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Inhaltsverzeichnis
51. Musikliebhaber im Sternbild Orion

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50. GW 170817 - Die erste beobachtete Kilonova

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49. Goodbye Cassini!

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48. Aristarchos von Samos – ein Copernicus der Antike

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47. Saros 145 kehrt zurück – Amerika in den Zeiten des abnehmenden Li...

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46. Willkommen und Abschied

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Freitag 01.12.2017
51. Musikliebhaber im Sternbild Orion
Am 21. Dezember ist die Wintersonnenwende. Die Sonne erreicht mit gerade einmal 18° ihre geringste Mittagshöhe. Damit ist der kürzeste Tag erreicht. Von nun an werden die Tage wieder länger. Gleichzeitig sind dies auch die längsten Beobachtungsnächte des Jahres. Eine besondere Möglichkeit, sich den großen Stern-Formationen am Himmel zu widmen. Tief im Südwesten ist noch immer das Sommerdreieck mit Leier, Adler und Schwan zu erkennen. Im Süden hat das Herbstviereck mit Pegasus und Andromeda seine größtmögliche Höhe am frühen Abend erreicht. Im Laufe des Abends und der Nacht steigen dann mit dem Wintersechseck die prunkvollsten Sterne des Firmaments empor. Hoch oben zeigt sich Kapella aus dem Sternbild Fuhrmann in hellem Glanz. Links unterhalb sind deutlich die Zwillingssterne Kastor und Pollux zusehen. Rechts hingegen fallen der rötliche Hauptstern Aldebaran aus dem Stier ebenso auf, wie die funkelnde Sternengruppe des Siebengestirns. Unterhalb der Zwillinge sind markant einzeln stehende Objekte mit dem kleinen Hundsstern Prokyon und dem hellsten Nachtstern Sirius im Großen Hund zu erkennen. Allen voran aber steht der große Himmelsjäger Orion mit seinen auffälligen drei Gürtelsternen und den vier seitlich begrenzenden Schulter- und Fußsternen in seiner ganzen Pracht am Nachthimmel. Der rote Riese Beteigeuze ist dabei besonders auffällig, da er der hellste Stern ist, der innerhalb der Sechseckverbindung zu sehen ist.
Sein Name bedeutet soviel wie die „verletzte Schulter des Kriegers“. Ein Hinweis auf den mythologischen Hintergrund des Kampfes zwischen Orion und dem Himmelsstier Taurus. Der wütende Stier hatte den Jäger im Kampf schwer verletzt.
Das kleine Vorharzstädtchen Halberstadt hat mit dem „John Cage Organ Project“ eine musikalische Besonderheit zu bieten. Hier, im Kloster St. Burchardi, erklingt unter dem Titel "As slow as possible" das längste Musikstück der Welt. Genau 639 Jahre soll es auf einer speziellen Blockwerkorgel erklingen. Im Jahr 2000 war der Auftakt dieses ungewöhnlichen Projekts. Am 5.September 2020, dem 108.Geburtstag von John Cage, findet der nächste Klangwechsel statt.
Doch was hat dieses Projekt mit dem Stern Beteigeuze zu tun? Ganz einfach: Mit dem ersten Orgel-Klang sind deren Signale mit Lichtgeschwindigkeit in das uns umgebende Weltall gedrungen und haben sich so auch auf den Weg zum zweithellsten Orionstern gemacht. Sollten nun auf einem Exoplaneten im Beteigeuze-System intelligentes Leben existieren, so könnten sie nach 320 Jahren diese ersten Töne empfangen. Sicherlich gefällt den 3.000 Billionen Kilometer entfernten Musikliebhabern das Musikstück auch und sie lassen uns eine euphorische Nachricht zukommen. Doch ach, just in dem Moment, da uns ihre Nachricht nach wiederum 320 Jahren erreicht, ist der letzte Ton in der Klosterkriche gerade verhallt. Das Stück ist aus. Was ist daran so ungewöhnlich? Ein Musikstück und seine Klänge über 639 Jahre aufrecht zu erhalten, scheint nach irdischen Maßstäbe unvorstellbar lang zu sein, doch die mit der Lichtgeschwindigkeit von 300.000 Kilometer pro Sekunde übertragenen Informationen erreichen gerade einmal unsere allernächste Nachbarschaft in der Milchstraße: Was sind schon 320 Lichtjahre Entfernung zu Beteigeuze im Vergleich mit der gigantische Ausdehnung unserer Heimatgalaxis von 100.000 Lichtjahren? Von der Begeisterung in der mehr als 2,25 Millionen Lichtjahre entfernten Nachbargalaxis Andromeda ganz zu schweigen.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Mittwoch 01.11.2017
50. GW 170817 - Die erste beobachtete Kilonova
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Zum fünfzigsten Mal erscheint mit dem heutigen Datum ein Kosmos Artikel in KK. Ein kleines Jubiläum, doch dieser Artikel wird über die Geburtsstunde einer neuen Sparte der Astronomie berichten, die gleichzeitig einen weiteren Abschnitt dieser ältesten und vielleicht dynamischsten aller Naturwissenschaften einleitet.
Sie ist zurückzuführen auf ein Jahrhundertereignis, welches mit den Folgen der direkten Beobachtung der Supernova von 1987 vergleichbar ist oder, wenn man noch weiter zurück denkt, mit der einstigen Kopernikanischen Wende von 1543. Die bis vor kurzem noch als hypothetisch gehandelte Gravitationswellen-Astronomie wird sich als neuer und revolutionierender Wissenschaftszweig der Astronomie etablieren, da sie sich selbst mit zwei eindeutigen Beweisen aus dem Abseits der Theorie ins Zentrum katapultiert hat.
Aber der Reihe nach: Da waren zunächst die GRB`s, die großen Radioausbrüche, über deren Erscheinungen bereits in Kosmos 6-15 ausführlich berichtet wurde. Dann gab es im Januar 2017 die ersten Nachweise der Gravitationswellen durch die Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher und Anfang Oktober wurden die drei Wissenschaftler Rainer Weiss, Barry C. Barish und Kip Thorne, die maßgeblich die entscheidenden Voraussetzungen für diese Entdeckung durch die beiden LIGO-Detektoren geliefert hatten, mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Nach diesem grandiosen Erfolg der Gravitationswellenforschung wartete man eigentlich nur auf die endgültige und auch schon postulierte zweite Beobachtung eines Gravitationswellen-Phänomens. Dabei waren die vielen beteiligten Wissenschaftler aber extrem vorsichtig, denn vorschnelle Ergebnispräsentationen sind dann sehr gefährlich, wenn die Beweisführung nicht durch mehrfache und verifizierte Beobachtungen bewiesen werden kann. Die Gerüchteküche brodelte. Doch am 16.10.2017 ging man an die Öffentlichkeit: Die erste jemals identifizierte Kilonova sei eindeutig in den verschiedensten Bereichen der elektromagnetischen Strahlung detektiert worden.
Und dann die eigentliche Sensation: Bereits zwei Sekunden vor dem eigentlichen Ereignis kamen die Schwingungen der Raumzeit in Form der Gravitationswellen auf der Erde an und wurden sogar gleich dreifach identifiziert.
Doch was genau war passiert? Zwei Neutronensterne, die ja als Endprodukte der Entwicklung von Sternen mit mehr als acht Sonnenmassen gelten, waren sich in ihrem kosmischen Tanz so nahe gekommen, dass sie miteinander verschmolzen sind.
Was ist daran so neu? Hier liegen im Gegensatz zu der Verschmelzung Schwarzer Löcher konkret beobachtbare Objekte vor: Die beiden so vereinigten „Sternenleichen“, die mit ihren auf knapp 10 km Durchmesser komprimierten zwei Sonnenmassen zu den Exoten des Universums zählten, setzen Energien frei, die das irdische Maß völlig überschreiten: In nur wenigen Millisekunden wurde soviel Strahlung emittiert, wie unsere Sonne in ihrem gesamten Leben freisetzt. Ein schier unglaublicher Wert. So zeigte sich wieder einmal nachhaltig, dass der Kosmos noch heute voller Geheimnisse steckt und unsere irdischen Vorstellungskräfte bei weitem übertrifft. Vor allem wenn man bedenkt, dass diese Kilonova in der Galaxis NGC 4993 entsprechend ihrer Entfernung vor 170 Millionen explodierte. Zu einem Zeitpunkt also, wo an die Existenz des Menschen noch nicht zu denken war.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Sonntag 01.10.2017
49. Goodbye Cassini!
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Im Oktober werden die Tage nun deutlich kürzer. Bis zur Umstellung auf die Winterzeit in der Nacht zum 29. Oktober wird die Sonne schon gegen 17 Uhr untergehen. An wärmeren Abenden kann man dann schon recht früh den gestirnten Himmel bewundern, der nun mehr und mehr vom Herbstviereck beherrscht wird. Tief im Südwesten ist auch Saturn letztmalig in diesem Jahr zu sehen. Schon mit einem guten Feldstecher lässt sich sein Ringsystem gut erkennen, das sich momentan in Richtung Erde neigt.
Der Gasgigant war vor wenigen Tagen in aller Munde, endete dort doch die wohl erfolgreichste Planetenmission der Geschichte mit dem absichtlichen Verlust des Raumschiffs recht spektakulär. Aber der Reihe nach: Für Bill Clinton galt es im Jahr 1997 eine äußerst schwierige Entscheidung zu treffen. Die von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA gebaute Raumsonde namens Cassini sollte nicht nur mit 30 kg Plutonium an Bord in Cape Canaveral starten, sondern zwei Jahre später bei einem sogenannten „Swing-By-Manöver“ in Erdnähe Schwung holen. Da beim fernen Saturn Solarpaneele für die Energiegewinnung nicht in Betracht kamen, war dieses kleine Atomkraftwerk die einzige Alternative. Eine Bürgerinitiative protestierte dagegen vehement, die Öffentlichkeit war alarmiert. Mit der Tochtersonde Huygens - gebaut vom europäischen Raumfahrtpendant ESA – befand sich zudem ein Partner an Bord. So waren auf amerikanischer wie europäischer Seite gehörige Mengen an Steuergelder in das jeweilige Projekt geflossen. Der Präsident der USA unterschrieb jedenfalls die Starterlaubnis.
Jetzt nach fast 20 Jahren kann man konstatieren, dass alle Sicherheitsbedenken unnötig waren, denn alle Parameter des Fluges und des Eintritts in den Saturnorbit liefen so perfekt, dass die nun Cassini-Huygens betitelte Mission mehrfach verlängert werden konnte. Schon die ersten Resultate, die Huygens vom größten Saturnmond Titan zur Muttersonde funkte, waren spektakulär: Der Riesenmond, der sogar etwas größer als der Planet Merkur ist, erfüllte alle Eigenschaften eines Planeten. Allein seine Erdgasvorkommen, die bei -180°C als riesige schwarze Methanseen sichtbar wurden, sind 200 mal größer als die der Erde. Doch dann entdeckte Cassini nicht nur Tausende von einzelnen Ringen, sondern ein nur 500 km Durchmesser aufweisender Mondwinzling namens Enceladus trat zunehmend in den Focus der Beobachtung. Eine völlig neue Form des Vulkanismus wurde dabei auf Titan entdeckt. Fast 50 verschiedene Vulkane lassen flüssiges Wasser an der Oberfläche sofort zu Eispartikeln gefrieren, die in riesigen Fontänen kilometerhoch aufsteigen. Noch sensationeller ist allerdings deren Ursprung. Er kann nur von hydrothermalen Quellen stammen, die ihrerseits von einem gigantischen unterirdischen Ozean gespeist werden. Flüssiges Wasser wiederum könnte der Ausgangspunkt von verschiedenartigsten Lebensformen sein, die sich in diesem Biotop, ähnlich wie in den Tiefseen der Erde, entwickelt haben könnten.
Diese Entdeckung allerdings war auch das Todesurteil für Cassini. Sie bei fehlendem Brennstoff unkontrolliert weiter fliegen zu lassen, wäre zu gefährlich gewesen, denn die dahin trudelnde Raumsonde hätte auf Enceladus stürzen können. Da nicht garantiert werden konnte, dass Cassini keimfrei ist und vor dem Start mit irdischen Mikroben verseucht wurde, hätte sie den Saturnmond kontaminieren können. So nutzte man die letzten Reserven des Raketentreibstoffs Hydrazin, um das immerhin 3 Tonnen schwere Gefährt in der Atmosphäre von Saturn verglühen zu lassen. Aber die Sonde erwies sich als besonders robust und zäh: Noch bis kurz vor dem Verglühen sandte sie Daten und Fotos der Saturnatmosphäre zur Erde und der letzte Funkkontakt war fast eine Minute länger als geplant. Trotzdem war es wohl für viele Forscher aus Europa und Amerika, die teilweise bis zu 30 Jahren an den Missionen beteiligt waren, ein wehmütige Abschied: Goodbye Cassini!
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Donnerstag 31.08.2017
48. Aristarchos von Samos – ein Copernicus der Antike
Deutlich bemerken wir, dass die Tage kürzer werden. Die Sonne kreuzt auf ihrer scheinbaren Bahn am 22.9. die Ekliptik, wir haben Tagundnachtgleiche und der Herbst beginnt. Für die abendliche Beobachtung der Sterne und Planeten ist dies natürlich förderlich. Allerdings sind nur Saturn in den Abend- und Venus in den Morgenstunden knapp zwei Stunden sichtbar. Ansonsten bestimmen die Sternbilder des Sommerdreiecks den Himmel. Von ihren Hauptsternen ist die Wega im Sternbild der Leier als erstes in der Dämmerung zu erblicken, doch Deneb im Schwan und Atair im Adler folgen bald.
Nicht erst mit Nicolaus Copernicus und seinem 1543 erschienenem Werk „Über die Umschwünge der himmlichen Kreise“ begann die Diskussion über die Sonne im Zentrum unseres Systems. Schon in der Antike gelangte ein griechischer Philosoph durch seine Beobachtungen zu der Auffassung, dass die Sonne der Mittelpunkt der Bewegung der Planeten sei: Es war Aristarchos von Samos (310-230 v.Chr.), der eigentlich der Schule des Aristoteles verpflichtet war. Dieser hatte die Erde als Mittelpunkt aller Bewegungen definiert und die idealen Kreisbahnen für alle umlaufenden Körper festgelegt. Doch Aristarchos besaß in Straton einen genialen Lehrer, den man den „Physiker“ nannte. Er war zwar auch ein aristotelischer Schüler, allerdings basierten seine Lehrauffassungen auf Experimenten und deren Beweisführung. Diese Methode übernahm Aristarchos. Seine Überlegungen und Berechnungen bezogen sich zunächst jedoch auf den Mond. Hierbei gelang es ihm den Beweis zu führen, dass die Erde die knapp dreifache Größe des Erdmondes hätte, was dem heutigen Wert von 3,67 schon recht nahe kam. Logischerweise erweiterte er seine Überlegungen auf die Sonne als den dritten Körper im Bunde. Sein Resultat, dass die Sonne somit rund 19 mal so groß wie die Erde sei, weicht vom realen Wert 109 zwar erheblich ab, trotzdem wurde dem von der Insel Samos stammenden Wissenschaftler klar, dass sich ein solch riesiger Körper schwer um die wesentlich kleinere und somit leichtere Erde bewegen konnte.
Doch genau diese Erkenntnis war der Ausgangspunkt für sein Scheitern, denn obwohl er eine vorurteilsfreie Interpretation seiner astronomischen Messergebnisse durchgeführt hatte, lehnte er sich damit eindeutig gegen die vorherrschenden Lehrmeinungen der großen Philosophen Platon und Aristoteles auf. Seine Gedanken waren – genau wie 1800 Jahre später bei Copernicus - einfach zu revolutionär, sie galten als respektlos und griffen die göttlich – vollkommene Ordnung direkt an.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist zu beachten, um den fehlenden Zuspruch seiner Gedanken zu begreifen: Er hatte nie eine eigene Schule, die sein Wissen durch Schüler hätte verbreiten können. So gerieten seine Anschauungen in Vergessenheit und er selbst war seinen Zeitgenossen eher durch die Erfindung einer sphärischen Sonnenuhr, der sehr beliebten Skaphe, bekannt.
Nicolaus Copernicus Lehren gerieten nicht in Vergessenheit, denn dafür sorgten die Verbreitungen seiner Schriften durch die Buchdruckkunst und der Beweis seiner Lehren durch Galileo Galilei, Johannes Keppler und Sir Isaac Newton.
Für den großen Reformator Martin Luther hingegen war der kühne Gedanke, die Erde könne sich bewegen, zu absurd und so verspottete der fortschrittlichste Theologe seiner Zeit den progressiven Vordenker Copernicus in einer seiner Tischreden als den „Narren der Astronomie“.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Dienstag 01.08.2017
47. Saros 145 kehrt zurück – Amerika in den Zeiten des abnehmenden Lichts
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Noch immer beherrscht den Planetenriese Jupiter den Abendhimmel. Kurz nach der Dämmerung erscheint er in südlicher Richtung gleich neben Spika, dem Hauptstern des Sternbilds Jungfrau. Ihr Name bedeutet soviel wie Kornähre, was ein Hinweis auf seine uralte Bedeutung als Erntestern darstellt. Die Jungfrau selbst wird als Beschützerin der Bauern und der Einbringung ihres Korns betrachtet. Saturn hat sich nun im Osten in die Nähe des Sternbildes Skorpion verlagert und ist in der Nähe des Hauptsterns Antares zu finden. Die Venus bleibt Morgenstern im Sternbild Stier.

In vielen Bundesstaaten der USA wird sich in diesem Monat ein außerordentliches Naturschauspiel beobachten lassen. Am 21. August wird quer durch das Land vom Pazifik bis zum Atlantik eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten sein.
Der Finsternisschatten, welcher mit einer Geschwindigkeit von mehr als 2400 Stundenkilometern „from Coast to Coast“ rasen wird, erlaubt es den Beobachtern, das Naturschauspiel teilweise mehr als zwei Minuten zu bewundern. Die sogenannte Mitte der Finsternis liegt dabei in der Nähe der Stadt Kansas City. Hier wird die maximale Verfinsterungszeit 2 Minuten und 40 Sekunden betragen. Auch andere Städte wie Salem (Oregon), Idaho Falls (Idaho), Casper (Wyoming), Lincoln (Nebraska), Nashville (Tennessee) und Columbia (Georgia) liegen in der Nähe der Zentrallinie und man rüstet sich dort entsprechend der Wetterprognosen schon jetzt auf einen enormen Besucheransturm. Insgesamt könnten bis zu 500 Millionen Menschen die Totalität betrachten, die durch den Kernschatten des Neumondes ausgelöst wird. Übrigens ist die Verdunkelung von Teilen der Erde einem Zufall der Natur geschuldet: Der Erdmond ist 400mal kleiner als die Sonne, doch ist die Sonne wiederum 400mal weiter von der Erde entfernt als unser Erdtrabant und nur so kann dieser sie zu 100 Prozent überdecken.
Die periodische Wiederkehr von totalen Sonnenfinsternissen ist schon seit der Zeit des babylonischen Königs Saros bekannt. Seine Hofastronomen waren aufgrund ihrer Berechnung zu der Erkenntnis gelangt, dass sich totale Eklipsen je nach Anzahl der Schaltjahre alle 18 Jahre und 10 bzw. 11 Tage wiederholen. Noch heute werden Finsternisse nach diesem Saros-Zyklus berechnet und vorausgesagt. Das nordamerikanische Ereignis gehört zum Beispiel zum Saros 145. Ein solcher Zyklus umfasst immerhin 71 Finsternisse in einem Zeitraum von 1270 Jahren.
Am 11. August 1999 war in weiten Teilen Deutschlands auf der Linie Stuttgart-München das Verschwinden des Sonnenlichts beobachtbar. Rechnet man nach, so wird schnell klar, dass auch die damalige kurzzeitige Lichtlosigkeit zum Zyklus Saros 145 gehörte. In Europa wird es erst wieder 2026 in Südspanien möglich sein, eine totale Sonnenfinsternis zu bestaunen. Schon ein Jahr später erwartet dann erneut Südspanien eine fast siebenminütige Jahrhundertfinsternis.

Bleibt zu hoffen, dass die amerikanischen Astronomen mit entsprechenden Hinweisen auf die Sicherheitsvorkehrungen bei totalen Sonnenfinsternissen und dem rechtzeitigem Anbieten und Vertreiben der sogenannten Finsternisbrillen soviel Erfolg haben werden, dass es selbsternannten Experten mit angelesenem Halbwissen nicht wie vor zwei Jahren in Deutschland gelingt, das Betrachten diese einzigartigen Naturerscheinung zu verteufeln oder gar zu verbieten.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Samstag 01.07.2017
46. Willkommen und Abschied
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Raumsonde Cassini
Am Abendhimmel treten nach und nach die hellsten Sterne hervor und geben der Dämmerung damit einen sich langsam steigernden Glanz. Mit als erstes sind die sieben Fixpunkte der uns als „Großer Wagen“ bekannten Konstellation zu sehen. Bis weit nach 22 Uhr vervollständigt sich dann das riesige Sternbild des „Großen Bären“ (zu dem tausende von Objekten gehören), wobei die internationale wissenschaftliche Bezeichnung für diese bekannteste Himmelskonstellation der nördlichen Hemisphäre „Ursa Major“ lautet. Hierbei handelt es sich um eine zirkumpolare Erscheinung, was heißt, dass dieses Sternbild bei entsprechenden Bedingungen das ganze Jahr über sichtbar ist.
Die Gasplaneten Jupiter und Saturn bestimmen in südlicher Richtung noch immer den Nachthimmel, während sich die Venus nach wie vor als Morgenstern präsentiert.
Ein großes Willkommen gab es im vergangenen Juli, als die NASA-Raumsonde JUNO nach fast sechsjährigem Flug endlich den Gasgiganten Jupiter erreichte. Zu diesem Zeitpunkt war sie die schnellste jemals von Menschen erschaffene Maschine. Das Abbremsmanöver der vier mit Hydrazin gespeisten Triebwerke verringerte die Geschwindigkeit von 266.000 Stundenkilometern entscheidend und brachte die Raumsonde auf eine ganz spezielle Bahn, die sie auf einen planetenfernen Punkt (Perijovum) mit 700.000 km Abstand zusteuern ließ. Der Vorteil dieser speziellen Bahn ist es, dass das Fluggerät in seinem dann folgenden jupiternahen Punkt (Apojovum) mit nur knapp 8.000 Kilometern Entfernung einen perfekten Blickwinkel auf die Hochatmosphäre des Gasriesen hat. Knapp ein Jahr nach Eintreffen gelang es nun, die hochauflösenden Bilder der innovativen Kamera JunoCam zu einer Filmsequenz zu koppeln. Dabei machte JUNO seinem Namen als „Jupiter Polar Orbiter“ alle Ehre, denn der unter http://www.starobserver.org/ap170607.html  einsehbare Film zeigt extrem interessante Strukturen mit Stürmen und Verwirbelungen bis hin zum Südpol. Auffälligster Part ist dabei die Kette von nacheinander auftauchenden weißen Gebilden, die allesamt gigantische Wirbelstürme von der Größe Europas darstellen und in einem fast gleichen Abstand zueinander stehen. Die Qualität der Aufnahmen ist umso erstaunlicher, wenn man sich die Rahmenbedingungen mithilfe eines Beispiels verdeutlicht: Man sitzt in einem ICE und rast mit unvorstellbarer Geschwindigkeit an einem Bahnhof vorbei und soll diesen dann auch noch fotografieren. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Zug zur Lagestabilität um die eigene Achse dreht.
Abschied nehmen heißt es allerdings von einer der erfolgreichsten Raumfahrt-Missionen bisher: Die Saturn-Sonde CASSINI wird in den nächsten Wochen in die Saturn-Atmosphäre eintauchen und verglühen. Sie hat dann eine knapp 20-jährige Forschungstätigkeit nachzuweisen, in der sie nicht nur den Ringplaneten erkundete. Grandiose Aufnahmen der großen Saturnmonde und des Ringsystems haben dazu geführt, dass unser Wissen und Verständnis vom Sonnensystem entscheidend erweitert wurden. Es kamen aber auch neue Fragen hinzu: Birgt die fragile Eiswelt von Enceladus vielleicht sogar einen unterirdischen Ozean?
Nun aber steht das „Grand Final“ an. Was bisher als zu risikoreich galt, wird jetzt zur Methode: Da die Sonde ehedem aufgegeben werden muss, bewegt sie sich nun durch die gefährlichen Ringe und die Cassinische Teilung. Dabei entstanden aufsehenerregende Bilder: http://www.starobserver.org/ap170618.html
Dies hätte sich der italienische Astronom Giovanni Domenico Cassini vor fast 400 Jahren kaum träumen lassen, als er mit seinem Teleskop die nach ihm benannte Teilung der Saturnringe als erster Mensch erblickte.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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