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Inhaltsverzeichnis
Puchheim: Quadro Nuevo – Alle Jahre wieder …...

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Iffeldorf: Lassus Chor – Zwischen Glanz und Andacht

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Landsberg: Thomas Siffling - Clubtauglich

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Fürstenfeldbruck: Ausstellung „ … und dann brach der Krieg here...

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Zirkusschweine im Tiefenlicht – Hinterglasmalerei in Penzberg, Bernri...

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Fürstenfeld: Chris Gall & Bernhard Schimpelsberger – Kreative Einheit...

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Montag 11.12.2017
Puchheim: Quadro Nuevo – Alle Jahre wieder …...
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Fotos: Martin Gebhardt
Puchheim. Zauberhafte Klänge aus verschiedenen Jahrhunderten und fernen Welten präsentierten am Freitagabend Quadro Nuevo im Puchheimer Kulturcentrum PUC. Das Quartett unternahm eine musikalische Reise durch die westlichen und östlichen Kulturen. Ohne Argwohn und Skepsis zeigte sich Musik als die Grundlage einer wirksamen Völkerverständigung. Harmonische Ausgewogenheit trotz scheinbarer Gegensätze, zwischen orientalischer Folklore, Jazzimprovisationen, christlicher Weihnachtstradition oder südamerikanischem Bossa Nova. Quadro Nuevo – die grenzenlosen Kulturbotschafter aus der bayrischen Provinz.
KultKomplott
Autor: Siehe Artikel
Sonntag 10.12.2017
Iffeldorf: Lassus Chor – Zwischen Glanz und Andacht
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Iffeldorf. Bevor die Emanzipationsbewegung der Instrumentalmusik zu Beginn des 18. Jahrhunderts so richtig an Fahrt aufnahm, war es überwiegend vokale Musik, die die Menschen rührte. Das gesungene Lied als die ursprüngliche Form des künstlerischen Ausdrucks. Der Komponist und Sänger Matthew Brown stellte in einem Interview fest: „Chormusik ist für mich Ausdruck, aber auch Bedingung des Lebens selbst. So ist der Ausdruck des Menschseins.“ Übrigens sind auch pränatal zuerst die Stimmbänder angelegt, bevor sich das Hör- und Gleichgewichtsorgan entwickelt.
Chorsingen festigt das Gemeinschaftsempfinden und schult das Hin- und das Zu-Hören. Insofern gehört in jede ernst zu nehmende Konzertreihe auch ein Chorabend. In Iffeldorf wurde dieser Anspruch am gestrigen Abend eingelöst. Auf der Bühne des Gemeindezentrums an den Osterseen stand mit dem Münchner Lassus Chor ein schon seit Jahrzehnten bestehendes Vokal-Ensemble, dessen Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus reicht.
Künstlerische Leiterin des Chores ist seit September dieses Jahres Andrea Fessmann, die zugleich über sechs Jahre die Iffeldorfer Meisterkonzerte erfolgreich managt. Sie selbst sagt übrigens: „Unser Weg ist der Klang, die Schwingung, die Wahrnehmung, die Musik eben...“.
Und genau unter diesem Motto stand auch das Konzert am Samstag. Die Großformation präsentierte sich in unterschiedlichen Facetten, interpretierte das Programm, wie kompositorisch verlangt, zwei- bzw. dreichörig, wurde im gemeinsamen Verbund unterstützt vom eigenen Bläserensemble und sie alle zusammen nutzten die räumlichen Gegebenheiten für gedachte Standortwechsel, um die Möglichkeiten sowohl akustisch, als auch visuell zu variieren. 
Das Repertoire setzte sich aus Kompositionen aus unterschiedlichen Jahrhunderte, überwiegend italienischer Provenienz, zusammen, natürlich am Vorabend des 2. Advent mit stark weihnachtlicher Ausrichtung. Immer wieder faszinierte der Umfang des Klangspektrums, den dieser Chor in der Lage ist abzurufen und auszufüllen. Die Perfektion, die dynamischen Spannungen, die die verschiedenen Stimmlagen erzeugen und ausloten, sind eine wirkliche Freude. Intonation und Sprachbehandlung stehen in einem ausgezeichneten Verhältnis, wie auch die Balance zwischen Glanz und Andacht mit Bravour gemeistert wird. Die melodische und harmonische Geschmeidigkeit, Tempo und Form, Kraft und Wendigkeit, in all diesen Ansprüchen zeigt sich der Lassus Chor auf der Höhe eines Spitzenensembles. Ein exzellenter Auftritt dieses starken Vokal-Ensembles, das ein begeistertes Publikum zurückließ.
Jörg Konrad
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Sonntag 03.12.2017
Landsberg: Thomas Siffling - Clubtauglich
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Landsberg. Wenn es ein Instrument gibt, das stellvertretend für den Jazz steht, dann ist es die Trompete. Dieses alles überstrahlende und handliche Instrument mit seinem durchdringenden Ton hat den Jazz über Jahrzehnte geprägt. Und entsprechend waren es überwiegend Trompeter, die die stilistischen Botschaften verkündeten, deren lautmalerische Improvisationen auch die letzten Ecken der angesagten Clubs erreichten und die Ranking Polls führender Musikzeitschriften bestimmten: King Oliver, Louis Armstrong, Buddy Bolden, Bix Beiderbecke, später Fats Navarro, Clifford Brown, Miles Davis und ungezählte andere.
Es ist kein Geheimnis, dass die angesagten Trompeter der Gegenwart mit der Geschichte ihres Instrumentes vertraut sind. Egal, ob sie sich musikalisch stärker zum New Orleans-Stil, Cool, Bop – oder zu stilistischen Fusionen hingezogen fühlen.
Einer von ihnen ist Thomas Siffling, der mit seinem Quintett und dem Projekt „Flow“ am gestrigen Samstag im Landsberger Stadttheater gastierte. Der aus Karlsruhe stammende Musiker hat mit Sicherheit all die oben genannten Wegbereiter im Fach Trompete studiert. Zumindest was ihren Ton, ihren Ansatz, manchmal auch was ihren Sound betrifft. Aber er spielt in diesem Projekt nicht wie sie, er konzentriert sich nicht auf einen Chorus, er ist kein virtuoser Techniker und kein Ausnahmesolist. Siffling ist musikalischer Gestalter. Er arbeitet mit angerissenen Tönen, knappen Motiven, mit raffinierten Differenzen und wirkungsvollen Andeutungen. Eingebettet sind seine manchmal auch schneidenden Beiläufigkeiten in dahingleitende Wogen hypnotischer Grooves. Sie sind der eigentliche Unterbau seiner Musik. Sie fließen organisch atmend und federn alle Fragen nach einem „Woher“, „Wohin“ und „Weshalb“ meist wohlig ab.
Dazu kommen noch zwei handbreit Hall, etwas Licht und ordentlich Rauch. Und so haben wir einen musikalischen Anspruch, der sich deutlich um den Zeitgeist dreht, der mit fetten Basslinien und loopähnlichen Schlagzeugwiederholungen eine kommunikative Wärme beschwört. Aber mit der Beseeltheit ist das so eine Sache. Denn es ist ein schwieriger Spagat, die fehlende Spontanität und herausfordernde Provokation auf der Grundlage einer strukturellen Ästhetik tiefenwirksam auszugleichen. Doch Thomas Siffling und Band stellt sich diesem Kunststück. Melancholische Stimmungen, die nicht ins Traurige kippen, rhythmische Klangvariationen, weit entfernt vom Techno-Sound, psychedelischer Gitarrensound der jede Präzision lügen straft. Auf diese Art wird Club-Musik zu einem Live-Erlebnis.
Jörg Konrad
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Montag 27.11.2017
Fürstenfeldbruck: Ausstellung „ … und dann brach der Krieg herein!“
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Fürstenfeldbruck. Die Motive sind so vielfältig, wie die Charaktere der Künstler verschieden. Da findet man stimmungsvolle Landschaftsdrucke neben trivialen Alltagsmotiven, fantasievolle Begegnungen mit dem Jenseits neben verspielten Tierstudien, akribisch gearbeitete Stadtansichten stehen aufwühlenden Kriegseindrücken gegenüber. In der Ausstellung „ … und dann brach der Krieg herein!“, die noch bis zum 15. April des kommenden Jahres im Museum Fürstenfeldbruck zu sehen ist, werden ausgesuchte Arbeiten der Sammlung Kretschmer gezeigt. Es sind Exponate, die größtenteils zwischen 1900 und 1918 entstanden. Aus einer Zeit also, in der sich in Europa Nationalismus und kleingeistiger Patriotismus breit machten.
Der Fürstenfeldbrucker Arzt Dr. Hans Kretschmer (1913 bis 1992) war ein kompetenter Kunstkenner, der im Laufe seines Lebens über 3000 Werke gesammelt hat. Hierbei handelt es sich überwiegend um druckgrafische Arbeiten aus fünf Jahrhunderten. 2005 ist Kretschmers Sammlung an das Museum Fürstenfeldbruck übergegangen.
Aus diesem Fundus sind nun über 100 Druckgrafiken ausgestellt. Sie vermitteln einen kleinen Einblick in die Arbeit so namhafter Künstlern wie Walter Klemm, Erich Gruner, Ferdinand Karl Gold oder Carl Thiemann. Die Geburts- und Sterbeorten der Künstler deuten allein schon auf die großen gesellschaftlich-geographischen Umwälzungen hin, die im Europa des 20. Jahrhunderts stattgefunden haben.
Viele von ihnen haben ihre Studienjahre an den Akademien in Prag, Wien, Krakau und München verbracht. Orte, an denen damals europäische Künstler zusammenkamen, zu lernen, um sich auszutauschen, zu gemeinsamer inspirierender Arbeit.
Schon in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg begannen sich die Verhältnisse zu ändern. Ein übersteigertes Nationalgefühl bestimmte den Alltag, von dem sich einige Künstler anstecken ließen. Eine Kriegseuphorie machte sich breit, die sich erst durch spätere Fronterlebnisse änderte.
Bei den ausgestellten Druckgrafiken handelt es sich überwiegend um (Farb-) Holzschnitte. Eine Technik, die zu den ältesten Verfahren der bildlichen Darstellung gehört und seit ca. 1900, aufgrund des japanischen Farbholzschnitts und seinem Einfluss, auch in Europa wieder an Aktualität gewann.
Die Farben, oft nicht ganz so intensiv und leuchtend wie bei den Arbeiten aus Fernost, verschwanden auf den vorliegenden Blättern 1914 fast gänzlich. Die Arbeiten werden dunkler, oft wirken sie auch bedrohlicher. So in Carl Thiemanns „Flämische Brücke in Brügge“, wo die dichten sich aufbäumenden Wolken am Horizont Düsteres ahnen lassen. Aber es gibt auch deutlich bedrückendere Szenarien, wie in Josef Weisz „Zeppelinangriff auf englische Städte“ oder Frantisek Simon Taviks „Ruinen einer Stadt mit zerstörter gotischer Kathedrale“.
Ein Großteil der Arbeiten sind einer starken landschaftlichen und städtischen Verbundenheit geschuldet, wie Frantisek Koblihas „Prag, St. Niklas auf der Kleinseite“ oder Odo Dobrowolskis „Lemberger Stadtansichten“.
Egal ob es sich um Holzschnitte oder Lithografien bzw. Radierungen handelt, immer beeindruckt das exzellente Handwerk, mit der diese graphischen Kompositionen künstlerisch umgesetzt sind. Sie bringen ein breites individuelles Denken zum Ausdruck. Und so zeugt diese Bildsprache von einer spezifischen Formsicherheit, von psychologischem Feingefühl und beeindruckender Bodenständigkeit. Auch insofern ist diese Ausstellung ein wichtiges und interessantes Stück europäischer Kulturgeschichte. Sowohl beschaulich als auch mahnend.
Jörg Konrad

" ... und dann brach der Krieg herein."
Grafische Arbeiten aus der Sammlung Kretschmer 1900-1918
Ausstellung vom 26. Oktober 2017 - 15. April 2018

Museum Fürstenfeldbruck
Fürstenfeld 6
82256 Fürstenfeldbruck

Bildnachweis:

01 Brücke, Walther Klemm (1883-1957), Farbholzschnitt, Museum Fürstenfeldbruck

02 Kriegsgefangenen-Lager Krasnojarsk, Otto Schmatt, Farbholzschnitt, 1917, Museum Fürstenfeldbruck

03 Soldaten im Schützengraben, aus „Kriegstagebuch“, Erich Gruner (1881-1966), 1915, Holzschnitt, Museum Fürstenfeldbruck
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Mittwoch 22.11.2017
Zirkusschweine im Tiefenlicht – Hinterglasmalerei in Penzberg, Bernried, Murnau und Kochel
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In diesem Herbst haben sich die vier dem Expressionismus verpflichteten Museen im „Blauen Land“ erstmals auf ein gemeinsames Schwerpunktthema verständigt: In einer übergreifenden Ausstellungsreihe ist in Penzberg, Kochel, Murnau und Bernried Hinterglasmalerei zu sehen. Die Bandbreite der Exponate reicht von volkstümlich über kurios bis abstrakt, vom Votivbild über den „Blauen Reiter“ und die klassische Moderne bis zur Gegenwartskunst.

Die Sammelleidenschaft von Lothar-Günther Buchheim, die sich bekanntlich auf unterschiedlichste Bereiche des Dekorativen erstreckte und keine Unterscheidung zwischen sogenannter hoher und sogenannter niedriger Kunst machte, umfasste auch volkstümliche Hinterglasmalerei, wie sie als Votiv- und Andachtsbilder etwa in Siebenbürgen, Böhmen, Schlesien, Südtirol und Bayern weit verbreitet war. Auch die mit einer Metallschicht hinterlegten sogenannten „Nonnenspiegel“ gehörten dazu: Diese Heiligenbilder durften Klosterschwestern in früheren Zeiten in ihre Zellen hängen, ein richtiger Spiegel hingegen war ihnen verboten, denn Eitelkeit galt als Sünde. Darüberhinaus hatte Buchheim selbst in der unmittelbaren Nachkriegszeit in seiner Werkstatt in Feldafing nicht nur Laubsägearbeiten, sondern eben auch Hinterglasbilder angefertigt und verkauft. Hier wie dort gehörten lustige Tiere und bunte Clowns zu seinen bevorzugten Motiven. Unter dem Titel „Nonnenspiegel und Zirkusschweine“ sind diese Schätze, die in den Tiefen des Depots gehoben wurden, in einer furiosen Mischung noch bis Februar im Buchheim-Museum zu sehen.

Mit seinen Veröffentlichungen zum „Blauen Reiter“ hatte einst Buchheim selbst an der Gründungslegende einer expressionistischen Avantgarde mitgeschrieben, die wesentliche Impulse aus volkstümlicher Kunst bezogen habe. Aber auch Gabriele Münter selbst beschreibt diese Inspiration: „Vor allem wies mir die Volkskunst den Weg, namentlich die um den Staffelsee einst blühende bäuerliche Hinterglasmalerei mit ihrer unbekümmerten Formvereinfachung, den starken Farben in dunklen Umrissen.“ Und so führt denn auch der Weg von Bernried direkt nach Murnau, wo nicht nur die Bilder von Gabriele Münter zu sehen sind, sondern es in der Dauerausstellung auch einen ganzen Raum für Hinterglaskunst gibt. Am 7. Dezember wird dort außerdem die Ausstellung „Lichtungen“ der Künstlerin Gaby Terhuven eröffnet: Ihre konkreten Glasarbeiten, die aus schmalen und breiten Farblinien bestehen, sind von einer eindringlichen  Präsenz. Im Franz-Marc-Museum in Kochel ist noch bis Februar Franz Marcs Hinterglasbild „Landschaft mit Tieren und Regenbogen“ aus dem Jahr 1911 zu sehen. Es wird erstmals in direkter Gegenüberstellung mit einer Stickarbeit von Maria Marc präsentiert, für die das Bild ihres Mannes als Vorlage diente.

Unumstrittener Höhepunkt in der 2010 entstandenen „MuSeenLandschaft Expressionismus“ aber ist in diesem Herbst die Ausstellung „Tiefenlicht“ im Museum Penzberg, das sich zu einer bedeutenden Forschungsstätte zur Hinterglasmalerei entwickelt hat. Als „Tiefenlicht“ bezeichnet man die besondere Strahlkraft und den ungewöhnlichen Glanz von Hinterglasbildern, ein Effekt, der durch die rückwärtig, meist in mehreren Schichten auf die Glasfläche aufgebrachte Farbe erzeugt wird. Die Ausstellung, die zugleich das kostbare Abschiedsgeschenk der scheidenden Museumsleiterin Gisela Geiger darstellt, beschränkt sich nicht auf die 13 hauseigenen Hinterglasbilder von Heinrich Campendonk, sie umfasst auch Arbeiten von August Macke und Carlo Mense und spannt einen Bogen bis in die Gegenwart: Im zentralen Raum sind Campendonks Bild „Gralsburg“ zwei abstrakte Glasbilder von Gerhard Richter und das Bild „Die Augen waschen“ der Künstlerin Juschi Bannaski gegenübergestellt. Auch der Maler Bernd Zimmer ist unter den insgesamt 39 Künstlern dieser ungemein vielfältigen Ausstellung vertreten. Im Dachgeschoss öffnet sich das Thema noch einmal für die Licht- und Klanginstallation der Fotokünstlerin Maria Herrmann.

Katja Sebald


Buchheim Museum Bernried
NONNENSPIEGEL UND ZIRKUSSCHWEINE
Das Bleue Land hinter Glas     
Ausstellung vom 13. Oktober 2017 bis 18. Februar 2018


Museum Penzberg Sammlung Campendonk
TIEFENLICHT
Malerei hinter Glas von August Macke bis Gerhard Richter
Ausstellung vom 23. September 2017 bis 04. Februar 2018


Schloßmuseum Murnau
HINTERGLASKUNST
Dauerausstellung

Franz Marc Museum Kochel
HINTERGLASMALEREI ZWISCHEN VOLKSKUNST UND AVANTGARDE
Ausstellung vom 15. Oktober 2017 bis 18. Februar 2018
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 21.11.2017
Fürstenfeld: Chris Gall & Bernhard Schimpelsberger – Kreative Einheit
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Fürstenfeld. Erfahrungen sammeln, experimentieren, Erfahrungen austauschen. So könnte man das musikalische  Konzept von Chris Gall und Bernhard Schimpelsberger knapp zusammenfassen. Im Grunde setzt sich auch ähnlich die Matrix des Jazz zusammen. Wobei stilistische Ausgangspunkte, individuelle Herangehensweisen und kommerzielle Erträge eine eher untergeordnete Rolle spielen. Deutlicher steht die Beherrschung des Handwerks, die Leidenschaftlichkeit des eigenen Tuns und die mutige Umsetzung von Ideen im musikalischen Vordergrund.
So kommt es, dass, wie im gestrigen Konzert in Fürstenfeld, ein von der Klassik geprägter und im Jazz experimentierender Pianist und ein europäischer Schlagwerker mit starker Neigung zu indischen Rhythmen, ihre Erfahrungen austauschen und im Dialog eine gemeinsame Sprache suchen. Und trotz unterschiedlicher Herangehensweisen sind sie eben in der Lage, tiefgründig miteinander zu kommunizieren.
Das liegt an ihrer jeweils individuellen Stärke und gleichzeitigen Offenheit gegenüber wichtigen äußeren Botschaften. Sie lösen ein eigenes, kreatives Reagieren aus, eine Art dialektisches Wechselspiel. Das Ergebnis ist letztendlich etwas stilistisch völlig Neues. So werden, wenn Christian Gall und Bernhard Schimpelsberger musizieren, Grenzen niedergerissen, wechselt die Stimmung zwischen flüchtiger Improvisation und wuchtigem Groove. Eingängige melodische Vorgaben bekommen einen neuen rhythmischen Unterbau und auf die treibenden, ungeraden Metren der indischen Tala, werden westlichen Harmonien gelegt, ohne dass es zu Konfrontationen kommt.
Zwar gibt es klangliche Reibung, aber diese fordert künstlerisch heraus. Sie besitzt einen den Horizont erweiternden Charakter, sie vermittelt, wenn alles gut läuft, einen hymnischen Enthusiasmus. Und es lief gut am gestrigen Abend. Der Pianist und der Schlagwerker fanden zu einer Einheit, die ebenso bodenständig wie weltentrückt klang. Eine begeisternde Studie in Sachen Konsens – wie man sie sich öfter wünscht in diesen Tagen.
Jörg Konrad
Autor: Siehe Artikel
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