben und in denen er sich heute wie selbstverständlich bewegt. Er verstrebt auf eine ruhige und aufgeschlossene Art Emotionen und Gewissheiten, vermittelt mit seinen musikalischen Partnern (Kian Soltani, Lars Danielsson und Golnar Shahyar) die Botschaft des Dialogs zwischen den Kulturen, zwischen iranischer Klangtradition und westlicher Harmonik.
Jörg Konrad

Mahan Mirarab
„Unspoken“
Act Music
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Montag 13.07.2026
Historisches in Jazz, Rock & Blues (12): Oregon „Always, Never And Forever“
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Kennengelernt haben sich die vier schon Ende der 1960er Jahre. Ralph Towner, Paul McCandles, Glenn Moore und Collin Walcott waren Gründungsmitglieder des Paul Winter Consort, einem Quintett, das ohne die damals übliche Rhythmusgruppe musizierte und sich stattdessen mit kammermusikalischem Anspruch zwischen Jazz und kontemplativer Klassik bewegte. Doch Towner & Co wollten mehr Risiko wagen, experimentellere Stücke aufnehmen, stärker improvisieren, als nur schöne und unorthodoxe Klänge zu interpretieren. So trennten sie sich vom Saxophonisten Winter und gründeten 1971 das Quartett Oregon, benannt nach dem US-Bundesstaat, in dem sie damals lebten.
Oregon integrierten in ihre Musik von Beginn an indische, lateinamerikanische und afrikanische Folklore. Gleichzeitig nutzten sie traditionelle Jazzharmonien und Moderne Klassik und spielten somit in einer Zeit, als die Begrifflichkeit noch gar nicht existierte, Weltmusik im erweiterten Sinn.
Allein die Instrumentierung von Oregon machte deutlich, wie anders diese Formation klang, wie sehr sie sich von fast allem, was damals existierte, akustisch absetzte. Ralph Towner hatte eine klassische Ausbildung an der Trompete absolviert, lernte autodidaktisch Klavier und studierte in Wien klassische Gitarre. Paul McCandless spielt neben Bassklarinette, English Horn, Flöte, Saxophon und vor allem Oboe. Glenn Moore beherrschte den Bass in der Band und Collin Walcott war ein Meister der Sitar, der Tabla, der Hammered Dulcimer (eine Art Hackbrett) und der Sanza (ein Daumenklavier).
Gleich auf ihrem ersten Album „Music Of Another Present Era“ von 1972 beeindruckte Oregon mit seiner stilistischen Offenheit. Musik, die die abendländische Romantik und Moderne mit Jazz und exotischen Klangkulturen eng miteinander verknüpft.
Die folgenden Alben beinhalteten dann mit das Schönste, das Vielschichtigste und das Herausfordernste was der Jazz als Weltmsuik in diesen 1970er Jahren zu bieten hatte. Dabei stammte der Großteil der Kompositionen, von denen manche Stücke regelrechten Ohrwurmcharakter hatten, von Ralph Towner, der 1983 in einem Interview sagte: „Komponieren ist für mich eine ganz und gar innerliche Angelegenheit, bei der ich versuche, meinen eigenen Vorstellungenvon Schönheit und Harmonie zu verwirklichen. Unsere Welt hat Gleichgewicht und Proportion, Symmetrie und Asymmetrie, sie erzeugt Schmerz oder Langeweile.
Mit der Zeit änderte sich die Musik von Oregon leicht, indem die Band neue, auch elektronisch gefärbte Instrumente nutzte.
Fast zwangsläufig landeten das Quartett mit seiner Verschmelzung farbenreicher Musiktraditionen und atemberaubender Moderne 1983 bei ECM München und spielte im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg zwei facettenreiche und von unverwechselbarer Schönheit gekennzeichnete Alben ein.
Dann folgte das Schicksalsjahr 1984. Oregon traten im November des Jahres in der Kreuzberger Passionskirche in Westberlin auf. Auf der Rückfahrt tags darauf verunglückten Collin Walcott und der Tourmanager der Band Joe Hertling im Nebel auf der Transitautobahn bei Magdeburg tödlich.
Der Rest der Band hat sich nie von diesem Trauma ganz erholt.
Doch Ralph Towner, Paul McCandles und Glenn Moore entschieden sich nach einem guten halben Jahr, unter dem Namen Oregon weiter Musik zu machen. Sie engagierten den indischen Perkussionisten und Sänger Trilok Gurtu, der mit seiner ungezwungenen und rhythmisch temperamentvollen Musikalität dem Quartett wieder neues Leben einhauchte.
Das Album „Always, Never And Forever“ entstand 1990 in Köln und ist eine beeindruckende Fortführung der Oregon-Philosophie. Es sind tiefgründige-impressionistische Klangskizzen, voller wunderbarer wie berührender Melodik, rhythmisch wagemutiger Phrasierungen und traumhaft eingebetteter Improvisationen. Ein Meisterwerk der improvisierten Kammermusik.
Dieses erstmals als 180-Gramm Vinyl herausgebrachte Album ist dem im Januar dieses Jahres verstorbenen Gitarristen Ralph Towner gewidmet.
Jörg Konrad

Oregon
„Always, Never And Forever“
Intuition Records
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Freitag 10.07.2026
James Brandon Lewis „Omni“
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Und wieder hat James Brandon Lewis ein neues Album vorgelegt. Die immerhin schon zwölfte Veröffentlichung seit 2000 und die fünfte Produktion in gleicher Besetzung: Mit dem kubanischen Pianisten Aruan Ortiz, dem Bassisten Brad Jones und dem Schlagzeuger Chad Taylor.
Omni“ beinhaltet neun Kompositionen, die alle von Brandon Lewis stammen. Wie schon in der Vergangenheit bläst der Tenorsaxophonist zum Sturm. Aber vieles klingt geordneter, durchdachter, als auf den Vorgängern. Es geht ihm um Selbstreflexion. „Mit zunehmenden Alter habe ich andere Wege gefunden, mich auszudrücken“, sagt er in den Liner Notes des Album, „als noch in meinen 20ern und 30ern.“ Es ist, als würde er eine Phase der Selbstbesinnung durchmachen. Ihm geht es darum, Subjektivität und Objektivität in Einklang zu bringen. Da kommt im Einzelnen Spiritualität zum Ausdruck. Weniger ein leidenschaftliches Entäußern am Instrument, als ein differenziertes Abwägen zwischen kraftvoller Improvisation und gedanklicher Vergegenwärtigung. Es kommt etwas Analytisches ins Spiel, wenn der Sohn eines Baptistenpredigers danach fragt, wer er ist und welche Rolle der Glaube in seinem Leben bzw. seinem Musizieren einnimmt.
Damit scheint er sich noch mehr als bisher John Coltrane zu nähern, dessen Erbe er schon eine Weile inhaltlich am deutlichsten weiterführt. Brandon Lewis bleibt der Fackelträger am Instrument, ein Prediger am Tenorsaxophon, ebenso radikal in der Improvisation, wie klar strukturiert im Aufbau seiner Musik.
Jörg Konrad

James Brandon Lewis
„Omni“?
Intakt?
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Mittwoch 08.07.2026
OM „Südpol“
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Gegründet 1972 ging das Quartett OM schon 1982 wieder auseinander - um sich 2006 erneut zu vereinen. Die Electricjazz-Freemusic Band besteht bis heute, auch wenn sich die Besetzung vor einigen Jahren aufgrund des tragischen Ausscheidens Fredy Studers leicht geändert hat. Das hat ihrer Energie und ihrer Kompaktheit jedoch nicht geschadet. Noch immer donnern und toben OM durch die Konzertsäle und die Studios und hinterlassen eine breite Spur, die sich ebenso bei Jimi Hendrix wie auch bei John Coltrane verorten lässt.
Wer nun denkt, dies sei Musik für Nostalgiker, der irrt ganz gewaltig. Denn OM führen nur fort, man könnte auch sagen übersetzen den Gedanken musikalischer Intensität neu, was diese beiden in der Vergangenheit angerissen haben.
Eingespielt im Kulturzentrum Südpol in Luzern verkettet die Band Rock und Jazz, Avantgarde und Neue Musik. Sie lassen Ideen explodieren, provozieren mit pulsierenden Grooves, kalkulieren ein musikalisches Chaos, strukturieren die Wildheit und reagieren kurzfristig und spontan. Ihre Spielhaltung: Pure Neugier, reiner Spaß. So ist OM eine Musikerclique, die sich das Abenteuer des Musizierens auf die Fahne geschrieben hat. Die Band, benannt übrigens nach einer Aufnahme von John Coltrane, findet immer wieder Kontraste und lebt diese lustvoll aus. OM ist sich selbst treu geblieben und es gilt heute noch, was ihr Saxophonist Urs Leimgruber einmal sagte, dass Originalität, Eigenständigkeit und Hartnäckigkeit die typische Eigenschaften ihrer Musik seien. Daran hat sich nichts geändert.
Jörg Konrad

OM
„Südpol“
Intakt
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Freitag 03.07.2026
Empirical „Like Lambs: To The Slaughter“
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Das Besondere an Empirical, einem britischen Jazz-Trio, ist, dass sich diese Formation an politisch Vergangenem orientiert und zugleich einen Bezug zu möglichen gesellschaftlichen Entwicklungen in der Zukunft aufgreift.
Nun plündert Empirical aber nicht, wie so viele andere, musikalisch rückbesinnend die Ahnengalerie des Jazz. Ihnen geht es mehr um eine innere Haltung, wie man sie häufig im Jazz der 1960er Jahre antraf, als mit oft eindeutigem (politischen) Statements gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeiten protestiert wurde. Und was den Blick voraus betrifft: Empirical haben eine dystopische Vision, vor der sie instrumental warnen und gegen die sie leidenschaftlich anspielen. „Wir leben in einer Zeit“, erzählt diesbezüglich Schlagzeuger Shaney Forbes, „in der der Fortschritt, für den frühere Generationen gekämpft haben, angegriffen wird und Spaltungen die Gesellschaft zerreißen.
Forbes präsentiert mit seinen Partnern Nathaniel Facey (Altsaxophon) und Tom Farner (Bass) ein Konglomerat aus Modern Jazz und Soundscapes, aus freier Improvisation und formalen Strukturen. „Like Lambs: To The Slaughter“ ist ein Album, das reif und anspruchsvoll klingt. Es beinhaltet die dreiteilige Suite „Like Lambs“, die Schlagzeuger Shaney Forbes schon 2022 als eigenständige EP veröffentlicht hat. Er setzt auf seine kognitiven Wahrnehmungen was die Zukunft westlicher Gesellschaftsmodelle betrifft, sowie daraus resultierenden wechselnden emotionale Befindlichkeiten. So entsteht ein meeresähnliches, kontinuierliches Pulsieren mit aufschäumenden Gichtkronen und tiefen Wellentälern. Akustische Schwingungen von unterschiedlicher Intensität, zu denen auch die beiden Gastmusiker Ivo Neame (Piano) und David Preston (Gitarre) beitragen. Diese Schwingungen vermitteln die Botschaft der Band, Hoffnung in Form gelebter wie kreativer Individualität als Alternative zu vermitteln.
Jörg Konrad

Empirical
„Like Lambs: To The Slaughter“
Whirlwind Records
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