Bis auf weiteres stellen wir an dieser Stelle Konzerte, Opern und Theaterinszenierungen auf DVD & Blue-ray vor.
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1. Landsberg: Walter Lang Trio – Zerkratzte Oberflächen
2. Germering: Florian Arbenz Solo - Tönende Weltsprache
3. Landsberg: LBT – Ruhelose Effizienz
4. Puchheim: 10. Bluesfestival – 1. Tag
5. Olching: Christian Elin & Maruan Sakas – Glänzender Dialog
6. Germering: Das Duo Bransch – Lehrstunde in Musikalität
Montag 28.09.2020
Landsberg: Walter Lang Trio – Zerkratzte Oberflächen
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© Magnus Bergstrom
Landsberg. Einzelkämpfer oder Teamplayer? Jazzmusiker sind aus innerer Überzeugung beides! Denn einerseits leben sie künstlerisch von ihrer Individualität, arbeiten ständig an ihrem Ausdruck und kehren das Besondere, das Einzigartige ihres Spiels heraus. Andererseits ist ihre Fähigkeit zur Kommunikation einfach existenziell. Denn ein Jazzmusiker, der nicht in der Lage ist, Gemeinsamkeiten während des Spiels mit anderen zu entdecken und letztendlich umzusetzen, der wird es in dieser Kunst nicht weit bringen. So besteht eine bestens aufeinander abgestimmte Formation immer aus einem Verbund von Solisten, die ihre Kunst gemeinsam in die Waagschale werfen, um spontan etwas Zeitloses zu kreieren.
Nichts anderes war am Sonntagabend im Landsberger Stadttheater zu erleben, als nämlich Pianist Walter Lang, Kontrabassist Thomas Markusson und Schlagzeuger Magnus Öström den ungemein fruchtbaren Geist des Jazz aus der Flasche ließen. Sie alle haben bisher in unterschiedlichen Bands gespielt, haben Erfahrungen gesammelt, waren auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Sound. Neue musikalische Ansprüche haben sie im letzten Jahr dann zusammengeführt. Es sind von der Presse hochgelobte Alben entstanden, die sie momentan auf einer kleinen Tour durch deutsche Konzertsäle präsentieren.
Das besondere an diesem Trio ist seine Dynamik. Lang, Markusson und Öström beherrschen sämtliche Schattierungen des Jazzspiels und sind zudem in der Lage, ihre instrumentalen Fähigkeiten in den Kontext des Miteinanders hörbar einzubringen. Egal, ob es sich um anrührende Balladen, oder um temperamentvolles Energiespiel handelt, ob um inspirierte Verbundenheit oder atemberaubende Improvisationen – diese Formation agiert ebenso differenziert wie ungestüm.
Intelligent und verspielt umkreist das Trio die einzelnen Stücke, die häufig wie kleine Juwelen aus dem Popbereich klingen. Man glaubt einige von Langs Kompositionen schon irgendwo einmal gehört zu haben. Sie wirken bekannt, vertraut, klingen manchmal nach einem hübschen Kinderlied.
In diesen Melodien suchen sie, nach gegenseitigem musikalischem Abtasten, Zugänge, um, ohne Berührungsängste, in das Zentrum des Grundmotivs vorzustoßen. Dabei loten sie die Möglichkeiten, die die Kompositionen hergeben, gänzlich aus. Rhythmisch als auch harmonisch. Und während dieses musikalischen Abenteuers geschehen faszinierende Dinge. Sie zerkratzen die simplen Oberflächen der Songs und dringen in deren Tiefe vor. Und sie werden fündig. Sie deklamieren Schwermut und Euphorie, Innigkeit und in „Full Blast“ sogar einen ausgelassenen Funk. Es sind fast durchweg spontane Inszenierungen, die von der ästhetischen Substanz leben.
Im Mittelpunkt steht Walter Lang, der unschwer als ein pianistischer Romantiker des Jazz ausgemacht werden kann. Er rast auf seiner Klaviatur nicht über die feinen Themen hinweg. Er zelebriert sie (natürlich ohne Pathos), er gibt sich ihnen hin (ohne aufgesetzt zu klingen), er schwelgt in jeder einzelnen Note (ohne die dramaturgische Spannung zu vernachlässigen).
Thomas Markusson tritt am Bass häufiger aus dem begleitenden Hintergrund hervor, soliert immer wieder in knappen wie klar herausgearbeiteten Beiträgen. Tänzerisch wirken diese Sequenzen und elegant. Und Magnus Öström? Der Schlagzeuger überbrückt die Distanz zwischen fiebrigem Swing und treibendem Groove. Jemand hat einmal sinngemäß gesagt, er sei eine Art Rockschlagzeuger, der ausschließlich mit den Besen spielt.
Was wünscht man sich noch, nach einem derart reizvollen Musikabend? Vielleicht, dass in absehbarer Zeit das Walter Lang Trio zu einem kompletten Konzert in Landsberg aufspielt – im vollbesetzten Stadttheater.
Jörg Konzert 
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Samstag 19.09.2020
Germering: Florian Arbenz Solo - Tönende Weltsprache
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Germering. Hat Covid 19 Einfluss auf den Jazz? Jein! Nicht unbedingt auf die Musik – aber auf deren Präsentation, wie am Freitagabend in Germering zu erleben war. Denn der Basler Schlagzeuger Florian Arbenz stand allein auf der großen Bühne des Orlandosaales der Stadthalle. Dabei sollte neben ihm die Saxophonistin Tineke Postman agieren. Doch als diese am Morgen im Flieger saß, um von Amsterdam nach München zu kommen, gab es neue Richtlinien, die unter anderem besagten: Sämtliche Einreisenden aus den Niederlanden müssen 1. bei ihrer Ankunft in Deutschland auf Covid 19 getestet werden und 2. solange in Quarantäne gehen, bis das Ergebnis des Tests vorliegt. So spielte Florian Arbenz ein ungeplantes Solokonzert, während eine der besten europäischen Saxophonistinnen zweihundert Meter Luftlinie entfernt im Zimmer eines Hotels tatenlos und zum Warten verurteilt war. Corona machts möglich!
Arbenz war am Freitag nicht zum ersten Mal Gast der Reihe Jazz It. Zwar liegt sein Auftritt mit dem Trio Vein schon eine Weile zurück (Dezember 2009), aber vielleicht erinnert sich ja doch noch der eine oder andere an den Basler, der bestes Beispiel für das Vorurteil ist, man müsse afro-amerikanische Wurzeln haben, um im Jazz als Schlagzeuger zu bestehen. Die Zeiten haben sich geändert. Europa ist in der zeitgenössischen Improvisation heutzutage emanzipiert. Wenn es mitunter nicht hier sogar eine kreativere Szene gibt, als auf der anderen Seite des Atlantik.
Was Arbenz dann innerhalb einer guten Stunde an differenzierter Sperrigkeit, intellektueller Herausforderung, aber auch an hingebungsvollem Raffinement bot, gehört einfach in die Rubrik perkussiver Extravaganz.
Arbenz steht dabei in langer Tradition seiner Heimat. Denn kaum ein Land in Europa stellt derart viele und außergewöhnliche Schlagzeuger wie die Schweiz. Das Trommeln gehört bei den Eidgenossen nun einmal zur hohen Kunst, was nicht zuletzt an den Fasnachtskulturen in Basel und Luzern liegt und natürlich auch an den Marschtraditionen bei Militär und Polizei.
Florian Arbenz ist bei seinem Germeringer Vortrag weit entfernt, von militärischen Signalen und achttaktigen Musikwerken. Bei ihm geht es um handwerkliches Können, Inspiration und pulsierender Energie, indem er die perkussiven Kulturen dieser Welt studierte, um eine eigene rhythmische Sprache zu kreieren. So lassen sich in seinem Spiel Gamelan-Splitter aus Indonesien verorten, kleine Melodien der Kalimba als eine Verneigung vor dem afrikanischen Kontinent heraushören, die Schule der europäischen Moderne findet Raum und ebenso auch das swingende und das groovende des Jazz, in dem sich Arbenz besonders wohl fühlt.
Die Trommel und all ihre perkussiven Verwandten nutzt er als eine tönende (Welt-)Sprache, als ein persönliches Kommunikationsmittel, das weit über das Moment des „Lärmens“, der Signalübermittlung hinausgeht. Variantenreich schlägt und klopft, reibt und streichelt er sein umfangreiches Drum-Set, zu dem auch einige „neu erfundene Schlaginstrumente eines Freundes“ gehören, wie Arbenz zwischen den einzelnen Nummern erzählt.
Bei ihm entwickeln sich die Stücke logisch, aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Er gliedert den Puls, öffnet ihn, seziert ihn, um Rhythmen zu verdichten. Dann wieder bringt er Luft in diese improvisierten Kompositionen, lässt sie atmen und kommt damit dem menschlichen Herzschlag auf ganz besondere Weise näher. Impressionistische Zartheiten gehören ebenso zu seinen Ausdrucksmitteln, wie kraftvolle Klanggewitter. So wurde es ein kurzweiliger Abend, voller Emotion und Intelligenz, mit reichlich Spiritualität, aber auch einer ordentlichen Portion Körperlichkeit.
Jörg Konrad
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Samstag 22.08.2020
Landsberg: LBT – Ruhelose Effizienz
Konzert 30.Juli 2020
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Foto: Richard Stoehr
Vieles war an diesem Donnerstag außergewöhnlich. So handelte es sich in Landsberg um den zweiten Auftritt ein und derselben Band nach über vier Monaten konzertanter Eiszeit zum Beispiel. Oder die ausgedünnten Sitzreihen im ansonsten üppig besetzten Stadttheater. Zudem konnten erstmals offiziell Getränke von der Bar mit in den Saal genommen werden. Auch das war neu. So hatte der Abend, noch bevor der erste Ton erklang, etwas von einer Stunde Null, von einem Aufbegehren, ja Auferstehen im Zeichen der Kultur zu Zeiten von Corona. Sollte es tatsächlich jemanden geben, der bis dato nicht wusste, was ihm das letzte Viertel Jahr abhanden gekommen war, der wurde anschließend lautstark und energiereich daran erinnert: Ohne Kultur verkümmert die Seele. Langsam aber stetig.
Endlich wurde das Publikum entschieden wie hartnäckig und provokant aus dem kulturellen Dornröschenschlaf erweckt. Die räumliche Intimität wurde laut, archaisch und pulsierend gefüllt. Dank Leo Betzl, Maximilian Hirning und Sebastian Wolfgruber. Kurz LBT.
Wir haben an dieser Stelle schon häufiger über die quantitative Vielfalt von Klaviertrios im Jazz berichtet. Ob in der klassischen Interpretation von Standards des Great American Songbooks, der stärker von rockigen Elementen durchsetzten Spielweise, von den freien Improvisationen, oder den virtuosen Hundertmeterläufern, die den Acker des Jazz in ruheloser Effizienz bestellen.
Mit all diesen Pionieren des Jazz haben LBT nur am Rande zu tun. Sie gehen einen eigenen, schmalen, aber gradlinigen Pfad, der direkt auf eine Lichtung führt, auf der zu Jazzanleihen wieder getanzt wird. Fast wie früher, in den 1930er Jahren , als das Massenphänomen(!) Swing die Ballsäle dominierte.
Pianist Betzl und seine musikalischen Partner öffneten mit ihrem Set die für Jazzmusiker oft verpöhnten Tore zum Techno. Nein, nicht (oder nur ganz minimal) mit elektronischem Equipment. Trotzdem könnte ihr akustischer Instrumentalgang mit Klavier, Bass und Schlagzeug auch locker im Berghain, dem heiligen Gral der elektronischen Tanzmusik, bestehen. Oder im Onkel Pö, wenn es die Carnegie Hall in Hamburg heute noch gäbe, oder in der Unterfahrt, wo LBT schon öfter erfolgreich gastierten.
Ihre dynamische Identität haben sie in der wuchtigen Schnittmenge eben der zeitgenössischen improvisierten Musik und des treibenden 4/4 Taktes der Bass Drum angelegt. Immer auf die Eins – eigentlich ganz entgegen der Philosophie des Jazz. Ob das denn geht? Bei LBT ganz ausgezeichnet. Es ist, als würde der manchmal in die Jahre gekommene Jazz damit um einige Dekaden verjüngt. Oder anders herum: Als bekäme der manchmal etwas monotone Beat des Techno eine leicht intellektuelle Komponente.
Es geht insgesamt etwas weniger um Freiheiten im klassischen Bereich des Jazz, sieht man einmal davon ab, dass der Freiheitsdrang für eine Fusion aus Tradition und Zeitgeist für sich schon enorm ausgeprägt sein muss. Hier werden unterschiedliche musikalische Haltungen, Denkweisen und Bewusstseinslagen zueinander ins Verhältnis gesetzt. Und das klingt nach Abenteuer, ist spannend und für den, der sich wirklich darauf einlässt, ein Gewinn.
Schade nur, dass nach diesem rhythmischen Klanggewitter, das dem begeisterten Publikum die Köpfe freiblies, die Stille der Sommerpause einzieht. Hoffen wir auf den Herbst …. .
Jörg Konrad  
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Samstag 07.03.2020
Puchheim: 10. Bluesfestival – 1. Tag
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Foto Black Patti: Christian Kaufmann
Puchheim. 1962 haben sich die beiden deutschen Horst Lippmann und Fritz Rau aufgemacht, den Blues nach Europa zu bringen, um diesen einem breiteren Publikum vorzustellen. Sie initiierten das bis heute legendäre American Folk Blues Festival und zogen über viele Jahre hinweg jeweils im Herbst mit einem Tross an Musikern und einem Sattelschlepper voll Equipment quer durch Europa. Die Konzerte, Live oder in Studioatmosphäre für Plattenaufnahmen und TV mitgeschnitten, sind heute zeithistorische Dokumente.
Eines der wichtigsten Kriterien der beiden Enthusiasten Lippemann & Rau war ihre Kontinuität. Ihnen ging es nicht darum, Musik-Sensationen zu präsentieren. Sie wollten mit der für sie wichtigsten Kulturform, die letztendlich die Grundlage all der populären Musik ist, die uns bis heute umgibt, vertraut machen,.
Das American Folk Blues Festival gibt es seit 1985 nicht mehr. Hingegen fand am gestrigen Tag der mittlerweile 10. Jahrgang des Puchheimer Bluesfestivals statt. Sie existieren also noch, diese unentwegten Idealisten, die den Blues im Herzen haben und diese musikalische Einzigartigkeit hinaus in die Welt tragen, um sie mit anderen zu teilen. In diesem Fall sind es Ferdinand „Jelly Roll“ Kraemer und Peter Crow C., zwei Münchner, die vor fast zehn Jahren selbst das Duo Black Patti gegründet und sich dem Akustik-Blues verschrieben haben. Zugleich zeichnen sie sich seitdem für das Blues-Programm in Puchheim verantwortlich, das seit einigen Jahren als Festival über zwei Tage die Blues-Gemeinde in ihren Bann zieht.
Eröffnet hat den Freitagabend als Ersatz für den ausgefallenen Joe Chiarello ein akustisches Duo, bestehend aus dem Sänger und Mundharmonikaspieler San 2, alias Daniel Gall und dem Gitarristen Sebastian Schwarzenberger. Beide bewegten sich musikalisch im Fahrwasser des Rhythm & Blues und Soul. Ihre sparsamen aber eindringlichen Arrangements gaben den eigenen Songs, aber auch Coverversionen von Billy Preston bis Ray Charles, Transparenz und Klarheit. In ihrer federnden Gelassenheit war ihr Auftritt zudem eine würdige Eröffnung des Festivals.
Der zweite Teil des Abends gehörte sozusagen den Hausherren. Ferdinand „Jelly Roll“ Kraemer und Peter Crow C. begeisterten mit ihren wunderbar verhangenen, rauen Blueslicks, wie sie einst im tiefen Süden der USA gespielt wurden. Black Patti vermittelten vom ersten Ton an dieses Unwiderstehliche des Blues, das sofort unter jede Oberfläche kriecht und sich gnadenlos seinen Weg zum Herzen bahnt. Mit dem Amerikaner Ryan Donohue am Bass, der an diesem Abend das Duo zu einem Trio aufstockte, bekam die Musik der beiden noch eine zusätzliche rhythmische Komponente, die manchen Songs einen tranceartigen Sog vermittelten - der jedoch nie seine Bodenständigkeit einbüßte.
Zum Abschluss dann Egidio "Juke" Ingala & The Jackknives aus Italien. Frontmann Egidio „Juke“ Ingala verkörpert Blues und Entertainment in Personalunion. Die Musik des Quartetts lebt zudem von Swing und Boogie Woogie, deftigem Rock`n Roll und Soul-Anleihen. Kraftvoll und groovend agierte die Band, so dass der Funke von der Bühne sofort direkt zum Publikum übersprang.
Jörg Konrad

 
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Foto: Thomas Radlwimmer
Sonntag 16.02.2020
Olching: Christian Elin & Maruan Sakas – Glänzender Dialog
Olching. Es ist noch ein paar Tage hin, bis ihr neues, ihr zweites Album erscheint. „Mittsommernacht“ (Raccanto) enthält acht Kompositionen, die ebenso leicht durch den Raum schweben, wie sie den Hörer herausfordern. Es ist Musik, die anregt und dabei eine Spur beruhigend wirkt. Musik, die sich offen in unterschiedliche Richtungen entwickelt und die verschiedene Stilistiken in sich vereint.
Die Protagonisten dieser interaktiven Spielweise sind das Duo Christian Elin und Maruan Sakas. Seit fünf Jahren arbeiten sie gemeinsam und waren in diesem Zeitraum heute zum vierten Mal in Olching. Auf dem Programm im 180.(!!) Konzert der Reihe „Eleven-Eleven“ eben jenes neue Album.
Was die beiden in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach (KOM) präsentierten, kam der kammermusikalischen Matinee sehr entgegen. Beide Instrumente, Klavier (Sakas) und Saxophon & Bass-Klarinette (Elin) waren in einem glänzenden Dialog, der tatsächlich wie ein intelligentes und unterhaltsames Gespräch daherkam. Die Einflüsse, die die Instrumentalisten in diesem Repertoire verarbeiteten, besaßen etwas weltläufiges. Es gab Bezüge zur arabischen Kultur, zu asiatischen Volksmusiken, das Duo verneigte sich tief vor der Arbeit Manfred Eichers und seinem Münchner ECM-Label (das im letzten Jahr sein 50. Gründungsjubiläum beging) und natürlich vor französischen impressionistischen Komponisten.
Das alles reicherten Christian Elin und Maruan Sakas mit jazzmusikalischen Querverbindungen an. Dabei wurde mit introvertierter Leidenschaft und in pastellfarbenen Tönen improvisiert. So entstanden Klangbilder, die einem Soundtrack nahe kommen. Die einzelnen Titel („Dancing With Dolphins“, „Mittsommernacht“ oder „Istanbul“) unterstützten diese Allegorien enorm.
Das gesamte Konzert war ein Destilat aus wunderbaren Melodien, den geschmeidige Harmonien zugrunde lagen und die auch ohne Schlagwerker in ihrer oft polyrhythmischen Stimulation faszinierten. Trotz aller solistischer Könnerschaft war es vor allem das musikalische Miteinander, das Ineinandergreifen von Inspiration und Empathie, das diesen späten Vormittag zu etwas ganz Besonderen hat werden lassen.
Jörg Konrad

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Foto: Julia Wesley
Samstag 01.02.2020
Germering: Das Duo Bransch – Lehrstunde in Musikalität
Germering. Beide waren und sind maßgeblich beteiligt, an der Europäisierung des Jazz. Georg Breinschmid, als Bassist einst Mitglied der Wiener Staatsoper sowie der Wiener Philharmoniker und Thomas Gansch, Teil einer Salzburger Blasmusikerdynastie. Irgendwann in ihrem Leben haben sie sich unwiderruflich für den Jazz und seine Spielarten entschieden und balancieren seitdem geschickt auf dem Hochseil der improvisierten Klangkunst. Nichts scheint den beiden musikalischen Gauklern dabei heilig. Abendländische Kunstmusik, Blues, Populäres aus der Klassik, Avantgarde und selbst eingängige Kindermelodien werden strategisch genutzt und dramaturgisch in ein Gesamtkonzept eingebettet.
Näher kennengelernt haben sie sich im legendären Vienna Art Orchestra, das jedoch seit 2010 nicht mehr existiert. Neben eigenen Projekten touren Breinschmid und Gansch als Bransch immer wieder gemeinsam durch die Lande. Gestern Abend waren sie nun in Germering und gaben dem hiesigen „anspruchsvollen Publikum“ (Adam Olschewski im Jazzpodium!) eine zusätzliche Lehrstunde in Musikalität.
Was diese beiden Instrumentalisten aus Bass & Trompete herausholen, zu welchen swingenden, bluesigen und avantgardistischen Kabinettstücken sie in der Lage sind, war atemberaubend. Sie verzahnten bekannte Dixielandmelodien mit Zwölftonmusik, streckten Bebop und swingende Themen mit wahnwitzig schnell gespielten Balkanmelodien, sie improvisierten, spielten vom Blatt, verbeugten sich humorvoll vor der Tradition des Dadaismus und ließen immer wieder Beatles-Songs aufblitzen, so als wären die Fab Four für sie das eigentliche Bindeglied zwischen Tradition und Moderne.
Nicht nur die Ideen des Duos waren atemberaubend. Auch ihre Spieltechnik, die perfekte Beherrschung ihres Instrumentariums und deren komplexer, ununterbrochener Austausch. Musikalische Kommunikation auf höchstem Niveau. Breinschmid raste mit beiden Händen über die dicken Basssaiten, schlug, zupfte, strich und klopfte sie, ließ sie vibrieren und schwingen. Er zeigte sich mindestens eben so oft als Solist wie sein Partner Gansch, der die Trompete absolut beherrscht, mit und ohne Vibrato spielte, schneidend scharf und butterweich klang. Louis Armstrong hätte mit Sicherheit seine  Freude an ihm (und Charles Mingus, das einstige Enfant terrible unter den Bassisten würde Breinschmid betreffend mit Sicherheit ein „Oh, very good“ in seine Richtung knurren).
Es war, als präsentierten beide Instrumentalisten das musikalische Universum in knapp zwei Stunden und moderierten zudem völlig ungezwungen und burlesk durch den Abend. Klamauk war das nicht. Dafür steckte zu viel an ernsthafter und respektvoller Musikalität und scherzhafter Geistigkeit in ihrem Programm. Wollte man eine Formel für dieses großartige Konzert erstellen, so würde diese lauten: Anarchie plus Können plus Humor gleich Bransch. 
Jörg Konrad


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Autor: Siehe Artikel
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