Blickpunkt:
Interview
Interview
Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Simone Solga - Fragen Sie doch mal den BND

1

Veronika Bittenbinder - Definitiv Teamplayer

2

The Moonband - Ein Hoch auf die Jahreszeiten

3

PAM PAM IDA – Jeden Tag aufs Neue

4

Mathias Kellner – Ja logo!

5

Martin Kälberer – Je nach Tagesform

6

Ältere Artikel finden Sie im Archiv:
Startseite, Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5, Seite 6, Seite 7,

Bilder
Montag 23.10.2017
Simone Solga - Fragen Sie doch mal den BND
Simone Solga war 1990 die erste Kabarettistin aus den neuen Bundesländern, die im „Scheibenwischer“ auftrat. Die in Leipzig aufgewachsene Solga war von 1988 bis 1993 Mitglied der Leipziger „Pfeffermühle“, zog 1995 nach München und gehörte hier einige Jahre der „Lach- und Schießgesellschaft“ an. 2014 erhielt sie den Deutschen Kabarettpreis, ein Jahr später den „Salzburger Stier“.
Tabus kennt die heute 54jährige in ihrer Arbeit nicht. Als „Mädchen für alles“ hat sie sich im Kanzleramt auf ihr neues Programm „Das gibt Ärger“ vorbereitet. Grundtenor: Politisch korrekt war gestern!
„Mit Sprachwitz und Tiefgang arbeitet sie sich durch die Parteienlandschaft, verlangsamt dann und wann ihren Redefluss, um sicherzugehen, dass eine Pointe auch sitzt. Ob NSA, Edathy oder Krimkrise, Solgas Politmonolog ist pointiert und brandaktuell“, schrieb die Mainzer Zeitung.
Am 27. Oktober ist Simone Solga zu Gast im Puchheimer Kulturcentrum PUC und am 25. Januar 2018 in der Stadthalle Germering. „Wer nicht lachen konnte, bekommt sein Geld zurück“.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Simone Solga: Mein Engagement in der Leipziger Pfeffermühle 1989 war sicher der wichtigste Schritt zum Kabarett für mich. Aber ich hatte auch eine russische Oma, die sehr lustig und pointiert erzählen konnte; wahrscheinlich habe ich da sehr viel abgeschaut und den Weg ins komödiantische Fach gelegt.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
S.S.: Ich möchte, daß ich einen heiteren, unterhaltsamen, abwechslungsreichen Abend schaffen kann, der die Lachmuskeln strapaziert, aber auch das Hirn. Und wenn man sich auf dem Heimweg gern an das eine oder andere erinnert und sich sagt, das nächste Programm von der schaue ich mir auch an, dann bin ich überglücklich.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
S.S.: Einmal geht alles sehr schnell in der Politik, d.h. man ist Getriebener von den aktuellen Ereignissen. Gemütlich ist es also nicht. Aber am meisten gibt mir zu denken, wenn z.B. inhaltlich von einem gewissen  TV Sender in meine Texte eingegriffen wird, weil sie aus Angst, nicht politisch korrekt zu sein, so nicht gesendet werden wollen. Das hat mich sogar erschüttert. Und ich hoffe, daß sich das nicht fortsetzt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
S.S.: Wenn es zwischen mir und dem Publikum "warm" geworden ist und es kein vertaner Abend war. Und wenn ich mich nach einem Auftritt gut fühle. Und wenn ´s dann noch ein Glas Rotwein und ein Leberwurstbrot für mich gibt, dann ist alles alles gut.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
S.S.: Zu jeder Gelegenheit was anderes: Im Auto was zum Mitsingen. Klassik und was Trauriges zum Träumen. Free Jazz zum Aufregen. Tango zum Mittanzen. Ich liebe Rachmaninow, Bach, Bill Evans, Red Garland und auch mal den alten Mark Knopfler.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
S.S.: Eher CD. Ich habe aber noch eine Unmenge von Schallplatten und Grammophonplatten.

KK: Was lesen Sie momentan?
S.S.: „Der begrabene Riese“ von Kazuo Ishiguro. Diesen Roman kannte ich noch nicht und wurde jetzt dann doch neugierig.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
S.S.: Wenn jemand einen Satz anfängt mit "...gute Frau"

KK: Was freut Sie ungemein?
S.S.: Wenn sich jemand  Mühe gibt. (Und wenn er sich wegen mir Mühe macht - das freut mich dann auch schon sehr).
Und wenn jemand schuftet, rackert, fleißig ist, stolpert, gegen Widerstände läuft, nichts mehr gelingen will, aber er es dennoch nach oben schafft und Anerkennung erfährt, dann schießen mir auch schon mal die Tränen in die Augen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
S.S.: Ich habe etliche Pullover gestrickt. Aber nach Brust und Rücken reichts mir dann auch, und dann hab ich immer die Ärmel weggelassen und es wurden nur Pullunder.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
S.S.: Omar Sy und Francois Cluzet in „Ziemlich beste Freunde“.
Meryl Streep sowieso. Sie ist so wandelbar.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
S.S.: Eine Schnips Maschine. Zum wohin schnipsen und beamen. Oft möchte ich mal ganz schnell, für einen Moment wenigstens, woanders sein. Meist in der Sonne.
Oder toll wäre auch ein Lügen Sticker. Jeder trägt so einen Anstecker, und wenn er lügt, verfärbt sich das Ding grün.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
S.S.: Ich bin gern Teamplayer. Toll, wenn man es sein kann. Aber als Solistin muss ich wohl auch Einzelkämpfer sein. Das bringt der Beruf dann mit sich.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
S.S.: Im Auto. Im Wald. Manchmal in der Badewanne.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
S.S.: Hahaha. Fragen Sie doch mal den BND.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
S.S.: Ich würde Frau Monika Grütters sagen: Moni, lass den Landesgruppenvorsitz, Du musst nicht jeden Posten haben.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
S.S.: "Ich habe nichts zu verbergen (wie langweilig)"

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
S.S.: Düster. Leider.
Aber meine stelle ich mir gut vor. Mein Rollator hat 200 PS, Allrad und Rammbügel. Mein Treppenlift hat einen  Schleudersitz und meine Dritten sind aus Panzerstahl. Und was andere Windeln nennen, nenne ich mein tragbares Wasserbett.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 03.10.2017
Veronika Bittenbinder - Definitiv Teamplayer
Bilder
Veronika Bittenbinder ist weit mehr, als nur die Tochter ihrer filmbekannten Mutter. „Vollblutmusikerin“ steht auf ihrer Homepage, was soviel bedeutet: An erster Stelle kommt die Musik. An zweiter Stelle kommt die Musik. An dritter Stelle ….. ja, natürlich, kommt auch die Musik. Das lässt sich allein schon an ihrem Bandnamen erkennen. Wo andere Wochen, Monate, ja manchmal Jahre an Energie verbrauchen, um einen passenden Namen zu finden, nennt die charismatische Funk- und Soulsängerin ihre Formation kurzerhand: BITTENBINDER. „Wem James Brown zu reduziert, "Tower of Power" zu muckermäßig und Jan Delay zu rockig ist, der sollte sich eine Bittenbinder-Flat holen“, schreibt PULS, das junge Programm des Bayerischen Rundfunks und kürt Bitterbinder kurzerhand zur Band des Monats. Am 13. Oktober gastiert die Formation dem literarisch-popmusikalischen Programm „Kennen Sie das Fräulein Pollinger?“ in der Stadthalle Germering. Mit dabei: Mutter Johanna Bittenbinder.    

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Veronika Bittenbinder: Das sind viele Faktoren. Einerseits war sicher ausschlaggebend, dass meine Eltern auch Künstler sind und ich von klein auf mit künstlerischen Berufen und Musik aufgewachsen bin und auch schon als Kind in die Kunst eingebunden wurde. Andererseits habe ich auch selbst lange Zeit im Kinderchor gesungen, unzählige Aufführungen und Musicals mitgemacht. Die Musik war bei mir immer sehr präsent. Und da ich mich in der Schule sehr schwer tat, mit dem Schulsystem hatte ich mich schon früh angelegt, wurde mir schnell klar, dass ein Bürojob nichts für mich ist.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
VB: In erster Linie möchte ich einfach das tun, was mir Spaß macht. Ich glaube, wenn man selbst liebt, was man tut, kann man damit auch andere Menschen erreichen. Sobald man auf der Bühne steht oder in irgendeiner Form in der Öffentlichkeit, hat man meiner Meinung nach aber auch immer automatisch eine Verantwortung im Bezug auf bestimmte aktuelle, zB. politische Themen. Daher ist er mir schon auch wichtig, neben dem Spaß auf mir wichtige Themen einzugehen, ohne dabei den Humor zu verlieren und ohne mit dem Zeigefinger zu zeigen. Das geht mit der Musik sehr gut, da Musik Menschen noch auf einer anderen Ebene erreicht als nur über das Sprechen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
VB: In künstlerischen Berufen muss man sich immer wieder beweisen. Oft kommt man an einen Punkt, an dem es so nicht weiter geht und man sich Neues einfallen lassen muss. Es gibt niemanden, der sagt was zu tun ist. Das kann schon sehr anstrengend sein. Aber das schöne daran ist auch die Freiheit zu besitzen alles auszuprobieren.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
VB: Unsere letzten Konzerte waren sehr beeindruckend. Wir durften beim Bayerischen Filmpreis im Prinzregententheater spielen und haben auf Festivals das erste mal vor ca. 4.000 Menschen gespielt. Das war toll. Es kostet schon etwas Mut und ist halt eine ganz andere Dynamik, als in einem Club mit 300 Leuten. Obwohl die kleineren Locations auch etwas für sich haben. Man spürt das Publikum besser. 

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
VB: Der schönste Moment ist, wenn man an einem Song wochenlang rumbastelt und dann merkt, jetzt ist er fertig. Es fällt mir oft schwer ihn dann „gehen“ zu lassen. Aber wenn es so weit ist, ist es einfach nur toll. Spürt man dann auf der Bühne der Humor kommt an, da lacht jemand oder weint gar, dann muss ich mich immer zusammenreißen, weil ich überglücklich bin, dass mein Song jemanden derart berührt.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
VB: Klar, ich höre ständig Musik, das gehört dazu. Und dabei höre ich am Liebsten ganz unterschiedliche Sachen, von Rap über Hard-Rock bis Jazz ist alles dabei. Ich liebe zB Ray Charles, aber auch Erykah Badu und Kendrick Lamar. Es ist wichtig, offen zu bleiben und sich von allen Seiten inspirieren zu lassen. Das Einzige, was mir wirklich schwer fällt sind Schlager. Damit kann ich mich nicht anfreunden.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
VB: Ich liebe Vinyl und möchte mir unbedingt schon lange einen Plattenspieler kaufen. Noch habe ich aber keinen, deshalb höre ich meistens CD. Mein neues Album möchte ich aber unbedingt auch auf Vinyl rausbringen.

KK: Was lesen Sie momentan?
VB: Ich muss gestehen, dass ich nicht so der Bücherwurm bin, eher so der Artikel-Leser. Wenn mich ein Thema interessiert, dann lese ich alles, was es darüber zu finden gibt. Sonst schau ich mir lieber eine Serie an. Meine absolute Lieblingsserie ist „King of Queens“. Ist zwar schon alt, aber für mich immer noch eine der besten, die je gemacht wurden. Unübertroffen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
VB: Blödheit. Und die offen ausgetragen. Zum Beispiel die hohlen Äußerungen der AfD und deren
Anhänger.

KK: Was freut Sie ungemein?
VB: Wenn es meiner Familie und meinen Freunden gut geht. Ich weiß, das ist jetzt nicht sehr kreativ, aber es ist einfach so. Das ist das Wichtigste!

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
VB: Ich nähe und häkle sehr gerne, habe letzten Winter für meine ganze Familie Schals gehäkelt. Gerade wenn man viel mit dem Kopf gearbeitet hat, beim Komponieren usw., finde ich es sehr entspannend. Das brauch ich auch, als Denkpause.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
VB: Zum Beispiel Jack Nicholson in „Besser geht´s nicht“ finde ich großartig, oder Lee Evans in einem meiner Lieblingsfilme „Verrückt nach Mary“. Aber es gibt ganz viele unglaublich beeindruckende Schauspieler.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
VB: Wenn ich das wüsste, würde ich sofort ein Patent darauf anmelden und Millionen verdienen. Aber es gibt ja irgendwie alles schon. Und ob Autos, die von allein durch die Straßen fahren, erstrebenswert sind, weiß ich auch nicht. Aber vielleicht macht es ja Sinn, sich wieder ein bisschen mehr auf die Natur zu besinnen und das Handy auszuschalten. Das finde ich sehr wohltuend - ab und zu.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
VB: Definitv Teamplayer!

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
VB: Meistens wenn ich es gerade nicht erwarte. Wenn ich ewig vorm PC saß und mir nichts mehr eingefallen ist und dann beschließe, es gut sein zu lassen: Beim spazieren gehen, beim Sport oder beim Schlafen in der Nacht. Ganz plötzlich. Wahrscheinlich weil ich mich dann besser entspanne und mein Gehirn freier ist.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
VB: Hm, da hab ich keine konkreten Seiten. Schau nur immer nach, was für neue Alben rausgekommen sind.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
VB: Ich würde mich dafür einsetzen, dass es den Künstlern nicht so schwer gemacht wird. Im
Bezug auf Musik sollte es bezahlbare Proberäume geben und viele kleine Clubs, in denen die Underground- Szene wieder richtig aufleben kann.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
VB: Puh, das weiß ich nicht.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
VB: Ich wünsche mir, dass sich alles gut weiterentwickelt und ich immer neue Wege finde, die
mich glücklich und zufrieden machen, sowohl beruflich, als auch privat. Und dass ich nie stehen bleibe, sondern immer auf einem positiven Zug bleibe. Was das dann konkret bedeutet, wird sich zeigen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 12.09.2017
The Moonband - Ein Hoch auf die Jahreszeiten
Bilder
Bilder
The Moonband spielen Volksmusik, die keinem bestimmten geographischen Bereich zugeordnet werden kann. Ihre Mischung aus „Folk-Experiment und Weltraumweite, Mondscheinidyll und Raketenfeuer“ (puls) wirkt in allen Städten, Wüsten und Wäldern dieser und ferner Welten. Zehn Jahre besteht die Band. Und in dieser Zeit hat die Formation, begleitet mit ihren Zupf-, Streich- und Schlaginstrumenten, Geschichten erzählt. Geschichten, von denen sich Menschen inspiriert fühlen, die sie melancholisch berühren, zum Schmunzeln bringen oder einfach nur unterhalten. „Frisch, fröhlich, unverbraucht“ nennt der Musikexpress ihr letztes Album – eine Klasse für sich eben. Am Samstag 23. September landen „The Moonband“ im Landsberger Stadttheater und geben hier eines ihrer begeisternden Konzerte. Chris Begusch alias Chris Houston verrät, nur noch Lichttage vom Ereignis entfernt, KultKomplott einige Geheimnisse der Band.



KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Chris Houston: Freundschaft, die Liebe zur Musik und die Zeit. Wenn beim Musik machen 5 Köpfe miteinander verschmelzen, um Saiten und Trommelfelle zum Schwingen zu bringen entsteht etwas Magisches das zusammenschweißt. Danke an alle die uns über die Jahre begleitet haben, wir hoffen euch ist bewusst, dass ihr der Motor für unser Raumschiff seid. Und danke liebe Zeit, dass es Dich gibt, denn ohne Dich würden alle Töne einfach gleichzeitig existieren und Musik ergäbe keinen Sinn.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
CH: Wir erleben jeden Tag die verschiedensten Dinge: Aufregendes, Alltägliches, Nerviges, Unmögliches, Sensationelles, Langweiliges, Menschliches und Animalisches. Menschen lieben Geschichten und wir lieben Menschen also erzählen wir jedem unsere Geschichten, egal ob jung oder alt, Bayer oder Preiß.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
CH: Feedbackloops, Ukulelen und Gitarren mit eingebauten Heizspiralen, die sich auf der Bühne verstimmen sobald man das Kabel einsteckt, zu erklären was „New-Indie-Rock-Pop-Folk-Reaggae-Jazz-Electro“ eigentlich ist und Musik-Streaming-Dienste

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
CH: Ein Blinder auf dem Fahrrad und der Zusammenhalt gegen Pegida/Bagida.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
CH: Wir sehen die Moonband als eine Art Abenteuerreise Unternehmen um die Welt mit anderen Augen und aus einzigartigen Perspektiven betrachten zu können. Wir lernen so viele interessante Menschen und Orte kennen die wir ohne die Musik nie entdeckt hätten. Und wenn nach einem Konzert ein Zuhörer zu uns kommt und erzählt wie er sich in der Musik selbst wiedergefunden hat ist das wie Gänsehaut 

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
CH: Wir hören sehr unterschiedliche Musik innerhalb der Band und transferieren diese Eindrücke in unsere Songwelt. Von Jazz über Rock und Hiphop ist alles vertreten was „musikalisch wertvoll“ ist. Tipp zum reinhören »The Decemberists«

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
CH: Vinyl!

KK: Was lesen Sie momentan?
CH: Vor allem E-Mails

KK: Was ärgert Sie maßlos?
CH: Ignoranz und die zunehmende Polarisierung der Welt nach Links und Rechts, Oben und Unten. Da sind sie auf andere Planeten definitiv schon weiter.

KK: Was freut Sie ungemein?
CH: Frühling Sommer, Herbst und Winter. Ein Hoch auf die Jahreszeiten!

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
CH: Lass mich überlegen … Ich hab mir vor langer Zeit mal einen „Rock“ aus einem viel zu kleinen Handtuch in der Saunalandschaft der Therme Erding „gemacht“, war nicht besonders erfolgreich. Katrin unsere Sängerin ist da etwas professioneller, sie ist Kostümschneiderin und macht auch gerne mal einen Fat-Suit für die Angela Merkel Darstellerin am Nockherberg. Wenn ihr also Fat-Suits, Raumanzüge oder Körperbedeckung in der Sauna braucht, einfach bei ihr melden ;)

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
CH: Christian Ulmen in »Herr Lehmann«. Der einzige Film bei dem ich den Eindruck habe dass nicht geschauspielert wird sondern Christian tatsächlich Herr Lehmann ist.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
CH: Ein Musikinstrument bei dem man Töne schmecken kann.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
CH: Wir bin ein Teamplayer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
CH: Meistens dann, wenn`s zu spät ist. Oft aber auch bei Eugen Mondbasis im Wohnzimmer bei einem gepflegten Hellen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
CH: www.ted.com … immer wieder spannend zu sehen was Menschen alles zu sagen haben und was sie machen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
CH: Den Entwurf für das Kulturschaffendensolidaritätszuschlagsdurchsetzungsgesetz zur Abstimmung bringen und am nächsten Tag in Rente gehen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
CH: „Traveling through Open Space“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
CH: Roboter an jeder Ecke, Laser, Zeitmaschinen-Verleih-Services, transportable Mini-Sonnen Fusionskraftwerke im Hosentaschenformat und natürlich Fernreisen in Gedankengeschwindigkeit.
Autor: Siehe Artikel
Sonntag 03.09.2017
PAM PAM IDA – Jeden Tag aufs Neue
Bilder
Bilder
PAM PAM IDA aus Sandersdorf im Altmühltal ist eine jener Bands, die man nur allzugern mit dem Etikett Geheimtipp versieht. Sie selbst meinen, dass ihre Musik zwischen Georg Ringsgwandl und Paul McCartney angelegt sei. Man kann auch sagen zwischen mondänem Pop und moderner Wirtshausmusik. Ein weites Feld also. Ihre Konzerte sind oft weit im voraus ausverkauft. In Gilching könnte man noch Glück haben. Am 17. November spielen PAM PAM IDA im dortigen Rathaus. Sänger Andreas Eckert hat KultKomplott schon heute ein Interview gegeben:

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Andreas Eckert: Bezogen auf meinen musikalischen Werdegang hatte bestimmt den größten Einfluss mein Papa. Im Gegenteil zu seinem jüngeren Bruder, der Trompete studiert hat, hatte er nicht das Glück von seinen Eltern in musikalischer Sicht gefördert zu werden und bestimmt mangelte es auch an Fleiß. Nichts desto trotz konnte er mit seinem laienhaften Gitarrenspiel meinen Bruder und mich, gemeinsam mit unserem Papa traten wir zu dritt als "d'Eckertbuam" auf, für die Musik begeistern. Da er musikalisch nicht "akademisiert" wurde, hat er einen ganz ungezwungenen, natürlichen, fast naiven Zugang zur Musik. Das tat mir sehr gut. Wir lernten nach Gehör zu singen und spielen - nicht nach Noten. Und auch die Musik, die bei uns aus der Stereoanlage schallte, war alles andere als elitär, dafür sehr warm, tiefsinnig und authentisch, wie z.B. die Musik von Reinhard Mey, Biermösl Blosn, Ringsgwandl und vieler Irish-Folk-Künstler. Wären damals die Kastelruther Spatzen oder die Zillertaler Schürzenjäger rauf und runter gelaufen, stünde ich musikalisch bestimmt ganz woanders.   

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
AE: Zum einen natürlich so viele Zuhörer wie nur möglich und damit meine ich genau Leute, die sich Zeit nehmen können und wollen, um zuzuhören. Erstaunlicherweise funktioniert das ganz gut. Immer wieder sind Leute im Publikum, die normalerweise nichts mit Klängen unserer Art anfangen können, jedoch uns nach einem Konzert anstrahlen und sich für unsere Musik bedanken. Das erfüllt einen mit unglaublich viel Freude.
Zum anderen ist der Weg als Musiker mit selbst geschriebenen Liedern, abgesehen von der Liebe zur Musik, auch ein Stück Freiheit, das man sich erkämpft. Ich will später einmal nicht sagen müssen: warum hab ich mich nur nicht getraut? Auch will ich nicht jeden Tag in die Arbeit laufen "müssen". Zu tun hat man aber als Musiker genügend. 

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
AE: Der Vorfreude, dem Spaß am gemeinsamen Musizieren stehen Unsicherheit, Angst und Selbstzweifel gegenüber.
Jeden Tag aufs Neue, speziell bei Auftritten, kämpft man gegen diese Dinge an, um doch Stück für Stück stärker und gelassener zu werden.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
AE: Das Miteinander nach Auftritten mit anderen Bands und Musikgruppen. Viele der Gruppen, die einem auf Festivals begegnen, kennt man ja hauptsächlich durch ihre Musik, ihre Lieder, vom Hörensagen, vom Radio oder Fernsehen. In geselliger Runde nach getaner Arbeit merkt man doch, dass wir alle aus dem selben Holz sind, und dass uns die geteilte Leidenschaft zur Musik stark verbindet und vertraut macht. Das hinterließ einen starken, bleibenden Eindruck.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
AE: Wenn sich Leute einfach nur bedanken für unsere Musik, weil sie ihnen in schweren Zeiten geholfen hat, sie sie glücklich, oder nur weil sie ihnen gut gefällt, und uns das unbedingt sagen wollen - nicht mehr, nicht weniger.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
AE: Ich bin fanatischer Musikhörer. Ich bin immer auf der Suche nach etwas Speziellem wie Alt-J oder noch viel unbekannterem, mag aber genauso leicht schlagereske Songs wie "Reif für die Insel" von Peter Cornelius. Wichtig ist mir bei den Sachen, die ich gerne höre, dass sie authentisch und frei von Eitelkeit, heißt vordergründiger Virtuosität, ist. Das kann für mich gute Popmusik am besten.

 
KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
AE: Die meiste Zeit meines Lebens habe ich alles auf CD gehört, mit der Digitailsierung kam dann Spotify hinzu, bis ich mir vor einem Jahr etwa einen Plattenspieler gekauft habe und Platten schon viel eher, um mir selber Druck zu machen Mich nervt einfach, wie sehr Schnell- und Kurzlebigkeit, sowie Hektik die Musikwelt verändern und auf welche Weise. Alles muss auf den ersten Höreindruck gefallen, oder zumindest so durchhörbar sein, dass es gut im Hintergrund plätschern kann, so wie alles, was sich in den Charts tümmelt.
Hört man Platte, entschleunigt das - auch wenn man zu Beginn eher Stress empfindet, weil man auch nicht so gefällige Töne anhören "muss" - sensibilisiert den Zuhörer mehr, um damit die Intention des Künstlers bzw. seiner Musik besser zu verstehen.
Im Auto tut 's aber immer noch die gute, mittlerweile alte CD.

KK: Was lesen Sie momentan?
AE: "Demian" von Hermann Hesse

KK: Was ärgert Sie maßlos?
AE: Leute, die meinen Alles besser zu wissen und die nicht zuhören können - so wie es in der Politikwelt aussieht beispielsweise.

KK: Was freut Sie ungemein?
AE: Gegenseitiges Verständnis und Vertrauen. Die Umsetzung neuer Ideen und Visionen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
AE: Ja, Kostüme für Fasching (Kiss, Damischer Ritter...). Aber ich habe weder genäht, noch gestrickt. Das hab ich schon während meiner Grundschulzeit meiner Oma für Handarbeit/Werken machen lassen. Die einzigen "Möbelstücke", wenn man das so nennen kann, sind selbst konstruierte Regale im Bandraum. Wenn dann bin ich mehr so der Restaurator.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
AE: Von Josef Hader, sowie Josef Bierbichler in "Der Knochenmann"; von Brad Pitt und Edward Norton "Fight Club"; von Javier Bardem in "No Coutry for Old Men" und von Bjarne Mädl in der Serie "Der Tatortreiniger".

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
AE: Es gibt schon so viel unnützes Zeug, da brauch ich nicht auch noch was erfinden; eher würd ich ich Erfindungen vergessen bzw. rückgängig machen, wie die Erfindung der Zeit.
Wobei eines würd ich doch gern erfinden: Ein Bier (nicht alkoholfrei), dass keinen Schädl am nächsten Tag macht, aber doch nach dem Reinheitsgebot gebraut wurde. Das bleibt aber höchstwahrscheinlich Utopie...

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
AE: Mal so, mal so.
Das Problem ist, dass ich schlecht streiten kann; wiederum bin ich sehr gern unter Menschen. Bezogen auf meine Musik bin ich am Anfang des Entstehungsprozesses Einzelkämpfer und werde später zum Teamplayer - hoffe ich zumindest.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
AE: In bedrückenden und schweren Momenten - oder beim Joggen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
AE: Keine.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
AE: Poah, keine Ahnung. Was macht die/der überhaupt?
Wenn das in den Aufgabenbereich fällt, würde ich mich für viel mehr Musik und Kunstunterricht an den Schulen einsetzen und für praktischen Musikunterricht an echten Instrumenten.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
AE: Über mich würde ich bestimmt keine Biographie schreiben, wenn 's Leute gibt, denen mein Leben interessiert, soll 's gefälligst jemand anderer schreiben. Aber als Name fände ich "Was ich noch singen wollte" ganz gut ;)

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
AE: Am besten gar nicht, dann bin ich nicht enttäuscht, wenn 's anders kommt. Ich lass es einfach auf mich zukommen und mich bestenfalls positiv überraschen.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 04.08.2017
Mathias Kellner – Ja logo!
Bilder
Bilder
Mathias Kellner erzählt in seinen Songs ambitionierte Alltagsgeschichten – in bayrischer Mundart. Und die nuschelt er so gekonnt unverständlich herunter, dass sich bei manch einem der Vergleich mit Bob Dylan geradezu aufdrängt. Sein Humor ist beinahe legendär, was bei einem Niederbayern nicht selbstverständlich ist. Musikalisch ist das alles angelegt zwischen Blues und Kabarett, wobei die endgültige Zielgruppe des gelernten Schreiners noch nicht so ganz geklärt ist. Wer die Wünsche und Träume des Kellner-Kosmos kennenlernen möchte: Am 5. Oktober stellt Mathias Kelner im Veranstaltungsforum Fürstenfeld sein viertes Album „Kettnkarussell“ vor.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Matthias Kellner: Viel mehr als ich jemals aufzählen könnte. Die Wichtigsten sind wohl Glück und viel viel Arbeit.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MK: Zu allererst möchte ich mein künstlerisches Jucken befriedigen. Die kleine Stimme im Kopf die sagt: "Man könnte doch…" oder „Ich würde gern mal…“
Wenn es dann anderen Leuten auch gefällt und etwas gibt ist das natürlich großartig!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MK: Mit dem Problem, dass es manchmal ziemlich schwierig, ist diese fixe Idee im Kopf zu einem funktionierenden Song werden zu lassen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MK: Von der unglaublichen Lego-Ritterburg, die mein Sohn und ich letztens gebaut haben. Die war gigantisch!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MK: Auf der Bühne zu spielen/singen und vollkommen im Moment zu sein.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MK: Leichter zu sagen welche Musik ich nicht anhöre: Techno.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MK: CD und Mp3.

KK: Was lesen Sie momentan?
MK: „The Art of Asking“ von Amanda Palmer

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MK: Rechtsradikales Gedankengut und Rassismus. Wir haben 2017 und es regt mich zutiefst auf, dass sowas immer noch existiert.

KK: Was freut Sie ungemein?
MK: Meine Familie und meine Musik.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MK: Als ehemaliger Schreiner kann und muss die Antwort lauten: Ja logo!

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MK: Bryan Cranston in der Serie „Breaking Bad“ ist einfach nur genial.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MK: Das viertägige Wochenende. Wundert mich eh warum es das noch nicht gibt :-)

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MK: Das Geheimnis ist wohl in beiden Kategorien zu punkten. Ich tendiere allerdings eher zum Einzelkämpfer. Aber nur leicht.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MK: Wenn ich grade was komplett unkreatives mache. Abspülen, Autofahren, Rasen mähen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MK: Bin kein besonderer Blogleser, aber ein zwei Tageszeitungen in digitaler Form lese ich schon.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MK: Meinen Facebook Arbeitslebenslauf :-)

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MK: Mathias Kellner - „Das Bisschen das ich noch nicht vergessen hab"

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MK: Idealerweise genauso wie es bis jetzt auch immer war - manchmal mehr manchmal weniger kontrolliertes Chaos!
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 11.07.2017
Martin Kälberer – Je nach Tagesform
Bilder
Martin Kälberer ist auf der ständigen Suche. Eine Art Klangforscher, sowohl was die Akustik eines Raumes, als auch was den Sound eines Instruments, oder einfacher Alltagsgegenstände betrifft. Mittlerweile nutzt er für sein Spiel über 200 Tasten-, Saiten und Schlaginstrumente aus aller Welt. Von Haus aus aber fühlt sich der in Ulm geborene, nach eigener Aussage, zuallererst aber als Pianist. „Schuld“ daran sind Chick Corea und Herbie Hancock, die beiden großen amerikanischen Tastenvirtuosen. Die Fernsehübertragung eines Duo-Konzerts haben ihm völlig neue Möglichkeiten des Musizierens eröffnet. Er entdeckte die Freiheit der Improvisation, an der er bis heute festhält.
„Meine Musik ist immer eine Art Zustandsbeschreibung und letztlich immer der Versuch, ein (Klang-) Bild der Welt zu zeichnen, so wie ich sie momentan wahrnehme“, beschreibt er seine eigene Musik. Jedes Konzert von ihm ist ein spannender Prozess, bei dem nie ganz klar ist, wohin die musikalische Reise geht. „Meist ausgehend vom Klavier entwickelt Kälberer melancholische Songs, bei denen mal ein Akkordeon, mal treibende Perkussion und hypnotischer Gesang die Akzente setzen“, schreibt die Zeitschrift Jazzthing über eines seiner Alben. Und in der Süddeutschen Zeitung lässt sich anlässlich eines Konzertes in Bad Heilbrunn nachlesen: „Kälberers Musik setzt sich nicht aus Noten zusammen. Es sind Farben, Stimmungen, Gedanken, die sich über die Musik einen Weg nach außen bahnen.“
Am 13. Oktober ist Martin Kälberer Gast der Reihe „Beer & Guitar“ im Bräustüberl in Maisach wo er sein neustes Album „Suono“ vorstellen wird.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Martin Kälberer: Zunächst bestimmt die Tatsache, dass ich als Kind für mich erlebt habe, dass ein Instrument ein Spielzeug sein kann, Musik generell spielerisch und intuitiv funktioniert und ich so das „Handwerkszeug“ quasi nebenher gelernt habe. Und dann vermutlich der Fakt, dass ich ziemlich eigensinnig bin und immer eine relativ unkonventionelle Linie verfolgt habe, in der absolut größenwahnsinnigen Gewissheit, das werde schon alles funktionieren und gut gehen. Würde sagen: Glück g’habt!

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MK: Ich glaube, es gibt eine Menge Menschen, die Musik lieben, die sich einfach gerne von schönem Klang mitnehmen lassen, egal welches Genre da jetzt vorne drauf steht. Die sich auch mal in unbekannte musikalische Landschaften entführen lassen, wenn man sie dabei achtsam behandelt und heil wieder zurückbringt. Auch Menschen, die sich nicht generell dem Höher/Schneller/Weiter-Prinzip verpflichtet haben, die auch mal wieder runterkommen wollen zwischendurch und auch  leiseren Tönen oder gar der Stille nachlauschen möchten.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MK: Dass es immer schwerer wird, in der super-vernetzten, von Lautschreiern und Windmachern dominierten Öffentlichkeit noch wahrgenommen zu werden, ohne dass man sich genau die Mechanismen zu eigen macht, deren Sinnhaftigkeit man eigentlich in Frage stellt. Wie will man z.B. einem Radioredakteur klar machen, dass man nur zum Zwecke der Sender-Kompatibilität ein 7-Minuten-Stück nicht auf die Hälfte kürzen kann? … dann wird es eben nicht gespielt.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MK: Ein alter Freund und Weggefährte, lange Zeit eine Art Mentor, war der Meinung, dass in meinem Instrumentarium noch eine Out (Kurzhalslaute aus dem vorderen Orient) fehlt und hat daher beschlossen, mir eine zu schenken! Seitdem spiele ich fast auf nichts anderem mehr …

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MK: Zum Beispiel so ein Moment: Ein Klang, der mich schon lange fasziniert, kommt zu mir in Form eines Instruments, ich fange an mich damit zu beschäftigen, und plötzlich kann ich diesen Klang selber erzeugen. Großartig!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MK: Natürlich höre ich Musik. Phasenweise sehr viel, manchmal aber über lange Strecken gar nicht, das Gehör braucht auch ab und zu Stille! Ich höre ganz verschiedene Sachen. Zur Zeit regelmässig klassische Klaviermusik, gespielt von Khatia Buniatishvili, aber auch immer wieder Musik von Andy Shauf (Folk-Pop aus Kanada), Asgeir (Pop aus Island), dem Hadouk Trio (Weltmusik aus Frankreich) oder Tigran Hamasyan (Jazz aus Armenien).

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MK: Beides. In letzter Zeit aber wieder vermehrt Vinyl, ich habe mir sogar wieder einen neuen Plattenspieler gekauft. Es hat schon mit dem Klang, sicher aber auch mir dem Ritual zu tun. Sich zum Musikhören einfach Zeit nehmen.

KK: Was lesen Sie momentan?
MK: „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Ein zunächst fast unscheinbarer, dann aber sehr sehr berührender Roman über Freundschaft, die Wege, die das Leben so nimmt, die Päckchen, die jeder so zu tragen hat, großes Leid und großes Glück. Eine Entdeckung!

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MK: Wenn mir eine Sauce Hollandaise daneben geht.

KK: Was freut Sie ungemein?
MK: Dass meine Teichrose endlich blüht.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MK: Ich habe früher, als ich eine Weile in einem alten Lager gewohnt habe, alle möglichen Sachen selber gebaut, Tisch, Bett, Wandschirme, Schreibtisch – kann mich aber mittlerweile sehr daran freuen, wenn jemand so etwas WIRKLICH kann (und mir das entsprechende Stück manchmal sogar leisten).

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MK: Ich habe beim Filmfest den neuen Film von Lola Randl gesehen („Fühlen sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“), die Hauptdarstellerin Lina Beckmann war einfach nur großartig. Ich habe selten jemanden erlebt, dessen Mimik derart intensiv ist, dass auch nur die Zuckung eines Mundwinkels einen Monolog erspart ….

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MK: Eine funktionierende, sofort einsetzbare Alternative zu PLASTIK!!!!

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MK: Ich denk, ich kann beides, jedenfalls mag ich beides. Ich kann mich sehr gut auf Leute einstellen und einlassen, mache aber auch gern mein eigenes Ding.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MK: Das kann man gar nicht sagen. Mir sind schon in den unmöglichsten Situationen feine Dinge eingefallen. Oder doch? Im Schlaf! Allerdings habe ich diese Sachen alle wieder vergessen, insofern läßt sich’s nicht beweisen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MK: Zeitung.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MK: Ich denke, ich würde tatsächlich versuchen, das Ungleichgewicht in der Förderung zwischen sog. Hochkultur und dem was sonst so wächst und den täglichen Kulturbetrieb im Land am Leben erhält, ein wenig auszugleichen. Kultur ist die Seele der Gesellschaft und sie muss leben können, auch jenseits der etablierten Erscheinungsformen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MK: Dazu fällt mir, ehrlich gesagt, nichts ein. Ich bin ganz sicher, es gibt wichtigere Themen über die man schreiben kann!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MK: Das schwankt je nach Tagesform. Manchmal komme ich nicht umhin, nach Betrachtung aller Fakten, eher pessimistisch (vor allem was die Überlebensfähigkeit der Gattung Mensch betrifft) in die Zukunft zu sehen.
Im Moment blicke ich eher erwartungsvoll nach vorne, halte Welt und Gattung für robust genug, auch die aktuellen Vollidioten irgendwie zu überstehen und finde in dem ganzen Gewurstel für mich immer noch eine Nische, in der ich meine Klänge platzieren und auf die Reise schicken kann. Wenn das so bleibt und ich mir dabei treu bleiben kann, bin ich schon zufrieden.
 
Autor: Siehe Artikel
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.