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Start: Mittwoch 01.05.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Freitag 01.11.2019
Kloster Beuerberg: HEIMAT - Gesucht. Geliebt. Verloren
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HEIMAT
Gesucht. Geliebt. Verloren

Eine Ausstellung des Diözesanmuseums Freising in Kooperation
mit dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e.V.
im Kloster Beuerberg, 1. Mai bis 3. November 2019

Seit einigen Jahren zeigt das Diözesanmuseum Freising im Kloster Beuerberg Ausstellungen zu Aspekten klösterlichen Lebens und nimmt dabei auch höchst aktuelle Themen der Welt jenseits der Klostermauern in den Blick. So ist das ehemalige Klausurkloster zu einem besonders lebendigen Ort der Inspiration und des Austauschs geworden. Am 1. Mai öffnet nun die nächste Ausstellung unter dem Titel „HEIMAT. Gesucht. Geliebt. Verloren“. Dabei wird der Begriff „Heimat“ in all seinen kulturellen, religiösen und politischen Facetten untersucht – der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V. bildet in diesen Fragen den idealen Kooperationspartner.
So stellt die Schau letztlich die große Frage: Was ist sie eigentlich, die Heimat? In einem groß angelegten Rundgang kann man sich anhand zahlreicher Exponate und interaktiver Stationen durch die spannende Geschichte des Heimatbegriffs bewegen und hat dabei stets die Gelegenheit, seine eigene, ganz persönliche Perspektive auf dieses emotionale Thema zu überprüfen.

Ein vielfältiges Kultur- und Kreativprogramm begleitet die Ausstellung: Spannende Gesprächsreihen werden vom Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler und dem Kulturjournalisten Wilhelm Warning geleitet. Das Klosteratelier bietet für Klein und Groß Führungen und Workshops an und abendliche Konzerte bringen die Klostermauern zum Klingen.
Die Klosterküche bietet außerdem im historischen Refektorium und im blühenden Klostergarten regionale Köstlichkeiten und lädt zum Verweilen und Genießen ein.

Kloster Beuerberg
Königsdorfer Straße 7
82547 Eurasburg-Beuerberg
Start: Samstag 18.05.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 26.01.2020
Buchheim Museum: WELCOME HOLMEAD!
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WELCOME HOLMEAD!

Ausstellung Buchheim Museum
Vom 19. Mai 2019 bis 26. Januar 2020

Der amerikanisch-europäische Künstler Holmead (1889 –1975) gilt als kunsthistorische Entdeckung der letzten Jahre. Motive seiner anfangs noch impressionistisch, später expressionistisch geprägten Malerei sind Porträts, Landschaften, Stadtansichten und literarische Themen. Holmeads Spätwerk gleicht einem Paukenschlag! Nach einer mehr als 50 Jahre langen künstlerischen Arbeit, die zwei Weltkriege und einen Schlaganfall überdauert, entwickelt er die neue Malweise des »Shorthand Painting«. Mit einigen Spachtelhieben bringt der greise Maler in wenigen Minuten seine Bilder zielsicher auf den Malgrund. Bei seinen grandiosen Porträts gehen abstrakter und figurativer Expressionismus eine einzigartige Synthese ein. Der Künstler selbst nennt seinen Stil »kruden Expressionismus«.

Nach Zustiftung der Kulturstiftung der Uni Bremen / Holmead Foundation 2016 hat das Buchheim Museum nun zwei weitere Zuwächse in Sachen Holmead erhalten: die Zustiftung der Freien Hansestadt Bremen aus der Schenkung von Frau Elisabeth Marie Wilhelmine Philipps sowie eine Schenkung des privaten Sammlers Alfred Moeke. Mit über 70 Gemälden und zahlreichen Papierarbeiten dieses wunderbaren Sonderlings ist das Buchheim Museum nun das größte Holmead-Museum der Welt. Die Bestände sollen in wechselnden Zusammenstellungen dem Publikum vorgeführt werden.


Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1,
82347 Bernried

Abbildung:

Clifford Holmead Phillips, Frauenkopf,1973
© Nachlass Holmead
Start: Freitag 24.05.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 17.11.2019
München Theatermuseum: ÖDÖN VON HORVÁTH und das Theater
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„Ich denke ja garnichts, ich sage es ja nur.“
ÖDÖN VON HORVÁTH und das Theater

Eine Ausstellung im Deutschen Theatermuseum
ab 24.5.2019 bis 17.11.2019

Ödön von Horváth hat sich als „Chronist seiner Zeit“ gesehen und an einer steten „Demaskierung des Bewusstseins“ mittels Literatur gearbeitet.

Mit seiner Durchdringung der kleinbürgerlichen Sprache, pointiert gefasst im Begriff des „Bildungsjargons“, seiner konzisen Sprachkritik und seinen „irren Sätzen“ (Peter Handke) wirkte er stilprägend für die deutschsprachige Literatur nach 1945. AutorInnen wie Peter Handke, Peter Turrini, Wolfgang Bauer, Franz Xaver Kroetz, Werner Schwab, Elfriede Jelinek, Felix Mitterer, Dea Loher und René Pollesch stehen deutlich in der dramatischen Nachfolge Horváths.

Ödön von Horváth gehört heute zu den meistgespielten Dramatikern auf deutschsprachigen Bühnen. Stücke wie Italienische Nacht, Geschichten aus dem Wiener Wald (beide 1931) und Kasimir und Karoline (1932) wurden bereits zu Lebzeiten des Autors als Erneuerung des Volksstücks gefeiert.

Dabei hat er immer wieder auch versucht, die gesellschaftlichen Strukturen „vom Standpunkt der Frau aus“ zu betrachten und dabei seine berühmten Fräulein-Figuren wie Marianne, Karoline und Elisabeth geschaffen. Mit Stücken wie Sladek, der schwarze Reichswehrmann (1929) und Italienische Nacht (1931) positionierte er sich deutlich gegenüber dem aufkommenden Nationalsozialismus und der Bedrohung der noch jungen Weimarer Republik. Nachdem er 1931 für Geschichten aus dem Wiener Wald den renommierten Kleist-Preis erhalten hatte, wurde er selbst Ziel nationalsozialistischer Agitation. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland bedeutete für seine noch junge, vielversprechende Karriere als Dramatiker einen jähen Abbruch. Seine Stücke wurden im reichsdeutschen Gebiet nicht mehr gespielt, bereits geplante Uraufführungen abgesagt, sodass er sich dazu gezwungen sah, sich im reichsdeutschen Filmbetrieb als Drehbuchschreiber zu verdingen. Die dabei gemachten Erfahrungen führten zu seiner radikalen Abkehr vom Deutschen Reich unter den Nationalsozialisten.


Mit Stücken wie Mit dem Kopf durch die Wand (1935), Figaro läßt sich scheiden und Don Juan kommt aus dem Krieg (beide 1936) positionierte er sich als Schriftsteller neu, seine Romane Jugend ohne Gott (1937) und Ein Kind unserer Zeit (1938) etablierten ihn als prononciert antifaschistischen Autor. Insbesondere Jugend ohne Gott zählt bis heute zum Kanon deutschsprachiger Literatur und ist ein Klassiker der Schullektüre.

Die Ausstellung verläuft entlang von drei zentralen Stücken, denen jeweils ein Bereich und damit zusammengehend ein übergreifendes Thema gewidmet ist: Ökonomie, Erotik und Politik.
Darüber hinaus werden Einblicke in die Entstehung und Rezeption der Stücke gegeben.

Die Ausstellung wurde von Nicole Streitler-Kastberger und Martin Vejvar kuratiert und von Peter Karlhuber gestaltet.

NICOLE STREITLER-KASTBERGER ist Literaturwissenschaftlerin, Literaturkritikerin und Autorin; seit 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Wiener Ausgabe sämtlicher Werke Ödön von Horváths.
MARTIN VEJVAR ist seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Wiener Ausgabe sämtlicher Werke Ödön von Horváths; Herausgeber mehrerer Teilbände.

PETER KARLHUBER ist Bühnenbildner und Ausstellungsgestalter. Für das Deutsche Theatermuseum gestaltete er bereits die Ausstellung „Frank Wedekind. Theater – Eros – Provokation“ 2014/15. Im Literaturhaus München machte 2015 „Wir brauchen einen ganz anderen Mut! Stefan Zweig – Abschied von Europa“ Station.

Deutsches Theatermuseum München
Galeriestr. 4a (Hofgartenarkaden)
80539 München

Abbildung:

Kasimir und Karoline, UA 1932
Bühnenbildentwurf von Caspar Neher
© KHM Museumsverband Wien

Start: Donnerstag 06.06.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 24.11.2019
Fürstenfeldbruck: „Wetter und Mensch“
Bilder
Wetter und Mensch

Das Museum Fürstenfeldbruck zeigt ab Donnerstag, 6. Juni 2019 die Ausstellung „Wetter und Mensch“ mit Werken von bedeutenden historischen Malern sowie kulturhistorischen Exponaten. Wetter ist eine zentrale menschliche Erfahrung und einer der beliebtesten Gesprächsinhalte, wenn Menschen sich unverbindlich unterhalten. Wetter umgibt und beeinflusst den Menschen tagtäglich mit seiner Schönheit, aber auch mit seiner Bedrohlichkeit. „Wetter und Mensch“ untersucht Wetter zum einen als kulturellen Faktor, als ein Phänomen, das das Leben des Menschen tangiert und das sich entsprechend in der Kunst spiegelt. Zum anderen wird anhand historischer meteorologischer Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert gezeigt, wie sich das Wetter als existenzieller Faktor auf das alltägliche Leben auswirkte. Zudem präsentiert die Ausstellung zu allen Aspekten aktuelle Erkenntnisse zum Klimawandel.

Das Wetter in der Kunst
Herausragende Künstler wie Heinrich Reinhold, Carl Rottmann, Eduard Schleich, Théodore Gudin und Carl Spitzweg beweisen mit ihren eindrucksvollen Gemälden die Faszination für Wetterphänomene. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem Studium der Wolken. Kunsthistorisch bedeutsame Werke belegen, dass Künstler sich vor allem in der Romantik mit der emotionalen Seite des Wetters beschäftigten. Die künstlerische Darstellung des Wetters hat beinahe so viele Facetten wie das Wetter selbst. Jede Epoche hatte ihre Vorlieben und stellte bestimmte Wetterphänomene heraus. In der Ausstellung wird diese Tatsache durch herausragende Gemälde insbesondere aus der Zeit der Romantik, aber auch der sogenannten Münchner Schule des 19. Jahrhunderts vor Augen geführt. 

Das Wetter als existenzieller Faktor
Dass das Wetter seit jeher von existenzieller Bedeutung war – als Auslöser von Naturkatastrophen, von Dürren und Hungersnöten – zeigen meteorologische Aufzeichnungen des Klosters Fürstenfeld aus dem 16. und 18. Jahrhundert, aber auch ungewöhnliche kulturhistorische Objekte, mit denen die Menschen versuchten, sich und ihr Hab und Gut vor Wetterereignissen zu schützen. Die soziale und politische Problematik von klimatischen Veränderungen belegen Erhebungen zu bayerischen Auswanderern im 19. Jahrhundert. Die Ausstellung zeigt, wie extreme Wettereignisse immer wieder mittel- oder unmittelbar Einfluss auf die Geschichte genommen oder sie zumindest beschleunigt haben. Sie ermöglicht dem Besucher, sich mit dem komplexen und aktuellen Thema „Wetter und Mensch“ auf anregende Weise auseinanderzusetzen.


Museum Fürstenfeldbruck
Fürstenfeld 6b
82256 Fürstenfeldbruck

Abbildung

Andreas Achenbach (1815-1910)
Seerettung, 1891, Öl auf Holz, 50x60 cm
Kunsthandel Michael Vogt, Fürstenfeldbruck
Start: Freitag 12.07.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Montag 06.01.2020
München Haus der Kunst: Nachts. Zwischen Traum und Wirklichkeit Sammlung Goetz im Haus der Kunst, Teil 12
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Bilder
Nachts. Zwischen Traum und Wirklichkeit
Sammlung Goetz im Haus der Kunst, Teil 12

Die Nacht hat etwas Magisches. Eigentlich ist es die Zeit, in der die Menschen zur Ruhe kommen, sich in ihre Häuser zurückziehen, um zu schlafen. Aber es gibt auch die Ruhelosen, die Schlafwandler, Nachtschwärmer oder Kriminellen. Viele sind auf der Suche nach etwas oder nach sich selbst. Die Ausstellung unternimmt eine Reise durch die Nacht zwischen Traum und Wirklichkeit in 14 Stationen. Zu sehen sind Filme, Videos, Installationen und Fotografien aus der Sammlung Goetz, die unterschiedliche Facetten eines nächtlichen Streifzugs spiegeln.

Den Auftakt bildet die Installation „Kathmandu Dreams“ (2009) von Janet Cardiff/George Bures Miller. Auf einem Holzsockel steht ein schwarzes Telefon mit Wählscheibe, wie es in den USA zwischen 1937 und 1955 gebaut wurde. Nimmt der Besucher den Hörer auf, kann er Janet Cardiffs Träumen lauschen, die sie flüsternd erzählt. Sie spricht über rätselhafte Begegnungen mit Tieren, frühe Kindheitserinnerungen und erotische Erlebnisse, die sich zu einer surrealen Geschichte verdichten.

Der Rundgang durch die Kabinette, die mit dunkelgrauem Teppichboden ausgelegt und mit Filzvorhängen vom Gang aus geschlossen sind, spannt einen Bogen vom Mondaufgang bis Sonnenaufgang. In einen wolkenverhangenen Nachthimmel blickt der Betrachter zu Beginn von Christoph Brechs Videofilm „Dark Cloud“. Nach wenigen Momenten lichtet sich die Dunkelheit und gibt den Blick frei auf einen orangefarbenen Mond, der sich langsam auf und ab bewegt. Für diese Arbeit hat der Künstler seine Videokamera an der Reling eines Frachters befestigt und den Nachthimmel während der Überfahrt von Hamburg nach Toronto gefilmt. Zu der Bewegung des aufgehenden Mondes und der Wolken am Himmel gesellt sich das langsame Schaukeln des Schiffes.

In das Innere eines Frachters führt der Film „Journey Into Fear“ (2001) von Stan Douglas. Er bezieht sich darin inhaltlich auf den gleichnamigen Agentenfilm von 1943 des amerikanischen Regisseurs Norman Foster sowie auf sein Remake in den 1970er-Jahren. Der Betrachter steigt bei Stan Douglas‘ Version unmittelbar in eine geloopte nächtliche Dialogszene zwischen einem Frachtkontrolleur und einer Lotsin, die sich an Bord des Schiffes befinden, ein. Doch auch nach mehrmaligem Anschauen bleibt die Geschichte rätselhaft, denn es gibt unterschiedliche Dialogvarianten, die Douglas per Zufallsgenerator erstellt hat. So mischen sich Zweifel in vermeintliche Gewissheiten, bis am Ende mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet sind.

Ähnlich rätselhaft erscheint die Geschichte einer jungen Frau am Wendepunkt ihres Lebens in dem Videofilm „Single Wide“ (2002) von Teresa Hubbard/Alexander Birchler, die eines Nachts mit einem Pick-Up-Truck die Wand eines typischen amerikanischen Eigenheims durchbricht. Auch dieser Film ist ein Loop, bei dem sich je nach dem Moment des Einstiegs unterschiedliche Lesarten ergeben. Ebenso wie Stan Douglas verwenden Hubbard/Birchler in ihren Videos narrative Elemente wie in einem Kinofilm, dekonstruieren diese aber gleichzeitig. In „Single Wide“ dienen Raum und Zeit nicht mehr dazu den Handlungszusammenhang zu strukturieren, sondern spiegeln vielmehr die Verfassung der Protagonistin.

Die Zeit scheint eingefroren zu einem schicksalshaften Moment in dem Videofilm „The Servant“ (2007) von Sam Taylor-Johnson. Darin sieht man einen Mann im schwarzen Mantel mit hochgestelltem Kragen, wie er im Begriff ist, sich vor der Eingangstür eines Wohnhauses mit einem Sturmfeuerzeug eine Zigarette anzuzünden. Durch das hell erleuchtete Fenster fällt der Blick in das Innere des Hauses und zeigt eine Frau, die ausdruckslos hinaus in die Dunkelheit blickt. Der Betrachter weiß nichts über die beiden Protagonisten, nichts wie es zu dieser Situation gekommen ist, noch wie sie sich weiter entwickeln wird.

Als fragile Konstruktion erscheinen auch die zwischenmenschlichen Beziehungen in Hans Op de Beecks Film „The Thread“ (2015), in der er die Liebesgeschichte eines alternden Punkerpärchens mit nahezu lebensgroßen Handspielpuppen erzählt, die auf einer vom Mond beschienenen Parkbank spielt. Obwohl die Fiktion als solche erkennbar ist, fesselt die Geschichte den Betrachter. Auf ähnliche Weise legt auch Jochen Kuhn die Inszenierungsstrategien in seinem Film „Der lautlose Makubra“ (1980) offen. Mit Fotos, Schere und Pinsel dekonstruiert er die filmische Illusion und erklärt die Handlung. „Der lautlose Makubra“ ist eine Kriminalgeschichte im Stil eines Stummfilms aus den 1920er-Jahren, in dem der Rächer Makubra von einem Ehemann beauftragt wird, dessen untreue Gemahlin, die in einer Nachtbar arbeitet, zu ermorden.

Wie Filmstills wirken die Schwarz-Weiß-Fotografien von Ed van der Elsken, die er zu Beginn der 1950er-Jahre in Paris aufgenommen hatte. Sie sind Teil seines 1956 erschienen Fotobuchs „Liebe in Saint Germaint de Près“, in dem er eine fiktive Geschichte mittels dokumentarischer Fotos erzählt. Sie zeigen das Leben einer Gruppe meist obdachloser Jugendlicher, für die die nächtlichen Cafés und Straßen von Saint Germaint de Près zu einem Zuhause geworden waren. Die Fotografien offenbaren eine Sehnsucht nach Liebe, Zärtlichkeiten und Anerkennung in einer rauen Welt.

Der Rundgang endet mit Paul Pfeiffers „Morning after the Deluge“ (Morgen nach der Sintflut) (2003), zu dem ihm das gleichnamige Gemälde von William Turner inspirierte. Er hat für diesen Film Sonnenauf- und -untergänge, die er am Strand von Provincetown Massachusetts aufgenommen hat, so zusammenmontiert, dass die Sonne immer als volle Scheibe zu sehen ist und diese dauerhaft im Zentrum platziert. Nach dem Rundgang durch die Niederungen menschlicher Existenz, ihren Begierden, Zweifeln, Fragen, Hoffnungen und Enttäuschungen hat dieses überwältigende Naturschauspiel etwas Tröstliches. So vermittelt „Morning after the Deluge“ die Gewissheit, dass auch die dunkelste Nacht mit einem Sonnenaufgang endet.

Mit
Christoph Brech, Dark Cloud, 2004
Olaf Breuning, Ugly Yelp, 2000
Janet Cardiff/George Bures Miller, Kathmandu Dreams (#6), 2009
Thomas Demand, Hof/Yard, 2001
Stan Douglas, Journey Into Fear, 2001
Ed van der Elsken, Paris, 1952 und/and 1954
Teresa Hubbard/Alexander Birchler, Single Wide, 2002
Jochen Kuhn, Der lautlose Makubra, 1980
Andro Wekua, Neighbour‘s Yard, 2005
Hans Op de Beeck, Border, 2001
Hans Op de Beeck, The Thread, 2015
Clement Page, Sleepwalker, 2005
Paul Pfeiffer, Morning after the Deluge, 2003
Sam Taylor-Johnson, The Servant, 2007

Kuratiert von Cornelia Gockel

Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1,
80538 München

Abbildungen:

Jochen Kuhn
Der lautlose Makubra (film still), 1980
Single-channel 35 mm film (color, sound)
© the artist
Courtesy Sammlung Goetz, Medienkunst, München

Paul Pfeiffer
Morning after the Deluge (film still), 2003
Single-channel-video (color, without sound)
© the artist
Courtesy Sammlung Goetz, München
Start: Freitag 12.07.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 27.10.2019
München Haus der Kunst: Miriam Cahn. Ich als Mensch
Bilder
Miriam Cahn. Ich als Mensch
Haus der Kunst
Ausstellung 12. Juli - 27. Oktober 2019

Mit über 200 Werken aus allen Schaffensphasen würdigt das Haus der Kunst das mehr als fünf Jahrzehnte umspannende künstlerische Lebenswerk von Miriam Cahn. Ihr Oeuvre leistet einen Beitrag zur Diskussion um neue Körper- und Menschenbilder mittels der Malerei. Miriam Cahn (geb. 1949 in Basel) hat bereits in ihrem Frühwerk den weiblichen Körper als Träger sozialer Bedeutung ebenso wie seine Einbindung in ein Netzwerk von Machtstrukturen thematisiert. Die Reduzierung der Frau auf ihre Körperlichkeit wurde in den 1970er-Jahren in Kunstformen wie Performance oder Video aufgegriffen, wobei der Körper als künstlerisches Material und Instrument diente. Miriam Cahn überführte diese Ideen und Praktiken schon damals in eine radikal erweiterte Malerei.

In ihren Bildwelten forciert Miriam Cahn die Aufhebung von gesellschaftlichen Normierungen und tritt einer tradierten Inszenierung des Weiblichen sowie geschlechterspezifischen Rollenverhältnissen entgegen. Körperliche Erfahrungen, die sich der visuellen Darstellung gemeinhin entziehen, versucht sie dennoch ins Bild zu setzen. Schon seit den frühen, stark vom Feminismus geprägten Jahren bis hin zum Spätwerk steht der Körper im Mittelpunkt ihrer Malerei, wobei Cahn ihn ausschließlich in seiner Nacktheit wiedergibt und so in einer psychologisierten Sphäre der Ort- und Zeitlosigkeit situiert. In seinen Linien klar umrissen, zerfließt der Körper dennoch mit der Umgebung. Die Schnittstelle von Innen- und Außenwelt und die wesentlichen Bedingungen des Menschseins beschäftigen das Denken der Künstlerin nachhaltig: „wir wissen nicht wirklich, was Haut ist oder wo die Grenze zwischen dem Äußeren und dem Inneren verläuft“, so Miriam Cahn. Sie zeigt den Menschen – unabhängig von der Geschlechtszugehörigkeit – in seiner Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit. Insbesondere in ihren späteren Ölmalereien hat sie zu neuen Lösungen für die Verbildlichung der Destruktion von Identität jenseits binärer Geschlechterkonstruktionen gefunden.

Die Ausstellung vereint Schlüsselwerke aus allen Werkphasen, von den frühen Super-8-Filmen und den Skulpturen über die überlebensgroßen Kreidezeichnungen und Aquarelle bis hin zu den Ölbildern des Hauptwerks. Für die Anfänge der in Basel lebenden Künstlerin stehen die um die Jahreswende 1979/80 ausgeführten Kohlezeichnungen auf Betonwänden und Pfeilern in den Unterführungen und Tunneln der Basler Stadtautobahn „Nordtangente“. Cahn wurde damals des Vandalismus bezichtigt und mit Schadensersatzforderungen konfrontiert. In dem sich anschließenden Gerichtsverfahren trat sie für ihre Überzeugung ein, dass das Private, das Intime öffentlich gemacht werden müsse, was sich auch im Titel der Aktion, „mein frausein ist mein öffentlicher teil“, offenbart. Ebenso wie das fortan immer wieder auftauchende Haus waren auch die anderen von Cahn verwendeten und von ihr als „Zeichen“ apostrophierten Motive sichtbarer Ausdruck ihres Ringens um eine größere Teilhabe der Frau am öffentlichen Leben und ihres Kampfes gegen archaische Vorstellungen einer Geschlechterbeziehung.

Miriam Cahn studierte an der Kunstgewerbeschule in Basel (1968-1973), wo sie in der Grafikklasse die Techniken und Strategien öffentlicher Meinungsbildung kennenlernte. Gleichzeitig erlebte sie in ihrem Umfeld die Etablierung neuer künstlerischer Ausdrucksformen wie Performance und Videokunst. Neben Friederike Pezold, Ulrike Rosenbach, Jochen Gerz oder Pipilotti Rist war auch Miriam Cahn Teil jener heterogenen Avantgarde, die das Verhältnis von eigenem Körper und Gesellschaft neu bestimmen wollte. Ihre überlebensgroßen, auf dem Boden entstandenen Kreidezeichnungen auf Pergament wie „handelsschiff“, „doppelkanone“, „W H worldtrade“ oder „computer“ (alle 1982) dienen der Sichtbarmachung einer patriarchalen Eroberungsmentalität, aber auch andere Arbeiten wie „haus“ (1982), „menstruationshaus“ (1981) und „k-bett“ (1982) verweisen auf Machtstrukturen und konstruierte Repräsentationsmuster. Performative wie intuitive Abläufe gewannen zusehends Einfluss auf Cahns Bildgestaltung – eine bewusste Abkehr vom Ideal der handwerklichen Perfektion und vom Geniekult in der Malerei.

Die Rauminstallationen mit dem Titel „WACHRAUM“ von 1982, die verschiedene männlich wie weiblich konnotierte Zeichen vereinen, kreisen unter anderem um den Klinikaufenthalt und den schmerzlichen Verlust der Schwester, ein Thema, das zuvor bereits in der Werkserie „schweigende schwester“ (1980) Gestalt erlangt hatte. Diese Arbeiten entstanden aus dem Bedürfnis heraus, Verletzlichkeit und Schutzlosigkeit, Körpererleben und Psyche – insbesondere aus der Perspektive der Frau – ins Bild zu setzen. Anhand des Dialogs der Zeichen werden darüber hinaus komplexe Zusammenhänge von Handel und Wirtschaft, Information und Macht, Kontrolle und Unterdrückung, Krieg und Zerstörung ebenso wie von existenziellen Gegebenheiten wie Krankheit und Verletzlichkeit, Leben und Tod zur Anschauung gebracht.

Im Rahmen der Werkreihe „Das klassische Lieben“ von 1981 schuf Miriam Cahn virtuose Körperdarstellungen in vermeintlich akademischer Manier, die sie jedoch Pornofilmen entlehnte. Sie thematisiert zwischenmenschliche Anziehungskraft und Abstoßung, die Ambivalenz von Lust, Sexualität, Gewalt und Lieben. Auf diese Weise schafft sie Gegenbilder zu einem dem Humanismus entlehnten Kunstbegriff des „Schönen und Reinen“ und wirkt der Unterschätzung der kreativen und sexuellen Potenz der Frau entgegen.

1982 erhielt Miriam Cahn die Einladung zur Teilnahme an der documenta 7, wo sie „Wachraum II“ zeigen sollte. Der Leiter Rudi Fuchs lud jedoch entgegen den Absprachen einen weiteren Teilnehmer in den Cahn zugewiesenen Ausstellungsraum ein, was die Präsentation, so die Künstlerin, „ihrer weiblichen Zeichen beraubt hätte“ – sie zog daher noch kurz vor der Eröffnung ihre Teilnahme zurück. Kurz darauf markierten die von Jean-Christophe Ammann kuratierte Einzelausstellung in der Kunsthalle Basel (1983) und die Einladung für den Schweizer Pavillon auf der 41. Biennale von Venedig (1984), erste Höhepunkte in ihrer Karriere.

Die Hell-dunkel-Kompositionen des Frühwerks fanden ihren Abschluss in Werkreihen, die auf der Verwendung von zerriebenem dunklem Kreidestaub basieren, darunter die Serie „LESEN IN STAUB“ (1986-1988). Diese Bilder lassen sich als Versuch lesen, im Einklang mit einer weiblichen Energie zu arbeiten, die durch den Rhythmus des Monatszyklus bestimmt ist. Mit Darstellungen von Kindern und Tieren hielten zugleich neue Motive Einzug in ihr Bildvokabular; mit ihnen führte Miriam Cahn Themen wie Fürsorge und Schutz als Aspekte weiblicher Existenz ein.

Mitte der 1990er-Jahre wandte sich Miriam Cahn der Ölmalerei zu. Es entstanden Gemälde, die durch den virtuosen Einsatz von leuchtenden, vibrierenden Farben betören und gleichzeitig durch die Radikalität der Inhalte in hohem Maße verstören: die nukleare Bedrohung, der Golfkrieg und die Jugoslawienkriege, der Anschlag auf das World Trade Center und in jüngster Zeit die Flüchtlingsproblematik. Als Gründe für die Auseinandersetzung mit Krieg, Flucht und Vertreibung hat Cahn unter anderem ihre jüdischen Wurzeln und die Biografie ihrer aus Nazideutschland in die Schweiz emigrierten Eltern angeführt.

Miriam Cahn richtet ihren Blick auf Momente, in denen Menschen allein auf sich gestellt sind, allein im Angesicht ihres Schicksals. Ihre Bilder erzählen davon, dass Menschen sich selbst ermächtigen, über das Leben anderer zu entscheiden; sie bezieht sich dabei auf Giorgio Agambens Begriff des „nackten“ – eines quälbaren und tötbaren, weil entrechteten – Lebens. Trotz prononciert dargestellter Geschlechtsmerkmale wirken die Figuren gleichsam geschlechtslos oder entpersonalisiert, wie Stellvertreter eines kollektiven Subjekts. Die Künstlerin arbeitet mit Qualfarben und verführerisch anmutenden, farbigen Bildräumen, um dem unermesslichen Schmerz anderer Ausdruck zu verleihen. Cahns Gemälde vermitteln Empathie mit dem Leben anderer als wesentlichem Aspekt menschlichen Seins.

„In Zeiten von erneut aufflammendem Nationalismus, Populismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus und Verachtung des Pluralismus hat Cahns künstlerisches Werk enorm an Brisanz gewonnen. Ihre zentrale Bedeutung für ein radikal erweitertes Verständnis der Rolle der Frau in der Kunstgeschichtsschreibung ist unbestreitbar geworden“, so die Kuratorin Jana Baumann.

Miriam Cahn stellt tradierte gesellschaftlich bedingte, kollektive Vorstellungen infrage und fordert damit die Normierungsgesellschaft heraus. Dabei reicht ihr künstlerisches thematisches Spektrum von der anfänglichen Entwicklung neuer Körperbilder bis hin zur Offenlegung der gegenwärtigen Verstrickung des Menschen im Netz von ökonomischen und ideologischen Zusammenhängen.

Kuratiert von Jana Baumann

In Kooperation mit dem Kunstmuseum Bern und dem Museum für moderne Kunst, Warschau.

Haus der Kunst München
Prinzregentenstraße 1
80538 München

Abbildung:
Miriam Cahn
o.T., 5.7.07, 2017
Pastell auf Papier, 85 x 64 cm
Courtesy of Miriam Cahn, Galerie Meyer Riegger and Galerie Jocelyn Wolff
Foto: Markus Mühlheim
Start: Samstag 13.07.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 03.11.2019
Buchheim Museum: Janosch und seine glücklichen Kinder
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Janosch und seine glücklichen Kinder

Buchheim Museum
Ausstellung vom 13. Juli bis 03. November 2019

Die große Sommerausstellung »Janosch und seine glücklichen Kinder« nimmt große und kleine Leute mit auf die Reise in die wunderbare Welt eines der bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren und Illustratoren. Die familienfreundlich gestaltete Schau lädt dazu ein, das Lebenswerk des 1931 im oberschlesischen Hindenburg geborenen Horst Eckert zu entdecken, der sich 1959 den Künstlernamen Janosch gegeben hat. Alle werden sich an ihre Kindheit erinnert fühlen. Janosch hat mit seinen Büchern und Filmen Generationen auf dem Weg des Erwachsenwerdens begleitet. Die Präsentation bietet eine Werkschau originaler Illustrationen von Janosch sowie eine Präsentation seiner Filmproduktionen. Sie führt vor Augen, was Janosch ausmacht: Mit liebevoll gezeichneten Figuren, lapidarem Wortwitz und anrührenden Geschichten zeigt er uns, worauf es wirklich im Leben ankommt: Freundschaft, Freiheit, Freude – und die Liebe zur Natur.

Die Idee für die Ausstellung hatte Irina Probost, die Produzentin und Regisseurin der Janosch-Filme für Kino und Fernsehen. Über PR-Agentin Lucia Hornstein und die Künstlerin Dorothea Seror fand sie zum Buchheim Museum. Schon beim ersten Zusammentreffen mit dem Museumsteam war klar: Das wird was! Museumsdirektor Daniel J. Schreiber und Irina Probost haben die Ausstellung gemeinsam kuratiert.

Herzstück der Präsentation ist die unendlich aufwändige Produktion »Oh, wie schön ist Panama«, die Probost 2006 in München mit einem internationalen Team von Zeichnern in Zusammenarbeit mit Warner Bros. realisierte. Dabei geht es um die Frage, wie Tiger, Bär & Co. laufen und sprechen lernten. Am Beispiel von »Oh, wie schön ist Panama« wird erlebbar gemacht, wie sich aus den Entwürfen des Künstlers Figuren entwickeln, die sich bewegen und artikulieren. Vom extra nachgebauten Wohnhaus von Tiger und Bär geht es in Richtung Panama zu einer fernen Insel. Auf dem Weg dorthin erfährt der Besucher, wie die Kinderbücher und Filme von Janosch entstehen. Die Arbeitsgänge vom aquarellierten Bild zum Buch und weiter zu den animierten Filmen können unmittelbar nachvollzogen werden. Szene für Szene werden die Aquarelle vor Augen geführt, die eigens für die Verfilmungen gefertigt wurden: die Charaktere mit ihren Bewegungsabläufen sowie die Hintergründe. Daneben sind in Filmsequenzen die Bilder in Aktion zu sehen. Parallel dazu führen auf Höhe der Kinderaugen Janoschs Illustrationen zu dem Buch »Oh wie schön ist Panama« durch die Handlung.

In ähnlicher Weise wird »Papa Löwe und seine glücklichen Kinder« präsentiert. Inmitten der originalen Hintergrundbilder laufen alle 26 dreizehnminütigen Folgen der Fernsehserie. Die Kinofilme »Oh, wie schön ist Panama« und »Komm wir finden einen Schatz« werden in voller Länge im Vortragssaal gezeigt.
Darüber hinaus lädt die Ausstellung dazu ein, den »ganzen« Janosch kennenzulernen. Dieses ambitionierte Vorhaben wurde möglich durch die großzügige Unterstützung dreier Leihgeber: der Tübinger Galerie Art28, der Janosch film & medien AG in Berlin und einem
privaten Leihgeber, welche dem Buchheim Museum einen immensen Bestand an Zeichnungen und Aquarellen anvertraute. Dank geht auch an das Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf, das als Verwahrer der Sammlung der Janosch film & medien AG den Leihvorgang betreute. Mit ihrer Hilfe konnte eine Retrospektive mit 130 originalen Arbeiten von Janosch zusammengestellt werden, wie sie noch nie dagewesen ist!
In der chronologischen Werkschau sind nicht nur die bekannten »Stars« wie Papa Löwe, Tigerente, Tiger und Bär zu entdecken. Vielmehr tummeln sich hier alle »glücklichen Kinder« Janoschs: das Pferd Valek von 1959, der kleine Köhlersohn Josa mit seiner Zauberfidel von 1960, das Auto Ferdinand von 1964, Herr Wuzzel und sein Karussell von 1968, der große Zottelbär von 1972, Schnuddelbuddel von 1979, Kasper Mütze von 1984, Günter Kastenfrosch von 1998 und viele weitere tierisch witzige und allzu menschliche Charaktere. Auch »Wondrak, der neue Superstar«, der alles falsch macht und doch immer richtig liegt, ist dabei. Seit 2013 beglückt Janosch die Leser des »ZEITmagazins« mit diesem unkonventionellen Antihelden.

Buchheim Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried am Starnberger See


Abbildungen:

Janosch
Illustration aus dem Buch »Komm, wir finden einen Schatz«, 1979
Tusche und Aquarell, Faksimile
Archiv Janosch film & medien AG, Dauerleihgabe an Burg Wissem, Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf

Janosch
Herr Janosch, was unterscheidet die Kunst von Nichtkunst?, 2013 - 2019
Bleistift, Tusche und Aquarell auf Papier
courtesy Galerie Art28

Janosch
„Oh, wie schön ist Panama“, Originalhintergrund, Filmproduktion 2003 – 2006
Aquarell und Tusche
Irina Probost, Produzentin © Papa Löwe Filmproduktion/Warner Bros.
Foto: Nikolaus Steglich, Buchheim Museum der Phantasie
Start: Samstag 20.07.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Samstag 30.11.2019
München: ZERO GRAVITY - Apollo 11 and the new notion of space
Bilder
ZERO GRAVITY
Apollo 11 and the new notion of space

Going to the moon! Anlässlich der ersten Mondlandung vor 50 Jahren startet die ERES-Stiftung zu einer Space-Odyssee.
Eine speziell für das Projekt ZERO GRAVITY entworfene heterotopische Rauminstallation des Medienkünstlers Peter Kogler fordert den Gleichgewichtssinn und vermittelt dem Betrachter eine Ahnung grenzenloser Schwerelosigkeit. In diesem verspiegelten Environment treffen raumreflektive Arbeiten der 60er-Jahre von Andy Warhol, Robert Rauschenberg oder Sol LeWitt auf aktuelle Werke von Gregor Hildebrandt, Sonia Leimer oder Hans Schabus. Anhand von mehr als 30 künstlerischen Positionen zeigt die Ausstellung die ungeheure Dynamik, mit der sich die Raum- und Grenzerweiterungen in bildender Kunst, Architektur, Musik, Film und Design parallel zu den Weltraummissionen entwickeln. Der Erfolg von Apollo 11 markiert den Höhepunkt eines Zukunftsoptimismus, der alle Lebensbereiche erfasst. Innovative Technologien und Materialien aus der Raumfahrt begründen eine neue „Space“-Ästhetik.

Technische Objekte in der Ausstellung wie der Raumanzug von Neil Armstrong, die Apollo 11-Checkliste von Buzz Aldrin oder ein Teil eines Apollo-Schutzschildes lassen den Pioniergeist und die Aufbruchstimmung der 60er-Jahre wieder aufleben. Ein kürzlich aufgezeichnetes Exklusiv-Interview mit Charlie Duke, Apollo 11 Capcom und Apollo 16 Moonwalker, ist das Verbindungsmodul von Ausstellung und wissenschaftlichem Vortragsprogramm.

Wissenschaftliches Begleitprogramm
Als Stargast des Wissenschaftsprogramms wird Ulf Merbold über sein Leben als Astronaut und Wissenschaftler im All berichten. ESA-Chef Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich „Jan“ Wörner informiert über künftige Marsmissionen und warum der Mond plötzlich wieder wichtig ist. Prof. Wolf D. Prix zeigt in „Das Himmelb(l)aue Experiment“ die Einflüsse der Raumfahrt auf die Architektur von COOP HIMMELB(L)AU. 

Künstler
Ant Farm, Galina Balaschowa, Thomas Bayrle, Martha Boto, Lygia Clark, Attila Csörgő, Siegfried Ebeling, Stano Filko, Dan Flavin, Richard Buckminster Fuller, Gregor Hildebrandt, Anna Jermolaewa, Lukas Kindermann, Peter Kogler, Annie Leibovitz, Sonia Leimer, Sol LeWitt, Otto Muehl, Lowell Nesbitt, Nam June Paik, Walter Pichler, Michelangelo Pistoletto, Sigmar Polke, Wolf D. Prix/COOP HIMMELB(L)AU, Robert Rauschenberg, Fred Sandback, Hans Schabus, Richard Serra, Mark Wallinger, Andy Warhol, Lawrence Weiner

Technische Objekte Apollo 11
Neil Armstrongs Raumanzug
Buzz Aldrins Checkliste
NASA Archivfotos
u.a.m.

ERES-Stiftung
Kunst+Wissenschaft
Römerstraße 15
80801 München
Tel. 0049-89-388 79 0 79
info@eres-stiftung.de
www.eres-stiftung.de

Öffnungszeiten
Di, Mi, Sa, 11.00 – 17.00 Uhr
oder nach Vereinbarung
Start: Samstag 20.07.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 03.11.2019
Penzberg: 1919. Campendonk und die Revolution
Bilder
1919. Campendonk und die Revolution

Ausstellung im Museum Penzberg — Sammlung Campendonk
Vom 20. Juli bis 03. November 2019

Die Novemberrevolution von 1918 versprach eine bessere Zukunft, die sich die Menschen nach den jahrelangen Kriegswirren ersehnten. Mit gleich zwei Ausstellungen nähert sich das Museum Penzberg – Sammlung Campendonk vom 20.07. bis zum 03.11.2019 dieser turbulenten Zeit: Das Verschwinden der alten Ordnungen wurde besonders von den Künstlern als eine Chance gesehen. Diese Hoffnungen verarbeiteten sie in eindrucksvollen Kunstwerken. Während der Münchner Räterepublik verfolgten Heinrich Campendonk, Georg Schrimpf und Fritz Schaefler aufmerksam das revolutionäre Geschehen. Einen Einblick in diese Bild- und Gedankenwelt zeigt die Ausstellung „1919. Campendonk und die Revolution“.

Ergänzend widmet sich die zweite Ausstellung „1919. Stadt statt Stillstand“ im Dachgeschoß des Museums dem Revolutionsjahr aus der Perspektive Penzbergs, das genau vor 100 Jahren zur Stadt erhoben wurde - ein Grund zu feiern!

Heinrich Campendonk, jüngstes Mitglied des „Des Blauen Reiters“, weilte von 1916 bis 1922 in Seeshaupt am Starnberger See und setzte sich in dieser Zeit intensiv mit der Bergarbeiterkolonie Penzberg auseinander, die im März 1919 das Stadtrecht erhalten hatte. Die Stadterhebung veränderte elementar die Rechte und Lebensverhältnisse der Bergleute.

Die Ausstellung rückt erstmals Heinrich Campendonks Engagement für eine Neuausrichtung der Kunst, des Künstlers und der Gesellschaft in den Fokus. Themen wie die „Lebensrealität nach dem Ersten Weltkrieg“ oder die „Flucht in Utopien“ werden zusätzlich illustriert von Werken der Künstler Otto Mueller, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Stuckenberg. Ergänzt werden diese durch Werke von Conrad Felixmüller, Georg Schrimpf, Albert Bloch sowie Fritz Schaefler, die sich in München politisch engagierten. Campendonks Grafiken und Malereien sowie Plakate, Postkarten und Dokumente der bewegten Zeit sind auf zwei Stockwerken des Museums chronologisch und thematisch angeordnet. Der Rundgang ermöglicht es, die vielfältigen, in einer kurzen Schaffensphase entstandenen Werke vor dem Hintergrund dieser Umstürze zu lesen.

Wie viele andere Vertreter der künstlerischen Avantgarde vertrat Heinrich Campendonk während der Rätezeit ein proletarisches Kunstverständnis. Im Dezember 1918 erfuhr er, dass er als Mitglied des Kreises um die Berliner Galerie „Der Sturm“ zur „Novembergruppe“ angemeldet worden war. Damit war er zugleich dem „Arbeitsrat für Kunst“ beigetreten. In Anlehnung an die Soldaten- und Arbeiterräte hatten sich deutschlandweit Künstlerräte gebildet, die eine Neuausrichtung der Kunst erstrebten.

Obwohl er die Mitgliedschaft wohl nicht beabsichtigt hatte, unterzeichnete Campendonk das erste Manifest des „Arbeitsrats für Kunst“ und beteiligte sich an einer Umfrage, die 1919 in der Schrift „Ja! Stimmen des Arbeitsrates für Kunst“ veröffentlicht wurde. Campendonks Antwortschreiben belegt eindrucksvoll seine Vorstellungen von der Bedeutung der Kunst, der Ausbildung des Künstlers und der Zukunft des Kunstbetriebs. Eine maßgebliche Rolle spielte hierbei seine eigene Ausbildung an der Krefelder Kunsthandwerkerschule. Für die Publikation reichte er das Gemälde „Blumenbild“ ein, welches als Leihgabe in und als Titelbild der Ausstellung zu sehen sein wird.

Die Stadterhebung Penzbergs 1919 und die politischen Umstände in Bayern werden in einer expressionistischen Ausstellungsarchitektur inszeniert. Erstmals wird auch die aktive Rolle der Frauen für die gesellschaftliche Entwicklung in den Blick genommen. Historische Filmdokumente und Zeitzeugeninterviews lassen die Geschehnisse für die Besucher lebendig werden.

Museum Penzberg —
Sammlung Campendonk
Am Museum 1, 82377 Penzberg
(Ehemalige Karlstraße 61)
 

Abbildung:
Heinrich Campendonk, Kuhstall I, um 1920,
Kunstsammlungen Chemnitz © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Start: Samstag 20.07.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 03.11.2019
Penzberg: CAMPENDONK UND DIE REVOLUTION
Bilder
CAMPENDONK UND DIE REVOLUTION

Die Novemberrevolution von 1918 versprach eine bessere Zukunft, die sich die Menschen nach den jahrelangen Kriegswirren ersehnten. Das Verschwinden der alten Ordnungen wurde besonders von den Künstlerinnen und Künstlern als eine Chance gesehen. Diese Hoffnungen verarbeiteten sie in eindrucksvollen Kunstwerken.

HEINRICH CAMPENDONK, JÜNGSTES MITGLIED DES „BLAUEN REITERS“, WEILTE VON 1916 BIS 1922 IN SEESHAUPT AM STARNBERGER SEE UND SETZTE SICH IN DIESER ZEIT INTENSIV MIT DER BERGARBEITERKOLONIE PENZBERG AUSEINANDER.

Die Ausstellung rückt erstmals Campendonks Ideen für eine Neuausrichtung der Kunst, des Künstlers und der Gesellschaft in den Fokus. Themen wie die „Lebensrealität nach dem Ersten Weltkrieg“ oder die „Flucht in Utopien“ werden zusätzlich illustriert von Werken der Künstler Otto Mueller, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Stuckenberg. Ergänzt werden diese durch Bilder von Conrad Felixmüller, Georg Schrimpf, Albert Bloch sowie Fritz Schaefler, die sich in München politisch engagierten.

CAMPENDONKS GRAFIKEN UND MALEREIEN SOWIE PLAKATE, POSTKARTEN UND DOKUMENTE DER BEWEGTEN ZEIT SIND AUF ZWEI STOCKWERKEN DES MUSEUMS CHRONOLOGISCH UND THEMATISCH ANGEORDNET. DER RUNDGANG ERMÖGLICHT ES, DIE VIELFÄLTIGEN, IN EINER KURZEN SCHAFFENSPHASE ENTSTANDENEN ARBEITEN VOR DEM HINTERGRUND DIESER UMSTÜRZE ZU LESEN.

Museum Penzberg – Sammlung Campendonk
Am Museum 1
82 377 Penzberg


Abbildung:
Heinrich Campendonk
Blumenbild um 1918
VG Bild-Kunst Bonn 2019
Start: Freitag 13.09.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 26.01.2020
München: Markus Lüpertz - Über die Kunst zum Bild
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Bilder
Markus Lüpertz: Über die Kunst zum Bild

Markus Lüpertz (*1941) zählt zu den zentralen Künstlerfiguren der deutschen Nachkriegszeit. Er hat die moderne Malerei seit den 1960er-Jahren entscheidend mitgeprägt. Die im Haus der Kunst ab dem Spätsommer zu sehende Ausstellung „Markus Lüpertz. Über die Kunst zum Bild“ (ehemals „Die Zone der Malerei“) stellt die Lebenskraft des uralten Mediums Malerei in den Fokus und beleuchtet erstmals den seriellen Charakter in Lüpertz‘ bildnerischem Schaffen. Anhand von über 200 Gemälden und Zeichnungen, viele aus internationalen Sammlungen, zeigt sie, wie Lüpertz ein auf inneren Zusammenhängen basierendes Werk entwickelt hat, das von einer filmischen Sichtweise geprägt ist. Die kinematische Seh- und Leseweise ermöglicht einen neuen frischen Blick auf sein künstlerisches ¼uvre.

Lüpertz bewundert John Fords Western und Autoren-Filme, insbesondere von Michelangelo Antonioni, Jean-Luc Godard und Alain Resnais. Alle verzichteten weitgehend auf das Erzählen von Geschichten und zeigten stattdessen private Sehnsüchte, poetische Visionen und die abstrakte Qualität innerer Zustände ihrer Charaktere. Ende der 1960er-Jahre sollten ihre „Filmgedichte" Lüpertz zu einer radikal neuen Syntax der Malerei verhelfen, die bis heute in seinen Gemälden sichtbar wird. Von Beginn an arbeitete er in Serien, ein Prinzip, das Grundlage seines Werks ist und seinen Ursprung im Film hat, so der kuratorische Ansatz der amerikanischen Kunsthistorikerin und Kuratorin Pamela Kort.

Im Zentrum stehen zwei künstlerische Zeiträume: Der Zeitraum zwischen 1963 und 1980 und der Zeitraum von 2000 bis heute. Die Ausstellung fokussiert sich auf seine frühen Bilder, seine Donald-Duck-Serie, seine frühen Dithyramben-Gemälde, deren Form vom Twentieth-Century-Fox-Logo inspiriert wurde, doch abstrakter und nicht leicht zu identifizieren ist, und seine Zeltbilder, deren Raum sich jenseits von Ort und Zeit befindet. Nach dem Zweiten Weltkrieg verstand man in Westdeutschland die Moderne als offenen Anfang. Kunstschaffende dieser Tage versuchten in Zeiten der Diskontinuität, Brücken zur Geschichte und Tradition zu schlagen. Viele entwickelten neue, abstrakte Formen des künstlerischen Ausdrucks in Form eines objektiven Epos. Doch Markus Lüpertz diskutierte mit seinen Malerfreunden einen figurativen Ansatz, der großen Widerspruch auslöste und in Westdeutschland als reaktionär galt. Georg Baselitz beispielsweise begann 1965/66 mit seinem Zyklus „Helden“, der Soldaten und Maler als Antihelden darstellt. Markus Lüpertz schuf zwischen 1968 und 1970 seine Helm-Serie sowie monumentale Gemälde wie „Westwall“. Sie sind heute als Auftaktarbeiten zu lesen für eine Werkgruppe, für die er im Alter von Anfang 30 berühmt wurde: die sogenannten deutschen Motive. Lebendige Bildkompositionen, die symbolgeladene Objekte quälender Erinnerungen an Krieg und Schuld der NS-Zeit überdimensional in den Blick rücken und eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte einfordern.

Ab den 2000er-Jahren gibt es bei Markus Lüpertz eine Veränderung. Neu ist die skulpturale Qualität vieler Figuren, die seine Gemälde bevölkern; sie nehmen auf Alain Resnais’ „Letztes Jahr in Marienbad“ – ein Film von skulptural-künstlerischer Qualität – von 1961 Bezug. Nackte, antik anmutende Gestalten zeigen Lüpertz‘ dialektische Beziehung zwischen Malerei und Skulptur und verdeutlichen auch hier seine Verbundenheit mit der malerischen Ästhetik. Sie tragen seine Malerei in den Raum. Letztendlich ist es eine Ausstellung, die sich Lüpertz‘ entschieden undogmatischer Malerei widmet. Sie schärft den Blick für ein neues Sehen und begreift sich als Weg über die Kunst zum Bild.

Die Ausstellung wird von Pamela Kort kuratiert.

Haus der Kunst München
Prinzregentenstraße 1
80538 München
Germany



Abbildungen:

Markus Lüpertz
Unser täglich Brot I, 1972
Leimfarbe auf Leinwand
250 x 350 cm
Sammlung des Künstlers
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Photo: Jörg von Bruchhausen

Talks & Tours mit Markus Lüpertz
durch die Ausstellung „Jörg Immendorff: Für alle Lieben in der Welt“
Haus der Kunst, 2018
Foto: Marion Vogel
Start: Freitag 13.09.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Montag 06.01.2020
München Stadtmuseum: FORUM 050: Der Greif – Public / Private
Bilder
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FORUM 050: Der Greif – Public / Private
Kabinettausstellung im Münchner Stadtmuseum
13. September 2019 – 6. Januar 2020

Der Greif ist eine vielfach ausgezeichnete Organisation für zeitgenössische Fotografie. Seit der Gründung 2008 beschäftigt sich das Kollektiv mit aktuellen Themen, die fotografische Bildproduktion, -distribution und -rezeption betreffen und bietet international agierenden, aufstrebenden Fotograf_innen und Autor_innen eine Plattform. Die unterschiedlichen Projekte verbinden physische und virtuelle Räume. Sie setzen sich mit der Präsentation von Fotografie in gedruckter Form auf Papier, auf Screens sowie in Ausstellungen auseinander. Seit 2018 lädt Der Greif Gastautoren ein, die jährlich erscheinenden Printausgaben zu gestalten und darin mithilfe eigener künstlerischer Arbeitsmethoden das grundlegende Konzept der De- und Rekontextualisierung fotografischer Bilder umzusetzen.

Die 12. Ausgabe des Magazins mit dem Titel „Blame the Algorithm" wird vom britisch-südafrikanischen Künstlerduo Broomberg & Chanarin gastkuratiert. Adam Broomberg und Oliver Chanarin starteten dazu einen Aufruf, fotografische Bilder einzusenden, die zu privat, zu still, zu gewalttätig, zu politisch, zu subversiv oder zu explizit sind, um sie online zu teilen. Bilder, die niemals auf Facebook, Instagram oder anderen sozialen Netzwerken gezeigt werden würden. Das Kollektiv erhielt eine Vielzahl fotografischer Arbeiten unterschiedlicher Bildautor_innen, die sowohl explizit offensive und sexuelle, als auch ruhige, alltägliche Motive aufgreifen. Die Künstler gaben ihre Rolle als Editor dabei an einen anonymen ehemaligen „Content Moderator“ ab, der in dieser Funktion lange Zeit Bilder für Facebook kontrollierte. Online Plattformen nutzen nicht nur Algorithmen, sondern auch Menschen, um über die Zulassung oder Zensur von hochgeladenen Bildinhalten zu entscheiden und setzen diese dabei traumatisierenden Medieninhalten aus – eine Konfrontation mit jeglicher Form von physischer und psychischer Gewalt.

Im FORUM zeigt Der Greif eine interaktive Installation mit einer speziell kuratierten Auswahl der Fotografien. Diese fordert die Besucher_innen auf, sich den Bildern zu nähern, sie zu berühren und mit ihnen umzugehen. Sie bricht mit gängigen Sehgewohnheiten und den klassischen Präsentationsformaten von Fotografie. Gleichzeitig wird unsere heutige Bildrezeption auf Smartphone-Bildschirmen thematisiert. Nicht zuletzt stellt die Ausstellung Fragen nach unserer eigenen Komplizenschaft in der kommerzialisierten Bildwelt der Sozialen Medien und dem medialen Spektakel sowie nach unserem Verhältnis zum „Öffentlichen“ und „Privaten“.

Die Künstler Adam Broomberg (geb. 1970 in Johannesburg) und Oliver Chanarin (geb. 1971 in London) leben und arbeiten in Berlin und London. In ihren konzeptionellen Werken setzt sich das Künstlerduo medienkritisch mit fotografischen Bildern sowie ihrer Veröffentlichung und Verbreitung auseinander. Auf provokante Art und Weise stellen sich ihre Arbeiten einem leichten, teilnahms-losen Bilderkonsum entgegen.
2016 traten beide eine Professur für Fotografie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburgan. Ebenfalls wirken sie als Lehrende und Mitbegründer im Masterprogramm „Photography & Society“an der Königliche Akademie der Bildenden Künste in Den Haag. Ihre Arbeiten wurden schon in zahlreichen internationalen Einzel-  und Gruppenausstellungen gezeigt und befinden sich in wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter Tate, MoMA, Yale, Stedelijk sowie Victoria and Albert Museum. Sie erhielten bedeutende Auszeichnungen wie den ICP Infinity Award (2014) für „Holy Bible“ und den Deutsche Börse Fotopreis (2013) für „War Primer 2“.

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München

Abbildungen:

Der Greif #12 Rückseite,
Fotografie von Milan Gies, Rover
© Der Greif

Der Greif #12 Titelseite,
Fotografie von Martha Friedel, Éclat
© Der Greif
Start: Dienstag 17.09.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 19.01.2020
München Lenbachhaus: Senga Nengudi.Topologien
Bilder
Senga Nengudi.Topologien

Ausstellung 17. September 2019 – 19. Januar 2020
im Lenbachhaus

Eine legendäre Avantgarde-Künstlerin, deren bedeutende Installationen in einen Koffer passen – so beschrieb die Künstlerkollegin Lorraine O'Grady einst Senga Nengudi und ihr Werk.

Seit fünf Jahrzehnten entwickelt Nengudi, die 1943 in Chicago geboren wurde, ein einzigartiges ¼uvre, das sich zwischen Bildhauerei, Performance und Tanz bewegt. Schon als junge Künstlerin und Studentin, die in Los Angeles parallel Bildhauerei Skulptur und Tanz studierte, suchte Nengudi diese Disziplinen miteinander zu verbinden. Mitte der 1960er Jahre studierte die damals 22-Jährige für ein Jahr an der Waseda University in Tokio, um sich intensiver mit der japanischen Kultur und der Künstlervereinigung Gutai auseinanderzusetzen. Obwohl sie die Gutai-Mitglieder nie traf, waren deren Experimente in Performance, Theater und Skulptur maßgeblich für sie. Japanische Theaterformen wie Kabuki und Butoh, aber auch westafrikanische rituelle Praxen prägen bis heute Nengudis Formensprache.

Ihrem Interesse an Tanz und Improvisation entsprechend sind nahezu alle ihre Werke durch Bewegung charakterisiert: Die Formen der Water Compositions – Skulpturen aus Kunststoff und gefärbter Flüssigkeit, die in den frühen 1970er Jahren entstehen – werden vom Volumen des Wassers mitbestimmt. Die "Stoffgeister", die Nengudi einige Jahre später in den Straßenzügen des New Yorker Stadtteils Harlem installiert, flattern im Wind. Die anthropomorphen R.S.V.P.-Skulpturen, für die Strumpfhosen mit Sand gefüllt und mit Fundstücken kombiniert werden, vollziehen eine langsamere Bewegung: ihr Material steht unter Spannung und fällt langsam aus seiner ursprünglichen Form. Nengudi versteht den Titel R.S.V.P. für "Répondez s'il vous plaît" oder "Um Antwort wird gebeten" als Einladung an Betrachter_innen, den Werken ohne Scheu zu begegnen. Einige dieser Nylon-Skulpturen werden in choreografierten Performances zu Tanzpartnerinnen.

Bevor Nengudi 1989 nach Colorado Springs in der Nähe von Denver zog, wo sie bis heute wohnt, lebte sie über Jahrzehnte in Los Angeles. Die Stadt an der US-amerikanischen Westküste war in den 1960er bis 1980er Jahren Zentrum einer dynamischen afroamerikanischen Kunstszene, die Nengudi entscheidend mitgestaltet hat. Dort fand sie sich mit Künstlerinnen und Künstlern wie David Hammons, Maren Hassinger, Ulysses Jenkins, Barbara McCullough und Frank Parker zu gemeinsamen Performances und Aktionen zusammen, die oftmals im Freien improvisiert wurden. Die Performance – allein oder im Kollektiv, im Atelier wie im öffentlichen Raum – bleibt ein Dreh- und Angelpunkt ihres Arbeitens.

Nengudi betrachtet ihre Werke als materiellen Ausdruck gedanklicher Experimente. Viele ihrer Skulpturen aus den1970er-Jahren waren für den Moment ihrer Präsentation gedacht und existieren heute nicht mehr. "Dauerhaftigkeit hatte für mich nie Priorität – zum Leidwesen vieler", schreibt sie dazu in einem ihrer Statements. Hinter dieser Aussage verbirgt sich Nengudis Überzeugung, dass das Ziel der Kunst nicht ihre Aufbewahrung und Kanonisierung ist, sondern ihre Fortsetzung.

Kuratiert von Stephanie Weber und Anna Straetmans

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau
Luisenstraße 33
80333 München


Abbildung:
Senga Nengudi
Performance Piece, 1977, Foto-Triptychon (Detail) Performerin: Maren Hassinger, Originalfotografie: Harmon Outlaw, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Sammlung KiCo
© Senga Nengudi 2018
Start: Sonntag 13.10.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 16.02.2020
Kochel Franz Marc Museum: Blauer Reiter - Das Moment der Abstraktion
Bilder
Blauer Reiter
Das Moment der Abstraktion

Ausstellung im Franz Marc Museum in Kochel am See
Vom 13. Oktober 2019 bis 16. Februar 2020

Die Jahre 1910/11 –die Künstler des Blauen Reitersbegegnen sich: August Macke besucht Franz Marc im Atelier, Kandinsky, Münter, Werefkin und Jawlensky lernen Paul Klee kennen. Paul Klee trifft Franz Marc. Franz Marc findet Zugang zu Kandinsky und seinen Freunden. Alle suchen einen neuen Weg für die Kunst und jeder umkreist auf seine Weise das Thema Abstraktion. Wo lässt sich diese Suche nach Vereinfachung und Vergeistigung, nach Befreiung von der oberflächlichen Erscheinung der Dinge in den Werken beobachten? Welche neuen Strukturen, Farben und Formen entwickeln die Künstler?Auf der Basis der Sammlung des Franz Marc Museums, ergänzt durch wenige wichtige Leihgaben, zeigt die Ausstellung Gemälde und Zeichnungen, auf denen die Veränderung der Sicht-und Arbeitsweise der Künstler anschaulich wird. Sie versucht das Moment der Abstraktion ganz konkret zu fassen, indem sie die Werke, in deren Abfolge sich Reduktion, Vergeistigung und Emotionalisierung in Farbe und Form greifen lassen, nebeneinander zeigt. Besonders anschaulich wird dieser Prozess im Gegenüber der Vorstudie und des Gemäldes „Café am See“ von August Macke. Der Maler hat dem Gemälde, das als neue Dauerleihgabe ins Franz Marc Museum kommt, eine andere Farbigkeit verliehen. Während auf der Studie Gelb und Grün sowie Rot und Orange den Ton angeben, ist auf dem Gemälde Blau dominant. Dies hilft Macke, einzelne Formen –die weißen Segel, die Bögen eines Viadukts, das strahlend rote Schild mit der Aufschrift „Café“ -hervorzuheben. Diese Motive geben ihre Darstellungsfunktion auf und werden als abstrakteElemente der Komposition wahrgenommen. Das dominante Rechteck mit dem Wort „Café“ oben links im Bild zeigt den Einfluss Robert Delaunays. Auch Paul Klee und Franz Marc rezipierten über Delaunay den Kubismus. Die Malerei und die theoretischen Überlegungen des französischen Malers inspirierten ihre Bilder und ihre Überlegungen zu einer „Neuen Malerei“, die in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg auch im Kreis des Blauen Reiters Form gewinnt.
Hier finden die formalen Experimente eine gedankliche Resonanz und lassen noch besser erkennen, welche Wege die einzelnen Maler bei der Entwicklung der Abstraktion gehen und bis wohin sie sie verfolgen.Die Texte im Katalog thematisieren die kunsttheoretischen Reflexionen, die diese Richtungsänderung begleiten und den philosophisch-zeitgeschichtlichen Hintergrund, der Abstraktion und Spiritualität zu einem zentralen Thema der Kunst dieser Epoche macht.Mit der Suche nach der „Inneren Notwendigkeit“(Wassily Kandinsky) oder der „Reinheit“(Franz Marc), dem Versuch, „sichtbarzu machen“ (Paul Klee) oder einen „Extrakt zu geben“ (Gabriele Münter)verfolgen die Künstler eine Spur, die sie an die Grenze des rational Fassbaren führt. Der Katalogbeitrag von Julia Voss, „Wellen, Vibrationen, Schwingungen“, öffnet diese Perspektive auf die Künstlerinnen Anna Mary Howitt, Juliana Houghton und Hilma af Klingt, die in ihrer Malerei übersinnliche Kräfte und Erlebnisse reflektieren und sich durch die wissenschaftlich nachweisbaren Phänomene wie Magnetismus, Elektrizität oder die Entdeckungdes Atoms bekräftigtsehen.War die Abstraktion zu Beginn des 20.Jahrhunderts also Weltflucht und Rückzug in die Sphäre des inneren Erlebens? Franz Marc und Wassily Kandinsky, die Herausgeber des Almanachs Der Blaue Reiter, waren vom Gegenteil überzeugt. Sie verbanden ihre Kunst mit einer politischen Dimension in der Hoffnung auf deren gesellschaftsverändernde Kraft. „Denn wir haben das Bewusstsein, dass unsere Ideenwelt kein Kartenhaus ist, mit dem wir spielen, sondern Elemente einer Bewegung in sich schließt, deren Schwingungen heute auf der ganzen Welt zu fühlen sind“, schrieb Franz Marc im Einführungstext zum Almanach.Dass die Kunst des Blauen Reitersauch heute noch ihre Wirkungskraft entfaltet, zeigt das große Gemälde von Karin Kneffel, dass als Auftakt der Ausstellung im Foyer des Museums hängt: die Künstlerin hat es nach einem Besuch des Franz Marc Museums gemalt und Werke von August Macke und Wassily Kandinsky in ihr Bild aufgenommen.

Franz Marc Museum         
Franz Marc Park 8-10                                                                                                   
82431 Kochel a. See   

Abbildung:
August Macke (1887-1914)
Cafe am See, 1913
Dauerleihgabe aus Privatbesitz,
Courtesy Thole Rotermund Kunsthandel, Hamburg
Foto: Walter Bayer, München
Start: Dienstag 22.10.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 16.02.2020
München Lenbachhaus: Lebensmenschen
Bilder
Lebensmenschen
Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin

Die beiden bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten Alexej von Jawlensky (1864–1941) und Marianne von Werefkin (1860–1938) zählen zu den wegweisenden Figuren der expressionistischen Avantgarden und sind noch nie in einer gemeinsamen Ausstellung ge­zeigt worden. Unsere Schau unternimmt es nun zum ersten Mal, beide als Künstlerpaar vorzustellen. Fast dreißig Jahre waren sie in Leben und Werk eng miteinander verbunden.

1896 waren beide gemeinsam aus Sankt Petersburg nach München gekommen. Werefkin unterbrach hier zunächst für zehn Jahre ihre malerische Tätigkeit, um sich der Förderung von Jawlenskys Talent zu widmen und sich intensiv mit Kunsttheorie und der aktuellen Kunstproduktion ihrer Zeit zu beschäftigen. Jawlensky begann mit Stillleben und Figurendar­stellungen zu experimentieren, ein großes Vorbild für ihn war Vincent van Gogh.

Mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter hielten sie sich 1908 in Murnau auf und fanden hier ge­meinsam zu einer expressiven und starkfarbigen Malerei. Während Jawlenskys Murnauer Landschaften zunehmend abstrakter wurden, entwickelte Werefkin ihre spezifische Figurenmalerei, die sich der menschlichen Existenz und ihrem schicksalhaften Ausgelie­fertsein an äußere und innere Mächte widmete. Mit der von Jawlensky und Werefkin 1909 mitbegrün­deten Neuen Künstlervereinigung München, – die sich in ihrer Wohnung in der Münchner Giselastraße zu­sammenfand – und aus der zwei Jahre später der Blaue Reiter hervorging, haben sie als Vor­denkerin (Werefkin) und malerischer Impuls­geber (Jawlensky) dieser beiden Vereinigungen Kunstgeschichte ge­schrieben.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs gingen Werefkin und Jawlensky ins Schweizer Exil, wo sie in engsten räumlichen Verhältnissen miteinander lebten und arbeiteten, bevor sie sich 1921 schließlich trennten. Werefkin blieb in Ascona, während Jawlensky mit seiner Familie nach Wiesbaden zog. Jeder für sich, wie bereits vorher in ihrer Gemein­schaft als Paar, leisteten sie einen wesentlichen Bei­trag zur Entwicklung der modernen Kunst am Beginn des 20. Jahrhunderts.

In einer ungewöhnlichen Ausstellungsarchitektur fügen sich die einzelnen Stationen ihres künstlerischen Schaffens bis hin zu beider Spätwerk zu einem opu­lenten Panorama von über 190 Werken zusammen. Inspiriert von der thematischen Idee der Lebens­menschen, finden in der Architektur die vielfältigen gegenseitigen Ergänzungen, Irrwege, gemeinsamen und getrennten Wege ihren Platz. Begleitet werden sie von einer überwältigenden Galerie von Jawlenskys "Köpfen" und späten "Gesichtern", auf die Werefkins Theaterszenen, Arbeiterdarstellungen und Visionen seelischer Zustände antworten.

In Zusammenarbeit mit dem Museum Wiesbaden, Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Kuratiert von Annegret Hoberg (Lenbachhaus) und
Roman Zieglgänsberger (Museum Wiesbaden)

Abbildung:
Marianne von Werefkin
In die Nacht hinein, 1910,
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Start: Freitag 25.10.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 19.07.2020
München Haus der Kunst: Theaster Gates: Black Chapel
Bilder
Theaster Gates: Black Chapel

Ausstellung im Haus der Kunst
Vom 25.10.2019 bis 19.07.2020

Der US-amerikanische Künstler Theaster Gates (*1973) schlägt mit seinem Werk eine Brücke zwischen Kunst und Leben. Er fasziniert mit spannungsgeladenen Raumkonstellationen, mit denen er das Beziehungsgeflecht zwischen der stereotypen Repräsentation Schwarzer Kultur und den dahinter liegenden Machtstrukturen sichtbar macht. Unter Einbezug einer vielgestaltigen Praxis, die Skulptur, Installation, Film, Performance, Improvisation, musikalische Komposition und Aktionen im urbanen Raum einschließt, verwandelt Theaster Gates Räume in Orte der künstlerischen Intervention, und damit in potentielle Plattformen für politischen, kulturellen und sozialen Wandel.

Für die sechste Ausgabe der Serie „Der Öffentlichkeit“ hat Theaster Gates die raumgreifende Installation „Black Chapel“ entwickelt. Das vielteilige Werk reagiert auf die repräsentative Architektur der 800 Quadratmeter großen Mittelhalle des Haus der Kunst, indem es ihr ein komplexes, politisch wie spirituell aufgeladenes Narrativ entgegensetzt: zwei große Pavillons sowie Vitrinen beherbergen eine Vielzahl an Skulpturen, Fotografien und Dokumenten. Darüber hinaus zeigen riesige, rotierende Leuchttafeln Fotografien aus den Archiven der ikonischen Johnson Publishing Company. Erstmalig wurde dieses Bildmaterial in den Magazinen „Ebony“ und „Jet“ veröffentlicht – zwei Publikationen mit Kultstatus, die maßgeblich zur Verbreitung Schwarzer Kultur in den Vereinigten Staaten beitrugen. Das Zusammenspiel von Skulptur und Fotografie eröffnet einen Raum, der Fragen zu Schwarzer Geschichte, Spiritualität und Repräsentation thematisiert und visuell neu formuliert.

In der benachbarten Archivgalerie macht Theaster Gates zudem die Plattensammlung von Jesse Owens zugänglich, die sich in seinem Besitz befindet. Der Athlet Jesse Owens (1913-1980) wuchs zu Zeiten der strikten Rassentrennung in den USA auf und wurde entsprechend wenig gewürdigt. Auf der Olympiade in Berlin holte der Ausnahmesportler 1936 unter den Augen Adolf Hitlers mehrere Goldmedaillen. Seine Erfolge wurden von der umstrittenen Regisseurin und Fotografin Leni Riefenstahl festgehalten, die dort den Propagandafilm „Olympia“ drehte. Das Material ist nun als Teil eines neu entstandenen Films des Künstlers zu sehen und ermöglicht einen kritischen Blick auf die rassistische Bildpolitik.

Die Wege von Jesse Owens und Leni Riefenstahl kreuzten sich erneut im Jahr 1972, als beide abermals zur Olympiade nach München reisten. Die Annäherung an die Lebensgeschichte von Jesse Owens über den Sound der mehr als 1800 Platten umfassenden Sammlung und deren Rezeption sowie das Aufeinanderprallen der rassistischen Ideologien der USA und Deutschlands, die Jesse Owens' Lebenszeit prägten, sind im Kontext der belasteten Geschichte des Haus der Kunst besonders aufschlussreich.

Während der Laufzeit der Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther König, mit Beiträgen von Romi Crawford, Anna Schneider und Hamza Walker im Gespräch mit Theaster Gates.

Kuratiert von Anna Schneider

Haus der Kunst München
Prinzregentenstraße 1
80538 München


Abbildung:
Photo: Moneta J. Sleet, Jr. for Ebony, 1958
Courtesy Johnson Publishing Company, LLC. All rights reserved.
Start: Freitag 15.11.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 21.06.2020
München Stadtmuseum: Ready to go! Schuhe bewegen
Bilder
Ready to go! Schuhe bewegen

Ausstellung vom 15. November 2019 bis 21. Juni 2020
Münchner Stadtmuseum

Die Schau bietet einen Rundgang mit kulturhistorischen und soziologischen Aspekten, wobei anhand von ca. 500 Paar Schuhen immer wieder die Emotionen im Vordergrund stehen, die entsprechende Fußbekleidung hervorrufen kann.Der Schuh als Statussymbol dient dem Träger / der Trägerin als auch den Betrachtern gleichermaßen als bewundernswertes Objekt. Absatzschuhe des Barock und Rokoko erhöhten ihre Träger demonstrativ über das einfache Volk. Schuhe fungieren als Machtsymbol oder als Zeichen bzw. Statement einer Gruppenzugehörigkeit. Hier kommen Boots aus der Raver-Gothic-Szene zu Wort. Die Bedeutung der Fußbekleidung für die Gender-Thematik schlägt den Bogen von der knabenhaften Frau in Budapestern zur damenhaften Drag Queen in High Heels. Auch der Voyeur steht im Fokus, der in der Betrachtung der entsprechenden Fußbekleidung Erregung und Befriedigung erfährt. Als Fetisch lässt der Schuh Sammlerherzen höher schlagen und verlangt absolute Hingabe. Pumps dienen als Symbol weiblicher Fußbekleidung als Mittel der Verführung, während Stöckelschuhe als übersteigertes Reizobjekt Lust und Pein bereiten können. Die Parallelität von Schnürstiefeln und Schnürkorsagen zeigt die optische Faszination für enge undkurvige Silhouetten. Im Namen der Erotik werden für kleine zierliche Füße Schmerzen und Fußverstümmelung in Kauf genommen, was in China der Lotus- oder Lilienfuß demonstriert, ist in der westlichen Mode der Hallux Valgus.Es liegt in der Natur der Sache, Schuhe als Gebrauchsgegenstand und Fortbewegungsmittel zu beleuchten. Hier reduziert sich die Bedeutung von Fußbekleidung und ihre ursprüngliche Funktion weitgehend auf den Schutz und den Halt beim Stehen und Gehen und stellt den Träger / die Trägerin in den Mittelpunkt. Die Beispiele reichen vom fragmentierten mittelalterlichen Kinderschuhbis zum aktuellen Schuhwerk eines Geflüchteten. Materialien der Kriegs- und Notzeit wie alte Gummireifen, Kork, Stroh, Holz und Nägel werden Baumpilzen, Mais, zerriebenen Steinen und Tierhufen gegenüber gestellt, mit welchen heute Künstlerinnen und Künstler und Designerinnen und Designer experimentieren.

Neben dem vielfältigen hauseigenen Sammlungsbestand werden als Kontrast etwa 30 herausragende und zum Teil bizarre Schuhobjekte internationaler Künstlerinnen und Künstler präsentiert, welche die Thesen und Aussagen der Schau abstrahieren.In Kooperation mit der Kulturvermittlung und der Fachstelle Inklusion gibt es Stationen, die den Besucherinnen und Besuchern das Thema Schuhe durch Hören, Tasten und Laufen näher bringensollen. Inklusive Angebote sollen hierbei als Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden und sich dem Publikum als neue Sinnes-Erfahrung erschließen.Für die Ausstellung ist eine abbildungsreiche Publikation bei Edition Braus geplant, die an der Museumskasse und im Online-Shop erhältlich sein wird.

Kuratorin der Ausstellung: Dr. Isabella Belting, Sammlungsleiterin Mode / Textil

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München


Start: Freitag 20.12.2019; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 23.02.2020
München Stadtmuseum: Gesichter der Stadt. Videoporträts von Kurt Benning und Hermann Kleinknecht
Bilder
Gesichter der Stadt. Videoporträts von Kurt Benning und Hermann Kleinknecht

Ausstellung im Münchner Stadtmuseum
Vom 20.Dezember 2019 bis 23. Februar 2020

1996 entwickelten die Künstler Kurt Benning (1945-2017) und Hermann Kleinknecht (geb. 1943) das Langzeitprojekt „Videoporträts“. Ihr Konzept bestand darin, Protagonisten der Münchner Kunstszene, aber auch Menschen aus allen sozialen Klassen, unterschiedlichen Berufsgruppen und jeden Alters darüber sprechen zu lassen, was sie bewegt. Entsprechend vielfältig sind die (Selbst-)Darstellungen, die sich nicht nur im Gesprochenen, sondern auch in Stimme, Gestik und Körpersprache manifestieren. Durch die Vielzahl und die Unterschiedlichkeit der Porträtierten geben die „Videoporträts“ einen Querschnitt durch die Münchner Gesellschaft unserer Zeit. Unter der Überschrift "Bilder für Alle" stellt die Ausstellung ergänzend einige offene, "demokratische" Porträtprojekte von Kerstin Schuhbaum, Barbara Donaubauer / Ulrike Frömel, Jadranka Kosorcic, Gabriele Drexler und Timo Dufner vor. Diese zeitgenössischen Arbeiten ergänzen die umfangreichen, stark historisch geprägten Porträtbestände der Sammlungen des Münchner Stadtmuseums und suchen neue Wege der Repräsentation der Bürger*innen zwischen Individuum und Typus.

Münchner Stadtmuseum
Sankt-Jakobs-Platz 1,
80331 München

Abbildung:
(01) Kurt Benning und Hermann Kleinknecht: Videoporträt Inga Tränkler,
ehemaliges Fotomodell (Filmstill) München 22.01.2001, Länge: 53 Minuten
© Stiftung Kurt Benning; H. Kleinknecht
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