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Inhaltsverzeichnis
EIN CHANSON FÜR DICH

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DRIES - EIN SEHR PERSÖNLICHES PORTRAIT ÜBER DEN MODEDESIGNER DRIES VAN NOTE...

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INNENLEBEN

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DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN

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BORN TO BE BLUE

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IM ZEICHEN DES ABNEHMENDEN LICHTS

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Donnerstag 29.06.2017
EIN CHANSON FÜR DICH
Ab 6. Juli 2017 im Kino
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Liliane (Isabelle Huppert) arbeitet in einer Pasteten-Fabrik und führt ein recht eintöniges Leben. Die Zeiten, in denen sie als Chanson-Sängerin „Laura“ große Erfolge feierte, sind längst vergessen und vorbei. Doch als sie Jean (Kévin Azaïs), einen 22-jährigen Boxer, kennenlernt, der in ihr den einstigen Star erkennt, ändert sich alles. Er verliebt sich in Liliane und überzeugt sie, dass es an der Zeit ist, ins Rampenlicht zurückzukehren.

Ein Film von Bavo Defurne
Mit: Isabelle Huppert, Kévin Azaïs, Johan Leysen, Jan Hammenecker, Anne Brione, Benjamin Boutboul, Carlo Ferrante und anderen.

In EIN CHANSON FÜR DICH spielt Isabelle Huppert (ELLE, ALLES WAS KOMMT) eine Frau, die ein Comeback wagt - auf der Bühne so wie in der Liebe. Die ergreifend-poetische Romanze von Regisseur Bavo Defurne wird stimmungsvoll untermalt mit der Musik von Pink Martini.

Liliane (Isabelle Huppert) war noch sehr jung, stand erst am Anfang einer glänzenden Karriere als sie auf Platz zwei, hinter ABBA, beim Grand Prix Eurovision de la Chanson landete. Doch ein paar Jahre später trennte sich die Sängerin, die ihren Fans unter dem Künstlernamen „Laura“ bekannt war, von ihrem Manager, der auch ihr Ehemann war. Tony hatte plötzlich eine Neue und nach der Scheidung ging's bergab mit der Karriere. Jahrzehnte später arbeitet Liliane in einer Pasteten Fabrik.
Tagein, tagaus der gleiche Fließband-Trott. Kinder hat sie keine, Freunde auch nicht. Aber es scheint, dass sich Liliane in ihrem bescheidenen kleinen Leben eingerichtet hat. Von ihrer schlagzeilenträchtigen Vergangenheit weiß in der Firma jedenfalls niemand, und wenn Liliane hin und wieder nostalgisch wird und dem verlorenen Ruhm ein paar Tränen nachweint, dann tut sie’s heimlich, hinter verschlossenen Türen.
Doch eines Tages ist es vorbei mit Lilianes Anonymität, diese droht enttarnt zu werden. Ausgerechnet von einem Kollegen: Jean (Kévin Azaïs) ist neu in der Pasteten Fabrik, wo er nur nebenher jobbt, eigentlich will er Profiboxer werden. Mit seinen 22 Jahren lebt er noch daheim bei seinen Eltern und trainiert in jeder freien Minute auf den nächsten, alles entscheidenden Kampf hin, denn Sieg oder Niederlage werden darüber entscheiden, ob er sich weiter im Ring sein Geld verdienen kann oder Vollzeit arbeiten muss. Als er Liliane mit der Bemerkung überrascht, dass sie ihn frappierend an die schöne Sängerin von einst erinnert, verliert sie nur für den Bruchteil einer Sekunde die Fassung – und versichert ihm, dass er sich täuscht.
Wieder und wieder leugnet sie „Laura“ zu sein. Jean ist sich jedoch absolut sicher, denn sein Vater besitzt als großer Laura-Fan sämtliche Platten der in Vergessenheit geratenen Sängerin. Und Lilianes Ähnlichkeit mit dieser Laura ist nun mal so frappierend, dass für Jean kein Zweifel besteht: Seine Kollegin muss der ehemalige Star sein. Jean lässt nicht locker und belagert Liliane regelrecht, in den Essenspausen, an der Bushaltestelle, vor ihrer Haustür. Bis sie schließlich kapituliert und einräumt, dass er recht hat: Ja, sie ist die besagte Laura von früher – er soll bitte endlich mit seinen Nachstellungen aufhören, die ihr unangenehm sind.
Ihr Geständnis stachelt seine Neugierde und seine Begeisterung nur noch mehr an. Auch sein Vater ist ganz aus dem Häuschen, als er erfährt, mit welcher Berühmtheit sein Sohn zusammenarbeitet. Und so überlegt sich Jean, dass es ja wohl eine fantastische Idee wäre, wenn Liliane bei einer Feier seines Boxclubs auftreten würde. Obwohl sie ihm wiederholt zu verstehen gibt, dass sie mit ihrer künstlerischen Vergangenheit abgeschlossen und keine Lust mehr hat, vor Publikum zu singen, gelingt es Jean schließlich doch, sie zu einer einmaligen Vorstellung zu überreden.
Allerdings nur unter einer Bedingung: dass er nicht die Presse verständigt. Jean gibt sein Ehrenwort, und der Abend im Vereinshaus, an dem sie ihre größten Hits singt, wird ein voller Erfolg. Selbst Liliane scheint die Rückkehr auf diese recht bescheidene Bühne zu genießen. Doch an ein Comeback denkt sie trotzdem nicht. Jean hingegen überlegt schon, wie er es am geschicktesten anstellt, damit Liliane alias Laura nicht länger in der Fabrik arbeiten muss und innerhalb kürzester Zeit dort steht, wo sie seiner Überzeugung nach dringend wieder hingehört: auf der Bühne.
Liliane blüht an der Seite von Jean immer mehr auf. Sein Glaube an sie und seine Bewunderung sind Balsam für sie und schon bald tauschen sie Intimitäten aus, verlieben sie ineinander – auch wenn Jean die Beziehung zu der älteren Frau zunächst vor seinen Eltern verheimlicht. Leider wurde die Presse natürlich doch nach Lilianes Auftritt auf sie aufmerksam und rückt mit Kameras in der Pasteten Fabrik an. Liliane wittert freilich Verrat und sperrt Jean, der in Wahrheit nichts damit zu tun hat, aus ihrem Herzen und ihrer Wohnung. Jean selbst hat unterdessen den wichtigen Boxkampf, der seiner Karriere dienen sollte, verloren und gesteht sich ein, dass er nicht genug Talent besitzt, um bei den Profis das große Geld zu verdienen. Doch seine Ambitionen sind zu groß, um in der Pasteten Fabrik sein Dasein zu fristen und er weiß auch, dass er Liliane/Laura wieder groß rausbringen kann und beschließt sich zu ihrem Manager zu machen.
Jean, der sie von seiner Unschuld am Interview-Debakel überzeugen konnte, braucht nicht lange, um Liliane aus der Reserve zu locken. Erste Station auf dem Weg zurück an die Spitze soll ein Gesangswettbewerb sein, bei dem Kandidaten für einen internationalen Auftritt gesucht werden - doch ohne den richtigen Hit ein aussichtsloses Unterfangen. Die Lösung liegt zwar auf der Hand, ist aber nicht leicht zu realisieren. Denn wer wäre besser geeignet, Liliane einen neuen Hit auf den Leib zu schreiben, ein großartiges Chanson, das ihr Comeback endgültig besiegelt, als ihr Ex Tony, der Mann hinter ihrer ersten Karriere? Liliane sucht ihn auf und er ist tatsächlich bereit ihr zu helfen. Während Liliane schnell wieder Geschmack am Leben im Glamour findet, fällt es ihrem jungen Geliebten schwer, Schritt zu halten und sich in dieser Welt zurechtzufinden. Wird ihnen gemeinsam das große Comeback gelingen?


INTERVIEW MIT REGISSEUR BAVO DEFURNE

Wie entstand die Idee zu Ihrem Film?
Ich frage mich schon seit Längerem, was aus den Kandidaten wird, die beim Eurovision Song Contest nicht gewinnen. Was es mit einem macht, wenn man erst im Rampenlicht steht und sich kurz darauf im Schatten wiederfindet. Es gibt einige Beispiele von Menschen, die in Vergessenheit geraten sind. Was wird aus ihnen? In Flandern gab es das Beispiel einer bekannten Sängerin, die später als Verkäuferin gearbeitet hat. Wie geht man damit um, wenn man plötzlich wieder zur anonymen Masse gehört. Alles Fragen, die mich sehr beschäftigten. Liliane versteckt ihre Aura in ihrer Wohnung und Jean wird sie wiederentdecken.

EIN CHANSON FÜR DICH erzählt eine eher untypische romantische Liebesgeschichte, ist aber auch eine Metapher über den Ruhm…
Mich interessieren Kontraste. Zu Beginn des Films wirkt Liliane kalt und unnahbar, aber man erahnt trotzdem, dass sich ein ganzes bewegtes Leben hinter dieser Fassade verbirgt. Jean wird diese Büchse der Pandora öffnen und macht es sich dann zur Aufgabe, dass der Star hinter der vergessenen Sängerin wieder zum Vorschein kommt. Liliane und Jean sind letztlich füreinander gemacht, und deshalb ist der große Altersunterschied zwischen ihnen belanglos. Sie leben beide die gleiche Leidenschaft, und nur darauf kommt es an. Meine Weltsicht ist nicht „entweder oder“; die Figuren, die ich mir ausdenke, haben Zweifel, und jeder entwickelt sich gefühlsmäßig auf seine sehr individuelle Art. Deshalb muss der Zuschauer die beiden unbedingt mögen und sich für sie interessieren – und zwar von Anfang an, gleich bei ihrer allerersten Begegnung.

Wie gestaltete sich die Auswahl Ihrer Schauspieler?
Ein Drehbuch zu schreiben, heißt, Bilder zu Papier zu bringen. Und die Idee, Isabelle Huppert die Hauptrolle anzubieten, hat sich ziemlich schnell herauskristallisiert. Ich bewundere ihre Arbeit und ihre natürliche Eleganz sehr. Und darüber hinaus natürlich auch, was für ein breites Gefühlsspektrum sie beherrscht. Sie lässt es kinderleicht erscheinen, vom Drama zur Komödie zu wechseln – und dabei immer auch ein wenig provokant zu wirken. EIN CHANSON FÜR DICH steckt voller Glücksmomente, aber er ist stellenweise auch sehr nostalgisch, wie ja schon der Originaltitel „Souvenir“ impliziert. All das mussten wir zeigen können. Isabelle nahm mein Angebot sofort an, und das war für mich wie eine Wiedergeburt: Es war so, als hätte sie mich „erwählt“, und das gab mir sehr viel Glauben und Hoffnung für meinen Film. Was mich jedoch am glücklichsten machte, war zu sehen, wie sehr Isabelle die Rolle der Liliane ausgefüllt hat. Eine Kunstfigur verwandelte sie in einen authentischen Menschen. Aus diesem Grund bin ich ihr wahnsinnig dankbar. Mit ihrer ganzen komplexen Persönlichkeit hat sie die Geschichte dieser Frau angereichert, die aus dem Schatten tritt, um ins Rampenlicht zurückzukehren. Und das zu beobachten, ist ausgesprochen schön.

Wie kamen Sie auf Kévin Azaïs?
Er entpuppte sich beim Casting als der Beste. Kévin ist ein echter Sonnenschein. Er erinnert mich an die Schauspieler aus den 1940er-Jahren. Er hat etwas sehr Klassisches und ist trotzdem ausgesprochen zeitgemäß; sein unverstellter Charme passt jedenfalls sehr gut zu Isabelle. Kévin ist ein Mensch voller Kontraste. Er ist jung, zärtlich und sehr feinfühlig, besitzt aber auch eine beeindruckende Reife und Männlichkeit. Er wirkt sensibel und ungehobelt zugleich. Er musste in seiner Rolle ja in vielerlei Hinsicht überzeugen: als Boxer, als Manager, als Liebhaber. Das alles übergangslos zu spielen, war nicht leicht. Aber es ist ihm auf elegante, schlichte Weise überzeugend gelungen. Brüche sind seinem Spiel jedenfalls nicht anzumerken. Wenn man ihn an der Seite von Isabelle erlebt, ist von ihrem Altersunterschied kaum etwas zu spüren. Ich finde, sie geben auf der Leinwand ein sehr authentisches Paar ab.

Man weiß seit Ihren Anfängen, welche Bedeutung Sie der Ästhetik Ihrer Filme beimessen, dass Sie detailversessen arbeiten. Beschreiben Sie ein wenig den Stil von EIN CHANSON FÜR DICH.
Mir schwebte etwas Magisches vor, ich wollte, dass der Film an einen Traum erinnert. Die soziale Realität der Figuren war mir aber auch wichtig. Für die Studioaufnahmen fanden wir in Luxemburg einen ehemaligen Schlachthof, der es uns erlaubte mit Kontrasten zu spielen. Auf der einen Seite die massive, kalte Atmosphäre der Fabrik; andererseits haben wir dort auch die Wohnung von Liliane gebaut und uns damit sehr viel Mühe gegeben. Damit die kleine Welt, in der sie lebt, glaubwürdig wirkt, brauchte es viele Details – darauf lege ich nicht nur großen Wert, diese Arbeit macht mir auch jede Menge Spaß. Ich mische gern Vintage mit modernen Sachen und Elementen des Jugendstils. Einem bestimmten Trend zu folgen, interessiert mich nicht – es muss einfach nur schön sein. Genauso wichtig ist für mich das Licht des Films. Entsprechend intensiv war die Zusammenarbeit mit unserem Chefkameramann Philippe Guilbert und dem Produktionsdesigner André Fonsny. Die Kleider von Isabelle Huppert gaben wir bei Johanne Riss, einer Stylistin aus Brüssel, in Auftrag. Sie sind zauberhaft geworden und veredeln die Figur der Liliane. Kino – das heißt für mich, ein ganzes Universum aus dem Nichts zu erschaffen.

Musik spielt in Ihrem Film eine große Rolle. Dafür haben Sie die US-Band Pink Martini engagiert, die zum ersten Mal eine Filmmusik komponierte.
Wir haben Pink Martini auf der Bühne entdeckt. Ihre Konzerte sind ein einzigartiges Erlebnis, bei dem sich beobachten lässt, wie glücklich ihre Musik macht – und zwar Menschen von jung bis alt. Darauf kommt es mir auch bei meinen Filmen an. Das zu erreichen, ist mein Ziel. Die Zusammenarbeit mit Thomas Lauderdale, dem Bandleader von Pink Martini, war wunderbar, der gemeinsame Schaffensprozess machte einfach Spaß. Thomas ist keiner dieser Musiker, die sich hinter ihrem Computer verschanzen. Er setzt sich ans Klavier und mixt die Genres und die Epochen, um Musik zu schaffen, die sein Publikum begeistert. So kamen wir auf die Idee, dass er sich den Film anschaut und dabei, inspiriert von den Bildern, quasi live die Musik komponiert. Miles Davis machte es genauso bei Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“. Es ist faszinierend, wie sehr Thomas das Improvisieren im Blut liegt. Aber er kennt sich auch mit den Klassikern aus, angefangen bei den Bassarrangements für Nat King Cole bis hin zu den Orchesterbegleitungen von Edith Piaf. Als ich ihn in seinem Studio in Portland besuchte, hatte ich den Eindruck, die Factory von Andy Warhol zu betreten, denn es wimmelte nur so von kreativen Köpfen. Mit ihm zu arbeiten war einfach grandios.

EIN CHANSON FÜR DICH ist der seltene Fall eines flämischen Films, in dem die Figuren Französisch sprechen – fühlen Sie sich irgendeiner cineastischen Strömung angehörig?
Nein, eigentlich nicht. Aber ich kenne meine Klassiker. Von Hitchcock und Fritz Lang habe ich viel gelernt. Ich erkenne mich auch in den Filmen von Douglas Sirk, Fassbinder und Almodóvar wieder, vor allem, was ihren Stil betrifft und die Direktheit der Emotionen. Ja, EIN CHANSON FÜR DICH ist ein flämischer Film, obwohl sich schwer definieren lässt, was ihn dazu macht. Natürlich gibt es diese bildhafte flämische Tradition, die sich heute in der Arbeit vieler Designer niederschlägt. Aber in Flandern – eigentlich in ganz Belgien – mag man „echte“ Figuren, Menschen, die mit beiden Beinen auf der Erde stehen. Und Filme, die die gesellschaftliche Realität widerspiegeln, wie etwa bei den Dardenne-Brüdern. Deshalb finde ich es gut, dass wir für EIN CHANSON FÜR DICH viele belgische Schauspieler engagiert haben, von Jan Hammenecker bis Johan Leysen. Was meine Filme möglicherweise am nachhaltigsten charakterisiert, ist die Bedeutung, die ich den Gefühlen der Figuren beimesse. Um diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, stilisiere ich meine Filme sehr, erschaffe eine traumhafte Welt. Eine Welt, in der sich dann die Darsteller bewegen, deren Spiel in Verbindung mit den Bildern und der Musik das Intimste der Figuren offenlegt. Aus all diesen Gründen würde ich sagen, dass sich meine Filme nicht unbedingt geografisch verorten lassen. Sie haben eher etwas von Märchen, die universell verständlich sind.


INTERVIEW MIT ISABELLE HUPPERT (Liliane)

Wie haben Sie Bavo Defurne kennengelernt, und was gefiel ihnen an der Figur der Liliane besonders?
Auf die normalste Art der Welt: Er schickte sein Drehbuch an meinen Agenten, ich las es und mochte es sehr. Das Drehbuch war gut aufgebaut, die Dialoge waren stimmig, das Ganze war nicht alltäglich und stand zu seinen melodramatischen Aspekten. Für mich hat sich das während der Dreharbeiten bestätigt, denn Bavo drehte viele träumerische Einstellungen, die an die Melodramenästhetik eines Douglas Sirk erinnern. Die Geschichte ist unwahrscheinlich und charmant zugleich, und sehr filmisch. Eine Frau, die früher mal Schlagerstar war und inzwischen in einer Pasteten Fabrik arbeitet, lernt einen jungen Nachwuchsboxer kennen, in den sie sich verliebt – das macht einen schon neugierig. Schlager, Wurstpastete, ein junger Mann – all diese unterschiedlichen Elemente, da möchte man schon wissen, wie das zusammenpassen soll. (lacht)

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Sie häufig sehr extreme Rollen spielen – würden Sie EIN
CHANSON FÜR DICH ebenfalls als extrem bezeichnen? Immerhin erzählt der Film eine Liebesgeschichte, deren Protagonisten sich durch einen großen Altersunterschied auszeichnen…
Damit man den extremen Altersunterschied im Film akzeptiert – oder sagen wir: diese Beziehung glaubwürdig erscheinen lässt –, durfte man ihn vor allem nicht noch betonen. Dieser Film ist wie ein Zug, auf den man in voller Fahrt aufspringt, weshalb der Altersunterschied nie wirklich ein Hindernis darstellt. Okay, vielleicht stören sich die Eltern des jungen Mannes ein wenig daran, aber sie nehmen es eher auf die leichte Schulter. Die wahre Krux liegt für die Heldin darin, wie sie ihr früheres Leben zurückerobern kann und ob es ihr gelingt, ihr Scheitern zu überwinden. Wie stellt man es an, wieder der Schlagerstar von einst zu werden? Die stilisierten Schlager, wie sie choreografiert wurden, die stille Poesie der Kulissen, das Licht von Philippe Guilbert – all das ergab ein Ganzes, das uns Schauspieler sehr inspiriert hat.

Hat Ihnen für diese Rolle eine echte Sängerin als Vorbild gedient, die mal einen Comebackversuch startete?
Nein, überhaupt nicht. Wobei ich tatsächlich kurz überlegt hatte, dass es vielleicht ganz spannend wäre, wenn ich mir die Eurovisions-Sängerinnen anschaue. Doch im Drehbuch wimmelt es von Details, die mir halfen, diese Figur von Grund auf zu erfinden. Abgesehen davon würde ich sagen, dass es die typische Eurovisions-Sängerin nicht unbedingt gibt – denken Sie an Conchita Wurst, die als Mann in Frauenkleidern gewonnen hat.

Apropos Kleider: In EIN CHANSON FÜR DICH spielt die Garderobe eine wichtige Rolle. Waren Sie in den Entstehungsprozess der Kleider, die Liliane im Film trägt, involviert?
Die Kostümbildner unseres Films hatten die Idee, Johanne Riss – ein Stylistin aus Brüssel – zu bitten, dass sie die beiden Eurovisions-Roben entwirft. Ich finde sie wunderschön. Ihre Entwürfe sind erfindungsreich und absolut glaubwürdig, und obendrein unglaublich schmeichelhaft.

Fanden Sie es amüsant, im Film zu singen und zu tanzen?
Und wie! Jede Schauspielerin träumt doch davon zu singen und jede Sängerin möchte einmal schauspielern. Die ausgefeilte Choreografie von Denis Robert hat mir sehr geholfen. Meine Figur wirkt dadurch ausgesprochen authentisch, macht dadurch wirklich etwas her.

Der Eurovision Song Contest begeistert Millionen, ist ein sehr populäres Thema – hatten Sie Spaß daran, mal etwas ganz anderes zu drehen?
Ach, diese Art von Film ist mir überhaupt nicht fremd. Denken Sie nur an „Copacabana“ von Marc Fitoussi, „Acht Frauen“ von François Ozon, Anne Fontaines „Mein schlimmster Alptraum“ oder „Sac de noeuds“ von Josiane Balasko. Bei diesem Film war es mir sehr wichtig, dass man an die Figur der Liliane glaubt. Es handelt sich um eine recht einfach gestrickte Person, die im Leben gescheitert ist. Am Anfang nahm ich sie so, wie sie ist – nämlich sehr weit weg von mir. Man kann sich aber noch so oft sagen, dass eine Rolle wenig mit einem selbst zu tun hat, es gibt beim Drehen früher oder später immer diesen einen Moment, wenn sich Rolle und Schauspieler treffen. Das eigene Ich holt einen immer wieder ein. Insofern passt es wunderbar, dass Liliane zum Schluss wieder im Rampenlicht steht wie eine Schauspielerin.

Woher stammt Ihr Drang seit Michael Ciminos „Heaven’s Gate“ regelmäßig auch internationale Filme zu drehen?
Das wollte ich schon immer – außerhalb Frankreichs arbeiten. Mich auf meine Heimat zu beschränken, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Natürlich war es ein großes Glück, dass so viele Regisseure aus dem Ausland tatsächlich mit mir arbeiten wollten. Nachdem ich schon mit Joaquim Lafosse gedreht hatte, fand ich es großartig, erneut mit einem belgischen Regisseur zu arbeiten. Bavo Defurne stammt aus Flandern – so wie Jan Fabre, Dries Van Noten, Anne Teresa de Keersmaeker und all diese Künstler, die sich in Belgien in einem kulturellen und künstlerischen Umfeld bewegen, das sehr bereichernd ist und dazu führt, dass sich manche auch intensiv mit den spannendsten Aspekten des Artifiziellen beschäftigen. Kein Wunder, dass Bavo Defurne ein ausgesprochen feinfühliges Händchen dafür bewiesen hat, wie man Realismus und Traum und die Sozialfabel mit dem populären Märchen verbindet.

Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem jungen Partner Kévin Azaïs?
Es stimmt, Kévin ist noch sehr jung, aber ich finde, dass er für einen Schauspieler seines Alters schon überraschend reif ist. Deshalb wirkt er auch absolut authentisch. Ich finde es beeindruckend, wie gut er seinen Beruf kennt und beherrscht. Schwer zu sagen, wo das herkommt, denn er hat ja noch nicht sehr viele Filme gedreht. Aber es ist nun mal vorhanden, und das reichert eine Filmfigur natürlich sehr an. Man nimmt ihm seine Dominanz ab und welch großen Einfluss er auf Liliane ausübt, und gleichzeitig berührt er einen, weil er so zerbrechlich ist.

Der Film ist im Tonfall einer Tragikomödie erzählt – liegt Ihnen das eine Genre mehr als das andere?
Ich mag beide. EIN CHANSON FÜR DICH erzählt eine Liebesgeschichte mit Happy End, obwohl ja vieles darauf hindeutet, dass die ganze Sache kein gutes Ende nehmen wird. Doch im Film öffnet sich eine Tür nach der anderen, und dadurch bekommt die Handlung eine spannungsreiche Leichtigkeit. Die Helden der Geschichte erleben gemeinsam mit dem Zuschauer, wie sich ihr Leben – dank einer wundersamen Begegnung und weil die Protagonisten an den jeweils anderen glauben – doch noch zum Guten wendet.


DIE DARSTELLER

Isabelle Huppert (Liliane)

Isabelle Huppert wurde am 16. März 1953 in Paris als Tochter einer Englischlehrerin und des Direktors eines Tresor-Unternehmens geboren. Sie wuchs in Ville d'Avray auf und wurde bereits mit 14 Jahren von ihrer Mutter am Konservatorium in Versailles für Schauspielunterricht eingeschrieben, den sie mit Auszeichnung beendete. Während eines Russischstudiums nahm sie gleichzeitig Schauspielunterricht am Institut in der Rue Blanche und am Nationalkonservatorium unter Antoine Vitez und Jean-Lauren Cochet, zwei renommierten Schauspiellehrern. Ihr Kinodebüt feierte sie 1972 mit dem Film „Faustine et le bel été“ und wurde anschließend für kleinere Rollen in einigen der wichtigsten Filme der 1970er-Jahre engagiert, etwa „César und Rosalie“ (mit Romy Schneider), „Die Ausgebufften“ (mit Gérard Depardieu) und „Der Richter und der Mörder“ (mit Philippe Noiret). Ihren Durchbruch beim großen Publikum feierte sie in der Titelrolle des Dramas „Die Spitzenklöpplerin“. Nur ein Jahr später, mit 25 Jahren, wurde sie beim Filmfestival in Cannes für ihre Hauptrolle als Vatermörderin in „Violette Nozière“ mit dem Preis als beste Darstellerin ausgezeichnet. Der Film markierte im Übrigen den Beginn der wohl fruchtbarsten Zusammenarbeit eines Regisseurs mit einer Schauspielerin weltweit, denn Claude Chabrol und Isabelle Huppert sollten noch sechs weitere Filme miteinander drehen – Dramen ebenso wie Komödien, Literaturverfilmungen oder Thriller –, darunter so bekannte Titel wie „Eine Frauensache“ und „Geheime Staatsaffären“. Im Laufe ihrer Karriere, die seit nunmehr 46 Jahren andauert und 135 Filme umfasst, arbeitete Isabelle Huppert mit den größten Filmemachern ihrer Zeit, darunter Jean-Luc Godard, Patrice Chéreau, Claire Denis, Anne Fontaine und André Téchiné. Sie war als Partnerin von so bekannten Schauspielerkollegen wie Gérard Depardieu, Jean-Louis Trintignant und Jacques Dutronc zu sehen. Schon früh in ihrer Karriere wurde man auch im Ausland auf Isabelle Huppert aufmerksam, sie arbeitete in den USA, Italien und Großbritannien, die Liste der Namen ihrer Regisseure liest sich wie ein internationales Who’s Who: Michael Cimino, Joseph Losey, die Taviani-Brüder, Hal Hartley, Werner Schroeter oder Andrzej Wajda. Unzählige Preise hat Huppert im Lauf der Jahre gewonnen, darunter auf vielen bedeutenden Filmfestivals wie Cannes, Venedig oder Moskau; mehrfach für den César, den französischen Filmpreis, nominiert, erhielt sie die Auszeichnung erstmals 2017 für ihre Rolle in Paul Verhoevens aufsehenerregendem Thriller „Elle“, der ihr auch ihre erste Oscar-Nominierung sowie u. a. einen Golden Globe einbrachte. Zuletzt drehte Huppert, die inzwischen als wohl bedeutendste Schauspielerin ihrer Generation gilt, „Happy End“, nach „Die Klavierspielerin“, „Wolfszeit“ und „Amour“ ihr vierter Film unter der Regie von Michael Haneke.

Filmographie (Auswahl)
2016 EIN CHANSON FÜR DICH (SOUVENIR), Regie: Bavo Defurne
2016 ELLE, Regie: Paul Verhoeven
2014 SEHNSUCHT NACH PARIS (La ritournelle), Regie: Marc Fitoussi
2014 DAS VERSCHWINDEN DER ELEANOR RIGBY (The Disappearance of Eleanor Rigby: Them), Regie: Ned Benson
2013 DIE NONNE (La religieuse), Regie: Guillaume Nicloux
2011 MEIN LIEBSTER ALPTRAUM (Mon pire cauchemar), Regie: Anne Fontaine
2009 VILLA AMALIA, Regie: Benoît Jacquot
2006 GEHEIME STAATSAFFÄREN (L'ivresse du pouvoir), Regie: Claude Chabrol
2004 ZWEI UNGLEICHE SCHWESTERN (Les soeurs fâchées), Regie: Alexandra Leclère
2001 DIE KLAVIERSPIELERIN (La pianiste), Regie: Michael Haneke
2000 SÜSSES GIFT (Merci pour le chocolat), Regie: Claude Chabrol
1997 DAS LEBEN IST EIN SPIEL (Rien ne va plus), Regie: Claude Chabrol
1992 NACH DER LIEBE (Après l'amour), Regie: Diane Kurys
1991 MADAME BOVARY, Regie: Claude Chabrol
1990 DIE RACHE EINER FRAU (La vengeance d'une femme), Regie: Jacques Doillon
1988 EINE FRAUENSACHE (Une affaire de femmes), Regie: Claude Chabrol
1987 DAS SCHLAFZIMMERFENSTER (The Bedroom Window), Regie: Curtis Hanson
1983 DIE FRAU MEINES KUMPELS (la femme de mon pote), Regie: Bertrand Blier
1981 STILLE WASSER (Eaux profondes), Regie: Michel Deville
1981 DER SAUSTALL (Coup de torchon), Regie: Bertrand Tavernier
1981 DIE FLÜGEL DER TAUBE (Les ailes de la colombe), Regie: Benoît Jacquot
1980 HEAVEN'S GATE, Regie: Michael Cimino
1980 DER LOULOU (Loulou), Regie: Maurice Pialat
1979 DIE SCHWESTERN BRONTË (Les soeurs Brontë), Regie: André Téchiné
1978 VIOLETTE NOZIÈRE, Regie: Claude Chabrol
1977 DIE SPITZENKLÖPPLERIN (La dentellìere), Regie: Claude Goretta
1975 UNTERNEHMEN ROSEBUD (Rosebud), Regie: Otto Preminger
1974 DIE AUSGEBUFFTEN (Les valseuses), Regie: Bertrand Blier
1972 CÉSAR UND ROSALIE (César et Rosalie), Regie: Claude Sautet


Kévin Azaïs (Jean)

Kévin Azaïs, geboren 1992 in der Region Paris, ist der Bruder des Schauspielers Vincent Rottiers und machte eine Ausbildung als Klempner. Nach nur zwei Kurzfilmen spielte er in seinem Kinodebüt „Heute trage ich Rock!“ gleich an der Seite von Frankreichs Filmdiva Isabelle Adjani. Seinen Durchbruch feierte er mit 22 Jahren als Gegenspieler und Freund von Adèle Haenel in „Liebe auf den ersten Schlag“, der ihm 2015 einen César als bester Nachwuchsdarsteller einbrachte. Seitdem gehört er zu den gefragtesten Jungtalenten Frankreichs, arbeitete mit u. a. Cécile de France und Jérémie Renier in den unterschiedlichsten Filmen. Zuletzt abgedreht hat Kévin Azaïs die Tragikomödie „Le Grand Saut“ mit den „Ziemlich beste Freunde“-Regisseuren Éric Toledano und Olivier Nakache.
Filmographie (Auswahl)
2016 EIN CHANSON FÜR DICH (SOUVENIR), Regie: Bavo Defurne
2015 LA BELLE SAISON – EINE SOMMERLIEBE (La belle saison) Regie: Catherine Corsini
2014 LIEBE AUF DEN ERSTEN SCHLAG (Les combattants), Regie: Thomas Cailley
2008 HEUTE TRAGE ICH ROCK! (La journée de la jupe), Regie: Jean-Paul Lilienfeld


Johan Leysen (Tony Jones)

Johan Leysen wurde am 19. Februar 1950 im belgischen Hasselt geboren. Als Schauspieler arbeitete er zunächst in seiner Heimat, drehte seit den frühen 1980er-Jahren aber auch, und dann hauptsächlich, im Nachbarland Frankreich. Die bekanntesten Regisseure seiner Zeit engagierten Leysen, darunter Jean-Luc Godard, Patrice Chéreau, Enki Bilal oder Christophe Gans. An der Seite von etablierten Stars wie Isabelle Adjani, Tchéky Karyo und Nathalie Baye wurde Johan Leysen selbst zu einem der bekanntesten französischsprachigen Darsteller. In Belgien und Frankreich übernahm er in den letzten Jahren häufig Gastrollen in einigen sehr erfolgreichen Fernsehserien, darunter „Boulevard du Palais“ und „Matinée“; einer seiner größten Fernseherfolge ist die erste Staffel der britischen Miniserie „The Missing“. Unter den bislang 63 Filmen seiner Karriere befinden sich auch internationale Kinoproduktionen wie „The American“ (mit George Clooney) oder das deutsche Projekt „Schussangst“ mit Lavinia Wilson und Fabian Hinrichs. Zuletzt drehte Johan Leysen den belgisch-französischen Thriller „Tueurs“ mit Olivier Gourmet und Lubna Azabal.
Filmographie (Auswahl)
2016 EIN CHANSON FÜR DICH (SOUVENIR), Regie: Bavo Defurne
2015 DAS BRANDNEUE TESTAMENT (Le tout nouveau testament), Regie: Jaco Van Dormael
2013 JUNG & SCHÖN (Jeune & jolie), Regie: François Ozon
2011 REQUIEM FOR A KILLER (Requiem pour une tueuse), Regie: Jérôme Le Gris)
2010 THE AMERICAN, Regie: Anton Corbijn
2009 SOEUR SOURIRE – DIE SINGENDE NONNE (Soeur Sourire), Regie: Stijn Coninx
2008 PRIVATUNTERRICHT (Elève libre), Regie: Joachim Lafosse
2008 VERFÜHRERISCHES SPIEL (Zomerhitte), Regie: Monique van de Ven
2007 DER INDISCHE SOMMER (Lété indien), Regie: Alain Raoust
2003 SCHUSSANGST, Regie: Dito Tsintsadze
2001 DIE STARKEN SEELEN (Les âmes fortes), Raoul Ruiz
2001 PAKT DER WÖLFE (Le pacte des loups), Regie: Christophe Gans
2000 DER KÖNIG TANZT (Le roi danse), Regie: Gérard Corbiau
1998 ZUG DES LEBENS (Train de vie), Regie: Radu Mihaileanu
1996 TYKHO MOON, Regie: Enki Bilal
1994 DIE BARTHOLOMÄUSNACHT (La reine Margot), Regie: Patrice Chéreau)
1992 VERSCHWÖRUNG DER KINDER (Sur la terre comme au ciel), Regie: Marion Hänsel
1988 MAESTRO (Le maître de musique), Regie: Gérard Corbiau
1984 DIE GEKAUFTE FRAU (Gebroken spiegels), Regie: Marleen Gorris
1981 DAS MÄDCHEN MIT DEM ROTEN HAAR (Het mesje met het rode haar), Regie: Ben Verbong
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 22.06.2017
DRIES - EIN SEHR PERSÖNLICHES PORTRAIT ÜBER DEN MODEDESIGNER DRIES VAN NOTEN
Ab 29. Juni 2017 im Kino
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Dries Van Noten, berühmt und verehrt für seine lebendigen Farben und Stoffe, gehört längst zu den ganz großen Namen der Mode-Welt – und das ganz ohne Werbeschaltungen, öffentliche Ausschweifungen oder ein besonders exzentri-sches Erscheinungsbild. Zum ersten Mal erlaubt der flämische Mode-Künstler nun einen filmischen Einblick in die kreativen Prozesse seiner Arbeit und seine Inspirationsquellen. Ein ganzes Jahr lang begleitete Reiner Holzemer die Ent-stehung vier neuer Kollektionen: von der Auswahl und Gestaltung der üppigen Stoffe, die sich durch aufwendige Blumenstickereien und Prints auszeichnen, über die Kombination der Stücke zu raffinierten, einzigartigen Outfits bis hin zu den sinnlichen Modeschauen, die bereits Kult bei der Pariser Fashion Week geworden sind. In sehr persönlichen und emotionalen Bildern zeigt DRIES die Ruhe, Genauigkeit und die Neugierde, mit der Dries Van Noten seine Mode kreiert - und wie er gemeinsam mit seinem langjährigen Partner auch sein Haus und seinen Garten zu einem perfekten Kunstwerk arrangiert.


Ein Film von Reiner Holzemer

Im März dieses Jahres präsentierte Dries Van Noten seine 100. Schau in der AccorHotels Arena in Paris Bercy. Ein eindrucksvolles Fashion-Ereignis, bei dem Van Noten seine Lieblingselemente vergangener Kollektionen neu inter-pretierte und in Szene setzte. Also ein guter Zeitpunkt, um den Menschen, der hinter dem Erfolg steht, besser kennenzulernen. DRIES ist mehr als das Porträt eines Modemachers – sensibel und respektvoll zeigt Reiner Holzemer, der bis-her besonders für seine Dokumentarfilme über Fotografen wie Walker Evans, William Eggleston, August Sander oder Juergen Teller bekannt geworden ist, den Künstler der Antwerp Six, der sich seit mehr als 25 Jahren unabhängig und frei in einer globalisierten Modewelt behauptet und eigene Maßstäbe setzt. Faszinierende Einblicke in seinen kreativen Kosmos und seine Modekollektio-nen inklusive. Den Soundtrack zu DRIES steuert der britische Bassist Colin Greenwood bei.


DIRECTOR’S STATEMENT:
REINER HOLZEMER ÜBER SEINEN FILM
Mein Interesse, einen Film über die Modewelt zu drehen, wurde 2011 geweckt. Damals hatte ich einen Zeitungsartikel über den britischen Modedesigner John Galliano gelesen, der gerade bei Dior rausgeworfen wurde, nachdem er im be-trunkenen Zustand antisemitische Sprüche losgelassen hatte. Als möglichen Grund für diesen Skandal nannte der Autor den zunehmenden Erfolgsdruck, dem der Modedesigner ausgesetzt war. Diesen führte er darauf zurück, dass die Lu-xuskonzerne, die viele etablierte Modehäuser aufkauften, schlagartig die Anzahl der Kollektionen pro Jahr erhöht haben.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf suchte ich nach einem passenden Ansatz für einen Film über die Modebranche. Zufällig lernte ich um die gleiche Zeit den belgi-schen Modedesigner Designer Dries Van Noten kennen, als ich einen Film über den Fotografen Juergen Teller drehte, der dessen neueste Kollektion für die ame-rikanische Vogue fotografierte. Als ich das Haus und den Garten des Designers betrat, hatte ich sofort das Gefühl, in eine neue, mir bis dahin unbekannte Welt einzutreten, die mich faszinierte und neugierig machte.
Dries Van Notens Sinn für Perfektion und seine vornehme, höfliche Art zogen mich in seinen Bann. Gleichzeitig fragte ich mich aber auch, wie anstrengend die-ses Leben wohl sein muss, in dem offenbar nichts dem Zufall überlassen war. Bei weiteren Recherchen fand ich heraus, dass Dries in der Modewelt eine herausra-gende Rolle spielt. Obwohl er keine Werbung schaltet, wird er von der gesamten Modepresse für seine einfallsreichen Männer- und Frauenkollektionen gefeiert. Interessant war auch, dass er als untypischer Modedesigner beschrieben wurde, der kein exotisches, dramatisches und skandalöses Leben führt, sondern ein eher unscheinbares. Mich beeindruckte, dass er unabhängig war und nicht jedem neu-en Trend hinterherlaufen wollte. Bis heute entwirft er weder Zwischenkollektionen noch stürzt er sich auf die vornehmliche Vermarktung von Modeaccessoires, Schuhen, Handtaschen und Make-up. Einerseits bescheren diese Nebenprodukte den Designern mehr Umsatz und Gewinn, andererseits gehen sie aber häufig mit einem Qualitäts- und Kreativitätsverlust einher. Dries Van Noten konzentriert sich deshalb lieber auf seine Kernkompetenz: den Entwurf und die Herstellung von Kleidungsstücken. Dabei liebt er sein Handwerk, das er von der Pieke auf erlernt hat. Und während viele Designer heute nur noch als Art Direktoren agieren, legt Dries bei der Entstehung seiner Kollektionen immer selbst Hand an. Er sucht die Stoffe aus, entwirft Schnitte und Druckmuster für seine Kreationen und bleibt somit der Hauptakteur des kreativen Prozesses.
Meine Begegnung mit Dries und die gesammelten Informationen machten mich immer neugieriger und ich wunderte mich, dass es noch keinen Film über ihn gab. Ich fand heraus, dass er alle Anfragen, auch die von namhaften Regisseuren, ab-gelehnt hatte. Dafür gab es zwei Gründe. Dries ist ein Perfektionist, der seine Kre-ationen erst dann der Öffentlichkeit vorstellen möchte, wenn sie nach seiner Vor-stellung vollkommen sind. Filmemacher wollen hingegen kreative Prozesse be-obachten, in denen die Entwürfe alles andere als perfekt aussehen. Das birgt für den Designer eine ernstzunehmende Gefahr, dass die Magie der Mode zerstört und der Entstehungsprozess im schlimmsten Fall als banal betrachtet werden könnte.
Dries ist der diskreteste Mensch, dem ich je in meinem Leben begegnet bin. Allei-ne die Vorstellung, ständig von einer Kamera und einem Mikrofon umgeben zu sein, ist für ihn unerträglich. Die wichtigste Voraussetzung, um einen Film über ihn drehen zu können, war daher das Vertrauen zwischen dem Protagonisten und mir. Dieses musste ich mir hart erarbeiten. Bei unseren ersten Begegnungen schilderte ich ihm mein Konzept und meine zurückhaltende, beobachtende Arbeitsweise. Ich wusste, dass ich diesen Film nur mit einem möglichst kleinen Team realisieren konnte, um Dries so wenig wie möglich bei der Arbeit zu stören. Deshalb drehte ich oft sogar ganz alleine und nahm nur dann, wenn es absolut nötig war, einen Tonmann hinzu. Um Dries von meiner Zurückhaltung zu überzeugen, bot ich ihm einen Testdrehtag an, bei dem er sehen konnte, wie ich arbeite und wie er sich dabei fühlte. Drei Jahre hat es gedauert, bis er meinem Wunsch, einen Film über ihn zu drehen, zustimmte.
Die Dreharbeiten begannen Anfang 2015. Als erstes drehten wir ihn und sein Team bei einer Modenschau in Paris und bei einem Fitting in seinem Atelier in Antwerpen. Mit der Zeit gewöhnte er sich so sehr an meine Kamera, dass er sie am Ende kaum noch wahrnahm. Schließlich durfte ich ihn über ein ganzes Jahr hinweg bei der Entstehung von vier Kollektionen begleiten. Meistens fühlte ich mich dabei willkommen, manchmal auch nicht.
Wenn ich heute über den Film nachdenke, dann bin ich fest davon überzeugt, dass ich Dries und der Welt, in der er lebt und arbeitet, so nahe gekommen bin, wie es mit einer Kamera überhaupt möglich ist. Ich glaube, dass das Ergebnis ei-nen sehr persönlichen und intimen Einblick in das Leben und die Karriere eines einzigartigen Modedesigners unserer Zeit gewährt.
Reiner Holzemer, Dezember 2016


DRIES VAN NOTEN: BIOGRAFIE
Dries Van Noten, 1958 in Antwerpen geboren, entstammt einer modeaffinen Familie. Sein Großvater war ein angesehener Herrenschneider, arbeitete zwi-schen den beiden Weltkriegen getragene Kleidung neu auf und führte in Ant-werpen Konfektionskleidung ein. Dries‘ Vater eröffnete 1970 am Stadtrand von Antwerpen eine exklusive Modeboutique, der eine zweite Filiale im Stadtzent-rum folgte, wo er die Kollektionen von Ungaro, Ferragamo und Zegna verkauf-te. Seine Mutter leitete eine Filiale der Kette „Cassandre“ und sammelte alte Spitze und Leinenstoffe.
Schon als Kind begleitete Van Noten seinen Vater zu den Messen und Schau-en in Mailand, Düsseldorf und Paris, wo er mit den kommerziellen und techni-schen Aspekten der Branche vertraut gemacht wurde. Er stellte jedoch früh fest, dass ihn das Entwerfen von Mode stärker interessierte als das Verkaufen. Daher begann er 1976 als 18-jähriger ein Studium an der Modefakultät der Antwerpener Königlichen Akademie der Schönen Künste. Während seines Studiums arbeitete er freiberuflich als Designer für ein belgisches Konfektions-unternehmen und sammelte dabei praktische Erfahrungen, die ihm bei der Gründung seines eigenen Labels helfen sollten. Zur selben Zeit lernte er Chris-tine Mathys kennen, die bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1999 seine Ge-schäftspartnerin und eine enge Vertraute war.
Nach dem Abschluss seines Studiums arbeitete Van Noten noch einige Jahre freiberuflich, ehe er 1986 seine erste eigene Kollektion von Blazern, Hemden und Hosen vorstellte. Sein Label hatte von Beginn an Erfolg und wurde an so prestigeträchtigen Orten wie dem Barneys New York, dem Pauw in Amsterdam oder dem Whistles in London vertrieben.
Im September 1986 eröffnete Dries Van Noten eine kleine Boutique im Arka-denviertel Antwerpens. Schon drei Jahre später zog er in ein fünfstöckiges Mo-dehaus in der Nationalestraat um, das ironischerweise den größten Konkurren-ten seines Großvaters beherbergt hatte. Van Noten restaurierte penibel das denkmalgeschützte Gebäude und behielt so viel wie möglich bei – auch den Namen „Het Modepaleis“.
Danach expandierte er schnell. In einer ehemaligen Kunstgalerie mitten im Pa-riser Marais eröffnete er einen Showroom und ein Pressebüro, kurz danach in Mailand seinen zweiten Showroom außerhalb Antwerpens. Im Juli 2000 verleg-te Van Noten seinen Firmensitz in ein altes Speicherhaus am Antwerpener Ha-fen. Das sechsstöckige Gebäude beherbergt auf 5000 Quadratmetern den kompletten Produktionsprozess seines Labels: Design und Produktion, Buch-haltung, Marketing und Vertrieb sowie die Archive. Vom Showroom auf der obersten Etage hat man einen atemberaubenden Blick auf die ganze Stadt.
Von Beginn seiner Karriere an hat Van Noten jeden seiner Expansionsschritte selbst finanziert. Seine Männer-, Frauen- und Accessoire-Kollektionen verkauft er mittlerweile weltweit. Schauspielerinnen tragen seine Mode für die Oscar-Verleihungen, die belgische Königin für Staatsbesuche, Tanzensembles und Künstler für ihre Performances. Im März 2017 fand während der Pariser Fashion Week seine 100. Show statt.


DRIES VAN NOTEN: ZITATE
„Ich bin zu sehr darin involviert. Es bestimmt mein Leben voll und ganz. Man kann wohl sagen, ich bin davon besessen. Aber nicht von der Mode. Mode ist ein leeres Wort. Wir müssen ein neues Wort dafür erfinden. Mir gefällt der Be-griff „Mode” nicht, weil er für etwas steht, das nach sechs Monaten passé ist. Das verstehen die Leute unter Mode. Ich würde mir ein zeitloseres Wort dafür wünschen.”

„Ich will keine kurzlebigen Produkte, die einem gleich nach dem Kauf langweilig werden. Das ist nicht Ziel meiner Arbeit. Meine Kreationen sollen wertgeschätzt werden und tragbar sein. Man soll sie Monate später auf andere Weise tragen können. Sie sollen sich mit einem als Mensch, als Persönlichkeit entwickeln und Teil des Charakters werden.”

„Andere Designer fangen oftmals mit Formen an. Ich möchte Geschichten, Persönlichkeiten, Objekte und Gefühle in meinen Kollektionen realisieren. Und dafür brauche ich Materialien. Ich überlege mir also, womit ich meine Ge-schichte erzählen kann.”
„Ich bin wohl einer der verwöhntesten Designer der Welt, weil ich die Möglich-keit habe, alle Arten von Textilien zu kreieren. Ich werde dabei von Herstellern aus aller Welt unterstützt. Sie fragen mich, was ich mir wünsche, und dann ma-chen sie es einfach. Nicht viele Designer haben diese Option. Das ist fantas-tisch.“

„Die Entwicklung der Stoffe dauert etwa vier bis fünf Monate. Andere Mode-häuser haben nicht die Zeit für so einen langen kreativen Prozess.“
„Ich brauche Kontraste, Spannung und Gegensätze. Das ist die Grundlage meiner Arbeit und meiner Kollektion. Für mich spiegelt sich darin das wahre Leben wider. Ich mag es nicht, wenn etwas zu einseitig oder langweilig ist.“

„Meine Arbeit zeichnet sich stets durch klassische Elemente aus – durch Ver-bindungen zur klassischen Herren- und Damenmode, Respekt vor Handwerks-kunst und einer Faszination für Couture-Formen. Derzeit braucht niemand in der Modewelt eine Revolution. Bei einer neuen Kollektion orientiert man sich automatisch an der vorhergehenden. Heute kann man nur noch mit etwas ext-rem Verrücktem schockieren. Alles ist erhältlich, im Internet findet sich alles und jedes. Es ist schwer, sich durch Schock-Elemente von der Masse abzuhe-ben. Heute geht es also eher um Unterschiede bei der Umsetzung, um die Feinheiten. Das sind die Dinge, auf die ich mich konzentriere.“

„Man denkt nicht allzu viel über Magie nach. Es gibt keine Zauberformel, und es ist nicht gesagt, dass man nur etwas Glitzerstaub braucht, um die Leute zu begeistern, ganz im Gegenteil. Magie entsteht dann, wenn die Leute spüren, dass das Ganze auf Ehrlichkeit und Leidenschaft basiert, dass es von Herzen kommt. Und letztlich auch, dass es in der Realität verankert ist.”

(Quelle: Verleih)
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Donnerstag 15.06.2017
INNENLEBEN
Ab 22. Juni 2017 im Kino
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Während draußen der Krieg tobt, verwandelt die resolute Oum Yazan ihre kleine Wohnung in einen sicheren Hafen für Familie und Nachbarn. Verzweifelt versucht sie, zum Schutz der Gemeinschaft den Alltag aufrechtzuerhalten und das Geschehen außerhalb auszublenden. Doch früher oder später muss auch sie die Tür öffnen und die Wirklichkeit hereinlassen.

Bestürzend intensiv zieht INNEN LEBEN den Zuschauer hinein in die Kriegswirklichkeit der einfachen Menschen, für die das einst traute Heim zum Gefängnis wird und jede noch so kleine Entscheidung über Leben und Tod bestimmen kann. INNEN LEBEN ist ein universelles, humanistisches Plädoyer von großer Dringlichkeit. Der Film gewann auf der 67. Berlinale den Publikumspreis der Sektion Panorama.

Ein Film von Philippe Van Leeuw
Mit Hiam Abbass (Oum Yazan), Diamand Abou Abboud (Halima), Juliette Navis (Delhani), Mohsen Abbas (Abou Monzer), Moustapha Al Kar (Samir) und anderen.

Die Ehefrau und Mutter Oum Yazan harrt mit ihrem Schwiegervater, ihren drei Kindern Yara, Aliya und Yazan und der philippinischen Haushaltshilfe Delhani in ihrer Wohnung im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses aus. Ferner gewährt sie dem jungen Paar aus der zerstörten Nachbarswohnung, Samir und Halima, und ihrem Baby sowie Yaras Freund Karim, der bei einem Besuch von schweren Gefechten überrascht wurde, Unterschlupf in ihrem Heim. Oum Yazans Ehemann ist fort und wird für den Abend erwartet. Die Fenster der Wohnung bleiben aus Angst vor Scharfschützen mit Vorhängen bedeckt, während aus der Ferne Explosionen, Schüsse und Helikoptergeräusche zu hören sind. Die Wasserversorgung ist zusammengebrochen und jeder Gang nach draußen gefährlich. Strom, Internet und Telefon funktionieren nur zeitweise und aus der Wohnung im Obergeschoss sind bedrohliche Geräusche zu hören. Samir und Halima planen für den Abend die Flucht nach Beirut. Doch als Samir am Morgen das Haus verlässt, um Vorbereitungen für die Flucht zu treffen, wird er von einem Heckenschützen getroffen und bleibt reglos im Innenhof liegen. Die verängstigte Haushaltshilfe Delhani wird unfreiwillig Zeugin des Vorfalls und weiht Oum Yazan ein. Diese hält es für besser, Halima vorerst nichts davon zu erzählen, und weist Delhani an, ihr Wissen für sich zu behalten. Zunächst gelingt es Oum Yazan, den Familienalltag aufrechtzuerhalten. Gemeinsam wird gegessen, der Großvater unterrichtet Enkel Yazan, während ihre älteste Tochter Yara mit Karim flirtet. Als es zu schweren Bombenexplosionen im Viertel kommt, überschlagen sich die Ereignisse. Über den Balkon verschaffen sich zwei Männer Zutritt in die verbarrikadierte Wohnung. Halima und ihr Baby schaffen es nicht, sich mit den anderen in der Küche zu einzuschließen. Halima macht den Männern, die auf der Suche nach Wertgegenständen sind, weiß, dass sich hinter der verschlossenen Tür nur eine alte Frau und ihr Sohn befinden. Daraufhin wird sie vom Älteren der beiden vergewaltigt, während Oum Yazan und die anderen gezwungen sind, dem Verbrechen durch die Tür zu lauschen. Die geschändete Halima ringt ihren Peinigern das Versprechen ab, die Wohnung und ihre Bewohner zu verschonen. Nachdem die beiden Männer gegangen sind, kümmert sich die Gemeinschaft unbeholfen um die unter Schock stehende Halima, die sich mit ihrem Baby in ihr Zimmer zurückzieht. Delhani bedrängt Oum Yazan, Halima vom Schicksal ihres Mannes zu erzählen, über das sie verbotenerweise bereits mit dem Großvater Abou Monzer gesprochen hat. Als Halima am späten Abend schließlich von Samirs Schicksal erfährt, erleidet sie einen Nervenzusammenbruch. Sie reißt die Vorhänge auf, um die Aufmerksamkeit der Heckenschützen auf sich zu ziehen und kann nur mit größter Mühe wieder beruhigt werden. Halima macht sich daraufhin auf, Samirs Leichnam zu bergen. Karim und Yara helfen ihr dabei. Es stellt sich heraus, dass Samir noch lebt, aber durch eine Schusswunde schwer verletzt ist. Freunde von Oum Yazans Ehemann werden verständigt, die den bewusstlosen Samir fortbringen. Halima und ihr Baby sollen am nächsten Abend folgen. Über den Verbleib von Oum Yazans Ehemann können die Freunde nichts sagen. Sie raten ihr, die Wohnung zu verlassen, doch Oum Yazan will bleiben. In der Nacht, als kurzzeitig das Telefonnetz wieder funktioniert, erhält Oum Yazan eine kryptische Sprachnachricht von ihrem Ehemann. Am nächsten Morgen, als sein Sohn noch immer nicht zurückgekehrt ist, steht Abou Monzer rauchend vor dem verhangenen Fenster und ist den Tränen nahe.


KOMMENTAR DES REGISSEURS
Eines Tages im Dezember 2012 erzählte mir eine Freundin aus Damaskus, dass ihr Vater für drei Wochen in seiner Wohnung in Aleppo eingesperrt war – ohne Telefonanschluss oder andere Kommunikationsmöglichkeiten, weil die Stadt durch Bomben so sehr zerstört war. Ich sah diesen einsamen Mann vor mir, wie er in seinem eigenen Zuhause eingesperrt war, und stellte mir auch andere wie ihn vor, die Tag für Tag ums Überleben kämpfen. Dies ist die Geschichte einer Familie, die in ihrem eigenen Zuhause eingeschlossen ist, weil draußen der Krieg tobt. Dieses Projekt war von einer gewissen Dringlichkeit getrieben. Im Bemühen, schnell zu reagieren, war für mich von Anfang an klar, dass es sich nur um einen Ort – das Apartment – und eine Zeitspanne von 24 Stunden handeln sollte, um zu verstehen, was gewöhnliche Menschen in außergewöhnlichen Situationen tun – keine Helden, sondern Menschen, die einfach nur auf die Situation reagieren, die sie gerade zu durchleben gezwungen sind. Ich wollte die Zerbrechlichkeit wie auch die Stärke vermitteln, zu der wir alle in Notsituationen fähig sind. Unser Instinkt gibt uns die Kraft, ums Überleben zu kämpfen, und unser Selbsterhaltungstrieb auf Kosten der Bedürfnisse anderer rührt aus denselben menschlichen Impulsen und moralischem Versagen. Dennoch gibt es keine Verurteilung oder eine aufgedrückte moralische Haltung, sondern nur Tatsachen, welche die Wirklichkeit freilegen sollen. Um die Authentizität des Skripts zu gewährleisten, suchte ich Rat bei den exilierten syrischen Filmemachern Hala Mohammad und Meyar Al Roomy. Außerdem konnte ich auf eigene Kenntnisse der Region zurückgreifen, denn in den letzten Jahren habe ich regelmäßig im Libanon gearbeitet. Diese beiden Länder teilen eine gemeinsame Kultur und gemeinsame Bräuche, genauso wie sie nun leider auch die Erfahrung des Bürgerkrieges teilen. Der Film ist als immersive Erfahrung gedacht. Die Wohnung fühlt sich an wie eine Blase, die kurz davor ist, zu explodieren. Die Schatten sind unheilverkündend und die Außenwelt scheint unerreichbar, verboten. Es ist, als ob die Figuren auf einem Vulkan sitzen, leicht reizbar, fahrig und egoistisch. Und dennoch versuchen sie, Empathie und Mitgefühl für ihre Mitmenschen zu zeigen. PANIC ROOM von David Fincher ist eine gute Referenz bezüglich der Spannung, doch hier gibt es keine Tricks, keine Spezialeffekte, sondern nur den ungeschönten Blick auf das Drama der Situation, in der sich die Figuren befinden.
Wie in meinem letzten Film, THE DAY GOD WALKED AWAY, war ich sehr darum bemüht, in meiner Herangehensweise an Gewalt jegliche Nachsicht und jeglichen Voyeurismus zu vermeiden. Wie Jacques Tourneur, glaube ich, dass je weniger man sieht, desto besser. Ich denke, dass man anfälliger ist für einen gewissen Realismus und Emotion, wenn man anstatt wegzuschauen, versucht zu sehen, aber nichts oder so wenig erkennen kann, sodass man die fehlenden Bilder im Kopf ergänzen muss. Nur dann kann jede Art von Emotionen einschließlich Terror wirklich über die Leinwand erlebt werden. Auch der Ton hat seine eigene Fähigkeit, Bilder in der Vorstellung zu wecken, oft stärker und lebendiger als Bilder dies können. Die gewalttätigen Handlungen, die im Film dargestellt werden, sind eher akustischer Natur als visueller. Ich versuche immer, etwas visuell auszudrücken, anstatt Dialoge zu benutzen, um die Dinge zu vermitteln. Meiner Meinung nach sollten Gesichter und Körper alles erzählen. Abgesehen von Hiam Abbass (die Mutter) und Diamand Bou Abboud (Halima) sind die Schauspieler alle syrische Flüchtlinge. Da Juliette Navis (Delhani) nicht Arabisch spricht, wurde sie darauf trainiert, ihre Dialoge rein phonetisch zu produzieren. Das Aufbegehren des syrischen Volkes begann vor sechs Jahren und der Krieg wütet seit über fünf Jahren. Und der Rest der Welt hat nichts getan, um ihn zu stoppen. Die Syrer, die gerade in Europa Zuflucht suchen, hatten keine andere Wahl, als ihre Häuser und ihr Land zu verlassen. Sie alle entflohen einem Leben, zu dem uns die Bilder fehlen. Unabhängig von der Katastrophe in Syrien und anderswo, ob heute oder in vergangenen Zeiten, möchte ich den Blick auf die Würde der zivilen Bevölkerung richten, die in modernen Kriegen mehr und mehr die Leidtragende ist.


ÜBER DEN REGISSEUR
Philippe Van Leeuw wurde 1954 in Brüssel geboren. Er studierte an der Brüsseler Filmschule INSAS, bevor er nach Los Angeles zog, um am American Film Institute Kamera zu studieren. Zu seinen Lehrern gehörten dort u.a. Ingmar Bergmans Weggefährte Sven Nykvist und Conrad Hall (BUTCH CASSIDY UND SUNDANCE KID, DER MARATHON-MANN, AMERICAN BEAUTY). Nach seiner Rückkehr nach Europa war er als Kameramann für diverse Dokumentarfilme sowie in der Werbung tätig. Sein Spielfilmdebüt als Kameramann legte er 1997 mit DAS LEBEN JESU von Bruno Dumont vor. Seitdem hat er sich fiktionalen Stoffen zugewandt. Mit THE DAY GOD WALKED AWAY feierte er 2009 sein Regiedebüt. INNEN LEBEN ist sein zweiter Spielfilm als Regisseur. Philippe Van Leeuw lebt in Paris.


HIAM ABBASS als Oum Yazan
Hiam Abbass wurde 1960 in Nazareth geboren. Nach einem Fotografie-Studium in Haifa schloss sie sich der von François Abou Salem gegründeten Theatergruppe El-Hakawati an, mit der sie u.a. auf Tourneen durch Europa und die USA ging. Seit 1994 spielt sie regelmäßig in internationalen Film- und Fernsehproduktionen. In Deutschland wurde sie vor allem durch ihre Rollen in den Filmen DIE SYRISCHE BRAUT (2004) und PARADISE NOW (2005) einem größeren Publikum bekannt. Für ihre Rolle in DIE SYRISCHE BRAUT wurde sie 2005 für den Europäischen Filmpreis als Beste Darstellerin nominiert. 2007 gehörte Abbass unter dem Vorsitz von Paul Schrader zur Jury der Berlinale. Dort stellte sie ein Jahr später den Film LEMON TREE vor, bei dem sie nach DIE SYRISCHE BRAUT erneut mit Eran Riklis zusammenarbeitete. Für die Hauptrolle der palästinensischen Witwe Salma, deren Zitronenbaum-Garten als Sicherheitsrisiko für den in direkter Nachbarschaft einziehenden israelischen Verteidigungsminister bewertet wird, wurde sie 2008 erstmals mit dem Ophir Award, Israels nationalem Filmpreis, ausgezeichnet und erhielt eine Nominierung für den Europäischen Filmpreis 2008 als Beste Darstellerin. Nach ersten Kurzfilmarbeiten stellte Hiam Abbas bei den 69. Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2012 ihren ersten Spielfilm INHERITANCE vor. Das Drama, für das sie auch das Drehbuch schrieb und an der Seite der Französin Hafsia Herzi die Hauptrolle übernahm, erzählt von den Hochzeitsvorbereitungen einer palästinensischen Familie, die im Zeichen des Krieges zwischen Israel und dem Libanon steht. Im gleichen Jahr war Abbass Teil der Wettbewerbsjury der 65. Internationalen Filmfestspiele von Cannes unter Vorsitz von Nanni Moretti. Hiam Abbass lebt mit ihrem Mann, dem Schauspieler Zinedine Soualem, und ihren beiden Töchtern in Paris.
Filmografie (Auswahl)
2002 ROTER SATIN (Regie: Raja Amari)
2004 DIE SYRISCHE BRAUT (Regie: Eran Riklis)
2005 PARADISE NOW (Regie: Hany Abu-Assad)
2005 FREE ZONE (Regie: Amos Gitai)
2005 MÜNCHEN (Regie: Steven Spielberg)
2007 DIALOG MIT MEINEM GÄRTNER (Regie: Jean Becker)
2007 EIN SOMMER IN NEW YORK – THE VISITOR (Regie: Tom McCarthy)
2008 LEMON TREE (Regie: Eran Riklis)
2009 THE LIMITS OF CONTROL (Regie: Jim Jarmusch)
2010 MIRAL (Regie: Julian Schnabel)
2012 INHERITANCE (Regie: Hiam Abbas)
2014 EXODUS: GÖTTER UND KÖNIGE (Regie: Ridley Scott)
2015 BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL (Regie: Éric Besnard)
2017 INNEN LEBEN (Regie: Philippe Van Leeuw)
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Donnerstag 08.06.2017
DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN
Ab 15. Juni 2017 im Kino
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Bella (Jessica Brown Findlay) liebt die kleinen Dinge, die ihre Phantasie beflügeln, und träumt davon, Kinderbücher zu schreiben. Im echten Leben und in ihrem Haus aber liebt sie Ordnung über alles. Natur ist ihr ein Graus, bedeutet sie doch Willkür und Chaos. Als sie von ihrem Vermieter gezwungen wird, ihren verwilderten Garten innerhalb eines Monats in einen blühenden zu verwandeln, weil ihr sonst die Kündigung droht, bekommt sie unerwartet Hilfe von ihrem mürrischen Nachbar Alfie Stephenson (Tom Wilkinson).
Der besitzt nicht nur einen sehr grünen Daumen und eine Menge Lebensweisheit, er beschäftigt auch den überaus begabten Koch Vernon (Andrew Scott). Doch Vernon ist nicht nur kulinarisch versiert, er hat außerdem ein besonderes Gespür für Menschen. Als er merkt, wie sehr Bellas Herz für den jungen Erfinder Billy (Jeremy Irving) schlägt, hilft er dem Glück ein wenig auf die Sprünge.
Dank seines äußerst liebevollen Blicks für seine Figuren und jedes noch so kleine Detail ist Regisseur Simon Aboud mit DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN die Schaffung einer ganz eigenen und besonderen Welt gelungen, in der der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind.
DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN ist ein modernes Märchen über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einer jungen verträumten Frau, die nach dem Sinn des Lebens sucht, und ihrem Nachbar, einem alten Witwer, der mit dem Leben eigentlich schon abgeschlossen hat. Am Ende stehen sie nicht nur in einem geradezu zauberhaften Garten, sondern sind sich einig, jeder auf seine Art, dass die ganz große Magie das Leben selbst ist.


Drehbuch & Regie: Simon Aboud
Mit Jessica Brown Findlay, Tom Wilkinson, Andrew Scott u.a.


Eigentlich ist die Welt der schönen und sensiblen Bella Brown (Jessica Brown Findlay) in Ordnung. Wenn, ja, wenn sie Bellas eigener Ordnung folgt. Denn in Bellas Welt hat alles seinen Platz. Die sorgfältig aufgereihten Kleider in Bellas Schrank, die schottischen Müsli-Packungen in ihrem Regal und die Bücher in der Bibliothek, in der Bella arbeitet. Kein Wunder, dass alles, was sich nicht ordnen lässt, für Bella Ausdruck des reinen Chaos ist.
So wie das Durcheinander der Natur, mit ihren unvorhersehbaren Ausbrüchen, den Pflanzen, die keiner Ordnung folgend, in unbestimmter Anordnung und nicht vorhersehbaren Farben Bella das Leben schwermachen. In diesem Zwiespalt zwischen Ordnung und Chaos träumt Bella einen Traum: Sie möchte eine Schriftstellerin sein. Dann kommt der Tag, an dem Bella beschließt, dass sich ab jetzt alles ändern wird. Und tatsächlich geschieht etwas, von dessen Ausmaß Bella zu diesem Zeitpunkt noch nichts ahnen kann.
In der Bibliothek, in der Bella arbeitet, erscheint an diesem Tag ein junger Mann. William Tranter alias Billy (Jeremy Irvine) ist unkonventionell, ein wenig schüchtern und – unordentlich. Aber dennoch ist da etwas an ihm, das Bella heimlich durch die Regalreihen blicken lässt, um ihn unbemerkt zu beobachten. Billy vergisst einen Zettel in der Bibliothek, und als Bella diesen abends zuhause untersucht, entdeckt sie die Zeichnung eines Wundervogels. Plötzlich fliegt dieser aus Bellas Zimmer und zwingt sie, sich aus der Sicherheit ihrer Wohnung in den beängstigenden Garten zu wagen. Nicht ohne Folgen. Bella wird ohnmächtig.
Als Bella wieder zu sich kommt, blickt sie in das Gesicht von Milly Milton (Eileen Davies), der Ärztin ihres mürrisch-zynischen Nachbarn Alfie Stephenson (Tom Wilkinson). Der hat wenig Mitgefühl mit Bella, dieser „Gartenterroristin”. Genauso grantig behandelt Stephenson auch seinen Koch Vernon (Andrew Scott).
Trotzdem kümmert sich der schottische Witwer und Vater von zwei Töchtern schon seit vielen Jahren um Alfie Stephenson. Bis es an diesem Tag zu einem Streit zwischen den beiden kommt. Am nächsten Tag steht Vernon mit seinen Töchtern vor Bellas Tür, um ihr ein Frühstück zu bereiten. Bella fühlt sich überrumpelt.
Doch als Stephenson Vernon wütend entlässt, bietet sie ihm an, von nun an für sie zu arbeiten. Sehr zum Leidwesen von Alfie Stephenson, der sie zur persona non grata erklärt und ihr aus Rache den Hausverwalter auf den Hals jagt. Einen Monat gibt der Bella, um den Garten wieder auf Vordermann zu bringen, sonst wird ihr die Wohnung in Primrose Gardens gekündigt. Bella bleibt nichts anderes übrig, als sich ihren Ängsten zu stellen und die Arbeit am Garten aufzunehmen.
Doch Alfie Stephenson lässt nicht locker – er will „seinen” Vernon wiederhaben. Als er Bella schließlich erklärt, dass alles was ihm geblieben sei, die Schönheit der Natur und die Aussicht auf ein letztes, herzhaftes Mahl wären, einigen sich die beiden: Vernon wird wieder für Alfie Stephenson kochen, wenn der Bella dabei hilft, den Garten in Ordnung zu bringen.

Die ungewöhnliche Partnerschaft der beiden beginnt mit einem Geschenk. Alfie Stephenson überlässt Bella das Buch von Arthur Mildmay über die fantastischen Wunder des Gartens. Dieses Buch ist ihm so wichtig, dass Bella es erst nach seinem Tod behalten darf. Bis dahin darf Bella darin lesen. Und das tut sie auch. Stück für Stück eröffnet sich für Bella eine ganz andere Welt der Ordnung, das wundervoll geordnete Chaos der Natur, wie Alfie Stephenson es nennt: „Und das Chaos ist keine Katastrophe, Miss Brown.” Mit jedem Tag kommen sich die beiden näher, aus Mr. Stephenson wird Alfie, aus Miss Brown wird Bella und aus den ehemaligen Gegnern ein “Wir”.
Wenn Bella sich in die Natur begibt, dann am liebsten im Stadtpark, der in der Gradlinigkeit britischer Gartenarchitektur angelegt ist. Dort füttert sie jeden Sonntag den zerzausten Gänserich „Sid“. An diesem Sonntag trifft sie dort auch auf Billy. Die beiden kommen sich näher und Bella findet endlich den Anfang der Geschichte, die sie schon immer erzählen wollte. Es ist die Geschichte über Luna, einen wundersamen mechanischen Vogel, den Billy erfunden hat. So wie die Nähe zwischen Bella und Billy mit jedem Tag wächst, entwickelt sich auch die Geschichte von Luna, die sich auf den Weg macht, ihre Ängste zu besiegen.
Bella ist glücklich. Glücklich, bis sie ihren Job in der Bibliothek verliert und bis es zu einem Missverständnis zwischen ihr und Billy kommt. Denn dann wird Bella krank, krank vor Liebeskummer. Und es bleiben ihr nur noch wenige Tage, um nicht auch noch die Wohnung zu verlieren. Vernon und Alfie sorgen sich – es scheint keine Medizin zu geben, um ein gebrochenes Herz zu heilen. Das weiß niemand besser als Alfie, der nun angesichts von Bellas misslicher Lage, sein Herz öffnet und ihr die Freundschaft anbietet. So erfährt Bella auch, dass Arthur Mildmay das Autorensynonym für Alfies verstorbene Frau ist, die Gartenarchitektin und Alfies Verbindung zum Leben war.
Es bleibt nur noch ein Tag, um Bella zu retten. Alfie und Vernon beschließen, ihr unter die Arme zu greifen. Als Bella mit Milly von einem Ausflug zurückkommt, findet sie den Garten in blühender Pracht vor. Als am nächsten Tag der Vermieter vor Bellas Tür steht, ist auch Billy da. Bella und Billy sprechen sich aus und dem Vermieter bleibt nichts anderes übrig, als die großartige Leistung der Gartenarchitektur anzuerkennen. Bella darf bleiben.
Alles hat seine Ordnung im Chaos gefunden. Bella hat ihr Kinderbuch „This Beautiful Fantastic“, über die mutige Luna beendet, die, wie Bella, es geschafft hat, ihre Ängste zu besiegen. Und auch Alfie hat zurück ins Leben gefunden. Bis zu dem Tag, an dem Bella das von Alfie geliebte Buch seiner Frau ihr Eigen nennen wird.


DIRECTOR’S NOTE
DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN erzählt von Alfie, einem Mann, der die Schönheit des Lebens kennt, sich aber nicht mehr daran erfreuen kann, und der jungen Bella, die diese erst noch entdecken muss. Als sich beide begegnen, prallen zwei Welten aufeinander. Doch am Ende wird daraus eine ungewöhnliche Freundschaft, die über das Leben hinaus hält.
Die Verwandlung des Gartens in seine ursprüngliche Schönheit ist wie eine Metapher. Es sind Alfies Erfahrungen, die Bella helfen, ihre Träume zu verwirklichen. Und durch Bellas Kampf, ihre Ängste zu überwinden, gelingt es Alfie, wieder am Leben teilzuhaben.
DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN ist eines dieser raren Drehbücher, deren einzigartige Geschichte zu einem wahren Leinwand-Juwel wird. Es ist nicht nur ein Märchen für Erwachsene, sondern auch eine romantische Erzählung über eine aufblühende Liebe und eine Komödie über das Erwachsenwerden.
Als Filmemacher konzentriere ich mich immer auf die emotionale Wahrheit einer Geschichte; auf die Charaktere und wie sie sich innerhalb der Geschichte entwickeln. Mir war wichtig, dass DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN eine Balance findet zwischen seelischen Nöten, emotionaler Wärme und einer sorgfältig choreographierten, filmischen Schönheit. Die Zeitlosigkeit der Geschichte haben wir mit den visuellen Details der Ausstattung und durch den Digital Grade in der Postproduktion entsprochen. Unsere „Farbreise“ begann mit kalten, tiefen Blau- und Grautönen in den Anfangsszenen über Bellas Kindheit, und endete mit allmählich helleren und wärmeren Tönen, die Bellas Entdeckungsreise und Erwachen widerspiegeln.
Auch die Kamerabewegungen sind ganz bewusst gewählt. Die MoVi-Ausrüstung setzen wir sehr weich, fast poetisch ein, um die emotionale Seite von Bellas Reise einzufangen, an deren Ende sie letztendlich die Liebe findet. In ihren melancholischeren Momenten ist die Kameraeinstellung starr, düster, mit konservativer Bildeinstellung. Die Kamerabewegung entspricht in jeder Phase der Geschichte Bellas Stimmung.
Auch der Garten selbst ist ein wichtiger Darsteller in DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN. Je wichtiger er in Bellas Leben wird, umso mehr Raum bekommt er in den Bildeinstellungen und prägt sich somit im Bewusstsein des Zuschauers ein. Der Garten wird Teil des Bildgefüges und unterstützt die Geschichte, indem er sich mal in ihren Vordergrund drängt, mal in ihrem Hintergrund agiert.
Die Zeitebene, in der sich die Charaktere bewegen, beschreibe ich gerne als “irgendwo zwischen Jetzt und Dann”. Die Atmosphäre entspricht durch und durch einem englischen Stil, ohne ein bestimmtes Jahr und einen bestimmten Ort zu definieren. Denn DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN spielt nicht im Heute mit all den dazugehörigen zeitgemäßen technologischen Gadgets. Der Film ist in der Architektur und den ausgewählten Orten eher im nostalgischen Stil des englischen Jugendstils angelegt. Das spiegelt sich auch im Kostümdesign wider, das im Film eine entscheidende Rolle spielt und die Individualität jedes Charakters definiert, ohne dass durch Vintage-Einflüsse das Gesamtbild gestört wird.
Mit der Filmmusik sind wir genauso verfahren wie mit der szenischen Darstellung des Gartens, auch sie ist zum allgegenwärtigen Darsteller geworden. Mich hat schon immer die Musik der „Cocteau Twins“ sehr angesprochen und ganz aktuell ihr Song „The Yeah Yeah Yeahs“. Deshalb habe zu der vom Piano und Geigen dominierten Hintergrundmusik, die der Geschichte und den Jahreszeiten folgt, Momente geschaffen, in denen die Musik moderner ist und von einer starken, weiblichen Stimme geführt wird, damit Bellas Emotionen fast wie durch Schreie verstärkt werden.
Simon Aboud
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 01.06.2017
BORN TO BE BLUE
Ab 08. Juni 2017 im Kino
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BORN TO BE BLUE erzählt von einem Wendepunkt im Leben des legendären Jazz-Trompeters Chet Baker (Ethan Hawke). Nach einem kometenhaften Aufstieg in den 1950er Jahren, gefeiert als der „James Dean of Jazz“ und „King of Cool“, war Baker schon zehn Jahre später am Ende. Zerrissen von seinen inneren Dämonen und den Exzessen des Musikerlebens, begegnet er einer Frau (Carmen Ejogo), mit der wieder alles möglich scheint. Angefeuert von seiner neuen Leidenschaft und ihrem bedingungslosen Glauben an ihn, kämpft sich Baker wieder zurück und erschafft so einige der unvergesslichsten Musikaufnahmen seiner Karriere.

Ein Film von ROBERT BUDREAU
Mit ETHAN HAWKE, CARMEN EJOGO, CALLUM KEITH RENNIE, TONY NAPPO


BORN TO BE BLUE ist eine eindrucksvolle Comeback-Story und eine Liebeserklärung an einen der begnadetsten Musiker der Welt. Als Jazz-Ikone Chet Baker liefert Ethan Hawke (Oscar-nominiert für TRAINING DAY und BOYHOOD) eine schauspielerische Leistung, die zu der Besten seiner Karriere gehört. Als die Frau, die Chet Baker wieder zur Höchstform inspirierte, brilliert die britische Schauspielerin Carmen Ejogo (SELMA).
Seine Weltpremiere feierte der Film des kanadischen Regisseurs Robert Budreau beim Filmfestival in Toronto.


1966 kann es für Chet Baker (Ethan Hawke) nicht weiter abwärts gehen. Der Mann, der als bester Jazz-Trompeter der Welt gilt, bekommt weder sein Leben noch seine Drogensucht in den Griff. 12 Jahre ist es her, dass er, der Erfinder des West Coast Swing, erstmals im legendären New Yorker Jazzclub Birdland auftrat. Draußen standen kreischende Fans, drinnen saß der berühmte Kollege Miles Davis – und ließ seinen weißen Konkurrenten deutlich spüren, wie wenig er von dessen Musik hielt. Kein Wunder, dass sich Chet zu jener Zeit – zwischen Welterfolg und Selbstzweifel – wieder dem Heroin zuwendete, das ihm bald zum Verhängnis werden sollte.
Zumindest will man aber einen Film über sein bewegtes Leben drehen. Dass Chet Gefallen findet an der ungewohnten Arbeit als Schauspieler liegt nicht zuletzt an seiner Kollegin Jane (Carmen Ejogo), die seine frühere Ehefrau Elaine verkörpert. Anfangs hält sich ihr Interesse an ihm in Grenzen, aber schließlich gelingt es Chet doch, sie zu einem Date zu überreden. Beim gemeinsamen Bowlen kommen sich die beiden näher, allerdings holt ihn noch am selben Abend seine Junkie-Vergangenheit ein: vor der Bowling-Halle lauert ihm sein früherer Dealer auf und prügelt den Musiker gemeinsam mit zwei Handlangern krankenhausreif. In der Klinik gibt es für Chet ein jähes Erwachen. Das Filmprojekt ist durch seinen Ausfall hinfällig, und sein ehemaliger Produzent und Plattenfirmenboss Dick Bock (Callum Keith Rennie) will ihm außer dem Ratschlag, endgültig die Sucht in den Griff zu bekommen, keine weitere Hilfe angedeihen lassen. Immerhin macht Jane keine Anstalten, von seiner Seite zu weichen.
Auch sie kann allerdings kaum über die schlimmste Nachricht hinwegtrösten: nach dem Überfall muss ihm eine Zahnprothese eingesetzt werden – und dass er mit der je wieder Trompete spielen kann, scheint nahezu ausgeschlossen.
Gemeinsam mit Jane bemüht sich Chet dennoch, aller Verzweiflung und Schmerzen zum Trotz Stück für Stück zurück ins Leben zu finden. Außerdem gilt es, die Auflagen des Bewährungshelfers zu erfüllen: keine Schmerzmittel, Methadon gegen die Heroinsucht und ein regelmäßiger Job, der möglichst den Kontakt zu Drogen verhindern soll. Sogar einen Aufenthalt auf der Farm seiner Eltern in Oklahoma nimmt Chet in Kauf, wo er vorübergehend als Tankwart anheuert.
Die Musik allerdings lässt ihn nicht los; immer wieder greift er zur Trompete und versucht ganz langsam, seinen Kiefer wieder an das Instrument zu gewöhnen und die Schmerzen zu überwinden. Nach der Rückkehr nach Los Angeles wagt sich Chet in einer Pizzeria mit sonntäglichen Jazz-Konzerten irgendwann sogar wieder auf eine Bühne. Aber der Weg zurück zur alten musikalischen Form ist weit, und der Bewährungshelfer sitzt ihm immer im Nacken. Erst als es Jane gelingt, seinen alten Freund Dick dazu zu überreden, Chet als Studiomusiker und Hilfsarbeiter zu engagieren, geht es endgültig wieder aufwärts.
Beruflich wie privat könnte Chet optimistisch in die Zukunft blicken: Jane ist schwanger und nimmt seinen Heiratsantrag an, und bei einem von Dick veranstalteten Konzert zollt ihm sogar der berühmte Kollege Dizzy Gillespie Respekt. Chet allerdings träumt von nichts so sehr wie von einer Rückkehr ins Birdland, wo er sich endlich vor Miles Davis beweisen will. Doch genau dort lauern auch die Dämonen der Vergangenheit...


PRODUKTIONSNOTIZEN
Die Ursprünge
Seinen Ursprung hat BORN TO BE BLUE nicht nur in Robert Budreaus Liebe zur Musik, sondern auch in „Dream Recording“ (2003), einem experimentellen Kurzfilm des Regisseurs und Drehbuchautors über schwarzen und weißen Jazz der 1940er Jahre. Schon damals entstand die Idee, einen Film über diese Musik zu drehen, der die gleiche Freiheit des Improvisierens verwendet. Und nicht zuletzt kam er für das Projekt erstmals mit dem Jazz-Pianisten und Komponisten David Braid zusammen, mit dem er nun auch für die Musik bei BORN TO BE BLUE kollaborierte.
Obwohl er schon seit langem großer Jazz-Fan ist, hörte Budreau erst vor rund acht Jahren das erste Mal von der persönlichen Geschichte Chet Bakers. In ihr entdeckte der Filmemacher zahlreiche Themen, denen er sich immer schon in seinen Filmen gewidmet hatte, allen voran einen Helden mit jeder Menge Fehlern, der auf der Suche nach Liebe und Erlösung ist.
„Zwei Aspekte reizten mich an Chet Bakers Geschichte besonders“, gibt Budreau zu Protokoll. „Zum einen der inspirierende, sympathische Teil, also die Tatsache, dass er seine Zähne verlor und sich mühsam ein Comeback erarbeiten musste. Und zum anderen eine Randnotiz mit durchaus surrealem Potential: dass man ihm anbot, die Hauptrolle in einem Film über sein Leben zu spielen, der dann letztlich nie zustande kam.“
In der Tat nahm Filmproduzent Dino de Laurentiis in den frühen Sechziger Jahren Kontakt zu Baker
auf, als der wegen eines Drogenvergehens in Italien im Gefängnis saß. In der Realität kam das Filmprojekt über Bakers Leben nie über das Planungsstadium hinaus. Doch Budreaus Idee war es sich vorzustellen, dass Baker tatsächlich als er selbst vor der Kamera stand. Auf diese Weise wollte er nicht nur die altbekannten Klischees anderer Musiker-Biopics vermeiden, sondern auch das im Jazz so wichtige Element der Improvisation auf die Leinwand bringen.
Aus diesem Erzählansatz entwickelte er eine Struktur, mit der seine Geschichte sich nicht ausschließlich auf Fakten verlässt, aber doch ein wahrhaftiges Bild der Figur und ihrer Zeit zeichnet. Eine nachvollziehbare Entscheidung, schließlich widersprach sich nicht zuletzt Baker gerne selbst. Darüber, wie er seine Zähne verloren hat, fand Budreau beispielsweise in den von ihm recherchierten Zeitungsartikeln und Gefängnis-Aufzeichnungen höchst unterschiedliche Aussagen.
„Die Tatsache, dass Chets eigene Erzählung seines Lebens voller Widersprüche und Improvisationen steckte, inspirierte mich dazu, weniger seiner Biografie als seiner Musik und seiner Persönlichkeit treu zu bleiben“, sagt der Regisseur. „Mich erinnerte das an Bob Dylan, der ebenfalls seinen eigenen Mythos und seine eigene Identität schuf, was dann sehr clever in dem Film I’M NOT THERE von Todd Haynes aufgegriffen wurde.“ BORN TO BE BLUE erzählt nun entsprechend eine Geschichte, die von wahren Schlüsselerlebnissen in Bakers Leben ausgeht, sich dabei aber fiktionale Freiheiten bei den Figuren und Ereignissen erlaubt.
Hauptdarsteller Ethan Hawke war die erste Wahl des Regisseurs und befand sich zum Zeitpunkt der
Kontaktaufnahme passenderweise gerade in Toronto, wo Budreau lebt. Von der Aussicht, Chet Baker zu spielen, war er auf Anhieb begeistert, nicht zuletzt weil er Jahre vorher bereits mit Richard Linklater versucht hatte, einen Film über den legendären Jazz-Musiker auf die Beine zu stellen. Mit Budreaus Entscheidung, in BORN TO BE BLUE eine gewisse Distanz zur Realität zu wahren, konnte er sofort etwas anfangen: „Es ist schwer zu beschreiben, aber ich fand immer, dass dies der Film ist, den man im Kopf hätte, wenn man sich hinlegen und eine Platte von Chet Baker auflegen würde. Er fängt Chets Geist ziemlich gut ein.“
„Ich finde es wirklich smart, was Robert gemacht hat, indem er Momente der Wahrheit – wie De Laurentiis’ Idee, dass Chet sich selbst spielt, oder Chets Verlust seiner Zähne – als Basis nimmt und diese sozusagen neu kombiniert“, fährt Hawke fort. „Das gibt dem Konzept des Biopics eine neue, nötige Wendung. Denn die Gesamtheit eines Menschen kann man ja ohnehin nicht auf der Leinwand einfangen. Einem Leben wird man nicht gerecht, wenn man es in eine Erzählung mit Anfang, Mitte und Schluss quetscht.“
Zu dieser Neugestaltung von Bakers Leben gehörte es auch, dass Budreau in seinem Drehbuch mehrere Frauen aus der Vergangenheit seines Protagonisten in der fiktiven Figur Jane kombiniert, anhand der sich Bakers wechselhaftes und kompliziertes Verhältnis zum Thema Liebe und Beziehungen erkennen lässt. Die Rolle übernahm Carmen Ejogo, die Budreau und Hawke zustimmt, dass BORN TO BE BLUE nicht wirklich als Biopic zu verstehen ist: „Für mich ist der Film eher eine Art Liebeserklärung an Chet Baker. Er fängt die Essenz dessen ein, was Chet war – und lässt sich davon leiten.“

Die Dreharbeiten
Um die verschiedenen Zeit- und Realitätsebenen des Films zu unterscheiden, entschied sich Budreau schon früh dazu, die Szenen in den 1950er Jahren (also die Film-im-Film- und Erinnerungsszenen) in Schwarzweiß zu drehen. Dies sollte sie nicht nur vom Rest des Films abheben, sondern auch an die kontrastreichen Fotos und die visuelle Ikonografie erinnern, die das Bild der Jazz-Welt in den Fünfzigern prägten. Nicht zuletzt die berühmten Aufnahmen, die William Claxton damals von Baker machte, festigten das Bild des ‚James Dean des Jazz’ und brachten die Musikrichtung auch einem weißen (und weiblichen) Mainstream-Publikum nahe.
Um diesen Schwarzweiß-Szenen einen dokumentarischen Stil zu verpassen, entschieden sich Budreau und Kameramann Cosens für den Einsatz von handgeführten Kameras, wie der Regisseur erklärt: „Mir ging es um ein Gefühl von Spontanität und Naturalismus. Die Schauspieler sollten sich möglichst frei fühlen und das Ganze an Filme der Nouvelle Vague wie AUSSER ATEM erinnern.“ Als Kontrast dazu setzte das Team für die in Farbe gehaltenen Szenen der Sechziger Jahre auf eine klassischere Herangehensweise und Kamerafahrten.
Die Freiheit seiner Schauspieler förderte Budreau auch dadurch, dass er mit ihnen nicht im Vorfeld der Szenen an den Dialogen arbeitete und neue Sätze ausprobierte, sondern sie auch vor laufender Kamera improvisieren ließ. Callum Keith Rennie, der Bakers Produzenten und Freund Dick Bock spielt, war dabei besonders beeindruckt von seinem Kollegen Ethan Hawke: „Rob war wirklich toll darin, uns immer die Chance zu geben, den Szenen auch eine neue Richtung geben zu können. Und wir nutzten jede Möglichkeit, die sich bot. Mit Ethan auf diese Weise zu arbeiten ist etwas Besonderes, denn er ist ein unglaublich präsenter und instinktiver Schauspieler.“
Für Hawke und Ejogo ging es nach dem fünfwöchigen Dreh in Kanada schließlich noch für einige Tage nach Los Angeles, um für BORN TO BE BLUE auch ein wenig kalifornisches Flair einzufangen. Mit kleinem Team drehten sie in Santa Monica, wo das Licht am Meer eine große Rolle spielte: „Das Wetter sorgte für ein traumartiges, sanftes Licht, das den Szenen eine gewisse Dunkelheit verlieh, die bestens zu Chet Bakers Melancholie passte.“

Die Musik
Mindestens so viel Aufmerksamkeit wie den Schauspielern widmete Budreau der Musik in seinem
Film: „Es handelt sich bei BORN TO BE BLUE nicht um einen herkömmlichen Musikfilm mit lauter perfekt produzierten Nummern. Bei uns war das wichtigste, Chets Entwicklung zu zeigen. Er musste zum Teil ja richtig schlecht spielen, was eine besondere Herausforderung darstellte.“
Dass Baker keinen seiner berühmten Songs selbst geschrieben hatte, sondern häufig die Klassiker des so genannten Great American Songbook neu interpretierte, war für die Filmemacher letztlich ein Vorteil. „Wir entschieden schon früh, dass wir keine Originalaufnahmen verwenden, schon allein weil wir wollten, dass Ethan selbst singt“, erklärt Budreau. „Außerdem mussten wir eben darauf achten, dass die Arrangements der Songs zur Erzählung des Films passen. Mit den perfekt abgemischten Studioaufnahmen hätten wir in vielen Fällen nichts anfangen können, denn in den Szenen, in denen Chet mühsam an seinem Comeback arbeitet, musste man ja die Mühen und Schmerzen hören können.“
Um das zu erreichen, brauchte es nicht nur hervorragende Schauspieler, sondern natürlich auch ebensolche Musiker, wie David Braid berichtet, den Budreau nach dem gemeinsamen Jazz-Kurzfilm „Dream Recording“ als Music Arranger engagierte: „Unser Trompeter Kevin Turcotte sollte einen Oscar gewinnen für die Art und Weise, wie er spielte, die gleichzeitig fehlerhaft, aber eben auch wunderschön war. Das so glaubwürdig zu transportieren, dass es im Kino sowohl Musiker als auch Laien nachvollziehen können, war alles andere als ein Kinderspiel.“ Turcotte spielt im Film allerdings nicht nur die Trompeten-Parts von Chet Baker, sondern auch jene von seinen Kollegen Miles Davis und Dizzy Gillespie. „Dass hinter diesen unterschiedlichen Stilen in unserem Film ein und dieselbe Person steckt, ist wirklich bemerkenswert!“
Zu den bekanntesten Songs, die für den Film ausgewählt wurden, gehören „Let’s Get Lost“, „Summertime“, „Over the Rainbow“, „There’s a Small Hotel“ und natürlich „My Funny Valentine“, von Ethan Hawke selbst gesungen.
Um gesanglich bei „My Funny Valentine“ und „I’ve Never Been in Love Before“, den Hawke und Budreau für das emotionale Finale des Films auswählten, nahm der Schauspieler in New York Gesangsunterricht. Bei einigen der Stunden stieß Budreau dazu, genau wie schließlich auch bei den Aufnahmen in einem Studio in Brooklyn. Ganz reibungslos lief die Session dort nicht ab, wie der Regisseur sich erinnert: „Der erste Tag der Aufnahmen war lang und hart, aber Ethan war fantastisch und ich hatte das Gefühl, dass es am zweiten Tag kaum noch etwas zu tun geben würde. Dann aber kamen wir morgens an – und alles vom Vortag war gelöscht. Ethan musste noch einmal ganz von vorne beginnen, und diese zarten Liebeslieder singen. Doch er war umwerfend und sogar noch besser als am Tag zuvor.“
Hawke, der schon im Vorfeld der Dreharbeiten von den Produzenten das passende Instrument geschenkt bekommen hatte, nahm zur Vorbereitung auch Trompeten-Unterricht. „Mein Lehrer sagte mir, dass ich selbst mit fünf Jahren Üben nicht annähernd an das Spiel von Chet Baker herankommen würde. Dieser Illusion musste ich mich gar nicht hingeben“, berichtet der Schauspieler. „Aber ich wollte es mir nicht nehmen lassen. Außerdem hatte ich mich vor vielen Jahren schon mal auf einen Film über Chet Baker vorbereitet, der dann nie zustande kam. Deswegen war diese Rolle im Grunde nun 16 Jahre lang in der Mache.“
Hawke erinnerte sich durch die Auseinandersetzung mit Chet Baker auch daran, wie sehr er seine Liebe zum Jazz dem Kino verdankte. „Ich erinnere mich noch daran, wie mich damals Spike Lees Jazz Film MO’ BETTER BLUES umgehauen hatte. Allen voran Denzel Washington“, schwärmt der Schauspieler. „Und dann war da natürlich auch noch Robert Altmans KANSAS CITY.“
Zur Vorbereitung auf seine Rolle stürzte er sich außerdem Hals über Kopf ins Internet: „Ich finde es
fantastisch, welche Möglichkeiten sich heute bieten. Man kann ein Buch über Charlie Parker lesen und dann einen seiner Songs im Netz suchen und hören. Oder man kann Parkers Version von ‚Cheryl’ hören und direkt mit der von Chet Baker vergleichen. All das, worüber im Drehbuch gesprochen wird, kann man sich online selbst aneignen und verständlich machen.“
Hawke war allerdings nicht der einzige, der Freude an der Musik des Films hatte. „Ich fand es einfach fantastisch, bei der Arbeit an BORN TO BE BLUE ständig von Musik umgeben zu sein“, lacht Carmen Ejogo. „Nicht nur lief in unseren Wohnwagen ständig toller Jazz, sondern Ethan sang eigentlich auch die ganze Zeit. Diese Freude, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, ist ja genau das, worum es in unserem Film geht – und es hat viel Spaß gemacht mitzuerleben, wie Ethan genau darin aufgegangen ist.“

(Quelle: Verleih)
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 25.05.2017
IM ZEICHEN DES ABNEHMENDEN LICHTS
Ab 01. Juni 2017 im Kino
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Ostberlin, im Frühherbst 1989. Wilhelm Powileit (Bruno Ganz), hochdekoriertes SED-Parteimitglied und Patriarch der Familie, wird heute 90 Jahre alt. Für die DDR, in die er 1952 aus dem mexikanischen Exil zurückkehrte und die er aus Überzeugung mit aufbaute, naht der 40. Geburtstag – es wird der letzte sein.
Wilhelm und seine Frau Charlotte (Hildegard Schmahl), einander in inniger Verbitterung verbunden, rüsten sich für Wilhelms Ehrentag. Nachbarn, Genossen und singende Pioniere treten an, um dem Genossen Powileit zu gratulieren, Blumen zu überreichen und ihm einen weiteren Orden zu verleihen. Charlotte hofft auf die Unterstützung der Familie: ihr Sohn Kurt (Sylvester Groth), der 1956 aus den Arbeitslagern der UdSSR nach Ostberlin gekommen ist und in Ostberlin als Historiker arbeitet, Kurts russische Frau Irina (Evgenia Dodina), die er heimlich betrügt, und auch Charlottes erwachsener Enkel Sascha (Alexander Fehling) haben ihre festen Plätze im parteikonformen Jubiläumsspektakel. Doch Sascha wird heute nicht wie gewohnt den Tisch fürs kalte Buffet aufbauen. Er ist, nur wenige Tage zuvor, in den Westen abgehauen. Die Nachricht platzt in die Festgesellschaft wie eine Bombe.
Während Kurts Schwiegermutter Nadeshda Iwanowna (Nina Antonowa) in Wodka geschwängerter Runde ihre russischen Weisen anstimmt, rechnet die verzweifelte Irina mit ihrer Schwiegertochter Melitta (Natalia Belitski) und der ganzen Gesellschaft ab. Haushaltshilfe Lisbeth (Gabriela Maria Schmeide) fegt die Scherben zusammen und auch Charlottes Freundin Stine (Angela Winkler) versucht zu retten, was zu retten ist. Doch je weiter das Fest dem Ende zugeht, umso mehr brechen sich Geheimnisse ihre Bahn... Die Veränderung ist nicht mehr aufzuhalten. Es ist die Zeit des abnehmenden Lichts.

Ein Film von MATTI GESCHONNECK
Mit BRUNO GANZ, HILDEGARD SCHMAHL, SYLVESTER GROTH, EVGENIA DODINA

2011 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet, ist IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS Eugen Ruges gefeierter Roman einer Familie in vier Generationen, die in den letzten Tagen der DDR auf eigene Art und Weise zerfällt. Nun liefert das Buch die Vorlage für den gleichnamigen Film, der auf den 67. Internationalen Filmfestspielen Berlin seine Weltpremiere feiert.
Regisseur Matti Geschonneck (BOXHAGENER PLATZ, DAS ZEUGENHAUS) inszenierte Wolfgang Kohlhaases (SOLO SUNNY, SOMMER VORM BALKON) kongeniales Drehbuch mit Freiheit und Präzision, sensibler Komik und anrührender Tragik für die Leinwand. In den Hauptrollen brillieren Bruno Ganz, Hildegard Schmahl, Sylvester Groth, Evgenia Dodina und Alexander Fehling. In weiteren Rollen sind u.a. Angela Winkler, Gabriela Maria Schmeide, Inka Friedrich und Thorsten Merten zu sehen.
IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS ist eine Produktion der MOOVIE (Produzenten: Oliver Berben, Sarah Kirkegaard) in Koproduktion mit dem ZDF (Redaktion: Reinhold Elschot, Stefanie von Heydwolff) und Constantin Film Produktion, gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg, dem Deutschen Filmförderfonds, der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und dem FilmFernsehFonds Bayern.
X Verleih bringt den Film am 01. Juni 2017 im Vertrieb der Warner Bros. in die deutschen Kinos.


GESPRÄCH ZWISCHEN WOLFGANG KOHLHAASE UND MATTI GESCHONNECK. BERLIN, 17. FEBRUAR 2017

Herr Kohlhaase, was haben Sie beim Lesen von Eugen Ruges Roman IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS für sich entdeckt?
Wolfgang Kohlhaase: Zunächst möchte ich sagen, dass ich gern seinen Vater gelesen habe, den Historiker Wolfgang Ruge. Er schrieb erhellend und unprofessoral über die Weimarer Republik und die Umstände, die zu Hitler führten. Eugen Ruge kannte ich nicht. Ich las IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS und mir fiel der Ton der Geschichte auf, ein leichter Ton für ein schweres Thema. Dann erfuhr ich, dass er über seine Familie geschrieben hatte. Ich hatte Menschen mit ähnlichen deutschen Lebensläufen kennengelernt, wie Ruge sie beschreibt. Ihre Wege waren Fluchtwege und hatten um die Welt geführt, nach Frankreich und Mexiko, nach New York und Moskau. Und manche hatten mit linker Gesinnung in sibirischen Lagern überlebt. Solche Menschen waren damals, bald nach dem Krieg, als ich anfing, zu denken und zu lesen, sehr wichtig für mich.

Was vor allem haben Sie an ihnen bemerkt?
WK: Ihren besonderen Blick auf Geschichte. Ihre Bildung, aber auch ihre Geduld und Bescheidenheit haben mich sehr berührt. Dabei waren es doch Leute, die die Widersprüche des Jahrhunderts ausgetragen und erlitten hatten.

Dachten Sie beim Lesen des Buches sofort an eine Verfilmung?
WK: Es war zunächst eine Art Einmann-Idee. Ich wusste, was nicht ging: Der Roman ließ sich nicht einfach kürzen. Und ich wollte keinen Mehrteiler fürs Fernsehen machen.

Haben Sie sich mit Eugen Ruge getroffen?
WK: Ja. Ich hatte dann eine Art Plan für das Drehbuch, auf ein paar Seiten. Das hatte noch den Charakter eines Versuchs. Wir waren uns einig, dass der Film seine Autonomie suchen muss. Das betraf Text und Untertext, Dramaturgie, die Rangordnung der Personen, die Dialoge. Der Stoff musste Material werden und dann wieder Form.

Welche Entscheidungen grundsätzlicher Art haben Sie für die Struktur des Drehbuchs getroffen?
WK: Das eben Gesagte. Außerdem: Keine Rückblenden.

Herr Geschonneck, wann sind Sie zu IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS als Projekt gestoßen?
Matti Geschonneck: Ich las zunächst über den Roman. Dann beim eigentlichen Lesen des Buches haben mich vor allem die Figuren interessiert. Wie Wolfgang Kohlhaase kannte ich aus meinem privaten Umfeld reale Personen mit ähnlichen Biografien, aus meiner Familie, aus meiner Schulzeit in der DDR, aber auch aus den Jahren meines Studiums in der Sowjetunion. Mir ist Russland, das im Buch eine große Rolle spielt, in seiner Schönheit, aber auch in seiner Zerrissenheit und Gewalt, sehr nahe.

Noch also gab es kein Drehbuch …
MG: Nein, aber ich habe geahnt, dass der Stoff bei Wolfgang Kohlhaase landen würde. Das lag nahe.

Ein erfolgreicher Roman wird zumeist sehr schnell vom Markt gekauft, um ihn irgendwann zu verfilmen.
MG: So war es auch. Mit Produzent Oliver Berben hatte ich zuvor schon gearbeitet, wir fanden für IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS sehr schnell zueinander. Mit Wolfgang kam ich zusammen, da hatte er eine dreiviertel Seite mit seinen Grundideen aufgeschrieben.

War der Film zu diesem frühen Zeitpunkt schon fürs Kino geplant?
MG: Nein, erst im Sommer 2015 ist diese Entscheidung gefallen. Ich habe es immer so gewollt, Wolfgang ebenso, aber der Weg musste erst dorthin führen. Es mag daran gelegen haben, dass sich sehr schnell die Struktur eines Kammerspiels herauskristallisierte. Und wo viele Worte sind, liegt das Fernsehen zunächst nahe. Wir wollten aber unbedingt den Versuch fürs Kino wagen.

Kohlhaase und Geschonneck – man weiß im Land um Ihrer beider Markenzeichen, vor allem um die einzigartige Präzision in der Zeichnung von Figuren und Milieus. Warum hat es für eine erste gemeinsame Arbeit so lange gedauert?
WK: Ich wusste von Matti, dass er viel dreht. Ich hatte meinen eigenen Rhythmus und war anders verabredet. Der Reiz neuer Bekanntschaften in der Arbeit ist mir aber bewusst, das hat ja auch etwas Spielerisches.
MG: Das muss sich ergeben. Ich bin ja mit Kohlhaases Filmen groß geworden, die unter Gerhard Klein, Frank Beyer oder Konrad Wolf entstanden sind. Für mich sehr wichtige Filme. Dass eine Zusammenarbeit gerade bei IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS zustande kam, ist auch mit Blick auf unsere unterschiedlichen Biografien vielleicht ganz interessant.

Ein eher indirekter Schnittpunkt zwischen Ihnen ist Gerhard Kleins „Berlin um die Ecke“ von 1966, in dem der große Erwin Geschonneck die Hauptrolle spielt, Mattis Vater …
WK: Erwin war ja auch so ein Mann mit einer imponierenden Biografie, über die man nur staunen kann. Unglaublich, was einem Menschen geschehen konnte! Obwohl meine Familie kein Modell für Drehbücher abgegeben hat, spielte Erwin Geschonneck in „Berlin um die Ecke“ eine Rolle, die meinem Vater nahe kam. Er war Reparaturschlosser in der Fabrik, in der wir drehten.
MG: Es gibt sehr eigenartige Kreuzungen im Leben und im Beruf. Sie sind manchmal hilfreich, manchmal nur erstaunlich. Ich bin nicht bei meinem Vater aufgewachsen, hatte lange Jahre nicht mal eine Beziehung zu ihm. Nicht einfach für mich, auch mit dem in der DDR berühmten Namen Geschonneck zu leben…
Und als Sohn dieses verdienstvollen Kommunisten bin ich 1978 in den Westen gegangen und 1989 wiedergekommen. Erst danach begann die Annäherung an meinen Vater. Er war schon über 80. Durch die Arbeit an IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS bin ich ihm wieder begegnet, in der Figur des Wilhelm Powileit, mit Respekt vor seinem Leben und Nachdenken darüber, auch über seine leidvolle Zeit im KZ. Das begleitete mich, als Bruno Ganz letztendlich zu Wilhelm Powileit wurde.

Von außen betrachtet, erscheint die Besetzung für IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS ideal. Auch für den Regisseur?
MG: Jede Besetzung ist für mich, nachdem sie entschieden ist, die ideale. Oder muss es sein. Es sei denn, ich habe mich komplett geirrt. Für IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS reicht die Stärke des kraftvollen Ensembles über den großartigen Bruno Ganz hinaus. Da ist Sylvester Groth, der mich durch die Wärme in seinem Spiel sehr berührt hat. Da ist die wunderbare Frauenriege mit Hildegard Schmahl vornweg. Da sind die Russinnen mit dieser außergewöhnlichen Evgenia Dodina als Irina, die mit ihrer Leidenschaft und Energie für mich als Regisseur ein Glücksfall bedeutete. Ihnen allen, bis hin zur kleinsten Nebenrolle, auf der großen Leinwand zuzusehen, ist ein Vergnügen. Ich hatte das Gefühl, die Schauspieler haben ihre Arbeit gerne gemacht. Sie waren mit großer Konzentration dabei. Ich habe sie alle sehr gemocht!

Herr Kohlhaase, wie sehen Sie die Frauen in IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS?
WK: Zunächst sind sie schön! Und es sind die Gesichter von drei Generationen. Film kann etwas, das weder Malerei oder Fotografie können: Er kann das Entstehen eines Gefühls im Gesicht eines Menschen zeigen. Dialog allein kann das oft nicht. Dialog soll nicht Schwierigkeiten bereiten, sondern Möglichkeiten öffnen.

In der Riege der Schauspieler und Schauspielerinnen gibt es Entdeckungen und Wiederentdeckungen.
MG: Mancher Zuschauer wird vielleicht aus Neugier ins Kino gehen, auch um zu sehen, wie der Schweizer Bruno Ganz mit seinem großen Repertoire den Kommunisten Powileit spielt. Er wird es den Skeptikern nicht leicht machen, denke ich.

Was ist für Sie bei einer Inszenierung als Kammerspiel in besonderem Maße nötig?
MG: Die Spannung zu halten, und das auf engstem Raum. Timing, Empathie sowieso. Man kann nicht auf andere Schauplätze ausweichen. Der Blick auf die Schauspieler ist noch fokussierter. Alle haben da Großartiges geleistet, insbesondere Bruno Ganz. Obwohl das Zentrum der Szene, konnte er bei den vielen Figuren nicht permanent im Bild sein. Er musste über einen langen Zeitraum nur anspielen. Letztlich muss ich die der Vorlage adäquate Tonalität finden.

Kam der Ausstattung eine kleinere Rolle zu, weil man als Zuschauer so dicht an die Figuren heranrückt?
MG: Im Gegenteil! Die Ausstattung war enorm wichtig, gerade bei der Empfindlichkeit dieses historischen Stoffes. Kamera, Szenenbild, Kostüm, Maske, zusammen muss das eine selbstverständliche Einheit bilden. Und ich hatte dafür hervorragende Mitarbeiter.

Eine Frage an Sie beide: Trifft der Humor, den Sie in der Romanvorlage gefunden haben, Ihren persönlichen?
WK: Humor ist ja eine sehr subjektive Sache. Der Roman hat ihn auf seine Weise. Ich musste meinen eigenen Tonfall finden.
MG: Humor kann missverständlich sein. Unangenehm auch, wenn man die Anstrengung bemerkt, bemüht lustig sein zu wollen. Kohlhaases Humor kommt trocken unauffällig daher und stellt sich indirekt ein. Er ist bereits in der Konstellation der Figuren begründet. Er ist sehr fein.
WK: Pointen sollten sich nicht in die Hacken treten.
MG: Sie sollten sich nicht vorher anmelden. Man darf in der Umsetzung nicht auf sie hereinfallen.

Am 90. Geburtstag von Wilhelm Powileit ist man als Zuschauer auch beim Verlöschen von Ideen dabei – der eines Landes, eines Systems, einer Ehe und Familie.
MG: Ich habe mich eher an der Ehegeschichte von Wilhelms Stiefsohn Kurt und Irina orientiert. Das war für mich das Gerüst. Eine Ehe stirbt, eine Familie löst sich auf. Ein System stirbt.

Wie wichtig für den Stoff ist der Abstand von über einem Vierteljahrhundert zwischen tatsächlichem Handlungsjahr und Filmstart?
WK: Vielleicht braucht es Abstand, damit man ernste und gewichtige Dinge komisch sehen kann. Die Welt ist bunt, aber ungerecht. Doch sie dreht sich weiter. Man sagt, dass die Sieger die Geschichte schreiben. Wenn es denn so wäre, oder nur so wäre, dann werden dringend intelligente Sieger gesucht. Das untergegangene Land DDR hat schon mal das Scheitern geübt, aber diese Übung steht uns vielleicht ein weiteres Mal bevor.
MG: IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS Allerdings weiß ich nicht, ob man solche Stoffe in dieser schnelllebigen Kinolandschaft noch lange wird unterbringen können. Auch da ist vieles unbestimmt und unvorhersehbar.

Sehen Sie IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS als Film, der gegen das Vergessen anspielt?
WK: Es gibt dieses schöne Wort, wonach erzählt werden kann, was beendet ist. Da sind wir wieder beim Abstand, sowohl dem des Schreibers und Filmemachers als auch dem des Zuschauers. Man schreibt ja nicht, weil man es besser weiß als andere, sondern weil man durch das Schreiben etwas herausfinden will, auch über sich selbst. Einen Film zu machen, das ist eine Reise des Herzens, zu der man ein Publikum hinzubittet.


BRUNO GANZ als Wilhelm Powileit
Der Schweizer Bruno Ganz gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler. Seine erste Rolle spielte er 1960 im Alter von 19 Jahren in der Schweizer Kriminalkomödie DER HERR MIT DER SCHWARZEN MELONE von Karl Suter. Suter gilt als Entdecker und Förderer von Ganz. Er besetzte ihn nicht nur in DER HERR MIT DER SCHWARZEN MELONE, sondern auch als Jazzfan 1961 in WENN MÄNNER SCHLANGE STEHEN. Außerdem arbeitete Ganz für Suter in Stücken im Theater am Hechtplatz in Zürich. Er besuchte das renommierte Züricher Bühnenstudio, die heutige Hochschule der Künste. 1962 erhielt Ganz ein Engagement am Jungen Theater Göttingen und war dann von 1964 bis 1969 Mitglied im Ensemble am Theater am Goetheplatz in Bremen. Bei diesem Engagement arbeitete er auch an Projekten von Peter Zadek mit. Mit Peter Stein realisierte er ab 1967 viele Theaterprojekte bevor er am Zürcher Schauspielhaus verpflichtet wurde. Ab 1970 kehrte er wieder nach Deutschland zurück, um im Ensemble der Berliner Schaubühne unter der Leitung von Peter Stein mitzuwirken. In dieser Zeit arbeitete Ganz mit den berühmtesten deutschsprachigen Theaterregisseuren der Zeit zusammen: Peter Zadek, Peter Stein, Claus Peymann, Klaus Michael Grüber, Luc Bondy und Dieter Dorn. Unter Peymanns Regie spielte er auch erstmalig bei den Salzburger Festspielen mit. Uraufgeführt wurde Thomas Bernhards Stück „Der Ignorant und der Wahnsinnige“. Hierfür wurde Bruno Ganz als „Schauspieler des Jahres“ ausgezeichnet. Mit Thomas Bernhard verband ihn eine Freundschaft. Bernhard widmete ihm sein Stück „Die Jagdgesellschaft“. Obwohl Ganz in den 1970er-Jahren mit zahlreichen Regisseuren zusammenarbeitete, entwickelte sich eine besonders enge Zusammenarbeit zwischen ihm und Klaus Michael Grüber. So trat er 1986 in der Uraufführung von „Prometheus, gefesselt“ von Aischylos unter der Regie von Klaus Michael Grüber bei den Salzburger Festspielen auf. In Peter Steins 21-stündiger Inszenierung von Goethes „Faust I“ und „Faust II“ beeindruckte Bruno Ganz als alter Faust. Im Jahr 2003 trat er zum ersten Mal am renommierten Wiener Burgtheater auf. Die Regie des Stückes „Ödipus auf Kolonos“ führte auch diesmal Klaus Michael Grüber.
Neben seiner Theatertätigkeit glänzte Bruno Ganz auch regelmäßig in anspruchsvollen und von der Kritik gefeierten Filmrollen wie etwa bei den Wim Wenders-Produktionen DER AMERIKANISCHE FREUND (1977) und DER HIMMEL ÜBER BERLIN (1987), die ihn einem großen internationalen Publikum bekannt machten. Ein weiteres Highlight seiner Karriere war Silvio Soldinis romantische Komödie BROT UND TULPEN (2000), in der Ganz den isländischen Kellner Fernando verkörpert. Großes Kritikerlob wurde Ganz auch für die Darstellung von Adolf Hitler in DER UNTERGANG (2004) zuteil. Eine Reihe von großartigen Darbietungen in außergewöhnlichen internationalen und nationalen Produktionen folgten, so zum Beispiel in Stephen Daldrys DER VORLESER an der Seite von Kate Winslet, Uli Edels DER BAADER MEINHOF KOMPLEX, Wolfgang Panzers DER GROSSE KATER, Jo Baiers DAS ENDE IST MEIN ANFANG, Arnaud des Paillieres' MICHAEL KOHLHAAS mit Mads Mikkelsen, REMEMBER von Atom Egoyan, Terrence Malicks RADEGUND, Bille Augusts TRAIN TO LISSABON, Ridley Scotts THE COUNCELOR mit Michael Fassbender, Javier Bardem und Penélope Cruz oder Alain Gsponers HEIDI.
Im Laufe seiner langen Karriere erhielt Bruno Ganz zahlreiche Auszeichnungen. Für seine darstellerische Leistung in DIE MARQUISE VON O. erhielt er 1976 den Deutschen Filmpreis, das Filmband in Gold. 1991 wurde Ganz der Hans-Reinhart-Ring verliehen, die höchste Auszeichnung der Schweizer Theaterlandschaft. Seit 1996 ist er Träger des Iffland-Ringes, der dem bedeutendsten Theaterschauspieler seiner Zeit auf Lebenszeit verliehen wird. 1998 erhielt er in Frankreich den Orden der Künste und Literatur. Im gleichen Jahr bekam er den Prix Walo, die wichtigste Auszeichnung des Schweizer Showbusiness. Für seine Rolle in GEGEN ENDE DER NACHT erhielt er 1999 zusammen mit Oliver Storz, Karoline Eichhorn und Stefan Kurt den bedeutenden Adolf-Grimme-Preis. Jüngst erhielt er zudem den Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten auf der 38. Verleihung des Bayerischen Filmpreises. Bruno Ganz ist seit 2006 Träger des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst. Von 2010 bis 2013 war Ganz zusammen mit Iris Berben Präsident der Deutschen Filmakademie.
Auf der 67. Berlinale ist Bruno Ganz gleich mit zwei Filmen vertreten: Sally Potters THE PARTY sowie in der Hauptrolle des Wilhelm Powileit in Matti Geschonnecks Verfilmung des Eugen Ruge Romans IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS, nach dem Drehbuch von Wolfgang Kolhaase.

HILDEGARD SCHMAHL als Charlotte Powileit
Die deutsche Schauspielerin Hildegard Schmahl kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere bei Theater, Film und Fernsehen zurückblicken. Ihre Laufbahn begann sie als Ensemblemitglied am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Später arbeitete sie am Theater in Braunschweig und Bern bevor sie 1967 das Gretchen in „Faust I“ am Schauspielhaus in Bochum verkörperte. Im gleichen Jahr erhielt sie den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für den Bereich Bühne. Bekannt ist sie für die Darstellung berühmter Theaterfiguren. So spielte sie 1969/70 Emilia Galotti und Minna von Barnhelm an den Staatlichen Schauspielbühnen in Berlin. Häufig arbeitete sie auch mit ihrem Ehemann zusammen, dem Intendanten und Regisseur Niels-Peter Rudolph, der als freier Regisseur in Berlin, Stuttgart und Hamburg inszenierte. Ab 1987 spielte sie dann unter Leitung von George Tabori im Wiener Theater „Der Kreis“. Besonders gelobt wurde ihre Darstellung des König Lear in Taboris eigenwilliger und außergewöhnlicher Inszenierung „Lears Schatten“ im Jahr 1989. 1990 arbeitete sie an Taboris Hörspiel „Masada – Ein Bericht“ mit. 1990/ 91 stellte sie ihr schauspielerisches Können am Thalia Theater in Hamburg unter Beweis. Hildegard Schmahl ist seit der Spielzeit 2001/2002 Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Im Jahr 2016 wirkte sie als Botin in der Oper „Mauerschau“ der Bayerischen Staatsoper mit.
Sie ist auch regelmäßig in Fernseh- und Filmrollen zu sehen, etwa 2001 an der Seite von Armin Mueller-Stahl, Monica Bleibtreu und Sebastian Koch in Heinrich Breloers Mehrteiler DIE MANNS – EIN JAHRHUNDERTROMAN. Im gleichen Jahr verkörperte sie die Figur Ina in Caroline Links Spielfilm NIRGENDWO IN AFRIKA, der 2003 einen Oscar als Bester fremdsprachiger Film erhielt. In Vivian Naefes Literaturverfilmung DER GESCHMACK VON APFELKERNEN (2013) spielte sie Berta an der Seite von Hannah Herzsprung, Florian Stetter, Paula Beer und Meret Becker. Seit 2010 ist Hildegard Schmahl Trägerin des Hermine-Körner-Ringes auf Lebenszeit.

SYLVESTER GROTH als Kurt Umnitzer
Sylvester Groth, 1958 in Sachsen-Anhalt geboren, studierte an der Staatlichen Schauspielschule Berlin (später Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“) und spielte seit den frühen 80er Jahren an namhaften Theaterbühnen wie dem Staatsschauspiel Dresden, dem Deutschen Theater, der Schaubühne, dem Residenztheater und den Münchner Kammerspielen, dem Wiener Burgtheater und bei den Salzburger Festspielen unter prägenden Regisseure wie Zadek, Grüber, Wilson u.a.. Seit 1982 ist er auch in Kino und Fernsehen zu sehen: Für Frank Beyers DER AUFENTHALT wurde ihm 1982 beim Nationalen Spielfilmfestival der DDR der Nachwuchsdarstellerpreis verliehen, Klaus Gendries besetzt ihn 1984 als Hauke Haien in DER SCHIMMELREITER. 1986 spielte er in der Literaturverfilmung MOMO. In Joseph Vilsmaiers aufwändigem Anti-Kriegsfilm STALINGRAD spielte er an der Seite von Dominique Horwitz, Thomas Kretschmann und Jochen Nickel. Im Lauf seiner langen Karriere verkörperte Groth bereits zwei Mal Joseph Goebbels, in Dani Levys Parodie MEIN FÜHRER – DIE WIRKLICH WAHRSTE WAHRHEIT ÜBER ADOLF HITLER (2007), für die er mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet wurde, sowie in Quentin Tarantinos Kriegsfilm INGLOURIOUS BASTERDS (2009). Für seine „Oustanding Performance by a Cast in a Motion Picture” wurde er von der Screen Actors Guild geehrt. An der Seite von Henry Hübchen und Corinna Harfouch spielte er 2009 in Andreas Dresens Tragikomödie WHISKY MIT WODKA. In Kai Wessels Biopic HILDE verkörperte Groth den Regisseur und Theaterintendanten Boleslaw Barlog. In der Verfilmung von Bernhard Schlinks DAS WOCHENENDE, in der er an der Seite nahmhafter Kollegen wie Katja Riemann, Sebastian Koch, Barbara Auer und Tobias Moretti agiert, war er im Frühjahr 2013 in den Kinos zu erleben. Im gleichen Jahr sah man ihn zudem in Denis Dercourts spannender, wie verschlungener Beziehungsgeschichte ZUM GEBURTSTAG.
Auch im Fernsehen ist Groth regelmäßig zu sehen. Nach der erfolgreichen Ausstrahlung des ersten Magdeburger POLIZEIRUF 110: DER VERLORENE SOHN mit Claudia Michaelsen an seiner Seite, stand er für weitere POLIZEIRUF-Episoden vor der Kamera. Weiterhin gehörte Groth zur Hauptbesetzung in der Neuverfilmung von Bruno Apitz' NACKT UNTER WÖLFEN (2014). Die ARD-Produktion unter Regie von Philipp Kadelbach setzt seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Autor Stefan Kolditz fort, die mit dem Publikumserfolg UNSERE MÜTTER, UNSERE VÄTER (2011) begann und vielfach ausgezeichnet wurde. In dem mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnetem Dokumentarfilm AGHET – EIN VÖLKERMORD (2010) stellt er Martin Niepage dar, einen Lehrer an der deutschen Schule in Aleppo 1915 – 1917. Für die Kinoadaption der bekannten Sechzigerjahre-US-TV-Serie CODENAME U.N.C.L.E unter der Regie von Guy Richie stand Groth in London und Rom vor der Kamera. Groth gehört zum Hauptcast von DIE ERMITTLER: NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH, dem dritten und abschließenden Teil von MITTEN IN DEUTSCHLAND: NSU.
Im Januar 2017 war er im ZDF-Fernsehfilm EIN KOMMISSAR KEHRT ZURÜCK in einer der Hauptrollen zu erleben, der mit fast 7 Millionen Zuschauern ein großer Erfolg war. Regie führte Matti Geschonneck.
IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS markiert die zweite Zusammenarbeit von Sylvester Groth und Regisseur Matti Geschonneck.

EVGENIA DODINA als Irina Umnitzer
Evgenia Dodina ist eine israelische Schauspielerin, die in der Sowjetunion geboren wurde. In Moskau studierte sie Schauspiel und spielte danach am renommierten Majakowski Theater. Sie wirkte in dieser Zeit auch an sowjetischen Filmen mit, bis sie nach der Perestroika nach Israel auswanderte. Dort wurde sie nach dem Zweiten Golfkrieg Ensemblemitglied des Gesher-Theaters und spielte wieder in Filmproduktionen mit. Bekannt ist sie für ihre Zusammenarbeit mit dem israelischen Regisseur Ari Folman, in dessen Filmen SAINT CLARA (1996) und MADE IN ISRAEL (1999) sie mitwirkte. In Lena und Slava Chaplins romantischem Spielfilm HAYA O LA HAYA (2003) spielte sie die Hauptfigur Hana Rubina und in Eitan Anners berührendem Film LOVE AND DANCE (2006) ist sie als Mutter des Protagonisten zu sehen. Eine große Rolle übernahm sie in Eyal Halfons Spielfilm ZIRKUS PALESTINA (1998), die als ihre bislang bedeutendste gilt. In Paul Schraders amerikanisch-deutsch-israelischem Filmdrama EIN LEBEN FÜR EIN LEBEN – ADAM RESURRECTED (2008) spielte sie an der Seite von Jeff Goldblum, Willem Dafoe, Moritz Bleibtreu und Veronica Ferres. Evenia Dodina ist in Israel auch eine gefragte Fernsehdarstellerin und übernimmt häufig Serienrollen etwa in A TOUCH AWAY (2006) und HA-EMET HA'EROMA (2008), wo sie eine Mutter spielte, deren Tochter verschwunden ist. In Michael Aviads Drama LILY UND NIRA (2011) war sie Nira, die zufällig eine andere Frau kennenlernt, die das Opfer desselben Vergewaltigers ist. 2017 wird sie neben ihrer Rolle als Irina Umnitzer in IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS unter anderem in Veronica Kedars Drama FAMILY zu sehen sein.

NATALIA BELITSKI als Melitta
Natalia Belitski ist eine deutsche Schauspielerin, die 1984 im heutigen Sankt Petersburg in Russland geboren wurde und als Siebenjährige mit ihrer Familie nach Deutschland zog. An der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ studierte sie von 2006 bis 2010 Schauspiel. Nach dem Studium ging sie ans Düsseldorfer Schauspielhaus und steht seit 2011 auf der Bühne des Deutschen Theaters in Berlin. Bekannt wurde Natalia Belitski durch die Rolle der Kate Harff in der crossmedialen Fernsehserie ABOUT:KATE von Arte. Regelmäßig ist sie in Krimireihen zu sehen, etwa in BLOCH, TATORT, SCHULD NACH FERDINAND VON SCHIRACH und in Fernsehfilmen wie z.B. der mehrfach preisgekrönten Komödie VORSICHT VOR LEUTEN. 2016 konnte man sie unter anderem in den Filmen UNDERCOVER KÜSST MAN NICHT, LENA FAUCH – DU SOLLST NICHT TÖTEN und FAMILIE! sehen. Für das Kino drehte Natalia Belitski u.a. mit Matthias Schweighöfer VATERFREUDEN (2014), spielte in MANN IM SPAGAT (2017) von Timo Jacobs oder in AUF EINMAL (2016) von Asli Özge, der letztes Jahr auf der Berlinale gezeigt wurde. Sie ist neben ihrer Schauspielarbeit auch eine gefragte Hörspiel- und Hörbuchsprecherin. So wirkte sie 2013 im Hörspiel „Jähnicke schmeckt's“ mit und sprach 2014 das Hörbuch „Bilder deiner großen Liebe“ von Wolfgang Herrndorf.
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