Blickpunkt:
Interview
Interview
Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Fritz Egner - „Mein Leben zwischen Rhythm and Blues“

1

Christian Ludwig Mayer - Handgemacht und live gespielt

2

Winfried Frey - Reibung erzeugt Energie

3

Julia Biel - Der Musiker von heute muss viele Hüte tragen

4

Chris Gall – Was will man mehr?

5

Simone Solga - Fragen Sie doch mal den BND

6

Ältere Artikel finden Sie im Archiv:
Startseite, Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5, Seite 6, Seite 7,

Bilder
Sonntag 10.12.2017
Fritz Egner - „Mein Leben zwischen Rhythm and Blues“
Fritz Egner hat mit seinem Geschmack mindestens eine Generation von Musikliebhabern geprägt. Als Radio- und Fernsehmoderator gehörten seine Sendungen, noch weit vor der Erfindung des Internets, zu den Informationsquellen schlechthin – was Neuerscheinungen und Hintergründe im Bereich von Rock, Blues und Soul angeht. Seine Interviews, zum Beispiel mit Rod Stewart, James Brown, Madonna und Mick Jagger, sind legendär.
Begonnen hat er 1974 beim amerikanischen Sender AFN in München. Fünf Jahre später wechselte er zu Bayern 3. Er war stellvertretender Verlagsleiter bei “Warner Bros. Publishing”, was ihm, nach eigenen Angaben einen intensiven Einblick in das Leben hinter die Kulissen des Musikgeschäfts ermöglichte. Er moderierte die ARD-Sendung „Dingsda“, den „Jahresrückblick“, das „Klassentreffen und die „Glücksspirale“.
Am Mittwoch 13. Dezember ist Fritz Egner zu Gast in Fürstenfeld und wird dort in der Reihe „Literatur in Fürstenfeld“ „einen Trip in die Zeit der Beat- und Rockmusik der 1960er und 1970er Jahre“ unternehmen. „Eine Liebeserklärung an die beste Musik aller Zeiten!“ 

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Fritz Egner: Leidenschaft für Musik und Information mit anderen teilen zu dürfen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
FE: Impulse geben, um auf Neues aufmerksam zu machen oder Historisches in Erinnerung zu rufen.
Pop Musik Geschichte unterhaltsam vermitteln.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
FE: Höchstens mit der Technik, die ich nicht umfangreich beherrsche. Dafür gibt es aber beim Bayerischen Rundfunk Männer und Frauen, die mir dabei helfen wenn nötig.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
FE: Begegnungen mit meinen Hörern im Zuge meiner Lesungen überall in Bayern. Ich hatte nicht annähernd bedacht, dass ich doch einige Menschen über die Jahrzehnte erreicht habe und deren Musik Geschmack nachhaltig beeinflussen durfte.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
FE: Begegnungen mit Musikern, die mich geprägt, beeindruckt oder sogar in meiner Sicht der Dinge verändert haben.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
FE: Je nach Stimmung und Situation und da lege ich mich nicht fest. Aber Black Music der 1960er und 1970er Jahre hat mich mit ihrer Dynamik und Kraft am stärksten emotional erreicht.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
FE: Aus praktischen Gründen vorwiegend CD, Vinyl sehr gerne, aber selten.

KK: Was lesen Sie momentan?
FE: James McBride "Black and proud".

KK: Was ärgert Sie maßlos?
FE: Ignoranz, Populismus ohne Lösungsansatz, Machtmissbrauch.

KK: Was freut Sie ungemein?
FE: Zuspruch meiner nächsten Umgebung und meiner Hörer.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
FE: Jamie Foxx als Ray Charles in dem Film "Ray"

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
FE: Einzelkämpfer

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
FE: Beim Joggen oder Wandern alleine in der Natur.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
FE: Spiegel online, Bild online, New York Times und Dusty Grooves.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
FE: Die gibt’s schon. „Mein Leben zwischen Rhythm and Blues“.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
FE: Das hab ich aufgegeben. Zukunft ist kein Wunschkonzert.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 06.12.2017
Christian Ludwig Mayer - Handgemacht und live gespielt
Bilder
Bilder
Am 16. Dezember ist es soweit. Das Mysterienspiel „Wuide Hetz“ hat in Fürstenfeld Premiere. Die Musik für diese Fürstenfelder Rauhnachtsgeschichte stammt von Christian Ludwig Mayer. Der Allgäuer Komponist, Pianist und Multiinstrumentalist war unter dem Pseudonym Ludwig Auwald über mehrere Jahre musikalischer Leiter der Nibelungenfestspiele in Worms, sowie der Dresdner Zwingerfestspiele. Beides unter der Intendanz und Regie von Dieter Wedel. Er arrangierte und komponierte für BR-Produktionen wie „SüßStoff”, „Otti’s Schlachthof” oder „Brettl-Spitzen”. Daneben schreibt er Ballettmusik, Kammermusik und eine Fülle von Jazzkompositionen.


KultKomplott: Herr Mayer, Sie haben die Musik zum Mysterienspiel „Wuide Hetz“, das am  16. Dezember in Fürstenfeld Premiere hat, geschrieben. Wie kam der Kontakt mit dem Veranstaltungsforum zustande und gab es gegenüber ihrer Arbeit irgendwelche Vorgaben?
Christian Ludwig Mayer: Der Kontakt kam über Winfried Frey zustande. Wir beide wollten den Themenbereich "Rauhnacht" seit längerem in einem größeren Rahmen aufgreifen. Es sollte eine Art "Musiktheater" werden, was es mit ca. 60 Minuten auskomponierter Musik auch geworden ist. Das Ganze war geplant als Familienstück. Nach Möglichkeit in Zusammenarbeit mit örtlichen Musikern/Vereinen.

KK: Auffällig ist in ihrem musikalischen Schaffen die Vielfalt, die unterschiedlichen stilistischen Bereiche, in denen Sie sich bewegen. Welche Musik wird das Publikum von ihnen am 16. Dezember hören?
CLM: Wir sprechen von einem Stück, das in der Weihnachtszeit spielt. Die Ikonographie unserer Weihnachtsdarstellungen stammt größtenteils aus dem 19. Jahrhundert. Das Gleiche gilt für die Darstellung der Sagenfiguren. Man braucht sich nur die Illustrationen zu den Sagensammlungen der letzten 200 Jahre anzuschauen. In fast allen dominiert als "fiktive Gegenwart" der Handlung das 19. Jahrhundert.
Es ist naheliegend diese Epoche auch musikalisch anklingen zu lassen. Dafür waren mehrere musikalische Traditionsstränge für mich wichtig. Zum Ersten die Tradition der Zauberopern des 19. Jahrhunderts bzw. Ballett- und Bühnenmusiken zu Stücken, die in fantastischen Welten spielen (als bekanntestes Beispiel Mendelssohns Schauspielmusik zum "Sommernachtstraum" ). Auch Carl Maria von Webers "Freischütz" gehört hierher. Auch dieser Stoff entstammt der Volkssage. Das zweite Element ist das der sogenannten Volksmusik, die großteils auf der Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts beruht. Zum Dritten kommen musikalische Assoziationen wie man sie aus Märchenfilmen der 1950er Jahre her kennt.
Musikalisch versuche ich trotz alledem eine in sich geschlossenen Systemordnung zu schaffen. Wie die Handlung des Stücks überhöht wird durch das übernatürliche Element, so benutze ich Stilmittel anderer Epochen oder kompositorische Eigenarten, um eben jenen stilistisch zeitlosen Raum zu beschreiten, der meines Erachtens nach den Handlungsorten der Sagen, Märchen und Legenden entspricht.
Ein Beispiel: Es gibt Stiefel und Stiefel. Stiefel an sich sind wohl eher etwas Profanes. Im Märchen werden daraus jedoch Siebenmeilenstiefel oder die Stiefel eines sprechenden Katers. Magische Alltagsgegenstände einer Zauberwelt.  Folglich ist ein "Landler" zwar ein "Landler," aber kombiniert mit barocken Elementen und neoklassizistischer Ästhetik kann dieser eben mit "magischen" Eigenschaften musikalischer Natur versehen werden.
Man könnte die Musik streckenweise wohl auch einfach zeitgenössisch als "klassisch-ländlichen Steampunk" interpretieren. Hier ist gerade die kleine Musikerbesetzung das Reizvolle für mich. Die Geschichten von der wilden Jagd wurden in Handwerker-, Wirtshaus- und Bauernstuben und nicht an Fürstenhöfen erzählt. Dem entspricht die kleine kammermusikalische Besetzung. Um so schöner, wenn sich das eine oder andere Instrument mal etwas aufplustern darf. Die kleine Besetzung verlangt in unserem Fall dem einzelnen Instrumentalisten einiges mehr ab, als dies bei einem Orchester der Fall gewesen wäre. Die Partitur könnte aber auch problemlos von einem Streichorchester mit Solisten aufgeführt werden.

KK: Nach welchen Kriterien haben sie sich beim Komponieren für die „Wuide Hetz“ leiten lassen?
CLM: Von der Liebe zur Thematik und der Umsetzbarkeit im gegebenen Rahmen.

KK: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Winfried Frey?
CLM: Wir kommen aus zwei verschiedenen Welten und das ist auch das Spannende. Theater ist Theater, Musik ist Musik. Diese beiden Welten zusammenzuführen ist immer inspirierend. Ich habe mit so gegensätzlichen Regisseuren wie Dieter Wedel oder Gil Mehmert gearbeitet. Der letztere ist für einen Musiker der Idealfall, da er selbst einige Jahre Musik studiert hat. Da spricht man die gleiche Sprache.
Mit Winfried Frey verbindet mich dagegen eine gemeinsame Vorliebe für Stoffe wie dem der "Wuiden Hetz" und die Faszination für den Kulturraum „Land“ der in vieler Hinsicht unterschätzt wird, leben wir doch in einer vom „urbanen Lifestyle“ dominierten Epoche.

KK: Hatten Sie von Beginn an ein bestimmtes Klangbild im Ohr? Oder hat sich die Musik während des Prozesses des Komponierens ergeben?
CLM: Ich mache stilistische Skizzen, notiere mir das eine oder andere Motiv. Manchen Volksliedern im Stück schneidere ich ein neues musikalisches Gewand. Ich möchte einen Stoff dieser Art nicht demonstrativ mit elektronischer Musik oder atonalen, abstrakten Kompositionstechniken kollidieren lassen, um ein fragwürdiges künstlerisches Statement in den Raum zu stellen. Diese Technik hat auch schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. Das Stück soll ein Familienstück sein. Die Musik soll eindeutig und klar sein - ohne intellektuellen Subtext. Ich empfinde diese Art künstlerischer Freiheit auch als zeitgenössisch.
Das Klangbild resultiert aus der Beschaffenheit des Klangkörpers: Streichquintett+Percussion+Klarinette+Horn, dazu die schöne Gelegenheit mit Teilen des philharmonischen Chores FFB zusammenzuarbeiten.
Die Musik ergibt sich während des Prozesses des Komponierens, dazu muss man nicht am Schreibtisch oder am Instrument sitzen. Das ist Kopf- und Empfindungsarbeit. Stille ist die Werkstatt der Musik. Manches schreibt man dann in einem Zug, anderes muss eine Zeitlang ruhen, damit man wieder mit klarerem Kopf sieht, was man da eigentlich gerade macht. Manches ist wie modellieren, schnitzen. Theatermusik ist Programmmusik. Die Freiheiten der reinen Instrumentalmusik gehen natürlich weiter.
Ich lege immer wert darauf, dass meine Musik handgemacht und live gespielt ist. Ein Großteil der Theatermusiken wird zunehmend mit elektronischen Mitteln erzeugt. Der Mensch wird nun schon einige Jahrzehnte durch die fortwährende Zwangsberieselung mit elektronischer Musik dem Klang traditioneller Instrumente entfremdet, so wie er auch immer mehr der Natur entfremdet wird. Das Resultat sehe ich leider täglich. Für mich hat ein Ton dann die größte Qualität wenn er eine menschliche Geschichte erzählt und auch vom Menschen erzeugt wird. Und gerade die Graubereiche, die beim Live-musizieren entstehen, machen es spannend für mich. Dann entsteht auch Neues. Außerdem bin ich Musiker und kein Maschinist.

KK: Wie lang ist ungefähr der Zeitraum, vom Auftrag, bis hin zur ersten Probe?
CLM: Die ersten Gespräche wurden Anfang 2016 geführt. Wir haben zunächst am Gesamtkonzept und der Infrastruktur gearbeitet.  Konkret konnte ich mit der Arbeit an der Partitur nach Erhalt der Textvorlage und dem Feststehen der beteiligten Musiker beginnen. Das war Pfingsten 2017. Die erste musikalische Probe mit einem Großteil der Musiker fand Mitte Oktober statt. Unsere erste Gesamtprobe mit Chor und Musikern wird erst am 11.12 stattfinden. Es bleibt spannend.

KK: Wie hat sich die Auswahl der Musiker gestaltet. Gab es auch hier, wie im Bereich der Schauspieler, eine Art CASTING?
CLM: Zunächst sollte die Produktion mit einem regionalen Klangkörper gestaltet werden. Diese Idee ließ sich leider nicht verwirklichen. An die Ausarbeitung der Partitur konnte ich mich machen, nachdem ich wusste, für wen ich da schreibe. Natürlich macht es einen Unterschied, ob professionelle Musiker oder Laien musizieren, ob kammermusikalisch oder orchestral gedacht werden muss. Das Ziel musste die Umsetzbarkeit des Projekts sein. Deshalb habe ich im Juni nach Absprache mit dem Veranstaltungsforum FFB beschlossen, meine bestehenden Musikerkontakte zu nutzen, um ein spielfähiges Musikerensemble unter dem Namen "Auwald Consort" für die "Wuide Hetz" zusammenzustellen. Ich freue mich sehr, dass sich einige meiner geschätztesten Kollegen bereit erklärt haben, relativ kurzfristig mitzuwirken. Das sind die Geiger Ludwig Hahn und Sergey Didorenko, die Bratschistin Duscha Ernst, der Cellist Philipp von Morgen, Klarinettist Jaroslaw Haber, Percussionist und Hornist Ludwig Himpsl sowie meine Freunde vom "Auwald Trio": Ludwig Leininger am Kontrabass und Lorenz Hunziker-Rutigliano am Schlagzeug.

KK: Wie sind sie selbst mit dem Ergebnis zufrieden?
CLM: Das Ergebnis steht für mich erst nach der Premiere fest.

KK: Was sind Ihre nächsten Pläne?
CLM: Zuerst werde ich mal richtig ausschlafen. Dann möchte ich mit meiner Frau und meinen Kindern die Adventszeit genießen und das alte Jahr nach Möglichkeit ruhig ausklingen lassen. Das neue Jahr beginnt mit ein paar Konzerten meines Auwaldtrios. Zur Zeit laufen Gespräche für Kompositionsaufträge bzw. Gastspiele in Irland, London, Mexico und den U.S.A.. Daneben steht im Frühjahr eine Tonträgerproduktion in Freiburg an, bei der ich als Pianist und Arrangeur tätig bin. Mein nächstes Jahr wird vorrangig der Kammermusik gewidmet sein. Und dann kommt natürlich auch das tägliche Brot dazu: meine Finger müssen fürs Klavier fit gemacht werden, dann gibt es eine Menge der sogenannten "Mucken" die viele von uns Musikern benötigen, um zu überleben und meine Tätigkeit als künstlerischer Leiter und Vorstand des "Musischen Zentrums Altusried". Ich hätte auch gerne mal Urlaub.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 29.11.2017
Winfried Frey - Reibung erzeugt Energie
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Am 16. Dezember ist es soweit. Das Mysterienspiel „Wuide Hetz“ hat in Fürstenfeld Premiere. Regie führt bei dieser stimmungsvollen Produktion Winfried Frey. Der Münchner ist Schauspieler, Autor, Regisseur, Moderator, Coach und Kabarettist in Personalunion. Einem breiten Publikum ist er aus zahlreichen Fernseh- und Theaterproduktionen bekannt. Sei es aus dem Komödienstadel, als Waldarbeiter im „Forsthaus Falkenau“, Bauamtsleiter in „Der Kaiser von Schexing", Bösewicht in verschiedenen Krimiserien wie „SOKO 5113“, „Tatort“, „Rosenheim Cops“, sowie als Polizist in Franz Xaver Bogners Kultserie „München 7“. Zehn abendfüllende Theater-, Musiktheaterstücke und -bearbeitungen, sowie zwei Einakter und etliche Starkbierprogramme, - reden und Kabarett-Texte gehen auf sein Autorenkonto. Darunter am Stadttheater Neuburg an der Donau mit „Theo Berger - Bruchstücke", der erfolgreichsten Produktion in der 160-jährigen Geschichte des Theaters. „Wuide Hetz" ist bereits die dritte Zusammenarbeit mit dem Komponisten Christian L. Mayer.

KultKomplott: Herr Frey, können Sie mit wenigen Sätzen die Handlung des Stückes „Wuide Hetz“ zusammenfassen?
Winfried Frey: Der Mensch (in unserem Fall durch das Kind Emi dargestellt) ist völlig überlastet mit den Geißeln der heutigen Zeit. Ausgelöst durch den Termindruck und die andauernde Unruhephase durch Computer, Smartphones, Social-Medien und dergleichen, fällt Emi in einen Tagtraum und findet sich in der "Anderswelt" wieder. Dort leben phantastische Gestalten, wie die Nebelfrau, kleine Wichtelmänner, Perchten nebst ihrer Anführerin Perchta und einige weitere undurchschaubare Kreaturen. Plötzlich entschleunigt, lernt Emi schnell, dass gerade in der "staaden Zeit", innere Einkehr und Besinnung angesagt sind. Sie hat große Angst ob sie zu sich (sinngemäß: nach Hause zu ihren Eltern) zurückfinden kann. Es gibt auch Mächte die dies verhindern wollen. Helfen Gefühle wie Freundschaft, Vertrauen, Bodenständigkeit? Gibt es ein Happy-End?

KK: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Veranstaltungsforum Fürstenfeld?
WF: Christine Hochenbleicher und Norbert Leinweber kenne ich schon seit einigen Jahren, da ich Jurymitglied beim Kleinkunstwettbewerb Paulaner Solo im Veranstaltungsforum bin. Sie haben mich darauf angesprochen, ob ich Lust auf das Thema und die Umsetzung hätte. Nach zwei, drei Tagen Entschleunigung und Nachdenken - ohne technische Hilfsmittel (grins) - habe ich die Aufgabe sehr gerne übernommen.

KK: Was hat sie an der Inszenierung eines Mysterienspiels besonders gereizt?
WF: Die Möglichkeit, Genreübergreifend zu arbeiten und verschiedene kreative Darstellungsmöglichkeiten miteinander zu kombinieren. Schauspiel, Puppenspiel, Musik, Gesang, Tanz, unterstützt von kreativer Licht- und Tontechnik. Auch der Wunsch, ortsansässige Vereine, Musikanten und weitere motivierte Personen zu integrieren, hat meinen Spieltrieb angeregt.

KK: Von wem stammt die Vorlage für die „Wuide Hetz“?
WF: Vorlage für die Wuide Hetz gibt es - wie man es sehen will - keine oder sehr viele. Zu Grunde liegt altes Brauchtum und Tradition. Die Handlung ist fiktiv und völlig frei erfunden. Der Titel ist aus der traditionellen "Wilden Jagd" entstanden. Da die Produktion ja heimatnah und in Bayern verwurzelt sein soll, haben wir uns mit den Sagen und Überlieferungen um Fürstenfeldbruck herum befasst, aus denen dann die eine oder andere Figur als Vorlage für ein Wesen im Stück diente. Sowohl Produktion als auch ich wollten ein Stück mit Musik. Deshalb habe ich sehr schnell den Komponisten Christian Ludwig Mayer ins Boot geholt. Wir kennen uns schon etliche Jahre und haben davor schon zweimal zusammen gearbeitet. Gemeinsam haben wir uns dann immer weiter in das Thema und die Musikgestaltung reingebohrt, haben uns mit den Brucker Perchten und dem Berchtesgadener Maskenschnitzer ausgetauscht, Überzeugungsarbeit geleistet und letztlich wurde die "WUIDE HETZ - eine Fürstenfelder Rauhnachtsgeschichte" geboren.
(lächelnd) Also wenn Sie so wollen, dann ist Christine Hochenbleicher die Mutter und Norbert Leinweber, C.L. Mayer und meine Wenigkeit sind die Väter dieser wilden Tochter.

KK: Das Schauspielerensemble setzt sich zusammen aus Profis und Amateuren. Nach welchen Kriterien haben Sie die Schauspieler ausgewählt?
WF: Da es eine gemeinsame Entscheidung mit Christine Hochenbleicher war, dass wir ein Kind in der Hauptrolle sehen, haben wir über das Veranstaltungsforum ein professionell angelegtes Kindercasting gemacht. Dabei haben wir uns für Jasmin Hallbauer entschieden, die mit einer unwiderstehlichen Natürlichkeit und kindlicher Kraft auf der Bühne steht. Als Zweitbesetzung haben wir Paula Schneider Mendoza ausgewählt. Wie sich rausstellte, eine der besten Freundinnen von Jasmin.
Annette Schregle, die Darstellerin der Göttin Perchta kenne ich schon viele Jahre aus gemeinsamen Produktionen. An Ihr schätze ich sehr Ihre professionelle Vielseitigkeit, wie sie auch körperlich wirkungsvoll auf der Bühne agiert und ihre Power.
Martin Köhler ist eine der wichtigsten Abteilungsleiter innerhalb der Produktion geworden. Den professionellen Puppenspieler aus dem Münchner Marionettentheater kenne ich sehr lange. Wir haben etliche gemeinsame Projekte mit dem Intendanten des MüMa Siegfried Böhmke verwirklicht. Der uns übrigens auch sehr im Hintergrund unterstützt hat. Martin hat nicht nur die Koordination und Choreografien mit den AmateurpuppenspielerInnen erarbeitet, sondern auch alle Puppen die wir im Stück verwenden - 9 an der Zahl - gestaltet und gebaut. Zudem spielt er selbst, nicht nur die eine oder andere Puppe, sondern auch die Figur des "Kopflosen".
Die Brucker Perchten um Klaus Trnka, der Trachtenverein und die Chöre, sowie die unermüdliche Kostümbildnerin Beate Heinsius waren Empfehlungen von Christine Hochenbleicher, die ich sehr gerne mit integriert habe.
Das Musikensemble hat Christian zusammengestellt und dabei ebenfalls die Wünsche der Produktion berücksichtigt.
Ein zusätzliches Glück ist, dass das Haus eine unglaublich kreative und willige Technikabteilung hat, die wirklich immens zum Gelingen des Projektes beitragen.
Nicht zu vergessen die Produktion selbst. Christine Hochenbleicher, Norbert Leinweber, Marita Kuhn, Oliver Kayser stehen voll und mit Rat und Tat hinter der WUIDEN HETZ.

KK: Gab es im Vorfeld besondere Schwierigkeiten zu bewältigen?
WF: (grins) Schwierigkeiten? NEEEIN, wo denken Sie hin... (lächelnd) Reibung erzeugt Energie. Es gibt wohl kaum eine Firma mit um die 90 Angestellten - wir haben um die 90 Mitwirkende - wo es nicht mal zwischendrin Diskussionen gibt. Jede Abteilung hat ihre eigenen Befindlichkeiten und die muss man zu einem großen runden Ganzen zusammenkriegen. Gott sei Dank haben wir mit Christine Hochenbleicher und Norbert Leinweber zwei langjährig routinierte Produzenten, die mich als erfahrenen Regisseur bestens ergänzen, so dass wir das Schiff immer wieder sehr gut ins Fahrwasser lenken. Was zählt ist, eine lustvolle Probenzeit - die haben wir - und das Endprodukt. Und das wird klasse.
Autor: Siehe Artikel
Montag 13.11.2017
Julia Biel - Der Musiker von heute muss viele Hüte tragen
Bilder
Bilder
Julia Biel gehört die Zukunft. Als Sängerin im Zwischenreich von Blues, Jazz und Pop. Sie „hat eine Stimme, die sich unter die Haut schiebt, die die glattpolierten Oberflächen des schnöden Entertainments verlässt und in tiefere Schichten vordringt“, urteilte die Süddeutsche Zeitung. Und die Neue Zürcher Zeitung schrieb über ihre Stimme: „ ….ein geschmeidiges Organ, dessen unverkennbares Timbre irgendwo zwischen Billie Holiday (ein Vergleich, der sich hier wirklich aufdrängt) und Tracey Thorn (Everything But the Girl, Massive Attack) angesiedelt ist“.
London ist genau der richtige Ort für diese Art von Musik. Traditionen, kulturelle Einflüsse, starke, eigenwillige Persönlichkeiten – alles ist hier zu finden und alles passt zu Julia Biel. Im August ist ihr neues Video „Wasting Breath“ erschienen, das dazugehörige Album „Julia Biel“ erscheint im Februar kommenden Jahres.
Wer die Londonerin im Oktober letzten Jahres in Fürstenfeld erlebt hat, wird diesen Auftritt nicht vergessen. Also: Veranstalter aufgepasst - Julia Biel gehört die Zukunft!

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Julia Biel: Das Leben ist eigenartig - eins führt zum anderen und nie kann man zurückkehren. Ich habe Musik immer tief geliebt und fühlte mich immer zur Musik hingezogen, wollte mich durch Musik ausdrücken.  Ich muss auch unbedingt sagen, was ich meine, auch wenn es keinen Platz in der Britischen Gesellschaft hat. Im Songwriting habe ich das einziges Forum gefunden, wo ich das Beste aus diesen meinen Eigenschaft machen kann! Als ich dann professionell als Sängerin angefangen habe, habe ich viele Angebote entschieden ausgeschlagen. Ich wollte mich nicht von meiner eigenen künstlerischen Vision verabschieden. 

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JB: Mein Ziel ist es, einer Welt musikalisch Ausdruck zu geben, in der ich mich zu Hause und verstanden fühle. Wo man unsagbares sagen darf, wo man gestehen kann, daß man etwas undenkbares denkt, wo ich mich verlieren darf. 

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JB: Künstler in unserer heutigen Welt zu sein, ist wie schwimmen gegen den Strom. Das heißt, es ist auf jede Weise herausfordernd!  Vielleicht war es ja immer so. Ich denke, es muss in der Stellenbeschreibung eines Künstlers stehen, dass man die Herausforderungen gleichzeitig genießen sollte. Der Musiker von heute muss viele Hüte tragen. Wobei eine der größten Schwierigkeiten ist, für alles genug Zeit zu finden – wie für dieses Interview  ;)

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JB: Mir ist es fast unmöglich, auf Sachen oberflächlich zu reagieren. Wir leben in quälenden Zeiten und vieles berührt mich sehr. Viele Dramen spielen sich dann in meinem Kopf ab, die durch das Songwriting hochgespült werden. Es muss auch irgendwie herauskommen, sonst werde ich wahnsinnig, flippe aus. Songwriting ist meine Art, die wichtigen Dinge zu sortieren, zu filtern, so dass ich den Rest abwerfen kann.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JB: Wenn ich das Gefühl bekomme, dass ein Lied, das ich bearbeite, fertig ist. Dann fühle ich mich ein echtes Buzz. Ich arbeite solange an einem Song, bis er zum Schluss im Gleichgewicht ist. Das Schreiben eines Songs ist eine sehr einsame Angelegenheit, aber eben auch die Möglichkeit, die Gefühle und Gedanken einem Publikum mitzuteilen. Auf der Bühne zu sein, ist aber auch ganz einzigartig.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JB: Ehrlich gesagt, höre ich nicht so viel Musik. Ich habe nicht so viel freie Zeit und wenn doch, dann kommt der innere Instinkt, die gehörte Musik zu analysieren. Dadurch wiederum kann ich mich nicht ausruhen. Wenn ich Zeit habe, dann wähle ich eher Alben, die ich seit langer Zeit liebe,  an die ich mich wie an einen alten Freund wende. 

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JB: Die Musik ist mir wichtiger als das Format. Aber Vinyl ist intensiver - das muss ich sagen.

KK: Was lesen Sie momentan?
JB: „Another Country“ von James Baldwin


KK: Was ärgert Sie maßlos?
JB: Wenn Leute Furcht vor Unterschied haben.  Wir haben alle verschiedene Lebensstile, aber die selben Emotionen. Deswegen sollen wir unsere Unterschiedlichkeit nicht nur akzeptieren, sondern auch feiern - sie sind der Grund, wofür die Welt so endlos großartig ist.

KK: Was freut Sie ungemein?
JB: Es freut mich, wenn ich sehe, dass es meinen Eltern gut geht und sie Spaß haben. Sie haben im Leben noch nicht genug Spaß gehabt. Und natürlich Musik machen. Dieses Gefühl, dass alle im Saal verbindet.
 
KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JB: Es ist eines meiner Hobbys, Möbel für mein Haus zu entwerfen . Das letzte Stück das ich gemacht habe, war ein Schreibtisch für mein Studio. Der Raum dafür war nur lang und eng, also ich brauchte ich etwas spezielles. Jetzt habe ich eine große Lagerungslösung geplant - ich mache alles aus weggeworfenen Sachen, wie alten Bohlen oder Türen. Ich muss jetzt erst genügend Material finden. Es macht großen Spaß, obwohl es lange dauert, diese Puzzle zusammenzusetzen.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JB: Ich habe vor kurzem die Fernsehserie ‘A Handmaid’s Tale’ mit Elisabeth Moss gesehen - die war schrecklich und erschreckend, aber vor allem total spannend. Ich finde Elisabeth Moss sehr beeindruckend. Sie hat die Serie auch produziert. Für mich ist sie die Meryl Streep ihrer Generation.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JB: Ich würde eine Website machen, die ‘What’s my solution?’ heißt. Man könnte ein Problem beschreiben und verschiedene Lösungsmöglichkeiten würden sich bloß anbieten. Das wäre Internetnachforschung leicht gemacht! Momentan zum Beispiel brauche ich irgendeine Art automatisches Datenmanagement. Habe aber keine Zeit, mich in das Thema einzulesen und alle die Möglichkeiten herauszufinden. Ich denke immer „es muss doch einfachere Wege geben!“

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JB: Als Solo Artist muss ich diese Frage als Einzelkämpferin beantworten: Ich arbeite mit vielen verschiedenen Leuten unter verschiedenen Aspekten. Aber es verlässt sich jeder darauf, dass ich die Leitung habe und auch das ganze Team motiviere. 

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JB: Meine besten Einfälle bekomme ich spät nachts und wenn ich morgens aufwache. So ist der Schlaf nicht immer gut.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JB: Ich lese an den meisten Tagen die Zeitung The Guardian. Obwohl die Nachrichten mir nicht immer gefallen. Brainpickings.org finde ich ist eine schöne Quelle ganz verschiedener Dinge.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JB: Momentan ist Musik in Hochschulen im Niedergang begriffen und mehr und mehr Schulen bieten es nicht mehr als Studienfach - trotz der zahlreichen Möglichkeiten, die die Musik besonders Kindern in anderen Bereichen bietet. Die Künste sind überhaupt in einer Krise. Eine Umkehrung dieses Trends ist dringend nötig, für ein langfristiges emotionales Wohlbefinden ganzer Generationen. Die Tory-Regierung weiß nicht, wie man etwas schätzt, was keinen unmittelbaren Gewinn erzeugt, wobei letztlich die Seele der Nation verarmt. Wenn ich für einen Tag Staatsminister für Kultur wäre, würde ich Musik selbst und das schätzen von Musik zu einem obligatorischen Teil des Curriculums machen!


KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JB: „Die szenische Route“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JB: Auf der persönlichen Musik-Ebene werden die Dinge hoffentlich weiter so laufen, wie bisher. Und ich werde auch weiterhin Musik machen und Alben produzieren und für die Menschen live spielen. Abgesehen davon - wer weiß !? Alles kann passieren, also müssen wir bereit sein!
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Bilder
Fotos: Eva Baales und Dean Bennici
Sonntag 05.11.2017
Chris Gall – Was will man mehr?
Chris Gall gehört zu den vielseitigsten deutschen Pianisten. Der 1975 in Bad Aibling geborene Musiker hat nach einer umfangreichen klassischen Ausbildung in der Kaderschmiede des Jazz, dem Berklee College of Music in Boston, studiert. Er arbeitete mit südamerikanischen und indischen Musikern zusammen, gehörte eine Zeit der überaus erfolgreichen Formation Quadro Nuevo an. Er war Gast vieler großer Festivals, wie dem Jazzfestival in Montreux, dem Jazz Baltica oder dem Jazz Open in Stuttgart. Seine Einspielungen sind bei den renommierten Labeln Act und GLM erschienen. Über sein letztes Solo-Album schrieb die Jazzthetik: „Eine musikalische Grenzüberschreitung für offene entdeckungsfreudige Ohren”.
Seit diesem Jahr tourt Chris Gall mit dem Schlagwerker Bernhard Schimpelsberger im Duo. Über ihre exklusiv auf Vinyl vertriebene Aufnahme „Studio Konzert“ (Neuklang) schreibt Vinyl-fan: „Diese Schallplatte zählt zum Kreis der Must-Have-LPs“.
Chris Gall und Bernhard Schimpelsberger sind am 20. November in Fürstenfeldbruck, am 21. November in Pullach und am 26. November in Landsberg Live zu hören.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Chris Gall: Ich hatte das Glück schon früh gute Freunde um mich gehabt zu haben, die sich genauso für Jazz interessierten wie ich, mit denen ich jammen, proben und Musik tauschen konnte! In der Jazzmusik kann man üben und lernen was man will, wenn man keine Musiker hat mit denen man gemeinsam musizieren kann, nützt es fast nix..

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
ChG: Jedem Zuhörer, ob live im Konzertsaal, im Wohnzimmer beim CD Hören oder mit Smartphone-Ohrstöpfseln in der S-Bahn, dem man mit seiner Musik einen kleinen positiven Impuls geben kann, hat man als Künstler was erreicht! Manchmal kann ein Hörer total in der Musik versinken und alles herum vergessen, manchmal bringt man ein kleines Lächeln in sein Gesicht... Was will man mehr?

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
ChG: Nichts, mit was sich jeder andere wahrscheinlich auch rumärgern mss.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
ChG: Immer wieder mit neuen Musikern zusammen zu spielen, neue Eindrücke und Stile aufsaugen ist super spannend. Mein aktuelles Duo-Projekt mit Bernhard Schimpelsberger war so etwas. Ein Duo mit Klavier und Schlagzeug ist eine komplett neue Herausforderung für einen Pianisten, aber der Prozess war toll und unglaublich inspirierend.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
ChG: Ach, da gibt es so viele! Aber manchmal gibt es Momente auf der Bühne, da verliert man sich in der Musik und nimmt den Klang gar nicht mehr so bewusst wahr... man spielt einfach ohne nachzudenken und die Zeit steht still!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
ChG: Das sind immer unterschiedliche Phasen, momentan wieder viel Weltmusik. Insgesamt doch am meisten zeitgenössischen Jazz.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
ChG: Beides!

KK: Was lesen Sie momentan?
ChG: "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams (zum wiederholten Mal).

KK: Was ärgert Sie maßlos?
ChG: Gejammere von Leuten, denen es eigentlich wahrscheinlich gar nicht so schlecht geht... Davon gibt es zur Zeit wie es scheint leider ziemlich viel...

KK: Was freut Sie ungemein?
ChG: Kindern zuzuschauen, mit Ihrer Unbekümmertheit und unbändigem Spieltrieb.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
ChG: Oh ja.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
ChG: Sandra Hüller in "Toni Erdmann".

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
ChG: Einen „Beamer“ wie in Raumschiff Enterprise... das würde das Musiker-Tourleben doch sehr erleichtern.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
ChG: Team...

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
ChG: Klingt blöd, ist aber so: Stress.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
ChG: Die Süddeutsche.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
ChG: Versuchen, noch ein paar Tage dranzuhängen. Und dann Musik-, Kunst und Sportunterricht fordern und fördern!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
ChG: „Also so was!“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
ChG: Jedes Wochenende gemütlich mit einer Tasse Tee KultKomplott lesen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Montag 23.10.2017
Simone Solga - Fragen Sie doch mal den BND
Simone Solga war 1990 die erste Kabarettistin aus den neuen Bundesländern, die im „Scheibenwischer“ auftrat. Die in Leipzig aufgewachsene Solga war von 1988 bis 1993 Mitglied der Leipziger „Pfeffermühle“, zog 1995 nach München und gehörte hier einige Jahre der „Lach- und Schießgesellschaft“ an. 2014 erhielt sie den Deutschen Kabarettpreis, ein Jahr später den „Salzburger Stier“.
Tabus kennt die heute 54jährige in ihrer Arbeit nicht. Als „Mädchen für alles“ hat sie sich im Kanzleramt auf ihr neues Programm „Das gibt Ärger“ vorbereitet. Grundtenor: Politisch korrekt war gestern!
„Mit Sprachwitz und Tiefgang arbeitet sie sich durch die Parteienlandschaft, verlangsamt dann und wann ihren Redefluss, um sicherzugehen, dass eine Pointe auch sitzt. Ob NSA, Edathy oder Krimkrise, Solgas Politmonolog ist pointiert und brandaktuell“, schrieb die Mainzer Zeitung.
Am 27. Oktober ist Simone Solga zu Gast im Puchheimer Kulturcentrum PUC und am 25. Januar 2018 in der Stadthalle Germering. „Wer nicht lachen konnte, bekommt sein Geld zurück“.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Simone Solga: Mein Engagement in der Leipziger Pfeffermühle 1989 war sicher der wichtigste Schritt zum Kabarett für mich. Aber ich hatte auch eine russische Oma, die sehr lustig und pointiert erzählen konnte; wahrscheinlich habe ich da sehr viel abgeschaut und den Weg ins komödiantische Fach gelegt.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
S.S.: Ich möchte, daß ich einen heiteren, unterhaltsamen, abwechslungsreichen Abend schaffen kann, der die Lachmuskeln strapaziert, aber auch das Hirn. Und wenn man sich auf dem Heimweg gern an das eine oder andere erinnert und sich sagt, das nächste Programm von der schaue ich mir auch an, dann bin ich überglücklich.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
S.S.: Einmal geht alles sehr schnell in der Politik, d.h. man ist Getriebener von den aktuellen Ereignissen. Gemütlich ist es also nicht. Aber am meisten gibt mir zu denken, wenn z.B. inhaltlich von einem gewissen  TV Sender in meine Texte eingegriffen wird, weil sie aus Angst, nicht politisch korrekt zu sein, so nicht gesendet werden wollen. Das hat mich sogar erschüttert. Und ich hoffe, daß sich das nicht fortsetzt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
S.S.: Wenn es zwischen mir und dem Publikum "warm" geworden ist und es kein vertaner Abend war. Und wenn ich mich nach einem Auftritt gut fühle. Und wenn ´s dann noch ein Glas Rotwein und ein Leberwurstbrot für mich gibt, dann ist alles alles gut.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
S.S.: Zu jeder Gelegenheit was anderes: Im Auto was zum Mitsingen. Klassik und was Trauriges zum Träumen. Free Jazz zum Aufregen. Tango zum Mittanzen. Ich liebe Rachmaninow, Bach, Bill Evans, Red Garland und auch mal den alten Mark Knopfler.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
S.S.: Eher CD. Ich habe aber noch eine Unmenge von Schallplatten und Grammophonplatten.

KK: Was lesen Sie momentan?
S.S.: „Der begrabene Riese“ von Kazuo Ishiguro. Diesen Roman kannte ich noch nicht und wurde jetzt dann doch neugierig.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
S.S.: Wenn jemand einen Satz anfängt mit "...gute Frau"

KK: Was freut Sie ungemein?
S.S.: Wenn sich jemand  Mühe gibt. (Und wenn er sich wegen mir Mühe macht - das freut mich dann auch schon sehr).
Und wenn jemand schuftet, rackert, fleißig ist, stolpert, gegen Widerstände läuft, nichts mehr gelingen will, aber er es dennoch nach oben schafft und Anerkennung erfährt, dann schießen mir auch schon mal die Tränen in die Augen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
S.S.: Ich habe etliche Pullover gestrickt. Aber nach Brust und Rücken reichts mir dann auch, und dann hab ich immer die Ärmel weggelassen und es wurden nur Pullunder.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
S.S.: Omar Sy und Francois Cluzet in „Ziemlich beste Freunde“.
Meryl Streep sowieso. Sie ist so wandelbar.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
S.S.: Eine Schnips Maschine. Zum wohin schnipsen und beamen. Oft möchte ich mal ganz schnell, für einen Moment wenigstens, woanders sein. Meist in der Sonne.
Oder toll wäre auch ein Lügen Sticker. Jeder trägt so einen Anstecker, und wenn er lügt, verfärbt sich das Ding grün.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
S.S.: Ich bin gern Teamplayer. Toll, wenn man es sein kann. Aber als Solistin muss ich wohl auch Einzelkämpfer sein. Das bringt der Beruf dann mit sich.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
S.S.: Im Auto. Im Wald. Manchmal in der Badewanne.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
S.S.: Hahaha. Fragen Sie doch mal den BND.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
S.S.: Ich würde Frau Monika Grütters sagen: Moni, lass den Landesgruppenvorsitz, Du musst nicht jeden Posten haben.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
S.S.: "Ich habe nichts zu verbergen (wie langweilig)"

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
S.S.: Düster. Leider.
Aber meine stelle ich mir gut vor. Mein Rollator hat 200 PS, Allrad und Rammbügel. Mein Treppenlift hat einen  Schleudersitz und meine Dritten sind aus Panzerstahl. Und was andere Windeln nennen, nenne ich mein tragbares Wasserbett.
Autor: Siehe Artikel
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.