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7. Unterföhring: Das Internationale Feringa Jazzfestival im Rückblick
8. Fürstenfeld: Dance First - TANZSTUDIOS MADE IN FFB
9. Fürstenfeld: Theater 5 - Orestie von Simon Stone
10. Fürstenfeld: Luca Sestak Trio - Wanderer zwischen den Welten
11. Fürstenfeld: Dance First - Riva & Repele Company
12. Fürstenfeld: Sharon Eyal Dance - Der Raum zwischen den Körpern wird zur P...
Montag 20.07.2026
Unterföhring: Das Internationale Feringa Jazzfestival im Rückblick
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Fotos: TJ Krebs
Jede Menge los in München und Umgebung. Helene Fischer in der Allianz Arena, Sommerfestival im Olympiapark und das Endspiel der Fussball-Weltmeisterschaft … bei dem Programm des Internationalen Feringa Jazzfestival in Unterföhring gab es an diesem Wochenende für die Jazzfans keine Entscheidungsnöte. Der Jazz wurde gefeiert! Das Herrliche ist im Bürgerhaus Unterföhring vor allem das einladende Ambiente und die relaxte Atmosphäre.

Als Festivalopener gab sich dieses Jahr Kenny Garrett mit seinem Quintett die Ehre und veranstaltete ein Jazzfeuerwerk vom Feinsten. Seine Beats sind live, gespickt mit herrlich inspirierten Soli, im Gegensatz zu seinem aktuellen Albums „Sounds From The Ancestors“, durchaus eingängig und danceable, was sich gegen Ende seines Auftritts widerspiegelte. Der ausverkaufte Saal tanzte, gute Vibes überall. Die Band mit Percussion Legende Rudy Bird, Keith Brown, Jeremiah Edwards und Michael Ode, bestens eingespielt, waren so gut gelaunt, dass sie nach der Zugabe, nachdem nur noch eine Handvoll Zuschauer im Saal waren, kurzfristig noch eine Jam-Session auf der Bühne einlegten. That’s Jazz!

Am zweiten Abend dann die grandiose Vibraphonistin Sasha Berliner mit einem aufregenden Quintett: Pablo Held am Flügel, dem Saxophonisten Seamus Blake, Simon Jermyn am Bass und Schlagzeuger Anthony Fung. Sie schaffte es mühelos Legenden wie Bobby Hutcherson oder Gary Burton zu zitieren und dabei gleichzeitig unverwechselbar Sasha Berliner zu sein. Sie ist längst kein Rising Star mehr, vielmehr Mallet-Meisterin! Ihre musikalische Strahlkraft sorgte an dem Abend für komplexen Jazz mit Popanklängen, die sie mit treibenden Rhythmen, beseelten Improvisationen und gleichzeitig poetischen Momenten verband.

Cyrille Aimée ist eine Vokal-Institution für sich. Am vorletzten Abend präsentierte sie ihr aktuelles Programm „À Fleur de Peau“ und begeistere das Publikum. Aus Turner Laytons Ballade „After You’ve Gone“ machte sie kurzerhand eine Scat-Swing-Manouche Nummer die zündete. Ein Raunen ging durch die Menge bei "What A Difference A Day Made". Die Kraft der Liebe, so der Songtext, beschreibt wie ein einziger Tag ausreicht, um das Leben eines Menschen von Trauer und Einsamkeit in pures Glück und Romantik zu verwandeln. Gänsehaut pur dabei während des Solo von Gitarrist Michael Valeanu. Zum Schluss durfte als Zugabe natürlich ihre feinfühlige, rhythmisch geprägte Version von „La Vie En Rose“ nicht fehlen. Damit war der Abend perfekt.

Den Abschluss des Festivals bestritt der rumänische Kaval Spieler und Komponist Zhivko Vasilev. Ein spannender Abend, der die ZuhörerInnen in die Gefilde bulgarischer Folklore entführte. Seine musikalischen Wurzeln mündeten in einem ausgewogenen Sound aus Improvisation und zündenden Balkan-Grooves zusammen mit dem slowenischen Duo Harmelogic (Kris Korat am Piano und Schlagzeuger Damir Mazrek). Gegen Ende des Abends gesellte sich noch Rayna Vasileva dazu und verzauberte mit Ihrer einzigartigen Stimme, die mit traditionellen folkloristischen Elementen, rhythmisch betont, das dynamische Klangbild der Band abrundete.

Was hat das diesjährige Feringa Jazzfestival geprägt? Ein abwechslungsreiches Programm mit Headlinern, die das Publikum begeisterten und musikalisch abholten. Ein dankbares, interessiertes und konzentriertes Publikum, das die Abende entspannt genossen hat. So etwas funktioniert nur mit einem eingespielten Team. Sei es die Organisation im Hintergrund, das Booking ein spannendes Programm zusammen zu stellen und all die helfenden Kräfte und MitarbeiterInnen, angefangen von Bühnen- & Soundtechnikern, Vorverkauf, Garderobe & Einlasskräften. Alle waren mit guter Laune dabei und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Eine sehr persönliche, fast familiäre Atmosphäre mit guten Gesprächen und Begegnungen zeichnete das Festival auch dieses Jahr wieder aus. Nach diesen wunderbaren Abenden freuen wir uns auf ein spannendes Feringa Jazzfestival im nächsten Jahr.
Text & Fotos: Thomas J. Krebs
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Dienstag 07.07.2026
Fürstenfeld: Dance First - TANZSTUDIOS MADE IN FFB
Ballett Sinzinger | Tanzstudio Ammersee | Tanzstudio mosaico | Heimatgilde ,Die Brucker‘ | Tanzstudio Lorenzen & Ottinger | Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München
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Fotos: TJ Krebs
„Made in FFB“, der gemeinsame Tanzabend der regionalen Tanzgruppen beim DanceFirst-Festivals, genießt inzwischen Kultstatus. Heuer präsentieren sich hier Tanzensembles sowie Studenten*innen der Ballettakademie München.

Für das Tanzstudio Mosaico spiegelt sich in den Ausdrucksformen des Tanzes die Vielfalt des Lebens. Der Tanz verbindet Kulturen, ist ein mitreißendes Gemeinschaftserlebnis und fördert gleichzeitig die individuelle Kreativität. Die Mosaico-Tänzer*innen nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die reiche Welt des Tanzes. Zu erleben ist die Anmut des neoklassischen Tanzes, die Lebendigkeit des Jazzdance oder die Leidenschaft des Flamenco.

Ebenso vielseitig präsentiert sich das Tanzstudio Ammersee. Vom modernen Ballett über groovigen Jazzdance, akrobatischen Breakdance bis zum zeitgenössischen Tanz reicht dessen Programm. Ein besonderes Highlight verspricht das Stück „Colours of Life“ der Golden Age Tanzkompanie (Damen und Herren ab 55) zu werden.

Im Tanzstück „Voices in my Head“ widmet sich die Showtanzgruppe Young Revolution der Brucker Heimatgilde dem Innenleben heutiger Jugendlicher. Zwischen Druck, Zweifeln und großen Gefühlen wird ihr Tanz zu einer ausdrucksstarken Choreografie voller Dynamik. Mit Energie und Präsenz zeigen die jungen Tänzer*Innen, wie sich Gedanken und Gefühle in Bewegungen verwandeln, wie aus Unsicherheit Stärke wird.

Die Choreografie „Tanz der Erde“ des Ballett Sinzinger will die Kräfte und Erscheinungsformen der Natur in bewegte Bilder verwandeln. In den tänzerischen Szenen soll das Zusammenspiel von Erde, Feuer, Wasser und Luft, das Gegen- und Miteinander von Werden und Vergehen, von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lebendig werden. Diese Themen versprechen ein vielgestaltiges Tanzerlebnis, das an die Verantwortung für unsere Natur erinnern soll.

Auch das Tanzstudio Lorenzen & Ottinger widmet sich dem Thema „Natur“. Ihr Stück möchte zeigen, wie sich im Tanz organische Prozesse der Natur in fließende Bewegungen verwandeln, wie diese mit musikalischen Klängen verschmelzen, wie sich Individuum und Gemeinschaft ergänzen und so eine harmonische Gruppenchoreografie entsteht.

Als Gäste werden Studierende der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München Hans van Manens berühmtes Kinder-Ensemblestück „Unisono“ präsentieren.

Abbildungen:

- Ballett Akademie HTM
- Tanzstudio Ammersee
- Tanzstudio mosaico
- Tanzstudio Lorenzen & Ottinger
- Ballett-Sinzinger
- Brucker Heimatgilde
- Projekt David Russo
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Autor: Siehe Artikel
Montag 06.07.2026
Fürstenfeld: Theater 5 - Orestie von Simon Stone
Puzzle aus der Antike
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Fotos: Theater 5
Acht Stunden bei der Theaterlegende Peter Stein in Berlin, sechs Stunden bei Andreas Kriegenburg in den Münchner Kammerspielen – die Orestie braucht viel Zeit. Das 2500 Jahre alte Theaterstück des Griechen Aischylos erzählt die Geschichte einer verfluchten Familie. Sie ist verdammt, zu morden, Opfer zu werden und wieder zu morden. Diese Geschichte von Terror und Gewalt hat der Schweizer-Australier Simon Stone – wie er es nennt - „überschrieben“: Die Story wird in die Jetzt-Zeit versetzt, sprachlich und ästhetisch. Drei Stunden (inclusive Pause) braucht dafür das Brucker Theater 5 in Fürstenfeld – es sind spannende, erkenntnisreiche und groteske Stunden, die mit einem unerwarteten Clou enden. Absolut sehenswert.
Die Orestie von Stone wurde vor gut zehn Jahren in Oberhausen uraufgeführt – schon damals kürzte der Dramatiker und Regisseur sein Stück. Das Theater 5 mit seinem Regisseur Thomas Koppelt verknappt nochmals um ein Drittel und fügt Bruchstücke von der Euripides-Fassung der Orestie hinzu. Sie sind dem altehrwürdigen Chor vorbehalten, der die moderne Story aus Mykene erzählt und begleitet. Die Handlung setzt mit der Rückkehr von Orest aus dem Exil ein, macht dann große Zeitsprünge vor und zurück, bringt wie in einem Puzzle die auf der Bühne stehenden Akteure und die Szenen zusammen. Es sind 13 Schauspielerinnen und Schauspieler, wobei einzelne DarstellerInnen mehrere Rollen übernehmen. Der Chor besteht aus fünf SchauspielerInnen, die auf einer weißen schmucklosen Bühne agieren, in der nur ein großer weißer Kubus steht – sonst nichts.
Noch nie hat das Theater 5 in so großer Besetzung gespielt – es ist eine gelungene Mammutleistung von Regisseur Thomas Koppelt, mit Unterstützung des Technikers Johannes Szeibert. Erzählt wird von hinten nach vorn, die Stone-Orestie endet also mit dem Beginn des Elends der Atriden-Familie, der (vermeintlichen) Opferung von Iphigenie, um die Winde gnädig zu stimmen für den Kriegszug nach Troja. In diesem Gewirr agieren acht DarstellerInnen und der akkurat und achtsam deklamierende Chor mit Andreas Beer, Emilia Giesler, Eva-Maria Gruber, Lotta Leibold und Trudel Meier-Staude.
Den Parforceritt durch all die Schicksalsschläge der Atriden garniert Stone mit teils belanglosen, teils sprachlich schwachen Geschichtchen am Rande der griechischen Mythologie: Da tritt ein Dienstmädchen, ein Hausmeister oder ein Wächter auf – Rollen, die Lena Sammüller (sie spielt u.a. auch die Kassandra) und Matthias Weber zwar routiniert meistern, die man aber auch drastisch hätte kürzen können. Ähnlich harmlos ist auch der Freund der Iphigenie, verkörpert von Finn Pulfer, der auch den Orest spielt – einen vergnügungssüchtigen Youngster, dem die Rolle des Rächers sichtlich nicht passt. Die Übeltäterin Klytämnestra (Eva Giesler) wandelt sich von einer somnambul Überforderten zu einer besorgten Mutter. Und noch ein Bösewicht: Aigistos (Christoph Leibold), der Liebhaber der Klytämnestra, gießt Hohn und Spott brillant auf die allgegenwärtige Dekadenz aus.
Bleiben Agamemnon, Iphigenie und Elektra aus der Brille von Stone: Der eigentlich skrupellose Krieger Agamemnon (Sascha Lachmann) nimmt liebevoll Abschied von seiner zarten Tochter Iphigenie (Hanna Erz), die unheilbar erkrankt ist. Und Iphigenies Schwester Elektra (Raphaela Baumgartner) stimmt eine berührende Todesklage an. Wer die auch sonst überragende Raphaela Baumgartner noch im Theater 5 erleben will, hat dazu im Juli mehrmals die Gelegenheit. Ab September tritt sie – wenn auch nur in Nebenrollen – in der „Dreigroschenoper“ im Münchner Residenztheater auf. Kaderschmiede Theater 5.
Ina Kuegler
P.S. Weitere Aufführungen der Orestie sind am 9. Juli sowie am 10., 18., 20., 23., 24. und 25. 7.
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Donnerstag 02.07.2026
Fürstenfeld: Luca Sestak Trio - Wanderer zwischen den Welten
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Fotos: TJ Krebs
Fürstenfeld. Der große amerikanische Pianist, Komponist und Dirigent André Previn sagte vor langer Zeit: „Ich hoffe, die klassische Musik und der Jazz werden sich recht bald an einem Ort treffen, wo sich beide wohlfühlen.
Was damals frommer Wunsch war, ist längst Realität. Klassisch ausgebildete Musiker improvisieren im Geiste des Jazz und Jazzmusiker sind sehr häufig in der Lage, Klassik streng zu interpretieren. Die Lager befruchten sich mittlerweile gegenseitig. Einer dieser Wanderer zwischen den Welten ist Luca Sestak. Der 1995 in Celle geborene Pianist war samt seinem Trio am Mittwochabend Gast der Reihe JazzFirst in Fürstenfeld und man kann getrost feststellen, dieser junge Instrumentalist fühlte sich nicht allein in Klassik und Jazz zu Hause. Er durchpflügte auch andere populäre Stilistiken. In seiner Musik steckte jede Menge Blues und Funk, Pop und klassische Moderne – nichts schien Sestak und seinen beiden Begleitern zu entfernt, als dass sie es nicht auf ihre ganz persönliche Art bearbeiteten.
In rasender Geschwindigkeit, manchmal einem 110 Meter Hürdenrennen nicht ganz unähnlich, ging es durch die geheiligten Kompositionen von Chopin, Sebelius und Familie Bach. Das Trio widmete sich dem Innenleben dieser großen Meister, folgten deren schöpferischem Strom, drosselten plötzlich die Tempi um mit Intellekt und Emotionen wie nebenher in Zeitraffer die Themen zu sezieren, oder, dem Ragtime nicht ganz unähnliche Zitate und Spielhaltungen einzustreuen. Manchmal klang diese universale Melange wie beseelter Varietézauber, manchmal nach grenzenloser Besessenheit. Eine schier ungezügelte Improvisationslust durchzog den gesamten Abend, die sämtliche akademischen Tabus unterliefen.
Sestag ist ein Allrounder, ein Vollblutmusikant und begnadeter Techniker, dessen Ideenlust jeden Rahmen sprengt. Er beherrscht die ausnotierte Literatur ebenso, wie eine von allen Zwängen befreite Virtuosität.
Und wie sich Michael Goldmann (Bass, Electronics) und Nicholas Stampf (Schlagzeug) mit dem ungestümen Klavier arrangieren ist beeindruckend. Sie begleiten in kraftvoller Rhythmik, schlagen an ihren Instrumenten zusätzlich Kapriolen, begleiten mit Drive und Eleganz. Natürlich ist in diesem Trio (fast) alles auf Luca Sestaks Rasanz und seiner dynamischen Anschlagtechnik ausgerichtet. Aber in dieser spektakulären Spielweise selbst nicht unterzugehen, sondern auch eigene Akzente zu setzen, dazu bedarf es schon besonderer Persönlichkeiten.
Und um auf den Anfang zurückzukommen: Man kann mit Nachdruck feststellen, dass das Trio sich sowohl in der Klassik als auch im Jazz zu Hause fühlen. Mehr noch, Luca Sestak, Michael Goldmann und Nicholas Stampf fühlen sich hörbar in beiden Stilistiken „wie zu Hause“. Ein furioser und eindrucksvoller Abschluss der JazzFirst Saison 2025/26, gespielt von einem Trio, das mit Sicherheit die Jazzszene in Zukunft enorm bereichern wird.
Jörg Konrad
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Mittwoch 01.07.2026
Fürstenfeld: Dance First - Riva & Repele Company
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Fotos: TJ Krebs
Tanzfestival Dance First
Riva & Repele Company - HORIZONS / DEAR SON

Sasha Riva und Simone Repele wurden an der Schule des legendären Hamburg-Balletts ausgebildet. 2020 gründeten die beiden Tänzer und Choreografen ihre eigene Kompanie, um ihre Vision von einem poetischen Tanztheater zu verwirklichen. Ihre einfühlsamen, virtuos getanzten Stücke erschaffen Figuren und Geschichten, die tiefe Gefühle und eine große Menschlichkeit in sich tragen.

„Horizons“ & „Dear Son“
Choreografie: Simone Repele und Sasha Riva
Fotos: TJ Krebs
(vom 30. Juni 2026, Tanzfestival Dance First 2026, Veranstaltungsforum Fürstenfeld)


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Foto: Vitali Akimov
Mittwoch 17.06.2026
Fürstenfeld: Sharon Eyal Dance - Der Raum zwischen den Körpern wird zur Projektionsfläche
Fürstenfeld. Fiebriger Rhythmus – immer auf die „Eins“. Kein Swing, kein Boogie, kein Gassenhauer. Techno bestimmt den Mittelteil des Tanzabends in Fürstenfeld. Zuvor erfüllten elektronisch verfremdete Walzer-Variationen im Dreivierteltakt den Stadtsaal, sakrale Anspielungen werden später von Industrielsplittern umzüngelt und transzendale Polyrhythmen kommunizieren mit verzerrten Stimmen aus der Vocoderbox. Es ist die Eröffnungsveranstaltung des diesjährigen, immerhin schon 5. Jahrgangs des DanceFirst-Festivals in Fürstenfeld. Den Abend bestreitet Sharon Eyal mit ihrer Companie und der sehr persönlichen Choreographie „Delay The Sadness“. Die Musik stammt von Josef Laimon, einem in Paris lebenden Komponisten, Produzenten und DJ.
Sharon Eyal, die 1971 in Israel geborene und heute in Frankreich lebende Starchoreographin, hat dieses vor zwei Jahren entstandene Stück ihrer Mutter gewidmet. Klar, dass es hier emotional hoch zugeht, zumal Sharon Eyal auch immer versucht, das Unterbewusste bewusst in ihre Arbeit einzubeziehen.
„Ich glaube an die Geschichte, die aus dem Inneren des Körpers kommt“, sagte sie vor einer Zeit in einem Interview. Aber man muss diese Geschichte(n) auch spüren, sich ihnen stellen und, wie im Fall von Sharon Eyal, sich ihnen körperbetont und risikobereit hingeben. Sie liebt die Extreme, sowohl die physischen und, vielleicht als Ausgangspunkt, erst recht die psychischen. Sie gibt sich bei der Entwicklung eines Stückes voll ihrem Körper und ihrer kognitiven Kreativität hin. So entstehen bei ihr Choreographien und so ist auch „Delay The Sadness“ entstanden.
Ihre acht Tänzer schreiten minutenlang anmutig durch die Welt, fliegen durch die Nacht, bewegen sich scheinbar schwerelos durch Raum und Zeit. Ihre Gesten drücken Schmerz und Hoffnung aus, Glück und Verderbnis, Hingabe und Ressentiments. Antonyme, die von Tanzpaaren in enganliegenden, hautfarbenen Anzügen auf der Bühne verkörpert werden. Gegensätze, die artistisch abstoßend oder schwerelos anziehend dargestellt werden. Der Raum zwischen den Körpern wird zur Projektionsfläche. Vier Paare, mal im Pas de Deux, mal als Gruppe, erforschen tanzend die Gefühlsbreite von Beziehungen und damit von Gesellschaften. Trippelschritte die Angst ausdrücken, weite Sprünge, die vor Selbstbewusstsein zu bersten scheinen. Im Leben liegt alles ganz nahe beieinander, die Bewegung und der Stillstand, die Tradition und die Moderne. Man geht auseinander und kommt wieder zusammen, aber immer mit Anmut. Immer verletzlich aber doch voller Stolz. Wie sagte anschließend jemand aus dem Publikum: Hypnose pur. Vielleicht ja auch ein wenig Therapie - in diesen unruhigen Zeiten.
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
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