Kaja Draksler Punkt. Vrt. Plastik „Kompress“
Kaja Draksler sagt von sich, dass sie, speziell was die Musik betrifft, eher intuitiv vorgeht. Sie hat und zeigt auf jeden Fall das richtige Gespür. Denn gelernt hat sie von den ganz großen des Jazz. So studierte sie am
Prins Claus Konservatorium in Groningen Jazz und schrieb ihre Abschlussarbeit über keinen geringeren als
Cecil Taylor. Während eines Aufenthaltes in New York lernte sie
Jason Moran und
Vijay Iyer kennen, die beide eine Art Mentor für sie waren. Mittlerweile nimmt die aus einem kleinen slowenischen Dorf stammende Pianistin für die großen, innovativen europäischen Label auf, wie
Clean Feed aus Portugal, oder das Schweizer
Intakt Label. Hier ist jetzt das vierte Album ihres Trios
Punkt vrt. Plastik erschienen, in welchem sie mit dem dänischen Bassisten
Petter Eldh und dem deutschen Schlagzeuger
Christian Lillinger Neue Musik, improvisierte Musik, Folklore-Bruchstücke und straighten Jazz spielen. Die drei kann man über die Jahre getrost als eine eingeschworene Truppe bezeichnen. Sie wissen um das Können und die Reaktion ihrer Partner, sie sind zudem mutig und voller Entschlußkraft, was das Abenteuer Musik betrifft.
„
Kompress“, eingespielt im Januar 2025 in Berlin, lebt von spontanen Richtungswechseln, von tiefgründigem Spielwitz und den girlandenartigen Verbindungen der einzelnen Ideen untereinander. Und dann ist da wieder diese Explosivkraft („Vrt“), deren Thema im Laufe des Spiels verloren zu gehen scheint, bzw. sich eine eine völlig neue musikalische Landschaft zu verändern scheint. Hier werden aus den akustischen Instrumenten fast elektronische Klänge herausgeholt, es werden Brücken gebaut, die ganz plötzlich in sich zusammenstürzen. Das Risiko ist nicht kalkuliert, es ist spürbar anwesend und Teil des gemeinsamen Musizierens. Alles in allem bewusste wie emanzipierte Entscheidungen, entstanden in einem radikal demokratischen Kontext.
Jörg Konrad
Kaja Draksler Punkt. Vrt. Plastik
„Kompress“
Intakt Records