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Inhaltsverzeichnis
49. Goodbye Cassini!

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48. Aristarchos von Samos – ein Copernicus der Antike

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47. Saros 145 kehrt zurück – Amerika in den Zeiten des abnehmenden Li...

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46. Willkommen und Abschied

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45. Tanz der Monde

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44. Intergalaktische Triebwerkbauer?

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Sonntag 01.10.2017
49. Goodbye Cassini!
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Im Oktober werden die Tage nun deutlich kürzer. Bis zur Umstellung auf die Winterzeit in der Nacht zum 29. Oktober wird die Sonne schon gegen 17 Uhr untergehen. An wärmeren Abenden kann man dann schon recht früh den gestirnten Himmel bewundern, der nun mehr und mehr vom Herbstviereck beherrscht wird. Tief im Südwesten ist auch Saturn letztmalig in diesem Jahr zu sehen. Schon mit einem guten Feldstecher lässt sich sein Ringsystem gut erkennen, das sich momentan in Richtung Erde neigt.
Der Gasgigant war vor wenigen Tagen in aller Munde, endete dort doch die wohl erfolgreichste Planetenmission der Geschichte mit dem absichtlichen Verlust des Raumschiffs recht spektakulär. Aber der Reihe nach: Für Bill Clinton galt es im Jahr 1997 eine äußerst schwierige Entscheidung zu treffen. Die von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA gebaute Raumsonde namens Cassini sollte nicht nur mit 30 kg Plutonium an Bord in Cape Canaveral starten, sondern zwei Jahre später bei einem sogenannten „Swing-By-Manöver“ in Erdnähe Schwung holen. Da beim fernen Saturn Solarpaneele für die Energiegewinnung nicht in Betracht kamen, war dieses kleine Atomkraftwerk die einzige Alternative. Eine Bürgerinitiative protestierte dagegen vehement, die Öffentlichkeit war alarmiert. Mit der Tochtersonde Huygens - gebaut vom europäischen Raumfahrtpendant ESA – befand sich zudem ein Partner an Bord. So waren auf amerikanischer wie europäischer Seite gehörige Mengen an Steuergelder in das jeweilige Projekt geflossen. Der Präsident der USA unterschrieb jedenfalls die Starterlaubnis.
Jetzt nach fast 20 Jahren kann man konstatieren, dass alle Sicherheitsbedenken unnötig waren, denn alle Parameter des Fluges und des Eintritts in den Saturnorbit liefen so perfekt, dass die nun Cassini-Huygens betitelte Mission mehrfach verlängert werden konnte. Schon die ersten Resultate, die Huygens vom größten Saturnmond Titan zur Muttersonde funkte, waren spektakulär: Der Riesenmond, der sogar etwas größer als der Planet Merkur ist, erfüllte alle Eigenschaften eines Planeten. Allein seine Erdgasvorkommen, die bei -180°C als riesige schwarze Methanseen sichtbar wurden, sind 200 mal größer als die der Erde. Doch dann entdeckte Cassini nicht nur Tausende von einzelnen Ringen, sondern ein nur 500 km Durchmesser aufweisender Mondwinzling namens Enceladus trat zunehmend in den Focus der Beobachtung. Eine völlig neue Form des Vulkanismus wurde dabei auf Titan entdeckt. Fast 50 verschiedene Vulkane lassen flüssiges Wasser an der Oberfläche sofort zu Eispartikeln gefrieren, die in riesigen Fontänen kilometerhoch aufsteigen. Noch sensationeller ist allerdings deren Ursprung. Er kann nur von hydrothermalen Quellen stammen, die ihrerseits von einem gigantischen unterirdischen Ozean gespeist werden. Flüssiges Wasser wiederum könnte der Ausgangspunkt von verschiedenartigsten Lebensformen sein, die sich in diesem Biotop, ähnlich wie in den Tiefseen der Erde, entwickelt haben könnten.
Diese Entdeckung allerdings war auch das Todesurteil für Cassini. Sie bei fehlendem Brennstoff unkontrolliert weiter fliegen zu lassen, wäre zu gefährlich gewesen, denn die dahin trudelnde Raumsonde hätte auf Enceladus stürzen können. Da nicht garantiert werden konnte, dass Cassini keimfrei ist und vor dem Start mit irdischen Mikroben verseucht wurde, hätte sie den Saturnmond kontaminieren können. So nutzte man die letzten Reserven des Raketentreibstoffs Hydrazin, um das immerhin 3 Tonnen schwere Gefährt in der Atmosphäre von Saturn verglühen zu lassen. Aber die Sonde erwies sich als besonders robust und zäh: Noch bis kurz vor dem Verglühen sandte sie Daten und Fotos der Saturnatmosphäre zur Erde und der letzte Funkkontakt war fast eine Minute länger als geplant. Trotzdem war es wohl für viele Forscher aus Europa und Amerika, die teilweise bis zu 30 Jahren an den Missionen beteiligt waren, ein wehmütige Abschied: Goodbye Cassini!
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Donnerstag 31.08.2017
48. Aristarchos von Samos – ein Copernicus der Antike
Deutlich bemerken wir, dass die Tage kürzer werden. Die Sonne kreuzt auf ihrer scheinbaren Bahn am 22.9. die Ekliptik, wir haben Tagundnachtgleiche und der Herbst beginnt. Für die abendliche Beobachtung der Sterne und Planeten ist dies natürlich förderlich. Allerdings sind nur Saturn in den Abend- und Venus in den Morgenstunden knapp zwei Stunden sichtbar. Ansonsten bestimmen die Sternbilder des Sommerdreiecks den Himmel. Von ihren Hauptsternen ist die Wega im Sternbild der Leier als erstes in der Dämmerung zu erblicken, doch Deneb im Schwan und Atair im Adler folgen bald.
Nicht erst mit Nicolaus Copernicus und seinem 1543 erschienenem Werk „Über die Umschwünge der himmlichen Kreise“ begann die Diskussion über die Sonne im Zentrum unseres Systems. Schon in der Antike gelangte ein griechischer Philosoph durch seine Beobachtungen zu der Auffassung, dass die Sonne der Mittelpunkt der Bewegung der Planeten sei: Es war Aristarchos von Samos (310-230 v.Chr.), der eigentlich der Schule des Aristoteles verpflichtet war. Dieser hatte die Erde als Mittelpunkt aller Bewegungen definiert und die idealen Kreisbahnen für alle umlaufenden Körper festgelegt. Doch Aristarchos besaß in Straton einen genialen Lehrer, den man den „Physiker“ nannte. Er war zwar auch ein aristotelischer Schüler, allerdings basierten seine Lehrauffassungen auf Experimenten und deren Beweisführung. Diese Methode übernahm Aristarchos. Seine Überlegungen und Berechnungen bezogen sich zunächst jedoch auf den Mond. Hierbei gelang es ihm den Beweis zu führen, dass die Erde die knapp dreifache Größe des Erdmondes hätte, was dem heutigen Wert von 3,67 schon recht nahe kam. Logischerweise erweiterte er seine Überlegungen auf die Sonne als den dritten Körper im Bunde. Sein Resultat, dass die Sonne somit rund 19 mal so groß wie die Erde sei, weicht vom realen Wert 109 zwar erheblich ab, trotzdem wurde dem von der Insel Samos stammenden Wissenschaftler klar, dass sich ein solch riesiger Körper schwer um die wesentlich kleinere und somit leichtere Erde bewegen konnte.
Doch genau diese Erkenntnis war der Ausgangspunkt für sein Scheitern, denn obwohl er eine vorurteilsfreie Interpretation seiner astronomischen Messergebnisse durchgeführt hatte, lehnte er sich damit eindeutig gegen die vorherrschenden Lehrmeinungen der großen Philosophen Platon und Aristoteles auf. Seine Gedanken waren – genau wie 1800 Jahre später bei Copernicus - einfach zu revolutionär, sie galten als respektlos und griffen die göttlich – vollkommene Ordnung direkt an.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist zu beachten, um den fehlenden Zuspruch seiner Gedanken zu begreifen: Er hatte nie eine eigene Schule, die sein Wissen durch Schüler hätte verbreiten können. So gerieten seine Anschauungen in Vergessenheit und er selbst war seinen Zeitgenossen eher durch die Erfindung einer sphärischen Sonnenuhr, der sehr beliebten Skaphe, bekannt.
Nicolaus Copernicus Lehren gerieten nicht in Vergessenheit, denn dafür sorgten die Verbreitungen seiner Schriften durch die Buchdruckkunst und der Beweis seiner Lehren durch Galileo Galilei, Johannes Keppler und Sir Isaac Newton.
Für den großen Reformator Martin Luther hingegen war der kühne Gedanke, die Erde könne sich bewegen, zu absurd und so verspottete der fortschrittlichste Theologe seiner Zeit den progressiven Vordenker Copernicus in einer seiner Tischreden als den „Narren der Astronomie“.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Dienstag 01.08.2017
47. Saros 145 kehrt zurück – Amerika in den Zeiten des abnehmenden Lichts
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Noch immer beherrscht den Planetenriese Jupiter den Abendhimmel. Kurz nach der Dämmerung erscheint er in südlicher Richtung gleich neben Spika, dem Hauptstern des Sternbilds Jungfrau. Ihr Name bedeutet soviel wie Kornähre, was ein Hinweis auf seine uralte Bedeutung als Erntestern darstellt. Die Jungfrau selbst wird als Beschützerin der Bauern und der Einbringung ihres Korns betrachtet. Saturn hat sich nun im Osten in die Nähe des Sternbildes Skorpion verlagert und ist in der Nähe des Hauptsterns Antares zu finden. Die Venus bleibt Morgenstern im Sternbild Stier.

In vielen Bundesstaaten der USA wird sich in diesem Monat ein außerordentliches Naturschauspiel beobachten lassen. Am 21. August wird quer durch das Land vom Pazifik bis zum Atlantik eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten sein.
Der Finsternisschatten, welcher mit einer Geschwindigkeit von mehr als 2400 Stundenkilometern „from Coast to Coast“ rasen wird, erlaubt es den Beobachtern, das Naturschauspiel teilweise mehr als zwei Minuten zu bewundern. Die sogenannte Mitte der Finsternis liegt dabei in der Nähe der Stadt Kansas City. Hier wird die maximale Verfinsterungszeit 2 Minuten und 40 Sekunden betragen. Auch andere Städte wie Salem (Oregon), Idaho Falls (Idaho), Casper (Wyoming), Lincoln (Nebraska), Nashville (Tennessee) und Columbia (Georgia) liegen in der Nähe der Zentrallinie und man rüstet sich dort entsprechend der Wetterprognosen schon jetzt auf einen enormen Besucheransturm. Insgesamt könnten bis zu 500 Millionen Menschen die Totalität betrachten, die durch den Kernschatten des Neumondes ausgelöst wird. Übrigens ist die Verdunkelung von Teilen der Erde einem Zufall der Natur geschuldet: Der Erdmond ist 400mal kleiner als die Sonne, doch ist die Sonne wiederum 400mal weiter von der Erde entfernt als unser Erdtrabant und nur so kann dieser sie zu 100 Prozent überdecken.
Die periodische Wiederkehr von totalen Sonnenfinsternissen ist schon seit der Zeit des babylonischen Königs Saros bekannt. Seine Hofastronomen waren aufgrund ihrer Berechnung zu der Erkenntnis gelangt, dass sich totale Eklipsen je nach Anzahl der Schaltjahre alle 18 Jahre und 10 bzw. 11 Tage wiederholen. Noch heute werden Finsternisse nach diesem Saros-Zyklus berechnet und vorausgesagt. Das nordamerikanische Ereignis gehört zum Beispiel zum Saros 145. Ein solcher Zyklus umfasst immerhin 71 Finsternisse in einem Zeitraum von 1270 Jahren.
Am 11. August 1999 war in weiten Teilen Deutschlands auf der Linie Stuttgart-München das Verschwinden des Sonnenlichts beobachtbar. Rechnet man nach, so wird schnell klar, dass auch die damalige kurzzeitige Lichtlosigkeit zum Zyklus Saros 145 gehörte. In Europa wird es erst wieder 2026 in Südspanien möglich sein, eine totale Sonnenfinsternis zu bestaunen. Schon ein Jahr später erwartet dann erneut Südspanien eine fast siebenminütige Jahrhundertfinsternis.

Bleibt zu hoffen, dass die amerikanischen Astronomen mit entsprechenden Hinweisen auf die Sicherheitsvorkehrungen bei totalen Sonnenfinsternissen und dem rechtzeitigem Anbieten und Vertreiben der sogenannten Finsternisbrillen soviel Erfolg haben werden, dass es selbsternannten Experten mit angelesenem Halbwissen nicht wie vor zwei Jahren in Deutschland gelingt, das Betrachten diese einzigartigen Naturerscheinung zu verteufeln oder gar zu verbieten.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Samstag 01.07.2017
46. Willkommen und Abschied
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Raumsonde Cassini
Am Abendhimmel treten nach und nach die hellsten Sterne hervor und geben der Dämmerung damit einen sich langsam steigernden Glanz. Mit als erstes sind die sieben Fixpunkte der uns als „Großer Wagen“ bekannten Konstellation zu sehen. Bis weit nach 22 Uhr vervollständigt sich dann das riesige Sternbild des „Großen Bären“ (zu dem tausende von Objekten gehören), wobei die internationale wissenschaftliche Bezeichnung für diese bekannteste Himmelskonstellation der nördlichen Hemisphäre „Ursa Major“ lautet. Hierbei handelt es sich um eine zirkumpolare Erscheinung, was heißt, dass dieses Sternbild bei entsprechenden Bedingungen das ganze Jahr über sichtbar ist.
Die Gasplaneten Jupiter und Saturn bestimmen in südlicher Richtung noch immer den Nachthimmel, während sich die Venus nach wie vor als Morgenstern präsentiert.
Ein großes Willkommen gab es im vergangenen Juli, als die NASA-Raumsonde JUNO nach fast sechsjährigem Flug endlich den Gasgiganten Jupiter erreichte. Zu diesem Zeitpunkt war sie die schnellste jemals von Menschen erschaffene Maschine. Das Abbremsmanöver der vier mit Hydrazin gespeisten Triebwerke verringerte die Geschwindigkeit von 266.000 Stundenkilometern entscheidend und brachte die Raumsonde auf eine ganz spezielle Bahn, die sie auf einen planetenfernen Punkt (Perijovum) mit 700.000 km Abstand zusteuern ließ. Der Vorteil dieser speziellen Bahn ist es, dass das Fluggerät in seinem dann folgenden jupiternahen Punkt (Apojovum) mit nur knapp 8.000 Kilometern Entfernung einen perfekten Blickwinkel auf die Hochatmosphäre des Gasriesen hat. Knapp ein Jahr nach Eintreffen gelang es nun, die hochauflösenden Bilder der innovativen Kamera JunoCam zu einer Filmsequenz zu koppeln. Dabei machte JUNO seinem Namen als „Jupiter Polar Orbiter“ alle Ehre, denn der unter http://www.starobserver.org/ap170607.html  einsehbare Film zeigt extrem interessante Strukturen mit Stürmen und Verwirbelungen bis hin zum Südpol. Auffälligster Part ist dabei die Kette von nacheinander auftauchenden weißen Gebilden, die allesamt gigantische Wirbelstürme von der Größe Europas darstellen und in einem fast gleichen Abstand zueinander stehen. Die Qualität der Aufnahmen ist umso erstaunlicher, wenn man sich die Rahmenbedingungen mithilfe eines Beispiels verdeutlicht: Man sitzt in einem ICE und rast mit unvorstellbarer Geschwindigkeit an einem Bahnhof vorbei und soll diesen dann auch noch fotografieren. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Zug zur Lagestabilität um die eigene Achse dreht.
Abschied nehmen heißt es allerdings von einer der erfolgreichsten Raumfahrt-Missionen bisher: Die Saturn-Sonde CASSINI wird in den nächsten Wochen in die Saturn-Atmosphäre eintauchen und verglühen. Sie hat dann eine knapp 20-jährige Forschungstätigkeit nachzuweisen, in der sie nicht nur den Ringplaneten erkundete. Grandiose Aufnahmen der großen Saturnmonde und des Ringsystems haben dazu geführt, dass unser Wissen und Verständnis vom Sonnensystem entscheidend erweitert wurden. Es kamen aber auch neue Fragen hinzu: Birgt die fragile Eiswelt von Enceladus vielleicht sogar einen unterirdischen Ozean?
Nun aber steht das „Grand Final“ an. Was bisher als zu risikoreich galt, wird jetzt zur Methode: Da die Sonde ehedem aufgegeben werden muss, bewegt sie sich nun durch die gefährlichen Ringe und die Cassinische Teilung. Dabei entstanden aufsehenerregende Bilder: http://www.starobserver.org/ap170618.html
Dies hätte sich der italienische Astronom Giovanni Domenico Cassini vor fast 400 Jahren kaum träumen lassen, als er mit seinem Teleskop die nach ihm benannte Teilung der Saturnringe als erster Mensch erblickte.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Donnerstag 01.06.2017
45. Tanz der Monde
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Die Sonne befindet sich fast 16 Stunden über dem Horizont und wenn man dann noch die Dämmerungszeiten mit einbezieht, sind gerade einmal sechs Stunden Beobachtungszeit möglich. Insofern besteht erst spät am Abend die Gelegenheit, den gestirnten Himmel intensiver zu betrachten. 
Am 21. Juni haben wir Sommeranfang und somit bereits den längsten Tag des Jahres. Die Möglichkeit, aufgrund günstiger Temperaturen den Lauf der Gestirne über einen längeren Zeitraum zu verfolgen, ist größer als zuvor. Die himmlische Tafel hierfür ist reich gedeckt: Tief im Westen kann man noch mit den Zwillingen und dem Sternbild Fuhrmann zwei Wintersternbilder erkennen. Den Süden beherrscht das Frühlingssternbild Löwe und im Osten schiebt sich schon das Sommerdreieck mit den Sternbildern Leier, Schwan und Adler deutlich über den Horizont.
Der Nachthimmel insgesamt wird aber von einem anderen Objekt beherrscht: Es ist der im Sternbild der Jungfrau stehende Planetenriese Jupiter, der beständig die Strahlen der Sonne reflektiert und so durch sein ruhiges Licht auffällt.
Schon mit einem Feldstecher lässt sich der Tanz der vier Hauptmonde des Jupiters wunderbar verfolgen. Dabei wird deutlich, dass sich Io, Europa, Ganymed und Callisto auf einer Bahnebene befinden und so für den Betrachter wie auf einer Perlenschnur aufgereiht zu sein scheinen.
Genau dies fiel in den ersten Januartagen des Jahres 1610 dem italienischen Gelehrten Galileo Galilei auf, als er sein neu konstruiertes Fernrohr auf den Jupiter richtete. In den darauffolgenden Tagen begann er die Verschiebungen dieser kleinen Objekte untereinander wahrzunehmen. Akribisch skizzierte er ihre Positionen und stellte so fest, dass die „kleinen Sterne“, wie er sie nannte, ihre Wechsel nach genauen Zeitabläufen vollzogen.
Es ist heute kaum nachvollziehbar, doch eine der größten Entdeckungen in der Menschheitsgeschichte barg gleichzeitig eine große persönliche Gefahr in sich. Nach der damals gängigen Ansicht, drehte sich das gesamte Firmament um die Erde. Es war Teil des damals geltenden geozentrischen Weltbilds. Der römische Klerus hatte diese etwa 1800 Jahre vorherrschende (aber falsche) Auffassung zum Dogma erklärt. Wer sich gegen diese Lehrmeinung stellte, hatte recht schnell mit der Inquisition zu tun.
Ahnte Galilei diese Gefahr? War nicht fast genau zehn Jahre zuvor der Mönch Giordano Bruno wegen der angeblich ketzerischen Behauptung, dass es noch weitere Sonnensysteme im Universum gäbe, öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden? Aber hatte er nicht soeben vier Objekte über Wochen beobachtet, die sich nun eindeutig nicht um unsere Erde bewegten? Galileo selbst versteckte diese Entdeckung nicht, waren sie doch zugleich gegen den deutschen Astronomen Simon Marius zu verteidigen, der den Ruhm der Erstbeobachtung auch für sich in Anspruch nahm (siehe Kosmos 10/16 – Der „Fränkische Galilei“).
So nahm das Unheil seinen Lauf. Zwar trat Galilei mit dem Klerus in eine Dialog, doch konnte er letztendlich die Anklage zwar widerlegen – aber nicht verhindern. Von den „Befragungstechniken“ der Inquisitoren schwer beeindruckt, schwor der inzwischen hochbetagte Forscher von seinen Erkenntnissen ab. Das Gericht ließ Milde walten und verurteilte Galileo zu lebenslangem Hausarrest. Doch der Forscher verzweifelte nicht: Der fast blinde Pisaner diktierte seine wissenschaftlichen Aufsätze (die sog. „Discorsi“) einem Schreiber. Da viele Schriften Galileos auf dem Index landeten, wissen wir heute größtenteils nur durch diese Aufzeichnungen von seinen großen Leistungen für die Wissenschaft. Ob er allerdings nach der Urteilsverkündung den mutigen Spruch „...und sie bewegt sich doch!“ ausrief, scheint mehr eine Legende zu sein.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Montag 01.05.2017
44. Intergalaktische Triebwerkbauer?
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Nachdem sich nun auch noch der Mars vom Abendhimmel verabschiedet hat, ist der Planetengigant Jupiter als hellstes Objekt sichtbar. Er wird von den Frühlingssternbildern Jungfrau und Löwe flankiert.  Am 10. Mai gesellt sich der Vollmond dazu. Den Morgenhimmel beherrscht jetzt die Venus. Sie steigert ihre Helligkeit im Laufe des Monats stetig, da sie sich immer weiter von der Sonne entfernt und somit auch früher aufgeht.
Schon der amerikanische Astronom Carl Sagan hatte einst gesagt, dass „der Kosmos das ist, was je war und je sein wird. Wir stehen vor dem Größten aller Geheimnisse.“
Dies scheint sich nun in den unendlichen Tiefen des Weltalls erneut zu bestätigen. Denn nach dem zwei Arten von Strahlungsausbrüchen wissenschaftlich erklärt werden konnten, ergibt sich mit den vor Kurzem entdeckten FRBs (Fast Radio Bursts) ein neues Rätsel, das auf seine Entschlüsselung wartet.
Aber der Reihe nach: In Kosmos 06/15 wurde auf das erste Rätsel der drei extrem energiereichen Strahlungsspitzen aufmerksam gemacht. Lange Zeit galten die GRBs (Gamma Ray Bursts) als wahre Energiemonster. Ihre Rekordhalter können auf die kurzzeitige Leuchtkraft von mehreren Billionen Sonnen verweisen. Heute geht man davon aus, dass in diesem Fall die Gammablitze vom Ausbruch einer Hypernova, dem Tod eines sehr massereichen Sternes stammen.
Ein zweites Rätsel wurde kürzlich richtig gedeutet: Bei der Verschmelzung zweier Sterne im Sternbild Skorpion, die sich nach vielen Jahren der Annäherung einfach zu Nahe kamen, wurde erstmalig ein sogenannter Mergerburst  erfasst, bei deren Fusion extreme Röntgenblitze gemessen wurden. Für die astronomische Wissenschaft ergibt sich sogar in naher Zukunft die unglaubliche Möglichkeit der Überprüfung dieses Verschmelzungsprozesses: Schon heute wartet man mit großer Spannung auf das Jahr 2022, wenn im Sternbild Schwan der Doppelstern KIC 9832227 verschmilzt. Ihr immer stärkeres Zusammenrücken in den vergangenen Jahren scheint diese Vorausschau zu unterstützen. Momentan sind die beiden Sterne mit einer bzw. drei Sonnenmassen nur noch so gering voneinander entfernt, dass sie sich in 11 Stunden umrunden. Damit wird das oben genannte Datum mit einem Unsicherheitsfaktor von gerade einmal 9 Monaten recht genau voraussagbar.
Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte würde dann für jeden sichtbar eine Rote Nova aus der Fusion zweier bekannter Sterne entstehen. Für ungefähr sechs Monate könnte dieser neue Stern deutlich erkennbar sein, bevor er durch die dann verebbenden Energien langsam verblassen würde.
Das dritte Rätsel stellen die schnellen Radioausbrüche (FRBs) dar. 17 Ereignisse wurden bisher registriert, jedoch waren auch 17 verschiedene Quellen nachweisbar. Nun konnte ein Forscherteam der Cornell University erstmalig nachweisen, dass eine völlig unscheinbare Zwerggalaxie zum zweiten Mal der gleiche Ausgangspunkt eines solchen Blitzars ist. Dieses Objekt mit der Bezeichnung FRB 121101 ist sage und schreibe drei Milliarden Lichtjahre von unserer Milchstraße entfernt. Das heißt, dass die jetzt empfangenen Ausbrüche tatsächlich zu einer Zeit abgestrahlt wurden, als unsere Sonne schon die Hälfte ihrer jetzigen Lebenszeit hinter sich hatte.
Das Unglaubliche an der Energieabgabe dieses schnellen Radioausbruchs ist allerdings, dass bei jedem der beiden Ereignisse in wenigen Millisekunden einige Millionen mal mehr Energie ausgestoßen wurde, als unsere Sonne in ihrer bisherigen Lebenszeit produziert hat.
Da die sehr kurzen FRBs eine bisher nicht bekannte astronomische Ursache haben, regt dies natürlich zu den ungewöhnlichsten Fantasien an: Manche Forscher glauben darin tatsächlich den Hinweis auf die Solarsegel-Triebwerke von Raumschiffen intelligenter Lebewesen zu sehen – leider aber ohne jegliche Aussicht darauf, dass diese grandiosen Triebwerksbauer je bei uns vorbeischauen könnten.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
Autor: Siehe Artikel
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