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Start: Samstag 10.11.2018; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 24.03.2019
Buchheim Museum Bernried: DIX & PECHSTEIN. DER ERSTE WELTKRIEG IN BILDERN
Bilder
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DIX & PECHSTEIN. DER ERSTE WELTKRIEG IN BILDERN

Buchheim Museum Bernried
Ausstellung vom 10. November 2018 bis 24. März 2019

Die Ausstellung vereint zwei Werkgruppen aus den Beständen des Buchheim Museums: die Aquarellserie »Sommeschlacht« (1917) von Max Pechstein mit 25 Blatt und den Radierzyklus »Der Krieg« (1924) von Otto Dix mit 50 Blatt. Anlass der Ausstellung sind zwei Jahrestage: das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren am 11. November, und das 20-jährige Bestehen der Washingtoner Erklärung, die am 3. Dezember 1998 unterzeichnet wurde. 

Die beiden Ereignisse stehen in mittelbarer Verbindung zueinander. Die durch den Ersten Weltkrieg hervorgerufenen Traumata gelten als Nährboden des Nationalsozialismus, der den Zweiten Weltkrieg und einen Völkermord unfassbaren Ausmaßes entfesselte. Eine Facette der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ist auch der systematisch angelegte Kunstraub. Mehr als 600.000 Werke wurden zwischen 1933 und 1945 verfolgungsbedingt entzogen. Die Opfer des Raubs waren Juden und andere Verfolgte in Deutschland und in den von den Deutschen besetzten Gebieten. Bereits 1945 wurde der Kunstraub mit der London Charter of the International Military Tribunal als »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« eingestuft. Ab Juli 1945 stellte man sich in der Bundesrepublik Deutschland mit den Wiedergutmachungs- und Entschädigungsverfahren auf dem Gebiet der alten Länder dieser Verantwortung und ab 1990 auch auf dem Gebiet der neuen Länder in Form des Vermögensgesetzes. 

Jedoch kam es erst vor 20 Jahren zur Washingtoner Erklärung, in der sich Deutschland gemeinsam mit 43 anderen Staaten verpflichtete, NS-Raubkunst in den staatlichen Kunstsammlungen zu identifizieren, deren ursprüngliche Eigentümer oder deren Erben ausfindig zu machen und eine »gerechte und faire Lösung« zu finden. Die Buchheim Stiftung ist als private Trägerin des Buchheim Museums von Rechts wegen hierzu nicht verpflichtet, erkennt aber die Prinzipien der Washingtoner Erklärung auch für eigene Sammlungsstücke an. 

Dank der Unterstützungen durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste und die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern wird seit dem 1. Oktober 2017 am Buchheim Museum systematische Provenienzforschung betrieben. Gegenstand der Recherche ist zunächst die Gemäldesammlung. Konkrete Verdachtsmomente gibt es hier nicht. Doch kann wegen der intensiven Sammeltätigkeit Lothar-Günther Buchheims (1918–2007) unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sowie seinen Käufen bei einschlägigen Händlern und Auktionshäusern nicht ausgeschlossen werden, dass Buchheim auch NS-Raubkunst in seinen Besitz gebracht hat. Im Vorfeld der Ausstellung »Dix & Pechstein. Der Erste Weltkrieg in Bildern« wurde darüber hinaus ein gesondertes, vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördertes Provenienzforschungsprojekt zu Pechsteins »Sommeschlacht« und dem Zyklus »Der Krieg« von Dix initiiert, dessen Ergebnisse hier nun zusammen mit den beiden Werkgruppen vorgestellt werden. 


MAX PECHSTEIN, »SOMMESCHLACHT« 
Der Aquarellserie »Sommeschlacht« von Max Pechstein (1881–1955) ist ein einzigartiges künstlerisches Zeugnis des Ersten Weltkriegs. Pechstein selbst ist als Soldat an der Sommeschlacht beteiligt, jener britisch- französischen Großoffensive gegen deutsche Truppen 1916, die keine militärische Entscheidung, doch über eine Million getöteter, verwundeter und vermisster Soldaten bringt. Dass er dabei nicht ums Leben kommt, hat er dem Umstand zu verdanken, dass er meistenteils hinter der Frontlinie agiert. 
Eigentlich ist er Infanterist, doch nicht mit der Waffe, sondern zumeist mit dem Pinsel leistet er seinen Kriegsdienst ab. Er hat den Kommandanten zu malen, Karten zu zeichnen und Propagandaplakate zu entwerfen. Im Mai 1917 wird Pechstein schließlich auf ein Gesuch von Bekannten nach Berlin zur Luftwaffe versetzt. Was genau er dort zu tun hatte, ist unbekannt. In jedem Falle ist er nun gänzlich heraus aus den Schusslinien und findet Zeit für künstlerische Arbeit. 
Das Kriegsjahr 1917 ist eines seiner ergiebigsten. Es entstehen 130 Ölgemälde und ähnlich viele Zeichnungen und Aquarelle. Die Motive konzentrieren sich auf die vor dem Krieg getane Südseereise, doch wirft er mit Tuschpinsel und routinierter Hand auch die »Sommeschlacht«-Serie auf das holzhaltige Kriegspapier. 25 Blätter davon sind im Besitz des Buchheim Museums, jedoch gibt es weitere Aquarelle zu dem Thema. 1918 wird Pechstein nach diesen Pinselskizzen, ebenfalls unter dem Titel »Sommeschlacht«, einen Radierzyklus für den Verlag Fritz Gurlitt schaffen. 
Die Aquarelle sind von zeichenhafter Dichte. Die reduzierte Farbpalette konzentriert den Blick auf die wesentlichen Elemente der Schlacht. Das Lehmbraun des Malgrundes, das Nachtschwarz der Tusche sowie das Grasgrün und das Blutrot der Aquarellfarben lassen an Erde, Dunkelheit, Felder und Verletzungen denken. In comicartiger Manier und lockerer Strichführung setzt Pechstein die Konturen, um sie dann sparsam mit Farbe zu umspielen. Die Bilderzählungen orientieren sich teilweise sehr real an dem Geschehen. Dargestellt ist das Ausharren in Gräben und Unterständen, das Marschieren mit schwerem Gerät, der Transport der Verletzten, der Vorstoß bewaffneter Trupps, aber auch das Aufspritzen der Leiber in den Explosionen.
 
Bei dem hier angestellten Vergleich mit Dix’ Kriegszyklus fällt auf, dass bei Pechsteins im Krieg entstandener Serie die Schlacht in ihrem vollen Gange dargestellt wird. Noch ist nichts entschieden. Bei Dix liegt dagegen schon der Modergeruch des Todes über dem Feld. Bei Pechstein wird noch gekämpft. Er lässt den Betrachter teilhaben an seinen Gefühlsregungen zwischen Hoffen und Bangen, denen er auch in Briefen Ausdruck verleiht: Obwohl er »inneren Widerstand gegen den preußischen Kadavergehorsam« verspürt, bemüht er sich, »ein Soldat zu werden so gut es geht«. Der Gedanke, »einen Menschen zu töten«, erscheint ihm »nicht erhebend«, doch verspürt er den Wunsch, den Feinden »Dresche aufs Maul zu geben«. Noch 1917 hofft er, dass die Deutschen »das Rennen doch noch machen«. Einen beispielhaften Unterschied zwischen Pechsteins »Sommeschlacht« von 1917 und Dix’ »Der Krieg« von 1924 bieten auch die Architekturmotive: Während Dix eine Stadt in Trümmern zeigt, entwirft Pechstein einen »Heldenhain«. 


OTTO DIX, »DER KRIEG«
Der Radierzyklus »Der Krieg« von Otto Dix (1891–1969) erscheint 1924 beim Verlag der Berliner Galerie Karl Nierendorf in einer Auflagenhöhe von 70 Exemplaren. Anlass ist das von der pazifistischen »Nie wieder Krieg«-Bewegung ausgerufene »Internationalen Antikriegsjahr«. Das Werk schlägt ein wie eine Bombe. Die ungeschminkte Darstellung der traumatisierenden Geschehnisse widerspricht den damals üblichen Verklärungen des Ersten Weltkriegs.

Während Pechsteins »Sommeschlacht«-Serie von 1917 noch die Hoffnung auf einen höheren Sinn erkennen lässt, zeigt Dix mit gnadenlosem Realismus das wahre Gesicht des Krieges. In den fünfzig Momentaufnahmen finden wir keine Gegner, keine Sieger, keinen Kampf, sondern nur Opfer eines sinnlosen Gemetzels: Verstümmelte, Verreckende, Verendete, Verfaulte, Skelettierte. Wo es um die Darstellung zerfetzter, halbvermoderte Leiber oder entstellter Gesichter geht, nimmt Dix Kriegsfotografien von Hugo Erfurth zu Hilfe. Die Motive entwickelt er jedoch gänzlich aus eigener Erinnerung. 
Dix verfügt über einen reichen Schatz an Kriegserfahrungen. Im Sommer 1914 beginnt er mit seiner militärischen Ausbildung. Ab Herbst 1915 nimmt er als Gefreiter am Stellungskrieg in Frankreich teil. Als MG-Schütze ist er 1916 bei der Sommeschlacht dabei. Im Spätherbst 1917 wird er an die Ostfront geschickt. Nach dem Waffenstillstand mit Russland im Dezember 1917 gelangt er wieder an die Westfront. Das Kriegsende erlebt er, mittlerweile zum Oberfeldwebel befördert, bei der Flugabwehr bei Posen. Nur dank eines erstaunlichen Glücks und eines starken Überlebenswillens kann Dix körperlich nahezu unversehrt den Krieg überdauern. 

In höchstem Maße bemerkenswert ist die Virtuosität, mit der Dix die Schrecken des Krieges ins Bild setzt. Bei dem Grafiker Wilhelm Herberholz in Düsseldorf hat er sich ein breites Spektrum an Radiertechniken angeeignet. So verfügt er über die suggestiven Mittel, unsere Vorstellungskraft in Gang zu setzen, ohne explizit die Geschehnisse abbilden zu müssen. Die meisten Blätter sind eine Mischung aus mehreren Techniken, deren Eigenarten Dix meisterhaft einzusetzen versteht: Die Kaltnadel sorgt mit ihren kraftvoll und spontan gezogenen Schraffuren für dramatische Steigerung; die Aquatinta taucht die Szenerien in halbtoniges Dämmerlicht, aus der Personen, Gegenstände und Landschaften schemenhaft auftauchen; die Ätz-Technik mit ihren aus dem Metall gefressenen Hell-Dunkel-Kontrasten vergegenwärtigt wie von selbst die fleischlichen Zerfallsprozesse der zerschossenen Leiber.  

Die Ausgangssituation für die Recherchen zur Aquarellserie »Sommeschlacht« von Max Pechstein und zum Radierzyklus »Der Krieg« von Otto Dix ist herausfordernd. Für die Museumsbestände, ursprünglich angelegt als Privatsammlung von Lothar-Günther und Diethild Buchheim, wurden keine Inventarbücher geführt. Sonstige Ankaufsunterlagen wurden bisher nur vereinzelt in Buchheims Archivmaterial gefunden. Nichtsdestotrotz wurde das Ziel verfolgt, die Erwerbszeitpunkte durch die Buchheims und die Besitzfrage beider Werkgruppen zwischen 1933 und 1945 zu klären. Neben einer Überprüfung einschlägiger Verlustund Recherchedatenbanken erfolgte eine Untersuchung der Vorder- und Rückseiten der 25 Arbeiten von Pechstein und der 50 Arbeiten von Dix. Die bisher erschlossenen Quellen aus dem Archiv und der Privatbibliothek Buchheim wurden auf Hinweise zu Vorbesitzern untersucht. 


Otto Dix, »Der Krieg«
Der jüngst von Yves Buchheim (geb. 1949) in dem Buch »Künstler, Sammler, Despot. Das Leben meines Vaters« geäußerte konkrete Verdacht, dass Lothar-Günther Buchheim unter anderem ein Exemplar der Kriegsmappe von Dix bei Cornelius Gurlitt Anfang der 1960er-Jahre erworben habe, verlangte nach einer vertieften Recherche zum Erwerb und den Vorbesitzern des in den Beständen des Buchheim Museums befindlichen Mappenwerks »Der Krieg«. 
Das zu untersuchende Exemplar wurde als Nr. 41/70 vom Künstler bezeichnet und signiert. Es ist das einzige vollständige Exemplar, das es heute noch in der Bernrieder Museumssammlung gibt. Die 50 Blätter wurden von Buchheim in den originalen Leinenmappen aufbewahrt und nach Auskunft eines Mitarbeiters nur zur eigenen Freude bisweilen von ihm herausgeholt. Neben diesem Exemplar gab es noch ein zweites in der Sammlung Buchheim, dessen 50 Radierungen für Ausstellungen in Passepartouts montiert waren. Dieses »Ansichtsexemplar« wurde im Rahmen der Versteigerung von Doubletten aus dem Privatnachlass Lothar-Günther und Diethild Buchheim vom Auktionshaus Neumeister 2014 in Bernried zum Verkauf angeboten und 2017 schließlich auf einer Auktion von Christie´s in London verkauft. 
Da bisher in Buchheims Archiv kein Dokument zum Erwerb des Mappenwerks von Dix gefunden werden konnte, mussten sich die Forschungen auf auswärtige Archive und öffentlich zugängliche Materialien stützen. Ein Vertrag vom 23. Juni 1924 dokumentiert, dass Karl Nierendorf (1889 – 1947) verantwortlich war für die Herausgabe und den Verkauf der Radierfolge »Der Krieg« in fünf Mappen mit je 10 Blättern in einer Auflage von 70 Stück sowie 7 hors-de-commerce-Ausgaben. Per Vertrag mussten 3 Probedrucke je Blatt sowie je zwei Mappen an Dix geliefert werden. Zwei Archivexemplare behielt Nierendorf. Einige Exemplarnummern tauchen in den Rechnungsunterlagen der Galerie Neumann & Nierendorf im Nachlass Otto Dix (Nürnberg) auf. Für den Verkauf der Exemplarnummer 41/70 des Buchheim Museums gibt es jedoch – auch im Archiv der Galerie Nierendorf in Berlin – keine Nachweise.
Yves Buchheims Erinnerung an einen Erwerb der Kriegsmappe bei Cornelius Gurlitt konnte im Laufe des Forschungsprojekts weder be- noch widerlegt werden: Der Name Buchheim taucht im Nachlass der Familie Gurlitt am Bundesarchiv Koblenz (Bestand N 1826) in keinem Erwerbskontext auf. Gesichert ist, dass das Buchheim Museum bis 2017 im Besitz von zwei Exemplaren des Radierzyklus »Der Krieg« gewesen ist. Bei der von Yves Buchheim beschriebenen Erwerbung könnte es sich entsprechend auch um das Exemplar handeln, das dann verkauft wurde. Es ist jedoch auch nicht auszuschließen, dass Buchheim noch weitere Exemplare der Kriegsmappe besessen und im Laufe seines Lebens veräußert hat. 


Max Pechstein, Sommeschlacht 
Mehr Anhaltspunkte für die Forschung ergaben sich bei der Serie »Sommeschlacht« von Pechstein. Die Rückseiten der zu untersuchenden 25 Aquarelle sind alle mit einem Post-Stempel des Münchner Zollamtes versehen. Der Zoll benutzte Stempel dieser Art für die Aus- und Einfuhr von Kunstgütern, da eine Verplombung zu Beschädigungen geführt hätte. Dieser spezielle Stempel wurde zwischen 1920 und 1937 sowie nach 1950 bis mindestens 1971 verwendet. Daraus folgt wenig mehr, als dass die Blätter in den genannten Zeiträumen einmal die Landesgrenze Deutschlands passiert haben müssen. 
Darüber hinaus fand sich zu den Pechstein-Blättern eine Notiz von Diethild Buchheim, dass diese bei Neumeister erworben worden seien. Daraufhin wurden ungefähr 400 Auktionskataloge des Auktionshauses Neumeister in München, ehemals Weinmüller, der Jahre 1948 bis 1998 aus dem Besitz der Buchheims untersucht. Darin fand sich ein handschriftlich markiertes Versteigerungsangebot vom 18./19. März 1964, Los-Nr. 1408: 25 Aquarelle von Max Pechstein, »Sommeschlacht« von 1917. Mit freundlicher Unterstützung des Auktionshauses Neumeister konnte diese Annotation bestätigt werden: Buchheim hatte die 25 Aquarelle im Freiverkauf erworben. Vom Einlieferer ist jedoch nur der Name »Frank« überliefert. Eine Datenbanküberprüfung und Literaturrecherche zu dem Namen führte zu mehreren möglichen Übereinstimmungen, die bisher jedoch noch nicht eindeutig identifiziert werden konnten. 
Das Pechstein-Archiv in Hamburg konnte keine Auskunft zu Vorbesitzern erteilen. Es verwies darauf, dass Geschäftsunterlagen sowohl auf Seiten Pechsteins als auch seines Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt (1888 – 1965) im Krieg verloren gegangen seien. Auch die deduktiven Recherchen im Umkreis von Pechsteins Sammlern sowie Anfragen bei den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU/Max-Pechstein-Museum und dem Museum Lentos (Linz/Donau), zu dessen Beständen die Sammlung Wolfgang Gurlitt gehört, erbrachten keine neuen Ergebnisse. 

Fazit Trotz systematischer Recherchen konnten die Provenienzen zwischen 1933 und 1945 weder für den Radierzyklus »Der Krieg« Nr. 41/70 von Otto Dix noch für die 25 Aquarelle »Sommeschlacht« von Max Pechstein eindeutig geklärt werden. Im Falle Pechsteins bleibt die Hoffnung, dass durch die hier betriebene Bekanntmachung des Vorbesitzers »Frank« dessen Identität durch Hinweise von anderen Stellen ermittelt werden kann. Bezüglich Dix könnte die Erschließung des Nachlasses Otto Dix in der Akademie der Künste in Berlin weitere Ergebnisse zutage fördern.

Buchheim Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried am Starnberger See

Abbildungen:

Max Pechstein
Granateinschlagaus der Serie »Sommeschlacht«, Blatt 5, 1917
Tusche und Aquarell auf Papier
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
© Pechstein Hamburg/Tökendorf

Max Pechstein
Verwundetentransportaus der Serie »Sommeschlacht«, Blatt 8, 1917
Tusche und Aquarell auf Papier
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
© Pechstein Hamburg/Tökendorf

Max Pechstein
»Sommeschlacht«, Blatt 10, 1917
Tusche und Aquarell auf Papier
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
© Pechstein Hamburg/Tökendorf
Start: Donnerstag 22.11.2018; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 28.04.2019
Fürstenfeldbruck: „Ein Eigener sein“ – Leben und Werk des Heinz Braun (1938-1986)
Bilder
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„Ein Eigener sein“ – Leben und Werk des Heinz Braun (1938-1986)

Ausstellung Donnerstag, 22. November 2018 bis Sonntag, 28. April 2019
Museum Fürstenfeldbruck

Herbert Achternbusch entdeckte ihn als Schauspieler, das Magazin „Stern“ pries ihn 1982 in einem elfseitigen Artikel als „Neuen Wilden“, in der Münchner Szene der 70er und 80er Jahre war er bekannt wie ein bunter Hund: der Maler Heinz Braun. Das Museum Fürstenfeldbruck zeigt nun zum achtzigsten Geburtstag des Künstlers eine umfassende Gesamtschau seines Werkes. Die Ausstellung „»Ein Eigener sein« – Leben und Werk des Heinz Braun (1938-1986)“ ist von Donnerstag, 22. November 2018 bis Sonntag, 28. April 2019 zu sehen.

Leben und Werk
Von Beruf war Heinz Braun Postbote in Germering bei München. Seit 1951 widmete er sich als Autodidakt der Malerei, anfangs gegenständlich, dann immer eigenwilliger und ausdruckstärker. Braun lebte viele Jahre im „Schusterhäusl“ bei Germering und malte seine stark expressiven Bilder selbst bei Wind und Schnee draußen in der Natur, wo er Erde vom Acker oder auch Kuhmist von der Weide mit der Malfarbe kombinierte. 1974 lernte er den Regisseur Herbert Achternbusch kennen und wirkte in mehreren seiner Filme mit (z.B. „Das Andechser Gefühl“ [1974], „Die Atlantikschwimmer“ [1976], „Bierkampf“ [1977], „Servus Bayern“ [1978], „Der Komantsche“ [1979]). 1979, nach 28 Dienstjahren, wurde der unbequeme Postmitarbeiter, der im Postamt 3 in der Münchner Bayerstraße schon mal Pakete mit Porträts verzierte oder Kantinenessen aus dem Fenster schmiss, um für besseres Essen zu protestieren, frühpensioniert. 1982 stellte der Journalist Jürgen Serke den Maler in einem elfseitigen Artikel in der Zeitschrift „Stern“ einem größeren Publikum als „Neuen Wilden“ vor. Nach einer Krebsdiagnose im selben Jahr malte Braun umso besessener weiter. Er setzte sich in seinen Bildern mit der Krankheit auseinander und schöpfte daraus auch bis zuletzt Lebensmut. Die Ausstellung widmet sich der künstlerischen Arbeit des Malers, Schauspielers und Lebenskünstlers Heinz Braun und thematisiert damit auch das Lebensgefühl der Münchner Künstlerschaft in den 1970er und 80er Jahren.

Museum Fürstenfeldbruck
Fürstenfeld 6b
82256 Fürstenfeldbruck


Abbildungen:

Heinz Braun-Bild 03
Korsika, 1984
Mischtechnik/Papier
Leihgabe Niederreuther-Stiftung

Heinz Braun-Bild 04
Selbstporträt, 1978
Öl/Spanplatte
Private Leihgabe
Start: Freitag 30.11.2018; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 26.05.2019
Münchner Stadtmuseum: LAND__SCOPE - Fotoarbeiten von Roni Horn bis Thomas Ruff
Bilder
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LAND__SCOPE
Fotoarbeiten von Roni Horn bis Thomas Ruff
aus der DZ BANK Kunstsammlung

Ausstellung des Münchner Stadtmuseums
30. November 2018 – verlängert bis 26. Mai 2019

Die Ausstellung widmet sich der Landschaftsdarstellung in der zeitgenössischen Fotokunst. In einer breiten Übersicht mit Werken aus der DZ BANK Kunstsammlung wird durch verschiedene thematische Schwerpunkte verdeutlicht, dass im fotografischen Naturbild nicht nur die tradierte malerische Gattung adaptiert wird, sondern vielmehr neue Darstellungskonventionen hervorgebracht werden. Mit dem Blick auf Bilder der letzten fünf Jahrzehnte wird der medienspezifischen Erschließung der Welt bis ins digitale Zeitalter nachgegangen. Ob analog odercomputerbasiert, den fotografischen Landschaften liegen oft gesellschaftliche Debatten und politische Diskurse zugrunde, die auch in der Ausstellung unter die Lupe genommen werden.Landschaftsdarstellungen sind, als ästhetische Phänomene und Produkte kultureller Konnotation, seit jeher Bedeutungsträger für eine große Vielfalt an Projektionen, Weltentwürfen und Geschichtsschreibungen. Sie dienen Identifikationsprozessen oder sind durch Abstraktionen verfremdet.

Die anhaltenden Debatten um ein neues Erdzeitalter – dem Anthropozän, in dem der Mensch zum wesentlichen Gestalter der Natur und zum Akteur geologischer und atmosphärischer Veränderungen wurde – regen dazu an, künstlerische Aneignungen von Landschaften neu zu betrachten und zu befragen: Was verraten uns die Darstellungen über das Verhältnis von Mensch und Natur? Was repräsentieren Landschaften heute, in unserer globalisierten und digitalisierten Weltordnung? Mit welchen philosophischen, ökologischen und ökonomischen Bedeutungen sind sie aufgeladen? Und wie bestimmen (trans-)historische, (trans-)kulturelle, geopolitische und hegemoniale Ordnungen unsere Wahrnehmung von Natur und Gelände?Der Titel der Ausstellung ist ein Kunstwort, das die programmatische Ausrichtung des Projekts andeutet: LAND__SCOPE leitet sich vom Englischen „landscape“ (Landschaft) ab und setzt den Englischen Begriff „scope“ ein, der unter anderem mit Aussicht, Horizont oder Geltungsbereich übersetzt werden kann und dem altgriechischen „σκοπε ν“ (beschauen), entstammt. Diesen ῖGeltungsbereich der Landschaft, in der zeitgenössischen Kunst, in ökologischen und gesellschaftspolitischen Debatten, möchte die Ausstellung aufzeigen und hinterfragen. Sie ist in sieben große Kapitel unterteilt, die die zahlreichen Spektren fotokünstlerischer Landschaftsdarstellung aufnehmen:Im Fokus der Sektion Ideallandschaften stehen die Kompositionsschemata, Darstellungsmodi und Bildtypen tradierter, malerischer Vorbilder von Naturbetrachtung.

Die hier versammelten Arbeiten von Beate Gütschow, Stephen Shore und Sascha Weidner adaptieren und unterlaufen dieBedingungen kanonisierter Bildordnungen der westlich geprägten Kunstgeschichte. Sie befragen das Wechselverhältnis ästhetischer und moralischer Diskurse, die in der Gattung der Landschaftsmalerei bis in die Renaissance zurückreichen.Der Bereich Wüstungen mit Arbeiten von Inge Rambow, Walter Niedermayr und Andreas Müller-Pohle widmet sich einer großen Bandbreite an Landschaftstransformationen. Von der massentouristischen Eroberung der Alpen bis hin zu postindustriellen Brachflächen werden verschiedene Formen der Naturzerstörung vor Augen geführt. In Anlehnung an Methoden mikrobiologischer Wasseranalyse werden Problematiken der standortbezogenen Verschmutzung unserer Flüsse ins Visier genommen.Das Kapitel Politische Territorien thematisiert historische und gegenwärtige Konflikte anhand ihrer Schauplätze. So verweisen großformatige Tapisserien von Stephan Schenk mit detaillierten Ansichten von natürlichem und scheinbar alltäglichem Gelände auf Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges.

Die illegale Besiedlung der Sperrzone um den explodierten Atomreaktor in Tschernobyl in den Arbeiten von Andrej Krementschouk kündet von der Alternativlosigkeit und vom Willen der Menschen, in ihrer Heimat zu bleiben – aller gesundheitlichen Gefährdungen zum Trotz.Die großformatige Thermoaufnahme eines Flüchtlingslagers in der Türkei des Künstlers Richard Mosse – entstanden mittels eines militärischen Kamerasystems, das Wärme noch aus 30 Kilometern Entfernung aufzeichnet – durchkreuzt die Bildordnung einer idealtypischen Weltenlandschaft, indem sie die prekäre Lage ihrer „Bewohner“ impliziert.Unter dem Titel Landschaft als Konzept sind Werke zusammengetragen worden, die sich der Gattung als Folie für medienreflexive, kunsttheoretische und abstrakte Überlegungen annähern und sich diese zu Eigen machen. So legt Klaus Rinke durch die in der Bildfläche wiederholte und gestaffelte Figur seiner selbst in der Landschaft Parameter von Zeit und Raum fest. Claudia Angelmaier, die das Motiv von Albrecht Dürers Lindenbäumen aus verschiedenen Ausstellungskatalogen abfotografiert, verweist auf das diskrepante Verhältnis von Original und Reproduktion. Fragen danach, was wir eigentlich in einem Bild sehen und ob wir unseren Augen trauen können, stellen sich auch bei Fotografien der täuschend echten Natursimulationen von Miniaturmodellen und Dioramen der Künstlerin Sonja Braas oder in Form von Präparaten heimischer Tiere, die von Marc Cellier in nächtlichen Stadtlandschaften inszeniert werden.Dass der Natur selbst bildhafte Strukturen immanent sind oder entlockt werden können, führt das Kapitel Formkräfte der Natur vor Augen: Geländeoberflächen von Gebirgsmassiven lancieren zu abstrakten Bildformationen von Olivo Barbieri. Serielle Langzeitbeobachtungen eines Seestückes von Lucinda Devlin verdeutlichen die enormen Veränderungen auf die Erscheinung eines Ortes, die von Witterung, Tages- und Jahreszeit bestimmt wird. Die Idee, eine Fotografie entstünde mit dem „Zeichenstift der Natur“, wie sie vom Fotopionier Henry Fox Talbot formuliert wurde, wird von einer kameralosen Fotografie des Künstlers Raphael Hefti aufgegriffen; während das Bild Assoziation zu astronomischen Aufnahmen evoziert, wurde das Fotopapier tatsächlich mit Hilfe hochentzündlicher Bärlappsporen belichtet.Die landwirtschaftliche Nutzung und Kleingärtnerei sind das Thema der Sektion Agrarlandschaften, in der Bilder von satten Kohlfeldern Heinrich Riebesehls, Schrebergärten und Grabeland der Künstlerin Simone Nieweg und kunstvolle Heuskulpturen von Claus Bury das über Jahrhunderte geformte und prägende Erscheinungsbild unserer Breitengrade präsentieren. Dies geschieht nicht, ohne einen ironischen Bruch zur nach wie vor anhaltenden Romantisierung des „Landlebens“ zu erzeugen, wie Manfred Willmann uns in seinen Werken zeigt.

Der computerbasierten Bearbeitung und Erzeugung von Naturdarstellungen widmet sich die Sektion Digitale Landschaften. Lagen Werken von Jörg Sasse und Caroline Dlugos aus den 1990er Jahren noch analoge Fotografien zugrunde, die mit ihrer digitalen Nachbearbeitung die zunehmende Instabilität des fotografischen Mediums ankündigten, so werden mittlerweile, wie in den Arbeiten von Dan Holdsworth komplette Landschaften digital konstruiert. Gleichzeitig bietet das Internet zunehmend einen öffentlichen Zugang zu Fotografien professioneller Bildarchive wie der NASA und ermöglicht Künstlern wie Thomas Ruff die Aneignung dieser Bildwelten, unter anderem die dreidimensionale Erfahrung des Planeten Mars im musealen Raum.In der Zusammenschau von über 130 Kunstwerken, die zwischen 1972 und 2018 entstanden sind,zeichnet die Ausstellung den Facettenreichtum der fotografischen Naturdarstellungen bis in die Gegenwart nach, setzt die Weiterentwicklung und nicht selten die Überwindung der Gattung Landschaft mit Hilfe des Lichtbildes ins Relief.

Die Ausstellung zeigt Werke von Claudia Angelmaier, Olivo Barbieri, Peter Bialobrzeski, Sonja Braas, Claus Bury, Marc Cellier, Lucinda Devlin, Caroline Dlugos, William Eggleston, Dörte Eißfeldt, Andre Gelpke, Jochen Gerz, Luigi Ghirri, Mario Giacomelli, Beate Gütschow, Naoya Hatakeyama, Raphael Hefti, Anton Henning, Dan Holdworth, Carsten Höller, Roni Horn, Axel Hütte, Magdalena Jetelová, Sven Johne, Timo Kahlen, Peter Keetmann, Andrej Krementschouk, Jean Le Gac, Zoe Leonard, Robert Longo, Richard Mosse, Andreas Mühe, Andreas Müller-Pohle, Walter Niedermayr, Simone Nieweg, Detlef Orlopp, Jorma Puranen, Inge Rambow, Heinrich Riebesehl, Klaus Rinke, Thomas Ruff, Sebastião Salgado, Victoria Sambunaris, Adrian Sauer, Stephan Schenk, Maria Sewcz, Stephen Shore, Oriol Vilanova, Anna Vogel, Sascha Weidner und Manfred Willmann.

Das Projekt ist eine Kooperation der DZ BANK Kunstsammlung und des Münchner Stadtmuseums.

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München

Abbildungen:

Caroline Dlugos, Aus fremden Gärten (Kühe II),
1995, 100 x 129 cm, © Caroline Dlugos

Naoya Hatakeyama, Blast 5707,
1998/1999, 100,5 x 150 cm, © Naoya Hatakeyama

Simone Nieweg, Brombeerranken im Schnee,
Holzheim, Rheinland, 2003, 139,5 x 180,2 cm © courtesy Galerie m Bochum
Start: Donnerstag 06.12.2018; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Montag 22.04.2019
München Brandhorst Museum: Alex Katz
Bilder
Alex Katz
Ausstellung im Museum Brandhorst
Vom 6. Dezember 2018 bis 22. April 2019

Mit „Alex Katz“ stellt das Museum Brandhorst einen der bekanntesten und beliebtesten Künstler der letzten Jahrzehnte vor. Gefeiert für seine ikonischen Porträts stilbewusster Frauen und für seine impressionistischen Landschaftsdarstellungen, hat der inzwischen 91-jährige Katz Generationen von Malern inspiriert. Die Sensibilität für vibrierende Oberflächen verbindet er zwanglos mit der Augenblickhaftigkeit der Fotografie – viele seiner Gemälde wirken wie virtuos gemalte Schnappschüsse oder Modefotografien. Nicht zuletzt deshalb gilt Katz als einer der wichtigsten Vorläufer der Pop Art. Mit ihren rund 90 ausgestellten Werken, darunter einige Schlüsselwerke des Künstlers, ermöglicht die Ausstellung einen retrospektiven Überblick über das zeitlose ¼uvre seit den 1950er-Jahren bis heute.Das einzigartige, inzwischen rund 70 Jahre umspannende Werk von Katz widmet sich ganz der Darstellung des Hier und Jetzt und der Unmittelbarkeit der menschlichen Wahrnehmung – ein Bekenntnis zu dem, was der Künstler oft als „painting in the present tense“   bezeichnet hat. Er arbeitet wechselweise im Freien, von fotografischen Vorlagen und eigenen Skizzen und konzentriert sich auf Themen aus seinem unmittelbaren Umfeld: Porträts von Familie (insbesondere seiner Frau Ada) und Freunden, künstlerischen Mitstreitern, aber auch Szenen des geselligen Miteinanders, Architekturausschnitte, Landschaften und Blumen.

Überall entfaltet sich Katz’ malerische Virtuosität in produktiver Auseinandersetzung mit der Bildwelt des Films, der Mode und der Werbung. Die Ausstellung beginnt mit Werken Mitte der 1950er- und frühen 1960er- Jahre, darunter Porträts des renommierten Choreografen und Tänzers Paul Taylor und seines Ensembles, für die Katz zahlreiche Bühnenbilder entworfen hat. In einer Reihe wegweisender Einzel- und Gruppenporträts aus den 1960er Jahren begründet Katz’ seinen unverkennbaren Stil. Gleichzeitig eröffnen sie Einblicke in das soziale und künstlerische Milieu New Yorks. Zwei große Ausstellungsräume mit Landschaften zeigen, wie Katz sich höchst virtuos an der Grenze zwischen abstraktem Gestus und kühlem Realismus bewegt. Die Qualität des Lichts selbst, ob direkt, reflektierend oder diffus, wird in diesen Bildern zu einem zentralen Thema.
Einzelne Pinselstriche konturieren Körper und Gegenstände und bewahren doch stets ihren Stellenwert als eigenständige Zeichen. Die Schau umfasst auch eine Reihe kleiner Bilder, Skizzen und Vorzeichnungen, die teils in direktem Zusammenhang mit den gezeigten großformatigen Gemälden stehen. Sie geben wichtige Einblicke in den vielschichtigen Arbeitsprozess des Künstlers, der sich im Wechselspiel zwischen Kalkül und Spontaneität vollzieht. 

Die Ausstellung des Museums Brandhorst schöpft aus der eigenen umfangreichen Sammlung der Werke des Künstlers – darunter Meisterwerke aus seiner langen Karriere –, ergänzt durch Schlüsselwerke aus anderen öffentlichen und privaten Sammlungen. Es erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag mit neu in Auftrag gegebenen Texten von Kirsty Bell und Prudence Peiffer,sowie Reflexionen der Künstler Arturo Herrera, Jordan Kantorund Matt Saunders.
Anlässlich der Retrospektive wird das Museum einen neuen Dokumentarfilm über Alex Katz unter der Regie von Kristina Kilian von der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München uraufführen. Dieses Projekt ist Teil einer laufenden Zusammenarbeit zwischen dem Museum Brandhorst und der HFF.

Museum Brandhorst
Theresienstraße 35
80333 München

Abbildung:
Alex Katz, The Black Dress, 1960
Öl auf Leinwand
183,5 x 214,5 cm
Udo und Anette Brandhorst Sammlung
Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © Alex Katz, VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Start: Freitag 01.02.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 30.06.2019
München Kunsthalle: SAMURAI - Pracht des japanischen Rittertums
Bilder
Bilder
SAMURAI - Pracht des japanischen Rittertums

Die Sammlung Ann und Gabriel Barbier-Mueller
Ausstellung vom 1. Februar – 30. Juni 2019
Kunsthalle München


Über Jahrhunderte prägten die Samurai die Geschichte Japans – nicht nur als Krieger, sondern auch als politische Elite. Ihr Mythos erzählt von Tapferkeit und Disziplin, von Loyalität und nobler Selbstaufopferung – aber auch von Verrat, Intrigen und erbarmungsloser Gewalt. Ihre mit höchster Handwerkskunst aus edlen Metallen und kostbaren Stoff en hergestellten Rüstungen waren nicht nur wirkungsvolle Schutzpanzer, sondern auch imposante Statussymbole. Das Ehepaar Ann und Gabriel Barbier-Mueller hat in knapp 30 Jahren eine hochkarätige Sammlung solcher Samurai-Rüstungen sowie Helme und Masken, Pferdeausrüstung und Waff en aus dem 13. bis 19. Jahrhundert zusammengetragen, die nun erstmals in Deutschland präsentiert wird. Anhand von mehr als 100 Exponaten lässt die Ausstellung die spannungsvolle Geschichte des japanischen Rittertums lebendig werden.Was macht einen Mann zum Krieger? Der Samurai besaß Waff en, beherrschte Kampftechniken und lebte nach hohen ethischen Wertmaßstäben. Kennzeichnend für sein Erscheinungsbild war jedoch vor allem eins: seine Rüstung.

Die Qualität einer Rüstung entschied über Leben und Tod – sie musste nicht nur Schutz bieten, sondern auch Bewegungsfreiheit und Identifi zierbarkeit im Schlachtgetümmel. Bis heute veranschaulicht sie auf faszinierende Weise, mit welchen Mitteln sich der Samurai im Wechselspiel von Angriff  und Verteidigung im Kampf behauptete: Meisterhaft verarbeitete Metalle, Leder, Holz, Lack und Stoff e gewährten materiellen Schutz. Als Schutzsymbole und zur Abschreckung des Feindes dienten Verzierungen verschiedenster Formen und Motive, wie Dämonen, Drachen oder andere mythologische Wesen, gefährliche Tiere, buddhistische Schutzgötter und Sternenkonstellationen, siegverheißende Pfl anzen oder Symbole, die für Glück, Mut und ein langes Leben stehen. Dass extravagante Rüstungen und Masken sowie Helme mit aufwendigem Schmuck jedoch auch gerade in Friedenszeiten verbreitet waren, zeugt von ihrer ebenso bedeutsamen repräsentativen Funktion: Rüstungen wurden in der weitgehend friedlichen Edo-Zeit (1603–1868) zunehmend zu Statussymbolen der Eliten.

Fast 700 Jahre lang prägten die Samurai die Geschichte Japans. Als Ende des 12. Jahrhunderts der Shogun als oberster militärischer Befehlshaber die Regierungsmacht vom japanischen Kaiser, dem tennō, übernahm, stieg der Kriegeradel anstelle des Hofadels zur politischen und sozialen Elite des Landes auf. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu einer weiteren Schwächung der zentralen Staatsgewalt. Regionale Samurai-Fürsten (daimyō), die durch Landbesitz und militärische Macht an Einfl uss gewonnen hatten und nun gegeneinander kämpften, beherrschten das in zahllose Territorien zerfallene Japan. Die Epoche der erbitterten Kämpfe dieser Territorialherrscher ist als »Zeit der streitenden Reiche« (Sengoku-Zeit, 1477–1573) in die japanische Geschichte eingegangen und prägt bis heute die Vorstellung des Samurai als martialischer Krieger, der in seinem Todesmut auch nicht vor dem rituellen Selbstmord (das im Westen als Harakiri geläufi ge seppuku) zurückschreckt.

Die Sengoku-Zeit trieb die Weiterentwicklung militärischer Taktiken und die Verwendung neuer Waff en voran, zum Beispiel die 1543 von den Portugiesen eingeführten Gewehre. Damit wurde auch eine Anpassung der Rüstungen an die neuen Errungenschaften der Kriegsführung erforderlich. Es setzten sich neue Rüstungstypen durch, die nicht mehr ausschließlich als Schutzkleidung fungierten, sondern in Zeiten der Massenheere zunehmend auch die Persönlichkeit ihres Trägers zum Ausdruck bringen sollten. Diese Entwicklung spiegelt zugleich, wie die Verbreitung von Feuerwaff en im Kampf das Selbstverständnis der Samurai erschütterte: Individuelles Können und die Zugehörigkeit zur berittenen Elite verloren angesichts von Fernwaff en, die auch niederrangige Fußsoldaten bedienen konnten, an Bedeutung. Dies ist einer der Gründe, warum sich Feuerwaff en in Japan nicht im selben Maße durchsetzten wie in Europa. Die Samurai hielten lange an traditionellen Waff en wie Pfeil und Bogen, Lanze und Schwert fest. Besonders das Schwert, das als Seele des Samurai gilt, hatte als sichtbares Zeichen der Ehre des Kriegers immensen Symbolwert. Nur den Samurai war es erlaubt, zwei Schwerter zu tragen. Kostbare Exemplare galten als Kunstwerke, deren Herstellung höchstes technisches Know-how erforderte.

Unzählige Schichten Stahl wurden tagelang zur Schwertform geschmiedet, danach aufwendig gehärtet und geschliff en. Schwertschmiede gehörten stets dem Krieger- oder Hofadel an und waren nicht nur spezialisierte Handwerker, sondern führten zugleich rituelle und priesterliche Handlungen durch. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde Japan mit militärischer Gewalt geeint. Der neue Shogun verlegte seinen Regierungssitz nach Edo, das heutige Tokio, und mit der sogenannten Edo-Zeit brach eine über 250 Jahre währende Friedensepoche an, die mit der Abschottung Japans von der restlichen Welt einherging. Während im Kriegerstand zuvor Kämpfertugenden wie Tapferkeit, Disziplin und Loyalität im Fokus gestanden hatten, repräsentierten die Samurai in der Edo-Zeit vor allem das Ideal einer Einheit von ziviler Kultur und Kriegertugend: Sie übten sich weiterhin im Dienst an der Waff e, übernahmen aber auch neue Aufgaben in der Verwaltung, im Finanzwesen, im Strafvollzug und in der Zensur. Von zentraler Bedeutung war dabei der Ehrenkodex des bushi-dō (der Weg des Kriegers), der Elemente aus den Religionen des Shintōismus und Buddhismus sowie aus dem Konfuzianismus vereint: Er legitimierte die Existenz von Kriegern in Friedenszeiten, indem er die Samurai als moralische Erzieher und Garanten der öff entlichen Ordnung darstellte.

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstraße 8
80333 München


Abbildungen:

Rüstung (Yokohagidō tōsei gusoku) (Detail)
Nanboku-chō-Zeit und mittlere Edo-Zeit: 1333-1392 (Helm), 18. Jh. (Rüstung)
Eisen, shakudō, Lack aus Gold und Silber, Schnürung, Leder, Bronze, Holz, Seide, Brokat, Bärenfell
© The Ann & Gabriel Barbier-Mueller Museum, Dallas, Foto: Brad Flowers

Rüstung (Nimaitachidō tōsei gusoku) (Detail)
Zugeschrieben: Myōchin Yoshimichi (Helmschale),  Myōchin Munenori (Rüstung)
Frühe Muromachi-Zeit und mittlere Edo-Zeit: um 1400 (Helmschale), 18. Jh. (Rüstung),
Eisen, shakudō, Schnürung, Silber, Holz, Gold, Brokat, Fell, Bronze, Messing, Leder
© The Ann & Gabriel Barbier-Mueller Museum, Dallas, Foto: Brad Flowers
Start: Sonntag 10.02.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 12.05.2019
Tegernsee Gulbransson Museum: papan. Wer keinen Spaß versteht, versteht auch keinen Ernst
Bilder
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papan. Wer keinen Spaß versteht, versteht auch keinen Ernst

Ab dem 10. Februar lassen die eigensinnigen Lebensbetrachtungen des Münchner Cartoonisten papan die Schattenseiten des Winters in Tegernsee vergessen. „papan. Wer keinen Spaß versteht, versteht auch keinen Ernst“ versammelt über 100 Originalzeichnungen und Objekte, die einen tiefen Einblick in das breitgefächerte Schaffen des in Hamburg geborenen Künstlers geben. Mit lockerem Strich und leuchtenden Farben schildert dieser die Eigentümlichkeiten des menschlichen Miteinanders. Die skurrilen Szenen des Alltags lassen den Betrachter schmunzeln, regen aber auch dazu an, sich mittels Humor existentiellen Fragen des Lebens anzunähern. Hinter der schillernd bunten Fassade unbeschwerter Heiterkeit lugt der scharfe Blick eines aufmerksamen Kritikers hervor, der die bedeutenden Themen der modernen Gesellschaft seziert wie etwa Familie, Ehe, Karriere, Religion, Selbstverwirklichung, Zeit und Tod.
 
Seit der ersten Ausstellung im Olaf Gulbransson Museum, Tegernsee im Jahr 2008 haben sich papans Figuren weiterentwickelt. Mit Scharfsinn und Ironie begeben sich seine Figuren nun auch auf die Spuren der großen Dichter und Denker der Vergangenheit. So trifft man inmitten von papans farbstarken Bilderkosmos auf die Worte von Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Busch oder Franz Kafka. Doch wer glaubt, dass hier der Ernst die Oberhand gewinnt, der unterschätzt den kreativen Geist des Cartoonisten, der mit Meisterhand die beiden Pole Spaß und Ernst vereint.
 
PAPAN
 
Nach einer Buchhändlerlehre in Hamburg arbeitete Manfred von Papen  (* 1943 in Hamburg) 10 Jahre lang in Berlin als Requisiteur an der Schaubühne und entwarf Programmhefte, doch die satirische Zeichnung sollte seine eigentliche Heimat werden. papan veröffentlichte seine Karikaturen in „DIE ZEIT“, in der „Süddeutschen Zeitung“ und seit 1972 exklusiv im „stern“. Große Bekanntheit erlangte er mit seinen Rubriken „Dingsbums“ und „Der undressierte Mann“. Seit 1972 lebt und arbeitet der Zeichner in München, wo er eine Galerie betreibt. Die Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler und versammelt Werke, welche den farbenfrohen Kosmos papans, seine heiteren bis tiefgründigen Gedankenspiele reflektieren.
 
OLAF GULBRANSSON MUSEUM, TEGERNSEE
Im Kurgarten 5
83684 Tegernsee
Start: Donnerstag 14.02.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 26.05.2019
München Pinakothek der Moderne: TOUCH. PRINTS BY KIKI SMITH
Bilder
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TOUCH. PRINTS BY KIKI SMITH

Pinakothek der Moderne
Ausstellung vom 14. Februar bis 26. Mai 2019


Mit der Ausstellung TOUCH. Prints by Kiki Smith erweist die Staatliche Graphische Sammlung München der international renommierten New Yorker Künstlerin Kiki Smith ihre Reverenz für eine außergewöhnlich großzügige Schenkung: Kiki Smith hat ihr gesamtes, in Auflage erschienenes druckgraphisches ¼uvre –Einzelblätter, Serien und Künstlerbücher – gestiftet; rechnet man Serien und Bücher in ihren Einzeldrucken, ergibt sich eine Zahl von nicht weniger als 800 Blatt. Als eine der ersten Adressen für Kunstauf Papier in Europa schätzt sich die Graphische Sammlung glücklich, durch diesen Vertrauensbeweis nunmehr weltweit den größten Bestand an druckgraphischen Werken von Kiki Smith zu bewahren. Die Generosität der Künstlerin greift sogar in die Zukunft aus, denn sie will dem Museum von jeder neu entstehenden Auflage ein Exemplar zuwenden.  Aus der umfangreichen Schenkung zeigt die Staatliche Graphische Sammlung München in ihren Ausstellungsräumen in der Pinakothek der Moderne über 160 ausgewählte Werke und gibt einen faszinierenden Einblick in das druckgraphische Schaffen der Künstlerin von 1985 bis heute.

Im großen quadratischen Ausstellungssaal (Temporär 1) werden unter dem Titel Lebenslauf – Werklauf Meisterblätter aus vier Jahrzehnten präsentiert. Sie erweisen, wie eng Leben und Werk der Künstlerin aufeinander bezogen sind. Die benachbarten Räume zeigen die Druckgraphiken nach thematischen Aspekten: Das Entree empfängt mit Motiven aus der Welt zwischen Leben und Tod, die Folgeräume sind überschrieben Die Welt des menschlichen Körpers und In der weißen Zelle.

Deutschland und dem Freistaat Bayern fühlt sich Kiki Smith als geborene Nürnbergerin besonders verbunden. Sie kam 1954 in der Dürerstadt auf die Welt, als sich ihre Eltern, die Opernsängerin und Schauspielerin Jane Smith und der aufstrebende Architekt und später als Maler und Bildhauer international bekannte Tony Smith, im Rahmen eines Engagements der Mutter in Europa aufhielten; 1955 kehrte die Familie nach New Jersey zurück. 1976 zog es die junge Künstlerin nach New York, wo sie seitdem lebt und arbeitet. Auch wenn das New Yorker Umfeld und die Kunst der Minimal Art, Pop Art oder Performance-Kunst Kiki Smith beeinflussten, fand sie doch zu einer ganz eigenen künstlerischen Sprache, die ihren Stellenwert als international viel beachtete Künstlerin bis heute prägt.

Zentrales Thema in ihrem Werk ist die Frage nach dem Dasein des Menschen. Parallel zu richtungsweisenden Künstlern wie Nancy Spero, Louise Bourgeois, Robert Gober oder Félix González-Torres begann sie in ihrem Frühwerk der 1980er-Jahre den menschlichen Körper zunächst in der Form von Fragmenten zu thematisieren. Zeitaktuelle politische Fragen, wie der Umgang mit AIDS oder die Emanzipation, fanden in ihren Werken Resonanz. Seit 1992 wendet sie sich auch dem Tier als Begleiter des Menschen zu. Gleichzeitig begann sie in biblischen Geschichten und seit 1999 auch in Märchen die wechselvolle Existenz des Menschen zu ergründen. Seit Ende der 1990er-Jahre spürt sie zudem der Verbindung des Menschen zu Natur und Kosmos nach.  Viele ihrer Sujets finden in der Druckgraphik ihren Ausgangspunkt, um anschließend in Skulptur, Glaskunst, Tapisserie und andere Medien übersetzt zu werden. Seit Beginn ihrer Karriere experimentiert Kiki Smith mit druckgraphischen Techniken auf vielfältigste Weise und ergründet in Kooperation mit Druckwerkstätten und Verlegern immer wieder neue Wege und kommt dabei zu einer Material- und Technikvielfalt, wie sie nur wenige Künstler beherrschen.  Es ist vor allem die Sensualität der Oberfläche, durch die Kiki Smiths Drucke begeistern – eine Qualität, die im Titel der Ausstellung TOUCH zum Ausdruck kommt. Er ist im direkten und übertragenen Sinne zu verstehen: Zum einen sind die Druckgraphiken in ihrer Wirkung haptisch, so dass man sie gerne anfassen möchte. Zum anderen berührt Kiki Smiths Kunst durch ihre Inhalte – die Themen gehen hinter die Oberflächen und damit im Sinn des Wortes unter die Haut. 

Pinakothek der Moderne
Barer Str. 40
80333 München


Abbildungen:

Lithographie mit Vergoldung auf Arches Cover White-Papier, 551 x 764 mm
Staatliche Graphische Sammlung München, Schenkung der Künstlerin
© Kiki Smith, courtesy Pace Gallery

Photogravüre und Lithographie auf En Tout Cas-Papier, 1110 x 1391 mm
Staatliche Graphische Sammlung München, Schenkung der Künstlerin
© Kiki Smith, courtesy Pace Gallery

Radierung, Aquatinta, Kaltnadel und Aquarell auf En Tout Cas-Papier, 1295 x 1899 mm
Staatliche Graphische Sammlung München, Schenkung der Künstlerin
© Kiki Smith, courtesy Pace Gallery

Start: Sonntag 24.02.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 19.05.2019
Kochel: Erich Heckel - Der poetische Expressionist
Bilder
Erich Heckel
Der poetische Expressionist

Franz-Marc-Museum Kochel
Ausstellung vom 24. Februar - 19. Mai 2019

Das Franz Marc Museum besitzt viele Werke Erich Heckels, dieses bedeutenden Mitglieds der „Brücke“. Dazu gehörtdas wichtige Gemälde Parksee von 1914, seltene Farbholzschnitte wie Fränziliegendund Liegende auf schwarzem Tuch, mehr als sechzig weitere Holzschnitte und zahlreiche Zeichnungen und Aquarelle. Acht illustrierte Postkarten, die Erich Heckel 1912/13 aus Berlin und von der Ostsee an Franz Marc in Sindelsdorf schrieb,  werden in einem eigenen Kapitel vorgestellt. Diese Korrespondenz über Ausstellungsorganisation, Verkäufe und das Bibelprojekt Franz Marcs wird zum ersten Mal gezeigt und veröffentlicht.
Auch die Beziehung Erich Heckels zu Sidi Riha, der Tänzerin und späteren Lebensgefährtin,die der Maler 1910 kennenlernt, wird Thema der Ausstellung sein. SidiRiha diente Erich Heckel seit ihrer Begegnung fast ausschließlich als weibliches Modell.Die Ausstellung gibt einen Überblick über den Bestand des Museums und ist Anlass für einen genauen Blick auf diesen Sammlungsteil, der bei der Ausstellungsvorbereitung zu Neuzuschreibungen und einem tieferen Verständnis der Werke führte.

Franz Marc Museum         
Franz Marc Park 8-10                                                                                                   
82431 Kochel a. See 

Foto:
Erich Heckel, Parksee, 1914
Franz Marc Museum, Kochel a. See
Dauerleihgabe aus Privatbesitz
Foto: Walter Bayer, München
Start: Freitag 08.03.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 28.07.2019
München Haus der Kunst: El Anatsui. Triumphant Scale
Bilder
Bilder
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El Anatsui. Triumphant Scale

Haus der Kunst München
Ausstellung vom 08. März bis 28. Juli 2019

„El Anatsui. Triumphant Scale“ bietet einen umfassenden Überblick über die Arbeit des renommierten Künstlers El Anatsui (*1944 in Anyako, Ghana), des vielleicht bekanntesten lebenden afrikanischen Künstlers überhaupt. Diese bislang größte Überblicksausstellung seiner Arbeit wird den gesamten Ostflügel des Museums einnehmen und zeigt alle Medien, in denen er in seiner bislang fünfzigjährigen Karriere gearbeitet hat. Wie der Titel vermittelt, konzentriert sich die Ausstellung auf das Triumphale und Monumentale von Anatsuis Skulpturen, wobei die typischen Arbeiten aus Kronkorken aus den letzten zwei Jahrzehnten im Mittelpunkt stehen. Neben diesen ambitionierten Arbeiten, ihrer imposanten Präsenz und ihren schillernden Farben zeigt die Ausstellung auch Holzskulpturen und Wandreliefs von Mitte der 1970er- bis zu den späten 1990er-Jahren, dazu Keramikskulpturen aus den späten 1970er-Jahren sowie Zeichnungen, Drucke und Bücher. Darüber hinaus entwickelt Anatsui mehrere neue Skulpturen, die auf die monumentale Architektur des Museums eingehen, darunter eine große Außenarbeit an der Süd-Fassade des Gebäudes.

Anatsuis Arbeit ist beispielhaft für eine kritische Suche nach alternativen Modellen künstlerischer Praxis, die die fundamentalen Ideale der Moderne – künstlerische Autonomie und „ästhetische Reinheit“ – infrage stellen. Anatsui lebt seit 1975 in Nigeria, wo er zuerst als Dozent an der Fakultät für Schöne und Angewandte Künste der Universität von Nigeria in Nsukka unterrichtete. In dieser dynamischen Umgebung kristallisierten sich die zentralen Ideen seines Werks heraus, das von künstlerischer Experimentierfreude, ästhetischer Forschung und kreativer Energie geprägt ist. Sie kennzeichnen sich durch die Überzeugung, dass überall auf der Welt große Kunst entstehen kann, auch unabhängig von den sogenannten Kunstzentren des Westens. Anatsui und seine Mitstreiter in Nsukka, darunter weltberühmte Künstler/innen, Schriftsteller/innen, Dichter/innen und Dramaturgen/innen, wollten und wollen mit ihrer Arbeit dazu beitragen, den Geltungsbereich künstlerischer Arbeit innerhalb einer sich immer weiter ausdehnenden, globalen zeitgenössischen Kunstwelt zu erweitern.

„Kunst erwächst aus jeder spezifischen Situation“, hat Anatsui einmal gesagt, „[…] und ich glaube, Künstler sollten besser mit dem arbeiten, was ihre jeweilige Umgebung gerade bereitstellt“.

Die Ausstellung zeichnet die vielfältigen schöpferischen Wege nach, die Anatsui eingeschlagen hat, um eine neue Herangehensweise an das Medium Skulptur zu definieren, was ihn schließlich zu einem der herausragendsten Bildhauer der Gegenwart gemacht hat.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die wesentliche Förderung der Art Mentor Foundation Lucerne. Wir danken ferner für die großzügige Unterstützung eines anonymen Mäzens und für die zusätzliche Unterstützung der Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst e. V., der Jack Shainman Gallery, New York, Kavita Chellaram, Reni Folawiyo, Bolaji Balogun und Yvonne Fasinro. Der Katalog erscheint im Prestel Verlag.

Kuratiert von Okwui Enwezor und Chika Okeke-Agulu (Assistent: Damian Lentini)

Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1,
80538 München


Abbildungen:

El Anatsui
Gbeze, 1979
Ceramic, manganese
© El Anatsui. Courtesy of the artist and Jack Shainman Gallery, New York#

El Anatsui
Stressed World, 2011
Aluminum and copper wire
174 x 234 inches (442 x 594.4 cm)
© El Anatsui. Courtesy of the artist and Jack Shainman Gallery, New York

El Anatsui
Gravity and Grace, 2010
aluminum and copper wire, 190 x 441 inches (482 x 1120cm)
Collection of the Artist, Nsukka, Nigeria,
Courtesy Jack Shainman Gallery, New York
Start: Freitag 15.03.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 22.09.2019
Münchner Stadtmuseum: Jugendstil skurril. Carl Strathmann
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Jugendstil skurril. Carl Strathmann

Ausstellung des Münchner Stadtmuseums
15. März – 22. September 2019

Die Kunst Carl Strathmanns (1866-1939) entzieht sich jeder Kategorisierung, sie ist höchst originell, bisweilen bizarr und skurril. Mit einer ornamentverliebten Detailversessenheit schuf sich der Künstler eigene Welten von karikaturhaften Märchen, fantastischen Blumenstillleben und Landschaften, symbolistischen Historienbildern und kunsthandwerklichen Entwürfen. Aufgrund seiner aus dem Rahmen fallenden Bildwelten wie auch wegen seiner geselligen, dandyhaften Persönlichkeit war Strathmann den Zeitgenossen weit über München hinaus ein Begriff. Speziell Lovis Corinth und Wassily Kandinsky schätzten seine Kunst sehr. Obwohl Strathmann in der Fachliteratur über den deutschen Symbolismus und Jugendstil zwar regelmäßig hervorgehoben wird, ist er der Allgemeinheit heute kaum mehr bekannt. Dies soll die große Ausstellung mit ca. 150 Objekten, die sich zum größten Teil in der Sammlung des Münchner Stadtmuseums befinden, ändern. Hier nämlich befindet sich sein künstlerischer Nachlaß, der alle Aspekte seines ¼uvres abdeckt. Dieses Konvolut wurde in seiner Gesamtheit bisher von der Forschung übersehen und damit auch nicht publiziert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Unter anderem finden sich hier auch zahlreiche seiner (Haupt-)Werke, die allgemein als verschollen oder zerstört gelten. Aus Anlass der Ausstellung werden einige dieser Werke restauriert und erstmals seit den Lebzeiten des Künstlers wieder einem Publikum präsentiert.Diese Ausstellung bietet die Gelegenheit, mit Carl Strathmann eine besonders schillernde Künstlerpersönlichkeit Münchens um 1900 zu entdecken und seine außergewöhnliche Kunst neu kennenzulernen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Wienand Verlag, der an der Museumskasse und im Online Shop erhältlich sein wird.

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München

Abbildungen:

Carl Strathmann, Frauenkopf im Profil, 1898,
Aquarell und Feder auf Karton
© Münchner Stadtmuseum

Carl Strathmann, Satan, 1896, Aquarell
© Münchner Stadtmuseum

Carl Strathmann, Medusa, um 1897,
Aquarell auf Pappe © Münchner Stadtmuseum
Start: Samstag 16.03.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 23.06.2019
Penzberg: Stadt - Land - Werner Berg
Bilder
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Stadt - Land - Werner Berg
Wahlheimat Expressionismus

Museum Penzberg – Sammlung Campendonk
Ausstellung vom 16. März bis 23. Juni 2019

Mit einer echten Entdeckung wartet das Museum Penzberg – Sammlung Campendonk auf: »Stadt - Land - Werner Berg. Wahlheimat Expressionismus« heißt es von Samstag, 16.03.2019 bis Sonntag, 23.06.2019. Das österreichische Werner Berg Museum Bleiburg / Pliberk hegt einen in Deutschland weitgehend unbekannten Schatz, der direkten Bezug zum Blauen Land und den Expressionisten hat. Mit über 110 Werken aus Kärnten – Ölgemälde, Holzschnitte, Zeichnungen – wird das markante, ebenso zupackende wie packende Werk Werner Bergs (1904-1981) erlebbar. Ebenso seine Nähe zu Klassikern der Moderne und zu den Brücke-Künstlern, aber auch seine eigenständige, unverwechselbare Entwicklung. Arbeiten von Emil Nolde, Max Beckmann, Edvard Munch, Alfred Kubin und Oskar Kokoschka zeigen die Vernetzung des Wahl-Österreichers auf. Zudem ist Werner Berg typisch für die Biographien, die das kriegsgebeutelte 20. Jahrhundert schrieb. Nicht zuletzt sind Parallelen zur Vita und zum Werk Heinrich Campendonks zu entdecken. Gezeigt wird das auch anhand von Interventionen mit dem Werk Campendonks im Alt- und Neubau des Museums. In den drei Stockwerken des Altbaus ist die Ausstellung sowohl chronologisch wie thematisch gegliedert, der Rundgang entspricht zugleich einem Gang durch die Jahreszeiten. Begriffe wie Heimat, Alltag, bäuerliches Leben, Beziehungen und (Künstler-) Freundschaften, Grundfragen der Existenz und ihrer Fragilität werden dabei fokussiert.   

"In Wien habe ich zeichnen gelernt, stur und streng, in München wurde ›gesäbelt‹, ›gemoln‹", kommentierte Werner Berg seine Lehrjahre, die er an den Akademien der beiden Städte verbracht hatte. Reich an Erfahrungen in der Kunstszene, aber vom Studienbetrieb tief enttäuscht, zog er im Alter von 26 Jahren samt seiner Familie auf einen entlegenen Bauernhof in Südkärnten, um fortan unter einfachen Lebensbedingtheiten als Maler und Landwirt zu leben. Hier im Grenzgebiet zu Slowenien suchte er eine Existenz "nahe den Dingen" und wählte Motive aus dem ländlichen Milieu seiner unmittelbaren Umgebung, die er in expressiven Bildern festhielt. Als stiller Beobachter brachte er die vom arbeitsreichen  Leben geprägte slowenische Landbevölkerung und den vom Glauben bestimmten Alltag der Bevölkerung auf Papier und Leinwand. Seine innere Distanz erlaubte es ihm, die herbe Physiognomie der Einheimischen und das bunte Markttreiben in allen Facetten zu charakterisieren. Rege Briefwechsel und gegenseitige Besuche verbanden Werner Berg mit seinen Künstler- freunden, Literaten und Förderern wie Emil Nolde, Arnulf Rainer, Thomas Bernhard, Christine Lavant, Gabriele Münter, Erich Kuby und Wieland Schmied. Sie führten ihn immer wieder nach Berlin und in andere Großstädte, wo er an zahlreichen Ausstellungen teilnahm und Austausch fand. Heute genießt Werner Berg in Österreich große Anerkennung, wird jedoch – anders als zu seinen Lebzeiten – in Deutschland nur noch wenig wahrgenommen. Sein entschlossener Rückzug von der Stadt aufs Land und in die Berge erlaubte ihm, weitgehend als Selbstversorger den Alltag zu stemmen – ein Lebenskonzept, das bereits Künstler des frühen 20. Jahrhunderts umzusetzen versuchten und von Werner Berg bis in die letzte Konsequenz durchgezogen wurde. Sein umfassendes ¼uvre aus Ölgemälden, Aquarellen, Holzschnitten und Zeichnungen schildert das Auf und Ab einer bewegten Künstlerpersönlichkeit und ist Ausdruck einer gelungenen Verbindung von Kunst und Leben in einer selbstbestimmten Heimat.
 
Ein soziokultureller und pädagogischer Ansatz füttert das Konzept, das die Kuratorinnen Anne Funck und Friederike Breier mit der Museumsleiterin Freia Oliv erstellt haben – in Kooperation mit dem Kärntner Kurator des Werner Berg Museums Dr. Harald Scheicher, dem Enkel von Werner Berg. 
 

Museum Penzberg – Sammlung Campendonk 
Am Museum 1,
82377 Penzberg


Abbildungen:

- Werner Berg, Junge Familie (1932) © Bildrecht, Wien.

- Werner Berg, Liebe (1932) © Bildrecht, Wien
Start: Samstag 16.03.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 23.06.2019
Buchheim Museum: ERWIN PFRANG. GEDACHT DURCH MEINE AUGEN
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ERWIN PFRANG. GEDACHT DURCH MEINE AUGEN

Ausstellung vom 16. März bis 23. Juni 2019
Buchheim Museum Bernried

Erwin Pfrang ist vor allem in den USA und in Deutschland bekannt. Die New York Times bescheinigt ihm für die Ausstellung seiner Zeichnungen zum »Ulysses« von James Joyce in der David Nolan Gallery 1992 »ein brillantes Solo-Debüt«. 1994 stellt er in der Neuen Pinakothek in München seinen Zyklus »Odysseus und kein Ende« aus. Das MoMA erwirbt 2002 seinen Zyklus »Colazione con Sant‘Agata«. 2007 werden die mit Tusche bezeichneten Ziegenhäute seines »Hades«-Zyklus in der Pinakothek der Moderne in München präsentiert.
Das Buchheim Museum betritt dennoch in zweierlei Hinsicht Neuland mit dem Künstler. Die Gemälde, die in den letzten zehn Jahren zunächst in Catania, dann ab 2010 in Berlin entstanden, wurden noch nie zuvor in einem Museum gezeigt; und noch nie zuvor wurde der große Sonderausstellungssaal des Buchheim Museums für einen Künstler geöffnet, der in keinem Bezug zur Sammlung steht. Dass dies nun endlich passiert, ist gut so, denn Lothar-Günther Buchheim selbst war mitnichten an einer »starren Präsentation eines Kunstschatzes« interessiert. Vielmehr lag ihm an einem »lebendigen Museum«.
Mit seinem Motto »Gedacht durch meine Augen« ist Pfrang seinem  Joyce treu geblieben. Er sammelt Eindrücke aus der alltäglichen Anschauung, dem unmittelbar Erlebten, bei einem Blick aus dem Fenster oder in den Spiegel, aber auch aus Zeitschriften sowie Filmen und lässt diese dann in das kompositorische Muster seiner Gedanken einfließen.

Wie Pfrang durch seine Augen denkt
Hören Sie sofort auf zu lesen! Pfrang ist kein Freund kunsthistorischer Prosa. Wenn Sie ihn verstehen wollen, schauen Sie sich seine Bilder an. Wer dann noch Fragen hat, darf an dieser Stelle weiterlesen. Diese Ausstellung ist eine Aufforderung, sich dem Sinn-lichen zu widmen. Denn es ist der Ursprung allen Denkens. Trotzdem ist es ganz nützlich, das ein oder andere über den Künstler zu wissen. Wo kommt er her? Welche Anregungen hat er aufgenommen? Was bewegt ihn? Und warum denkt er durch seine Augen?

Musikalische Konditionen
Pfrang kommt aus einer Musikerfamilie. Der Vater war Kaffeehaus-Pianist, der Großvater Volks-schauspieler und Sänger. Auch seine Gemälde unterlägen »musikalischen Konditionen«, sagt der Künstler. Die Augen des Betrachters entfal-te-ten beim Wandern über die Bilder musikalische Dynamik: »ausschwärmende, stürzende, sich verkrampfende Bewegungsabläufe, die einem Rhythmus folgen«.

Gemalte Gedankengänge
Pfrang studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Mac Zimmermann. Zimmermann war ein deutscher Vertreter des Surrealismus. In Anlehnung an Sigmund Freud ging es den Surrealisten darum, Verdrängungen zu enthüllen, das Unbewusste bewusst zu machen. Mit Zimmermann verbinde ihn künst-lerisch nichts, sagt Pfrang. Die Surrealisten versuchen durch automatische Malweise die Vernunft auszuschalten. Sie möchten intuitiv erträumte Gebilde aus dem Unter-bewusstsein bergen und sie auf die Leinwand bringen. Bei ihm gebe es da nichts zu entdecken, sagt Pfrang. Das Unbewusste sei ihm stets bewusst gewesen. Seine Bilder sind Ergebnisse des intensiven Nachdenkens über die Menschen, die ihm begegnen. Er erstattet malerisch Bericht bis in die letzte Windung seines Gehirns hinein. Dabei ist er gnadenlos ehrlich, vor allem mit sich selbst.

Vieldeutigkeit, Offenheit
An der Akademie fühlte sich Pfrang durch Rudi Tröger inspiriert, dessen Werk mit den üblichen Begriffen wie Realismus, Expressionismus oder Surrealismus nicht beizukommen ist. Wider-sprüchlichkeit, Vieldeutigkeit, Offenheit, das sind die Leitideen Pfrangs. Seine Bilder sind gespickt mit absurden Pointen. Das Kind geht am Stock und die Oma spielt Fußball. Die Geisteskranken sind die einzigen Normalen im wahnsinnigen Treiben der Welt.

Sammler des Alltäglichen
Pfrang sammelt Eindrücke im unmittel-baren Erleben des Alltags, sei es bei einem Blick aus dem Fenster oder in den Spiegel, aber auch beim Lesen von Zeitschriften oder beim Fernsehen. Er tastet seine Umgebung auf Gesichter, Figuren, Tiere und Sachen ab. Die so gewonnenen Motive verweben sich mit Erinnerungen und Vorstellungen zu malerischen Kompositionen. Oft spielen seine Frau, sein Sohn, seine Tochter, seine Mutter, sein Vater und seine Hunde darin eine wichtige Rolle. Auch tauchen jene »Schläfer« immer wieder auf: Obdachlose, Arbeitslose, Hoffnungslose, denen er in Catania Unter-schlupf gab. Hinzu kommen Passanten, Nachbarn und Bekannte. Auch die auf den Bildern wieder-gegebenen Orte sind unmittelbar erlebt. Es ist spürbar, ob es sich um einen Schauplatz in Italien, Rumänien oder Berlin handelt.

Literarische Erzählmuster
Wir sehen in Pfrangs Bildern städtische Brachflächen, Straßenzüge, Interieurs oder Farbräume, bevölkert von Gestalten aller Art, Kuscheltieren, Barbiepuppen, Comicfiguren, Hunden, anderen Tieren und vor allem Menschen. Alles ist wiedererkennbar, alles stammt aus dem Leben, und doch ist alles ganz anders, als wir es gewohnt sind. Die Größen-verhältnisse der Bildelemente passen nicht zueinander. Der sie umgebende Raum muss sich krümmen und biegen, um sie alle aufzunehmen. Wo wir Zusammenhänge erwarten, bestehen keine. Wo wir sie nicht vermuten, zeigt Pfrang Zusammen-hänge auf. Er lässt Figuren in Beziehung treten, die eine emotionale Grundhaltung teilen, die Ähnliches durchleben, die in dieselbe Richtung schauen oder aber aversiv aufeinander reagieren. Seine Bildkompositionen gleichen literarischen Erzählmustern, die Lebensläufe parallel verfolgen und dann, an einer vom Autor gesetzten Stelle, in Beziehung zueinander treten lassen. Pfrang liest viel. Ein besonderes Verhältnis hat er zu James Joyce.

James Joyce
1992 erregte Pfrang Aufsehen mit seinen Zeichnungen zum »Ulysses« von James Joyce. Das Motto dieser Ausstellung »Gedacht durch meine Augen« ist dem »Ulysses« entnommen. Es steht im Kontext erkenntnistheoretischer Über-legungen, die Stephen Dedalus anstellt, eine Romanfigur, die autobiografische Züge trägt. Wie können wir etwas über die Welt außerhalb unseres Bewusstseins in Erfahrung bringen? Dedalus sucht bei Aristoteles nach Antworten. In seinem Buch »Über die Seele« legt der antike Philosoph dar, dass sich die grundlegenden Formen der Erkenntnis in den Gegenständen befinden. Mittels der Sinne hinterlassen sie Eindrücke in uns. Die Vor-stellungskraft konserviert diese, um sie dann der Vernunft zur gedanklichen Verarbeitung zur Verfügung zu stellen. Joyce interpretiert Aristoteles offener. Für ihn sind die Gegen-stände Zeichen, die Vorstellungen hervorrufen. Joyce beschreibt im »Ulysses« den Strom der gedanklichen Verarbeitung dieser Vorstellungen. Nicht über die Erlebnisse der Romanfiguren schreibt er, sondern über ihre Gedanken und Assoziationen.

Ursprung im Sinnlichen
Joyces erkenntnistheoretische Ansätze unter-scheiden sich von den aristotelischen. Aristoteles sieht eine substanzhafte Entsprechung zwischen Gegenstand und Vorstellung. Joyce stellt sich hier vielmehr einen freien Interpretationsprozess vor, der mit dem Lesen von Schriftzeichen zu vergleichen ist. Doch eines hat er ganz sicher von Aristoteles gelernt: Am Anfang steht immer der sinnliche Eindruck, ganz gleich, ob er durch Sprache, Text, Bilder oder Erlebnisse hervor-gerufen wird. »Gedacht durch meine Augen« – alle Vorstellungen und Gedanken entspringen dem Sinnlichen. Über diesen bedeutungsgenerierenden Bewusstseinsprozess wollen Joyce und Pfrang Bericht erstatten, der eine mit Worten, der andere mit Bildern.

Buchheim Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried am Starnberger See


Abbildungen:

Erwin Pfrang
Requiem für V, 2018
© 2019 Erwin Pfrang

Erwin Pfrang
Schäferhundbesitzer nebst Ehefrau und Kind, 2016
© 2019 Erwin Pfrang

Erwin Pfrang
Ohne Titel, 2008
© 2019 Erwin Pfrang

Start: Donnerstag 04.04.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 07.07.2019
Fürstenfeldbruck: „Ausbildung – Enthemmung – Verbrechen: Die Polizeischule Fürstenfeldbruck im Nationalsozialismus“
Bilder
Bilder
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„Ausbildung – Enthemmung – Verbrechen: Die Polizeischule Fürstenfeldbruck im Nationalsozialismus“

Museum Fürstenfeldbruck
Ausstellung vom  04. April bis 07. Juli 2019

Eine Ausstellung in Kooperation mit der Hochschule der Bayerischen Polizei Fürstenfeldbruck
Donnerstag, 4. April bis Sonntag, 7. Juli 2019

Das Museum Fürstenfeldbruck zeigt ab 4. April 2019 die Ausstellung „Ausbildung – Enthemmung – Verbrechen: Die Polizeischule Fürstenfeldbruck im Nationalsozialismus“. Verbände unter dem Kommando von den in Fürstenfeldbruck ausgebildeten Polizeioffizieren begingen im Zweiten Weltkrieg grauenhafte Verbrechen. Sie waren beteiligt an Massenerschießungen und Deportationen von Juden in die Vernichtungslager sowie der Liquidation von Dörfern in den besetzten Ostgebieten. Die Rolle der Polizeischule Fürstenfeldbruck im nationalsozialistischen Rassen- und Vernichtungskrieg war bislang kaum bekannt. Mit der Doktorarbeit von Sven Deppisch über die Offiziersausbildung der Ordnungspolizei änderte sich das im Jahr 2017. Die Studie zeigt das Kloster Fürstenfeld als einen zentralen Täterort des „Dritten Reiches“ und als einen wichtigen „Knotenpunkt im Koordinatensystem des Holocausts“. Nur wenige der Täter wurden nach dem Krieg juristisch zur Rechenschaft gezogen.

Die Geschichte der Polizeischule
Seit 1924 beherbergte das Kloster Fürstenfeld eine Gendarmerie- und Polizeischule. 1937 ging diese in die Befehlsgewalt des Reichsführers der SS und Polizei, Heinrich Himmler, über. Die Polizeischule prägte als lokaler Machtfaktor des nationalsozialistischen Regimes den Ort Fürstenfeldbruck. Knapp 1.700 Polizeioffiziere durchliefen zwischen 1937 und 1945 in Fürstenfeldbruck die angebotenen Lehrgänge. Ein Ausbildungsschwerpunkt war „Partisanenbekämpfung und Bandenkrieg“.

Kooperation mit Hochschule der Bayerischen Polizei
Die Ausstellung findet statt in Kooperation mit der Hochschule der Bayerischen Polizei. 
Die Geschichte der Polizeischule Fürstenfeldbruck als nationalsozialistische Kaderschmiede wird in den größeren Kontext einer bereits bestehenden Ausstellung zur Geschichte der „Münchner Polizei und der Nationalsozialismus“ eingebettet.

Zur Ausstellung gibt es Führungen und ein museumspädagogisches Programm.

Informationen:
Museum Fürstenfeldbruck
Fürstenfeld 6b
82256 Fürstenfeldbruck
Tel. Museum: 08141/611313

Abbildungen:

- Aufmarsch am Adolf-Hitler-Platz in Fürstenfeldbruck
Die Polizeischule zeigte in Fürstenfeldbruck bei vielen Gelegenheiten wie bei Feiern und Gedenkveranstaltungen Präsenz.
Fürstenfeldbruck, o.D., Slg. Siegfried Späth, Mammendorf, Fotograf: Wolfgang Pulfer

- Präsenz der Polizei in Fürstenfeldbruck
Aufmärsche, Parade, Standkonzerte. Die Polizeischule prägte das Stadtbild. Die kirchenfeindlichen Aktionen, brutale Gewalt und Denunziationen der Schüler wurden unter den Teppich gekehrt.
Fürstenfeldbruck, 1933-1945, Wolfgang Pulfer

- Sammelaktion für das Winterhilfswerk
Die Polizeischule versuchte sich als „Freund und Helfer“ zu inszenieren, fielen aber immer wieder durch ihr brutales und rüpelhaftes Verhalten im Ort auf.
Fürstenfeldbruck, Februar 1942, Sammlung Siegfried Späth, Mammendorf
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.