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1. Michael Wollny „Mondenkind“
2. Panzerballett „Planet Z“
3. Vincent Peirani & Emile Parisien „Abrazo“
4. OM „It's About Time“
5. Tigran Hamasyan „The Call Within“
6. Christian Elsässer & WDR Bigband
Donnerstag 24.09.2020
Michael Wollny „Mondenkind“
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Das Allein-mit-sich-verharren ist nicht jedermanns Stärke. Sich auf die eigene Person zu konzentrieren, nach „innen“ zu hören, äußere Einflüsse und Ablenkungen auszuschalten und somit sich selbst ertragen, das alles bedarf schon einer gewissen Duldsamkeit und Resistenz. Wobei immer noch die Frage steht, ob man sich diesem Zustand freiwillig und bewusst aussetzt, oder ob es die äußeren Umstände sind, die diese Situation erfordern.
Michael Wollny hat ein neues Album eingespielt und man glaubt es kaum: Es ist seine erste Studio-Aufnahme als Solist. Die Bedingungen der künstlerischen Umsetzung von „Mondenkind“ waren sehr speziell. Natürlich handelte es sich um eine überlegte Produktion. Wollny wollte unbegleitet musizieren, hatte sich unter diesem Gesichtspunkt ein Repertoire zusammengestellt, das seinen Vorstellungen des unbegleiteten Solospiels entspricht. Doch dann kam im April der Lockdown. „Zwei Tage verbrachte ich, zum ersten Mal seit langem alleine und ohne Mitmusiker, im großen Aufnahmeraum des Berliner Teldex Studios. Auf dem Weg zu den Aufnahmen saß ich alleine im Auto, fuhr durch eine leere Stadt, am Abend lief ich zurück in mein menschenleeres Hotel, es gab nicht nur keine weiteren Gäste, sondern auch kein Personal. Ich war absolut allein mit mir und der Musik,und die Ideen, die sich aus dieser Situation ergaben, gingen weit über den ursprünglich gesetzten Rahmen des Albums hinaus.“
Sicher hätte „Mondenkind“ unter anderen Voraussetzungen anders geklungen. Wie genau, wissen wir nicht. Die vorliegende Aufnahme besitzt einen deutlich romantischen Charakter, was einzig der Persönlichkeit des Pianisten geschuldet ist. Wollny interpretriert mit seinem klassisch-europäischen Hintergrund beinahe alles, was ihm unter die Finger kommt, mit spätimpressionistischem Charme, der ihm zugleich erlaubt, Virtuoses und Originelles einzubringen. Wollny macht so aus allen Kompositionen, ob, wie im vorliegenden Fall, von Tori Amos, Alban Berg oder Sufjan Stevens, immer eigene Stücke. Er bleibt dabei, trotz Einsamkeit, im Dialog: Mit dem Raum in dem er spielt und den er zum klingen bringt, mit dem Instrument und natürlich mit sich selbst, mit seinen Interaktionen und Fantasien, seinen Intuitionen und auch den unbewussten Anteilen seiner Persönlichkeit. Das Solo-Spiel besitzt schließlich auch immer einen starken analytischen Anteil, ohne dass es ich bei der Musik um eine irgendwie geartete Nabelschau handelt. Schon gar nicht bei Michael Wollny. Dafür ist seine künstlerische Auseinandersetzung zu bodenständig, besitzt sein Spiel zuviel Bezugspunkte  und ist letztendlich zu inrospektiv.
Jörg Konrad

Michael Wollny
„Mondenkind“
Act
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Freitag 18.09.2020
Panzerballett „Planet Z“
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Es soll Bands geben, die für die Namensfindung mehr Zeit und Energie benötigen, als sie in ihre Musik einfließen lassen. Wie lange Jan Zehrfeld für die Benennung seines Quintetts gebraucht hat, ist nur schwer zu sagen. Letztendlich hat er ein überaus passendes Synonym gefunden: Panzerballett - womit er die Leistungsfähigkeit dieses Unternehmens aber absolut auf den Punkt bringt. Denn was der Gitarrist samt Band seit 2004 präsentiert, lässt an kraftvoller Exklusivität nichts zu wünschen übrig. Er selbst hat seine Musik einmal ganz unverbindlich so charakterisiert „Anspruchsvoll, keine leichte Kost“, oder an anderer Stelle: „Warum einfach, wenn es schwer geht?“.
Gemeint ist damit sein Spagat zwischen Metal und Jazz. Das klingt zu erst einmal exotisch, als wolle hier jemand mit Macht etwas verbinden, was nur schwer zusammen passt. Das Ergebnis dieses Prozesses klingt jedoch beeindruckend. Denn Zehrfeld verbindet einfache Strukturen und filigrane Harmonien, knackige Riffs, die eingebettet sind in komplexe rhythmische Konzepte, markerschütternde Taktwechsel und fein gedrechselte Improvisationen. Mit diesen herausfordernden Strukturen war das Panzerballett in Wacken ebenso erfolgreich, wie Zerfeld mit Sicherheit auch in Montreux oder Moers bestehen würde.
Auf „Planet Z“ ist Zehrfeld noch einen Schritt weitergegangen, in dem er einige der gefragtesten Schlagzeuger aus der Prog-, Jazz- und Fusionszene ins Studio gelockt hat, die einerseits die Musik des Panzerballetts durch ihre Anwesenheit zusätzlich adeln und gleichzeitig dem musikalischen Inhalt fast schon eine neue Dimension geben. Die Titel klingen durch Marco Minnemann (Steven Wilson, Joe Satriani), Virgil Donati (Planet X, Steve Vai), Gergő Borlai (Tribal Tech, Vernon Reid) oder Morgan Ågren (Dweezil Zappa, Bill Laswell)  noch individueller, besitzen völlig unterschiedliche emotionale Zentren und verströmen, neben jeder Menge Kühnheit, rauschhafte Provokation.
Natürlich hat Jan Zerfeld, wie schon in der Vergangenheit, auch diesmal einen Mainstream-Hit im Gepäck. Waren es zurückblickend Gassenhauer wie Paul Desmonds „Take Five“, oder Henri Mancinis „Pink Panther“, ist es diesmal der „Walkürenritt“ von Richard Wagner. Zugegeben, man ist schon beinahe perplex, wie wunderbar dieses Orchestervorspiel des Bayreuth-Heiligen in der Heavy-Metal-Version funktioniert. Die Band flirtet erfolgreich mit ihrem Skript der Gegensätze nicht nur, sie spielt mit ihnen und letztendlich lebt sie auch davon. Beeindruckend dabei ihre Kompromisslosigkeit in der Umsetzung – auch auf „Planet Z“. Bleibt zum Schluss nur noch die Empfehlung: Wer die Möglichkeit hat, ein Konzert des Panzerballetts zu besuchen: Nichts wie hin!!
Jörg Konrad

Panzerballett
„Planet Z“
Gentle Art of Music

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Freitag 11.09.2020
Vincent Peirani & Emile Parisien „Abrazo“
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Ihr letztes gemeinsames Album nannten sie „Belle Époque“. Es war einer längst vergangenen Zeit und ihrer Musik gewidmet. Einer Musik, die jedoch noch heute, bei entsprechender Interpretation, nichts von ihrem Charme und ihrer Frische eingebüßt hat. Vincent Peirani, der melancholische Derwisch unter den Akkordeonspielern Frankreichs und der mit ungezählten Preisen ausgezeichnete  Saxophonist, mit Vorliebe für das Sopran, Emile Parisien, besitzen beide dieses musikalisch Außergewöhnliche, längst Bekanntem neue Seiten abzugewinnen. Bei ihnen klingt auch eine Sidney Bechet-Nummer, oder eine Komposition von Duke Ellington nach dem Hier und Jetzt. Nichts angestaubtes, keine nostalgische Wehmut, schon gar keine rituellen Sentimentalitäten. Warum soll diese Vorgangsweise denn nicht im Kontext des Tangos funktionieren?
Abrazo“, der neuste Streich der beiden Ausnahmesolisten, ist bestes Beispiel für die gelungene Wiederbelebung eines bekannten Phänomens. Peirani und Parisien tauchen einerseits ein, in die verzweifelte Leidenschaft des Tangos und legen zugleich mit ihren erfrischenden Improvisationen eine uneitle Zwanglosigkeit an den Tag. Hier ist die Sehnsucht ebenso zu spüren, wie die stille Rebellion, das Kunstvolle dieser Musik ebenso, wie die Alltäglichkeit eines beschwerlichen Lebens. Und doch klingt bei ihnen alles leicht und virtuos und seelenvoll.
Eine zusätzliche Dimension bekommt die gesamte Aufnahme durch die scheinbare Beiläufigkeit, in der Peirani und Parisien ihre Ideen austauschen, wie wunderbar einfühlsam sie miteinander umgehen und dabei trotzdem selbstbewusst agieren. Sie lassen sich gegenseitig viel Raum für Solopassagen, spielen sich aber auch nicht gegenseitig „an die Wand“. Es ist eher die Magie des romantisch Rauschhaften, die hier fasziniert. Weniger die spieltechnischen Finessen, die in jedem Fall (und hörbar) vorhanden sind.
Das Programm auf „Abrazo“, zu deutsch „Umarmung“, reicht von Jelly Roll Mortons „The Crave“, über Kompositionen des Spaniers Xavier Cugat, des Argentiniers Tomás Gubitsch, bis hin zu einem Stück von Kate Bush und natürlich, auch (zwei) Stücken von Astor Piazzolla. Eigene Kompositionen runden dieses französische Gipfeltreffen zwischen Jazz und Folklore temperamentvoll ab.
Jörg Konrad

Vincent Peirani & Emile Parisien
„Abrazo“
Act

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Freitag 04.09.2020
OM „It's About Time“
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Es war zu jener Zeit, als Musik aus der Schweiz auf der internationalen Szene nur mehr selten wahrgenommen wurde. Damals, 1972, schlossen sich in Luzern vier eidgenössische Instrumentalisten zusammen und nannten ihr Quartett nach einer Aufnahme von John Coltrane: OM. Ihre Fusion aus Rock und Jazz und Elektronik wurde von Kritik und Publikum sensationell aufgenommen und sorgte für wahre Begeisterungsstürme. Und so dauerte es auch nicht lange, bis OM einen Plattenvertrag erhielt. Immerhin beim Schwesterlabel von ECM München, bei JAPO (Jazz By Post).
Im Winter 2020, also knapp fünf Jahrzehnte nach der Gründung von OM, trafen sich im Tonstudio Gabriel in der kleinen Gemeinde Stalden im Wallis nach längerer Zeit Urs Leimgruber, Christy Doran, Bobby Burri und Fredy Studer zu neuen Aufnahmen. Und wie schon in der Vergangenheit – die Chemie unter den mittlerweile in die Jahre gekommenen Musiker stimmte vom ersten Augenblick an. Die Intensität und die Qualität, die Selbstverständlichkeit und Sensibilität, mit der die Band traditionelles und eigenes miteinander verzahnt, nach neuen klanglichen Wegen sucht, erinnert auf „It's About Time“ an ihre Anfangsjahre. Sicher ist mittlerweile ein ordentlicher Packen an Lebenserfahrung und Weisheit hinzugekommen. Das hat ihrer Spontanität und ihrer Interaktion jedoch nicht im geringsten geschadet.
Typische Eigenschaften ihrer Musik seien Originalität, Eigenständigkeit und Hartnäckigkeit, wie Saxophonist Urs Leimgruber einmal sagte. Oder anders: „Die Einflüsse der Berge und Täler, die Widerständigkeit gegen die schleichende Dekadenz der Gesellschaft.“ Auch daran hat sich bis heute nichts geändert – vor allem was die Notwendigkeit derartiger Musik betrifft.
OM arbeiten immer noch als Kollektiv. Auch wenn es einzelne Bandmitglieder sind, die für die einzelnen Kompositionsideen verantwortlich stehen. Das Resultat ist immer Gemeinschaftswerk. In seiner jazzmusikalischen Freiheit, in seiner Intelligenz, Poesie und knallhartem Rock`n Roll. Lebendig, ja übermütig geben sie sich ihrer Kunst hin, verdichten Klänge, sezieren Ideen. Manches wirkt weit und unberührt, anderes wiederum komprimiert und verdichtet. Diese Musik lebt von Kontrasten und einer gewissen Vielfalt. Einer individuellen Vielfalt, weil zwei plus zwei in der Kunst eben auch einmal fünf sein kann.
Jörg Konrad

OM
„It's About Time“
Intakt
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Freitag 28.08.2020
Tigran Hamasyan „The Call Within“
Immer wieder wird Tigran Hamasyan als Jazzpianist angekündigt. Aber im Grunde ist der Armenier weitaus mehr. Er spielt mit absoluter Präzision klassische Musik, er widmet sich mit unbeugsamer Leidenschaft der Volksmusik seiner Heimatregion, die Interpretationen von sakralen Liedern aus dem Mittelalter haben ihm internationale Preise eingebracht und für treibenden Rock`n Roll begeistert er sich schon seit seinen Jugendjahren (in denen er sämtliche Titel von Fredy Mercurys Queen mitsingen konnte). Ob all diese inspirierenden Einflüsse auf einem einzigen Album vermittelbar sind? Ohne stilistische Abgrenzungen, sozusagen „wie aus einem Guss“? Ja! Wer dies nicht glaubt, dem empfehlen wir wärmstens Tigrans neusten Streich: „The Call Within“.
In zehn Kompositionen durchpflügt der 33jährige(!) enorm kraftvoll Kulturen und Epochen und präsentiert ein Werk, das vielschichtiger und ekstatischer kaum klingen kann. Der Pianist ist ein schwindelerregender Techniker, einer der die mächtigsten Akkorde setzt und im nächsten Moment in explosiven Improvisationen davonrast. Hauchzarte Melodien erklingen, bevor ein Güterzug durch karge Landschaften lärmt. Trotzdem ist „The Call Within“ kein Album der Gegensätze.Es vereint, wie der Titel schon andeutet, eine innere Stimme, es ist die Summe seiner Erfahrungen und Denkweisen - im Leben und in der Musik.
Viele seiner ungeraden, beinahe provozierenden Takte wirbeln die Stücke orkanartig durcheinander. Immer neue Ideen treiben die Musik voran, lassen atemberaubende Bilder von magischen Landschaften in exotischen Farben entstehen, wechseln in sekundenschnelle die Richtung und visieren neue Ziele an. Die Musik hat ihre Ecken und Kanten, ist kämpferisch rau und dann wieder wieder poetisch schön. Nichts klingt selbstverliebt.
Unterstützt wird Tigran von dem New Yorker Multiintsrumentalisten Evan Marien am Bass und dem Schweizer Schlagzeuger Arthur Hnatek. Beide brennen voller Hingabe ein Feuerwerk polyrhythmischer Querschläger ab. Das Ineinandergreifen ihrer Energien ist enorm, inspiriert gleichzeitig den Pianisten, gibt ihm Sicherheit, macht ihm Mut – für immer neue Wendungen und Raffinessen. Wer die Möglichkeit hat, diese Musik laut zu hören, sollte dies unbedingt tun.
Jörg Konrad

Tigran Hamasyan
„The Call Within“
Nonesuch
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Samstag 22.08.2020
Christian Elsässer & WDR Bigband
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Es gibt kaum einen deutschen Jazzmusiker, der mit einer derartigen Anzahl von unterschiedlichen Großbesetzungen gearbeitet hat, wie es bei Christian Elsässer der Fall ist. Dabei ist der Münchner gerade einmal 37 Jahre alt. Was der Pianist, Komponist, Arrangeur in den vergangenen Jahren mit der Frankfurt Radio Big Band, der hr-Bigband, der NDR Bigband, der Jazzrausch Big Band oder dem Metropole Orchestra einspielte, klingt hingegen nach einem alten, erfahrenen Hasen der Jazzzunft.
Elsässer hat das Gespür und die Sensibilität für den jeweils unverwechselbaren Sound jeder einzelnen dieser Formationen. Dazu beherrscht er das Handwerk des Komponierens perfekt und ist in der Lage, seine notierten Vorgaben mit der speziellen Band-Atmosphäre und den solistischen Besonderheiten seiner einzelnen Mitglieder, besonders was das Arrangement betrifft, in Einklang zu bringen.
Im Winter 2018/19 war Elsässer nun mit der WDR Bigband im Studio, um das vorliegende Album „Spurensucher“ einzuspielen. Sieben Kompositionen, bis auf „Moondance“ von Van Morrison stammen alle aus der Feder des einstigen Münchner „Piano-Wunderkindes“, die die Professionalität und individuelle Stärke des Kölner Orchesters bestens herausstellen. Elsässers eher intellektueller, mehr analytischer Umgang mit Musik bringt eine völlig neue Seite des Klangkörpers zum Tragen. Neben Spielfreude und Experimentierlust ist die individuelle Stärke der Band deutlich spürbar. Es sind oft kleine nuancierte Motive, melodische Miniaturen, die hier raffiniert in den Orchestersound integriert werden. Es ist eine federnd-schwerelose Musik, eher swingende Melancholie, statt überschäumender Dynamik, sieht man einmal von der Komposition „The One“ ab.
„Ich denke beim Schreiben nicht daran, einzelnen Personen des Ensembles eine Freude zu machen“, erzählt Christian Elsässer, „aber ich möchte einen Maßanzug schneidern, der sitzt – und der den Musikern trotzdem Raum lässt, sich hier und da frei zu bewegen.“ Dieser Ansatz, die Balance zwischen Freiheit und Disziplin zu finden, eine Brücke zwischen Leidenschaft und Anspruch musikalisch zu bauen, Tradition und Moderne in Einklang zu bringen – all dies gelingt Christian Elsässer auf „Spurensuche“ auf wunderbare Weise. Der Maßanzug sitzt – perfekt.
Jörg Konrad

Christian Elsässer & WDR Bigband
„Spurensuche“
Tangible Music
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Autor: Siehe Artikel
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