Interview
Interview
Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Jan Konrad - Wenn da nicht die Physikgesetze wären

1

Jütz – Eine Weltfriedensmaschine

2

Tatiana Flickinger – Alles im Fluss

3

Dance First 2018 - Ich liebe die Ästhetik des Tanzes

4

Dance First 2018 - Höchste künstlerische Qualität auch abseits der Metropol...

5

Sissi Gossner – Hauptsache gute Musik

6

Ältere Artikel finden Sie im Archiv:
Startseite, Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5, Seite 6, Seite 7,

Bilder
Bilder
Montag 13.08.2018
Jan Konrad - Wenn da nicht die Physikgesetze wären
Jan Konrad besitzt einen ausgeprägten Bezug zu Formen und Farben. „Bilder haben mich schon seit meiner Kindheit gefesselt“, sagt er im folgenden Interview. Trotzdem hat es eine Weile gedauert, bis er begann, Bilder auch als eine Form des persönlichen Ausdrucks gestaltend zu nutzen. Dabei ist er weniger ein Fotograf, dessen Arbeiten aus dem Moment heraus, als Schnappschuss entstehen. Zumindest ist dies nicht seine eigentliche Herangehensweise. Ihn interessiert das Verhältnis von Linien und Modellen zueinander, das Zusammenspiel von Konturen und Konstitutionen und inwiefern diese zum inhaltlichen Sujet stehen. So kann es sein, dass mögliche Anregungen erst nach mehrmaligen Betrachtungen im richtigen Winkel und im richtigen Licht fotografisch festgehalten werden. Die Arbeiten selbst werden anschließend, zumindest inhaltlich, nicht weiter bearbeitet.
Jan Konrad hat angewandte Physik studiert und ist bei KultKomplott für die technische Realisation des Portals zuständig.
Weitere Arbeiten von ihm sind unter www.jkonrad.eu zu sehen.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Jan Konrad: Das fällt mir schwer zu sagen. Ich habe keine konkreten Schlüsselmomente in Erinnerung, die wegweisend waren.
Viel mehr empfinde ich eine langsame stetige Veränderung über die Jahre, getragen von einem Fundament, das bereits in mir angelegt war.
Im weiteren Kreis meiner Familie war und ist das Thema bildende Kunst schon lange präsent. Nicht nur das Interesse an bestehender sondern auch eigene zu schaffen.
Bilder haben mich schon seit meiner Kindheit gefesselt. Etwas, was mir noch heute sehr stark in Erinnerung ist, sind Klassiker der Filmgeschichte, die ich Teils schon recht früh sehen durfte (2001, Alien, Einer flog über das Kuckucksnest, Shining...).
Auch wenn ich vielleicht damals, den einen oder anderen Film nicht ganz erfassen konnte, so hat mich die Bildsprache schon damals fasziniert und mich vielleicht mehr beeinflusst als ich weiß.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JK: Mich faszinieren Einblicke in unsere Umgebung. Einblicke, die uns oft verstellt sind oder nur für einen kurzen Augenblick existieren. Eine Umgebung, in der wir uns stetig bewegen, aber selten wahrnehmen.
Dabei besteht die Umgebung in meinen Bildern oftmals aus Dingen, die wir selber geschaffen haben. Für mich sind es Einblicke in eine andere Welt. Vielleicht eine Art Parallelwelt.
Diese Bilder werden auch immer getragen von den eigenen Vorstellungen. Trotzdem empfinden viele ähnliches dabei. Es liegt also auch etwas Verbindendes darin.
Es fasziniert mich, diese Einblicke zu erkunden. Dabei verändert sich der eigene Blick stetig, ohne zu wissen, wohin es einen trägt.
Irgendwo habe ich vor kurzem gehört, dass der Mensch automatisch nach Mustern sucht, wenn er etwas nicht versteht. Dabei kann das etwas, alles mögliche sein.
Wahrscheinlich ist die Fotografie daher auch immer ein Versuch, uns und die Umgebung zu begreifen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JK: Da ich mit meiner fotografischen Arbeit meinen Lebensunterhalt nicht bestreite (was man auch als Vorteil sehen kann), haben sich mir bis jetzt keine großen Widrigkeiten in den Weg gestellt.
Ein Problem welches auftreten kann, ist, dass die Batterie meiner Kamera unvorhergesehen leer ist. Da es eine mechanische analoge Kamera ist, kann ich zwar weiter fotografieren, dann bedarf es aber Erfahrung über Lichtverhältnisse und den dazu passenden Belichtungszeiten.
Die ein oder andere Szene ist mir auch noch gut in Erinnerung, in der ich wünschte, eine Kamera dabei gehabt zu haben.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JK: Die analoge Fotografie lässt viel Raum und Zeit sich mit einem Thema zu befassen. Bis die Rolle im Apparat voll und der Film entwickelt ist, vergehen meist einige Wochen.
In dieser Zeit denke ich noch oft über die Situation, die Umgebung und die Motive nach, die ich durch den Sucher meiner Kamera betrachtet habe.
Teilweise baut sich dabei ein Spannungsbogen auf, bis die Bilder dann das erste Mal vor mir liegen.
Auch Fotos, die mich in der Situation des Fotografierens nicht übermäßig beeindruckt haben, dann aber beim Sichten der Negative einen ganz anderen Charakter als erwartet zeigen, sind tolle Momente.
Dabei bricht Unerwartetes immer wieder die eigenen Vorstellungen auf und die Gedanken nehmen einen neuen Weg. Diese Situationen helfen mir, mich weiter zu entwickeln.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JK: Besonders gern höre ich Ambient und Electro / House etc. In den letzten Jahren höre ich auch gern immer wieder Jazz.
Interessanterweise helfen mir beide Musikrichtungen meine Fotografie zu verstehen. Die Musik fühlt sich dann wie eine Art Verstärker an, für Gefühle oder Gedanken die die Bilder auslösen.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JK: Weder noch. Bei mir kommt die Musik digital aus dem Rechner.

KK: Was lesen Sie momentan?
JK: Das letzte Buch was ich gelesen habe ist schon eine Weile her. Ich glaube es war "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley. Ich bin eher ein Zeitungsleser.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JK: Umweltverschmutzung. Oftmals schon die Eigene.

KK: Was freut Sie ungemein?
JK: Eine Radtour Richtung Süden.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JK: Kleidungsstücke kann ich reparieren, das mache ich durchaus. Regale und andere einfachere Möbelstücke habe ich auch schon gebaut.
Oft fehlt mir aber der Platz oder eine Werkstatt, sonst würde ich das öfter machen. Vor ein paar Jahren habe ich damit angefangen, Lampen selber zu bauen.
Auslöser war, dass ich nichts passendes in den Läden gefunden habe. Es wäre toll, wenn ich irgendwann diese Prototypen soweit bringe, dass daraus ein Produkt entsteht.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JK: Da fallen mir zwei ein. Jared Harris als Captain Francis Crozier in der Serie "The Terror" hat mir sehr gut gefallen. Der Schauspieler war mir vorher nicht so bekannt.
Außerdem Matthew McConaughey, Filmübergreifend. Den Schauspieler kannte ich früher eher aus "Popkorn" Kinofilmen. In den letzten Jahren hat er mich durch Rollen von starken und gleichzeitig gebrochene Charakteren stark beeindruckt.
Das macht er so überzeugend, dass ich während des Films keinen Schauspieler erkenne. Zu nennen wäre die Serie "True Detective" und der Film "Dallas Buyers Club".

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JK: Ein Perpetuum Mobile, wenn da nicht die Physikgesetze wären ….. .

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JK: Ich fühle mich weder speziell als das Eine noch als das Andere. Oft habe ich von den Dingen klare Vorstellungen, was einen Einzelkämpfer vermuten lässt.
Ich kann mich aber auch gut zurück nehmen und im Team arbeiten.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JK: Definitiv in öffentlichen Verkehrsmitteln. Allein schon aufgrund der Menge an Zeit, die man dort verbringt.
Dementsprechend ist die Dichte der Einfälle im Winter höher, da ich im Sommer lieber mit dem Rad von A nach B fahre.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JK: Kunst und Kultur wird in Zukunft vermutlich das sein, das von der Automatisierung, Digitalisierung, künstl. Intelligenz, und anderen technischen Entwicklungen unberührt bleiben wird.
Ich meine damit nicht, dass wir im Bereich Kunst und Kultur die techn. Fortschritte nicht nutzen, sondern, dass Kunst und Kultur auch in Zukunft noch von Menschen erdacht wird.
Auch wenn nicht alle Arbeitsplätze in Zukunft durch den techn. Fortschritt verschwinden werden, könnte die Kultur helfen, entstehende Lücken zu schließen.
Die Arbeit der Menschen wird sich hin zur Kreativität verlagern müssen, um in Zukunft bestehen zu können.
Das ist allerdings nichts, was sich an einem Tag ändern lässt. Der Tag würde vielleicht reichen, in der Gesellschaft eine Debatte anzustoßen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Samstag 07.07.2018
Jütz – Eine Weltfriedensmaschine
Jütz leben in den Bergen – scheinen aber in der weiten Welt zu Hause. In Zeiten nationaler Abgrenzungen und neu entflammter Intoleranz haben es sich Isa Kurz (Stimme, Geige, Akkordeon, Hackbrett), Daniel (Dänu) Woodtli (Trompete, Flügelhorn, Stimme, Hackbrett) und Philipp Moll (Kontrabass, Stimme) zum Ziel gesetzt, ausgehend von der Musik ihrer Heimat viele andere Regionen zu erobern. Das heißt, das aus Südtirol und der Schweiz stammende Trio verleugnet in ihren Kompositionen und Improvisationen ihre Herkunft nicht, reichert aber die eigene Folklore mit exotischen Klängen und stilübergreifenden Ideen an, so das letztendlich eine ganz ganz besondere Magie entsteht. „Von Berghütten bis hin zu Konzerthallen“ war in einem Blog über sie zu lesen. „Diese Musik hat in ihrer Vertrautheit jede Menge Charme und geht zugleich neue Wege, die abgelegen aller breiten und ausgetretenen Wanderpfade des Mainstream liegen. Man kann sie ebenso für ein alternatives Volksmusikfestival buchen, als auch für eine moderne Jazzreihe“, war vor einigen Wochen an dieser Stelle über ihr Album „hin & über“ zu lesen. Jütz gehören auch zum neuen Programm der Reihe jazz first in Fürstenfeld. Am 23. Januar 2019 sind sie hier zu Gast im 15. Jahrgang.
Das komplette Programm:

27. November 2018; Klaus Paier & Asja Valcic Quartet „Cinema Scenes“
19. Dezember 2018: Pat Appleton Quintett „A Higher Desire“
23. Januar 2019: Jütz „hin & über“
27. Fabruar 2019: Florian Weber Solo
03. April 2019: Emil Brandqvist Trio „Within A Dream“
22. Mai 2019: Norma Winstone & Glauco Venier


KULTKOMPLOTT: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
DÄNU WOODTLI: Eine schöne Kindheit in einfachen Verhältnissen. Es gab nicht viel, aber es gab Musik.
ISA KURZ: Eine Mischung aus dem Suchen nach neuen Erfahrungen, dem Ausloten von eigenen Grenzen, dem Setzten von hohen Zielen, aber auch dem Zufriedensein mit Erreichtem.
PHILIPP MOLL: Ich weiss eigentlich gar nicht so genau was ich heute bin. Von da her schwierig zu beantworten.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
DÄNU: Leute aus allen Generationen und sozialen Schichten, welche die Fähigkeit haben, sich unvoreingenommen auf etwas einzulassen.
ISA: Bei unserem Trio JÜTZ steht das Kennenlernen und Auseinandersetzen mit der „eigenen“ Musikkultur im Mittelpunkt. Dabei werden Fragen aufgeworfen wie: „Was ist die ‚eigene‘ Kultur?“, „Wo fängt sie an, wo hört sie auf?“, „Wer bestimmt die Grenzen und Regeln?“, „Brauchen wir überhaupt Grenzen und Regeln?“. Gleichzeitig ist mir aber auch die Frage der künstlerischen Ästhetik ohne Hintergedanken wichtig, es gefällt oder es gefällt nicht.
PHILIPP: Toll wäre, den Menschen einen ungezwungenen und unvoreingenommenen Zugang zur Musik ihrer eigenen Kultur zu bieten. Diesbezüglich hinken wir geschichtlich bedingt im Alpenraum im Vergleich zu anderen Ländern weit hinten nach. Ausserdem liesse sich mit einer diskursiv entlasteten Musik gut beweisen, dass die Erfindung der Nationalstaaten ein Auslaufmodel ist, weil unsere Art der Musik das Gemeinsame und Verbindende hervorhebt: Musik kennt keine politischen Grenzen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
DÄNU: Büroarbeit. Dafür bin ich mein eigener Manager, das gibt mir viel Freiheit Widrigkeiten zu minimieren.
ISA: Siehe Punkt 2: Den schmalen Grad zwischen rein musikalischem Wohlbefinden und künstlerisch-politischem Diskurs nicht zu verfehlen. Und manchmal die Arbeit mit Tontechnikern!
PHILIPP: Immer wieder mal sind wir damit konfrontiert dass Journalisten zwischen dem was wir machen - Kunst - und Strömungen, die die Volksmusik rein aus Eigeninteresse instrumentalisieren, unzulänglich differenzieren. Entweder weil sie es nicht können oder nicht mal sehen. Sehr ärgerlich.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
DÄNU: Ich werde oft engagiert als Musiker an Trauerfeiern und habe grad eine ganze Serie hinter mir. Wenn man all diese Lebensgeschichten hört, macht man sich auch Gedanken über sein eigenes Dasein.
PHILIPP: Neulich sah ich einen Mitschnitt eines Podiums der University of Oxford, über die Herkunft des Menschen und des Universums; die Teilnehmer waren Sir Richard Dawkins, Vertreter der Evolutionstheorie, und Sir Rowan Williams, ehemaliger Archbishop of Canterbury. Nichts beeindruckt mich mehr als ein mit Respekt geführtes Zwiegespräch mit so konträren Positionen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
DÄNU: Dann, wann die Kraft der Musik voll einschlägt; wenn der unmittelbare Moment alles Bewusste vergessen lässt.
ISA: Wenn man sich und seine Musik verstanden fühlt. Wenn man sieht, was Musik bewegen kann. Wenn man erlebt, wie Musik hören bzw. machen den Menschen Freude bringt. Wenn man sich selbst in einem Musikstück verliert.
PHILIPP: Es gibt sehr viele. Wenn ich merke wie sehr mir die Arbeit Spass macht, z.B. wenn ich mich auf ein Konzert vorbereite oder ein Stück schreibe und ich mich dabei total in der Materie vertiefe, fast darin auflöse - da denke ich schon, dass es kaum besser sein könnte. Aber auch ein Resultat kann irre sein - z.B. habe ich kürzlich das erste Mal Filmmusik von mir auf einer Leinwand vor 800 Leuten gehört, das war schon sehr cool. Oder wenn man merkt, dass die eigene Musik anderen Menschen etwas bedeutet. Das spüren wir mit Jütz sehr oft, v.a im Dialog mit den Leuten nach dem Konzert.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
DÄNU: Ja, oft im Auto. Und es ist kaum auszuhalten. Dafür weiss ich, was die mächtige Musikindustrie dem Konsument repetierend eintrichtert. Anderseits höre ich wenig, aber sehr bewusst Musik aus verschiedensten Sparten. Ich mag auch sehr simple, reduzierte Musik.
ISA: Hängt von den Umständen ab, beim Lesen klassisch, beim Sport Electro-Pop, im Badezimmer chilligen Jazz, beim Kochen Indie Pop, … aber gerne auch mal Radio, um auf dem Laufenden zu bleiben.
PHILIPP: Das ändert sich ständig. Aktuell Oscar Peterson „Night Train", Radiohead „A Moon Shaped Pool“, Arvo Pärt „Fratres“.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
DÄNU: Vinyl.
ISA: Beides.
PHILIPP: Im Auto CDs, zu Hause Vinyl - ein guter Mix: es gibt Musik die digital einfach fantastisch klingt und so manches gibt für mein Empfinden analog viel mehr her. Wer hätte auch Platz für einen Plattenspieler im Auto?

KK: Was lesen Sie momentan?
DÄNU: Ihre Fragen. Ansonsten die Tageszeitung in Papierform.
ISA: Ich versuche viele englische Bücher zu lesen, um meinen Wortschatz zu erweitern. Zur Zeit Patrick Ness „The Crane Wife“
PHILIPP: George Eliot „The Mill On The Floss“, dazu braucht man Geduld, aber die Sprache der Autorin ist schlicht umwerfend. Bram Stoker „Dracula“ war davor dran - mein absolutes Lieblingsbuch. Eventuell lese ich es grad nochmal.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
DÄNU: Definition über Klicks und Likes.
ISA: Angeberisches Gerede über unnütze Sachen.
PHILIPP: Ungerechtigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
DÄNU: Dass Klicks und Likes nichts mit der Realität zu tun haben.
ISA: Ein Tag in den Bergen.
PHILIPP: Die einfachen Sachen. Eine gute Tasse Tee. Ein Gespräch bei dem man dazulernt. Glück mit Familie und Freunden.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
DÄNU: Ja, ein Designer-Beistelltisch aus einer missglückten Vinyl-Pressung von meinem Jazztrio.
ISA: Ich bin leidenschaftliche Sockenstrickerin.
PHILIPP: Ich glaube in der Volksschule .. ich müsste nachdenken.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
DÄNU: Kann ich nicht konkret sagen. Ich mag die Ästhetik alter französischer Filme.
ISA: Von den meisten Kinderschauspielern. Wie man einem 3jährigen erklärt, er soll jetzt genau das machen, ist mir ein Rätsel
PHILIPP: Als ich das erste Mal „This is Spinal Tap“ gesehen habe, wohnte ich bereits mehrere Jahre in Grossbritannien. Ich bin voll auf den Film und die grossartigen Schauspieler reingefallen: meine englischen Kollegen haben sich neben mir auf dem Sofa vor Lachen gekrümmt und ich dachte nur „Was für Kindsköpfe“ - bis der Groschen gefallen war, dauerte es sicher bis in die Hälfte des Streifens.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
DÄNU: Vielleicht eine Weltfriedensmaschine?
ISA: Eine Maschine, mit der man auf Knopfdruck in verschiedenen Sprachen fließend sprechen kann.
PHILIPP: Ich dachte immer es gibt nichts dass es nicht gibt.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
DÄNU: Tendenziell Einzelkämpfer. Obwohl das Wort “Kämpfer” mag ich nicht.
ISA: Überwiegend Teamplayer, kann mich aber auch sehr gut alleine behaupten.
PHILIPP: Ganz klar als Teamplayer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
DÄNU: Im Traum.
ISA: Wenn ich mit anderen Dingen beschäftigt bin, beim Sport, beim Kochen, … ein Stück der letzten CD ist mir tatsächlich im Schlaf eingefallen, ich bin mitten in der Nacht aufgestanden und hab das ganze Lied in einem Rutsch aufgeschrieben. Wäre praktisch, wenn das immer so liefe.
PHILIPP: Je mehr Abstand - auch geographisch - von einer Sache, desto leichter fällt es mir sie zu beurteilen. Mit den Einfällen ist es auch so.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
DÄNU: Die der Konkurrenz, haha...nein, insbesondere Nachrichtenportale.
ISA: Da ich soviel unterwegs bin, habe ich keine Zeitung abonniert, also informiere ich mich auf orf.at über das aktuelle Tagesgeschehen. Gerne aber auch „Die Tagespresse“
PHILIPP: Manchmal checke ich Kurznachrichten auf NZZ, FAZ, BBC Websites.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
DÄNU: Ich würde subventionsverwöhnten Künstlern klar machen, dass künstlerische Arbeit früher oder später auch wirtschaftliche Aspekte beinhalten sollte.
ISA: Freier Eintritt in Museen, Chorsingen für alle.
PHILIPP: An einem Tag liesse sich wohl nur wenig ändern.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
DÄNU: “Vom Musikant zum Musiker und zurück”
ISA: Ich kann nicht nur weiße Tasten singen.
PHILIPP: Möglich ist alles.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
DÄNU: Wenn man zurück blickt, haben entscheidende Stationen im Lebensverlauf immer mit Begegnungen zu tun. Ich wünsche mir für die Zukunft wegweisende Begegnungen mit interessanten Menschen. Auf diese kann man nicht einfach warten, man muss sie aktiv herausfordern.
ISA: Mit vielfältigen musikalischen Erlebnissen, Erfahrungen und Begegnungen.
PHILIPP: So wie das Klaviertrio (No.3) von Werner Preisegott Pirchner: „Heute … war Gestern Morgen. Heute … ist Morgen Gestern."
Autor: Siehe Artikel
Sonntag 10.06.2018
Tatiana Flickinger – Alles im Fluss
Bilder
Tatiana Flickinger hat sich ihren Kindheitstraum erfüllt – sie ist Blockflötistin. Aber bevor sie in München und Zürich das schmale Holzblasinstrument bei renommierten Professoren perfekt zu spielen lernte, studierte sie Bauingenier. So vereint sich in ihrer Persönlichkeit das Bodenständige und das Musische. Eine Mischung, die ihr mit Sicherheit die Herangehensweise an Musik aus unterschiedlichen Jahrhunderten erleichtert. Für das umfassende Repertoire ihrer Konzerte ist eine starke Persönlichkeit gefragt.
Am 24. Juni wird Tatiana Flickinger gemeinsam mit Viktor Töpelmann (Barockvioloncello) und Helene Lerch (Cembalo und Orgel) zur 161. Matinee eleven-eleven in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach (KOM) in der Hauptstraße 68 auftreten. Unter der Überschrift „Luftsprünge und Purzelbäume“ gibt es prachtvolle Musik des 17. Jahrhunderts mit Werken von Castello, Frescobaldi, Riccio, Merula und anderen. Beginn: Natürlich 11.11. Uhr.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Tatiana Flickinger: Dass ich heute als Blockflötistin doch recht erfolgreich bin und im Grunde ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist, kann ich manchmal immer noch nicht so recht glauben. Die Musik gehörte schon immer zu meinem Leben, aber nach meinem Bauingenieurstudium war vor allem die Unterstützung meiner Familie ein essenzieller Faktor. Die Liebe zu meinem Instrument und die Freude an der Musik taten ihr übriges…

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
TF: Im Idealfall natürlich alle! Jeder Mensch hat das Bedürfnis Musik zu hören, und wenn ich Menschen erreiche, die zum ersten Mal ihre Begeisterung für Alte Musik durch mich entdecken, ist das das Großartigste was einem passieren kann.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
TF: Ein Problem ist immer noch, dass ganz viele Menschen die Blockflöte total unterschätzen. Selbst Konzertveranstalter sind da in Bezug auf Alte Musik und die Blockflöte recht vorsichtig. Für mich völlig unverständlich… Ich würde mir in der Beziehung mehr Mut und Aufgeschlossenheit aller Beteiligten wünschen, um zu entdecken was dieses vielseitige Instrument alles kann! Und es kann eine Menge….

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
TF: Musik auf der Bühne zu erleben, ob als Zuhörer oder Musiker bescheren einem viele Glücksmomente. Beeindruckend sind jedoch vor allem die Erfahrungen, die einen die Welt mit anderen Augen sehen lassen…
Zuletzt war das für mich Anton Webern, "Sechs Bagatellen, op. 9" gespielt vom Minguet Quartett im KOM in Olching bei der Eleven-eleven Matinee Konzertreihe. Ein ganzes Universum in ein paar Minuten Musik!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
TF: Wenn während eines Konzertes diese besondere Verbindung zwischen Publikum und Musikern entsteht. Alles ist dann im Fluss, wird unendlich leicht und es macht eine riesige Freude diese Erfahrung miteinander zu teilen.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
TF: In der Regel höre ich sehr gerne was meine KollegInnen so machen… Barockmusik ist mein täglich Brot und es ist immer gut seinen Horizont zu erweitern. Aber so ist Musik hören auch immer mit der eigenen Arbeit verbunden. Zum Vergnügen bin ich seit über 20 Jahren ein großer Fan der Fantastischen Vier. Ich weiß, dass passt jetzt kaum. Überraschung!

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
TF: Ich bin mit der CD aufgewachsen und habe so leider gar keine Beziehung zu Vinyl…

KK: Was lesen Sie momentan?
TF: Ich lese sehr viel. Aber immer zweigleisig, etwas zum Vergnügen und etwas für die Arbeit. Als Musikerin, die sich mit historischer Aufführungspraxis beschäftigt ist es unerlässlich, die Quellen aus der entsprechenden Zeit zu studieren. Das ist so wichtig, denn schließlich gibt es keine CD Aufnahmen aus dem 16., 17. oder 18. Jahrhundert, so dass wir aber zum Glück auf viele schriftliche Traktate, Briefe und Tagebücher zurückgreifen können, um zumindest eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, wie die Musik damals vielleicht geklungen haben könnte. Gerade ist bei mir mal wieder Johann Joachim Quantz „Versuch einer Anweisung die Flöte traversière zu spielen“ an der Reihe.
Zum Vergnügen: Hermann Hesse „Glasperlenspiel“, ein fantastisches Buch!

KK: Was ärgert Sie maßlos?
TF: Grundsätzlich bin ich bestrebt immer das Positive und Nützliche in allen Dingen zu sehen. Selbst wenn einem mal etwas ärgerliches über den Weg läuft, gibt es doch immer doch etwas positives daran. Und sei es nur sich den Tag nicht verderben zu lassen, indem man sich über eine Sache - ob groß oder klein - eben nicht maßlos ärgert.

KK: Was freut Sie ungemein?
TF: Das ist schwierig, es gibt so Vieles über das ich mich freue und vor allem sehr dankbar bin. Aber am meisten denke ich, wenn ich schöne und erfüllende Moment mit meiner Familie verbringe.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
TF: Ich stricke für mein Leben gerne: Schals, Decken, Pullover, Socken,…

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
TF: Ganz ehrlich… Ich schaue nur ganz, ganz selten mal einen Film und Fernsehen eigentlich gar nicht. Beeindruckend finde ich das reale Leben mit echten Menschen, das ist doch viel spannender!

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
TF: Eine Maschine, um in der Zeit zu reisen: Wie gerne würde ich sie Alle mal treffen: Georg Philipp Telemann, die Herren Bach und Georg Friedrich Händel natürlich, Vivaldi nicht zu vergessen und einem kleinen Plausch mit Corelli wäre ich auch nicht abgeneigt, um nur mal die wichtigen zu nennen.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
TF: Auf alle Fälle bin ich ein Teamplayer, als Musiker muss man das auch sein. Ich liebe es insbesondere im Ensemble zu spielen, z.B. mit Colori del barocco. Das Zusammenklingen von Oboe, Violine, Fagott, Cembalo und Blockflöte ist wahnsinnig schön und das miteinander ist dabei ganz essenziell und macht immer besonders viel Freude. Auch im nächsten Konzert am 24. Juni im KOM in Olching zusammen mit Viktor Töpelmann (Violoncello) und Helene Lerch (Orgel und Cembalo) ist perfekte Zusammenarbeit und blindes Verständnis gefragt.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
TF: Ganz klassisch: unter der Dusche!

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
TF: Nichts was man regelmäßig nennen könnte… Am ehesten bin ich noch immer bei facebook zu finden, wobei ich das nur beruflich nutze, um mit anderen Künstlern in Verbindung zu bleiben und man sieht auch immer was alle anderen gerade so machen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
TF: Ich würde gerade die kleinen, mutigen, oft unglaublich tollen und ausgefallen Produktionen, die sich außerhalb der ausgetretenen Pfade des klassischen Konzertbetriebes befinden, fördern. Für mehr Vielfalt und Kreativität!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
TF: … das würde wohl keiner lesen wollen, viel zu langweilig.
Obwohl, der Satz, den ich als Blockflötistin am meisten zu hören bekomme: „Blockflöte, ach das hab ich früher auch mal gespielt!“ wäre vielleicht kein schlechter Titel….

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
TF: Wenn es um meine Zukunft geht, dann wünsche ich mir, dass alles so im Fluss bleibt. Ich plane eigentlich nicht, die Dinge passieren, mit mir oder ohne mich. So wie es jetzt ist, ist für mich ein großes Glück! Für die Zukunft aller Menschen würde ich mir das Wünschen, was wir wohl alle wollen: Frieden, ein Leben ohne Angst und Hunger, vor allem mehr im Einklang mit unserem Heimatplaneten, Rücksicht und Verständnis untereinander.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Dienstag 29.05.2018
Dance First 2018 - Ich liebe die Ästhetik des Tanzes
Von Juni bis Juli 2018 findet im Veranstaltungsforum Fürstenfeld das 2. dance-first-festival statt. An sieben Abenden werden nationale und internationale Stars der zeitgenössischen Tanzszene in die Kreisstadt an der Amper kommen. Mit Malandain Ballett, der Compagnie Käfig und Ballet Preljocaj werden gleich drei Ensembles aus Frankreich mit dabei sein. Hinzu kommt die National Dance Company Wales, das Bayerische Junior Ballett München und fünf Tanzstudios der Region Fürstenfeldbruck. Verantwortlich für dieses besondere künstlerische Ereignis ist das Veranstaltungsforum Fürstenfeld in Zusammenarbeit mit Heiner Brummel als künstlerischem Leiter und der Theaterverein Fürstenfeldbruck. Hier wie angekündigt das Interview mit Heiner Brummel.

KultKomplott: Schon in ihrer seit 2010 künstlerisch betreuten Reihe „theater fürstenfeld“, in der große deutschsprachige Theater vor den Toren Münchens zu Gast sind, waren vereinzelt auch (internationale) Tanzgruppen zu erleben. 2016 konnten sie nun ein kleines, hochkarätig besetztes Festival des Tanzes zusammenstellen. 2018 die Fortsetzung. Wie sind sie jetzt an diese Arbeit herangegangen? 
Heiner Brummel: Nachdem die Tanzaufführungen im Rahmen der Fürstenfelder Theaterreihe sehr gut angenommen wurden, haben der Theaterverein Fürstenfeldbruck und das Veranstaltungsforum den Mut gehabt, dem Tanz mit einem Festival eine noch größere Plattform zu geben. Und dieser Mut hat sich ausgezahlt. ‚dancefirst‘ hat den Besuchern 2016 hochklassige, spannende Aufführungen geboten. Die meisten Zuschauer waren begeistert und es hat sich eine offene, kommunikative Festivalatmosphäre entwickelt, die zahlreiche Begegnungen zwischen Künstlern, Zuschauern und Veranstaltern ermöglicht hat. Auch die Auslastung war mit nahezu 4.000 Besuchern überragend.
Nach diesem Erfolg waren alle Beteiligten hochmotiviert, dieses Festival als biennale Veranstaltung zu etablieren. Wir sind dankbar, dass viele Unterstützer bei der Stange geblieben sind und wir einige neue Förderer gewinnen konnten.
Ein so junges Festival wie ‚dancefirst‘ kann man bei der Zweitausgabe nicht neu erfinden. Wichtiger ist es, auf der Basis der gemachten Erfahrungen die Festival-Strukturen zu festigen und die verschiedenen Aktivitäten weiterzuentwickeln. Das grundlegende Konzept, im Rahmen des Festivals neben erstklassigen internationalen Tanzgastspielen auch Aufführungen von hochbegabten Nachwuchskräften und regionalen Amateurtänzern zu präsentieren, wollen wir beibehalten, da es für alle Beteiligten bereichernd war.
Die begleitenden pädagogischen Projekte, in denen Laien unter Anleitung von professionellen Tanzpädagogen praktische Tanzerfahrungen sammeln können, werden ebenfalls fortgesetzt. Die Zusammenarbeit mit Schülerinnen der Brucker Pestalozzi-Schule ist wieder aufgenommen worden. Auch die Idee, ein gemeinsames Stück mit Tänzerinnen verschiedener regionaler Studios mit den Profi-Choreographen David Russo und Pedro Diaz zu erarbeiten, entstand während des ersten Festivals. Die Uraufführung findet beim gemeinsamen Tanzabend der regionalen Gruppen („Made in FFB“) statt. Desweiteren hat ein neues Tanzprojekt mit älteren Menschen begonnen.

KK: Unter welchen Gesichtspunkten haben Sie das Programm zusammengestellt?
HB: Mit dem Festival wollen wir den kulturellen Dialog fördern und die Vielfalt der künstlerischen Stilrichtungen präsentieren. Nachdem 2016 Kompanien aus 3 Kontinenten zu Gast waren, haben wir in diesem Jahr ausschließlich europäische Tanzensembles eingeladen, da wachsende nationalistische Strömungen, Fremdenhass und Eigeninteressen in zunehmendem Maße auch das friedliche Miteinander in Europa gefährden. Diesen Entwicklungen wollen wir entgegentreten, indem wir Tanzkompanien präsentieren, die für Offenheit, internationale Verständigung und künstlerischen Austausch stehen. Die eingeladenen Tanzstücke beschäftigen sich weniger mit tagespolitischen Themen, sie greifen eher grundlegende Fragen des Zusammenlebens auf und suchen nach verbindenden menschlichen Bedürfnissen, Eigenschaften und Konfliktlösungen. Dabei soll die universelle sinnliche Sprache des Tanzes helfen, die sozialen und kulturellen Grenzen zu überwinden.
Inwieweit die tänzerischen Darbietungen die Zuschauer erreichen, berühren oder nachdenklich stimmen, hängt meiner Meinung nach nicht unwesentlich von der künstlerischen Qualität der Aufführungen ab. Dazu gehören für mich eine spannende, kreative Choreographie und erstklassige Tänzer, die hohes technisches Können und eine große künstlerische Ausstrahlung in sich vereinen. Ich liebe die Ästhetik des Tanzes, die Dynamik und Eleganz der Bewegungen, die tiefe Emotionalität von sinnlichen Körperbildern und lasse mich bei der Auswahl der Stücke von der Virtuosität des tänzerischen Ausdrucks beeindrucken.

KK: Können Sie etwas zu den einzelnen Ensembles bzw. Tanzabenden sagen?
HB: Da der ästhetische Aspekt bei der Suche nach hochklassigen Aufführungen eine große Rolle spielte, habe ich mich nach Sichtung der französischen Tanzszene letztlich für Arbeiten von Thierry Malandain (Festivaleröffnung, Dienstag 19. Juni) und Angelin Preljocaj (Festivalabschluss, Mittwoch 25. Juli) entschieden. Sie offenbaren auf eindringliche Weise nicht nur eine einfühlsame, sinnliche Auseinandersetzung mit den Freuden und Leiden des Lebens, sie haben als Pioniere des modernen Tanzes auch nachfolgende Tanzgenerationen beeinflusst. Ihre Arbeiten markieren den Übergang vom klassischen Ballett zum zeitgenössischen Tanz. Dabei bedienen sie sich stilprägender moderner Ausdrucksformen und dokumentieren so wichtige Phasen der Tanzgeschichte. Die Schönheit und Eleganz ihrer Choreographien ist auf eine einzigartige Weise berührend und berauschend. Thierry Malandain wurde 2017 übrigens zum wiederholten Mal als bester Choreograph Frankreichs ausgezeichnet.
Im Unterschied zu Malandain und Preljocaj repräsentiert die Compagnie Käfig die kreative, junge urbane Tanzszene Frankreichs (Mittwoch 27. und Donnerstag 28. Juni). Ihr Leiter Mourad Merzouki sucht immer wieder die Begegnung mit anderen Tanz- und Kunstdisziplinen und hat den Streetdance zusammen mit seinen akrobatischen Tänzern zu einem originären, hochprofessionellen Tanzstil entwickelt. „Pixel“ gehört zu den spektakulärsten Hip-Hop-Kreationen der letzten Jahre und verschmilzt Tanz mit digitalen 3-D-Projektionen.
Die National Dance Company Wales wiederum präsentiert ein junges, facettenreiches Gesicht der britischen Tanzszene. Da die Kompanie mit verschiedenen Ausnahme-Choreographen zusammenarbeitet, spiegeln sich in deren Stücken auch unterschiedliche künstlerische Handschriften wieder, die vom abstrakten Tanz bis zum Tanztheater reichen. Auch die Tänzerinnen und Tänzer bringen unterschiedliche persönliche Stile ein, die in der Gruppe auf wundersame Weise zu einem harmonischen Ganzen zusammenwachsen (Samstag, 14. Juli).
Viele Facetten des modernen Tanzes zeigen auch die Stücke des Bayerischen Junior Balletts München unter Leitung des ehemaligen Direktors des Bayerischen Staatsballetts, Ivan Li¨ka (Mittwoch, 18. Juli). Im Programm „Münchner Freiheit“ werden verschieden zeitgenössische Stücke junger Choreographen gezeigt, unter anderem von Dustin Klein und Maged Mohamed, die schon bei „Bavarian Summit“ 2016 ihr Können zeigten. Auch die Kontakte zu den anderen jungen Choreographen sind nicht abgerissen. Daneben stehen Werke renommierter Choreographen wie Richard Siegal oder Terence Kohler, neoklassische Stücke runden das Programm ab.
Last but not least werden die regionalen Tanzgruppen am Samstag, den 30. Juni unter dem Titel „Made in FFB“ in verschiedenen Uraufführungen ihr beachtliches Können unter Beweis stellen. Nach deren Aufführung sind alle Festival-Besucher und Tanzbegeisterten eingeladen, eine große Party zu feiern. Für alle Zuschauer, die eine Festival-Veranstaltung besuchen, ist der Eintritt frei.
Nähere Informationen über das Programm finden sich in den öffentlich ausliegenden Programmheften und auf der Festival-Website: www.dancefirst.de

KK: Wer ist ihr ganz persönlicher Favorit?
HB: Da ich sehr lange und intensiv nach geeigneten, hochkarätigen Tanzproduktionen gesucht habe, stehe ich natürlich voll und ganz hinter jeder Aufführung und möchte deshalb auch keine herausheben. Jedes Tanzstück hat seinen eigenen Reiz. Aus meiner Sicht kann ich allen Besuchern spannende Aufführungen versprechen, die die ganze Schönheit, Kraft und Sinnlichkeit des Tanzes erlebbar machen und gleichzeitig mit kritischen Augen auf die wechselhaften, emotionalen Momente des menschlichen Zusammenlebens blicken.
Den Fußball-Fans sei noch gesagt, dass sie beim Besuch der Festival-Veranstaltungen kein Spiel der DFB-Elf verpassen.


Autor: Siehe Artikel
Dienstag 22.05.2018
Dance First 2018 - Höchste künstlerische Qualität auch abseits der Metropole München
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Von Juni bis Juli 2018 findet im Veranstaltungsforum Fürstenfeld das 2. dance-first-festival statt. An sieben Abenden werden nationale und internationale Stars der zeitgenössischen Tanzszene in die Kreisstadt an der Amper kommen. Mit Malandain Ballett, der Compagnie Käfig und Ballet Preljocaj werden gleich drei Ensembles aus Frankreich mit dabei sein. Hinzu kommt die National Dance Company Wales, das Bayerische Junior Ballett München und fünf Tanzstudios der Region Fürstenfeldbruck. Verantwortlich für dieses besondere künstlerische Ereignis ist das Veranstaltungsforum Fürstenfeld in Zusammenarbeit mit Heiner Brummel als künstlerischem Leiter und der Theaterverein Fürstenfeldbruck. Norbert Leinweber vom Veranstaltungsforum spricht hier über die Ambitionen ein derart hochkarätig besetztes Tanzfestival zu organisieren.

KultKomplott: Nach dem dancefirst-Festival 2016 gibt es in diesem Jahr, vom 19. Juni bis zum 25. Juli, in ihrem Haus einen zweiten Jahrgang dieser damals schon überaus erfolgreichen Veranstaltung. Wann fiel die Entscheidung für eine Fortsetzung?
Norbert Leinweber: Schon bei der ersten gemeinsamen Nachbesprechung zwischen dem Veranstalter (Theaterverein Fürstenfeldbruck), dem Künstlerischen Leiter (Heiner Brummel) und den Veranwortlichen des Veranstaltungsforums zeigte sich, dass alle Beteiligten eine Wiederholung des Tanzfestivals anstreben. Schließlich hatte der große Erfolg der Premiere von dancefirst – u. a. 3.900 begeisterte Besucher, sprich eine Gesamtauslastung von 95 % - alle Erwartungen weit übertroffen. Problematisch waren bei der Neuauflage allerdings noch die Finanzierung und die Suche nach geeigneten Produktionen. Mit der Zusage einer Förderung durch den Bezirk Oberbayern konnte das Projekt dann im März 2018 endgültig „auf grün gestellt“ werden. Erfreulicherweise wird das Festival außerdem durch den Bayerischen Landesverband für zeitgenössischen Tanz (BLZT) sowie durch das Engagement von privaten Sponsoren gefördert. Bereits vorher hatte sich unser Künstlerischer Leiter schon erfolgreich auf die Suche nach geeigneten attraktiven Aufführungen gemacht.

KK: Es ist eine Lebens-Erfahrung, dass etwas Neues zu konzipieren nicht unbedingt das Problem ist. Schwieriger scheint es, die selbst gesteckte und vom Publikum angenommene Qualität in Folge auf gleichem Level zu halten. Hat sich unter diesem Aspekt die Planung und Realisation gegenüber 2016 diesmal geändert?
NL: Uns ist klar, dass wir das hohe Niveau des Festivals und die besondere Qualität der gezeigten Produktionen unbedingt wieder erreichen müssen. Aus diesem Grund betreiben wir auch diesmal wieder einen erheblichen technischen und organisatorischen Aufwand. So wird zum Beispiel extra für die beiden „Pixel“-Aufführungen der Compagnie Käfig im Parkett des Stadtsaals eine spezielle Publikumstribüne installiert, die eine optimale Sicht aller Gäste bei dieser spektakulären Aufführung garantiert. Tänzer und Artisten werden hier zu einem Teil der virtuellen Welt und erschaffen mit ihren Bewegungen Bilder, die Illusion und Realität vollständig verschmelzen. Insgesamt können wir aber jetzt ja auch auf einige Erfahrungen sowie auf ein eingespieltes Team und Netzwerk zurückgreifen.

KK: Die Zusammenarbeit des Veranstaltungsforums Fürstenfeld mit Heiner Brummel geht mittlerweile ins neunte Jahr. Wie gestaltet sich das Miteinander, in dem künstlerische und organisatorisch-finanziellen Aspekte mit Heiner Brummel?
NL: Heiner Brummel und uns verbindet der gemeinsame Wunsch, erstklassige Veranstaltungen anzubieten, die sich von üblichen Stadthallenprogrammen abheben. Um dieses Ziel – trotz eines begrenzten Budgets – zu erreichen, arbeiten wir eng und intensiv zusammen. Dadurch ist die Kooperation natürlich nicht ganz frei von Anstrengungen und Reibungen, aber immer partnerschaftlich und vertrauensvoll. Kurz: Beide Seiten wissen und schätzen, was sie aneinander haben und machen Fürstenfeld so zu einer außergewöhnlichen Kulturspielstätte.

KK: Was wünschen Sie sich vom dancefirst-Festival 2018?
NL: Eine möglichst große Resonanz bei Publikum und Medien, begeisterte Gäste, pannenfreie Aufführungen und einen anregenden kulturellen Austausch zwischen Frankreich, Wales und Deutschland. Unser dancefirst-Festival soll sich etablieren und beweisen, dass höchste künstlerische Qualität auch abseits der Metropole München möglich ist.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 01.05.2018
Sissi Gossner – Hauptsache gute Musik
Bilder
Sissi Gossner leitet seit 1993 das Odeon Tanzorchester. Sie ist somit eine der ganz wenigen Kapellmeisterinnen in Europa. Im Programm der Formation finden sich Kompositionen aus den 1920er bis 1940er Jahren. Swing und Tanzmusik, Tango und Schlager in Originalarrangements sind die Spezialität des Orchesters, das wahlweise auch in anderen Besetzungen, vom Trio bis zur Big Band, auftreten kann. Sissi Gossner spielt mit ihrem Ensemble zum Konzert, begleitet Tanzveranstaltungen und ist mit ihrer Trichtervioline immer wieder Gast in Fernsehshows und Galaveranstaltungen.
Am 5. Mai tritt das Odeon Tanzorchester unter dem Motto „Leben pur“ im Bürgerhaus in Garching am Rathausplatz 3 auf. Beginn des Konzerts ist um 20.00 Uhr

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Sissi Gossner: Mein Volksschullehrer hat die ersten Weichen gestellt: es gab die unterschiedlichsten Musikgruppen und Chöre an der Schule und ich durfte einfach überall mitmachen. Auch die Zeit im Schulorchester und meine Lehrer im Studium haben mich sehr beeinflusst, vor allem der wunderbare Urs Stiehler und auch Kurt Maas. Und als ich in dem von der Schule veranstalteten Tanzkurs die Musik von Hugo Strasser hörte, war ich total von seiner Big Band begeistert und hätte mir nicht im Traum einfallen lassen, dass ich mal mit diesen wunderbaren Musikern zusammen Musik machen dürfte. Als ich dann Musik vom Pasadena Roof Orchester hörte und die berühmten Bands der Swingära, hatte ich “meine Musik” gefunden, die einfach genau zu mir passt.
 
KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
SG: Dass viele super Musiker diese Art von Musik machen können und wir viele Menschen mit unserer Musik berühren.
 
KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
SG: Was mich total nervt ist Unzuverlässigkeit und dass in den meisten anderen Berufen für eine ähnlich hohe Qualität ein mehrfaches an “Gage” bezahlt wird.
 
KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
SG: Dass es viele junge Menschen auf der ganzen Welt gibt, die sich für eine friedlichere und “bessere” Welt einsetzen und sich auch durch massive Bedrohung nicht einschüchtern lassen.
 
KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
SG: Wenn die ganze Band, das ganze Orchester, zusammen einen “Flow” erlebt und alles passt. Und wenn ich zusammen mit den Musikern des Mittenwalder Jugendorchesters (auch mit den ganz Kleinen 5-jährigen) “echte” Musik machen kann.
 
KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
SG: Außer der Musik, die ich eh mache, gefällt mir vieles: zB Klassik, Musical, Operette oder auch mal echte bayrische Musik.
 
KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
SG: Das ist egal, Hauptsache gute Musik.
 
KK: Was lesen Sie momentan?
SG: Eine Biographie über Maria Callas.
 
KK: Was ärgert Sie maßlos?
SG: Ungerechtigkeit.
 
KK: Was freut Sie ungemein?
SG: Dass man sich beim Musik machen auch ohne Worte und über Landesgrenzen hinaus super versteht.
 
KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
SG: Da ich auch gerne Schreiner geworden wäre, habe ich schon alles mögliche selbst gezimmert. Von Regalen, bis Sofa und Tisch ...
 
KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
SG: Ullrich Tukur finde ich generell wahnsinnig gut und die Filme von Ginger Rogers und Fred Astaire finde ich bezaubernd. Ein/e Schauspieler/-in in einem speziellen Film fällt mir gerade nicht ein.
 
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
SG: Wenn man es nicht negativ benutzen könnte, würde ich gerne meine Musiker “klonen” können, dann hätte ich immer Ersatz, wenn einer mal ausfällt..., oder dass man sich irgendwohin beamen lassen kann, wie bei “bezaubernde Jeannie” damals.
 
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
SG: Als Einzelkämpfer empfinde ich mich zu hause beim Organisieren, aber beim Musik machen ist man natürlich ein Team.
 
KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
SG: Morgens im Bett, wenn ich in Ruhe ausschlafen kann.
 
KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
SG: Meistens irgendwas mit Musik.
 
KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
SG: Als erstes würde ich ändern, dass ich nicht nur einen Tag Staatsminister wäre, sondern so lange, bis ich darauf Einfluss hätte, dass das ”Geld” auf der Welt gerechter verteilt wird. Müsste also wahrscheinlich ewig dort arbeiten ...
 
KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
SG: “Nicht ohne meine Musik”
 
KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
SG: Wenn man die jetzige Welt so betrachtet eher gruselig, aber ich hoffe, dass sich die Menschen mit Verstand und Herz nicht unterkriegen lassen.
 
 
Autor: Siehe Artikel
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.