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1. Fürstenfeld: Dance First - TANZSTUDIOS MADE IN FFB
2. Fürstenfeld: Theater 5 - Orestie von Simon Stone
3. Fürstenfeld: Luca Sestak Trio - Wanderer zwischen den Welten
4. Fürstenfeld: Dance First - Riva & Repele Company
5. Fürstenfeld: Sharon Eyal Dance - Der Raum zwischen den Körpern wird zur P...
6. Abdullah Ibrahim (gab. 9. Oktober 1934 in Kapstadt, gest. 15. Juni 2026 in...
Dienstag 07.07.2026
Fürstenfeld: Dance First - TANZSTUDIOS MADE IN FFB
Ballett Sinzinger | Tanzstudio Ammersee | Tanzstudio mosaico | Heimatgilde ,Die Brucker‘ | Tanzstudio Lorenzen & Ottinger | Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München
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Fotos: TJ Krebs
„Made in FFB“, der gemeinsame Tanzabend der regionalen Tanzgruppen beim DanceFirst-Festivals, genießt inzwischen Kultstatus. Heuer präsentieren sich hier Tanzensembles sowie Studenten*innen der Ballettakademie München.

Für das Tanzstudio Mosaico spiegelt sich in den Ausdrucksformen des Tanzes die Vielfalt des Lebens. Der Tanz verbindet Kulturen, ist ein mitreißendes Gemeinschaftserlebnis und fördert gleichzeitig die individuelle Kreativität. Die Mosaico-Tänzer*innen nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die reiche Welt des Tanzes. Zu erleben ist die Anmut des neoklassischen Tanzes, die Lebendigkeit des Jazzdance oder die Leidenschaft des Flamenco.

Ebenso vielseitig präsentiert sich das Tanzstudio Ammersee. Vom modernen Ballett über groovigen Jazzdance, akrobatischen Breakdance bis zum zeitgenössischen Tanz reicht dessen Programm. Ein besonderes Highlight verspricht das Stück „Colours of Life“ der Golden Age Tanzkompanie (Damen und Herren ab 55) zu werden.

Im Tanzstück „Voices in my Head“ widmet sich die Showtanzgruppe Young Revolution der Brucker Heimatgilde dem Innenleben heutiger Jugendlicher. Zwischen Druck, Zweifeln und großen Gefühlen wird ihr Tanz zu einer ausdrucksstarken Choreografie voller Dynamik. Mit Energie und Präsenz zeigen die jungen Tänzer*Innen, wie sich Gedanken und Gefühle in Bewegungen verwandeln, wie aus Unsicherheit Stärke wird.

Die Choreografie „Tanz der Erde“ des Ballett Sinzinger will die Kräfte und Erscheinungsformen der Natur in bewegte Bilder verwandeln. In den tänzerischen Szenen soll das Zusammenspiel von Erde, Feuer, Wasser und Luft, das Gegen- und Miteinander von Werden und Vergehen, von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lebendig werden. Diese Themen versprechen ein vielgestaltiges Tanzerlebnis, das an die Verantwortung für unsere Natur erinnern soll.

Auch das Tanzstudio Lorenzen & Ottinger widmet sich dem Thema „Natur“. Ihr Stück möchte zeigen, wie sich im Tanz organische Prozesse der Natur in fließende Bewegungen verwandeln, wie diese mit musikalischen Klängen verschmelzen, wie sich Individuum und Gemeinschaft ergänzen und so eine harmonische Gruppenchoreografie entsteht.

Als Gäste werden Studierende der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München Hans van Manens berühmtes Kinder-Ensemblestück „Unisono“ präsentieren.

Abbildungen:

- Ballett Akademie HTM
- Tanzstudio Ammersee
- Tanzstudio mosaico
- Tanzstudio Lorenzen & Ottinger
- Ballett-Sinzinger
- Brucker Heimatgilde
- Projekt David Russo
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Montag 06.07.2026
Fürstenfeld: Theater 5 - Orestie von Simon Stone
Puzzle aus der Antike
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Fotos: Theater 5
Acht Stunden bei der Theaterlegende Peter Stein in Berlin, sechs Stunden bei Andreas Kriegenburg in den Münchner Kammerspielen – die Orestie braucht viel Zeit. Das 2500 Jahre alte Theaterstück des Griechen Aischylos erzählt die Geschichte einer verfluchten Familie. Sie ist verdammt, zu morden, Opfer zu werden und wieder zu morden. Diese Geschichte von Terror und Gewalt hat der Schweizer-Australier Simon Stone – wie er es nennt - „überschrieben“: Die Story wird in die Jetzt-Zeit versetzt, sprachlich und ästhetisch. Drei Stunden (inclusive Pause) braucht dafür das Brucker Theater 5 in Fürstenfeld – es sind spannende, erkenntnisreiche und groteske Stunden, die mit einem unerwarteten Clou enden. Absolut sehenswert.
Die Orestie von Stone wurde vor gut zehn Jahren in Oberhausen uraufgeführt – schon damals kürzte der Dramatiker und Regisseur sein Stück. Das Theater 5 mit seinem Regisseur Thomas Koppelt verknappt nochmals um ein Drittel und fügt Bruchstücke von der Euripides-Fassung der Orestie hinzu. Sie sind dem altehrwürdigen Chor vorbehalten, der die moderne Story aus Mykene erzählt und begleitet. Die Handlung setzt mit der Rückkehr von Orest aus dem Exil ein, macht dann große Zeitsprünge vor und zurück, bringt wie in einem Puzzle die auf der Bühne stehenden Akteure und die Szenen zusammen. Es sind 13 Schauspielerinnen und Schauspieler, wobei einzelne DarstellerInnen mehrere Rollen übernehmen. Der Chor besteht aus fünf SchauspielerInnen, die auf einer weißen schmucklosen Bühne agieren, in der nur ein großer weißer Kubus steht – sonst nichts.
Noch nie hat das Theater 5 in so großer Besetzung gespielt – es ist eine gelungene Mammutleistung von Regisseur Thomas Koppelt, mit Unterstützung des Technikers Johannes Szeibert. Erzählt wird von hinten nach vorn, die Stone-Orestie endet also mit dem Beginn des Elends der Atriden-Familie, der (vermeintlichen) Opferung von Iphigenie, um die Winde gnädig zu stimmen für den Kriegszug nach Troja. In diesem Gewirr agieren acht DarstellerInnen und der akkurat und achtsam deklamierende Chor mit Andreas Beer, Emilia Giesler, Eva-Maria Gruber, Lotta Leibold und Trudel Meier-Staude.
Den Parforceritt durch all die Schicksalsschläge der Atriden garniert Stone mit teils belanglosen, teils sprachlich schwachen Geschichtchen am Rande der griechischen Mythologie: Da tritt ein Dienstmädchen, ein Hausmeister oder ein Wächter auf – Rollen, die Lena Sammüller (sie spielt u.a. auch die Kassandra) und Matthias Weber zwar routiniert meistern, die man aber auch drastisch hätte kürzen können. Ähnlich harmlos ist auch der Freund der Iphigenie, verkörpert von Finn Pulfer, der auch den Orest spielt – einen vergnügungssüchtigen Youngster, dem die Rolle des Rächers sichtlich nicht passt. Die Übeltäterin Klytämnestra (Eva Giesler) wandelt sich von einer somnambul Überforderten zu einer besorgten Mutter. Und noch ein Bösewicht: Aigistos (Christoph Leibold), der Liebhaber der Klytämnestra, gießt Hohn und Spott brillant auf die allgegenwärtige Dekadenz aus.
Bleiben Agamemnon, Iphigenie und Elektra aus der Brille von Stone: Der eigentlich skrupellose Krieger Agamemnon (Sascha Lachmann) nimmt liebevoll Abschied von seiner zarten Tochter Iphigenie (Hanna Erz), die unheilbar erkrankt ist. Und Iphigenies Schwester Elektra (Raphaela Baumgartner) stimmt eine berührende Todesklage an. Wer die auch sonst überragende Raphaela Baumgartner noch im Theater 5 erleben will, hat dazu im Juli mehrmals die Gelegenheit. Ab September tritt sie – wenn auch nur in Nebenrollen – in der „Dreigroschenoper“ im Münchner Residenztheater auf. Kaderschmiede Theater 5.
Ina Kuegler
P.S. Weitere Aufführungen der Orestie sind am 9. Juli sowie am 10., 18., 20., 23., 24. und 25. 7.
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Donnerstag 02.07.2026
Fürstenfeld: Luca Sestak Trio - Wanderer zwischen den Welten
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Fotos: TJ Krebs
Fürstenfeld. Der große amerikanische Pianist, Komponist und Dirigent André Previn sagte vor langer Zeit: „Ich hoffe, die klassische Musik und der Jazz werden sich recht bald an einem Ort treffen, wo sich beide wohlfühlen.
Was damals frommer Wunsch war, ist längst Realität. Klassisch ausgebildete Musiker improvisieren im Geiste des Jazz und Jazzmusiker sind sehr häufig in der Lage, Klassik streng zu interpretieren. Die Lager befruchten sich mittlerweile gegenseitig. Einer dieser Wanderer zwischen den Welten ist Luca Sestak. Der 1995 in Celle geborene Pianist war samt seinem Trio am Mittwochabend Gast der Reihe JazzFirst in Fürstenfeld und man kann getrost feststellen, dieser junge Instrumentalist fühlte sich nicht allein in Klassik und Jazz zu Hause. Er durchpflügte auch andere populäre Stilistiken. In seiner Musik steckte jede Menge Blues und Funk, Pop und klassische Moderne – nichts schien Sestak und seinen beiden Begleitern zu entfernt, als dass sie es nicht auf ihre ganz persönliche Art bearbeiteten.
In rasender Geschwindigkeit, manchmal einem 110 Meter Hürdenrennen nicht ganz unähnlich, ging es durch die geheiligten Kompositionen von Chopin, Sebelius und Familie Bach. Das Trio widmete sich dem Innenleben dieser großen Meister, folgten deren schöpferischem Strom, drosselten plötzlich die Tempi um mit Intellekt und Emotionen wie nebenher in Zeitraffer die Themen zu sezieren, oder, dem Ragtime nicht ganz unähnliche Zitate und Spielhaltungen einzustreuen. Manchmal klang diese universale Melange wie beseelter Varietézauber, manchmal nach grenzenloser Besessenheit. Eine schier ungezügelte Improvisationslust durchzog den gesamten Abend, die sämtliche akademischen Tabus unterliefen.
Sestag ist ein Allrounder, ein Vollblutmusikant und begnadeter Techniker, dessen Ideenlust jeden Rahmen sprengt. Er beherrscht die ausnotierte Literatur ebenso, wie eine von allen Zwängen befreite Virtuosität.
Und wie sich Michael Goldmann (Bass, Electronics) und Nicholas Stampf (Schlagzeug) mit dem ungestümen Klavier arrangieren ist beeindruckend. Sie begleiten in kraftvoller Rhythmik, schlagen an ihren Instrumenten zusätzlich Kapriolen, begleiten mit Drive und Eleganz. Natürlich ist in diesem Trio (fast) alles auf Luca Sestaks Rasanz und seiner dynamischen Anschlagtechnik ausgerichtet. Aber in dieser spektakulären Spielweise selbst nicht unterzugehen, sondern auch eigene Akzente zu setzen, dazu bedarf es schon besonderer Persönlichkeiten.
Und um auf den Anfang zurückzukommen: Man kann mit Nachdruck feststellen, dass das Trio sich sowohl in der Klassik als auch im Jazz zu Hause fühlen. Mehr noch, Luca Sestak, Michael Goldmann und Nicholas Stampf fühlen sich hörbar in beiden Stilistiken „wie zu Hause“. Ein furioser und eindrucksvoller Abschluss der JazzFirst Saison 2025/26, gespielt von einem Trio, das mit Sicherheit die Jazzszene in Zukunft enorm bereichern wird.
Jörg Konrad
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Mittwoch 01.07.2026
Fürstenfeld: Dance First - Riva & Repele Company
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Fotos: TJ Krebs
Tanzfestival Dance First
Riva & Repele Company - HORIZONS / DEAR SON

Sasha Riva und Simone Repele wurden an der Schule des legendären Hamburg-Balletts ausgebildet. 2020 gründeten die beiden Tänzer und Choreografen ihre eigene Kompanie, um ihre Vision von einem poetischen Tanztheater zu verwirklichen. Ihre einfühlsamen, virtuos getanzten Stücke erschaffen Figuren und Geschichten, die tiefe Gefühle und eine große Menschlichkeit in sich tragen.

„Horizons“ & „Dear Son“
Choreografie: Simone Repele und Sasha Riva
Fotos: TJ Krebs
(vom 30. Juni 2026, Tanzfestival Dance First 2026, Veranstaltungsforum Fürstenfeld)


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Foto: Vitali Akimov
Mittwoch 17.06.2026
Fürstenfeld: Sharon Eyal Dance - Der Raum zwischen den Körpern wird zur Projektionsfläche
Fürstenfeld. Fiebriger Rhythmus – immer auf die „Eins“. Kein Swing, kein Boogie, kein Gassenhauer. Techno bestimmt den Mittelteil des Tanzabends in Fürstenfeld. Zuvor erfüllten elektronisch verfremdete Walzer-Variationen im Dreivierteltakt den Stadtsaal, sakrale Anspielungen werden später von Industrielsplittern umzüngelt und transzendale Polyrhythmen kommunizieren mit verzerrten Stimmen aus der Vocoderbox. Es ist die Eröffnungsveranstaltung des diesjährigen, immerhin schon 5. Jahrgangs des DanceFirst-Festivals in Fürstenfeld. Den Abend bestreitet Sharon Eyal mit ihrer Companie und der sehr persönlichen Choreographie „Delay The Sadness“. Die Musik stammt von Josef Laimon, einem in Paris lebenden Komponisten, Produzenten und DJ.
Sharon Eyal, die 1971 in Israel geborene und heute in Frankreich lebende Starchoreographin, hat dieses vor zwei Jahren entstandene Stück ihrer Mutter gewidmet. Klar, dass es hier emotional hoch zugeht, zumal Sharon Eyal auch immer versucht, das Unterbewusste bewusst in ihre Arbeit einzubeziehen.
„Ich glaube an die Geschichte, die aus dem Inneren des Körpers kommt“, sagte sie vor einer Zeit in einem Interview. Aber man muss diese Geschichte(n) auch spüren, sich ihnen stellen und, wie im Fall von Sharon Eyal, sich ihnen körperbetont und risikobereit hingeben. Sie liebt die Extreme, sowohl die physischen und, vielleicht als Ausgangspunkt, erst recht die psychischen. Sie gibt sich bei der Entwicklung eines Stückes voll ihrem Körper und ihrer kognitiven Kreativität hin. So entstehen bei ihr Choreographien und so ist auch „Delay The Sadness“ entstanden.
Ihre acht Tänzer schreiten minutenlang anmutig durch die Welt, fliegen durch die Nacht, bewegen sich scheinbar schwerelos durch Raum und Zeit. Ihre Gesten drücken Schmerz und Hoffnung aus, Glück und Verderbnis, Hingabe und Ressentiments. Antonyme, die von Tanzpaaren in enganliegenden, hautfarbenen Anzügen auf der Bühne verkörpert werden. Gegensätze, die artistisch abstoßend oder schwerelos anziehend dargestellt werden. Der Raum zwischen den Körpern wird zur Projektionsfläche. Vier Paare, mal im Pas de Deux, mal als Gruppe, erforschen tanzend die Gefühlsbreite von Beziehungen und damit von Gesellschaften. Trippelschritte die Angst ausdrücken, weite Sprünge, die vor Selbstbewusstsein zu bersten scheinen. Im Leben liegt alles ganz nahe beieinander, die Bewegung und der Stillstand, die Tradition und die Moderne. Man geht auseinander und kommt wieder zusammen, aber immer mit Anmut. Immer verletzlich aber doch voller Stolz. Wie sagte anschließend jemand aus dem Publikum: Hypnose pur. Vielleicht ja auch ein wenig Therapie - in diesen unruhigen Zeiten.
Jörg Konrad
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Dienstag 16.06.2026
Abdullah Ibrahim (gab. 9. Oktober 1934 in Kapstadt, gest. 15. Juni 2026 in Deutschland)
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Fotos: TJ Krebs
Abdullah Ibrahim
„3“
Gearbox

„Ich betrachte mich selber nicht als Musiker - ich bin ein Pilot und fliege meine Passagiere in die dunkelsten Gegenden ihrer Seele, dorthin, wo sie normalerweise nicht hinzugehen wagen“, sagte Pianist Abdullah Ibrahim einmal über seine Kunst. Was mit diesem Statement deutlich wird: Der Südafrikaner fühlt sich als eine Art Poet, der sein Instrument nutzt, um eigene Emotionen und Befindlichkeiten, um Spiritualität und Bewusstsein, um Haltung und Überzeugung über die Grenzen der Musik hinaus zum Ausdruck zu bringen.
Dabei zeigt er sich als Traditionalist, als ein vom Jazz und der südafrikanischen Geschichte infizierter Instrumentalist, als ein freier Improvisator und überzeugter Volksmusiker. Und das was er spielt, egal ob mit südafrikanischen Sidemans, mit Stars der Jazzszene wie Elvin Jones, Don Cherry und Archie Shepp, oder als Solist, sind musikalische Erzählungen über Unterdrückung und Befreiungskämpfe, über Ungerechtigkeit und Auflehnung, über das Verhältnis von Trauer, Stolz und Leidenschaft. Dabei war Ibrahim immer ein ebenso überzeugender Komponist, wie auch überzeugter Improvisator. Er hat Stücke geschrieben, die in ihrer Allgemeingültigkeit Jahrzehnte überdauerten, er war in jungen Jahren ein begnadeter Begleiter von Gospelchören und er hat auf der Bühne oder im Studio adhoc über Kindermelodien bis hin zu avantgardistischen Tongemälden etliches improvisiert.
In diesem Jahr wird der in Kapstadt geborene Pianist 90 Jahre alt. Seine ersten Aufnahmen erschienen 1960, damals noch unter dem Namen Dollar Brand. Seitdem hat er weit mehr als 60 Alben veröffentlicht. Ein sehr großer Teil von ihnen wurde von seinem einstigen Hauslabel Enja Records in München betreut. Nun ist er schon eine Weile beim in London und Tokio ansässigen Label Gearbox.
„3“ ist das Ergebnis eines Auftritts vom Sommer 2023 in der ausverkauften Londoner Barbican Hall. Der erste Teil der Aufnahmen ist in den Nachmittagsstunden ohne Publikum direkt analog aufgenommen worden. Neben Ibrahim musizieren Cleave Guyton Jr. (Flöten, Saxophone) und die Cellistin und Bassistin Noah Jackson. Es sind ruhige, fast kontemplative Aufnahmen, die in einem ganz besonderem Licht strahlen und wie eine Klammer unterschiedliche Kulturen sehr friedvoll zusammenhalten. Die Musik klingt wie ein Resümee, eine Reflektion dessen, was Ibrahim im Laufe seines Lebens erlebt und gespielt hat. Magische Klangmomente, meilenweit entfernt von den Wirrnissen, Herausforderungen und dem Unfrieden weltpolitischer Auseinandersetzungen. Besonders wird dies in Ibrahims Interpretation des Duke Ellington-Klassikers „In A Sentimental Mood“ deutlich, der den Südafrikaner ein Leben lang begleitet.
Die musikalische Welt des Abudallh Ibrahim ist groß und weit. Er hat in seinem Spiel Gegensätze miteinander vereint, afrikanische und westliche Kulturen auf einen Jazz-Nenner gebracht, die Gemeinsamkeiten von sakralen und weltlichen Spieltraditionen gebündelt. „3“ ist ein Album, das dem Lebenswerk des großen Südafrikanischen Künstlers voll gerecht wird.
Jörg Konrad
(KultKomplott Januar 2024)
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Autor: Siehe Artikel
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