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Inhaltsverzeichnis
TERMINATOR: DARK FATE

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M. C. ESCHER – REISE IN DIE UNENDLICHKEIT

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AFTER THE WEDDING

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SKIN

4

NUREJEW

5

SYSTEMSPRENGER

6

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Donnerstag 17.10.2019
TERMINATOR: DARK FATE
Ab 24. Oktober 2019 im Kino
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TERMINATOR: DARK FATE („Terminator 6: Dark Fate”, 2019) vereint den Oscar®-prämierten Filmemacher James Cameron mit seinen Hauptdarstellern Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger, die bereits als Stars des Original-Franchise überzeugt haben. Nun, nach 28 Jahren, steht ein neues, spannendes Action-Abenteuer ins Haus, das nahtlos an die Handlung von TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY („Terminator 2: Tag der Abrechnung”, 1991) anschließt. Mehr als zwei Dekaden sind vergangen, seit es Sarah Connor gelungen ist, den Tag der Abrechnung abzuwenden. Damals hat sie die Zukunft neu geschrieben und das Schicksal der Menschheit in andere Bahnen gelenkt. Dani Ramos (Natalia Reyes) führt mit ihrem Bruder (Diego Boneta) und Vater in Mexico City ein einfaches Leben. Bis ein neuer, hoch entwickelter und tödlicher Terminator – bekannt als Rev-9 (Gabriel Luna) – aus der Zukunft in der Zeit zurückreist, um sie zu töten. Um zu überleben, muss Dani sich mit zwei Kriegern zusammenschließen, mit Grace (Mackenzie Davis), einer Supersoldatin aus der Zukunft, sowie der kampferprobten Sarah Connor (Linda Hamilton). Da trifft das Trio, während der Rev-9 alles und jeden, der sich ihm bei der Suche nach Dani in den Weg stellt, gnadenlos tötet und dabei alles zerstört, auf einen T-800 (Arnold Schwarzenegger). Dieser Terminator aus Sarahs Vergangenheit ist möglicherweise ihre größte Hoffnung aufs Überleben.


Regie: Tim Miller
Mit: Linda Hamilton, Arnold Schwarzenegger, Mackenzie Davis, Natalia Reyes, Gabriel Luna, Diego Boneta u.a.

1984 waren sich die Filmemacher James Cameron und Gale Anne Hurd noch nicht darüber im Klaren, was für ein globales Phänomen sie mit THE TERMINATOR geschaffen hatten. Ihr niedrig budgetierter, hoch origineller Science-Fiction-Action-Film handelt von einem Cyborg, der durch die Zeit zurückreist, um die menschliche Rasse auszulöschen. Dunkel und hart war der Film, klug geschrieben und höchst unterhaltsam. Er zeichnete sich durch ein hohes Tempo aus und hatte eine weibliche Heldin – für jene Zeit höchst ungewöhnlich.
Im Zentrum der Geschichte steht die Kellnerin Sarah Connor, die von einem Terminator, Modell T-800, gejagt wird. Dessen Auftrag besteht darin, ihren ungeborenen Sohn zu töten, der später Anführer der menschlichen Widerstandsbewegung sein werden soll. Auftraggeber des gnadenlosen T-800 ist Skynet, eine von Cyberdyne kreierte K.I., die die Menschheit ausrotten will. Zudem wird Kyle Reese in der Zeit zurückgeschickt, um Sarah zu beschützen und die Menschheit zu retten.
Ungeheure Mundpropaganda und positivste Besprechungen von renommierten Kritikern machten die Hauptdarsteller von THE TERMINATOR, Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton, zu Weltstars, Cameron war fortan der Mann in Sachen Blockbuster-Unterhaltung.
Cameron und Hurd, die ihr Handwerk in Roger Cormans Low-Budget-Film-Mekka New World Pictures gelernt hatten, hielten die Kosten dank einfallsreicher Spezialeffekte niedrig und setzten auf das Charisma ihrer Protagonisten Hamilton und Schwarzenegger. Stan Winston, ein Pionier in Sachen Spezialeffekte-Make-up Design, schuf Schwarzeneggers Cyborg-Look, zu dem er sich von Camerons Zeichnungen inspirieren ließ.
Der Erfolg des Films führte 1991 zum mit TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY (bzw. T-2) betitelten Sequel, das neue Actionfilm-Standards setzte. In T-2 treten zudem ein verbesserter, noch tödlicherer Terminator – T-1000, gespielt von Robert Patrick –, und Edward Furlong als Sarahs Sohn John Connor, seines Zeichens zukünftiger Führer des Widerstands, in Erscheinung. Der Film schlug damals mit noch nie dagewesenen 94 Millionen Dollar Produktionskosten zu Buche – circa 15 Mal mehr als die 6,4 Millionen Dollar von THE TERMINATOR. Modernste CGI-Technik gab es da zu bestaunen, zwei unglaublich realistische Terminatoren wurden zum Leben erweckt. Vielfach wurde das Werk ausgezeichnet, darunter Academy Awards® für den Besten Tonschnitt, die Beste Tonmischung, das beste Make-up und die Besten visuellen Effekte. Außerdem avancierte T-2 mit weltweit eingespielten 518 Millionen Dollar zum umsatzstärksten Film des Jahres.  
Drei weitere Filme und eine Serie um den Terminator folgten – jedoch ohne Beteiligung von Cameron und Hamilton. Dies hat sich nun bei TERMINATOR: DARK FATE geändert, bei dem die Geschichte von JUDGEMENT DAY in die Gegenwart geführt wird.
„Vor allem wollten wir in Bezug auf die Form mit DARK FATE zu den Wurzeln zurückkehren. TERMINATOR 1 und 2 besitzen in der Filmgeschichte einen ganz speziellen Status und wir wollten nun Jims Vision der Serie weiterspinnen“, erklärt Produzent David Ellison. „Und es gab nur eine Möglichkeit, um dies zu gewährleisten – James Cameron musste wieder mit an Bord genommen werden.”
Cameron beschreibt TERMINATOR: DARK FATE als echte Fortsetzung von TERMINATOR 2, die wieder den Ton von THE TERMINATOR und dessen Sequel trifft. „Der Film ist genauso intensiv und gnadenlos wie seine Vorgänger, es herrscht wieder dieses Gefühl bitteren Terrors”, sagt er. „In unserem ersten Film wollten wir das Publikum mit einer dunklen Zukunft erschrecken und um eine Frau, die einem ans Herz wächst, bangen lassen. Der neue Film erzählt von der Konfrontation der Menschheit mit einer übermächtigen künstlichen Intelligenz. Ein hoch aktuelles Thema, das heute noch viel brisanter ist als 1984 bzw. 1991.”
Ein Terminator des 21. Jahrhunderts
Als Regisseur von TERMINATOR: DARK FATE wählte Cameron höchstpersönlich Tim Miller, der unter anderem den Blockbuster DEADPOOL inszeniert hat, einer der weltweit umsatzstärksten Filme mit einem sogenannten R-Rating. Dieses besagt, dass Kinder unter 17 Jahren den Film in den USA nur in Begleitung Erwachsener sehen dürfen. Ellison war mit der Wahl Millers vollkommen einverstanden, war er doch ein Fan von DEADPOOL seitdem er eine frühe Schnittversion gesehen hatte. „Ich hielt die Action und die Welt, die hier kreiert wurde, schlechtweg für brillant. Tim hat da nicht nur das Superhelden-Genre, sondern auch die Welt der R-Rated-Filme neu erfunden. Genau einen solchen Regisseur brauchten wir für TERMINATOR: DARK FATE”, sagt er.
Miller, der sich selbst als „Science-Fiction-Nerd” beschreibt, machte sich mit Cameron und Ellison daran, ein Writers’ Room mit den besten Fantasy-Autoren unserer Tage zusammenzustellen, darunter David S. Goyer (BATMAN BEGINS, THE DARK KNIGHT), Neal Stephenson (Seveneves, Cryptonomicon), Joe Abercrombie (The Blade Itself, Best Served Cold), Greg Bear (Darwin’s Radio, Anvil of Stars), Neal Asher (Prador Moon, Gridlinked), Josh Friedman (AVATAR 2, 2021; WAR OF THE WORLDS, „Krieg der Welten“, 2005) und Warren Ellis (IRON MAN THREE, „Iron Man 3“, 2013; Gun Machine). Diese sollten im Zuge diverser Brainstormings mögliche Handlungskniffe ersinnen.
„Wie setzten uns mit Jim und Produzent David Ellison in ein Zimmer und überlegten, was für verschiedene Szenarien möglich waren”, erklärt Miller. „Wir dachten darüber nach, ob die Handlung in der Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft spielen sollte. Sollte unser Fokus auf Sarah oder John liegen? Wir waren uns einig, dass wir einige neu starke Charaktere einführen mussten und wollten dabei jedoch an unserer Trinitätsstruktur – Jäger, Beschützer und Beute – festhalten.”
Millers Vorsatz war es, im gesamten Verlauf der Produktion der „Marke” Terminator treu zu bleiben und gleichzeitig seine ganz eigene Handschrift in den Film einzubringen. „Ich hatte nie im Sinn, meinen Film so zu drehen, wie dies Jim Cameron tun würde”, sagt er. „Aber ich wusste von seinen Filmen, dass das Geheimnis eines Terminator-Abenteuers in den Figuren liegt. Es musste also Figuren, Figuren, Figuren heißen. Jim ist besonders gut, wenn es um kleine Details geht, man hat bei ihm stets das Gefühl, dass man bei ihm echten Menschen dabei zusieht, wie sie mit extrem schwierigen und ungewöhnlichsten Situationen umgehen.”
Ein andrer wichtiger Aspekt, den Miller bei TERMINATOR: DARK FATE von Cameron übernahm, war das Tempo. „Jim fängt stets ganz langsam an, lässt einem viel Zeit, die Figuren kennenzulernen. Und dann nimmt er Tempo auf. Wenn die Action einmal einsetzt, hört sie nicht mehr auf”, erläutert der Regisseur. „Das versteht er besser als jeder andere.”
Cameron an seiner Seite zu haben, war für Miller von Beginn an von essenzieller Notwendigkeit – wegen dessen beständigem Interesse an Technologie sowie seines tiefen Wissens um die Charaktere, die er vor Jahren ersonnen hat: „Er kennt das Material wie kein Zweiter und hat seit Jahren darüber nachgedacht. Und obwohl er nie geplant hat, diesen Film zu drehen, hat er sich beständig mit K.I. auseinandergesetzt und nie die Verbindung zu seiner Story verloren.” 
Aber warum hat sich Cameron entschlossen, nach fast drei Dekaden ein neues Kapitel seines beliebten Science-Fiktion-Epos aufzuschlagen? „Über die Jahre habe ich mich immer wieder mit Leuten ausgetauscht, die sich mit dem Themenkreis K.I. beschäftigen”, erklärt der Filmemacher. „Sie sind sich alle darüber einig, dass es einmal eine K.I. geben wird, die unserem Gehirn ebenbürtig oder sogar überlegen sein wird. Sie behaupten nicht, dass wir eines Tages von Skynet beherrscht werden. Aber genau wissen wir das nicht, oder?”
Cameron sagt, dass die Debatte ihn an die Zeiten in den 30er und 40er Jahren erinnert, in denen die Nuklearwissenschaftler freudig darüber nachdachten, wie man die Welt mittels der Atomspaltung energietechnisch in ein neues Jahrtausend bringen könnte. „Man machte sich überhaupt keine Gedanken darüber, dass die so gewonnene Energie auch für Kriegszwecke missbraucht werden könnte”, sagt er. „Aber das Erste, was wir mit der Nuklearenergie taten, war, zwei Städte dem Erdboden gleichzumachen und Hundertausende Menschen zu töten. Also ist unser Szenario durchaus glaubwürdig.”
Miller ist diesbezüglich eher optimistisch und bezieht sich lieber auf eine Maxime von Arthur C. Clarke: „Die Zukunft ist nicht nur unbekannter als man sich vorstellen kann, sie ist vielmehr unbekannter als überhaupt vorstellbar.” Und er fügt hinzu: „Ich glaube nicht, dass die K.I. vorhat, uns zu töten. Wir wissen nicht, worauf sie abzielt, sicher ist jedoch, dass wir uns einmal an nur einem Tag so stark weiterentwickeln werden können wie ehedem in Millionen von Jahren. Im Augenblick ziehe ich es vor, zu glauben, dass sie besser ist als wir.” 


Sie sind zurück
Für Fans des Franchise dürfte das aufregendste Element von TERMINATOR: DARK FATE die Rückkehr der Stars Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger sein. „Als Fan fragte ich mich, wie ich selbst zu einem weiteren TERMINATOR-Film stehen würde”, sagt Miller. „‚Braucht es das Sequel wirklich’? Und dann hörte ich, dass Linda wieder mit von der Partie sein würde, um die Geschichte von Sarah Connor zu Ende zu bringen. Aus diesem Grund sagte ich zu. Für mich als Regisseur war dies der Grund, den Film zu machen. Damit will ich keinesfalls den anderen Schauspielern zu nahe treten, aber für mich gibt es nur eine Sarah Connor und die heißt Linda Hamilton.”
Die Schauspielerin wird so eng mit dieser Rolle in Verbindung gebracht, dass für die Filmemacher überhaupt kein Zweifel darüber bestand, dass man sie für TERMINATOR: DARK FATE um ihre Rückkehr bitten musste. „Niemand kann sich jemand anderes in der Rolle vorstellen”, sagt Cameron. „Ohne Linda hätten wir Sarah nicht wieder zum Leben erwecken können. Wenn Sarah auf der Leinwand erscheint, hat man das Gefühl, im richtigen Film zu sitzen.”
Ihre revolutionäre Figur, eine weibliche Heldin, in einer Zeit, in der so ein Part fast ausschließlich Männern zustand, machte sie in THE TERMINATOR zur Ikone. Als Sarah Connor spielte sie eine zunächst etwas naive Kellnerin, die zur Guerillakriegerin mutiert, um ihren Sohn zu retten. Diese Rolle hat Hamilton nun erneut übernommen. Älter ist sie geworden, weiser – und definitiv zorniger.
Und obwohl in aktuellen Actionfilmen wie WONDER WOMAN („Wonder Woman“, 2017) oder CAPTAIN MARVEL („Captain Marvel“, 2019) die zentralen Rollen mit Frauen besetzt sind, steht Sarah Connor, so Cameron, für sich selbst. „Wie viele dieser Figuren sind über 40 Jahre alt?”, fragt er. „Die Liste ist extrem kurz. Wie viele sind über 60? Eine dicke fette Null. Derweilen laden die Kerle jenseits der 80 immer noch ihre Waffen. In unserer Gesellschaft werden ältere Frauen gerne übersehen. In der klassischen Mythologie stehen sie für Weisheit, sind Zauberinnen oder Seherinnen – zumindest aber immer starke Persönlichkeiten. Diese Attribute haben wir in der Figur der Sarah vereint. Sie ist eine Action-Heroin wie sie im Buche steht. So jemanden haben wir auf der Leinwand noch nie gesehen.”
Die Idee, nach mehr als zwei Dekaden diese Rolle wieder zu übernehmen, sagte Hamilton zu. „Nach T-2 hatte ich das Gefühl, den Part der Kriegerin vollkommen ausgelotet zu haben”, erklärt sie. „Damals sah ich keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten und wollte nicht auf diese Rolle festgelegt werden. Aber nach 28 Jahren hat sich Sarah dramatisch verändert – das wollte ich erforschen“.
Glaubt man dem Ausführenden Produzenten John J. Kelly, war Hamiltons Wiederbelebung der ikonischen Rolle überfällig. „Lange Jahre haben wir auf ihren erneuten Auftritt gewartet. Jetzt ist sie wieder da – und liefert”, weiß er. „Ich bin mir sicher, dass das Publikum von ihrem neuen Auftritt absolut hingerissen sein wird. Schlichtweg, weil sie fantastisch ist.”  
Die Ausführende Produzentin Bonnie Curtis ergänzt: „Es macht ausgesprochen viel Spaß, einem Künstler, der weiß, was er seinem Publikum schuldet, bei der Arbeit zuzusehen. Linda ist sich dieser Tatsache vollkommen bewusst. Und sie liefert – selbstbewusst und ruhig. Dann begreift man: ‚Ja klar, das ist der Grund, warum die Figur zu einer Ikone geworden ist’. Es hat nichts mit der Figur der Sarah Connor zu tun. Es hat damit zu tun, wie Linda Hamilton Sarah Connor spielt.”
„THE TERMINATOR hört damit auf, dass Sarah alle verliert, die sie liebt”, weiß Hamilton. In T-2 hat sie ihr Leben dem Schutz ihres Sohnes John verschrieben. Mit einem Ergebnis, dass sie so nicht erwartet hat. „Zu Beginn unseres aktuellen Films ist sie verloren, innerlich gebrochen und besitzt keine Wurzeln mehr”, erläutert die Schauspielerin. „Nach all den Opfern, die sie gebracht hat, muss sie feststellen, dass die Zukunft sich nicht so verändert hat, wie sie hoffte. Es stimmt zwar, dass sie Cyberdyne zerstört hat, nun aber gibt’s diese neue K.I. namens Legion. Das macht sie wirklich fertig. Ihr bleibt nur noch, die Technologie, die Zukunft und die Maschinen zu hassen. Sie begibt sich auf eine weitere Reise, auf der sie nach dem letzten Funken von Menschlichkeit sucht, der in ihr steckt.”  
Längst legendär ist das Fitness-Training, das Hamilton für ihren Part in T-2 einst absolvierte. Nun musste sie sich wieder in Form bringen. Sie trainierte in New Orleans beim Fitnessexperten Mackie Shilstone, der auch professionelle Athleten wie Serena Williams und Peyton Manning betreut. „Es gab diesmal zehnmal so viel Action wie bei T-2”, sagt Hamilton. „Nachdem ich das Skript gelesen hatte, wandte ich mich an einen Freund und sagte: ‚Ich muss meine Angelegenheiten regeln. Vielleicht komme ich nicht mehr zurück’. Ich habe sogar nachgefragt, ob ich wegen meines Alters als Sarah diesmal nicht dick sein könnte”, ergänzt sie lachend. „Dann würde ich nicht mehr so hart arbeiten müssen. Würde das die Leute nicht schockieren? Aber dieser Vorschlag wurde abgelehnt!“
Stattdessen musste sich Hamilton dreimal täglich einem intensiven Training unterziehen, um Fett zu verbrennen und Muskeln aufzubauen. „Es war ein spannendes Unterfangen, denn man bekommt den Körper nicht mehr so hin wie früher. Man muss ihn dem Alter entsprechend formen.”
Aber es ging nicht nur um Fitness und Muskeln, Hamilton besuchte zudem in Texas den Taktik- und Militärberater Jack Nevils. „Linda ist ein leidenschaftlicher Profi und zudem lernt sie superschnell”, sagt Nevils, der 25 Jahre aktiven Dienst als Airborne Ranger und Green Beret hinter sich hat. „Sie ist immer bestens vorbereitet. Sie will alles tun, was körperlich nur möglich ist. Linda drängt: ‚Coach, lass mich das tun…’ Sie will unbedingt glaubwürdig wirken, da macht sie keine Abstriche. Es war mir ein Vergnügen, sie zu trainieren.”
Laut Hamilton gefiel ihr bei TERMINATOR: DARK FATE vor allem der Umstand, dass sie wieder mit ihren Ko-Stars der beiden vorangegangenen Filme vor der Kamera stehen durfte. „Ich habe nicht wirklich darüber nachgedacht, wie ikonisch diese Filme sind, obwohl ich natürlich weiß, dass viele Leute sie so einschätzen. Ich habe mich nur darauf gefreut, Arnold wiederzusehen. Das habe ich jedoch erst voll registriert, als ich ihn am Set wieder traf.”
Schwarzenegger schlüpft erneut in die Rolle des T-800 Terminator, die Filmemacher bestehen jedoch darauf, dass er nicht derselbe Cyborg wie in den vorangegangenen beiden Filmen ist. Es ist dasselbe Modell, mit derselben Hardware und demselben Programm. Aber dieser Terminator hat seine ganz eigene Geschichte. Es ist ihm gelungen, in der Vergangenheit zu bleiben. Er hat es geschafft, sich ein Leben aufzubauen und dabei vorgegeben, ein lebendes Wesen zu sein.
„Ich hätte nie Teil eines TERMINATOR-Films sein können, ohne mit einem alten Freund zusammenzuarbeiten, den ich seit 35 Jahren kenne – selbst wenn der Stab inzwischen an eine neue Generation von Figuren weitergegeben wurde”, sagt Cameron. „Wir haben viel Zeit darauf verwandt, ihn zum bislang spannendsten aller T-800 zu machen. Und natürlich gibt’s auch ein paar gute Gags, die Arnold auf seine ureigene Weise verantwortet.”
Miller pflichtet dem bei und ergänzt: „Jeder will an seiner Reise teilhaben und sehen wie seine Story weitergeht. Es ist eine ganz spezielle Geschichte mit ganz wichtigen Momenten für den Film.”
Schwarzenegger gibt unumwunden zu, dass THE TERMINATOR seine Karriere als Schauspieler in Gang brachte. „Ich hatte da schon die Titelrolle in CONAN THE BARBARIAN („Conan, der Barbar”, 1982) gespielt, aber da ging’s primär um meinen Körper und meine Muskeln“, erinnert er sich. „Dieser Schublade wollte ich entfliehen. THE TERMINATOR war der erste Film, bei dem es um meine Augen, mein Gesicht und ums Schauspielen ging. Es war nur ein kleiner Film, dafür aber brillant geschrieben, toll ausgestattet und inszeniert. Er war für mich und fürs Filmemachen ein echter Durchbruch.”
Schwarzenegger ist besonders stolz auf die Tatsache, dass das American Film Institute den Terminator zu den 50 besten Helden (Nr. 48) und den besten Bösewichten (Nr. 22) der Filmgeschichte zählt. „Die Idee dahinter bestand, einen Schurken zu schaffen, der nachhaltig beeindruckte: ‚Der ist echt cool! Kannst du dir vorstellen, solche Kräfte zu haben’? Die Zuschauer finden ihn gleichermaßen inspirierend wie unterhaltend.”
Ein Teil des Spaßes, den Part zu spielen, beruht laut Schwarzenegger auf dem Umstand, dass er sich definitiv mit seinem Cyborg-Alter-Ego identifizieren kann. „Bodybuilding setzt ein maschinengleiches Verhalten voraus”, erklärt er. „Es geht ums ständige Wiederholen, ums Ausschalten aller Emotionen und das Fokussieren auf ein Ziel. Diesmal ist es etwas anders. Hier wird der Terminator etwas menschlicher. Er ist sich darüber im Klaren, dass er eine Maschine ist. Aber er hat so viel Zeit unter Menschen verbracht, dass er sich ihnen angenähert hat. Das hat die Sache für mich aus schauspielerischer Sicht herausfordernder und spannender gemacht. Ich musste mich stark auf Tim Miller verlassen, der mir immer gesagt hat, wann ich zulegen muss oder mich einbremsen soll. Er hat einen tollen Job gemacht.”  
Schwarzenegger und Hamilton wieder vereint zu sehen, hat allen Beteiligten eine riesige Freude bereitet, besonders jedoch Miller. „Aus irgendeinem Grund wurde dies mir erst sehr spät während des Drehs bewusst. Eines Nachts saß sich vor den Monitoren”, erinnert sich der Regisseur, „zwei Kameras liefen. Eine war auf Linda gerichtet, die andere auf Arnold. Da wurde mir plötzlich siedend heiß bewusst, dass ich gerade dabei war, einen TERMINATOR-Film zu drehen. Es war eine famose Szene. Arnold hatte gerade einen für ihn typischen, wunderbar komischen Moment und Linda gab ihm kräftig kontra! Wenn die Kamera ausgeschaltet ist, ist sie die süßeste Person, die man sich vorstellen kann. Wenn diese jedoch läuft, kann sie in ihrer Rolle richtig arg vom Leder ziehen.”
Ellison war ebenfalls begeistert, die beiden Leinwandlegenden wieder vereint zu sehen. „Es war einer dieser Momente, die ich nie vergessen werde“, sagt er. „Ich sah T-2 erstmals als Achtjähriger im Kino. Ich verliebte mich gleich in die Story und die Figuren. Dieser Film hat in mir den Wunsch geweckt, in der Filmindustrie zu arbeiten. Entsprechend belohnend war es für mich, mit Arnold und Linda am Set zu stehen und diese Figuren wiederzubeleben. Ein Traum ist für mich wahr geworden.


Die Neuzugänge
Miller hat ein vielfältiges, talentiertes Ensemble zusammengestellt, was seiner Meinung nach notwendig war, um dem Franchise die Zukunft zu sichern. Zur Besetzung gehören die Kanadierin Mackenzie Davis, die Kolumbianerin Natalia Reyes, Diego Boneta aus Mexico City und der in Austin geborene und aufgewachsene Gabriel Luna. Gemeinsam mit Hamilton und dem aus Österreich stammenden Schwarzenegger bilden sie den bis dato internationalsten Cast eines TERMINATOR-Films.
„Ich kann es kaum erwarten, bis das Publikum die neue Besetzung sieht, die die Story spannend erweitert”, sagt Miller. „Natalia Reyes ist als Dani Ramos fantastisch. Mackenzie Davis spielt Grace, eine Soldatin aus der Zukunft, die zurückkehrt, um Dani zu beschützen. Dani ist zwar jung, aber dank Natalias starkem Spiel verleiht sie dem Part Tiefe. Dann haben wir Diego Boneta im Part von Danis Bruder. Er ist sehr witzig und charismatisch und liefert eine echt reife Leistung ab. Er macht klar, warum Dani so speziell ist. Und schließlich ist da noch Gabriel Luna als unser neuer Terminator.”
Reyes, Star der überaus populären kolumbianischen TV-Serie „Lady, La Vendedora de Rosas” gibt in TERMINATOR: DARK FATE ihr US-Spielfilmdebüt. Cameron beschreibt ihre Figur als „Mädchen von nebenan”, das in einer Fabrik in Mexico City arbeitet. „Es erschien mir überaus interessant, dass die wichtigste Person der Welt eine Mexikanerin aus der Arbeiterklasse ist”, sagt Cameron. „Sie glaubt nicht, dass sie etwas Besonderes ist – aber scheinbar gibt es da jemanden, der dies annimmt. Man kann Danis Reise mit der von Sarah aus dem ersten Film vergleichen. Die Zukunft will sie tot sehen, wir wissen aber nicht warum.”
Glaubt man Reyes, sieht sie sich zu Beginn des Films als Person, mit der sich das Publikum identifizieren kann. „Sie führt mit ihrer Familie in Mexico City ein ganz normales Leben, als plötzlich ein Terminator auftaucht”, erklärt sie. „Sie reagiert, wie wir alle reagieren würden. Dann tauchen Grace und Sarah auf, um sie zu beschützen. Plötzlich lebt sie in einer ganz anderen Welt. Es dauert eine ganze Weile bis sie begreift, was gerade passiert.”
„In dem Moment, in dem diese drei Figuren auf der Flucht sind, nimmt der Film Fahrt auf und wird zu einem an den Nerven zerrenden Abenteuer“, weiß Reyes. „Aktivität, Dynamik und Spannung sind angesagt. Diesen Film zu machen, war zugleich eine Reise wie eine Riesenerfahrung. Allein schon die Menge von Leuten, die involviert waren. Dazu die schwere Arbeit und all die Kameras. So einen Aufwand habe ich noch nie gesehen. Jede Woche galt es neue Abenteuer zu bestehen. Wir absolvierten ein Unterwassertraining, hatte Züge und Hubschrauber. Es war alles sehr aufregend und ich freue mich, dass ich Teil dieser Geschichte sein durfte.”

Grace, gespielt von Davis, ist eine Terminator-Jägerin aus der Zukunft. Sie ist eigentlich ein Mensch, jedoch technisch verbessert. Davis war begeistert, dass sie Hamilton als wilde Leinwandkriegerin begleiten durfte. „Sarah Connor ist für die Filmgeschichte und in Sachen Action sehr wichtig, nicht nur, weil sie eine Frau ist”, sagt Davis. „Sie ist zudem ein extrem cooler Typ. Es hat mir wirklich gefallen, Teil des Teams sein und dabei an der Seite der echten Sarah Connor stehen zu dürfen. Es war spannend, sie in ihren 60ern kennenzulernen und zu erfahren, was für eine Frau sie nun ist. Es ist höchst ungewöhnlich so eine Frau auf der Leinwand porträtiert zu sehen und es war für mich toll, Teil davon zu sein.”
An Sarah gefällt vor allem, so glaubt Davis, dass sie nicht nur ihr Leben riskiert, sondern auch auf jegliche Normalität verzichtet, um ihre Aufgabe zu meistern. Sie setzt sich einfach ihrem Schicksal aus. Sie hofft und glaubt, dass ihre Figur ähnlich angelegt ist. „Wir träumen alle davon, dass wir einmal die Chance bekommen, uns zu beweisen, aber nicht allen von uns ist das vergönnt.”
Wie Hamilton hat auch Davis in Texas am Militärtraining von Nevils teilgenommen. „Grace besitzt als Elitesoldatin einen militärischen Hintergrund”, erklärt der Veteran der Special Forces. „Also musste Mackenzie genauso intuitiv handeln wie eine Elitekämpferin. Das musste glaubwürdig wirken. Es sind nämlich die kleinen Dinge, die eine Figur authentisch wirken lassen.”        

Das Militärtraining, dem obendrein eine Vorbereitung auf ihre Stunts folgte, war laut Davis für ihre Rolle essentiell: „Ich wollte mich wie eine Soldatin oder Athletin bewegen. Es wäre schwierig gewesen, dies nur zu spielen. Also unterzog ich mich einer physischen und mentalen Transformation.”

Miller sagt, dass er die Schauspielerin gleichermaßen wegen ihrer sympathischen Ausstrahlung als auch ihrer angeborenen Athletik besetzte. „Das Publikum muss sich mit ihr identifizieren können. Ich brauchte keine Frau, die nur Gewichte hebt und so tut, als wäre sie eine Actionheldin”, führt der Regisseur aus. „Mackenzie hat alles darangesetzt, um als Supersoldatin zu überzeugen und gleichzeitig ist es ihr gelungen, dabei nichts von ihrer Humanität zu verlieren.”
In der Zukunft aus der sie zurückkehrt, um Dani zu schützen, wurde sie schwer verletzt und im Zuge einer Operation technisch optimiert. „Sie ist mehr als nur ein klassischer Cyborg”, sagt Miller. „Ihr Knochenmark hat man mit einer Art Silikat ersetzt, was ihre Gliedmaßen nahezu unzerbrechlich macht. Ihre Muskelfasern wurden enger verwoben und so verstärkt, sie nimmt gewisse Chemikalien ein, die sie schneller reagieren lassen. Zudem ist ihr Gehirn unglaublich weiterentwickelt, ihre Denkprozesse sind beschleunigt und sie ist sehr, sehr schnell. Es ist schwierig – wenn auch nicht unmöglich – ihr Schaden zuzufügen. Aber das hat seinen Preis.”
Stunt-Koordinator Freddy Bouciegues ergänzt: „Obwohl man in Graces Körper einige mechanische Teile verbaut hat, ist sie nicht so schwer wie ein T-800 oder der Rev-9. Entsprechend ist sie schneller. Sie ist für den Kampf gebaut, sie gleicht einem Hochoktan-Rennwagen.” 
Dani und Grace ins Zentrum der Geschichte zu stellen, sprach Miller an. „Ich finde es viel spannender, wenn man Frauen harte Actionrollen überträgt”, erklärt er. „Wir entschlossen uns, unsere Story aus Sicht unserer neuen Charaktere zu erzählen. Sie verfolgen neue Ziele, haben neue Perspektiven und eine andere Art emotionaler Bindung. Das fand ich sehr anregend.”


Der neue Terminator
Aus der Zukunft kehrt ein neuer Terminator, genannt Rev-9, in die Gegenwart zurück. Er ist ein hoch moderner Killerroboter, viel ausgefeilter und effizienter als alle seine Vorgänger. „Er ist verdammt spektakulär”, sagt Cameron. „Wir haben viel Zeit darauf verwendet, ihn zu entwerfen. Ich halte ihn für überaus beeindruckend. Er unterscheidet sich stark von seinen Vorgängern. Nicht nur ob seiner Fähigkeiten, sondern auch wegen seiner ‚Personalität’. Er ist nicht so kalt, er ist kein rein mechanischer Cyborg. Er ist persönlich und charmant – und zugleich absolut tödlich.”

Luna, der Rev-9 spielt, erinnert sich, dass seine Mutter ihn als etwa Zehnjährigen ins Kino mitgenommen hat, um TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY zu sehen.: „Später habe ich dann noch das Original gesehen und war sehr beeindruckt und der Verbindung bzw. den Veränderungen zwischen den beiden Filmen. Es gibt definitiv eine Brücke zwischen den alten und neuen Actionfilmen und der Art, wie sie gemacht sind. Und das hat mit Cameron zu tun. Er hat von Film zu Film die Latte höhergelegt.  Außerdem es war super, dieses Triumvirat aus Sarah, Grace und Dani zu sehen. Sie sind wie ein Rudel von Löwinnen, an deren Fersen ich mich hefte.”
Luna und Schwarzenegger freundeten sich eng an, während sie im Verlauf des Drehs gemeinsam in einem Fitnessstudio in Budapest trainierten. „Als ich Arnold traf, begannen wir eine Art Lehrer-Schüler-Beziehung”, erzählt Luna. „Es war mir eine Ehre, so viel Zeit mit ihm verbringen zu dürfen. Er war sehr großzügig und ließ mich an seiner Erfahrung und an seinem Wissen teilhaben. Er ist ein extrem intelligenter Mann.”

Schwarzenegger war sehr davon angetan, wie Luna sich in die Aufgabe hineinstürzte, sich für seine Rolle in Form zu bringen. „Es ist extrem schwierig, den Körper in nur sechs Monaten zu verändern”, weiß er. „Man muss dazu überaus diszipliniert sein – und Schauspieler sind nicht unbedingt die diszipliniertesten Menschen. Aber wenn man sich die Fotos von ihm ansieht als er seinen Vertrag unterschrieb und dann die späteren, die während des Drehs aufgenommen wurden, erkennt man einen Unterschied wie Tag und Nacht.”

Der Rev-9 verbindet Elemente des ursprünglichen T-800 und des T-1000, der in T-2 zum Einsatz kam. Aber insgesamt ist er wesentlich verbessert. Der neue Terminator besitzt ein Endoskelett aus Metall, eine flüssige Haut und ist in der Lage, verschiedenste Klingen zu formen”, erklärt Miller. „Er kann sich zudem in zwei Einheiten aufspalten, die unabhängig voneinander kämpfen und verschiedene Fähigkeiten besitzen. Obwohl er als Einheit insgesamt stärker ist, gibt es strategische Momente, in denen er sich teilt und von zwei Seiten aus angreift.”
Stunt-Koordinator Bouciegues oblag es, mit Miller zu arbeiten, um den unglaublichen Rev-9 glaubwürdig zum Leben zu erwecken. Dabei galt es zu berücksichtigen, dass der neue Terminator auch Schwachstellen hat. „So kann er nur Klingen von einer gewissen Länge produzieren und muss sich dazu anderer Teile seines Körpers bedienen”, führt er aus. „Das war ein ganz spezifischer Wunsch von Tim”.    
Die Filmemacher sind sich darüber einig, dass die größte Verbesserung des Rev-9 darin besteht, dass er menschliche Emotionen simulieren kann. Der Rev-9 ist darauf fokussiert, sein Zielobjekt zu töten – und entsprechend tut er alles, um an Dani heranzukommen. „Ein K.I., die auf die Weltherrschaft abzielt, würde die Menschen sicherlich voll und ganz begriffen haben”, erläutert Miller. „Und so wäre Charme und Tücke in manchen Fällen wohl überaus effektiver, als einen Lastwagen zu stehlen und damit in ein Gebäude hineinzurasen. Dennoch bleibt er eine quasi nicht aufzuhaltende Maschine mit nur einem einzigen Ziel.”      


Und … Action
Um sicherzustellen, dass all jene physischen Details, die Camerons TERMINATOR-Filme auszeichnen und von der üblichen Actiondurchschnittsware unterscheiden, gewährleistet waren, stellte Miller ein ausgesuchtes Kreativ-Team zusammen. Dem gehörten unter anderem Chefkameramann Ken Seng, Produktionsdesignerin Sonja Klaus, Kostümdesignerin Ngila Dickson, Philip J. Silvera, Regisseur des zweiten Drehstabs und überwachender Stunt-Koordinator, Neil Corbould, Überwacher der Spezialeffekte, Eric Barba, Überwacher der visuellen Effekte, sowie Cutter Julian Clarke an. 
Die Dreharbeiten begannen im Mai 2018 im Herzen von Madrid. Klaus fiel die Aufgabe zu, die Locations in der spanischen Hauptstadt – und später in den Budapester Origo Studios – in Mexico City und Umgebung zu verwandeln. „Wir verfügten im Madrid über eine überaus talentierte Crew, die hier das gewünschte mexikanische Environment errichtete – Farben und Feeling inklusive”, sagt Cameron.
Klaus erzählt, dass Spanien sich in vielerlei Hinsicht hervorragen eignete, als Mexiko durchzugehen. „Beide Länder haben eine ähnliche Topographie, Formen und Licht gleichen einander”, erklärt sie. „Es gibt herrliche Aussichten, speziell in Almeria, wo Sergio Leone einige der klassischen Spaghetti-Western gedreht hat. Beide Länder sind traditionell katholisch, das heißt sie besitzen eine ähnliche Ikonographie.”
Danis typisch spanisches Haus stand in einem Madrider Stadtviertel, dessen Gebäude Mitte des 20. Jahrhunderts errichtet wurden. „Es ist von essentieller Notwendigkeit, dass das Publikum Empathie für Dani, ihren Bruder, ihren Vater und deren Hund aufbringt”, sagt Klaus. „So mussten wir zunächst zeigen, wie sie in Mexico City lebt. Wir engagierten drei Künstler, die die Hausmauern mit Graffiti verzierten, mit den landestypischen ‚alebrijes’, jenen bunten, tierähnlichen Fantasiefiguren.”
Eine klassische, TERMINATOR-typische Autoverfolgungsjagd wurde auf einer Schnellstraße außerhalb von Murcia in Südspanien in Szene gesetzt. Der Rev-9 steuert einen riesigen Bagger, der Sarah, Dani, ihren Bruder Diego und Grace verfolgt. Dabei schleudert er, während er unaufhaltsam näherkommt, Fahrzeuge wie Spielzeugauto durch die Luft. Die Sequenz war unglaublich kompliziert zu realisieren. Zwei Wochen lang waren das erste und das zweite Drehteam mit ihr befasst. Die Temperaturen betrugen dabei um die 44 Grad Celsius, was die Sache für die Schauspieler und die Crew zusätzlich erschwerte.
„Die Sequenz findet zwischen Mexico City und Juárez statt”, erläutert Klaus. „Sie ist ungefähr fünf Minuten lang, deckt jedoch einen wichtigen Teil der der Geschichte ab. Wir begaben uns nach Murcia, weil wir ein düsteres, trockenes Gefühl evozieren wollten. Je weiter die Szene voranschreitet desto trockener wird es – und entsprechend entsättigen sich die Farben.”
Bezüglich der Stunts, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, entschied man sich, glaubt man Silvera, Regisseur des zweiten Drehteams, für eine praktische, analoge Herangehensweise. „Für diese Autosequenz engagierten wir ein von Mike Massa geleitetes Stuntteam. Die Fahrer, die Besten ihres Fachs, kamen aus aller Herren Länder, darunter aus Großbritannien, den USA, Spanien und Budapest. Unser Ziel war es, das Publikum die Gefahr dieser Verfolgungsjagd hautnah spüren zu lassen. Der Terminator musste wirklich bedrohlich wirken. Man glaubt ihm seine Wildheit, seine Entschlossenheit und den Drang seine Mission zu erfüllen.”
Zur Verfolgungsjagd gehört ein gefährlicher Autounfall, der so spektakulär ist, dass er mit Hilfe eines ferngesteuerten Fahrzeugs realisiert werden musste. „Tim war diesbezüglich ungeheuer hartnäckig. Er wollte einen Zusammenstoß bei circa 110 Stundenkilometer. Da einen Stuntfahrer einzusetzen, wäre keine gute Idee gewesen”, erklärt der legendäre, viel gefragte Spezialeffekte-Überwacher Neil Corbould, der etwa bei MISSION: IMPOSSIBLE – FALLOUT („Mission: Impossible“, 2018) oder GRAVITY mitgewirkt hat. „Wir flogen einen Stuntfahrer aus Großbritannien ein, der das ferngelenkte Auto wie im Schlaf beherrschte. Das Auto traf ohne zu bremsen mit 110 Stundenkilometern auf das andere. Es war ferngesteuert und der Stuntfahrer lenkte es exakt so, wie wir es ihm sagten.”
Nachdem die Dreharbeiten in Spanien abgeschlossen waren, zog der Filmtross in die ungarischen Origo Studios um, wo der Großteil der Sets errichtet worden war. Die Produktion nahm hier langsam Formen an. Auf dem Gelände errichtete man die mexikanische Grenze samt der dazugehörigen Graffiti-bemalten Mauer. Gedreht wurde außerdem in der Umgebung von Budapest, unter anderem in der hochmodernen Mercedes-Fabrik in Kecskemét.
Neil Corbould wurde engagiert, um die aufwändigen Spezialeffekte zu ermöglichen und anschließend zu überwachen. „Die größte diesbezügliche Herausforderung war das C-5 Raumschiff”, erklärt er. „Nachdem ich das Skript gelesen hatte, begann ich zu überlegen, wie wir dessen Szenen gestalten konnten. Dazu benötigten wir zwei rotierende Sets, das eine musste sich vertikal, das andere horizontal bewegen lassen. Alles musste minutiös geplant werden, damit die Kamera alles perfekt einfangen konnte. Als dies geschehen war, übergaben wir an Eric Barba, der für die visuellen Effekte zuständig war. Er musste fürs perfekte Finishing sorgen.”
Miller fügt hinzu: „Die rotierenden C5-Sets, die Neil und dessen Team bauten, waren unglaublich. Riesige, kinetische Skulpturen, die es uns ermöglichten, einen Crash mit Schauspielern und Stuntleuten lebensecht nachzuvollziehen. Wir verbrachten Wochen innerhalb dieses Sets, der im Prinzip einem riesigen Hamsterrad glich. Er ließ sich 360 Grad um die eigene Achse drehen und gleichzeitig horizontal und vertikal bewegen. Es war wirklich unglaublich.”
„Es ist eine Sequenz, die für mächtige Adrenalinschübe sorgt. Ich denke wir haben es hier mit einer der coolsten und aufregendsten Szenen des Films zu tun”, sagt Bouciegues. „Es ist wahrhaft unglaublich zu sehen, wie die Beteiligten in diese furchterregende Situation kommen.” 
Miller hält die Unterwassersequenz für besonders aufregend. Ein Humvee stürzt da von einem Damm ins Wasser, versinkt und wird vom Fluss mitgerissen – gnadenlos verfolgt von Rev-9. „Der Humvee stand auf einem gigantischen hydraulischen Scherenaufzug, der das monströse Gefährt auch unter Wasser transportierte”, erklärt er. „Das Wasser dringt ein und die Schauspieler müssen so tun, als drohten sie zu ertrinken. Das fiel ihnen nicht weiter schwer, denn in dieser Situation hatten sie durchaus das Gefühl, dass sie ertrinken könnten. Aber es war, obwohl erschreckend echt anzusehen, alles sehr sicher. Ich spielte mit den Schauspielern – unter penibler Aufsicht des Stunt- bzw. Spezialeffektteams – sämtliche Szenen durch. Einige davon waren sehr schwierig und heikel und ich konnte das gut die Situation der Schauspieler gut nachvollziehen. Aber im Gegensatz zu meinen Darstellern, war ich da immer nur ein paar Minuten beschäftigt, während sie die Strapazen regelmäßig mehrere Stunden lang ertragen mussten. Aber sie haben all das gemeinsam perfekt gemeistert. Jede noch so schwierige Szene haben sie mit einem Lächeln quittiert“.


Ein würdiger Nachfolger
So sehr sich Cameron freute, an dem Film mitzuarbeiten, so sehr war er sich bewusst, dass er hier als Produzent und nicht als Regisseur firmierte. Entsprechend legte er den Film in die Hände von Tim Miller und dessen Team. „Ich arbeitete im Vorfeld mit Tim und den anderen Autoren, um mit ihnen das bestmögliche Skript zu erarbeiten. Als das geschehen war, hatte er freie Hand. Ich glaube absolut, dass ausschließlich der Regisseur für die kreative Umsetzung zuständig ist – zusammen mit seinen Schauspielern, dem Chefkameramann, dem Produktionsdesigner etc. Mein Job war es, den Film auf die Schienen zu hieven, dann musste Tim sein eigenes Ding machen.”
Das ursprüngliche Ziel, eine Fortsetzung von T-1 und T-2 zu realisieren, ist in Sachen Tonalität und Story laut Cameron voll aufgegangen. „Wir haben ein R-Rating, die Umsetzung ist düster, schnell und intensiv. Wir erzählen linear. Die gesamte Story spielt sich im Verlauf von 36 Stunden ab. Es ist eine wilde Achterbahnfahrt durch eine Art Techno-Hölle, die in unserer heutigen Zeit endet.”
Miller hofft, dass ihm ein prototypisches TERMINATOR-Abenteuer für das gespannte Publikum gelungen ist. „Linda Hamilton ist zurück, Arnold ist zurück, Jim war beteiligt und wir hatten zig neue Ideen und frisches Blut”, fügt er hinzu. „Ich hoffe, dass mir ein würdiger Nachfolger von zwei wahrlich großen Filmen geglückt ist. Man sorgt sich um jede einzelne Figur. Jede hat ihren eigenen großen Moment. Die Zuschauer können mit ihnen weinen und jubeln. Wir haben unglaubliche Actionsequenzen, die den Herzschlag beschleunigen, und einen unvorhersehbaren, Haken schlagenden Plot. Ich hoffe, dass mir beste Unterhaltung gelungen ist – aber das werden letztendlich die Zuschauer entscheiden.”
„Mit TERMINATOR: DARK FATE habe ich versucht, den beiden Vorgängerfilmen, die wir alle lieben, meine Ehre zu erweisen“, schließt er. Ich hoffe, dass dies auch alle TERMINATOR-Fans erkennen und wir eine neue Generation von Anhängern der Figuren, die Jim geschaffen hat, gewinnen werden“.
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Donnerstag 10.10.2019
M. C. ESCHER – REISE IN DIE UNENDLICHKEIT
Ab 10. Oktober 2019 im Kino
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Treppen, die gleichzeitig aufsteigen und hinabgehen, um sich in einem Kreis zu verbinden. Figuren, die sich in 2DSchablonen verwandeln, um wieder plastisch zu werden. Paradoxe Landschaften und surreale Stadtszenen. Metamorphosen, in denen sich Vögel zu Fischen und wieder zu Vögeln transformieren – M. C. Eschers Werk fasziniert Millionen von Fans. Der niederländische Grafiker (1898-1972) inspiriert auch heute noch Filmemacher, Maler und Musiker gleichermaßen. Escher ist en vogue, eine Ikone der Kunstwelt.  Die ihm gewidmete Dokumentation M.C. ESCHER – REISE IN DIE UNENDLICHKEIT lässt ihn anhand von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Notizen und Vorträgen selbst zu Wort kommen. Ein faszinierendes Erlebnis und ein Einblick in das Schaffen eines der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts.
 
In der deutschen Fassung leiht Matthias Brandt (POLIZEIRUF 110) Escher seine unverwechselbare Stimme, in der Originalfassung Stephen Fry (GOSFORD PARK).
 
„Wir beten das Chaos an, weil wir es lieben, Ordnung zu schaffen.“ M. C. Escher


M. C. ESCHER: BIOGRAFIE

Maurits Cornelis Escher wurde am 17. Juli 1898 in Leeuwarden in der niederländischen Provinz Friesland geboren. Er war der jüngste von fünf Söhnen. Sein Vater, der angesehene Wasserbauingenieur George Arnold Escher, lebte mit seiner Familie im Princessehof in Leeuwarden. 1903 zogen die Eschers nach Arnheim, Provinz Gelderland. Dort besuchte M. C. Escher auch die Schule. Escher war ein schlechter Schüler, selbst im Fach Kunsterziehung konnte er keine guten schulischen Leistungen vorweisen. Aber er kam mit der Technik des Linolschnitts das erste Mal während seiner Oberschule in Kontakt, als er in Kunst von F. W. van der Haagen unterrichtet wurde. 
Nach einem erneuten Umzug der Familie Escher im Jahr 1917 nach Oosterbeek in der Provinz Gelderland begann M. C. Escher 1919 ein Architekturstudium in Haarlem. Allerdings brach er das Studium nach einer Woche wieder ab und beschäftigte sich danach mit grafischen Techniken. Gefördert wurde er dabei vom niederländischen Künstler Samuel Jessurun de Mesquita, der an der Kunstschule in Harleem lehrte und Escher z. B. die Holzschnitt-Technik beibrachte. De Mesquita, dessen Eltern portugiesische Juden waren, übte insgesamt einen großen Einfluss auf Escher aus. Er blieb seinem Lehrer zeitlebens verbunden und erlebte dessen Deportation ins KZ Auschwitz im Jahr 1944 als großes Trauma. Escher rettete rund 450 Werke seines Lehrers, die die Nazis beim Verwüsten des Ateliers auf die Straße geworfen hatten. 
Ab 1921 bereiste M. C. Escher mehrfach Italien, wo er zu Fuß oder auf einem Esel die italienische Landschaft und die kleinen Ortschaften erkundete. Er besuchte auch Spanien und machte dort in der Alhambra mit der arabischen Ornamentik des wiederkehrenden Motivs Bekanntschaft. Eine Entdeckung, die sein Schaffen nachhaltig prägte. 
Als Escher 1923 die Amalfiküste bereiste, lernte er in einer Pension in Ravello Jetta Umiker kennen. Die Tochter eines Industriellen, die mit ihren Eltern Russland nach der Oktoberrevolution verlassen musste, lebte in der Schweiz und war selbst künstlerisch begabt. 1924 heiratete Escher Jetta in Viareggio. Das Paar ließ sich in Rom nieder. In ihrem Haus in Monteverde kamen die drei Söhne George, Arthur und Jan zur Welt. 
Während der 1920er Jahre erlangte Escher bereits eine gewisse Popularität und hatte 1929 gleich fünf Ausstellungen in den Niederlanden und der Schweiz. Bis 1937 entstanden überwiegend mediterrane Landschaftsbilder. Mit der Lithografie „Castrovalva“, einem kleinen Dorf in den Abruzzen, gelang ihm 1930 der Durchbruch. Dieses Werk wurde sogar von Kritikern in den USA gelobt. 
1935 fällte die an sich unpolitische Familie die Entscheidung, das seit 1922 faschistische Italien zu verlassen. Die Eschers zogen nach Château-d’¼x in der Schweiz. 1936 bereiste Escher mit einem Frachtschiff den Mittelmeerraum. Die Fahrtkosten für sich und seine Frau bezahlte Escher mit Holzschnitten und Lithographien, die er während der Reise anfertigte. Nach einem zweiten Besuch der Alhambra 1936 veränderte sich Eschers Thematik. Er beschäftigte sich zunehmend mit Metamorphosen und versuchte die Illusion der Unendlichkeit in seinen Arbeiten zu erzeugen. Unmögliche Perspektiven und geometrische Figuren bevölkerten nun seine Werke. 
1937 folgte ein weiterer Umzug in die Nähe von Brüssel. Als die Nationalsozialisten 1941 in Brüssel einmarschierten, zog die Familie nach Baarn in der niederländischen Provinz Utrecht. Erst nach dem Krieg wuchs das Interesse an Eschers Kunst. M. C. Escher hatte die Mezzotinto-Technik erlernt und sich seit 1946 verstärkt perspektivischen Inhalten zugewandt. Er erhielt einige gut bezahlte Aufträge und verkaufte viele seiner Drucke.
In den 50er Jahren war er in den USA bereits ein gefragter Künstler. Sein großer Durchbruch in Europa erfolgte im September 1954, als ihm das Stedelijk Museum in Amsterdam eine Einzelausstellung anlässlich eines gleichzeitig dort abgehaltenen Mathematiker-Kongresses gewährte.
1955 erhielt M. C. Escher mit dem „OranjeNaussau-Orden“ die Ritterwürde. Die letzten beiden Ausstellungen zu seinen Lebzeiten fanden 1969 im Rheinischen Landesmuseum Bonn und in der Kunsthalle Bern statt. In den 60er Jahren und mit dem Aufkommen der Hippiebewegung war der Name Escher weltweit bekannt und verschaffte dem Künstler ausreichende Einkünfte.
1964 erkrankte Escher und musste mehrfach operiert werden. Am 27. März 1972 starb M. C. Escher im Rosa-Spier-Haus in Hilversum, Provinz Nordholland.
 


ROBIN LUTZ (REGISSEUR)
 
Nachdem er 16 Jahre lang in Frankreich gelebt und gearbeitet hatte, gründete Robin Lutz 1988 in den Niederlanden seine eigene Firma für kulturelle, audiovisuelle Produktionen. Die Firma legt ihren Fokus auf Dokumentarfilme, die bereits mehrfach mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurden.

DIRECTOR’S STATEMENT 
 
Robin Lutz hat zusammen mit Marijnke de Jong den Film M. C. ESCHER – REISE IN DIE UNENDLICHKEIT konzipiert. Als sie mit ihrer Arbeit am Film begannen, traten sie mit der Escher Foundation in Kontakt, die alle Bildrechte an den Escher-Werken besitzt. Die Stiftung erklärte sich zu einer Kooperation bereit. Mit ihrem riesigen Netzwerk ist die Escher Foundation auch ein unentbehrlicher Partner, wenn es um Kooperationen mit den vielen Ausstellungen geht, die sich in den kommenden Jahren mit Eschers Kunst befassen werden. Neben der Stiftung war auch das Escher-Museum in Den Haag ein wichtiger Partner zur Umsetzung des Filmprojekts. Außerdem ist Sir Roger Penrose, emeritierter Mathematikprofessor der Oxford University, der Schirmherr des Films. 
 
„Ich fürchte, es gibt nur eine Person, die einen guten Film über meine Drucke machen kann: ich selbst“, schrieb Escher an einen amerikanischen Sammler im Jahr 1969. 
Das ist genau das, was Escher in diesem Film tut: Er ist der Regisseur, nicht wortwörtlich aber symbolisch. Maurits Cornelis Escher war nicht nur ein visionärer Grafiker, sondern auch ein scharfer Beobachter, der seine Beobachtungen in einer Vielzahl von Tagebüchern, Briefen, Vorträgen und Katalogen festhielt. Das erlaubt uns, sein persönliches Leben anhand seiner eigenen Worte zu rekonstruieren. In seinen Beobachtungen finden sich all seine Ängste, seine Zweifel, seine euphorischen Momente, seine politischen Überlegungen, seine Begeisterung, die Beschreibung seiner künstlerischen Fortschritte und natürlich auch seine eigene Meinung zu seiner Arbeit wieder.  Der Zuschauer kann so den Film mit den Augen Eschers erleben: Die Kamera ist Escher. M. C. Escher wird in seinen eignen Worten erzählen, was er gesehen, gefühlt hat und was ihn inspiriert, in Staunen versetzt und verärgert hat. Wir werden in seine Fußstapfen treten und ihm so nah wie möglich kommen. Die Kamera ist Eschers Auge!
Der Film zeigt auch historische Aufnahmen von Leeuwarden, wo Escher geboren wurde, von Haarlem, wo er ausgebildet wurde, von Italien, wo er während Mussolinis Aufstieg lebte, von Spanien vor Franco, wo er seine Inspiration für das „Flächenfüllen“ fand und den Niederlanden während der deutschen Besatzung. Ebenso gibt es Bilder aus den 50er und 60er Jahren, als er mit seiner Familie in Baarn lebte. 
Escher kommentierte scharfsinnig die turbulente Welt um ihn herum, konzentrierte sich aber vollständig auf seine Kunst. Nach einer langen Periode, in der er vor allem traditionelle Arbeiten erschuf, gelang ihm nach dem 2. Weltkrieg mit seinen typischen „Escher-Drucken“ der Durchbruch. In diesen Arbeiten zeigt Escher eine Welt, die auf den ersten Blick logisch erscheint, sich dann aber als vollkommen unmöglich in der Realität herausstellt. Im Film zeigen 3D-Animationen, wie Escher Ideen in seinen Grafiken Gestalt verlieh und wie sich sein Denk- und Arbeitsprozess nach und nach entwickelte. 
Auch wenn Kunsthistoriker Escher gegenüber oft kritisch sind, so ist er doch nach Rembrandt und Van Gogh einer der berühmtesten niederländischen Künstler. Seine Arbeiten erkennt man sofort. Woher er seine Inspriation bezog, wie er lebte, wer der geniale Grafiker war, der wie besessen arbeitete und schließlich die Welt in Staunen versetzte, erzählt der Film. 
Escher war über seinen riesigen Erfolg, vor allem bei der Jugend, verblüfft. Eschers Söhne George und Jan sowie die Popikone Graham Nash setzen Eschers Leben im Film in einen zeitgeschichtlichen Kontext. Die Aussagen der Söhne sind dabei eine direkte Ergänzung zu Eschers eigenen Erzählungen. Graham Nash ist ein großer Sammler von Eschers Arbeiten, dank denen er Kunst für sich entdeckte. Jetzt ist er nicht nur als Sänger bekannt, sondern auch als Kunstsammler und Herausgeber von Büchern über Kunst. 
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Mittwoch 02.10.2019
AFTER THE WEDDING
Ab 17. Oktober 2019 im Kino
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Zwischen Isabel (Michelle Williams) und Theresa (Julianne Moore) liegen Welten. Während Isabel jeden Tag für den Erhalt eines Waisenhauses in Kalkutta kämpft, kennt die Multimillionärin Theresa solche Probleme nur aus der Zeitung. Trotzdem will sie Isabels Lebenswerk vor der Schließung retten und bietet ihr eine großzügige Summe Geld an. Einzige Bedingung ist ein persönliches Kennenlernen in New York. Nur widerwillig macht sich Isabel auf den Weg und trifft mitten in den Hochzeitsvorbereitungen von Theresas 21-jähriger Tochter Grace (Abby Quinn) in New York ein. Bevor sie sich versieht, ist sie nicht nur Teil der luxuriösen Hochzeitsgesellschaft, auch trifft sie dort auf ihre alte Liebe Oscar (Bill Crudup). Isabel erkennt, dass sie und ihr Projekt nicht zufällig ausgewählt wurden. Denn Theresa weiß um ihr so lang gehütetes Geheimnis und fordert einen weit höheren Preis von Isabel um das Waisenhaus zu retten…

Regie und Drehbuch: Bart Freundlich
Mit Michelle Williams, Julianne Moore, Billy Crudup, Abby Quinn u.v.a
 
In Bart Freundlichs („Rebound“) packender Familiengeschichte AFTER THE WEDDING stehen zwei Superstars des US-Kinos erstmals gemeinsam vor der Kamera: Oscar®-Gewinnerin Julianne Moore („Still Alice“) und die Oscar®-nominierte Michelle Williams („Brokeback Mountain“). In einer Welt, in der die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter auseinanderklafft, gewinnt Bart Freundlichs einfühlsame Neuverfilmung von Susanne Biers gefeiertem Drama „Nach der Hochzeit“, nicht nur an unerwarteter Brisanz, er rückt auch zwei Frauen in den Mittelpunkt des Geschehens. AFTER THE WEDDING feierte seine Weltpremiere als Eröffnungsfilm des Sundance Filmfestival 2019 und eröffnete ebenfalls das 54. Internationale Filmfestival von Karlovy Vary bei dem Julianne Moore mit dem Kristallglobus für außerordentliche künstlerische Verdienste um das Weltkino geehrt wurde.


PRODUKTIONSNOTIZEN
 
Der richtige Mann für den Job
 
Als Produzent Joel B. Michaels erstmals den Oscar®-nominierten Film NACH DER HOCHZEIT („Efter bryluppet“, 2006) von Susanne Bier sah, war er ergriffen von dem zutiefst menschlichen Drama der Geschichte. „Mich faszinierte besonders, dass sich der Film in die Grauzonen des Lebens bewegt, in einen Bereich, wo sich die Grenzen zwischen dem, was moralisch richtig oder falsch ist, vermischen. Als Menschen machen wir uns vermutlich alle schuldig, weil wir auf die eine oder andere Weise andere zu manipulieren versuchen, aber selbst wenn man die besten Absichten hat, kann man großen Schaden anrichten, wenn man die Wahrheit verbiegt, um sie einer persönlichen Erzählung anzupassen.“
 
Michaels bemühte sich bei der dänischen Produktionsfirma mit großer Leidenschaft um die englischsprachigen Verfilmungsrechte, war aber nicht der Einzige, der diese Idee hatte. Mitte 2007 gelang es ihm schließlich, sich auch gegen deutlich größere Mitbewerber durchzusetzen. Er ließ ein erstes Drehbuch erstellen – und suchte danach Jahre lang nach dem richtigen Regisseur für den Stoff. 2016 schlug ihm ein Freund vor, er solle doch einmal bei Bart Freundlich anfragen. Michaels wusste, dass Freundlich als Regisseur ein Meister im Umgang mit komplexen menschlichen Beziehungen ist – und obendrein einen exzellenten Ruf besitzt als Filmemacher, der ein Händchen bei der Führung von Schauspielern hat, ein actor’s director. 
 
„Bart verstand sofort, worum es bei dem Film gehen sollte – wenn wir uns über die Geschichte unterhielten, dann immer so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte“, erzählt Michaels. „Wir hatten mehrere Gespräche, und ich fand, dass er sofort den Nerv der Psyche und Psychologie der Figuren traf.“
 
Freundlich war längst ein Fan der Arbeit von Susanne Bier, NACH DER HOCHZEIT hatte er indes bislang nicht gesehen. Die intensive Entwicklung der Figuren und die überaus moderne Erzählweise sprachen ihn sofort an. „Es ist eine Geschichte, die in der wahren Welt spielt“, findet er. „Wir alle können uns darin wiedererkennen. Ich war fasziniert davon und wollte dieser Form menschlicher Schwäche nachspüren. Ebenso wollte ich einen genaueren Blick auf die Freuden werfen, die von den Menschen ausgehen, mit denen wir im Verlauf unseres Lebens Beziehungen eingehen. Letzten Endes befinden wir uns alle auf dieser Reise – und keiner von uns hat Einfluss darauf, wo sie uns schließlich hinführt.“
 
Freundlich und Michaels unterhielten sich auch über einen weiteren entscheidenden Aspekt der Geschichte. In Biers Originalfilm stehen zwei Männer im Mittelpunkt. Michaels fand jedoch, dass der Film noch deutlich besser funktionieren würde, wenn es um zwei Frauen ginge. Freundlich dachte kurz darüber nach. Und stimmte Michaels dann zu, dass dieser Wechsel die Geschichte noch dringlicher und zeitgemäßer sein lassen würde. Besonders auch angesichts des auffälligen Mangels an bedeutenden und komplexen weiblichen Hauptfiguren im amerikanischen Kino sowie des aktuellen Klimas im Land hinsichtlich der Machtstrukturen und der momentanen brisanten Genderdebatten. Freundlich machte sich sofort daran, das Drehbuch entsprechend umzuschreiben.

„Die Originalgeschichte lässt sich mit nichts vergleichen, was ich jemals gemacht habe“, merkt Bart Freundlich an. „Sie hatte viele Ebenen und unterschiedlichste, dreidimensionale Figuren im Überfluss. Ich empfand es also als aufregende Möglichkeit, eine Geschichte zu erzählen, die sich darum dreht, was es für diese Frauen bedeutet, gewisse folgenschwere Entscheidungen zu treffen, und sich dann mit den Konsequenzen dieser Handlungen zu befassen.“
 
 


Superstars vor der Kamera
 
Julianne Moore war ein erklärter Fan von Susanne Biers Film. Als Freundlich, mit dem sie verheiratet ist, mit der Adaption der Geschichte begann, fand sie gleich, dass die Rolle der Theresa eine interessante Herausforderung für sie als Schauspielerin sein könnte. Beim Schreiben gab sie ihrem Mann wertvolle Ratschläge und beschäftigte sich bereits intensiv damit, wie die Figuren sind und wie sie zueinanderstehen. „Ich liebe Familiengeschichten und Filme, in denen Beziehungen im Mittelpunkt stehen“, sagt Julianne Moore. „Darum geht es doch im Leben. Ich denke, jeder von uns hat eine Geschichte, die es lohnt, erzählt zu werden. Nichts interessiert mich mehr als diese persönlichen Erzählungen.“
 
Als Freundlich das Drehbuch fertiggestellt hatte, gab Julianne Moore ihre endgültige Zusage, Theresa zu spielen. „Die Besetzung eines Films ist niemals einfach“, meint Produzent Joel B. Michaels. „Aber als Julie schon so früh zu uns gestoßen war, fiel es doch auffallend leichter, auch für die anderen Rollen ganz besondere Schauspieler zu gewinnen. Ihr und Bart ist es zu verdanken, dass Michelle Williams und Billy Crudup zum Cast stießen.“
 
Bart Freundlich findet, dass die Besetzung einer der erfreulichsten Aspekte beim Prozess des Filmemachens ist – und dass das Casting von AFTER THE WEDDING eine ganz besondere Erfahrung war. Zum ersten Mal in seiner Laufbahn gelang es ihm, jede Rolle genau mit dem Schauspieler zu besetzen, der ihm beim Schreiben des Drehbuchs vorgeschwebt war. Schon seit langer Zeit ist er beeindruckt von Michelle Williams‘ Können und der emotionalen Wärme, mit der sie ihre Figuren immer ganz unverkennbar sein lässt. Mit Crudup hatte er zuvor schon an zwei Filmen gearbeitet. Die beiden sind eng miteinander befreundet.
 
Michelle Williams fand die emotionalen Höhen und Tiefen, die die Figuren in dieser Geschichte durchlaufen, absolut faszinierend. „Ich bin immer interessiert daran, Figuren zu spielen, wie ich sie noch nie zuvor gespielt habe, von denen ich nicht von vornherein weiß, wie ich sie anpacken soll“, erzählt sie. „Ich fand es spannend, dass ich mich wirklich strecken musste, um Isabel spielen zu können – eine Erfahrung, die durchaus auch etwas schmerzhaft war, weil ich mich an Orte bewegen musste, die mir bislang fremd gewesen waren.“
 
Williams war auch beeindruckt davon, wie groß Isabels Loyalität zu den Kindern des Waisenhauses ist. Tatsächlich vertraute sie Produzent Harry Finkel an, dass sie vor Drehstart unbedingt selbst Erfahrungen bei der Arbeit in einer solchen Einrichtung sammeln wollte. 
 
Die Überlegung, was einen „guten Vater“ ausmacht, beschäftigte Billy Crudup. Er und Freundlich hatten davor schon oft über ihre Rollen als Väter diskutiert. Die Themen des Films, was ein Elternteil seinen Kindern vermitteln will, wie man sie beschützen kann und wie man manchmal als Eltern versagt, sprachen die beiden ganz unmittelbar an. Crudup merkt an, dass es sich ganz natürlich und logisch anfühlte, etwas, was sie bislang nur als Freunde ausgetauscht hatten, gemeinsam auch in einem Film nachzuforschen. 
 
„Es bringt mir immer ungeheuer viel, mit Bart zu arbeiten“, erklärt Crudup. „Er versteht auf ganz intuitive Weise, wie sich monumentale Dinge oft in ganz kleinen Zusammenhängen abspielen. Bei fast jedem Gespräch, das wir über Oscar hatten, ging es immer darum, wie ich es schaffen könnte, die Dinge, die ihn innerlich zerreißen, nach außen immer so gut wie möglich herunterzuspielen. Dass ich dabei immer den richtigen Weg einschlug, hat viel damit zu tun, dass Bart genau wusste, was richtig für die Figur war.“
 
Julianne Moore machte sich sehr früh stark dafür, dass Abby Quinn für die Rolle der Grace in Betracht gezogen werden sollte. „Sie ist umwerfend“, findet Moore. „Weil ich als Partnerin meines Mannes in alle Phasen der Produktion involviert war, war ich auch bei allen Vorsprechterminen mit dabei. Sie stach sofort hervor. Es sah alles völlig mühelos aus, sie war ganz offen, es war wunderbar dabei zuzusehen. Ich habe die ganze Zeit gedacht: ,Bitte, bitte, gebt ihr die Rolle!‘“
 
Weil der Zeitplan eingedampft wurde und die Schauspieler vor dem Dreh nur wenig Zeit hatten, ihre Rollen zu proben, war Quinn besorgt, ob es ihr gelingen könnte, Grace im Kontext der engen familiären Beziehungen der Figur überzeugend darzustellen. Aber ihre Ängste stellten sich als unbegründet heraus. 
 
„Gleich nachdem ich Julie und Bart getroffen hatte, wusste ich, dass alles gut werden würde“, lacht sie. „Ich habe mehrere Stunden mit ihnen in ihrem Haus verbracht. Wir unterhielten uns über ihre Kinder und wo sie aufwachsen. Einfach nur Zeit mit ihnen zu verbringen und sich mit ihnen über unser Leben zu unterhalten, war eine hervorragende Basis für eine Verbindung zu Julie. Und ich hatte eine Gelegenheit zu verstehen, wie Bart sich die Figur vorstellte, bevor wir uns überhaupt zum ersten Mal am Drehort trafen.“
 
„Ich stellte schnell fest, dass ich mit Billy Crudup, Michelle Williams, Julianne Moore und Abby Quinn Schauspieler an meiner Seite hatte, die sich mit großer Lust den Konflikten und Widersprüchen stellten“, erklärt Freundlich. „Sie hatten Freude daran, eine Lage nach der anderen abzuziehen und immer neue Einblicke zu gewähren, was hier wirklich vor sich geht. Sie strebten danach zu entdecken, wie sehr diesen Menschen ihr Verhalten bewusst ist – und wieviel davon sich in ihrem Unterbewusstsein abspielt.“
 
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Freitag 27.09.2019
SKIN
Ab 03. Oktober 2019 im Kino
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Bryon Widner (Jamie Bell) trägt den Hass tief im Herzen und sichtbar auf der Haut. Seine zahlreichen Tätowierungen überziehen Körper, Gesicht und kahlrasierten Schädel – eingebrannte Verbildlichungen seiner Gewalttaten und Zeugnis einer von Hass und Unmenschlichkeit geprägten rechtsradikalen Gruppierung, angeführt von seinen Zieheltern "Ma" Shareen (Vera Farmiga) und "Pa" Fred Krager (Bill Kamp). Als er die dreifache Mutter Julie (Danielle Macdonald) kennenlernt und sie ungeahnte Gefühle der Liebe und Zugehörigkeit in ihm entfacht, beginnt er an seiner Ideologie zu zweifeln. Seinem zunehmenden Verantwortungsgefühl für ihr Wohl und das ihrer Töchter folgend, sucht er Hilfe beim afro-amerikanischen Menschenrechtsaktivisten Daryle (Mike Colter), der nicht nur zur entscheidenden Stütze in seinem schwierigen Prozess des Ausstiegs wird, sondern es ihm auch ermöglicht, seine verräterischen Symbole auf der Haut wieder loszuwerden. Es beginnt ein langwieriger und sehr schmerzhafter Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit...

Ein Film von Guy Nattiv
Mit Jamie Bell, Danielle Macdonald, Vera Farmiga, Bill Camp, Mike Colter, uvm.

Der israelische Filmemacher Guy Nattiv erzählt in seinem ersten US-Spielfilm SKIN – basierend auf seinem gleichnamigen, in diesem Jahr mit einem Oscar® prämierten Kurzfilm – authentisch und ungeschönt die Geschichte des Szeneaussteigers Bryon „Babs“ Widner, der zu den meistgesuchten weißen Suprematisten des FBI zählte. Nur durch die Hilfe des Menschenrechtsaktivisten Daryle Jenkins war der Ausstieg möglich, gemeinsam haben sie Geschichte geschrieben und gezeigt, wie (Rassen-)Hass überwunden werden kann. Nah am Leben, authentisch und packend hat Guy Nattiv den brisanten Stoff nach eigenem Drehbuch für das Kino aufbereitet. Weltpremiere feierte er 2018 auf dem Toronto International Film Festival, wo er mit dem FIPRESCI Preis der internationalen Vereinigung von Filmkritikern und Filmjournalisten ausgezeichnet wurde, und bei der diesjährigen Europapremiere im Rahmen der Berlinale, wo SKIN in der Sektion Panorama lief, gab es Standing Ovations. Jamie Bell ("Rocketman", "Billy Elliot – I Will Dance") besticht mit einer großartigen Performance als (Anti-) Held, Mike Colter ("Marvel‘s Luke Cage“, "Good Wife") als dessen Mentor. Die Rolle der dreifachen Mutter Julie hat Danielle Macdonald ("Dumplin", "Patti Cake$ – Queen of Rap") übernommen, als Zieheltern von „Babs“ überzeugen die Charakterdarsteller Bill Camp ("Vice – Der zweite Mann", "Red Sparrow") und Vera Farmiga ("Conjuring", "Up in the Air"). SKIN ist ein eindringliches, intensives und aufrüttelndes Thriller-Drama nach wahren Begebenheiten. Die Geschichte einer schmerzhaften Verwandlung und einer großen Liebe. Ein Film, der unter die Haut geht.

INHALT Ohio 2009. Ein Aufmarsch von fanatischen Anhängern der White-Supremacy-Bewegung. Rechtsradikale Sprüche werden skandiert, rassistische Plakate geschwenkt, Hände zum Hitler-Gruß hochgereckt. Unter ihnen Bryon Widner (Jamie Bell), genannt „Babs“. Wut und Hass trägt er sichtbar auf der Haut – Tattoos „schmücken“ Körper, Gesicht und den kahl rasierten Schädel. Militante Parolen, nationalsozialistische Symbole, als Zahlen verschlüsselte Botschaften... 33 steht beispielsweise für den Ku-Klux-Klan. K ist der elfte Buchstabe im Alphabet. Drei mal elf ergibt 33.
 
Zu schweren Ausschreitungen kommt es im Verlauf der Kundgebung. Die Polizei verliert die Kontrolle. Die weißen Suprematisten liefern sich mit den vorwiegend afroamerikanischen Gegendemonstraten eine Straßenschlacht, ein junger Schwarzer flüchtet in Panik. Widner läuft ihm nach, stellt ihn in einer Gasse. Prügelt auf ihn ein, schneidet ihm ein Hakenkreuz in die Wange. Kurz darauf wird Bryon verhaftet. Beim Verhör durch das FBI bietet Agentin Jackie Marks ((Mary Stuart Masterson) dem aggressiven jungen Mann einen Deal an: Wenn er gewillt ist, gegen den Klan auszusagen und Insider-Informationen preiszugeben, wird die Anklage gegen ihn fallen gelassen. 
 
Undenkbar für Widner, der eisern schweigt. Bald befindet er sich wieder auf freiem Fuß, kehrt zurück zur Ziehfamilie. Zu Mutter Shareen (Vera Farmiga) und Vater Fred „Hammer“ Krager (Bill Kamp), radikaler Führer und selbstherrlicher Drahtzieher einer radikalen Splittergruppe namens „Vinlander’s Social Club“. Da lernt „Babs“ bei einer Zusammenkunft der Rechtsradikalen, auf dem „Nordic Fest“, die dreifache Mutter Julie (Danielle MacDonald) kennen – und verliebt sich in die patente alleinerziehende Frau. Stark, selbstbewusst, dem Leben zugewandt, ist sie, der rechten Szene und ihrem gewalttätigen Ehemann hat sie vor Kurzem den Rücken gekehrt. 
 
Bryon beginnt – von alten Mitstreitern angefeindet, bedroht und terrorisiert – seine Wertewelt zu hinterfragen, kommt in Kontakt mit dem schwarzen Menschenrechtsaktivisten Daryle Jenkins (Mike Colter), Gründer des „One People’s Project“. Potentiellen Aussteigern bietet er seine Hilfe an, will „Müll will in menschliche Wesen verwandeln“. In Byron erkennt er den Menschen, der sich hinter seinen Tattoos versteckt. Sie müssen weg. Eine Sponsorin findet sich für die teure, schmerzhafte Behandlung. 612 Sitzungen wird es dauern, bis Bryon Widner zum neuen Mann geworden ist. Zum treusorgenden Vater, liebenden Gatten – und zum unermüdlichen Mitstreiter von Daryle Jenkins.



GLOSSAR
   
Daryle Lamont Jenkins
Geboren 1968 in Newark, New Jersey, politischer Aktivist, der sich als Gründer des One People's Project einen Namen gemacht hat. Der Afroamerikaner ist eine schillernde Persönlichkeit, war sowohl Teil der Punk-Rock-Szene als auch Polizist bei der United States Air Force. Er bietet ein Aussteiger-Programm für Neonazis an und marschiert bei AntiRassismus-Demos mit, wo er das Aufeinandertreffen von Antifa-Gruppen und Alt-RightDemonstranten auf Video festhält. 
 
One People’s Project
Im Jahr 2000 wurde das One People's Project (OPP) gegründet, um die Aktivitäten von einschlägig bekannten Rassisten und rechtsextremen Gruppierungen zu überwachen, dokumentieren und publizieren. Die bekanntesten Mitglieder der Organisation, die im Kern aus 15 Freiwilligen besteht, sind ihr Gründer Daryle Lamont Jenkins und Joshua Hoyt, der seit 2002 Mitglied ist. Das Motto der wohl bekanntesten US-amerikanischen Antifa-Bewegung lautet: „Hass hat Konsequenzen“.
   
Ku-Klux-Klan
Rassistischer, gewalttätiger Geheimbund, gegründet 1865 nach Ende des Sezessionskriegs. Primäres Ziel war die Unterdrückung der Afroamerikaner, heute richten sich Hass und Wut gegen alle nicht-weißen Minderheiten. Die paramilitärische Gruppierung wurde 1870 aufgelöst und 1915 als nativistische Organisation neu gegründet. Große Bekanntheit erlangte der Klan durch David W. Griffiths technisch wegweisenden, politisch fragwürdigen Stummfilm „Die Geburt einer Nation“. 
 
Rechtsextreme Zeichen und Symbole
Die Anhänger der (internationalen) rechtsextremistischen Szene bedienen sich bestimmter Symbole und Zeichen (Hakenkreuz, Schwarze Sonne, SS-Totenkopf etc.), um ihre Gesinnung zu demonstrieren. Die Symbolsprache umfasst neben verbotenen Parolen wie „Meine Ehre heißt Treue“, nationalsozialistischer Terminologie – etwa „Ostmark“ für Österreich – auch Zahlencodes. So steht 33 für den Ku-Klux-Klan. K ist der elfte Buchstabe im Alphabet. Drei mal elf ergibt 33. 
 
Southern Poverty Law Center 
Die Anwälte Morris Dees, Joseph Levin und Julian Bond gründeten das Southern Poverty Law Center (SPLC) 1971 ursprünglich als Rechtsanwaltskanzlei in Montgomery, Alabama, wo Rosa Parks 1955 den historischen Busboykott auslöste, weil sie sich geweigert hatte, ihrem Sitzplatz für einen Weißen zu räumen. Heute ist das „Rechtszentrum zur Armut im Süden“ eine Organisation, die Rassismus bekämpft und Bürgerrechte durch Forschung, Bildung und Zivilklageverfahren fördert.
 
White Supremacy
Die Suprematisten, Anhänger der „weißen Vorherrschaft“, gehen weltweit von der Annahme aus, dass „Europide“ allen anderen menschlichen „Rassen“ überlegen sind. Sie sehen sich in privilegierter Stellung, bestimmt zu herrschen, sei es politisch, religiös oder kulturell. Auf dieser    
Theorie basier(t)en zahlreiche rassistisch ideologische Systeme, darunter der deutsche Nationalsozialismus und das südafrikanische Apartheid-Regime. Pendant: Black Supremacy.     
 
Vinlanders Social Club
2003 wurde der Vinlanders Social Club (VSC) von Mitgliedern und Sympathisanten der Skinhed-Gruppe „Outlaw Hammerskins“ ins Leben gerufen. Der rassistischen Vereinigung gehörten Eric „Der Schlachter“ Fairburn und Brien James von den „Hoosier State Skinheads“, Steve Smith und vier weitere Ex-„Keystone State Skinheads“ sowie Anhänger der „Ohio State Skinheads“ an. Der VSC wurde 2010 vom Phoenix Police Department und der AntiDefamation League (ADF) zerschlagen.  
 
Bryon „Babs” Widner
Er galt lange Jahre als treibende Kraft der US-amerikanischen Neonazis: Bryon „Babs“ Widner, geboren (wohl) 1977. Als gewaltbereiter „Pitbull“ wurde der Mitbegründer des Vinlanders Social Club beschrieben. 16 Jahre lang waren Körper und Gesicht mit Hakenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen übersäht, ehe er sich entschloss, die Tattoos weglasern zu lassen. In „Erasing Hate“ (2011) dokumentiert Bill Brummel die Wandlung des Skinheads zum Menschenrechtsaktivisten. 




INTERVIEW MIT GUY NATTIV
 
Wie sind sie auf die Story gestoßen?
Jamie Ray Newman, meine jetzige Frau und Produktionspartnerin, und ich waren damals verlobt und führten eine Fernbeziehung. Ich stand 2012 kurz vor dem Umzug in die Staaten und war auf der Suche nach einem Stoff für meinen ersten amerikanischen Film. Ich saß in einem Coffee Shop in Tel Aviv und las eine Zeitung, in der Fotos von Bryon Widner abgedruckt waren – jenem verrückten, faszinierenden Ex-Neonazi, dessen Gesicht einst von Tätowierungen übersät war, die er sich in einem langen, schmerzhaften Prozess hatte entfernen lassen. So hat er sich äußerlich und innerlich, physisch und emotional, von seiner Vergangenheit gelöst. Als Enkel von vier Holocaust-Überlebenden wollte ich sofort mehr über ihn erfahren. Ich zeigte den Artikel meinem Großvater und er ermutigte mich, die Geschichte weiter zu verfolgen.
 
Wie ging es dann weiter?
Jaime und ich machten uns auf die Suche nach Bryon. Das stellte sich natürlich als große Herausforderung dar, denn er hielt sich versteckt. Doch es gelang uns, Kontakt aufzunehmen und er bot mir ein Treffen in einem Diner an einer Schnellstraße an. Ich flog also von Israel in die Staaten, war mir aber nicht sicher, ob Bryon auftauchen würde. Aber er kam – und wir saßen dann ganze vier Tage lang zusammen. Wir freundeten uns sogar an. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit einem Ex-Neonazi so gut auskommen würde.
 
SKIN ist ihr erster US-Spielfilm. Warum erzählen sie diese Geschichte jetzt?
Wir leben in verrückten Zeiten. Die Menschen haben die Hoffnung verloren. Worte wie „Friede” und „Liebe” sind zu Floskeln verkommen. 24 Stunden, sieben Tage die Woche sehen wir uns mit Gewalt und Hass konfrontiert. Als ich Bryons Geschichte 2012 las, waren die Vereinigten Staaten noch anders, aber die kommende Katastrophe war schon spürbar. Ich hatte das Gefühl, dass ich diese außergewöhnliche Geschichte von diesem innerlich wie äußerlich schwer verletzten Mann, der es geschafft hatte, sich grundlegend zu ändern, einfach erzählen musste. Manche Leute verdienen einfach eine zweite Chance. Es gibt Möglichkeiten, sich von der Vergangenheit zu befreien. Ich wollte das Publikum mit dieser Tatsache konfrontieren, die Zuschauer sollen in sich hineinschauen, vergeben, Hilfe anbieten. So wie es Daryle Lemont Jenkins getan hat, als er sich mit Bryon anfreundete und ihn letztendlich gerettet hat. 
 
Das klingt sehr einfach...
Ist es aber nicht. Im Gegenteil, es ist sogar sehr kompliziert. Ist Gewalt in unserer DNA angelegt? Können wir uns ändern, können wir uns davon lösen, wie wir erzogen wurden? Unser Film erforscht einen sehr komplizierten, vielschichtigen Mann. Ich will seinen schwierigen Weg nicht simplifizieren, ich will ihn nicht als unschuldiges Opfer zeigen, ich will ihn nicht schönreden. An seiner Metamorphose ist nichts einfach.
 
Wie sind sie in Sache Recherche und Drehbuch an das Projekt herangegangen?    
Bryon Widner und Daryle Lemont Jenkins haben mir beim Skript extrem geholfen. Wir haben uns mehrfach persönlich getroffen und ausgetauscht, haben im Verlauf von vier Jahren ewige Stunden telefoniert oder uns via Skype unterhalten. Ich habe obendrein mit Schlüsselpersonen des Southern Poverty Law Center gesprochen, die maßgeblich geholfen haben, Bryon zu retten. Nicht zu vergessen Bill Brummells fantastische MSNBC-Dokumentation "Erasing Hate" von 2011. Sie war für mich unbezahlbar. Brummell lebte während der zwei Jahre, in denen Bryon sich seine Tattoos entfernen ließ, immer wieder mit ihm und seiner Familie zusammen. Als ich mich ans Skript setzte, hatte man Obama gerade für seine zweite Amtszeit gewählt. Viele Menschen glaubten, dass es in den USA kaum Faschisten und White-Power-Extremisten gäbe. Leider ergaben meine Recherchen das Gegenteil. Im Hinterland der Vereinigten Staaten gibt es jede Menge Rassismus und Gewalt. Seit Trumps Wahl ist das ganz offensichtlich, aber im Zuge meiner Vorarbeit zum Film ist mir das schon viel früher klargeworden.
 
Können sie beschreiben, wie sie beim Casting vorgegangen sind? Hatten sie schon bestimmte Schauspieler im Kopf, als sie das Drehbuch schrieben?
Eigentlich nicht. Es war ein langer Prozess, bis wir den richtigen „Bryon” fanden. Die unglaubliche Laura Rosenthal und ihr talentiertes Team waren maßgeblich daran beteiligt, die passenden Schauspieler für SKIN zu finden. Mit der wunderschönen und begabten Danielle Macdonald hatte ich schon bei meinem Kurzfilm „Skin” zusammengearbeitet, ihr Spiel in PATTI CAKE$ hatte mich begeistert. Ich bot ihr also die Rolle der Julie an. Nachdem Danielle zugesagt hatte, hatte mein Produzent Oren Moverman die brillante Idee, Jamie Bell als Bryon zu engagieren. Ich habe Jamies Arbeit immer schon bewundert – sein Talent und seine Intelligenz. Um herauszufinden, ob er in der Lage war, diesen gnadenlosen, harten und schwer verletzten Mann zu spielen, fuhr ich nach Virginia, wo er gerade für die Fernsehserie „TURN – Washington’s Spies“ vor der Kamera stand. Wir unterhielten uns lange und ich erkannte in ihm einen reifen, reflektierten Mann, der die Tiefe, den Charme und die nötige Physis besaß, um Bryon zu verkörpern. 
 
Wie ging es dann weiter?
Wir machten uns an die Besetzung der Nebenrollen. Ich verabredete mich via Skype mit Vera (Farmiga), die ich seit Langem bewundere und unsere Chemie stimmte sofort. Es war mir wichtig, dass alle Charaktere echt und glaubwürdig wirkten – sie mussten zusammenpassen. Und das traf bei Bill (Camp), seiner Film-Ehefrau Vera und Louisa (Krause), die als April zu sehen ist, absolut zu. Nicht zu vergessen Mike Colter, der in die Rolle von Daryle Lamont Jenkins geschlüpft ist, auch da hätte ich mir niemanden besseren vorstellen können.
 
Können sie ein wenig auf Jamie Bells Transformation eingehen und erläutern, wie die Zusammenarbeit mit ihm war?
Jamie hat Bryon fesselnd und erschütternd porträtiert, ist in seiner schwierigen Rolle voll aufgegangen und hat für den Part innerhalb kürzester Zeit rund zehn Kilo zugenommen. Er hat sich mit Bryon Widner getroffen, sich mit ihm ausgiebig ausgetauscht, dessen Körpersprache und Mimik studiert. Er ist das Herz des Films, instinktiv und explosiv. Sein Spiel ist unglaublich nuanciert und komplex, er hat es perfekt verstanden, diesen zerrissenen, oft gewalttätigen Mann einzufangen. Ich habe Jamie viel Raum zum Improvisieren eingeräumt, er sollte sich in der Rolle wiederfinden. Ich habe ihm diesbezüglich voll vertraut. Er hat ausgiebig recherchiert, sich einschlägige Dokumentarfilme angesehen und auf diversen Websites mit den verschiedenen faschistoiden Gruppierungen befasst. Es hat jeden Tag dreieinhalb Stunden gedauert, bis er sich in Bryon verwandelt hatte – Tätowierungen, falsche Zähne, eine kleine Nasenprothese, Kontaktlinsen... Manchmal hat er seine Tätowierungen über Nacht behalten, um am nächsten Morgen Zeit zu sparen. Dann lief er voll tätowiert in der Gegend herum – die Leute haben ihn nicht angesehen, es war ihnen peinlich. Als ich ihn erstmals als Bryon sah, liefen mir Angstschauer über den Rücken.
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Donnerstag 19.09.2019
NUREJEW
Ab 26. September 2019 im Kino
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Paris in den 1960er Jahren: Der Kalte Krieg befindet sich auf seinem Höhepunkt und die Sowjetunion schickt ihre beste Tanzkompanie in den Westen, um ihre künstlerische Stärke zu demonstrieren. Das Leningrader Kirow-Ballett begeistert die Pariser Zuschauer, aber ein Mann sorgt für die Sensation: der virtuose junge Tänzer Rudolf Nurejew. Attraktiv, rebellisch und neugierig, lässt er sich vom kulturellen Leben der Stadt mitreißen. Begleitet von der schönen Chilenin Clara Saint (Adèle Exarchopoulos) streift er durch die Museen und Jazz-Clubs der Stadt, sehr zum Missfallen der KGB Spione, die ihm folgen. Doch Nureyev genießt den Geschmack der Freiheit und beschließt in Frankreich politisches Asyl zu beantragen. Ein höchst riskantes Katz- und Mausspiel mit dem sowjetischen Geheimdienst beginnt.

Ein Film von RALPH FIENNES
Mit OLEG IVENKO, ADÈLE EXARCHOPOULOS, CHULPAN KHAMATOVA, RALPH FIENNES u.a.

Beruhend auf wahren Ereignissen, erzählt Regisseur und Darsteller Ralph Fiennes (DER ENGLISCHE PATIENT) in Nurejew – THE WHITE CROW die unglaubliche Geschichte der sowjetischen Ballettlegende Rudolf Nurejew. Gedreht auf 16mm leben in atmosphärischen Bildern die bewegten 60er Jahre wieder auf. Die Rolle Nureyevs interpretiert eindrucksvoll der ukrainische Weltklasse-Balletttänzer Oleg Ivenko. Das Drehbuch stammt von David Hare (DER VORLESER).


Mai 1961. In der Hochphase des Kalten Krieges reist das Leningrader Kirow-Ballett (heute: Mariinski Ballett) in den Westen. Auch der junge Tänzer Rudolf Nurejew (Oleg Ivenko) gehört zu der weltberühmten Kompagnie, die am Pariser Flughafen Le Bourget eintrifft. Der KGB-Agent Strischewsky (Alexey Morozov), der die Truppe begleitet, behält ihn von Anfang an im Auge, denn Nurejew ist höchst eigenwillig: Er setzt sich ständig ab, erkundet Paris, steht früh morgens auf, um in den Louvre zu gehen und Géricaults Gemälde „Das Floß der Medusa“ zu betrachten. Dieser Rudolf Nurejew möchte in Paris so viel Hochkultur aufsaugen, wie es ihm in den fünf Wochen nur möglich ist. Auch so möchte er sich und seine Ballettkunst fortentwickeln – und die kleine, begrenzte Welt seiner Kindheit hinter sich lassen. 
 
Als Junge war er, was man in seiner Heimat Ufa eine „weiße Krähe“ nennt: ein Außenseiter, verschlossen, immer allein. Geboren wird er in der Transsibirischen Eisenbahn, und er wächst in einer bettelarmen Familie auf, fern von jeder Hochkultur. Als die liebevolle Mutter einmal in der Lotterie eine Karte für eine Ballettaufführung gewinnt, nimmt sie all ihre Kinder mit, und der kleine Rudolf ist völlig verzaubert: Er will Balletttänzer werden. 
 
Diesem Ziel kommt er näher, als er 1955 im Choreographischen Institut Leningrad aufgenommen wird, der berühmtesten Ballettschule der Welt. Doch er ist schon 17, eigentlich viel zu alt. Mit seinem Lehrer kommt er nicht zurecht, forsch und zornig verlangt der ehrgeizige junge Mann, in der Gruppe des legendären Ballettmeisters Alexander Puschkin (Ralph Fiennes) aufgenommen zu werden. Unter diesem arbeitet er wie besessen, trainiert noch, als alle anderen schon nach Hause gegangen sind. Der sanftmütige Lehrer und seine Frau Ksenija (Chulpan Khamatova) kümmern sich auch privat um Rudolf, selbst dann noch, als er nach der Ausbildung eine Stelle im Kirow-Ballett angetreten hat. Als er sich einen Fuß bricht, nimmt das Paar ihn bei sich in der kleinen Ein-Zimmer Wohnung auf: Zwischen Rudolfs Krankenlager und dem Ehebett steht nur ein Paravent. Ksenija pflegt ihn gesund – und beginnt eine Affäre mit dem bisexuellen Mann. 

Bald fühlt sich Rudolf Nurejew bei den Puschkins immer eingeengter, er will ausbrechen, träumt von einer anderen, größeren Welt – da kommt die Reise in den Westen gerade recht.
In Paris freundet er sich mit dem Tänzer Pierre Lacotte (Raphaël Personnaz) und der jungen Chilenin Clara Saint (Adèle Exarchopoulos) an. Mit ihnen erkundet er die Kultur der Stadt und zieht durch Restaurants und Nachtclubs – sehr zum Missfallen von KGB-Mann Strischewsky, der Rudolf mehrmals ermahnen, einmal sogar offiziell verwarnen wird. Aber Rudolf will mit den neuen Freunden das westliche Leben genießen, und er will seinen Erfolg feiern: Schon mit seinem ersten Auftritt wird er in Paris zum umjubelten Star. Das Publikum ist hingerissen von diesem Tänzer mit der unglaublichen Bühnenpräsenz und Aura, diesem Tänzer, der die männliche Rolle im Ballett neu definiert. „Männer standen nur da und taten nichts, die Frauen machten Sätze, Sprünge und Drehungen. Ich habe mich bei den Frauen bedient“, erklärt er Clara Saint. Diese ist fasziniert von seinem Charisma – aber sie bekommt auch die dunklen Seiten seines Charakters zu spüren. Ob in einem Laden, in dem er eine Spielzeugeisenbahn kaufen möchte, oder im feinen russischen Restaurant: Blitzartig kann Rudolf aggressiv werden, ungehalten und beleidigend, auch gegenüber Clara. Und doch wird sie ihm in einem entscheidenden Moment seines Lebens zur Seite stehen.      
 
Als die Kompagnie wieder am Flughafen Le Bourget eintrifft, um nach London weiterzureisen, eröffnen Strischewsky und Ballettchef Sergejew (Nebojsa Dugalic) Rudolf Nurejew, dass er allein nach Moskau zurückreisen muss. Sofort wird er panisch, er glaubt, verschleppt und inhaftiert zu werden. Pierre Lacotte, der zum Abschied gekommen ist, bleibt an seiner Seite und bittet Clara herbei, um sie zu unterstützen. Die Situation ist unübersichtlich: In der Schalterhalle sind Fans, Journalisten, Tänzer versammelt, auch zwei Flughafenpolizisten, die Clara geistesgegenwärtig herbeiruft. Dazwischen sitzen KGB-Agent Strischewsky und Rudolf Nurejew, schweißüberströmt und voller Angst. Er möchte in Paris bleiben und sich von der Kompagnie absetzen: Doch wie kann das gelingen? Und zu welchem Preis? Eine Nervenschlacht beginnt ...
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Donnerstag 12.09.2019
SYSTEMSPRENGER
Ab 19. September 2019 im Kino
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Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule: Egal, wo Benni hinkommt, sie fliegt sofort wieder raus. Die wilde Neunjährige ist das, was man im Jugendamt einen „Systemsprenger“ nennt. Dabei will Benni nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei ihrer Mutter wohnen! Doch Bianca hat Angst vor ihrer unberechenbaren Tochter. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint und keine Lösung mehr in Sicht ist, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha, sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien.

Ein Film von Nora Fingscheidt
Mit Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide,  Lisa Hagmeister u.v.a.

Im Wettbewerb der 69. Internationalen Filmfestspielen Berlin 2019 feierte SYSTEMSPRENGER eine fulminante Premiere. Die Regisseurin Nora Fingscheidt überzeugte die Jury und durfte sich für ihr intensives und gefühlvolles Spielfilmdebüt über den Silbernen Bären / AlfredBauer-Preis sowie über den Publikumspreis der Leserjury der Berliner Morgenpost freuen. 
Das großartige Ensemble begeistert – allen voran Helena Zengel, die mit körperlicher Wucht Bennis expressiver Wut ein zartes Gesicht verleiht, Lisa Hagmeister als Mutter, die Überforderung und Gebrochenheit eindrücklich verkörpert. Albrecht Schuch ist als Betreuer Micha der perfekte Gegenpol zu Benni. Gabriela Maria Schmeide überzeugt realitätsnah als Mitarbeiterin des Jugendamts, die alles Mögliche unternimmt, um Benni im Rahmen des Systems zu helfen. Einem System, das an diesem Anspruch scheitert und durch Kinder wie Benni „gesprengt“ wird. 
SYSTEMSPRENGER ist seit der Berlinale auf zahlreichen Festivals gelaufen und mehrfach ausgezeichnet worden, darunter beim 23. Sofia International Film Festival mit dem Preis für die Beste Regie, beim Molodist – 47. Internationales Filmfestival Kiew mit dem Preis der Ökumenischen Jury sowie beim 29. Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern mit vier Preisen und beim 30. Internationalen Filmfest Emden-Norderney mit zwei Preisen. 
SYSTEMSPRENGER ist eine Produktion von kineo Filmproduktion und Weydemann Bros., in Ko-Produktion mit Oma Inge Film und ZDF / Das kleine Fernsehspiel; mit Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Deutschen Filmförderfonds, der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, des Medienboard Berlin-Brandenburg, nordmedia und des Kuratorium junger deutscher Film. 
 
Sie ist wild, sie ist aggressiv und unberechenbar. Benni heißt eigentlich Bernadette. Aber wehe, jemand nennt sie so! Pflegefamilien, Wohngruppen, Sonderschule: Alles hat Benni schon hinter sich, und überall fliegt sie wieder raus. Die äußerlich zarte Neunjährige ist jetzt schon das, was man beim Jugendamt einen „Systemsprenger“ nennt. Doch das ist Benni egal, denn sie hat nur ein Ziel: Wieder bei ihrer Mutter wohnen! Aber Bianca ist völlig überfordert mit ihrer Tochter.
 
Die warmherzige Frau Bafané vom Jugendamt droht zu verzweifeln. Niemand will Benni mehr aufnehmen. Von der Schule ist sie dauerhaft suspendiert. Nicht einmal der Alltag mit ihr ist zu schaffen: Wegen traumatischer Erfahrungen in frühester Kindheit darf niemand ihr Gesicht berühren. Frau Bafané wagt ein letztes Experiment und engagiert Micha, einen Anti-GewaltTrainer für straffällige Jugendliche. Nach anfänglichem Widerstand lässt Benni sich auf Micha ein, und anstatt einer erneuten Einweisung in die Kinderpsychiatrie ermöglicht er ihr einen gemeinsamen Aufenthalt in der Natur. Drei Wochen Erlebnispädagogik ohne Strom und fließendes Wasser. Die Zeit im Wald stellt nicht nur Benni, sondern auch Micha auf eine harte Probe. Der sonst so selbstbewusste Mann kommt an seine Grenzen. Doch es gelingt ihm schließlich, ein Erlebnis für Benni zu schaffen, auf das sie stolz sein kann, und einen wirklichen Zugang zu ihr zu finden.
 
Zurück in der ‚Zivilisation’ klammert Benni sich an Micha und möchte bei ihm bleiben. Aber Micha hat eine eigene Familie und erkennt, dass er seine professionelle Distanz verliert. Als Bennis Mutter plötzlich wieder auftaucht, nehmen die Dinge ihren eigenen Lauf.
 

REGIEKOMMENTAR – NORA FINGSCHEIDT
Mich faszinieren Kinder, die nicht zu bändigen sind und die vor Lebensenergie nur so strotzen. Kinder, die mit voller Wucht unsere Vorstellung von einem liebenswerten und „systemkonformen“ Kind erschüttern. Als wir vor sechs Jahren einen Dokumentarfilm über ein Heim für wohnungslose Frauen in Stuttgart drehten, hörte ich zum ersten Mal den inoffiziellen, aber in der Jugendhilfe gängigen Begriff „Systemsprenger“. Denn die Bewohnerin, die an diesem Tag einzog, war erst 14 Jahre alt. Keine Institution der Jugendhilfe wollte sie mehr aufnehmen. 
Es folgte eine lange Zeit der Recherche und des Schreibens, ein Prozess, der mich immer wieder an meine persönlichen Grenzen brachte - und doch persönlich bereicherte. „Systemsprenger“ sind Kinder mit unglaublicher Kraft und Ausdauer. Aber sie sind tragische Figuren, weil sie so früh schon Schlimmes erleben müssen und ihre Chancen für die Zukunft aufs Spiel setzen. Wie viel Energie braucht jemand, um pädagogisch ausgebildete Erwachsene immer wieder in die Verzweiflung zu treiben? Was, wenn es möglich wäre, diese Energie konstruktiv umzuleiten? Und was ist das eigentlich für ein „System“, das am Ende ja auch aus Menschen besteht, die helfen wollen, aber immer wieder vor Hindernisse gestellt werden? Nicht selten begegnet die restliche Gesellschaft den „Systemsprengern“ erst später, wenn sie im schlimmsten Fall als junge Erwachsene gewalttätig werden. Dann werden sie schnell als „Täter“ verurteilt. Allerdings bringt uns die Grenze, die wir zwischen Tätern und Opfern so gerne ziehen, nicht weiter. Jedenfalls nicht, wenn wir den Kindern helfen wollen.  Wir haben diesen Film gemacht, um Verständnis für Kinder wie Benni zu wecken. Der Strudel aus Wohnorten, der dauerhafte Wechsel von Bezugspersonen. Wie soll ein Kind, dessen einzige Kontinuität der Wechsel ist, irgendwo Halt finden? Gleichzeitig reißt Benni uns mit in die wilde und fantasievolle Welt eines Kindes, das um die Liebe seiner Mutter kämpft. Der Film soll trotz aller Tragik Bennis Lebensenergie widerspiegeln, ihren Humor und ihre Sehnsucht, und dabei im besten Fall ein mit allen Sinnen spürbares Kinoerlebnis schaffen. Bennis Verhalten mag schockieren, doch die Zuschauer sollen sie lieben und um sie fürchten. Gewalt von Kindern ist ein Hilfeschrei. Immer. 


WENN SELBST DAS ECHO NICHT MEHR ANTWORTET…
„SYSTEMSPRENGER“ – ZWISCHEN KUNST UND REALITÄT VON PROFESSOR DR. MENNO BAUMANN
Ich hatte in den letzten fast sechs Jahren die große Ehre und das Vergnügen, die Entwicklung und Entstehung dieses Filmes von der Frage „Wäre das ein Thema für einen Film“ über die verschiedenen Drehbuchfassungen bis zu den Dreharbeiten immer wieder begleiten zu dürfen. Von mir, so hieß es, könnten auf Grund meiner praktischen Erfahrung in der Jugendhilfe, aber auch auf Grund meiner Forschungsarbeiten, die an diesem Projekt Beteiligten vieles lernen…

Die Frage, wie dieses komplexe Thema im Rahmen eines Kunstwerkes – und das ist dieser Film ohne jeden Zweifel – darstellbar sei, hat mich jedoch im Erleben mehr zu einem Lernenden gemacht als zu einem Berater. Voller Spannung durfte ich erleben, wie einerseits die Ernsthaftigkeit und das gesellschaftliche Drama, das sich hinter diesem Titel verbirgt, deutlich und realitätsnah bestehen blieben. Und andererseits entstand ein Film, dessen Handlung auch für Menschen, die mit diesem Thema noch nie in Berührung gekommen waren, nachvollziehbar und ansprechend wirkt. Resümierend bleibt dabei aber doch die „fachliche“ Frage: Wie realistisch ist dieser Film? Beim ersten Mal, als ich SYSTEMSPRENGER sah, fiel mir gleich eine Frage ein: Müsste zu Zeiten gender-gerechter Sprache der Film nicht konsequenterweise „Systemsprengerin“ heißen?

Die Antwort wurde mir schnell klar: Auf keinen Fall! Denn es geht hier nicht einfach nur um Benni, sondern der Terminus muss im Plural gedacht werden – angewendet auf alle Akteure des Filmes gleichermaßen. Denn – so lehre ich das im Rahmen von pädagogischen Diagnostikseminaren seit Jahren – Benni ist kein Fall, sondern ein Kind. Der Fall ist die Gesamtheit an Dingen, die sich mit, um und für Benni ereignen – inklusive überforderter Helfer, zu hoher Fallzahlen in den Jugendämtern, Kommunikationsrituale und -Spielregeln zwischen Schule, Psychiatrie und Jugendhilfe, Personalnot in den Einrichtungen etc. Insofern zeigt sich hier das Fingerspitzengefühl der Regisseurin: Benni ist nicht einfach „die Systemsprengerin“, sondern es wird ein komplexer Vorgang beschrieben, wie es ihn zum Glück nicht so häufig, aber doch immer wieder gibt. Verschiedene Untersuchungen im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe wie auch der Sozial-Psychiatrie haben gezeigt, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, denen im Rahmen der bestehenden Hilfesysteme offenbar kaum geholfen werden kann.

Sie wandern von Maßnahme zu Maßnahme, kommen immer wieder von Psychiatrie zu Inobhutnahmestelle, in eine neue Pflegefamilie oder in ein neues Heim. Die Ambivalenzen der überforderten, ängstlichen, im Grunde aber doch liebevollen Mutter sind in diesen „Fallverläufen“ ebenfalls ein typisches Muster. Diese Dynamiken, die in der Fachwelt oft mit dem hilflosen Begriff des „Systemsprengers“ (dabei handelt es sich nicht um einen Fachbegriff, siehe mein YouTube-Beitrag: „Systemsprenger – Versuch einer Definition“) benannt werden, hat der Film auf absolut reale Weise eingefangen. Es gibt sie, die „Bennis“, die hilflos durch das Helfersystem zu irren scheinen und dabei, zwischen ihrer Angst und ihren eigenen Machtphantasien gefangen, hilflose Helfer zurücklassen. Verschiedene Studien kommen zu dem Ergebnis, dass ihr Anteil innerhalb der stationären Jugendhilfe (Heimerziehung) in etwa bei fünf Prozent liegt, vielleicht sind es auch sieben. Also eigentlich eine kleine Gruppe - da diese aber hoch dynamisch unterwegs ist, beschäftigt sie das System extrem. Die nächste Frage: Sind das tatsächlich Kinder wie Benni?

Eine Untersuchung, die ich vor einigen Jahren an der Universität Oldenburg geleitet habe, zeigte: Ja, es gibt auch Kinder, die im Alter von unter zehn Jahren schon überall rausfliegen und auf dieser „Reise“ sind. Prototypisch ist das aber nicht (etwas vier Prozent aller „Systemsprenger“ sind jünger als zehn Jahre). Der größte Teil, der von diesem Phänomen betroffenen Kinder und Jugendlichen, ist älter als dreizehn Jahre, die Phänomene der gewaltsamen Impulsdurchbrüche und des Weglaufens sind dabei aber prototypisch (zusammen mit Drogenkonsum, Selbstverletzungen und Zündeleien).  Besonders sorgsam ging die Regisseurin bei der Auswahl der einzelnen Szenen vor. In ihrer akribischen Recherchearbeit sammelte sie so viel Material aus eigenen Erlebnissen und Erzählungen von Pädagogen und Pädagoginnen, dass fast jede einzelne Szene sich irgendwo in Deutschland genau so abgespielt hat. Die Reflexion dieser Ereignisse, so dass ein in sich stringenter Charakter „Benni“ entsteht, hat dabei riesige Freude bereitet. Natürlich steht die Frage nach der Realität auch bezüglich der Erziehungsmaßnahme „drei Wochen Wald“. In ungewöhnlichen Fallverläufen greift die Pädagogik in der Tat auch zu ungewöhnlichen Mitteln – und somit ist dies sicherlich wiederum eine absolute Ausnahme, aber keineswegs undenkbar, dass auch eine solche „Maßnahme“ in Erwägung gezogen wird. Erlebnispädagogische Projekte gibt es mittlerweile viele, und fast alle entstanden aus dem spontanen Entschluss, einfach mal was auszuprobieren.

Auch die Spaltung des Helfersystems in einerseits überfordert-genervte Menschen, die immer darauf pochen, „das sei so nicht ihre Aufgabe“ und den engagierten „Rettern“, die letztlich damit überfordert sind, die Grenzen zwischen ihren Emotionen und ihrer Fachlichkeit, die nicht ohne Emotionen auskommt, aber auch nicht von diesen überrannt werden darf, zu wahren, ist etwas, das ich als Berater intensivpädagogischer Einrichtungen seit Jahren bestens kenne. Dass dabei auch Grenzüberschreitungen bis ins Private hinein geschehen, ist absolut keine Seltenheit. Als wunderschön empfinde ich die Symbolsprache des Filmes. So wird eine verschwommene Drehtür am Beginn der Flughafen-Szene gezeigt – in der Tat wird der Prozess, dem Benni zwischen Heimen, Pflegefamilien, Inobhutnahmen und Psychiatrien ausgesetzt wird, als „Drehtüreffekt“ bezeichnet. Und die Auslandsmaßnahme ist eben die nächste Stufe der Eskalation – auch wenn diese Maßnahmen oft sehr hilfreich sind, wenn sie gut arrangiert werden. Auch die drei möglichen Film-Enden, nach dem Benni weggelaufen ist, stellen die Ambivalenz ihres Lebens, ihrer Sehnsüchte und ihrer Ängste beeindruckend und künstlerisch dar: Das Verstecken in der Hundehütte des eigentlich angstbesetzten Wachhundes, die Geborgenheit in den Armen Michas und die nüchterne Lagerung auf der Krankenwagenpritsche zeigen, dass solche Situationen in der Realität eben kein eindeutiges, „wahres“ Ende haben können.

Dies muss der Zuschauer – Profi oder nicht – aushalten lernen. Meine persönliche Lieblingsszene ist die Szene im Wald, wo Micha Benni zeigen möchte, was ein Echo ist. Voller Verzweiflung brüllt sie ihr „Mama“ ins Tal, aber nicht einmal das Echo antwortet ihr. Besser lässt sich die Gefühlswelt dieser Kinder, die ich in den letzten Jahren kennen lernen durfte, nicht darstellen. Natürlich enthält der Film auch Vereinfachungen und Reduktionen, an denen sich nachweisen ließe, das gewisse Darstellungen unrealistisch seien. SYTEMSPRENGER ist kein Dokumentarfilm, sondern eine fiktionale Filmerzählung. So wird die Vielzahl der Menschen, die im realen Leben hier beteiligt wären, reduziert: pro Heim maximal zwei Erzieher, immer dieselbe Ärztin…

Auch werden alle Akteure in diesem Film als durchweg engagiert und an ernsthafter Kooperation interessiert dargestellt – eine Stärke des Films, ohne Schuldzuweisungen und simple Erklärungen auszukommen! Aber leider gelingt dies in der Realität nicht immer so einfach. Wenn jedes Kind ein Kooperationssystem um sich hätte wie Benni, würde manches mehr gelingen. Unter dem Strich sehe ich aber einen beeindruckenden Film, der ein sehr ernstes Thema unserer Kinder- und Jugendhilfe aufgegriffen und in seiner Komplexität in Szene gesetzt hat. Nach den Spielregeln der Filmwelt, aber auch unter Brechung ebendieser. Denn immer, wenn der Zuschauer glaubt, Hoffnung keimt auf, belehrt uns der Film eines Besseren. Und dieses Kerngefühl, das Helfer und Helferinnen in ihrer Arbeit immer wieder erleben, ist in dem Film eingefangen. SYSTEMSPRENGER verlangt vom Publikum das, was Benni von jedem einzelnen mit ihr konfrontierten Erwachsenen verlangt: Auszuhalten, dass es auch diese Seite des Menschseins gibt!
 
Professor Dr. Menno Baumann, Professor für Intensivpädagogik, Fliedner-Fachhochschule Düsseldorf, Leinerstift Kinder-, Jugend- und Familienhilfe e.V. Großefehn/Ostfriesland
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