Im Gegensatz zum fallenden Adler (Wega), der vom tödlichen Pfeil des Schützen (Sagittarius) getroffen wird, verfehlt das für das männliche Tier vorgesehene Geschoss sein Ziel und so steigt der Atair zum Himmelszenit empor. Jener fehlgeschossene Pfeil ist übrigens als Sternbild Pfeil (Sagitta) direkt oberhalb von Atair sichtbar.
Die Venus steht sehr tief im Südwesten, wobei sie gegen 22 Uhr der Sonne folgend nur bei freier Sicht noch auszumachen ist. Ähnlich verhält es sich mit dem Mars, wobei sich die Bedingungen des Auffindens am morgendlichen Osthimmel im Laufe des Monats verbessern. Saturn ist damit der einzige Planet, der in der zweiten Nachthälfte über längere Zeit sichtbar ist.
In den nächsten Wochen plant die NASA den Start eines weiteren Weltraumteleskops. Wenn alles nach Plan läuft, soll in den frühen Morgenstunden des 30. August das Nancy Grace Roman Space Telescope seinen Weg ins All finden. Große Erwartung knüpfen die Astronomen in die zukünftige Forschung mit dem High-Tech-Teleskop. Man hofft in der Zukunft Bilder zu generieren, die von ihrer Auflösung her 100-mal größer sind als die des Hubble Space Teleskops, das sich seit über 30 Jahren in der Erdumlaufbahn befindet.
Das neue Teleskop ist nach einer Forscherin benannt, die in den 60er Jahren als erste Frau an der Spitze der NASA-Astronomen stand und einst maßgeblich an der Entwicklung des nach Edwin P. Hubble benannten Teleskops beteiligt war, sodass sie scherzhaft auch als die Mutter des Hubble-Teleskops bezeichnet wird.
Das jetzt nach ihr benannte Teleskop soll für die Suche nach bisher unbekannten Exoplaneten genutzt werden, die vor allem ähnliche Entfernungen wie unsere Erde von ihrem Mutterstern haben und möglicherweise sogar eine Atmosphäre besitzen. Darüber hinaus hofft man auf bahnbrechende Ergebnisse bei den frühen Formen der Planetenbildung. Außerdem sollen mit der Hilfe der großflächigen Aufnahmen Hinweise auf noch ungeklärte Rätsel der Astronomie gelöst werden.
„Das Nancy G. Roman Teleskop wurde entwickelt, um zu verstehen, wie sich das Universum ausdehnt und wie sich diese Ausdehnung beschleunigt. Und dunkle Energie und Materie sind da die treibenden Kräfte“ sagte der NASA-Astrophysiker Jeremy Perkins dazu. „Das Teleskop wird sich mit völlig neuen, ehrgeizigen Fragestellungen befassen“, ergänzte Julie McEnery, leitende Wissenschaftlerin des Projekts. „Ich hoffe und gehe davon aus, dass die spannendsten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem Roman-Projekt genau die Dinge sein werden, mit denen wir nicht gerechnet haben“.
Doch zunächst zurück zur Entwicklungsgeschichte dieses Teleskops: Nach dem im Jahr 2010 bei der NASA der Fokus der Astronomischen Forschung für die nächsten Jahrzehnte festgelegt wurde, ergab sich die Priorität des Baus eines Weltraum-Spiegelteleskops mit dem Spiegel-Durchmesser von 1,3 m. Bald zeigte sich jedoch, dass dieser für die konzeptionelle Ausrichtung auf extrasolare Planeten zu klein geraten würde. Daher plante man ab 2012 mit einem 2,4 m Spiegel, der ungefähr die Größe wie der Hauptspiegel des Hubble-Weltraumteleskops hat, allerdings mit 186 Kilo nur ein Viertel der Masse seines Vorgängers aufweist und damit das erste einer neuen Generation von modernen Spiegelteleskopen sein würde. Basierend auf einer ultraleichten Glaskonstruktion, die gleichzeitig geringe Verformungen in der Kälte des Weltraums aufweisen würde, gelang der Firma Bell Aerospace nur zwei Jahre nach der 2016 erfolgten Beauftragung als offizielles NASA-Projekt die komplette Fertigstellung: Das Teleskop hatte alle erforderlichen Tests bestanden und wurde per Transportschlitten in den Reinraum des Goddard Space Flight Centers in Greenbelt, Maryland, verbracht und konnte dort für die Startkonfiguration vorbereitet werden.
Dass dabei alles nach Plan lief, ist in einem eindrucksvollen Teaser der NASA zu sehen: Neben den verschiedensten Rüttel- und Schütteltests und dem Polieren des Hauptspiegels musste das brandneue Teleskop auch die Torturen einer Kältekammer durchlaufen. All diese verschiedenen Härtetests simulieren die Verhältnisse während des Starts und der Phase der Adaptation an die Eiseskälte des Weltraums.
Man erkennt dabei auch die riesigen Solar-Paneele, die für die Energieproduktion verantwortlich sein werden. Ebenso sieht man auch den 54 cm großen Sekundärspiegel in seiner spinnenartigen Fangspiegelhalterung über der eigentlichen Öffnung des Teleskops. Außerdem wurde auch das Ausfahren des Sonnensegels geprobt, was für die spätere Abschattung des Hauptspiegels nach Ankunft am Einsatzort von größter Wichtigkeit sein wird.
Der eigentlich erst für Oktober 2026 vorgesehene Start soll nun bereits auf den 30. August vorgezogen werden. Mit einer Falcon Heavy Rakete wird dann das Teleskop zunächst in den Erdorbit transportiert werden, um dann nach der gezielten Zündung der eigenen Triebwerksstufe in den La Grange Punkt L2.
In unmittelbarer Nähe vom Punkt L2, welcher ja bereits das James Webb Space Telescope beheimatet, heben sich bekanntlich die Anziehungskräfte der Sonne und der Erde auf, sodass das Teleskop über sehr lange Zeit ohne große Probleme in die verschiedensten Richtungen des Himmels gedreht werden kann.
Bis dahin verbleibt das insgesamt 13 Meter hohe, 10,5 Tonnen schwere und letztendlich 3,5 Milliarden teure Teleskop im Hangar des Startzentrums, welches sich in unmittelbarer Nähe der Abschussrampe LC-39A des Kennedy Space Centers in Florida befindet.
Dass es überhaupt so weit gekommen ist, kann sich die regierende Trump-Administration nicht auf ihre Fahnen schreiben. In der ersten Amtsphase Trumps sollte das Projekt wegen steigender Kosten mehrfach eingestellt werden. Allerdings konnten die Anträge das Abgeordnetenhaus aufgrund fehlender Stimmenmehrheit nicht passieren. Während der Legislatur Joe Bidens wurde das Projekt dann zielstrebig vorangetrieben. Allerdings ist es nicht verwunderlich, dass gleich zu Beginn der zweiten Amtszeit von Trump das Projekt neuerlich auf den Prüfstand kam. Trump, der ja bekanntermaßen für seine eigenen, teilweise sinnfreien Projekte enorm viel Geld benötigt, wollte dem Roman-Teleskop gewissermaßen auf der Zielgraden noch 20 Prozent der Mittel entziehen lassen. Für den Fortbestand einer solchen wissenschaftlichen Mission in 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde ist es aber unerlässlich, dass die Mission Control genannte Flugsteuerung bis zum Jahr 2037 Tag und Nacht über alle Systeme wacht. Zum Glück versagten einige von Trumps Gefolgsleuten die Zustimmung. Somit kann dieses ambitionierte Projekt in wenigen Tagen starten und die astronomische Gemeinschaft kann sich auf eine Vielzahl einzigartiger Bilder freuen. Bleibt abzuwarten, wie Donald Trump nach dem hoffentlich erfolgreichen Start reagiert. Letztendlich könnte sich der mehrfache Blockierer des Teleskops als Befürworter des Projekts präsentieren. Zum Glück wurde der einstige Arbeitstitel WFIRST (Wide Field Infrared Survey Telescope) durch den Ehrentitel der verdienstvollen Astronomin Nancy Grace Roman ersetzt.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
Abbildung:
- Galaxis M 100Komposit von Christoph Ehritt aus110 RGB Aufnahmen a 600s aus dem Zeitraum 22.3. bis 11.4. und 44 Aufnahmen mit H alpha Filter a 600 s vom 21.4. bis 23.4.

























