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1. Yelena Eckemoff „Nocturnal Animals“
2. Ingrid Jensen & Steve Treseler „Invisible Sounds: For Kenny Wheeler&#...
3. Martina Filjak „Light & Darkness / Works by Franz Liszt“
4. North Mississippi Allstars „Up And Rolling“
5. Peter Brötzmann „I Surrender Dear“
6. Olivia Trummer & Hadar Noiberg „The Hawk“
Samstag 25.01.2020
Yelena Eckemoff „Nocturnal Animals“
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Sie belegt einige Sparten der Kunst. Yelena Eckemoff schreibt, fotografiert, malt, komponiert und sie spielt ausgezeichnet Klavier. Anfangs Klassik, nachdem sie in jungen Jahren das Mahavishnu Orchestra im Radio und Dave Brubeck Live in Moskaus gehört hat, ausschließlich Jazz. Allein in den letzten vier Jahren hat sie auf ihrem eigenen Label sechs CDs herausgebracht. Drei davon sind Doppelalben. Die heute in North Carolina lebende Pianistin scheint durchdrungen mit Ideen und voller Vitalität. Und sie besitzt einen ausgezeichneten Draht zu den großen Instrumentalisten des Jazz. Denn auf ihren Produktionen lassen sich Namen finden wie Chris Potter, Mark Feldman oder Ralph Alessi. Und immer wieder bedeutsame Schlagzeuger: Manu Katché, Billy Hart, Joey Baron, Gerald Cleaver.
Und das hat sich auch auf ihrer neusten Produktion „Nocturnal Animals“ nicht geändert. Hier hat die Pianistin den Leuchtturm unter den europäischen Bassisten, Arild Andersen an ihrer Seite. Der Schlagzeugpart ist sogar doppelt besetzt, mit den skandinavischen Mmeistertrommlern Jon Christensen und Thomas Stronen.
Zugegeben, eine eher ungewöhnliche Besetzung. Rhythmische Tumulte bestimmen den Charakter dieser Aufnahmen jedoch nicht. Denn sowohl Christensen, als auch der dreißig Jahre jüngere Stronen bespielen exzellent die Ränder der Musik. Sie nutzen offene Räume, die ihnen die Musik bietet, oder sie schaffen sie selbst, in dem sie anstatt Kraftmeierei eine nuancierte Sensibilität walten lassen. Nicht dass die beiden nicht auch ordentlich swingen könnten. Jedoch ist ihr Spiel immer Begleitung, gibt es immer eine ganz enge Beziehung zu allen Mitmusikern und erst recht zu den Solisten.
Das ist natürlich eine großartige Spielwiese für Yelena Eckemoff. Sie kann auf ihrem Instrument magisch berühren, kann druckvoll agieren, oder impressionistisch über die Tastatur schweben; sie versteht es, melodische Miniaturen auszuschmücken oder grüblerische Gedanken pianistisch zu formulieren, oder mit einzelnen Noten Ausrufezeichen setzen.
Grundlage für die insgesamt vierzehn Kompositionen auf „Nocturnal Animals“ sind animalische Porträts, musikalische Studien über das Wesen von Geschöpfen, die die Nacht beherrschen. Insofern ein Konzeptalbum, das tiefe Einblicke in das Denken und in die Seele von Yelena Eckemoff gibt. „Niemand weiß, wie und was Tiere denken“, erzählt sie in einem Interview. „Aber in meinen poetischen Schriften über sie sehe ich jedes einzelne als ein Wesen mit einer faszinierenden Persönlichkeit und sie alle denken und handeln ähnlich wie die Menschen in bestimmten Situationen.“ Ein musikalisches Kammerspiel, intim und trotzdem intensiv.
Jörg Konrad


Yelena Eckemoff
„Nocturnal Animals“
L & H, Inakustik
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Mittwoch 22.01.2020
Ingrid Jensen & Steve Treseler „Invisible Sounds: For Kenny Wheeler“
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Als Kenny Wheeler 2014 verstarb, schrieb ein Journalist über ihn: „Nur wenige wichtige Musiker haben mit weniger Getue mehr Aufsehen erregt“. Der kanadisch-britische Trompeter und Flügelhornspieler war als Musiker und Komponist ein stiller Gigant. Nicht allein seine musikalische Vielfalt beeindruckte (er spielte im Jazzbereich alles, von Avantgarde über Hardbop bis hin zu den gefühlvollsten Balladen, er leitete Trios und große Orchester). Er war auch einer der zurückhaltendsten und demütigsten Menschen – außer wenn es um seine Musik ging. Dann konnte seine Neigung zur Selbstkritik grenzenlos sein.
Kenny Wheeler galt schon zu Lebzeiten für viele Musiker als ein strahlendes Vorbild. Auch die Ausnahme-Trompeterin Ingrid Jensen nannte ihn vor vielen Jahren einen ihrer wichtigsten Mentoren. Nun hat die aus Vancouver stammende Instrumentalistin „Invisible Sounds“ veröffentlicht, ein Album, das allein eben jenem Kenny Wheeler gewidmet ist.
Bis auf zwei Titel handelt es sich durchgehend um Kompositionen von Wheeler. Beglückende Stücke, mit eingängigen, wunderbaren Melodien, die in ihrer getragenen Schlichtheit alles spektakuläre und jeden Effekt wohltuend vermeiden. Ingrid Jensen hat den Saxophonisten Steve Tresler an ihrer Seite, ein Virtuose mit Sinn für Ästhetik und subtiler Begleitung. Die reguläre Band, zu der außerdem Geoffrey Keezer (Piano), Martin Wind (Kontrabass) und Jon Wikan (Drums) gehören, schafft es, Wheelersche Emotionen ohne Sentimentalität zu spielen. Die verschlungenen Improvisationen sind in den ausgewogenen Klang diskret eingebettet. Durchweg Alleskönner, die sich jedoch Beschränkungen auferlegt haben, zugunsten eines wohltemperierten Ordnungsprinzips.
Diese Musik besitzt Räume, die gut gelüftet sind, die eine Sehnsucht nach Freiheit atmen und doch immer die Balance zum hier und jetzt halten.
Speziell die Balladen stechen aus dieser Gesamtproduktion heraus. Als ob der gute Geist des Komponisten durch die Aufnahmen weht und ein Stück seiner Seele zurück gelassen hat.
Jörg Konrad

Ingrid Jensen & Steve Treseler
„Invisible Sounds: For Kenny Wheeler“
Whirlwind
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Donnerstag 09.01.2020
Martina Filjak „Light & Darkness / Works by Franz Liszt“
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Auf ihrem neuen Album widmet sich die Pianistin Martina Filjak fast ausschließlich dem ungarisch-österreichischen Komponisten, Pianisten, Dirigenten, Theaterleiter, Musiklehrer und Schriftsteller Franz Liszt. In ihm findet die Kroatin genau die klangliche Vielfalt, die ihr persönlich liegt und deren Formenreichtum ihrer bemerkenswerten Spieltechnik entgegen kommt.
Entschieden hat sie sich bei der Zusammenstellung des Repertoires überwiegend für Kompositionen, die einen starken Bezug zum Vokalen aufzeigen. So, das von einem Gedichtband von Alphonse de Lamartine angeregte „Miserere, d'après Palestrina“, welches zudem auf einer 400 Jahre alten Komposition Palestrinas fußt. Oder die „Réminiscences de Lucia di Lammermoor“, nach der erfolgreichen Oper der Gebrüder Donizetti.
Martina Filjak gelingt es, eine wunderbare Balance zwischen den pianistischen Spitzfindigkeiten Liszts, seiner musikalischen Eingängigkeit, sowie seiner befeuernden Spiritualität zu finden. Sie spielt klar, mit präzisem, manchmal glühendem Anschlag, ohne das ihr Ausdruck allein von der sich anbietenden Virtuosität nährt. Ihre Interpretationen besitzen etwas bittersüßes, einen unterschwellig melancholisch angehauchten Zauber, wie er bei Liszt nicht unbedingt vermutet wird. Diese unprätentiöse, geradlinige und zugleich auch gefühlvolle Herangehensweise Martina Filjaks gibt den Kompositionen, egal, ob auf säkularer oder eher geistlicher Grundlage, eine sehr diesseitige, lebendige Note. Ein stattliches, kräftigendes Hörvergnügen, bei dem „Für Alina“ von Arvo Pärt als Zugabe am Ende der CD wie eine Empfehlung aus fernen Welten wirkt.
Jörg Konrad

Martina Filjak
„Light & Darkness / Works by Franz Liszt“
Edition Hänssler
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Donnerstag 02.01.2020
North Mississippi Allstars „Up And Rolling“
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Die North Mississippi Allstars gehören schon seit Jahren zum Besten, was die energiereiche Kreuzung aus Blues, Rock, Soul und Gospel zu bieten hat. Gegründet von den Brüdern Cody und Luther Dickenson 1996 im beschaulichen Städtchen Hernando, südlich von Memphis gelegen, findet in dieser Band stilistisch zusammen, was eine ganze Landschaft visuell und kulturell prägt: Unendlich lange Straßen, despotische Landschaften, mürrische Einzelgänger und Eigenbrötler, erbarmungslose Sonnentage, ein raues Leben inmitten dieser herben Schönheit.
NMA haben sich ihr musikalisches Rüstzeug Live erspielt, auf langen Touren durch den Süden der USA und hin und wieder auch auf europäischen Festivals. Diese Tourerfahrungen haben das Quintett inhaltlich geprägt und zusammengeschweißt – abgesehen von einigen wenigen Besetzungsänderungen.
Mit „Up And Rolling“ produzierten Dickenson & Co nun ihr absolutes Meisterwerk. Ein Album wie aus einem Guss. Kantig, melodisch, provokant und mitreißend. Inspirieren lassen haben sich die Musiker für diese Einspielung von den großartigen Bildern des texanischen Fotografen Wyatt McSpadden, der seit fast drei Jahrzehnten die Hill Country Blues Szene in Mississippi dokumentiert.
Die musikalische Grundlage dieser furiosen Einspielung bildet das Bass-Schlagzeug-Duo. Beinahe blind bewegen sich Trommler Cody Dickenson und Bassist Carl Dufrene durch das rhythmische Dickicht der Kompositionen. Manchmal gradlinig rockend, manchmal locker swingend, manchmal im Shuffle Groove des Blues. Über diese treibenden Metren legen Luther Dickenson und einige Gastmusiker schnaufende Gitarrenakkorde, spielen schneidende Slide-Solis, verhangen melancholische Balladenbegleitungen und liefern sich virtuose Saitenduelle. Gekrönt wird diese Aufnahme von Mavis Staples, die ihren einstigen Hit „What You Gonna Do“ (geschrieben und erstmals veröffentlicht 1965) ordentlich aufpeppt und der hier wie neu klingt.
Und wenn der Bandzug erst einmal richtig Fahrt aufgenommen hat, und das passiert schon gleich im ersten (Gospel-) Song „Call That Gone“, dann blüht die Seele dieser Musik auf, dann bekommt das Bewusstsein Flügel und der Puls des Lebens einen gewaltigen Groove.
Jörg Konrad

North Mississippi Allstars
„Up And Rolling“
NewWestRecords / Pias-Rough Trade
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Montag 23.12.2019
Peter Brötzmann „I Surrender Dear“
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Peter Brötzmann, Saxophonist, Graphiker und Maler, gehört zu den Free-Jazz-Pionieren in Europa, hat aber in einem Interview mit dem Jazzpodium schon 1968 die Wichtigkeit der Tradition betont: „Ich beziehe mich durchaus auf die Dinge, die King Oliver vor 50 Jahren gemacht hat“.
Das war über die Jahrzehnte sicher nicht immer und für jeden akustisch nachvollziehbar. Denn Brötzmann spielte laut und intensiv, hat dabei die Musik aus engen Strukturen befreit, ihre Grenzen erweitert und ist damit zu neuen Klang-Ufern vorgestoßen. Neben revolutionären Alben wie „For Adolphe Sax“ oder „Machine Gun“ hat der heute 78jährige im Laufe seiner langen Karriere auch immer wieder Soloalben vorgelegt. Saxophon-Solo-Aufnahmen? „Man wird - ob Du magst oder nicht – durch all die verschiedenen Arten von Aktivitäten gezwungen, jedenfalls geht es mir so,  sich auf sich selbst zu besinnen und herauszufinden, was ist mit Dir los? Und dazu benutze ich ganz gerne, alle paar Jahre, eine Soloproduktion“, erzählte er in einem Interview 1997.
Gut zwei Jahrzehnte später war der aus Wuppertal stammende Künstler in Wien und hat in der österreichischen Metropole die Titel für sein jetzt erschienenes Album „I Surrender Dear“ aufgenommen. Doch anders als in der Vergangenheit besteht das Repertoire nur aus wenigen freien Improvisationen. Brötzmann hat sich überwiegend Kompositionen seiner Favoriten vorgeknöpft und diese dann auf seine ganz individuelle Art interpretiert. Mit dabei sind unter anderem „Lady Sings The Blues“ von Herbie Nichols und Billie Holiday, „Con Alma“ von Dizzy Gillespie, „Sumphin'“ von Sonny Rollins und das augenzwinkernde „Brozziman“ seines liebsten Pianisten der „Neuzeit“, von Misha Mengelberg. Und natürlich das Titelstück, der unsterbliche Standard  „I Surrender Dear“, einst gesungen von Bing Crosby und Ray Charles, gespielt von Django Reinhardt, Harry James und Count Basie.
Auch wenn Peter Brötzmann noch heute davon spricht, wie stark ihn einst Coleman Hawkins und Ben Webster beeindruckt haben, klingt das vorliegende Album mehr nach einem gezügelten Brötzmann. Und der hat dann immer noch genügend Ecken und Kanten, er formuliert mit rauchigem Sound gradlinig, zeigt sich als ein gebremstes Energiebündel, das seine Erfahrungen und Einflüsse mit dem Alter wohl etwas anders ordnet als bisher. Die Melodien bleiben bei ihm einzelne Fetzen, die sich jedoch gegenseitig ergänzen und ein gegenständlicheres Klangbild entwerfen. Hier geht es nicht allein um Intensität, sondern, ja, man glaubt es kaum, um die Schönheit und die Ästhetik des individuellen Klanges, um Sensibilität und Innerlichkeit.
Jörg Konrad
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Samstag 14.12.2019
Olivia Trummer & Hadar Noiberg „The Hawk“
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Olivia Trummer und Hadar Noiberg entwickeln auf ihren Instrumenten zauberhafte Stimmungen, verspielt und von berückender Schönheit. Ihre gemeinsame Musik auf „The Hawk“ will dabei in so gar keine Schublade passen - und das ist absolut positiv gemeint. Das Album verströmt einen Hauch Jazz, das Fundament ist eindeutig der Klassik zugehörig, manche Melodien sind eingängig wie ein Popsong. Es sind Klänge, die melodiöse Sehnsüchte befriedigen und gleichzeitig auch den Mut zur dissonanten Herausforderung nicht scheuen. Statt grüblerischer, weltverzagter Töne klingt das gesamte Album erfrischend selbstbewusst, strahlt eine gewisse Mühelosigkeit und fließende Spontanität aus.
Dabei haben die Stuttgarter Pianistin und die israelische Flötistin eher zufällig ihre gemeinsame musikalische Sprache und Seelenverwandtschaft entdeckt, die sie nun für musikalisch weiterführende Erzählungen nutzen. Und da ist eine Menge, was sie mitzuteilen haben. Der intensive Gedankenaustausch lässt immer neue Themen entstehen, mit denen sie sich auseinandersetzen und die sie letztendlich inspirieren. Angefangen bei den Eigenkompositionen, die sie mit Charme und offener Lebendigkeit interpretieren, die folkloristischen Einflüsse Hadar Noibergs Heimat oder die ganz individuelle musikalische Sozialisation der frühen Jahre. In allem finden sie Gemeinsamkeiten, oder auch genügend Reibungsebenen, um den kreativen Prozess des miteinander Musizierens voranzutreiben.
Entstanden ist dieses wunderbar stimmige Album dann eher aus Zufall. „Der Auftritt war eher als Probeauftritt und Sammlung von Probematerial gedacht“, erzählte Olivia Trummer. „Beim Hören des Mitschnitts wurde uns jedoch klar, das da eine besondere Energie eingefangen wurde ….“.
Jörg Konrad

Olivia Trummer & Hadar Noiberg
„The Hawk“
Flavoredtune
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Autor: Siehe Artikel
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