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1. Yves Klein „Ein Sprung in die Leere, 1960“
2. Jan Prax „Traces Of Light“
3. Phoenix Love „And All I Have To Give“
4. Historisches in Jazz, Rock & Blues (13): Mick Goodrick „In Pas(s)ing“
5. SML „Spontaneous Music Live“
6. Ella Fitzgerald „Live At Falkoner Theatre Copenhagen 6th February 1966“
Bilder
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Mittwoch 19.08.2026
Yves Klein „Ein Sprung in die Leere, 1960“
Yves Klein beschäftigte sich während seines leider nur sehr kurzen Lebens ausschließlich mit Farben und mit Judo. Als Sohn eines Künstlerehepaares 1928 in Nizza geboren, der Vater war Maler und Kunsthändler, die Mutter eine erfolgreiche abstrakte Malerin, wuchs er bei seiner Tante Rose Marie Raymond auf. Klein beschäftigte sich früh sehr intensiv mit Farben und pflegte engen Kontakt zu den Malern Hans Hartung und Nicolas de Staël. Als Künstler war Yves Klein Autodidakt. Ihm war die psychologische Wirkung und die Bedeutung einzelner Farben wichtig und er führte diese charismatische Auseinandersetzung soweit, dass er Farbe nicht als Bildmittel einsetzte, sondern Farbe als eigenständiges Bild empfand. Nach einer Italienreise 1949 begann Klein erste monochrome Bilder zu malen, die er sich etwas später als sogenanntes monochromes Ultramarinblau vom französischen Patentamt INPI patentieren lies.
Nach dem 2. Weltkrieg begann sich Yves Klein zudem intensiv mit dem Kampfsport Judo zu beschäftigen. Hier schätzte er speziell die Gleichwertigkeit von Körper und Geist, nicht zuletzt durch seine Zen-buddhistischen Studien. Die persönliche (auch künstlerische) Auseinandersetzung mit der Schwerkraft spielte hierbei eine immense Rolle, die letztendlich in der Kunst des Fallens gipfelte. Yves Klein war zudem der Erste Nicht-Japaner, der 1954 am renommierten Kodokan Judo Institute in Tokio den vierten Schwarzgurt erhielt.
In diesem Zusammenhang ist das Bild „Der Sprung in die Leere“, inszeniert vom Photographenduo Harry Shunk und János Kender, entstanden. Es zeigt Yves Klein beim Absprung vom Dach eines Vororthauses von Paris. Entgegen der Schwerkraft vermittelt es den Eindruck, der Künstler könne fliegen, bewege sich in einem schwerelosen Raum.
Dieses Bild steht im Mittelpunkt der mittlerweile 8. Buchveröffentlichung aus der Reihe „Ein Bild und seine Geschichte“ des Schirmer/Mosel-Verlages.
Der in New York lebende deutsche Kunsthistoriker Klaus Ottmann erzählt in dem Band die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte dieses faszinierenden Bildes, das mit zu den bedeutendsten Fotografien des 20. Jahrhunderts gehört.
Jörg Konrad

Ein Bild und seine Geschichte
Yves Klein
„Ein Sprung in die Leere, 1960“
Schirmer/Mosel

Abbildungen:

- Yves Klein / Shunk-Kender: Der Sprung
in die Leere, 3 rue Gentil Bernard,
Fontenay-aux-Roses, 19. Oktober 1960

- Yves Klein mit einem Judo-Partner,
Paris, ca. 1955. Foto: Miltos Toscas
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Dienstag 18.08.2026
Jan Prax „Traces Of Light“
Bilder
Die Liste an Musikern, mit denen Jan Prax zusammenarbeitete, liest sich wie ein Who's Who der Spitzenjazzszene: Randy Brecker, Gene Lake, Kurt Rosenwinkel, Klaus Doldinger, Chris Coleman, Alex Blake u.v.a. Schon vor knapp eineinhalb Jahrzehnten gewann er den Zukunftspreis der Leverkusener Jazztage und für sein Debütalbum „Keepin' a Style Alive“ von 2015 wurde er für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert.
Sein neues Album „Traces Of Light“ steht all den Vorgängern in nichts nach. Im Gegenteil! Dem aus einer deutsch-polnischen Familie stammenden Alt- und Sopransaxophonisten gelingt hier ein wirkliches Meisterstück. Mit einer gewissen Frische und Unbedarftheit trifft Prax in allen neun Eigenkompositionen stets den richtigen Ton. In seinen kraftvollen Linien, seinen abwechslungsreichen und dramaturgisch fein ausgearbeiteten Solis erinnert er immer ein wenig an die Solo-Alben von David Sanborn. Dieser gnadenlose und leidenschaftliche Post Bob schafft in seiner Luftigkeit eine wunderbar herausfordernde Atmosphäre. Unterstützt wird Jan Prax auf diesem Album von den grandios agierenden Carl-Henry Morisset (Klavier), Riccardo Del Frau (Bass) und Zhitong Xu (Schlagzeug). Gemeinsam bestechen sie mit einer enormen Wachheit und einem pulsierenden und subtilen Groove. „Traces Of Light“ ist ein großartiges Album, energiegeladen und voller Tatendurst.
Jörg Konrad

Jan Prax
„Traces Of Light“
Double Moon
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Mittwoch 12.08.2026
Phoenix Love „And All I Have To Give“
Bilder
Die Berliner Szene scheint unerschöpflich. Dora Osterloh, Sängerin und Komponistin aus dem Kölner Raum, ist seit über zehn Jahren feste Größe im Jazzgeschehen der Hauptstadt. Es ist nicht ganz leicht, sich in diesem dynamischen Melting Pot auch individuell durchzusetzen. So hat es eine Weile gedauert, bis sie ihr Debüt „And All I Have To Give“ mit eigener Band und eigenem Material um- und durchsetzen konnte. Doch das Ergebnis lässt aufhören und gibt ihrem Engagement recht. „And All I Have To Give“ ist ein Album voller Raffinesse und mit Anspruch. Im Mittelpunkt steht Doras Stimme in Zusammenklang mit einer rigorosen Band, die sämtliche Jazzspielarten beherrscht. Gemeinsam loten sie die unterschiedlichsten Ansätze und Befindlichkeiten aus. Mal klingen sie nach Wohlklang und Harmonie, dann wieder groovt und rockt das Quintett, als ginge es um ihr Leben. Mal beeindrucken, die klaren, wie transparenten Strukturen der Musik, dann wieder sind es freie Improvisationen, die mutig und provokant Grenzen sprengen. Standards gibt es nicht, dafür ist speziell Dora Osterloh zu selbstbewusst und randvoll mit eigenen Ideen. Sie gibt höchstens einigen Mitgliedern ihrer Band die Möglichkeit, kompositorisch (oder improvisatorisch) Einfluss zu nehmen. Manchmal scharfkantig und dissonant, dann wieder zart und verführerisch. Ein breite Palette an Stimmungen und mit jeder Menge Energie.
Jörg Konrad

Phoenix Love
„And All I Have To Give“
Boomslang Records
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Dienstag 11.08.2026
Historisches in Jazz, Rock & Blues (13): Mick Goodrick „In Pas(s)ing“
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Jazz als Kunstform, die jedes Verlangen sofort befriedigt? Mit Sicherheit eher nicht. Denn sowohl was die Entstehung dieser Musik betrifft, als auch deren Rezeption – immer spielt die bewusste Hinwendung, die direkte Auseinandersetzung eine entscheidende Rolle. Einen schriftlichen Ratgeber diesbezüglich gibt es (natürlich) nicht, wird es so schnell auch nicht geben. Höchstens das Abwägen, das Abgleichen mit Erfahrungswerten aus dem eigenen gespielten oder gehörten Fundus.
Das „neue“ „alte“ Album „In Pa(s)sing“ von Mick Goodrick schlägt hier eine passende Brücke. Erstmals erschienen 1978 und schon damals qualitativ überzeugend, hat sich ECM entschlossen, diese bemerkenswerte Aufnahme in seiner Luminessence-Vinyl-Edition erneut und technisch aufpoliert wieder zu veröffentlichen. Fazit: Diese Musik hält allen hohen Ansprüchen auch knapp 50 Jahre nach ihrer Entstehung locker stand. Somit ein zeitloses Zeugnis taufrischer Musik, obwohl sich seitdem die gesellschaftlichen Spielregeln um uns herum enorm gewandelt haben.
Erst vor wenigen Wochen haben wir an dieser Stelle und in gleicher Reihe auf die Wiederveröffentlichung einer Aufnahme des Gitarristen Bill Connors aus den 1970er Jahren verwiesen. Connors gehörte, wie damals beschrieben, zu einem Dutzend junger, aufstrebender Saitenkünstler, die von ECM entdeckt und kontinuierlich gefördert wurden. Und auch hier fällt sofort die Zeitlosigkeit auf, die auch „Of Mist And Melting“ ausstrahlt. Teamwork statt Konkurrenzkampf, Individualität statt Egoismen.
Goodrick, der drei Jahre zuvor neben Pat Metheny zweiter Gitarrist in Gary Burtons Band war, hat sich für seine Debüt-Einspielung gemeinsam mit Manfred Eicher für ein Quartett entschieden, zu dem der Engländer John Surman (Soprano Saxophone, Baritone Saxophone, Bass Clarinet), der Puerto Ricaner Eddie Gomez und der Amerikaner Jack DeJohnette (Schlagzeug) gehören. Alle vier kennen sich von zuvor realisierten unterschiedlichen Projekten und finden in diese Aufnahme auf beinahe traumwandlerische Art zueinander. Sie bringen die Musik zum Pulsieren, lassen sie atmen und nehmen ihr doch niemals die Spannungsbögen. Die Vier lassen flüchtige Motive entstehen, setzen auf die integrative Kraft des Jazz und präsentieren so ein Jazzerleben der besonderen Art.
Goodrick arbeitete bis kurz vor seinem Tod 2022 als Mentor in Berklee und am New England Conservatory of Music (NEC) in Boston, Massachusetts. Seine zurückhaltende, aber letztendlich bestimmte Art faszinierte Schüler und Mitmusiker. Fred Hersch nannte ihn einmal einen Gitarrenflüsterer, was zeigt, wie sehr er sich zugunsten der Musik insgesamt zurück zu halten verstand.
Es sind lebendige, warme Geschichten, die das Quartett musikalisch erzählt, mit folkloristischen Anspielungen, modernen Strukturen, unerwarteten Wendungen und nach melodischen Prinzipien. Diese strukturierte Freiheit lebt zudem von einer farbigen, auffrischenden Poesie. So melancholisch klingt der Nachsommer – egal welche Temperaturen wir derzeit haben.
Jörg Konrad

Mick Goodrick
„In Pas(s)ing“
ECM Records
LP from the "Luminessence" Series
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Freitag 07.08.2026
SML „Spontaneous Music Live“
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Man kann sie als die Speerspitze der zeitgenössischen L.A.-Musikszene bezeichnen. Sowohl was ihre Herangehensweise an Musik als auch ihren akustisch/elektronischen Inhalt betreffen. Musik entsteht bei SML (Small Medium Large) auf der Grundlage von langen, ritualen Live-Improvisationen. Anschließend bearbeitet das Quintett das Material im Studio, bringt es im zweiten Schritt sozusagen in eine kompositorische Form. Bei folgenden Live-Auftritten nutzt die Formation diese recycelten Ergebnisse für neue Klangabenteuer, für aufregende rhythmische Expeditionen und sich ständig wiederholende und leicht variierte Motive, die sie wiederum zu völlig neuen Ergebnissen führt.
Dieser dynamische Prozess ständiger Erneuerung klingt wie ein postmodernes Gebräu aus zeitlosen Tongebilden mit ekstatischer Wirkung. Spröde als auch bodenständig wirkt die Musik, abstrakt, chaotisch und doch wieder eingängig und beinahe vertraut. Ein hypnotischer Groove verbindet all die kleinen und größeren Klang- Accessoires. Mal klingt die Band nach einem Jazz-Quintett, mal nach einer Prog-Rock-Formation. Hier finden unterschiedlichste Elemente und Individuen auf hohem handwerklichen Niveau zusammen. Musik, die in die Zukunft weist und doch eindeutig das Produkt der Gegenwart ist.
Mit dieser brillanten, austarierten Spontanität begeistern und beeinflussen Anna Butterss, Jeremiah Chiu, Josh Johnson, Booker Stardrum und Gregory Uhlmann natürlich auch andere Musiker. So hat der Bassist der Red Hot Chilly Peppers Flea beinahe die komplette SML-Band für sein Jazz-Debüt „Honora“ engagiert und hat so vielleicht seit „Freaky Styley“ der Peppers von 1985 das zweitbeste Album seiner Karriere veröffentlicht.
Jörg Konrad

SML
„Spontaneous Music Live“
International Anthem
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Donnerstag 06.08.2026
Ella Fitzgerald „Live At Falkoner Theatre Copenhagen 6th February 1966“
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Sie ist und bleibt im Jazzgesang das Maß aller Dinge: Ella Fitzgerald. Geboren am 25. April 1917 in Newport News, Virginia, gestorben 79jährig 1996 in Beverly Hills, Kalifornien an Diabetes. Sie tourte ihr Leben lang quer durch die Kontinente, stand in unzähligen Studios und hat mit allen großen Instrumentalisten jener Zeit gespielt. Und so wundert es nicht, dass heute immer wieder bisher unveröffentlichte Mitschnitte technisch aufpoliert auf den Markt streben. Jetzt also eine Aufnahme von 1966 aus Kopenhagen, von der man glaubte, sie sei längst verschollen.
Das Repertoire beinhaltet all die großen Hits, die Swingklassiker, die die First Lady des Jazz berühmt machten: Duke Ellingtons und Billy Strayhorns „Satin Doll“, „Sweet Georgia Brown“, „Lover Man“ und natürlich die Weill/Brecht-Nummer „Mack The Knife“. Und auch wenn die Titelliste für alle Ella-Kenner nicht viel neues bietet – ihre Interpretation an diesem Abend sind einfach umwerfend. Mit einer Leichtigkeit und Power widmet sie sich den Songs, wird dabei grandios von der Horn-Section des Duke Ellington-Orchestras sowie dem Jimmy Jones Trio unterstützt.
Alles geht der Sängerin leicht von der Hand, sie scattet in „How High The Moon“ überwältigend (baut „A Hard Days Night“ von den Beatles mit ein), ihre Dynamik und Dramaturgie der Songs ist energiegeladen, ihre Rhythmusgefühl souverän – Swing At His Best!!!
Wer Ella Fitzgerald lange nicht (oder überhaupt noch nicht?) gehört haben sollte: „Live At Falkoner Theatre Copenhagen 6th February 1966“ ist der ideale Einstieg oder die grandiose Rückversicherung. Eine zeitlos jung gebliebene Stimme, voller Esprit und Leidenschaft.
Jörg Konrad

Ella Fitzgerald
„Live At Falkoner Theatre Copenhagen 6th February 1966“
Gaerbox
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Autor: Siehe Artikel
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