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7. Kaja Draksler Punkt. Vrt. Plastik „Kompress“
8. Stefon Harris & Blackout „Legacy Dances“
9. Esther Kaiser „Breathing“
10. Sullivan Fortner „Leave That In There“
11. Ayumi Tanaka / Thomas Morgan / Thomas Stronen „Windflower“
12. Irène Schweizer „Prelude To A Kiss And More“
Mittwoch 02.09.2026
Kaja Draksler Punkt. Vrt. Plastik „Kompress“
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Kaja Draksler sagt von sich, dass sie, speziell was die Musik betrifft, eher intuitiv vorgeht. Sie hat und zeigt auf jeden Fall das richtige Gespür. Denn gelernt hat sie von den ganz großen des Jazz. So studierte sie am Prins Claus Konservatorium in Groningen Jazz und schrieb ihre Abschlussarbeit über keinen geringeren als Cecil Taylor. Während eines Aufenthaltes in New York lernte sie Jason Moran und Vijay Iyer kennen, die beide eine Art Mentor für sie waren. Mittlerweile nimmt die aus einem kleinen slowenischen Dorf stammende Pianistin für die großen, innovativen europäischen Label auf, wie Clean Feed aus Portugal, oder das Schweizer Intakt Label. Hier ist jetzt das vierte Album ihres Trios Punkt vrt. Plastik erschienen, in welchem sie mit dem dänischen Bassisten Petter Eldh und dem deutschen Schlagzeuger Christian Lillinger Neue Musik, improvisierte Musik, Folklore-Bruchstücke und straighten Jazz spielen. Die drei kann man über die Jahre getrost als eine eingeschworene Truppe bezeichnen. Sie wissen um das Können und die Reaktion ihrer Partner, sie sind zudem mutig und voller Entschlußkraft, was das Abenteuer Musik betrifft.
Kompress“, eingespielt im Januar 2025 in Berlin, lebt von spontanen Richtungswechseln, von tiefgründigem Spielwitz und den girlandenartigen Verbindungen der einzelnen Ideen untereinander. Und dann ist da wieder diese Explosivkraft („Vrt“), deren Thema im Laufe des Spiels verloren zu gehen scheint, bzw. sich eine eine völlig neue musikalische Landschaft zu verändern scheint. Hier werden aus den akustischen Instrumenten fast elektronische Klänge herausgeholt, es werden Brücken gebaut, die ganz plötzlich in sich zusammenstürzen. Das Risiko ist nicht kalkuliert, es ist spürbar anwesend und Teil des gemeinsamen Musizierens. Alles in allem bewusste wie emanzipierte Entscheidungen, entstanden in einem radikal demokratischen Kontext.
Jörg Konrad

Kaja Draksler Punkt. Vrt. Plastik
„Kompress“
Intakt Records
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Montag 31.08.2026
Stefon Harris & Blackout „Legacy Dances“
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Legacy Dances“ ist mit Sicherheit das persönlichste Album des New Yorker Vibraphonisten Stefon Harris. Denn auf ihm verarbeiten er und die Mitglieder seiner Band Blackout den Schmerz, den der Tod des Saxophonisten und Sänger Casey Benjamin vor gut zwei Jahren unter ihnen hinterlassen hat. Seit 2004 war Casey Mitglied in Stefons Formation, ein experimentierfreudiger und durch seine auch visuellen Bühnenpräsenz unvergessene Art Hohepriester des Jazz. Von dem Moment an, an dem Casey Benjamin Teil des Blackout-Universums wurde, veränderte sich deren Musik nachhaltig. Es stand von da an nicht allein die instrumentale Virtuosität und die kompositorische Finesse des Vibraphonisten Stefon Harris im Mittelpunkt der Band. Plötzlich hielten Hip Hop und Rhythm & Blues, Fusion und Funk Einzug in deren Musik. „Casey nahm einen außergewöhnlichen Raum ein“, erinnert sich Harris, „der vor Genialität, Kühnheit, Freundlichkeit und Bescheidenheit nur so strotzte. Wir hatten alle unglaubliches Glück, mit der Gelegenheit gesegnet worden zu sein, gemeinsam mit einem wahren musikalischen Meister Schönheit zu schaffen.
„Legency Dances“ ist die erste Soundbotschaft von Blackout, nach dem Tod Caseys Benjamin. Die Band brauchte eine Weile, um das Trauma des Verlusts zu verarbeiten. So beinhaltet dieses Album die zuletzt eingespielten Aufnahmen des Kollektivs. Und hier wird der Einfluss von Benjamin besonders deutlich. Denn dank ihm nutzen Blackout neue Stilmittel. Zum Beispiel wird die Verbindung zur Tradition, zur Musikgeschichte des Jazz, auf besondere Weise deutlich. Reminiszenzen an Louis Armstrong („What A Wonderful World“) und Joe „King“ Oliver („West End Blues“) korrespondieren mit modernen Musizierauffasungen wie Funk und Fusion. Ein Tor, das besonders für junge, „nachgeborene“ Musikfreaks geöffnet wurde, in der Hoffnung, sie erkennen das Potenzial der Wegbereiter des Jazz deutlicher und finden Zugang zu den außergewöhnlichen Bestrebungen früherer Musikergenerationen.
Jörg Konrad

Stefon Harris & Blackout
„Legacy Dances“
Motema
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Montag 31.08.2026
Esther Kaiser „Breathing“
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Die Stimme als Instrument oder doch eher als ein Überträger zwischenmenschlicher Botschaften? Das eine schließt das andere nicht aus und beides trifft in diesem Fall tatsächlich auf Esther Kaiser und ihre Kunst zu. Und das nicht erst auf ihrem neuen Album „Breathing“. Gut zwei Jahrzehnte ist es her, dass die aus Freiburg stammende Professorin für Gesang Jazz Rock Pop mit ihrem Debüt „Jazz Poems“ auf der Szene für Aufmerksamkeit sorgte. Dabei ist die Jazzeuse dem europäischen Kunstlied näher, als dem Blues, dem Chanson verwandter als der Avantgarde. Das sagt natürlich lange nichts über die Qualität ihres Gesangs aus. Denn in beiden Stilistiken kann improvisiert, können unterschiedlichste Stimmungen geäußert werden, darf das Verschleppen von Takten zum obersten Prinzip erklärt werden. Kurz. Das Individuelle bestimmt eindeutig die Allgemeinplätze.
Esther Kaiser schafft auf „Breathing“ flüchtige, impressionistische Atmosphären, äußert Befindlichkeiten, die ebenso traumverloren melancholisch daherkommen, wie sie eindringliche Überzeugungen zum Ausdruck bringen. Natürlich könnte man damit in den Jazzcharts enorm punkten, sind die Songs doch ebenso gefällig, wie auch anspruchsvoll. Es sind Miniaturen verschiedener Stile, die sie hier zusammenbringt und zu etwas unverwechselbar eigenem formt. Und ihr gelingt dieses Kunststück auch ohne gehauchte oder gescattete Standards, ohne Verweise auf die großen Stimmen des Jazz.
Vielleicht ist dafür ja auch ihre kleine, aber feine Band mitverantwortlich. Am Klavier Alexander Wienand, am Bass die Griechin Athina Kontou plus dem Flötisten Tilmann Dehnhard. Sie bilden weit mehr als das Rückrat. Eher intim wie Hausmusik im Jazzgewand. Die drei verströmen eine beinahe wohllüstige Sicherheit, geben den Balladen im Zeitraffer etwas Sanftes und Unbeschwertes.
Jörg Konrad

Esther Kaiser
„Breathing“
Double Moon
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Freitag 28.08.2026
Sullivan Fortner „Leave That In There“
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Das Sullivan Fortner sein Instrument blind beherrscht, das braucht er nach fünf eigenen Alben und etlichen Grammy-Nomminierungen keinem mehr beweisen. Aber wie der aus New Orleans stammende Virtuose Klavier, Hammond B-3, Synthesizer und Marimba spielt, ist das eigentliche Sensationelle. Man könnte glauben, ein Dutzend Pianisten, unterschiedlichst sozialisiert, zeichnet sich für „Leave That In There“ verantwortlich. Jazz und Soul, üppige Orchesterarrangements, freie Improvisationen, Swing und Postbop, Blues und Folk – Sullivan ist eine Art Tausendsassa am Keyboard. Seit Jahren seine festen Partner bei diesen klanglichen Abenteuerexkursionen sind Bassist Tyrone Allen II und Schlagzeuger Kayvon Gordon. Mit beiden stürzt er sich in jede Instrumentalschlacht und bleibt dabei stets der Souverän am Instrument. Ob sensibel zaghaft, oder kraftvoll ausufernd – immer findet Sullivan den richtigen Ton, den packenden Sound. Dabei zitiert er aus den Geschichtsbüchern, entwirft eine völlig neue Instrumental-Fashion, klingt witzig humorvoll oder völlig ernst und unnachgiebig. Es gibt Verweise auf seine Heimatstadt und deren immenses Schicksal, die Naturgewalten betreffend.
So wundert es nicht, dass Künstler wie Nicholas Payton, Cécile McLorin Salvant, Billy Hart, Dave Liebman, Paul Simon, Theo Croker oder Gary Bartz, um nur einige wenige zu nennen, bei ihm regelrecht Schlange stehen, um von dem 40jährigen begleitet zu werden. Er selbst fasste das vor kurzem im „Guardian“ kurz und schmerzlos wie folgt zusammen: „Für mich ist Musik ein sicherer Ort, an dem alles geschehen kann.“ Oder, anders ausgedrückt: Bei ihm ist nichts unmöglich!.
Jörg Konrad

Sullivan Fortner
„Leave That In There“
Artwork / PIAS
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Autor: Siehe Artikel
Dienstag 25.08.2026
Ayumi Tanaka / Thomas Morgan / Thomas Stronen „Windflower“
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Ich wünschte, ich könnte den Klang der Natur spielen. Wie schön die Natur doch ist. Wie jeder Klang in der Natur wesentlich ist.Ayumi Tanaka versucht als Pianistin von der Natur zu lernen, mit einer Gelassenheit und Geduld, wie sie nur sehr wenige Künstler in der Lage sind aufzubringen. Sie beeindruckt in ihrem Spiel durch eine ständige Suche nach Natürlichkeit, auf der Grundlage stiller Hingabe und einem unnachahmlichen Gespür für Räumlichkeit. Ihr Spiel besitzt eine farbige Flüchtigkeit, die Gedeihen und Vergängnis in sich vereint. Ihre Musik klingt wie eine Landkarte mit imaginären Wegen. Diese verschmelzen manchmal zu abstrakten Mustern, zu empirischen organischen Formen, deren akustische Zerbrechlichkeit vergessenen Träumen nahe kommen.
Ayumi Tanaka studierte interessanterweise an der Universität Wakayama Erziehungswissenschaften, anschließend an der Norwegischen Musikhochschule in Oslo bei Misha Alperin, Helge Lien und Anders Jormin. Alle drei Musiker sind zugleich Komponisten, denen eine starke Naturverbundenheit zu eigen ist, was sich schon auf Ayumis letzten Album „Subaqueous Silence“ für ECM deutlich machte.
Für „Windflower“ hat sie sich für neue Begleitmusiker entschieden. Thomas Morgan am Bass und Thomas Stronen am Schlagwerk sind nun ihre Begleiter durch die asketischen Weiten individueller Improvisationen. Alle Nummern ihres Albums sind Gruppenimprovisationen, bis auf „La Source“, eine Komposition von Ayumi Tanaka. Doch man könnte auch glauben die anderen Stücke wären geschrieben, so perfekt und gleichberechtigt, so eigenständig fragil und erdig verspielt agiert das Trio. Musik, die leise aber beständig wächst nicht zuletzt Dank ihrer Kontemplation und Reduktion.
Jörg Konrad

Ayumi Tanaka / Thomas Morgan / Thomas Stronen
„Windflower“
ECM
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Montag 24.08.2026
Irène Schweizer „Prelude To A Kiss And More“
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Die amerikanische Jazz-Szene war für die Europäer immer eine ganz besondere Inspirationsquelle. Denn hier lag das Zentrum ihrer Musik, von dem aus sich sämtliche Stile und Strömungen entwickelten. Jedoch hatten einige Europäer schon in den 1960er Jahren ein etwas gespaltenes, ambivalentes Verhältnis zu dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Grund waren die politischen Verhältnisse dort, speziell der Vietnamkrieg und die massiv unterdrückte Bürgerrechtsbewegung. Man begann in Westberlin, Paris, Amsterdam und auch in Zürich mit diesem Hintergrund sich in der Szene neu zu orientieren. Freie Formen des Jazz fanden einen stärkeren Bezug zu afrikanischer Musik, die zu jener Zeit durch Exilmusikanten wie Dollar Brand, Louis Mohole oder Dudu Pukwana in Mitteleuropa vertreten waren.
Als Irène Schweizer, die Princess des Europäischen Freejazz, im Februar 1986 von einem halbjährigen New York-Aufenthalt zurück nach Zürich kam, gab sie ein Solokonzert, in dem sie auf faszinierende Weise die (noch sehr frischen) US-amerikanischen Jazz-Eindrücke, mit der befreiten europäischen Spielweise ins Verhältnis setzte. Dieses Solokonzert, das damals mitgeschnitten wurde, liegt jetzt erstmals veröffentlicht als CD vor.
Prelude To A Kiss And More“ ist eine Momentaufnahme mit Langzeitwirkung. Denn während des Auftritts offenbarte Irene Schweizer all jene Spielgedanken, aus denen sie in den folgenden Jahren immer wieder schöpfte und zugleich Ausgangspunkt für all ihre musikalischen Abenteuerreisen wurden. In ausgezeichneter Klangqualität beeindruckt die Pianistin mit ihrer Spontanität und einem tief verwurzelten Bluesverständnis, mit ihrem Verständnis für die europäische Moderne und zugleich mit abstrakten rhythmischen Phrasierungen, die an Duke Ellingtons Musik (von dem auch der Titelsong des Albums stammt) erinnern. Trunken vor Musikalität stolpert die Klavierspielerin durch Monk und Coleman, verknüpft die Musikgeschichte mit ihrer individuellen Lebensgeschichte.
Dieser Mitschnitt besticht durch sein herausforderndes Konstrukt, strahlt aber zugleich auch durch seine mitreißende, manchmal fast swingende Originalität. Irène zitiert mit kindlicher Naivität und beeindruckt zugleich mit ihrer geistigen Essenz. Aus Traditionellem und Modernen wird auf „Prelude To A Kiss And More“ Zukünftiges. Virtuos wie eh und je bringt Irène Schweizer selbst das Klavier zum schwitzen. Eine nach vier Jahrzehnten noch Maßstäbe setzende Aufnahme.
Jörg Konrad

Irene Schweizer
„Prelude To A Kiss Amn More“
Intakt
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Autor: Siehe Artikel
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